Das russische Kunstlied

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    • Irgendwie scheint hier keinem mehr etwas zu russischen Liedern einzufallen. Dabei ist ja der allergrößte Teil davon noch gar nicht zur Sprache gekommen.
      Zunächst möchte ich auf 4 CD Veröffentlichungen von Hyperion hinweisen, die einen exellenten Überblick verschaffen:









      Hier sind so ziemlich alle namhaften Liederkomponisten vertreten, angefangen bei Glinka bis Alexander Mosolov und Dimitry Kabalevsky. Der Bass Vassily Savenko hat diesen leicht larmoyanten Ton, der etwas künstlich wirkt, aber hervorragend zu der Musik passt. Das Lied "Abschied von St. Petersburg" von M. Glinka ist ein rechter Ohrwurm, und ich höre es häufig, um mich in Stimmung zu bringen.

      Aber auf diesen Aufnahmen ist auch jemand vertreten, der für mich einer der besten Liedkomponisten der russischen Tradition war: Nikolay Medtner. Zwar war Medtner allem zeitgenössischen ein Feind, und er bevorzugte das spätromantische Idiom, aber ähnlich wie bei Rachmaninov oder Bortkiewicz ist das kein Nachteil, hat er uns doch damit wunderbare Musik beschert.
      Medtner ist den Meisten als Komponist von Klaviermusik bekannt, weniger aber als ein solcher von Liedern. Er hat aber über 100 davon geschrieben, und sie gehören zum Besten seines Schaffens.






      Besonders seine Goethe Vertonungen halte ich für ausserordentlich gelungen. Die Aufnahme mit Susan Gritton und dem Medtner Spezialisten Geoffrey Tozer steht leider recht allein da, ist aber in jedem Fall empfehlenswert.
      Etwas sehr besonderes ist diese Aufnahme:



      In der Einspielung werden Lieder mit einzelnen "Märchen", einer Sammlung von Klavierstücken, kombiniert. Als Pianist ist kein Geringerer als Boris Berezowsky mit von der Partie. Die Zusammenstellung ist ein einziger Genuss. Das könnte ich ständig hören, wenn nicht noch so viel ungehörtes herumstände.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Ich möchte hier eine Aufnahme mit Liedern des Komponisten Nikolai Tcherepnin (1873-1945) vorstellen, die bei Toccata Classics erschienen ist.



      Es handelt sich um den Vater des bekannteren Alexander Tcherepnin. Er war einer der zahlreichen Studenten von Nikolai Kimski-Korsakov, und unterrichtete seinerseits Sergeji Prokoffiev. Er hatte verschiedene Ämter als Chorleiter, Dirigent (1906 wurde er zum Direktor des Marinskij-Theaters in St.Petersburg ernannt), und Lehrer am Konservatoruim seiner Vaterstadt inne. Sein Kompositionsstil orientiert sich an seinen Zeitgenossen Lyadov, Glière oder Glazunov, unter gelegentlicher Verwendung russischer Volksmusik.

      Auf der CD befinden sich Lieder aus unterschiedlichen Schaffensperioden. So sind die 4 Lieder op.8, op.16 oder die Märchen op.33 noch von einem spätromantischen Stil durchdrungen, wohingegen die Lieder nach japanischen Gedichten op.52 und vor allem die sog. "Ozeanische Suite" op.53 nach Gedichten des symbolistischen Dichters Konstantin Balmont eine deutlich sprödere Klangsprache aufweisen. Diese Lieder dürften auch weniger leicht zugänglich sein, da sie sehr intim gehalten sind.

      Die Sopranistin Elena Mindlina in Kollaboration mit dem Pianisten David Witten (der bei Toccata auch eine Klaviermusik CD eingespilet hat) hat eine schöne runde Stimme, mit angenehmer Höhe und einer fast gutturalen Mittellage, die bisweilen in den Liedern gefordert wird. Die Stimmung dieser schönen Lieder ist immer etwas leicht träumerisch, und zielt weniger auf Überwältigung ab. Im Kontext mit den weiter oben beschriebenen Liedersammlungen bilden die Lieder auf dieser Aufnahme eine wertvolle Bereicherung.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)