Wolfgang Amadé Mozart: Symphonie Nr. 1 Es-Dur KV 16

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    • Wolfgang Amadé Mozart: Symphonie Nr. 1 Es-Dur KV 16

      Ein Wunderkind – Wolfgang Amadeus Mozart, 1756 in Salzburg als Sohn des aus Augsburg stammenden Komponisten und Kapellmeisters Leopold und der in Sankt Gilgen geborenen Anna Maria Pertl geboren, vom Vater zusammen mit der Schwester Anna (genannt „Nannerl“) vom vierten Lebensjahr an musikalisch unterrichtet, außergewöhnliche Begabung am Klavier genauso wie mit der Violine und bald auch als Komponist, erste Konzertreisen 1762 (München und über Passau Wien), Europatournee mit Vater und Schwester 1763 bis 1766. Auf dieser über dreijährigen Konzertreise (großteils mit Pferdekutschen) entstanden auch die ersten Symphonien, noch als „Ouvertüren“ angekündigt. Leopold ließ seinen Sohn zur Einarbeitung dreisätzige Instrumentalwerke mit der Satzfolge schnell – langsam- schnell unter anderem der damals hoch anerkannten Meister Johann Christian Bach und Christian Ferdinand Abel studieren, von denen Mozart die Struktur übernehmen konnte.

      Die Symphonie Es-Dur KV 16, Mozarts erste Symphonie, entstand 1764 in London.

      Das eröffnende Molto allegro hat zwei Satzteile, die beide wiederholt werden. Markant ist das fanfarenartige Hauptthema. Den Bereich des zweiten Themas erkennt man, wenn man auf Punktierungen bei den Violinen aufpasst. Im zweiten Satzteil wechselt Mozart vor allem die Tonlagen der Themen.

      Der Andante Satz in c-Moll hat auch zwei Teile, die jeweils wiederholt werden. Im Großteil des Satzes wird ein einfach auf und ab schreitendes Bassmotiv mit Streichertriolen und langen Noten der Oboen und Hörner ergänzt. Besondere harmonische Reize ergeben sich aus Dissonanzen in der Violinenbewegung und bei den Bläsern.

      Das abschließende Presto bietet ein Rondo (dreimal Refrain, dazwischen zwei Couplets).

      Bei wikipedia finden sich genauere Informationen zur Werkentstehung und zum Aufbau:
      "http://de.wikipedia.org/wiki/1._Sinfonie_%28Mozart%29"

      Auf youtube kann man die Symphonie hören und dabei die Partitur mitlesen:
      "http://www.youtube.com/watch?v=8rYBC82h8T4"

      Ich gehöre zu denjenigen, die auch bei Mozarts Frühwerk das Unfassbare, das Geniale wahrnehmen möchten (und zu können glauben), und allein schon der langsame Satz dieser Symphonie bestätigt dies wie ich finde auf stauenswerteste Weise.

      Die frühen Mozart Symphonien stehen mir in zwei Aufnahmen zur Verfügung. Hier meine persönlichen Höreindrücke.



      James Levine und die Wiener Philharmoniker spielten in der zweiten Hälfte der 80er Jahre alle Mozart-Symphonien für DGG ein (KV 16 aufgenommen im Februar 1990 im Großen Musikvereinssaal in Wien, 50 CD Box „Wiener Philharmoniker Symphony Edition“ DGG 00289 479 0718).



      Nikolaus Harnoncourt und sein Concentus Musicus Wien widmeten sich den frühen Mozart Symphonien im Oktober 1999 und Oktober 2000 im Wiener Kasino Zögernitz (3 CDs BMG/Deutsche Harmonia Mundi 82876 58706 2), wobei hier zwischen die Werke zusätzlich und auf der dritten CD ausschließlich Briefpassagen mit Reiseberichten von Leopold, Wolfgang und Anna zu hören sind, sehr lebendig gelesen von Nikolaus Harnoncourt und seinen Enkelkindern Maximilian und Laya.

