Adieu, Sir Simon - Rattle will die Berliner Philharmoniker 2018 verlassen

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    • Adieu, Sir Simon - Rattle will die Berliner Philharmoniker 2018 verlassen

      Soeben über Facebook erfahren:

      "Im Rahmen einer Orchestervollversammlung hat Sir Simon Rattle bekannt gegeben, dass er mit dem Auslaufen seines derzeitigen Vertrages im Sommer 2018 seine Amtszeit als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker beenden wird.

      Sir Simon Rattle: »2018 werde ich 16 Jahre mit den Berliner Philharmonikern zusammengearbeitet haben. Davor war ich bereits 18 Jahre Chefdirigent in Birmingham. Außerdem werde ich dann kurz vor meinem 64. Geburtstag stehen. Als ein ›Liverpudlian‹ kann man diesen besonderen Geburtstag nicht ohne die Frage der Beatles: ›Will you still need me, when I’m 64?‹ begehen. Ich bin mir sicher, dass es dann an der Zeit ist, dass jemand anderes die große und großartige Herausforderung übernehmen sollte, die Berliner Philharmoniker heißt. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Ich liebe dieses Orchester und habe auch deswegen den Musikern meinen Entschluss so früh wie möglich mitgeteilt. Ich hoffe sehr, dass ihnen damit genug Zeit bleibt, um in Ruhe die weitere Planung zu beginnen. Ich freue mich auf viele schöne Konzerte in den kommenden fünf Jahren und darüber hinaus und bin sehr dankbar für die bisherige gemeinsame Zeit.«"

      Was ist neben einem Resümee, das bestimmt folgen wird, die wichtigste Frage? Genau: Wer wird Nachfolger? Ich tippe auf Andris Nelsons. Später mehr.
    • wow. Von jetzt an heißt es also 5-6 Jahre gespannt sein. Tatsächlich: weniger spannend, ob Merkel dann noch kanzlert (ich meine: ja), Wowi weiterhin regierender Partymeister sein wird, BER in Betrieb genommen sein wird, die Elbphilharmonie und Stuttgart 21, interessanter, wer diesen Job bekommen wird.
      Trotz aller Kritik: Man wird Rattle nachweinen und den Neuen skeptisch beäugen.
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • Hab's auch gerade gesehen:
      "http://www.berliner-philharmoniker.de/news-medien/meldungen/detail/meldung/sir-simon-rattle-beendet-seine-amtszeit-2018/"

      Hoffentlich steht er auch über 2018 hinaus als Gastdirigent zur Verfügung. Ich wüsste keinen Nachfolger, der ihm auch nur annähernd das Wasser reichen könnte. Und wenn Thielemann kommt, gehe ich ohnehin nur noch zu Gastdirigenten-Auftritten.
      "This is a song about love and loss. Which makes it exactly like every other song I've ever written."
      (Marc Cohn)
    • Ich glaube kaum, dass man vor 2016 ernsthafte Spekulationen anstellen kann. Nelsons wäre, wenn er es würde, mit dann knapp 40 der jüngste Chef seit Furtwängler (der war 36). Warum gerade Nelsons? Gäbe es nicht eine ganze Reihe Kandidaten, die eine (knappe) Generation älter und erheblich prominenter sind und in 6 Jahren noch rüstig genug...
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Er hat recht, besser man sagt: "Oweh, schade" als "Gottlob, endlich!" Nach der Zeit ist der Kreis so ziemlich ausgeschritten, Sawallisch riet im aktuellen Opernwelt-Interview auch dazu, auf keinen Fall länger als 20 oder besser 10 Jahre an einem Haus zu bleiben.
      Ein Mann, der kleine Kinder und Hunde haßt, kann kein so schlechter Mensch sein. (W. C. Fields)
    • Kandidaten, die jetzt schon 70 oder gar über 80 Jahre alt sind, scheiden sicher aus. Sonst wäre vermutlich der dann 75jährige Mariss Jansons Kandidat Nr. 1. Das wird aber wohl nichts.

      Keine Ahnung, wer im Orchester eine Mehrheit hinter sich bringen könnte. Eine Frage für Insider. An Metzmacher glaube ich persönlich nicht, auch an P. Järvi eher nicht. Dann noch eher Thielemann. Nelsons wäre sicher ein Kandidat, aber es gibt auch Fälle, bei denen zunächst hoch gehandelte junge Dirigenten wie z.B. Daniel Harding den großen Durchbruch dann doch nie richtig schaffen.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Das ist eine Nachricht, die mich sehr betrübt. Rattle hat in Berlin m. E. etwas aufgebaut, er hat das Orchester zu neuen Ufern geführt, jenseits des Images vom Vorzeige-Ensemble für den ominösen "deutschen Klang". Ich persönlich hätte es gerne gesehen, wenn er in eine Verlängerung bis z. B. 2022 oder evtl. sogar 2024 eingewilligt hätte, um die Früchte seiner Arbeit weiter ernten zu können.

      Das letzte, was die Berliner Philharmoniker ab 2018 brauchen können, ist m. E. ein Rückfall in risikolose Gefilde. Insofern soll Herr Thielemann sich bitte auf andere Aufgaben konzentrieren! :D

      Ein Nachfolger? Das dürfte ein schwieriges Unterfangen werden.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Paavo Järvi kann ich mir gegenwärtig nicht vorstellen (würde ich auch nicht befürworten) und Thielemann darf sich dieses Orchester einfach nicht erlauben. Das wäre ein Absturz ohne Gleichen (für das Orchester, um da unnötigerweise keinen Platz für Missverständnisse offen zu lassen).
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • pedrillo schrieb:

      Kirill Petrenko? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er in München glücklich wird...


      Na, da wäre ich mir nicht so sicher. Abwarten.

      Einerseits hat Petrenko ja wohl gerade ein sehr erfolgreiches Konzert mit den Berliner Philharmonikern gegeben (u.a. Werke von Rudi Stephan), andererseits ist die ganz große Medienpräsenz bei ihm noch nicht da (was sich natürlich ändern kann). Und ohne Medienpräsenz geht hier nix, das steht fest.


      Viele Grüße

      Bernd
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    • Wie war das eigentlich, als damals Simon Rattle den Posten bekommen hat? War er schon sehr bekannt und präsent in Deutschland? Wurde er vorher als Favorit gehandelt oder war das eine Überraschung?
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Zwielicht schrieb:

      Kandidaten, die jetzt schon 70 oder gar über 80 Jahre alt sind, scheiden sicher aus. Sonst wäre vermutlich der dann 75jährige Mariss Jansons Kandidat Nr. 1. Das wird aber wohl nichts.

      Keine Ahnung, wer im Orchester eine Mehrheit hinter sich bringen könnte. Eine Frage für Insider. An Metzmacher glaube ich persönlich nicht, auch an P. Järvi eher nicht. Dann noch eher Thielemann. Nelsons wäre sicher ein Kandidat, aber es gibt auch Fälle, bei denen zunächst hoch gehandelte junge Dirigenten wie z.B. Daniel Harding den großen Durchbruch dann doch nie richtig schaffen.


      Viele Grüße

      Bernd

      Ein Problem bei der Suche nach einem Nachfolger wird sein, daß es jenseits der "großen Alten" (z. B. Jansons, Barenboim) wenige Dirigenten der momentan mittleren Generation gibt, die in das Profil eines BPhil-Chefs in der Nachfolge Rattles passen. Järvi finde ich persönlich sehr spannend, aber er hat noch zu wenig Breitenwirkung erzielt. Metzmacher ist wahrscheinlich etwas zu "einseitig modernistisch". Thielemann ist prominent, aber er steht für eine zu konservative Ausrichtung.

      Bleiben noch die etwas Jüngeren, nach 1970 geborenen, die 2018 in ihren 40ern sein werden. Da fallen mir spontan Philippe Jordan, Nelsons und Petrenko ein. Alle drei wären aber weit weniger spektakuläre Personalien als die Berufung von Rattle um die Jahrtausendwende.

      Und Dudamel bräuchte man m. E. nicht unbedingt...

      LG :wink:
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    • Cherubino schrieb:

      Wie war das eigentlich, als damals Simon Rattle den Posten bekommen hat? War er schon sehr bekannt und präsent in Deutschland? Wurde er vorher als Favorit gehandelt oder war das eine Überraschung?


      Nee, das war keine Überraschung. Rattle war damals der Shootingstar, galt aber wegen seiner langjährigen Tätigkeit in Birmingham als das Gegenteil eines Jet-Set-Dirigenten und wurde oft für die Abbado-Nachfolge gehandelt.


      Viele Grüße

      Bernd
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    • Von den jetzt Anfang/Mitte 30-jährigen sehe ich jedenfalls noch niemanden, der die Medienpräsenz von zB Paavo Järvi, Salonen, Thielemann, Chailly u.a. hätte. Wie schon gesagt wurde, ist zB jemand wie Harding (*1975), der mit Anfang 20 zu Superstar aufzusteigen schien, inzwischen eher wieder in den Hintergrund getreten.
      Wäre evtl. ein "HIPist" wie Minkowski, Hengelbrock, Fey denkbar? Vermutlich zu wenig im romantischen und modernen Repertoire unterwegs.

      Janssons ist bis dahin zu alt, klar. Barenboim, Muti erst recht. Chailly wäre möglich, zwei Jahre älter als Rattle, von den bisher gehaltenen Posten beurteilt ist er der prominenteste unter 60jährige Dirigent der Gegenwart. Halte ich aber für wenig wahrscheinlich; ich vermute auch, dass man einen etwas jüngeren wählen wird.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Salonen hatte ich vergessen, der wäre in der Tat eine interessante Option und bei Amtsantritt 60 Jahre alt.

      Denkbar wäre m. E. auch eine "Übergangslösung", also einen der "großen Alten" mit einem eher kurz laufenden Vertrag auszustatten, wie z. B. Barenboim bis 2024 o. ä. (falls er 2016 bei evtl. Verhandlungen vermittelt, noch in der Verfassung für den Job zu sein). Dann könnte man um ca. 2022 mit einem der jetzigen Youngster verhandeln, falls diese sich entsprechend entwickelt haben.

      Die HIPisten halte ich für eine unwahrscheinliche Option, da dies zu risikoreich wäre. In weiten Teilen des BPhil-Kernrepertoires hat sich HIP oder auch ein deutlich HIP-beeinflußtes Klangbild (noch) nicht wirklich durchsetzen können, und ob die Umstellung auf Non-HIP gelingt, dürfte als Wagnis gelten.

      Am günstigsten fände ich es, wenn man Rattle einfach umstimmt und er nochmal verlängert. :D

      LG :wink:
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