Zum Wagner-Jahr 2013: Lieblingsstellen bei Wagner

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    • Eusebius schrieb:

      Dieser Thread sollte umbenannt werden in "Überflüssiges Gerede von Wagner Verächtern".
      juhu, endlich gewinnt dieser Thread doch noch einen gewissen Spaßfaktor. :thumbup:

      Eusebius schrieb:

      Ich für mein Teil liebe fast alles aus der Feder des bedeutendsten Opernkomponisten aller Zeiten.
      Ich auch.
      Vor allem die Teile seines Werkes, die wunderbare Verarschungs-Steilvorlagen liefern.... (z.B. Mark Twain, Daniel Spitzer, Nestroy leisteten bereits im 19. Jahrhundert dazu unterhaltsame Pionierarbeit)

      Eusebius schrieb:

      Und der Meister hätte all die Häme gar nicht erst zur Kenntnis genommen.
      Nicht leicht zu beurteilen, weil keiner von uns dabei gewesen ist.
      Und wer weiß; mit vergleichbarer Lebenserwartung wie z.B. Verdi, hätte Wagner durchaus Gaudi an Richard Strauss "Feuersnot" gehabt.
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Wenn ich recht erinnere, finde ich musikalisch aber das folgende "Heil dir Sonne" etc. eindrucksvoller als Siegfrieds Entdeckung, dass es nicht nur eine Sorte Menschen gibt...
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Siegfried war ja nun mal ein Naivling. Brünnhilde die erste Frau, der er jemals näher kam. Furcht war ihm ein Fremdwort. Und nun verliebt er sich und bekommt es zum ersten Mal mit der Angst zu tun. Das finde ich einfach nur süß und keineswegs albern. Die Wortwahl Wagners empfinde ich daher als sehr treffend. Und ja, auch ich musste zu Beginn mal über einige Wörter und Formulierungen schmunzeln. Im Rheingold gibt es Zitate, die mich heute noch zum Schmunzeln bringen. Ansonsten legt sich das, denke ich, wenn man Wagners Musik lieben lernt und man sich den Emotionen hingibt.


      Felix Meritis schrieb:

      Wo kann man die deutsche Uebersetzung finden?


      Ich habe mich zu Beginn, als ich anfing, mich mit dem Ring zu beschäftigen, dieser Website bedient:

      "http://home.arcor.de/rww2002/rww2002/ring/ringwb.htm"


      @Eusebius:
      Mir geht es sehr ähnlich (wobei ich leider noch nicht alle Werke v. Wagner kenne). Zur Zeit berühren mich keine Werke so sehr wie Wagners Opern. :thumbup: Seine Musik hat einen hohen Suchtfaktor.
      "Zweierlei eignet sich als Zuflucht vor den Widrigkeiten des Lebens: Musik und Katzen." (Albert Schweitzer)
    • Kater Murr schrieb:

      Wenn ich recht erinnere, finde ich musikalisch aber das folgende "Heil dir Sonne" etc. eindrucksvoller als Siegfrieds Entdeckung, dass es nicht nur eine Sorte Menschen gibt...
      die Siegfried-Mucke ist für mich durchgehend eindrucksvoll. Jeder Moment kommt gleichermaßen intensiv beim Reinziehn rüber.
      Vor allem im 3. Akt.
      Auch noch vor der Entdeckung Brünnhildes z.B. wie ausdruckvoll die Streicher Siegfrieds Erkundung/Staunen des Felsens geheimnis- und erwartungsträchtig ausmäandern ... z.B. auch die geilen Modulationen während Brünnhildes Worte "Sonnenhell leuchtet der Tag meiner Schmach !" oder nach "Oh Siegfried ! Siegfried ! Sieh meine Angst" setzt das Orchester wunderbar zart ausspinnend mit dem Siegfried-Idyll-Thema ein .... etc... etc ...
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Jetzt schnapp ich halt mal nach dem Köder, auch wenn er schon ein bissl müffelt. ;+)

      Es ist so naheliegend und aufwandslos, sich über die Wagnersche Sprache lustig zu machen; geschieht heute wie seinerzeit. Wie so viele hab ich Spaß mit Wagners Sprache, »schwarzes schwieliges Schwefelgezwerg« über den Frühstückstisch (gibt es da nicht diese Einladung von Schnorr-Carolsfeld an Wagner für eine Feier in dieser spaßhaft-Wagneresken Sprache – muss nochmal suchen).

      Da kann man »mit« und, unbenommen, auch »darüber« lachen, ganz ohne Zweifel (wirklich originell ist keine der Varianten). Damals wie heute kann man an dieser Stelle aufhören oder Gelegenheit finden, sich ein Stück weit weiter einzulassen. Diese Sprache hat eben auch jene seltsame Kraft, Welten erstehen zu lassen im Widerklang mythischer Überlieferung, zeitlose menschliche Erfahrungen und Konflikte, seinerzeit unerhört »modern« fokussiert auf den Punkt zu bringen. Noch mehr überraschend, diese Leistungen haben sich auch 150 Jahre später nicht überholt.

      Für mich hat Thomas Mann längst alles schon gesagt, Wagner rein literarisch als Dilettanten charakterisiert, aber in welcher Form genau: in diesen Details liegt die Würze.
    • Das ist aber ein sehr unterhaltsamer Thread... :clap:

      Es war mir ein Genuss eure Lieblingsstellungen kennenzulernen, inklusive aller Frotzeleien!

