"Schöne", "klassische" Klarinetten-Musik gesucht

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    • Aber wenn es darum ginge, was mir gefällt, hätte ich auch Bergs Op. 5 und Lachenmanns Dal niente erwähnt


      Schon recht, de gustibus (wobei es zwischen uns beiden ja durchaus gewisse Schnittmengen gibt)....

      Ich kann mir aber, so wie ich Allegro kennengelernt habe, nicht vorstellen, dass das "witzige", handwerklich fraglos gekonnt gemachte, aber melodisch und harmonisch auf mich unglaublich flach wirkende Francaix-Gequirle ihr viel gibt. Natürlich kann ich mich da aber auch täuschen!

      Selber habe ich auch schon bei verschiedenen Werken von Francaix mitgespielt/mitspielen müssen. Das Verhältnis zwischen Ausdruck und technischem Aufwand fand ich jedesmal katastrophal schlecht. Dann wirklich lieber Ligeti :D !

      Beste Grüße

      Bernd
    • Nun - die Blumenuhr wird demnächst mal in Angriff genommen - die kenne ich bisher nur auszugsweise und fand sie da gar nicht schlecht. Allerdings glaube ich nicht, dass sie jemals zu meinen Lieblingsstücken gehören wird.

      Auch Reger ist wirklich nicht so dass, was für mich "schön" ist :schaem:
      Bruch übrigens auch nicht - da habe ich am Wochenende mal reingehört ...

      Aber sammelt ruhig weiter - andere Leute sind vielleicht dankbar auch für solche Tipps.
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixier." Lajos Lencsés
    • Ich möchte nur kurz erwähnen, daß im Barock die Klarinette noch unbekannt war, da sie erst später gebaut worden ist. Statt ihrer war die Oboe stark gefragt, was sich in der Literatur zeigt. Mozart wird als ein Wegbereiter der Klarinette bezeichnet, auch die Mannheimer Schule trug zur Verbreitung dieses Instrumentes bei.
      :wink:
      Grüsse von Sotka
    • Wobei mir bei den Hinweisen hier die Mannheimer Schule entschieden zu dünn wegkommt, wie ich kurz anmerken muss. ;(

      Herzlichen Gruß aus der Nähe von Mannheim, Kermit :wink:
      Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.
    • Nur immer her mit den Hinweisen und weiteren Hörtipps, Kermit.

      Heute ist übrigens eine Bestellung u.a. mit hier empfohlenen Klarinettenwerken von Spohr, Mozart, Beethoven, Mendelsson, Rossini, Weber u.a. rausgegangen 8+)
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixier." Lajos Lencsés
    • Allegro schrieb:

      Heute ist übrigens eine Bestellung u.a. mit hier empfohlenen Klarinettenwerken von Spohr, Mozart, Beethoven, Mendelsson, Rossini, Weber u.a. rausgegangen 8+)

      Ich hoffe doch, dass dies über den Capriccio-Link zu den Capriccio-Werbepartnern geschehen ist?

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Hammerklaviersonate macht anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung. (Joachim Kaiser)
    • Eben gerade höre ich meine erste Klarinetten-Neuerwerbung:



      Das Mozart-Quintett KV 581 gefällt mir schon mal sehr gut :P
      Da es wohl ein recht spätes Werk ist, klingt es auch nicht immer nur "mozärtlich" - aber doch weitgehend. Dabei doch recht tiefgründig und das Klangspektrum der Klarinette voll auslotend.
      In einem Moment melancholisch und im nächsten sehr leichtfüßig und tänzerisch.
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixier." Lajos Lencsés
    • Hallo Allegro,

      das Mozart-Quintett kenne ich nicht in dieser Besetzung. Aber zum Brahms-Quintett :love: habe ich in einem früheren Forenleben mal geschrieben:

      Karl Leister (Jahrgang 1937) und das Amadeus-Quartett lassen die zupackenden Teile des Kopfsatzes zu ihrem Recht kommen. Den „Quasi sostenuto“-Teil der Durchführung könnte ich mir noch zurückhaltender vorstellen, aber die Musiker setzen eher auf Einheitlichkeit und lassen die Musik wie aus einem Guss wirken. - Im zweiten Satz klingt der Mittelteil wie improvisiert, dennoch stets folgerichtig; die Dramaturgie ist geradezu traumhaft sicher. Leister entlockt seinem Instrument hier die herrlichsten Klangfarben. - Der dritte Satz beginnt an der Oberkante von piano und steigert sich mit dem Einsatz der ersten Violine noch. Sehr wirkungsvoll nach dem Verlöschen im zweiten Satz, aber in den Noten steht‘s halt anders – das Crescendo sollte erst später kommen. Sehr virtuos die Klarinette mit ihren Arpeggien im „Presto non assai“, völlig unangestrengt, leicht und duftig. – Das Finale beginnt wie vorgeschrieben im Forte – hier bemerkt man die fehlenden Abstand zum Anfang des dritten Satzes.

      Trotz eines stellenweise doch recht fülligen, saftigen Klanges weht hier gelegentlich ein nostalgischer Schleier über der Musik. Da geht es um Loslassen, um Zurückblicken, um das „nicht mehr“. Ich finde, dass die Stimmungen dieser Musik ausgezeichnet getroffen sind, nichts fällt aus dem Rahmen, alles ist mit der richtigen Beleuchtung an seinem Platz. Eine wunderbare Aufnahme.

      Den dunklen Klarinettenton von Karl Leister mag ich sehr – ein riesiger Gegensatz zum viel helleren Timbre bei Michel Portal. Ich habe keine Ahnung von Klarinetten, aber das scheint der Unterschied von französischem Böhm-System und deutschem Oehler-System zu sein – er ist genauso, wie er nachgelesen werden kann. Wenn ein Klarinettenexperte hier helfen könnte, wäre ich dankbar! – Der ehemalige Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker (1959 – 1993) hat das Werk später noch mehrmals aufgenommen, zumindest mit dem Vermeer-Quartett, mit den Berliner Solisten und mit dem Leipziger Streichquartett, vielleicht noch öfter.

      (Im Nachgang habe ich von Bernd erfahren, dass Leister wohl den dunklen deutschen Klarinettenton par excellence vertritt.)

      Gruß
      MB

      :MB:
      Die Hammerklaviersonate macht anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung. (Joachim Kaiser)
    • So - nun geht gerade auch das Brahms-Quintett zu Ende - und mit Mauerblümchens Eindrücken dazu war es gleich noch mal so interessant 8+)

      Mein persönliches Fazit: Brahms höre ich auch ab und an mal ganz gerne - aber zu meinen Lieblingskomponisten wird er nie gehören :hide:
      Die ersten beiden Sätze waren mir stellenweise schon fast zu "modern" :schaem: - der dritte Satz hat mir ganz gut gefallen und der vierte am besten ! Schön spitzig ...
      Wobei mir der Klarinettenpart insgesamt gut gefiel und auch der Klarinettenton von Leister ist wunderbar warm ;+) Und die Technik ist natürlich 1 a !
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixier." Lajos Lencsés
    • Ich finde den vierten den "herbsten" Satz des Quintetts, obwohl ich ihn natürlich auch sehr mag. Das Thema ist schonmal recht minimalistisch, dann gibt es eine Variation, die auf mich am Anfang immer etwas pseudobarock wirkt (der zweite Teil ist sicher gut fürs Üben von klangschönem staccato) So poetisch wie der ersten beiden Sätze finde ich erst wieder den Schluss mit der Wiederkehr des "Mottos" vom Anfang, das ist großartig.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Ich habe keine Ahnung von Klarinetten, aber das scheint der Unterschied von französischem Böhm-System und deutschem Oehler-System zu sein – er ist genauso, wie er nachgelesen werden kann.

      Ich glaube nicht, dass hier die Unterschiede der Systeme noch eine relevante Rolle spielen. Es liegt wohl eher an der Philosophie und den Klangvorstellungen des Bläsers. Früher nannte man das "Schulen", also "deutsche Schule, "französische Schule", "englische Schule" etc. Heutzutage vermischen sich die "Schulen" ja viel stärker als früher Abgesehen davon gibt es neben dem System (Oehler/Böhm) noch viele andere Stellschrauben (Mundstück etc.), die wohl stärker beeinträchten als das System selbst.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • maticus schrieb:

      Ich glaube nicht, dass hier die Unterschiede der Systeme noch eine relevante Rolle spielen.

      Nun, die Aufnahme ist von ca. 1966. In wie weit da noch verschiedene Schulen hörbar sind, mögen die Experten beurteilen.

      Den klanglichen Unterschied zwischen Karl Leister und Michel Portal (um bei op. 115 zu bleiben) finde ich frappierend. Sabine Meyer klingt eher nach Kompromiss beider Welten.

      Ich meine, dass man in den Aufnahmen des Werkes dieser drei Künstler klare Unterschiede der Klangideale hören kann. Aber wie gesagt: Es mögen bitte die Experten etwas dazu sagen!

      Gruß
      MB

      :wink:s
      Die Hammerklaviersonate macht anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung. (Joachim Kaiser)
    • Es gibt die Klangunterschiede fraglos. Aber sie liegen wohl nicht in erster Linie am Klappensystem. Sonst müsste beinahe die ganze Welt außer Deutschland und Österreich so klingen wie französische Klarinettisten, weil beinahe alle das Böhm-System verwenden. (Und die deutschen/österreichischen müssten alle sehr ähnlich klingen, frag mal Arundo Donax, ob er meint, dass die Klarinettisten der Berliner genauso klingen wie die der Wiener Philharmoniker :D)
      Der eher helle, "offene", "leichte" Klang ist jedoch bei amerikanischen, englischen usw. Klarinettisten normalerweise nicht so ausgeprägt zu finden.
      Es liegt sicher mehr an Spielweise, Mundstück und Blattstärke als am Rohr und den Klappen. Wichtig ist zB die Relation von Blattstärke zu Größe/Öffnungswinkel des Spaltes zwischen Blatt und Mundstück. Das stellen einzelne Musiker oft sehr unterschiedlich ein. Davon hängt die Leichtigkeit der Ansprache (auch wenn ein Einzelrohrblatt wohl immer viel leichter anspricht als ein doppeltes, deswegen können Klarinetten ja pianissimo spielen :D), aber auch der Klangcharakter ab.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Nun bin ich bei Spohr angekommen:



      DAS ist Musik nach meinem Geschmack - fast noch "klassisch" - sehr melodiös, harmonisch und dabei sehr virtous. :thumbsup:
      Bin gerade beim zweiten Satz vom 1. Konzert und der erste brachte mich wirklich zum Staunen mit all den wahnsinnigen Läufen, tlw. auch im portato gespielt :juhu:
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixier." Lajos Lencsés
    • Die Klarinettenkonzerte von Carl Stamitz, einmal gespielt von Sabine Meyer (Emi) oder von Eduard Brunner (Tudor) oder von Karl Schlechta (Arte Nova) nicht zu vergessen. Auch nicht schlecht: Lebrun, Hummel, Molter und Rolla, sie kommen aber nach meinem Geschmack nicht an C. Stamitz heran.
      Gruß
      Cellobra
    • Nur so nebenbei: Eduard Brunner und Paul Meyer sind prominente Vertreter des Böhm-Systems, Sabine Meyer des Oehler-Systems. Diejenigen, die Aufnahmen mit beiden Systemen haben, können ja mal versuchen, die Unterschiede zu hören...

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • Sehr gute Informationen zu den Systemen und eine Gegenüberstellung gibt es auf den Internettseiten zur Klarinette von Eberhard Frost:
      "http://www.die-klarinetten.de/content/deutsch/deutsch-vs-boehm.html"

      Interessant für obige Diskussion ist unter anderem das folgende:
      In einer groß angelegten Untersuchung haben übrigens ausgerechnet Profis beim Versuch, die Instrumenttypen am Klang zu unterscheiden, schlechter abgeschnitten, als normale Zuhörer. Zum Beispiel lagen die Profis regelmäßig bei Sharon Kam falsch, die zwar auf einem Boehm-Instrument spielt, aber in Deutschland lebt und entsprechend sehr Deutsch klingt (oder besser: klingen kann).



      Aber auch
      Wesentlich wichtiger als die Unterschiede bei den Klappen sind die akustischen, weil die zu einem verschiedenen Klang führen können: Ein deutsches Oehler-System hat eine engere Bohrung und eine längere Bahn, die wesentlich schwerere Blätter braucht. Damit wird zum Beispiel ein Lippen­vibrato schwierig. Der klassische deutsche Klarinettist hat das Vibrato aber "natürlich" auch nicht gelernt.

      Der Ton klingt beim Boehm-System etwas heller und schärfer. In Deutschland bevorzugt man einen etwas dunkleren (man kann auch sagen "weniger klaren") Ton, der nicht so viele und hohe Obertöne enthält. Das deutsche System unterstützt das. Darüberhinaus hat der Boehmklarinettist durch die leichten Blätter natürlich immer das größere Risiko des Quietschens. Das sind aber im wesentlichen Mundstück- und Blattfragen, und man kann sehr wohl ein Mundstück mit einer "längeren" Bahn für eine Boehm-Klarinette bekommen. Darüber hinaus baut zum Beispiel Wurlitzer eine Reform-Boehm, ein Instrument mit Boehm-Klappen- und Grifftechnik, aber deutscher Bahn, Bohrung und Klang.


      Hudebux
    • Also bis vor einem halbem Jahr habe ich mir niemals Gedanken darüber gemacht, ob die Bauweise eines Instumentes und / oder seines Mundstückes irgendwelche Auswirkungen auf den Klang und die Spielbarkeit haben :hide: - aber seitdem ich die Auswirkungen am eigenen Leib erfahre und darüberhinaus hier viel darüber lese, finde ich Eure Hinweise dazu sehr interessant.

      Was ich mich jedoch frage: wieso ist ein bestimmtes Klangideal "deutsch" oder "französisch" oder was auch immer ?
      Ich habe zwar auch mein persönliches Klangideal bei einigen Musikinstrumenten - aber das resultiert einzig und alleine aus meinen bisherigen Hörerlebnissen und dem, was mir dabei gefiel oder eben auch nicht ... aus welchem Lande nun der jeweilige Interpret kommt, ist mir dabei herzlich egal ...
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixier." Lajos Lencsés