Musik für die Passionszeit

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    • Lamentatio Jeremiae prophetae
      Lamentations by Agricola, Morales, Arcadelt & Lassus
      Gregoriana
      Egidius Kwartet

      1. Alexander Agricola:
      Lamentatione Jeremiae (Petrucci 1506)
      Lectio prima
      Lectio secunda
      Lectio tertia

      2. Cristobal de Morales:
      Taedet animmam meam (Avila, bibl. del Coro 1526)

      3. Jacob Arcadelt:
      Lamentatio Jeremiae (Le Roy & Ballard 1557)
      Res - Sordes eius
      Zain - Vidisti Domine
      Caph - Defecerunt

      Orlando di Lasso:
      Lamentatio Jeremiae Prophetae (München Ms 2745 1585)
      Feria quinta in Coene Domini
      4. Orlando di Lasso:Lamentatio Prima
      5. RESPENSORIUM: monte oliveti (Greg.)
      6. Orlandi di Lasso:Lamentatio Secundo
      7. RESPESORIUM: Tristis est anima mea (Greg.)
      8. Orlando di Lasso: Lamentatio Tertia
      9. RESPENSORIUM: Ecce vidimus eum (Greg.)
      10. Orlando di Lasso: Respensorium: O vos omnes


      Auch auf dieser CD gibt es ein Werk aus dem Petrucci-Druck, die Lektionen 1 - 3 von Alexander Agricola. Aufgrund der Länge der Liturgie wurden nicht immer alle Verse vertont; zudem waren die Texte noch nicht normiert und unterschiedlich, so sind von Agricola nur diese drei Lektionen zu hören..

      Von Morales gibt es eine "düstere, homophone Musik "von beeindruckender Schichtheit, die so nachdrücklich die Aufmerksamkeit von der Musik ablenken wollte, dass sie dadurch fast noch mehr auffiel", weiß das inhaltlich sehr dünne Booklet. Außerdem gibt es vier- und fünfstimmige Lamentationen von Arcadelt, "in dem die Buchstaben nicht mehr mit dem Text übereinstimmten, der ursprünglich im Grundtext dahinter stand, und in dem die Verse aus den verschiedenen Kapiteln durcheinander gewürfelt und hintereinandergesetzt werden". So wieder das Booklet, das auf mich ganz ähnkich wirkt.

      Hauptwerk der Aufnahme sind die Lamentationen, Feria Quinta, von Orlando di Lasso. Lassus hat in den Jahren 1680-90 zwei vollständige Zyklen, einen vier- und einen fünfstimmigen, für die Kapelle von Wilhelm V. in München komponiert; auf dieser CD ist der vierstimmige zu hören. In diesem Zyklus "bringt der Komponisr durch Verwendung eines nahezu konstanten syllabischen Schreibstils mit homophonen Blöcken und großen Kontrasten in plastischer und genialer Weise den Text zum Ausdruck". So das Booklet.

      Die gregorianischen Respensorien auf dieser CD, die das Ensemble Gregoriana singt, basieren auf Quellen aus dem 10. Jahrhundert, nur die letzte wurde von Lassus komponiert.

      Die Interpretation durch das Egidius Kwartet ist zum Glück sehr viel besser als das Booklet vermuten lässt. Das Ensemble wurde gegründet von Mitgliedern des Amsterdam Baroque Choir von Ton Koopman. Ich habe schon einige CDs von ihnen und mag sie sehr gern. Sie haben sich auf die francoflämische Musik am Hof der Zeit von Margarete von Österreich und Karl V. spezialisiert. Das hört man dieser Interpretation an und es tut ihr gut. Der dunkle Klang des Ensembles ist der z.T. innigen, z.T. expressiven Musik angemessen.


      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Beim Thema Passionsmusik fällt mir der deutsche Barockkomponist Reinhard Keiser (1674-1739) ein, der an sich als Opernkomponist bekannter ist, von dem es aber auch das Passions-Oratorium "Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus" (siehe "http://img.kb.dk/ma/keiser/keiser_brocke-m.pdf" ) und eine Markuspassion gibt. Habe das Werk in der Kindheit gehört, mittels einer Doppel LP unter der Leitung von Alois J. Hochstrasser (Calig Verlag). Diese Aufnahme dürfte aber bisher nicht auf CD veröffentlicht worden sein. "http://d-nb.info/100767010X/about/html"

      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Hallo zusammen!

