Orgelmusik des französischen Barocks

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    • Orgelmusik des französischen Barocks

      Ab und an versuche ich mich an Dandrieu und Couperin an der Orgel, was allerdings immer kläglich an meinem eigenen stilistischen (Un-)Vermögen als auch an der Disposition der zur Verfügung stehenden Orgeln scheitert.
      Französische Barockorgelmusik ist (scheinbar?) eine ganz andere Welt als "deutsche" Orgelmusik des Barock. Auch die spätere, romantische französische Orgelmusik scheint mir radikal mit ihren Wurzeln gebrochen zu haben und ist etwas ganz anderes.
      Ich kenne mich in diesem repertoire nicht sonderlich gut aus. Es gibt von Dandrieu und Couperin einige "Orgelmessen" - Messen für Orgel solo. Diese scheinen mir der Höhepunkt des Repertoires zu sein. Die Satzbezeichnungen entstammen detailgenau der Messe, allerdings gibt es keinen Gesang. Das mag vielleicht daran liegen, dass für eine gültige Messe sowieso nur der Text unbedingt notwendig ist, den der Priester vor sich hinmurmelt. Mir ist nicht klar, wie groß der Prozentsatz der Stücke ist, die choralgebunden sind, also sich an gregorianischen Themen abarbeitet. Ich konnte das bisher weder raushören noch von den Noten ablesen, wie da beispielsweise ein gregorianisches Magnificat in den Satz von Dandrieu verwoben wurde.

      Damit ich mich in die Eigenarten der französischen Barockorgelmusik besser einhören kann, habt Ihr doch sicher CD-Empfehlungen, ja? Muss nicht der allerletzte musikwissenschaftlich korrekte Schrei sein, aber ein Mindestmaß von Authentizität sollte gegeben sein.

      Schon länger kämpfe ich mit mir, ob ich diese CD brauche oder nicht. Kennt sie jemand?



      :wink:
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • Soweit ich weiß, sind diese Orgelmessen reine Instrumentalkompositionen, die als Ergänzung bzw. Erweiterung der regulären einstimmigen Messegesänge zu sehen sind. Mir fällt der Name Nicolas de Grigny (1672-1703) ein. Von ihm ist ein Druck erhalten: Premier livre d'orgue (1699). Darin ist eine komplette Orgelmesse und weitere Hymnen für die Laudes und die Vesper, insgesamt 42 Kompositionen.

      Es gibt auch nicht gerade wenige Einspielungen seiner Werke. Ich habe diese hier:



      Jean-Jacques Grunenwald spielt die Orgel, die Choralschola der Abtei von Pierre-qui-Vire intoniert die Choräle. Die Aufnahme stammt von 1968 (Orgel) bzw. 1986 (Choräle). Hier liegt die Messe komplett vor.


      Links:
      "http://en.wikipedia.org/wiki/Nicolas_de_Grigny"


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
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      Jean Paul
    • Ich kenne bislang nur Guillaume-Gabriel Nivers (1632 – 1714)
      Er dürfte in der Geschichte der Orgelmesse eine wichtige Rolle gespielt haben.
      Diese Einspielung wurde in einem anderen Forum von einem Fachmann(?) sehr gelobt, sodass ich sie anschaffte:

      Die kurzen Orgelstücke in Abwechslung mit Gregorianik (auch von Nivers) ist recht gewöhnungsbedürftig!
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • ThomasBernhard schrieb:

      Französische Barockorgelmusik ist (scheinbar?) eine ganz andere Welt als "deutsche" Orgelmusik des Barock. Auch die spätere,
      Ja. :D Laukviks Standardwerk dürfte die Fundgrube sein, um die Welt mit ersten Schritten zu erforschen.



      Das Kapitel "Frankreich" ist wie folgt gegliedert: Musikgeschichtlicher Abriss - Die Quellenlage - Das Instrument - Das Registrieren - Die Ornamentik - Die Inegalität - Anwendung des Bisherigen auf die "Suite du deuxième ton" von L. N. Clérambault - Ergänzung von Verzierungen - Verfeinerung der Inegalität - Nicolas de Grigny - Weitere aufführungspraktische Anregungen - Abschließende Bemerkungen zu Inegalität und Ornamentik bei frühen Meistern.

      Boah, ist das Buch teuer geworden ... habe seinerzeit weniger als DM 100,- bezahlt ... aber auch heute jeden Euro wert.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Seit der Erstellung dieses Threads hat sich bei mir einiges getan. Ja, der Marie-Claire-Alain-Würfel ist natürlich eine sichere (Orgel)Bank mit viel französischem Barockrepertoire. Noch etwas besser hat mir dieses Böxchen von Olivier Vernet gefallen:

      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.