      Levine und die Wiener Philharmoniker bieten beste Wiener Musiziertradition in schönstem Wiener Klangbild, also satten Streicherton und blühende Bläserfarben bei fließendem Gesamtduktus. Geradezu magisch empfinde ich das Andante in dieser Aufnahme, weil speziell das „Streicherflattern“ ein flächiges Klangbild erzeugt, das fast an Philip Glass erinnert – und schon allein mit dieser Assoziation bei mir eine völlige Zeit- und Alterslosigkeit der Musik evoziert.

      Harnoncourts Ansatz ist völlig anders. Hier will vermittelt werden, dass Mozart von Anfang an eine „Aussage“ hatte. Jedes Motiv, jede Wendung werden deutlich gemacht, wodurch die Musik „beredt“ wird und die Vielschichtigkeit, der Schmerz von Dissonanzen, Spannung und Entspannung ungleich deutlicher herausgearbeitet erscheinen.

      Der erste Satz dauert bei Harnoncourt eine Minute länger als bei Levine, bei den beiden anderen Sätzen ist er merkbar schneller unterwegs. Salopp formuliert würde ich den Unterschied der Aufnahmen so charakterisieren: Levine „weiß und genießt“, Harnoncourt „entdeckt und fordert“. Beides hat seinen Reiz.

      Hier ist man herzlich eingeladen, zum Werk und/oder zu diesen/anderen Aufnahmen dieses Werks etwas zu schreiben.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Gerade Mozarts Allererste ist quasi der Geniestreich eines Wunderkinds, den er dann meines Erachtens zunächst nicht mehr ganz erreicht. Alexander hat es anschaulich beschrieben, im zweiten, für mich noch stärker im ersten Satz sind es bei einfachster Faktur die eigenwilligen harmonischen Rückungen, die dieser Musik Einprägsamkeit verleihen.

      Alexander, kennst Du die folgende CD? Worauf ich mich beziehe, ist der allererste Track. - Du kannst ihn auch anklicken (günstiger ist die Hörprobe beim Vertragspartner rechts). Hier weht mir ein ganz ähnlicher Sturm-und-Drang-Geist in der Fanfarenmotivik und der Harmonik entgegen wie bei Mozarts Erstling. Vielleicht zeigt sich die Überlegenheit Mozarts aber darin, dass sich die thematische Entwicklung bei ihm selbstverständlicher vollzieht, während Herschel den vorromantischen Dur-Moll-Kontrast benötigt. Ich mag beide kleinen Meisterwerke sehr gern.



      :prost: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Ich besitze nur eine einzige Aufnahme des Mozart-Erstlings KV 16. Die ist aber vom Allerfeinsten. Klaus Tennstedt mit dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, aufgenommen im Jahre 1977:

      Welch eine Frische im Musizieren! Man hat wirklich das Gefühl, dass diese Mozart-Sinfonie Nr. 1 KV 16 eine Herzensangelegenheit für Tennstedt war, bei soviel Leidenschaft, mit der er an das Werk heranging. Gleiches gilt für die Sinfonie Nr. 32 KV 318, die ebenfalls wunderbar gespielt wird. Auch aufnahmetechnisch ist alles zum Besten bestellt.

      Auf die Amazon-Kundenrezension, welche sich daran stört, dass auf dieser CD die beiden Mozart-Sinfonien KV 16 und KV 318 als angeblich belanglose "Füller" zum Sibelius-Violinkonzert beigegeben werden, habe ich übrigens im April 2012 mit einem Kommentar geantwortet. Wer daran interessiert sein sollte: "http://www.amazon.de/review/R3U6N57OBCYUCF/ref=cm_cr_dp_cmt?ie=UTF8&ASIN=B0007V6YCK&channel=detail-glance&nodeID=290380&store=music#wasThisHelpful"

      AlexanderK schrieb:

      Der erste Satz dauert bei Harnoncourt eine Minute länger als bei Levine, bei den beiden anderen Sätzen ist er merkbar schneller unterwegs.
      Angesichts der von Alexander erwähnten deutlichen Spielzeitenunterschiede zwischen Levine und Harnoncourt interessieren vielleicht auch die Tennstedt-Spielzeiten:
      1. Satz 4:32
      2. Satz 2:23
      3. Satz 2:09
      Information ist nicht Wissen, Wissen ist nicht Weisheit, Weisheit ist nicht Wahrheit, Wahrheit ist nicht Schönheit, Schönheit ist nicht Liebe, Liebe ist nicht Musik. Musik ist das Beste.
      (Frank Zappa)
    • Vielen Dank lieber andréjo und lieber music lover für die interessanten CD Hinweise!
      Tennstedt wiederholt wahrscheinlich im ersten und zweiten Satz nicht (alles), der erste dauert bei Levine knapp über sechs Minuten, bei Harnoncourt knapp über sieben Minuten, der zweite um die sechs (Levine) bzw. fünf (Harnoncourt) Minuten. Beide wiederholen jeweils beide Satzteile. (Bei KV 19 wiederholt Harnoncourt eigenartigerweise den ersten Satz nicht.)
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Welch hübsches Werk, das ich bis eben auch nicht kannte.
      Besonders gut gelungen finde ich das Bass-Motiv im Andante mit den Hörnern dazu.

      Und genial finde ich ja das Video auf youtube zum Partitur-mitlesen 8+)
      Viele Grüße - Allegro

      Musik ist, die in den Noten versteckten Töne frei werden zu lassen (nach Philmus)
    • Gibt es Meinungen zu dieser CD, auf welcher - neben der Sinfonie Nr. 1 Es-Dur KV 16 - auch einige weitere Frühwerke Mozarts eingespielt wurden, die zumindest in meiner Sammlung fehlen? Sir Charles Mackerras ist ja nun nicht gerade die schlechteste Wahl, um sie ins Regal zu kriegen...
      Information ist nicht Wissen, Wissen ist nicht Weisheit, Weisheit ist nicht Wahrheit, Wahrheit ist nicht Schönheit, Schönheit ist nicht Liebe, Liebe ist nicht Musik. Musik ist das Beste.
      (Frank Zappa)
    • Wenn Du schon nach Meinungen fragst: Mackerras ist mein Favorit unter den omi- (on modern instruments) Einspielungen.
      Er hat sich für meinen Geschmack sehr passende Räume für die Aufnahmen gesucht, spielt auf modernem Instrumentarium ziemlich zeitgemäß und deutlich, interpretatorisch mein Geschmack.
      Für mich: eher Daumen hoch.

      Hilft Dir das?
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Es hilft!! Dank Dir, lieber Travinius!

      Der einzige Amazon-Kundenrezensent dieser CD schreibt übrigens:
      Was Mackerras hier aus den frühen Symphonien, KV 19, 22, 43, 45 und 45b herausgeholt hat, kann gar nicht genug gelobt werden. Schwung, Beweglichkeit, Transparenz, Wohlklang, bei mir bleiben keine Wünsche übrig und die Interpretationen halten auch den Vergleichen mit Hogwood oder Pinnock (ich gestehe, ich weiß nicht mehr, wen ich zum Vergleich gehört habe) bestens stand, hier ist Mackerras mein Favorit.
      (Quelle: "http://www.amazon.de/review/R2H7YS3ZSMR4OL/ref=cm_cr_dp_title?ie=UTF8&ASIN=B000003CX6&channel=detail-glance&nodeID=290380&store=music")

      Sieht danach aus, als sollte ich mir diese Aufnahmen besorgen.
      Information ist nicht Wissen, Wissen ist nicht Weisheit, Weisheit ist nicht Wahrheit, Wahrheit ist nicht Schönheit, Schönheit ist nicht Liebe, Liebe ist nicht Musik. Musik ist das Beste.
      (Frank Zappa)
    • Ich finde diese frühe Sinfonie von Mozart auch ganz bezaubernd - unter den ersten 24 höre ich sie mit am liebsten! Kaum zu glauben dass ein nicht einmal zehnjähriges Kind über solche Fähigkeiten verfügt =O

      Die Sinfonie strahlt dann auch den Bewegungsdrang eines Kindes im Grundschulalter aus: es rennt, über Wiesen und im Wald: im ersten Satz darf es, im zweiten will es, entspannt aber auch und träumt in den Tag, im dritten wird das Ganze komprimiert wie im Traum wiederholt.

      Bei Jaap ter Linden dauert der "Erstling" ca. 12:40 Minuten (ca. 6 / 5 / 1:40), der Klang ist transparent, und insgesamt m. E. sehr gut gelungen:



      Außerdem habe ich Günter Kehr mit dem Mainzer Kammerorchester, das mir auch gut gefällt und bei dem der zweite Satz langsamer (bleibt teilweise fast stehen!) und ruhiger ist, die Zeiten ca. 4:40 / 3:20 / 2:35 mit dann gesamt ca. 10 1/2 Minuten (der Amazon-Link funktioniert nicht, aber die meisten Ausgaben gehörten eher in den Häßliche-Cover-Thread :P ).
    • Die Aufnahme von Mozarts Sinfonie Nr. 1 Es-Dur, KV 16 mit dem Mainzer Kammerorchester unter der Leitung von Günter Kehr ist auf dieser Doppel-CD enthalten:
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)


    • Durch RomantiKlassiks Impulse animiert wieder mal einen Neustart mit den Mozart Symphonien zu versuchen, habe ich gestern auch noch die mir zur Verfügung stehende Fernsehaufnahme mit den von Karl Böhm dirigierten Wiener Philharmonikern gesehen und gehört. Sie wurde 1978 bei Wien-Film aufgenommen. Der 1. Satz mag hier für manche vielleicht etwas professoral klingen, spätestens beim 2. Satz vergesse ich die Welt um mich herum völlig und bin wieder einmal ganz im Zauber dieser unglaublichen Musik.

      Für mich war es auch sehr interessant, in die Hörschnipsel der anderen hier vorgestellten Aufnahmen hineinzuhören. Vom Charakter her hebt sich ja wirklich vor allem ter Linden mit seiner Transparenz doch deutlich ab gegenüber den großteils großsymphonischen Alternativen.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Neu

      Da mir die späteren Sinfonien bei Harnoncourt sehr gut gefallen, habe ich mir nun eine günstige Ausgabe der früheren Sinfonien mit dem Concentus Musicus Wien zugelegt:




      Nun darf ich wohl die ersten 20 Sinfonien nochmal Revue passieren lassen, mit Harnoncourt! :thumbup:

      Vor allem die MP3-Ausgabe (wer's denn mag) gibt es seit einiger Zeit bei Amazon fast unverschämt günstig!

      Es ist wirklich ein ungewöhnlicher Ansatz, macht die Musik "erwachsener", schwerer. Der erste Satz sehr langsam (7 Minuten), der zweite ebenso (5 Minuten) - in beiden sehr akzentuiert musiziert. Der dritte Satz ist ungewöhnlich schnell, beim ersten Mal anhören gefiel mir das gar nicht, beim zweiten Mal war es in Ordnung. Für mich passt das alles nicht wirklich zu dieser Sinfonie und dem Alter Mozarts. Bei Jaap ter Linden (s.o.) klingt das ganz anders, Günter Kehr geht schon ganz leicht in diese Richtung, da auch er langsamer und betonter spielen lässt.

      Insgesamt trotzdem eine tolle Ergänzung da es ein anderes Licht auf diese Sinfonie wirft.

      Ein ähnliches Dirigat (mit ganzem Körpereinsatz und Mimik!! :thumbsup: ) liefert Johannes Klumpp mit dem Folkwang Kammerorchester Essen ab, z. B. bei Youtube zu hören:
      W.A. Mozart: Sinfonie No. 1 KV 16 / Folkwang Kammerorchester - Johannes Klumpp