      Das Wagner-Jubiläum ist nun schon schlappe sechs Jahre vorbei, also wird es höchste Zeit für meine Herzensstellen:


      Lohengrin
      • Erster Aufzug, Chor: „Seht! Seht! Welch ein seltsam Wunder! Wie? Ein Schwan? / Ein Schwan zieht einen Nachen dort heran!“
      • Dritter Aufzug, Orchestervorspiel


      Tannhäuser

      Erster Aufzug
      • Orchestervorspiel
      • Tannhäusers Lied („Dir töne Lob...“)
      • Venus‘ Versuchung („Geliebter, komm, sieh‘ dort die Grotte, von ros’gen Dürften mild durchwallt!“)


      Zweiter Aufzug
      • Chor: „Freudig begrüßen wir die edle Halle...“


      Parsifal

      Erster Aufzug
      • Orchestervorspiel
      • Gurnemanz‘ Gralserzählung („Dem Heiltum weihte er das Heiligtum / die seinem Dienste zubesindet, auf Pfaden, die kein Sünder findet“)
      • Gurnemanz‘ Schwanenklage („Was tat dir der treue Schwan? / Sein Weibchen zu suchen flog der auf /mit ihm zu kreisen über dem See / den so er herrlich weihte zum Bad“)
      • „Du siehst, mein Freund, zum Raum wird hier die Zeit“ und Verwandlungsmusik
      Dritter Aufzug
      • Gurnemanz: „Gesegnet sei, du reiner, durch das Reine“ und Orchesterspiel
      • Parsifal: „Die Taufe nimm und glaub‘ an den Erlöser!“
      • -Verwandlungsmusik und Totenklage der Gralsritter
      • -Orchesterfinale


      Holländer
      • Zwischenspiel zum Abflauen des Sturmes und Arie des Steuermanns: „Mit Gewitter und Sturm aus fernem Meer / mein Mädel, bin dir nah...“


      Rheingold
      • Orchestervorspiel
      • Vorspiel zum 2. Aufzug und „Vollendet, das ewige Werk...“
      • „Ach, der das Werk ich wirkte / den Zauber, der ihm entzuckt / den Zauber erriet ich nicht recht“ (Mime, 3. Aufzug)
      • Orchesterspiel und Froh’s Regenbogen („Zur Burg führt die Brücke“)


      Walküre
      • 3. Aufzug, Loge-Motiv beim Schaffen des Feuerringes um den Brünnhildenfelsen


      Siegfried
      • Freiheitsmotiv im 1. Aufzug („Aus dem Wald fort in die Welt zieh‘n...“)
      • Orchestervorspiel zum 3. Aufzug
      • Akkorderöffnung beim Erwachen Brünnhildes
      Götterdämmerung
      • 1. Aufzug: „O, heilige Götter!“ und Orchesterspiel vor Siegfrieds Rheinfahrt
      • 2. Aufzug: Orchesterspiel zu Siegfrieds Tod
      ...auf Pfaden, die kein Sünder findet...
    • Ring ohne Worte ist wie Liebestod ohne Liebe...

      Ich verstehe irgendwie, was man an Wagners Texten problematisieren kann, aber seine Werke auf‘s Symphonische zu reduzieren ist für mich trotzdem denkunmöglich. Gerade weil er ein Musikdrama als Kunstform schaffen wollte und geschaffen hat - und keine Tondichtung. Die Musik ist Verstärker des Handlungsträgers Dramentext. Wagners Werke haben für mich keinen eigenständig symphonischen Wert. Sie leben erst durch die Dramentexte. Seibst wenn diese nicht über alle Zweifel erhaben sind: es ist Teil des Wagnerschen Schöpfungsaktes, Musik und Drama zusammenzudenken.
      ...auf Pfaden, die kein Sünder findet...
    • diskursprodukt schrieb:

      Ich verstehe irgendwie, was man an Wagners Texten problematisieren kann, aber seine Werke auf‘s Symphonische zu reduzieren ist für mich trotzdem denkunmöglich.
      ich denke, es liegt nicht nur an den Texten, sondern auch an der Art von "dramatischem Gesang", die da oft gefordert ist.
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • diskursprodukt schrieb:

      Gerade weil er ein Musikdrama als Kunstform schaffen wollte und geschaffen hat - und keine Tondichtung. Die Musik ist Verstärker des Handlungsträgers Dramentext.
      Erstaunlich, dass die Musik ungeachtet dessen ganz häufig auch ohne Text funktioniert, nicht wahr?

      Ich finde, der Variationensatz aus Haydns op. 76 nr. 3 funktioniert auch ohne Kenntnis des Widmungsträgers des Themas.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Wer Wagner ohne Text hören möchte (ich kann dem viel abgewinnen, obwohl ich Wagner mit Gesang keineswegs verabscheue :D ) , findet evt. dort den einen oder anderen netten Hinweis: Wagner ohne Worte - diskographische Empfehlungen.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Wer Wagner ohne Text hören möchte (ich kann dem viel abgewinnen
      Traf mitternachts S., der verstimmt aus dem Parsifal kam
      "Worüber schüttelst Du deinen Kopf? " fragte ich. ....
      ....... "darüber, dass man es Kerlen erlaubt hat, während der - entschuldige schon - grandiosen Musik in diese hineinzusingen. Und darüber, daß kein Mensch im Publikum gegen diese Ungehörigkeit protestiert hat"
      :D

      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann