Das russische Kunstlied

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    • Das russische Kunstlied

      Wenn die Russsiche Klassische Musik schon eine Nische darstellt und das Kunstlied als solches auch eine Nische in der Klasssichen Musik ist, kann man in diesem Faden getrost von einer Nische in der Nische in der Nische sprechen.
      Auch wenn ich weiß, dass das russische Repertoire nicht allzu verbreitet bzw. allzu bekannt ist, möchte ich trotzdem diesen Faden eröffnen, vielleicht gibt es ja doch ein paar Liebhaber oder solche, die es werden wollen.

      Das russische Kunstlied erlangte, wie die Russische Nationalmusik im Allgeminen, im 19. Jh. seine Blüte. In Russland werden Lieder mit Klavierbegleitung, die Sehnsüchte und persönliche Emotionen der Menschen ausdrücken, „Romanzen“ genannt. Sie gehören dort zu den beliebtesten musikalischen Gattungen. Ähnlich wie das deutsche Kunstlied mehrere Epochen der Musik geprägt und entwickelt hat, ist die russische Romanze eine eigene Kunstform, die sogar bis in die Gegenwart von Sängern und Komponisten gepflegt wird. Unzählige Romanzen wurden im 19. Jahrhundert gedichtet und vertont, Liebe, Leidenschaft und intimster Klagegesang bilden darin eine Einheit. Äußere Impulse für die Entstehung der Romanze waren die Napoleonischen Kriege, die auch zu einer Begegnung mit der westeuropäischen, vor allem französischen Kultur, führten.
      Durch diesen Einfluß gewann die russische Sprache wichtige Anregungen, sie wurde eleganter, ausdrucksvoller. Die russischen Dichter inspirierten sich u.a. bei Heinrich Heine oder Byron. Allen voran repräsentieren Alexander Puschkin, Alexei Tolstoj oder Michail Lermontow diese russische Poesie, die in der Begegnung mit Westeuropa zu einer Poesie von Weltrang wurde. Komponisten wie Nikolaj Rimski-Korsakow und Peter Tschajkowski haben diese Lyrik in Musik gesetzt, aus den Gedichten vom Klavier begleitete, in der Regel durchkomponierte Lieder gemacht, die mit ihrer Melodieführung und harmonischen Ausdeutung als die “Russischen Romanzen” in die Musikgeschichte der Welt eingingen. Kaum ein Klassiker –von Michail Glinka bis Dmitri Schostakowitsch hat dieses Genre unbeachtet gelassen.

      Leider ist es um Aufnahmen vieler dieser Lieder nicht zum Besten bestellt, wie sich wieder einmal in Bezug auf das Russsiche Musikschaffen zeigt. Ab und an finden sich einzelne Werke auf Arien-CDs russischer Sänger, aber ein Großteil der Lieder bekommt man kaum zu hören.
      Ich will wenigestens ein paar Lichtblicke in dieser Hinsicht hier vorstellen, vielleicht haben andere auch einige Schätze, wer weiß.
      Was die Romanzen von Tschaikowski angeht, stehe ich bisher noch völlig im Dunkeln, konnte bisher nur ein einziges Lied aus Sechs Romanzen op. 6 von 1869, dass sich zufällig auf einem Lawrence Tibbett-Recital befindet, das ich besitze.

      Einem kleinen Ausschnitt aus dem Repertoire kann man auf dieser Box lauschen :

      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Hallo Succubus,

      Cosima hatte im Russische-Volkslieder-Thread Post #6 ja eine CD gepostet und so gelobt, mit u.a. diesem herzzerreißendem Lied:

      Hier die YouTube-Version:
      Dmitri Hvorostovsky in Concert singing the first song from the Cycle "Songs and Dances of Death" comp. by Modest P. Mussorgsky
      "http://www.youtube.com/watch?v=nLnCtCW6GIs"

      das müßte wohl auch ein "russisches Kunstlied" sein?





      :wink:

      amamusica :pfeif:
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Für eine Einführung ins russische Kunstlied ist diese Box zu empfehlen:

      (besonders auf dem Marktplatz). Drin sind 8 CDs mit russischen Kunstliedern, darunter eine fast-Gesamtaufnahme der Lieder Mussorgskys.
      Boris Christoff ist nicht unangefochten und es gibt eine Menge wertvolle Aternativ-Einspielungen. Dazu hat er oft orchestrierte Versionen gewählt, wo man jetzt die originale Klavierbegleitung lieber hörte. Immerhin ist er auch auf seine Weise ein "Monolith" und so hat man die Möglichkeit, an großartige Interpretationen ranzukommen.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Die Box kannte ich noch gar nicht, liest sich wirklich äußerst interessant der Inhalt und bei Mussorgsky ist man mit Christoff meiner Meinung nach sehr, sehr gut bedient.
      Seine Interpretationen von Glinka- und Rachmaninow-Liedern würden mich zudem sehr interessieren.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Zunächst mal: das Wort "Kunstlied" gefällt mir überhaupt nicht. Klingt m. E. genauso unvorteilhaft wie "ernste Musik".

      Eine schöne Version der Sieben Romanzen nach Gedichten von Alexander Blok findet sich auch hier:



      Und auch sehr empfehlenswert:



      U. a. mit Texten von Dostojewski und Puschkin, mit sehr viel Witz und Ironie.

      Mussorgskys Lieder und Tänze des Todes finde ich auf folgender CD sehr gut gelungen:



      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
      This is Bartolo, King of the King of Wines. --- Alan Tardi
    • maticus schrieb:

      Zunächst mal: das Wort "Kunstlied" gefällt mir überhaupt nicht. Klingt m. E. genauso unvorteilhaft wie "ernste Musik".

      Letztlich geht es dabei wohl lediglich um die Abgrenzung zum Volkslied bzw. Traditional, weniger um "Ernsthaftigkeit"...der gleiche Unterschied wie zwischen Volks- und Kunstmärchen eben.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • maticus schrieb:

      Zunächst mal: das Wort "Kunstlied" gefällt mir überhaupt nicht.

      Ich stimme Succubus zu. - Geht es um einen der beiden Bestandteile oder um das Kompositum als solches?

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Succubus schrieb:

      Die Box kannte ich noch gar nicht
      Kein Wunder, sie ist glaube ich erst diese Woche veröffentlicht worden ;) Ich bin über 3 Ecken auf sie gestoßen und habe gedacht, es ist DIE Gelegenheit, meine Mussorgsky LP-Box zu ersetzen (diese 3 CD-Box ist alleine teurer als die Icon-Box und ich habe geprüft, sie ist 1:1 drin übernommen worden).
      Da kommt wie zufällig der Thread übers Russische Kunstlied ...

      Eine neuere Mussorgsky Liedergesamtaufnahme, die seinerzeit positive Kritiken erntete, ist die von Sergej Leiferkus. Leider muß man über 90 € ausgeben, um die 4 CDs einzeln zu kaufen, wenn man nur die billigsten Möglichkeiten zusammenkombiniert. Mal schaun bei ausländischen Amazonen.

      Was Rachmaninov betrifft, so hat Brilliant eine schöne Gesamtaufnahme herausgegeben, die in ihre große Rachmaninov-Box integriert wurde. Wer nicht alles von Rachmaninov haben will, kann versuchen, die 3 CDs zu suchen. Hier und da findet man sie noch. EDIT: und Succubus war bei ihrer Suche erfolgreicher als ich: unten hat sie den Link für die 3CDs gegeben, die tatsächlich jetzt geschenkt werden.

      Für Schostakowitsch sollte man bei den englischen Amazonen "Complete songs" eintippen. Da gibt es eine 5 CD-Edition mit russischen Künstlern, die von Delos veröffentlicht wurde und hierzulande nur als Import verfügbar ist. Diese CDs sind 1:1 von Brilliant in ihre große Schostakowitsch-Box übernommen worden. Wer aber nicht die 51 CDs kaufen will oder wie ich bereits die kleinere Brillant Box hat (mit der Barshai-Aufnahme der Symphonien u.a.) kann die Delos-Erstveröffentlichung erwerben.

      Nur ein paar Hinweise.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Philbert schrieb:

      Was Rachmaninov betrifft, so hat Brilliant eine schöne Gesamtaufnahme herausgegeben, die in ihre große Rachmaninov-Box integriert wurde.

      Da du Rachmaninow schon erwähnst...

      Rachmaninows Liedschaffen, er hat ingesamt 85 Lieder komponiert hat.
      Alle Lieder sind im Laufe von weniger als 30 Jahren entstanden, die ersten mit siebzehn Jahren, die letzten im Alter von fünfundvierzig. Er blieb dabei stets seinen russichen Wurzeln verpflichet, so sie größtenteils natürlich auf Gedichte russischer Autoren, aber auch ein paar russische Übersetzungen von Heine und Hugo, komponiert. Bemerkenswert weiter, dass Rachmaninow nach seiner Emigration in die USA nie mehr ein einziges Lied komponierte.
      Die meisten der Lieder sind für bestimmte Sängern geschrieben oder ihnen wenigstens gewidmet; so z.B. vier Lieder aus der Liedergruppe op. 34 für den berühmten Bass Feodor Schaljapin. Somit gibt es Lieder für fast alle Stimmlagen.
      Im Laufe der Zeit zieht es Rachmaninow von den Romantikern zu den Symbolisten. Bei genaueren Hören der Lieder kann man eine Entwicklung hören, die zusammen mit den poetischen Vorlagen von den spätromantischen Klängen zu modernern Einflüssen im Klaviersatz gelangen. Von volkstümlich bis hochartifiziell, schwärmerisch bis schwermütig wird alles geboten.
      Ich habe besonders die Lieder „Der Brunnen“ (op. 26, Nr. 11), „April! Ein festlicher Tag im Frühling“, geschrieben für Tenor; „Ich bin verliebt, in mein Leid“ von(op. 8, Nr. 4) für Mezzo; und „Zu Gottes Ehren“ für Sopran ins Herz geschlossen.

      Die Komplettbox ist eine Chandos-Lizenz von Brilliant :



      Solisten
      Joan Rodgers, Sopran
      Maria Popescu, Mezzo-Sopran
      Alexandre Naoumenko, Tenor
      Sergej Leiferkus, Bass
      Howard Shelley, Piano

      Besonders der Tenor Naoumenko hat es mir mit seiner Stimme angetan.

      Da sie einem preislich fast hinterher geschmissen wird, kann ich nur jedem empfehlen, der nur ein bisschen Interesse an fremdsprachigen Liedern, und an russischen Kompositionen hat, zuzugreifen.
      Leider sind die Texte nur in Russisch enthalten.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Succubus schrieb:

      Bemerkenswert weiter, dass Rachmaninow nach seiner Emigration in die USA nie mehr ein einziges Lied komponierte.
      Das wird etwas durch die Tatsache relativiert, dass Rachmaninoff nach der Oktoberrevolution überhaupt nur noch 5 Werke im Ausland komponiert hat, eines davon immerhin die "Drei Russischen Lieder für Chor und Orchester" op. 41. Damit spricht die Zeitspanne, in der Rachmaninoff Lieder komponiert hat, eher für ein durchgehendes großes Interesse an der Gattung. (In Iwanowka durfte ich das Autograph eines seiner Cousine gewidmeten Lieds in Augenschein nehmen.. :love: ) Für seinen Hauptberuf als Konzertpianist hat er sich 1925 Schuberts "Die schöne Müllerin" fürs Klavier transkribiert und damit auch auf die Anfänge seiner Liedbeschäftigung verwiesen: Von seinem Kindermädchen weiß man, dass sie sehr gerne Schubert-Lieder gesungen hat, begleitet oft von Rachmaninoffs Mutter.

      Aber da muss ich auch noch viel mehr hören, um einen guten Überblick zu haben. Die Brillant-Box wartet da in meinem Regal noch auf's Gehörtwerden. Die gibt's übrigens grade nicht nur hinterher geworfen, sondern mit dem Silbertablett ins Haus getragen: Bei zweitausendundeins.de für 3,99 €!

      "http://www.zweitausendeins.de/sergej-rachmaninow-samtliche-lieder.html"
    • Hier eine Cd die ich wärmstens empfehle. Nicht nur weil ich das russische Kunstlied als solches schon einzigartig finde, sondern vor allen Dingen auch wegen der einzigartigen Stimme der Sängerin und dem künstlerischen Gesamtniveau dieses Duos. :juhu: :juhu: :juhu: Unbegreiflich warum dieses Duo nicht auch in unseren Breiten bekannt ist. Ich habe eine ihrer Cd mit Liedern von Rimsky- Korsakov in Prag gekauft.


      Einen solchen Alt kann es wahrscheinlich nur in Russland geben und wenn es denn eine russische Seele geben sollte, ist sie hier für mich eingefangen. Mir geht diese Stimme durch Mark und Bein und der Liederzyklus von Sviridov dürfte für viele Liedliebhaber auch Neuland sein.
      In "Kunstliedkreisen" sind Mussorsky, Glinka und Rachmanninov ja noch halbwegs bekannt. Aber leider ist Alles, was darüber hinausgeht dann wirklich Nische in der Nische in der Nische. Was sehr bedauerlich ist. Ich kann leider selbst von diesem herrlichen Repertoire so gut wie nichts singen, zum einen weil ich die Sprache nciht kann, zum anderen, weil hier oft eindeutig tiefe Stimmen gefragt sind. Aber ein bisschen Rachmanninov hab ich dann doch mal versucht, die Musik ist einfach zu schön. Es gibt auch einige nette Volkslied- Variationen für hohe Stimmen(am bekanntesten ist Alabiev- die Nachtigall) aber an die Tiefe (in jeder Beziehung) der Lieder für Mezzo, Alt, Bariton und Bass kommen sie nciht ran.
      Bei meiner intensiven Beschâftigung mit Pauline Viardot, die nciht nur russische Texte vertont hat, sondern während ausgiebiger Russlandtorneen auch russische Lieder gesungen hat, bin ich auf dieses Repertoire gestossen. Legendäre Sänger russischer Lieder sind natürlich auch Alexander Kipnis und Fjodor Schaljapin. Das zieht einem wirklich die Seele aus dem Leib. Dmitri Hrorotovsky steht in dieser Linie und er hat einige schône Lied-Cds herausgebracht. Empfehlen kann ich auch eine Cd mit Anna Netrebko, ihres Zeichen Russin.


      Das ist im Grunde ihre einzige CD die mir wirklich gefällt und man spûrt deutlich dass sie in diesem Repertoire zu Hause ist. Leider sind nur wenig Lieder darauf, aber auch sehr schöne russische Opernarien.
      Ich weiss nciht genau, woran es liegt, dass russische Lieder und Stimmen eine solche Tiefe(in jedem Sinne) haben, ob es an der Sprache oder der Gesangstechnik oder wirklich der legendären "Seele" liegt. Jenseits der Klassik hatte ich mal das Vergnügen, mit einer Russin aus Sibirien zusammen zu singen, und ich muss sagen, dass ich von diesen Stimmen und ihren Volks-Liedern gerade auch im "Naturzustand" sehr berührt werde.
      :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • FairyQueen schrieb:

      Ich weiss nciht genau, woran es liegt, dass russische Lieder und Stimmen eine solche Tiefe(in jedem Sinne) haben, ob es an der Sprache oder der Gesangstechnik oder wirklich der legendären "Seele" liegt.


      Liebe Fairy,
      da geht es mit ganz ähnlich. Wenn auch die Worte von der sog. "russsichen Seele" manchmal als abgeschmackt oder als Folklore-Kitsch missbraucht werden, zeigt sich doch auch für mich immer wieder, dass es sie eben doch geben muss. Und gerade, wenn es in der Klassischen Musik um Vokalwerke aus Russland geht, finde ich schon, dass es da besonders zu spüren ist. Ich finde ja, dass man immer einen Hauch Sehnsucht hindurchhört, selbst bei fröhlichen Liedern. Die Russen sind ja nun auch sehr bekannt für ihre tiefen Stimmlagen, besonders Bässe und eben Alt (wobei ich es immer ein wenig schade finde, dass die Tenöre immer etwas im Hintertreffen sind)., da ist die Tiefe schon fast inbegriffen.


      Da du Rimski-Korsakow erwähnt hast :

      Er begriff sich lange Zeit nicht als Liedkomponist, aber die Begegnung mit der Sängerin Sophia Zotowa inspirierte ihn schließlich sich auch diesem Genre zu widmen, für sie schrieb er sein op. 2 "Vier Lieder" nach Heine, Koltsow und May. Auch Ludmilla Schestakowa (Glinkas jüngerer Schwester) widmete er 2 Lieder. Im Sommer 1870 (als er auch an "Das Mädchen von Pskow", der Orchester-Version für Dargomizhkys 3. und 4. Akt des "Steinernen Gast" arbeitete) schrieb er eine Reihe von Einzelliedern. 1874 erwachte in ihm ein großes Interesse an russischen Volksliedern. Daher existieren auch Volkslied-Arrangements.
      Bei aller Volkstümlichkeit erwartet man eine große Palette von Liedvertonungen russischer Dichter, die definitiv vertreten sind, neben Namen wie Lermontow oder Maykow, aber auch eine Reihe Heine-Gedichte, Byron oder Uhland; jedoch der größte Inspirator für Rimski Lieder (und nicht nur diese) ist, der von vielen russischen Komponisten verehrte Puschkin, in Rimskis Fall außerdem Alexej Tolstoi, deren Lyrik er auch als Zyklen vertonte : "Im Frühling", "An den Poeten" und "Am Meer".
      Rimskis Liedschaffen ist selbst innerhalb des wenig bekannten Rimski-Werkes äußerst unbekannt, vieles frühe Kompositionen sind verloren gegangen. Gerade in späteren Liedern entwickelt sich ein neuer lyrischer Stil. Von einigen existieren auch Orchesterversionen.
      Außerdem gibt es auch noch zwei Ariosos, die Strawinsky und Stassow gewidmet sind.

      So weit ich weiß, existiert nur eine Aufnahme der 76 Lieder (einzelne finden sich auf Recitals russischer Sänger) :



      Auch wenn ich keinen Vergleich habe, kann ich die CD sehr empfehlen, sie ist sehr schön. Die Sänger sind stimmlich gut und auch die Klavierbegleitung erscheint mir ordentlich.
      Ganz persönlich kann ich nur sagen, dass Rimski Orchesterfarbigkeit sich auch in der Klavierbegleitung wiederfindet, die schillernd und tänzelnd daherkommt (eine gewisse Prä-Impressionistische Note ist meiner Meinung nacn nicht zu leugnen). Und ich fände selbst ohne Gesang wären diese Stücke auch als Klavierstücke allemal hörenswert.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Wenn ich das mit meinen bescheidenen Russisch-Kenntnissen richtig entziffern konnte, handelt es sich hier um ein Recital von Tschaikowski-Romanzen.
      Dargeboten von Galina Vishnewskaja.

      "http://www.youtube.com/watch?v=u8gG2mqNI3g"

      (gelobt sei yt)
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Zu meiner Überraschung und großer Freude habe ich des letzte Mal in der Bibliothek diese Box entdeckt (die auf dem Markt nicht grad mehr erschwinglich ist) :



      Aage Haugland singt sämtliche Liederwerke von Mussorgsky; Piano : Poul Rosenbaum

      Da es wie gesagt mit diesen Werken auf Platten eh nicht so weit her ist und dann auch noch der von mir hochgeschätzte Haugland (der schon sein Talent für das russsiche Repertoire im Boris und der Lady Macbeth gezeigt hat) hier singt, hat mich blitzschnell zugreifen lassen. Ich finde ja, Hauglands Timbre hat ein besonderen Anstrich für das Russsiche.
      Die Lieder singt er in meinen Ohren vorzüglich, wenig opernhaft wie es mir manchmal ein wenig bei Christoff vorkommt, verinnerlichter, eben liedhafter.
      Die Begleitung durch Rosenbaum würde ich als sehr gut einschätzen, auf jeden Fall adäquat zur Interpretation Hauglands.
      Besonders gefallen mir hier der 1874er Zyklus "Ohne Sonne" nach den Texten von Arseny Golenischtschew-Kutusow.
      Mehr dazu vielleicht etwas später.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Wahrscheinlich steckt dieses schöne Lied ohnehin in einer der oben genannten CDs,
      bin jedenfalls gestern darübergestolpert, als ich in Sachen tschechische / slowakische Lieder von Link zu Link hüpfte
      (die YouTube-Link-Angebote sind wirklich eine feine Sache)

      Von Tschaikowsky das Lied "Salovushko / Die Nachtigall" : :fee:
      einmal gesungen von einem Jugendlichen-Chor:
      "http://www.youtube.com/watch?v=mf7v8KGnLT4"

      und hier von einem Kinder- + Jugendlichenchor:
      "http://www.youtube.com/watch?v=Snd6KsDt4jg"


      :wink:

      amamusica :pfeif:
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Diese Tschaikowsky-Nachtigall ist am vollendetsten gesungen, vom Profi-Chor
      USSR Ministry of Culture Chamber Choir

      "http://www.youtube.com/watch?v=OLg2yGugQ3o"

      Von dort jede Menge Links zu weiteren Tschaikowsky-Liedern


      :wink:

      amamusica :pfeif:
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      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Von Tschaikowsky gibt es auch wundervolle religiöse Stücke / Lieder,
      aber läuft das dann noch unter "Kunstlied"?

      Da muß man wohl noch einen Thread "Russische und osteuropäische Kirchenmusik und Kirchenlieder" einrichten,
      so es ihn noch nicht gibt. Irgendwann mal.

      Dieses "Hymn of the Cherubim" ist so schön, ebenfalls vom USSR Ministry of Culture Chamber Choir gesungen,
      aber vielleicht nicht ganz geeignet, um morgens in die Gänge zu kommen bzw. um es nebenher zu hören während dem werkeln.

      "http://www.youtube.com/watch?v=SZQzW_QfPew"


      :wink:

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      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Succubus schrieb:

      Liebe Fairy,
      da geht es mit ganz ähnlich. Wenn auch die Worte von der sog. "russsichen Seele" manchmal als abgeschmackt oder als Folklore-Kitsch missbraucht werden, zeigt sich doch auch für mich immer wieder, dass es sie eben doch geben muss. Und gerade, wenn es in der Klassischen Musik um Vokalwerke aus Russland geht, finde ich schon, dass es da besonders zu spüren ist. Ich finde ja, dass man immer einen Hauch Sehnsucht hindurchhört, selbst bei fröhlichen Liedern. Die Russen sind ja nun auch sehr bekannt für ihre tiefen Stimmlagen, besonders Bässe und eben Alt (wobei ich es immer ein wenig schade finde, dass die Tenöre immer etwas im Hintertreffen sind)., da ist die Tiefe schon fast inbegriffen.


      Möchte mich hier mit ein paar Erfahrungswerten einklinken. Wie gesagt, Erfahrungswerte individueller Natur.
      Eine grundsätzlich vollere, dunklere Stimmgebung bei osteuropäischen SängerInnen fällt mir schon auf, speziell bei den Russen. Anna Netrebko gehört durchaus dazu, sogar derzeit noch mehr als am Anfang ihrer Karriere. Ich würde das als ein Zusammenspiel von Faktoren wie Färbung der Sprache, Stilempfinden, Gesangstechnik (russische Schule) und nicht zuletzt auch dessen, was ich momentan der Kürze halber mit dem Klischeebegriff "russische Seele" bezeichne, betrachten wollen.

      Direkt aus meiner aktuellen Erfahrung heraus, der Einstudierung einer Beschwörungsarie der Marfa aus der Chowanschtschina in russischer Sprache, stelle ich fest, dass die Sprachmelodie eine dunkle schwere Stimmfärbung und -gebung begünstigt. Nach meinem Empfinden auf dem Hintergrund der eher scharf pointierten hochdeutschen Sangesaussprache nähert man sich der Sache mit einer gewissen "Verwaschenheit" an, was von deutsch sprechenden Russen durchaus bestätigt wird. Zungenbrecher können so gemildert werden. Geholper und Härte passt irgendwie nicht dazu, eher eine gewisse Lässigkeit, aber auch Zähigkeit. Das Umschreiben in lateinische Schrift, auch unter Nutzung der slawischen Formen, gibt bei weitem die korrekte Aussprache nicht wieder.

      Nun was zwar Subjektives, jedoch durch Gespärche mit russischen SängerInnen/ MusikerInnen, von denen ich einige kennengelernt habe, unterfüttert:
      Aus russischer bzw. wohl insgesamt osteuropäischer Sicht herrscht mehrheitlich Unverständnis über Ideen wie "körper- und vibratoloses Singen". Das ist deren Ding gar nicht und Gesang wird so schlichtweg nicht gelehrt, sondern es geht, kurz gesagt, ab mit Schmackes, was wiederum nicht heißt, dass gebrüllt oder ohne dynamische Abstufungen gesungen wird. Hier steckt auch meine Zuneigung und ich fand ziemlich umgehend den Zugang zur Gadanje - Arie. Mühe macht lediglich das Textlernen an sich, ich habe die Sprache leider nicht gelernt.

      Eine gewisse Schwere und Melancholie ist wohl vielen RussInnen zu eigen bzw. es kommt vielleicht auch nur so an. Es kann nur authentisch sein, dass man so auch singt (nicht mit plump zu verwechseln), und das mit hoher Kunstfertigkeit. In der Sowjetzeit ließ man sich für die Entwicklung der Stimmen und Sängerpersönlichkeiten mehr Zeit als bei uns z. B. und bildete sehr gründlich und viel Disziplin aus. Ich glaube nicht, dass sich die Konzepte allzusehr geändert haben, jedoch ist hier auch der Druck des internationalen Bussiness zu spüren. Wer z. B. in Youtube mal diese Stimmen, die teilweise auch nicht mehr aktiv sind, ausgräbt, liest in den Kommentaren oft, dass man sich wundert, dass diese SängerInnen nicht international berühmt waren/sind. Die Gründe hierfür liegen unter dem Kontext der damaligen Teilung der Welt allerdings ziemlich auf der Hand.

      Fairy hat mit dankenswerter Weise vor einigen Jahren einige der Mussorgsky - Liedaufnahmen zusammengestellt. Ich müsste allerdings nochmal detailliert hineinhören, um hier dazu mehr sagen zu können, auch ggf. im Vergleich mit etwa deutschen und englischen "Kunstliedern" (Anführungszeichen, um vorigen Einwänden gegen den Brgriff gerecht zu werden).

      LG
      :wink: :wink:
      Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren (Bert Brecht)
    • Die seinerzeit hochgepriesene Leiferkus Aufnahme der Lieder Mussorgskys ist in diese Box aufgenommen worden:

      Dort ist auch der erste der zwei Boris Godunovs mit Boris Christoff und eine Chovanschtschina, die ich nicht kenne, aber mit renommierten bulgarischen Sängern, die in anderen Aufnahmen gepriesen werden und dem großartigen bulgarischen Chor 'Svetoslav Obretenov'.
      Ich würde eine Kaufempfehlung riskieren.
      Alles, wie immer, IMHO.