      LAMENTAZIONI
      per la Settima Santa

      Maria Cristina Kiehr
      Concerto Soave
      Jean-Marc Aymes harmonia mundi

      Carissimi, Frescobaldi, Palestrina, Marcorelli & Anonyme

      Eine wunderschöne Zusammenstellung getragen von der überaus hervorragenden Stimme von M. C. Kiehr.

      PASSIO SECUNDUM JOANNEM

      Francesco Feo (1691-1761)

      la Divina Armonica
      Coro da camera di Varese
      Lorenzo Ghielmi

      Es ist eine liturgische Erzählung mit Contratenor als Evangelist und 2 Tenoeren als Jesus u. Pilatus.
      Drei kurze Arien sind eingeschoben 2 von Feo und 1 von Gasparini , mit einem Sopran!
      Die Begleitung ist ein Streichquartett

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • bustopher schrieb:

      Aber wo bleiben Schütz, Lasso, Telemann, Graun, Stölzel, Beethoven, Distler, Zelenka..??

      Kommt sofort... :D


      Ich stelle mal einige Passionen vor, die ich angesammelt habe:


      SCHÜTZ

      Die Johannes-Passion (SWV 481) entstand kurz vor Ostern 1665 und umfaßt den Teil von Jesu Gefangennahme bis zum Augenblick seines Todes. Sie ist noch eher der alten Tradition behaftet, wie man es auch bei Victoria findet, daß sie nämlich mit dem Evangelisten und weiteren SängerInnen in anderen Rollen besetzt ist, die den gesamten Text singend vortragen. Schütz bricht jedoch bereits den Rezitationston des Evangelisten auf und dramatisiert somit die vorgetragenen Worte. Außerdem läßt er das Volk in polyphonem Stimmsatz erklingen und fügt mehrstimmig gesetzte Choräle hinzu. Gesungen wird in Deutsch. - Dann befinden sich noch die Passionsmotetten (SWV 53-60) aus dem Cantiones sacrae (1625) auf der CD: acht vierstimmig gesetzte Motetten mit b.c.-Begleitung. - Das Collegium musicum Plagense unter Rupert G. Frieberger musiziert sehr gut.


      DEMANTIUS

      1631 erschien diese Passion nach dem Evangelisten Johannes. Sie ist komplett als Motette in drei Teilen konzipiert und wird in Deutsch gesungen. Sie gilt als die letzte durchgängig mehrstimmig gesetzte Vertonung einer Passion: Über weite Teile ist sie eher homophon gesetzt und bleibt dadurch sehr kurzweilig. Dialogstellen werden zumeist solistisch ausgeführt, der Evangelientext in größerer Chorbesetzung. - Der KammerChor Saarbrücken unter Georg Grün singt hervorragend. :thumbup:


      di LASSO

      Hier haben wir eine Passio secundum Matthaeum alter Prägung: ein Evangelist trägt den lateinischen Text im Rezitationston vor, ein weiterer singt Jesus, ein Chor mimt die anderen Rollen und das Volk. Die mehrstimmigen Teile sind 2-3stimmig für die Einzelpersonen und 5-6stimmig für das Volk gesetzt. Erschienen ist das Werk 1575 im Druck Patrocinium musices und war damals sehr erfolgreich; es wurde noch im Kloster Einsiedeln bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts hinein aufgeführt. Es dauert eine Stunde.


      Lagrime di San Pietro:
      Zwar keine Passion, aber ich führe es auf, weil es zu di Lassos großartigsten Schöpfungen zählt: kurz vor seinem Tod im Jahre 1594 schloß er diesen Madrigalzyklus ab, komponiert nach Gedichten von Luigi Tansillo. Inhaltlich geht es um die Reue, die Petrus empfunden haben mußte, nachdem er Jesus dreimal verleugnet hatte. Es sind wundervolle Kompositionen auf sehr empfindsam geschriebenen Texte, und eine traurige Versöhnlichkeit durchstömt die Musik voll und ganz. Es sind 20 Madrigale und eine Schlußmotette, durchgängig siebenstimmig gesetzt. - Ich kann beide oben aufgeführte Einspielungen gleichermaßen empfehlen, aber Livio Picotti mit seiner Capella Dvcale Venetia ganz besonders: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:


      GRAUN
      [IMG:http://ecx.images-amazon.com/images/I/61VBoB7vu8L._AA300_.jpg]
      Der Tod Jesu:
      Diese Passionskantate für Soli, Chor und Orchester in deutscher Sprache entstand 1754/55 und gehört zu den bekanntesten Kompositionen Grauns. Es ist keine reine dramatische Nacherzählung der Passion, sondern eine meditative Ballade über den Erlösergedanken, der dem Geschehen innewohnt.



      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • palestrina schrieb:

      LAMENTAZIONI
      per la Settima Santa

      Maria Cristina Kiehr
      Concerto Soave
      Jean-Marc Aymes harmonia mundi

      Carissimi, Frescobaldi, Palestrina, Marcorelli & Anonyme

      Eine wunderschöne Zusammenstellung getragen von der überaus hervorragenden Stimme von M. C. Kiehr.

      Danke, palestrina! Francisco Feo war mir bis jetzt nicht bekannt, das werde ich demnächst ändern. Die CD mit Maria Cristine Kiehr finde ich auch großartig:



      Sie vermittelt auch einen guten Eindruck von den "Lamentazioni per la Settima Santa", ausführlich beschrieben im Booklet. Gekauft hatte ich mir diese CD aber auch wegen der wunderbaren Maria Cristina Kiehr ...


      lg vom eifelplatz, Chris.


    • Lamentatio
      Musik zur Passion um 1500
      ensemble officium
      Wilfried Rombach

      Bernhard Ycart (15. Jh.)
      Lamentationes Hieremiae Prophetae
      1. Lectio I
      2. Lectio II
      3. Lectio III

      Heinrich Isaac (c.1450 - 1517)
      Proprium de Sancta Cruce
      4. Introitus
      5. Respensorium Graduale
      6. Alleluia
      7. Sequenz
      8 Offertorium
      9. Communio

      Josquin Desprez (c.1440 - 1521)
      Miserere mei Deus (Psalm 50)
      10. Prima pars
      11. Secunda pars
      12. Tertia pars


      Auch an dieser CD interessierte mich der Zusammenhang mir dem Petrucci-Druck von 1506, und das betrifft gleich dass erste Stück, Lamentationen von Bernhard Ycart. Bisher war mir weder der Name des Komponisten begegnet und so auch keine seiner Kompositionen. Überliefert sind nur ganz wenige, man könne sie an einer Hand abzählen, schreibt Wilfried Rombach im Booklet; diese Aufnahme der Lamentationen sei eine Ersteinspielung. Weiter heißt es bei Rombach, dass Ycart in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts lebte, mit großer Wahrscheinlichkeit franco-flämischer Herkunft gewesen sei, in den Musikerkreisen um Tinctoris verkehrte und später als Kapellmeister in Neapel lebte. Sein unprätemtiöser Stil zeige gerade durch die ergreifende Schlichtheit größte Wirkung und sei somit dem Ernst der Feier zum Tode Jesu in höchstem Maße angemessen.
      Ich finde die Musik sehr beeindruckend und würde gern mehr von Ycart kennen lernen. Rombach versteht es gut, diese Musik zum Klingen zu bringen. Sein Ensemble beherrscht- wie ich schon bei seiner Interpretation des Requiems von La Rue feststellen konnte - den dunklen Klang mit dem oft Trauer in der Musik ausgedrückt wird.

      Von Heinrich Isaac ist das nächste Stück, eine Messe zum Fest der Kreuzerhöhung am 14. September und auch sie stammt wieder aus der Sammlung Choralis Constantinus. Den Auftrag, eine Proprium-Reihe für alle Sonn- und Festtage des Kirchenjahrs soll ihm das Domkapitel von Konstanz erteilt haben.
      Das ensemble officium unter Rombach hat auch eine Ostermesse von Isaac aus der Sammlung Choralis Constantinusveröffentlicht, die Missa paschalis:





      Beschlossen wird die CD von dem berühmten, häufig aufgenommenen Miserere (Psalm 50) von Josquin Desprez. Dieses Miserere mei Deus wird zu der Reihe von Buspsalmen gezählt und ist auch Teil der Karmetten.
      Mir gefällt die Interpretation des ensemble officium ganz gut. Man hört, dass das Ensemble gut eingesungen ist, keine Stimme ragt heraus, der Klang ist ausgewogen.

      Nun bot sich natürlich ein Vergleich an, da in dem Stapel, den ich mir für diesen Thread zurechtgelegt habe, das Miserere auf einigen CDs zu finden ist:



      Track 4


      Eine ganze CD mit Psalmen, unter denen auch einige Bußpsalmen wie das Miserere sind, hat auch das Ensemble Weser Renaissance unter Manfred Cordes veröffentlicht. Unter den Sängern sind so bekannte, auch in anderen Ensemblem und solistisch tätige Musiker wie Franz Vitzthum, Alex Potter sowie Tore Terry Wey und Ulfried Staber vom ensemble cinquecento, aber Ausgewogenheit und Zusammenklang finde ich bei ihnen längst nicht so gut. Das mag Geschmackssache sein. Deshalb mal eine CD mit dem Miserere mit dem ensemble cinquecento aufgelegt - und 'höre' da, so muss es in meinen Ohren sein:



      Track 12



      lg vom eifelplatz, Chris.
    • eifelplatz schrieb:

      Es wäre schön, wenn ihr zu den geposteten CDs etwas schreiben könntet, ein paar Bemerkungen zum Inhalt und zur Interpretation, damit man weiß, was einen da erwartet und was ihr davon haltet. .


      Ok! Ich zeigte weiter oben Bilder zu diesen beiden Werken:

      Algabal schrieb:



      .

      Von Gubaidulinas Johannes-Passion gibt's auch eine deutschsprachige Einspielung:



      Kommentar:

      Wolfgang Rihms »Deus Passus« ist keine Passion im traditionellen Sinne, denn der Evangelientext des Lukas ist nicht einfach chronologisch vertont worden. Im Gegenteil: Rihm verdichtet den Text auf das zentrale Geschehen, läßt bekannte Seitenepisoden weg und verleiht dem ganzen nahezu bühnendramatischen Charakter, indem er Narrativformeln wie »sagte zu ihnen«, »Jesus aber sprach«, »er antwortete« u.a. auskürzt. In den Text integriert werden bestimmte Formeln/Verse liturgischer Texte und Verse moderne Lyrik, insbesondere von Celan, dessen Gedicht »Tenebrae« die Grundlage des Schlußgesangs bildet. Was die Musik anbetrifft, wird das Werk manchmal als »etwas karg und spannungsarm« charakterisiert. »Spannungsarm« kann ich »Deus Passus« nicht finden. Im Gegenteil: das Werk ist bestimmt von einer stillen, traurigen, verzweifelten Spannung. Zurückgenommen ist die Tonsprache, eher schlicht und spröde (ja vielleicht auch »karg« - in einem positiven Sinne), für Rihms Verhältnisse introvertiert und fast meditativ.

      Sofia Gubaidulinas russisch-sprachige »Johannes-Passion« ist – was die Anlage des Textes anbetrifft – traditioneller: Hier steht der vollständige Text der Passionsgeschichte des Johannes-Evangeliums im Mittelpunkt, ergänzt durch zurück- bzw vorausverweisende Passagen aus dem Alten Testament und insbesondere der Offenbarung des Johannes. Die Musik hat – bei aller Modernität – einen unmittelbar sinnlich wirkenden, liturgischen Charakter.

      Wie ich schon oben schrob: zu Gubaidulinas Johannes-Passion gibt es auch eine deutschsprachige Einspielung unter Rilling - das russische Original ist für mein Empfinden aber ungleich eindrucksvoller.

      Zwei IMO äußerst suggestive und ergreifende Werke!

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Danke für die Bemerkungen zu Deinen Eindrücken. Gerade das "Karge" fasziniert mich: ich habe beim Hören von Passionsmusik oft den Eindruck, dass sie mindestens so expressiv und emotional wirkend ist, wie z.B. die französischen Leçons oder italienischen Oratorien. (Liegen auch noch auf meinem Stapel)


      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Die Beispiele hier zeigen es: Passionsmusik ist nicht auf die Zeit bis 1750 beschränkt. Wenn niemand protestiert, werde ich den Faden in "Musikgeschichte epochenübergreifend" verschieben.

      :gurni:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gemeint war es nicht so; warum stellt man sonst einen Threa in das Unterforum "Musikgeschichte von der Antike bis zum Barock" ein? Ich dachte, Passionsmusik ab 1750 sei bekannt und von der Menge eine uferlose Angelegenheit (und ich kann nicht viel darüber sagen). Aber da es sich nun so ergeben hat, soll es wohl auch so sein.

      lg vom eifelplatz, Chris
    • Algabal schrieb:

      eifelplatz schrieb:

      Gemeint war es nicht so; warum stellt man sonst einen Threa in das Unterforum "Musikgeschichte von der Antike bis zum Barock" ein?


      Oh, das hab ich glatt übersehen. Sorry! Meine OT-Beiträge können gern gelöscht werden.

      Adieu,
      Algabal

      Ne, ich denke, meine Beiträge sollten eher gelöscht werden. Die haben ja offenbar wenig interessiert, das bin ich mit meinen bisherigen Threads gewöhnt. Und der Thread hier ist ja jetzt schon tot. Ich dachte, das würde sich einpendeln, aber ist nicht so. Diskussionen über Coverbildchen scheinen interessanter. Und deine CDs haben mich ja auch interessiert - aber: wie will man einen Faden aufmachen für Alte Musik und Neue Musik, aber den Rest nicht? (wobei es interessant ist, dass offenbar nicht alle Gattungen vom Barock bis zur Moderne durchgängig gebraucht wurden, warum? Hat es keine "Stadt, die wüste liegt" in der Zeit dazwischen gegeben, keine Krisen, Kriege?)
      Ich räume das Feld.

      lg vom eifelplatz, Chris.
    • eifelplatz schrieb:

      Ich räume das Feld.

      Aber, aber, liebe Chris, das ist ganz gewiß nicht nötig. Zuerst einmal sind verdammt interessante Informationen in deinen Postings drinne, die definitiv neugierig machen. Die Lamentationen hatte ich speziell noch nicht wirklich konsequent verfolgt und mußte sogar feststellen, daß ich gar nicht soviele habe. Dafür hast du mehr, und daß du sie hier vorstellst, ist ganz gewiß nicht überflüssig.

      Mag sein, daß die Grenze "bis 1750" nicht wirklich beachtet wurde, aber deswegen ist das bisher Geschriebene durchaus als gewinnbringend zu bezeichnen. Es hat mich sogar auf eine weitere Idee gebracht. Bitte sieh diesen Thread nicht als einen Fehlschlag an, wenn wir alle - auch mich muß ich da einschließen - nicht mehr als einige CD-Tips geben können.


      jd :kiss:
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      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Ich würde auch nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, liebe Chris.
      Der Faden läuft doch sehr gut (anderes läuft deutlich schlechter), ich habe mit Interesse mitgelesen, wenn ich auch nichts aktiv beitragen kann, weil ich mich auf dem Gebiet nun wirklich gar nicht auskenne, habe ich sehr viele Anregungen erhalten.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • eifelplatz schrieb:

      ich habe noch mind. 16 da fehlen aber noch ganz wichtige, wie die von Carpentras für die Sistina usw.

      Immer rein damit!!! Präsentiere sie uns! Wir warten darauf!

      Es ist doch so: wenn nur ein einziger Leser aus sowas Nutzen ziehen kann, dann ist der Sinn mehr als erfüllt. Und es sind garantiert mehr als einer... :yes:


      jd :wink:
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    • AlexanderK schrieb:

      Beim Thema Passionsmusik fällt mir der deutsche Barockkomponist Reinhard Keiser (1674-1739) ein, der an sich als Opernkomponist bekannter ist, von dem es aber auch das Passions-Oratorium "Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus" (siehe "http://img.kb.dk/ma/keiser/keiser_brocke-m.pdf" ) und eine Markuspassion gibt. Habe das Werk in der Kindheit gehört, mittels einer Doppel LP unter der Leitung von Alois J. Hochstrasser (Calig Verlag). Diese Aufnahme dürfte aber bisher nicht auf CD veröffentlicht worden sein. "http://d-nb.info/100767010X/about/html"


      Reinhard Keisers Passionskompositionen kenne ich auch noch nicht. Ich bin in den frühen 1950er Jahren katholisch sozialisiert worden, die deutschsprachige Passionsmusik fehlt mir deshalb völlig. Danke, da kommen noch einige Recherchen und Hörstunden auf mich zu.


      lg vom eifelplatz, Chris.
    • In der katholischen Kirche stellt der Aschermittwoch den Beginn der Fastenzeit (lat. Quadragesima) dar; ab dem Tag wird dem 40tätigen Fasten Jesu gedacht, bevor er sein öffentliches Wirken begann. Am Karsamstag endet die Fastenzeit dann und geht in das eigentliche Osterfest über.

      Die fünf Sonntage nach Aschermittwoch werden als Fastensonntage bezeichnet. Sie haben Eigennamen erhalten, die von dem Introitus abgeleitet wurden, die an diesen jeweiligen Sonntagen in der Heiligen Messe gesungen werden. Sie lauten denmach I. Invocabit, II. Reminiscere, III. Oculi, IV. Laetare (Rosensonntag) und V. Judica (schwarzer Sonntag, Passionssonntag). Danach folgt der Palmsonntag (VI. Palmarum, Dominica in Palmis), der den Beginn der Heiligen Woche markiert.

      Für diese Zeit gibt es eigenes Repertoire an Gregorianischen Gesängen. Ich möchte etwas davon vorstellen.


      Beginnen wir mit dem Ordinarium: Im Gotteslob werden die Stücke 415-417 (Kyrie XVII / Sanctus XVII / Agnus Dei XVII) verwendet, die als Missa Adventus et Quadragesima bekannt ist. Das Gloria wird in der Litugie der Fastenzeit weggelassen und erklingt erst wieder zum Hochfest Ostern. Das Credo erklingt generell nur an den Sonntagen.

      Das Proprium für die Fastenzeit verwendet verschiedene Gesänge. In Joppichs Einspielung zur Fastenzeit

      [Tracks 1-7]

      ist der Introitus Exsurge Domine eigentlich für Sexagesima (zweiter Sonntag vor Aschermittwoch) gedacht. Es folgt der Tractus Domine, non secundum und zwei Communio: Dico vobis und Illumina.



      Weitere Gesänge sind bei Fulvio Rampi zu finden



      Hymnus:
      Audi benigne conditor

      Introitus:
      Invocabit me (I.)
      Tibi dixit cor meum (II.)
      Oculi mei (III.)
      Laetare (IV.)
      Judica (V.)


      Tractus:
      Qui habitat (I.)

      Offertorium:
      Scapulis suis (I.)
      Confitebor tibi Domine (V.)


      Graduale:
      Sciant gentes (II.)
      Laetatus sum (IV.)


      Communio:
      Visionem (II.)
      Qui bibertit aquam (III.)
      Oportet te (IV.)
      Lutum fecit (IV.)
      Videns Dominus (V.)
      Nemo te condemnavit (V.)




      Auch Hubert Dopf hat einige Stücke aufgenommen:

      [Tracks 1-7]

      Hymnus:
      Nunc tempus acceptabile

      Dominica V. Quadragesimae
      Introitus: Judica
      Graduale: Eripe me
      Tractus: Saepe expugnaverunt
      Offertorium: Confitebor tibi
      Communio: Qui mihi ministrat
      Antiphona: Hosanna filio David



      Und Alberto Turco hat

      [Tracks 11-12]

      zwei Responsorien (Prosternimus preces und Media vita) eingespielt.



      Ich habe hier noch eine spezielle Seite gefunden: "http://gregorien.info/de"

      Kalender: "http://gregorien.info/calendar/festivo/de"



      Das ist nur eine kleine Auswahl an Stücken für die katholische Liturgie der Fastenzeit. Es scheint auch so zu sein, daß die Stücke je nach Jahrgang und örtlichem Ritus unterschiedlich verwendet werden.


      Als Nächstes werde ich was zum Palmsonntag schreiben.


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul