Musik für die Passionszeit

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    • Membra Jesu nostri

      Weil wir sechs diplomierte Solisten im Chor haben, führen dieses Jahr 'Membra Jesu nostri' (mit vollem Titel: Membra Jesu nostri patientis sanctissima / Die allerheiligsten Gliedmaßen unseres leidenden Jesus) auf, einen Zyklus von sieben Passionskantaten des dänisch-deutschen Barockkomponisten Dietrich Buxtehude (BuxWV 75). Der Zyklus ist ein Musterbeispiel der hochbarocken Concerto-Aria-Kantaten. Das gibt auch wieder ein Zusammenwirken mit 'unserem' Barockorchester – mit Barockinstrumenten.
      CANTO ERGO SUM
    • Der letzte Sonntag vor Ostern ist der Palmsonntag (lat. Palmarum, Dominica in Palmis de passione Domini). Mit dem Tag wird die Heilige Woche (lat. hebdomada sancta) wie auch die Karwoche eingeleitet. An dem Tag zog Jesus feierlich in Jerusalem ein und wurde vom Volk als Messias gefeiert. Im katholischen Ritus gedenkt man dem einerseits durch Prozessionen und andererseits durch das Lesen der Passion aus einer der drei synoptischen Evangelien (Markus-, Matthäus- und Lukas-Evangelium).

      Die Prozession stammt aus Jerusalem selbst: schon im Altertum gedachte man der Wege, die Jesus in Jerusalem gegangen war, indem man seine "Schritte" symbolisch folgte. Der Brauch begann in der Regel außerhalb der Stadt vor einer Nebenkirche mit der Segnung der Palmzweige, dann zog man feierlich mit dem Evangelienbuch oder dem Kreuz zur Stadt hinein. An bestimmten Stellen (z.B. bei einer Kirche oder dem Stadttor) wurde innegehalten und verschiedene Akklamationen oder Gesänge abgehalten. Für diese Zwecke war im Hochmittelalter bereits so eine reiche Zahl an Gesängen zusammengekommen, daß man sie später im Missale Romanum auf fünf Gesänge begrenzt hat. Vor der Hauptkirche der Stadt endete die Prozession; die Gemeinde zog dann in die Kirche ein und feierte die Messe.

      Die Passion wird dann in der Kirche während der Messe verlesen. Die Rollen sind verteilt auf einen, der den Evangelientext vorträgt, einen weiteren, der die Jesus-Worte spricht, und einen, der die anderen Rollen ausfüllt. Weder Weihrauch noch Leuchter kommen zum Einsatz.



      Ich habe drei Einspielungen zum Palmsonntag in meiner Sammlung. Die eine stammt von Godehard Joppich

      [CD2, Tracks 1-14]

      und umfaßt Stücke aus der Prozession [1-9] und dem Proprium der Messe [10-14]. Für die Prozession erklingt:

      Antiphon:
      Hosanna filio David
      Pueri Hebraeorum
      Cum audisset
      Coeperunt omnes
      Occurunt turbae
      Cum angelis
      Ante sex dies


      Hymnus:
      Gloria, laus et honor

      Responsorium:
      Ingrediente Domino


      Der Hymnus Gloria, laus et honor gehört sicherlich zu den einprägsamsten Melodien des Gregorianischen Chorals. Theodulf von Orléans (750/60-821) verfaßte 39 Distichen, wovon die ersten sechs verwendet werden. Dieser Prozessionshymnus wird in der Regel kurz vorm Ziel angestimmt und endet dann vor der Hauptkirche. Das Responsorium Ingrediente Domino erklingt dann beim Einzug in die Kirche.

      Für die Messe erklingt folgendes Proprium:

      Introitus: Domine, ne longe facias
      Graduale: Tenuisti manum dexteram
      Tractus: Deus, Deus meus
      Offertorium: Improperium
      Communio: Pater, si non potest


      Die Texte entstammen den Psalmen und bringen die Angst, Zerissenheit und Verzweiflung der Passion deutlich zum Ausdruck; nur die Communio wird direkt aus dem Neuen Testament zitiert und stellt somit die letzte Stufe, das direkte Wort von Jesus selbst, dar: sein Gebet in Gethsemane, wo er sich dem Willen des "Vaters" unterwirft.



      Die andere Einspielung von Xavier Chancerelle

      [Tracks 1-11]

      hat eine etwas andere Auswahl zu bieten:

      Hosanna filio David
      Pueri Hebraeorum
      Gloria, laus et honor
      Kyrie
      Deus, Deus meus
      Hoc enim sentite in vobis
      Christus factus est
      Agnus Dei
      Pater, si non potest
      Dominus dedit mihi
      Circumdederunt me




      Die dritte wurde von Hubert Dopf aufgenommen:

      [Tracks 8-11]

      Dominica in Palmis:
      Hymnus: Gloria, laus et honor
      Graduale: Christus factus est
      Offertorium: Improperium
      Introitus: Nos autem



      Und somit kommen wir nun zu Victoria: sein Offizium zur Heiligen Woche weist für den Palmsonntag drei polyphone Kompositionen auf:

      Antiphon: Pueri hebraeorum vestimenta
      Passio Secundum Matthaeum (nur die polyphonen Teile: das Volk)
      Motette: O Domine Jesu Christe

      Für den Palmsonntag war die Matthäus-Passion festgelegt und wurde von Victoria nur in den zulässigen Stellen (den Turbastellen) polyphon vertont; der Rest unterlag dem Reziationston der Liturgie. Das Antiphon und die Motette hatte Victoria bereits früher komponiert (Pueri hebraeorum vestimenta erschien 1572 erstmals im Druck, O Domine Jesu Christe 1576) und verwendete sie neu.

      In der Einspielung von Javier M. Carmena (links) sind alle drei Stücke drin, in der von Jean-Paul Gipon (rechts) fehlt die Matthäus- Passion




      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Heilige Woche und Karwoche

      Die Heilige Woche (lat. hebdomada sancta) und die Karwoche sind nicht exakt dasselbe: zwar beginnen beide mit Palmsonntag, aber die Heilige Woche schließt den Ostersonntag ein, während sich die Karwoche auf die Trauertage bis einschließlich Karsamstag bezieht.

      Somit besteht die Karwoche aus Palmsonntag, den stillen Tagen (Montag bis Mittwoch) und den Kartagen (Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag). Die Kartage sind die eigentlichen Trauertage (Abendmahl bis Grablegung). Das wiederum ist nicht deckungsgleich mit dem Triduum Sacrum: die "drei heiligen Tage" bezeichnen den Zeitraum von Donnerstag Abend bis Sonntag Abend und schließt somit die Auferstehung Christi mit ein; der Karsamstag endet dagegen bei Sonnenuntergang, da ab dem Zeitpunkt die Osternacht beginnt, die bereits zum Ostersonntag gehört.

      Für diese letzte Woche vor dem Ostersonntag ist das Repertoire an Gesängen so vielfältig wie sonst nie. Ich bediene mich zunächst der Definition der Heiligen Woche und stelle drei Aufnahmen vor, die Gesänge zu Ostern präsentieren. Sie stammen alle von Konrad Ruhland.





      1974 erschienen diese Aufnahmen zum ersten Mal, als einzelne LP wie auch als Teil einer 4-LP-Box. Es sind folgende Stücke zu finden:

      Introitus: Misereris omnium domine (Aschermittwoch)
      Responsorium: Emendemus in milius
      Introitus: Laetare Jerusalem (IV.)
      Hymnus: Audi benigne conditor (Fastenzeit)
      Antiphon: Pueri Hebraeorum - Psalm 23 (Palmsonntag)
      Hymnus: Gloria laus et honor (Palmsonntag)
      Responsorium: In monte Oliveti (Gründonnerstag)
      Graduale: Christus factus est pro nobis (Gründonnerstag)
      Hymnus: Vexilla Regis prodeunt
      Alleluia: Confitemini
      Introitus: Resurrexi et adhuc tecum sum
      Graduale: Haec dies
      Alleluia: Pascha nostrum
      Sequenz: Victimae paschali laudes (Ostern)
      Offertorium: Terra tremuit et quievit
      Communio: Pascha nostrum



      Im Jahr 1996 erschien die andere Aufnahme:

      [CD1, Tracks 10-18]

      Hymnus: Gloria, laus et honor (Palmsonntag)
      Introitus: Nos autem gloriari oportet (Gründonnerstag)
      Lied: Ubi caritas est vera (zur Fußwaschung)
      Antiphon: Vespere autem sabbati
      Introitus: Resurrexi et adhuc tecum sum (Ostern)
      Kyrie eleison / Tropus: Lux et origo
      Sequenz: Victimae paschali laudes (Ostern)
      Alleluia / Laudate Dominum [Psalm 117 (116)]
      Leonhard Paminger (1495-1567): Surrexit Christus hodie



      Speziell zur Heiligen Woche hatte Ruhland eine weitere Aufnahme gemacht:

      [IMG:http://ecx.images-amazon.com/images/I/51gwQUZ--OL._AA300_.jpg]

      Introitus: Nos autem gloriari oportet in Cruce Domini
      Antiphon: Procedamus in pace! / Cum angelis
      Antiphon:Ave Rex noster, Fili David
      Communio: Hoc corpus, quod pro vobis tradetur
      Antiphon: Ubi est caritas et dilecto
      Antiphon: Congregavit nos in unum - Ubi caritas et amor
      Passio Domini nostri Jesu Christi secundum Joannem (Ausschnitte 18,33.36-37 & 19,1.5-6.15)
      Antiphon: Ecce lignum crucis
      Responsorium: Popule meus
      Antiphon: Crucem tuam
      Lamentation (Lectio I, Feria V): Incipit lamentio Jeremiae Prophetae (Quomodo sedet sola)
      Responsorium IV: Recessit pastor noster
      Lamentation (Lectio IX, Sabbato Sancto): Oratio Jeremiae Prophetae (Recordare Domine)
      Kyrie eleison / Respice, quaesumus, Domine
      Hac die, quam fecit Dominus / Elogium: Christus Dominus resurrexit!
      Antiphon: Halleluja / Psalm 117 (116), 1-2 / Doxologie: Alleluia




      Als weitere Einspielung zur Heiligen Woche nenne ich diese von Enrico de Capitani:



      Pueri hebraeorum
      Gloria laus/1
      Gloria laus/2
      Domine exaudi
      Christus factus est
      Postquam surrexit
      Mandatum novum
      Nomine tu mihi lavas pedes
      In diebus illis
      Ubi caritas
      O quando in cruce
      Ecce lignum crucis
      Hagios o theos, popule meus
      Panta ta etni/omnes
      Tenebrae factae sunt
      O crux admirabile signum
      Pange lingua
      Crux fidelis
      Kyrie qui passurus




      Mit diesen vier CDs hat man einen sehr guten allgemeinen Einblick in die Gesänge, die ab Palmsonntag die Liturgie bestimmen. Speziell Paschale Mysterium und Passio Domini Nostri sind sehr profund ausgesucht. Als Ergänzung möchte ich nochmals diese Einspielung von Xavier Chancerelle erwähnen, die speziell Repertoire zu den stillen Tagen zu bieten hat:

      [Tracks: 12-14]

      Exsurge Domine
      Custodi me
      Potum meum




      Als Nächstes werden die Kartage speziell behandelt...


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Die Kartage sind der Andacht des Leidens und Sterbens Jesu gewidmet. Der Gründonnerstag (u.a. auch als dies cenae domini, quinta feria oder englisch Maundy Thursday bezeichnet) behandelt die Fußwaschung und das Abendmahl, der Karfreitag (sexta feria oder Good Friday) behandelt den Tod Jesu am Kreuz, und der Karsamstag (sabbato sancto oder Holy Saturday) gedenkt der Grabesruhe Jesu - in Hinblick auf die Auferstehung. Dies überschneidet sich mit dem Triduum Sacrum, welches mit der Messe zum letzten Abendmahl (am Abend des Gründonnerstag) beginnt; somit ist der erste Tag des Triduum der Karfreitag, der zweite der Karsamstag und der dritte Ostersonntag (endet nach der zweiten Vesper in der Nacht zum Montag).

      An diesen drei Kartagen fanden die Tenebrae statt. Der Name leitet sich vom fünften Responsorium des Karfreitags ab, der mit den Worten Tenebrae factae sunt beginnt. Um Mitternacht beginnen allgemein im Kirchenjahr die Matutin (auch Vigil oder Nachtoffizium genannt), wobei die Tenebrae jene speziellen der drei Kartage darstellen. In der Nacht zum Gründonnerstag beginnt um Mitternacht die Lesung mit einem Invitatorium, einer Antiphon und einem Hymnus. Danach schließen sich insgesamt drei Nokturnen an, die den gleichen Aufbau haben: es beginnt mit drei Psalmen, es folgen dann ein Versikel und das Pater noster, und es endet dann mit drei Lesungen und drei Responsorien. Den Abschluß bildet dann die (einmalige) Laudes: auch sie beginnt mit drei Psalmen (wovon der erste immer das Miserere ist), dem dann das Canticum aus dem Alten Testament, der Lobpsalm, die Lobpreisung, das Canticum aus dem Neuen Testament (immer das Benedictus), die Antiphon Christus factus est und eine Oratio folgt.

      Inhaltlich werden folgende Texte rezitiert:



      Feria V in cena (Gründonnerstag)
      Nocturn 1
      1. Psalm: Salvum me fac Deus [Ps 69(68)], Ant. Zelus domus tuae comedit me
      2. Psalm: Deus in adiutorium meum [Ps 70(69)], Ant. Avertantur retrorsum
      3. Psalm: In te Domine speravi [Ps 71(70)], Ant. Deus meus eripe me
      1. Lesung: Aleph. Quomodo sedet sola civitas [Klgl 1,1-5]
      1. Responsorium: In monte Oliveti
      2. Lesung: Vau. Et egressus est [Klgl 1,6-9]
      2. Responsorium: Tristis est anima mea
      3. Lesung: Iod. Manum suam misit hostis [Klgl 1,10-14]
      3. Responsorium: Ecce vidimus eum
      Nocturn 2
      4. Psalm: Deus iudicium tuum [Ps 72(71)], Ant. Liberavit Dominus pauperem
      5. Psalm: Quam bonus Israel [Ps 73(72)], Ant. Cogitaverunt impii
      6. Psalm: Utquid Deus repulisti [Ps 74(73)], Ant. Exsurge Domine
      4. Lesung: Exaudi Deus orationem [Augustinus]
      4. Responsorium: Amicus meus osculi
      5. Lesung: Utinam ergo qui nos [Augustinus]
      5. Responsorium: Iudas mercator pessimus
      6. Lesung: Quoniam vidi iniquitatem [Augustinus]
      6. Responsorium: Unus ex discipulis meis
      Nocturn 3
      7. Psalm: Confitebimur tibi [Ps 75(74)], Ant. Dixi iniquis
      8. Psalm: Notus in Iudaea Deus [Ps 76(75)], Ant. Terra tremuit
      9. Psalm: Voce mea ad Dominum [Ps 77(76)], Ant. In die tribulationis
      7. Lesung: Hoc autem praecipio [1Kor 11,17-22]
      7. Responsorium: Eram quasi agnus
      8. Lesung: Ego enim accepi [1Kor 11,23-26]
      8. Responsorium: Una hora non potuistis
      9. Lesung: Itaque quicumque [1Kor 11,27-34]
      9. Responsorium: Seniores populi
      Laudes
      1. Psalm: Miserere mei [Ps 51(50)], Ant. Iustificeris Domine
      2. Psalm: Domine refugium factus es [Ps 90(89)], Ant. Dominus tamquam ovis
      3. Psalm: Dixit iniustus [Ps 36(35)], Ant. Contritum est cor
      Canticum AT: Cantemus Domino [Ex 15,1-19], Ant. Exhortatus es
      Lobpsalm: Laudate Dominum [Ps 147(146)], Ant. Oblatus est
      Canticum NT: Benedictus Dominus [Luk 1,68-79], Ant. Traditor autem dedit
      Antiphon: Christus factus est pro nobis

      Feria VI in parasceve (Karfreitag)
      Nocturn 1
      1. Psalm: Quare fremuerunt gentes [Ps 2], Ant. Astiterunt reges terrae
      2. Psalm: Deus Deus meus [Ps 22(21)], Ant. Diviserunt sibi
      3. Psalm: Dominus illuminatio [Ps 27(26)], Ant. Insurrexerunt in me
      1. Lesung: Heth. Cogitavit Dominus [Klgl 2,8-11]
      1. Responsorium: Omnes amici mei
      2. Lesung: Lamed. Matribus suis [Klgl 2,12-15]
      2. Responsorium: Velum templi scissum est
      3. Lesung: Aleph. Ego vir videns [Klgl 3,1-9]
      3. Responsorium: Vinea mea electa
      Nocturn 2
      4. Psalm: Domine ne in furore [Ps 38(37)], Ant. Vim faciebant
      5. Psalm: Exspectans exspectavi [Ps 40(39)], Ant. Confundantur et revereantur
      6. Psalm: Deus in nomine tuo [Ps 54(53)], Ant. Alieni insurrexerunt
      4. Lesung: Protexisti me [Augustinus]
      4. Responsorium: Tamquam ad latronem
      5. Lesung: Nostis qui conventus [Augustinus]
      5. Responsorium: Tenebrae factae sunt
      6. Lesung: Exacuerunt tamquam [Augustinus]
      6. Responsorium: Animam meam dilectam
      Nocturn 3
      7. Psalm: Eripe me de inimicis [Ps 59(58)], Ant. Ab insurgentibus in me
      8. Psalm: Domine Deus salutis [Ps 88(87)], Ant. Longe fecisti notos
      9. Psalm: Deus ultionum Dominus [Ps 77(76)], Ant. Captabunt in animam
      7. Lesung: Festinemus ingredi [Hebr 4,11-15]
      7. Responsorium: Tradiderunt me
      8. Lesung: Adeamus ergo [Hebr 4,16-5,3]
      8. Responsorium: Iesum tradidit impius
      9. Lesung: Nec quisquam sumit [Hebr 5,4-10]
      9. Responsorium: Caligaverunt oculi mei
      Laudes
      1. Psalm: Miserere mei [Ps 51(50)], Ant. Proprio filio suo
      2. Psalm: Domine exaudi orationem [Ps 143(142)], Ant. Anxiatus est in me
      3. Psalm: Benedixisti Domine [Ps 85(84)], Ant. Ait latro ad latronem
      Canticum AT: Domine audivi auditionem [Hab 3,2-19], Ant. Dum conturbata fuerit
      Lobpsalm: Lauda Ierusalem Dominum [Ps 147], Ant. Memento mei Domine
      Canticum NT: Benedictus Dominus [Luk 1,68-79], Ant. Traditor autem dedit
      Antiphon: Christus factus est pro nobis

      Sabbato Sancto (Karsamstag)
      Nocturn 1
      1. Psalm: Cum invocarem [Ps 4], Ant. In pace in idipsum
      2. Psalm: Domine quis habitabit [Ps 15(14)], Ant. Habitabit in tabernaculo
      3. Psalm: Conserva me Domine [Ps 16(15)], Ant. Caro mea requiescet
      1. Lesung: Heth. Misericordiae Domini [Klgl 3,22-30]
      1. Responsorium: Sicut ovis ad occisionem
      2. Lesung: Aleph. Quomodo obscuratum est [Klgl 4,1-6]
      2. Responsorium: Ierusalem surge
      3. Lesung: Recordare Domine [Klgl 5,1-11]
      3. Responsorium: Plange quasi virgo
      Nocturn 2
      4. Psalm: Domini est terra [Ps 24(23)], Ant. Elevamini portae
      5. Psalm: Dominus illuminatio mea [Ps 27(26)], Ant. Credo videre bona
      6. Psalm: Exaltabo te Domine [Ps 30(29)], Ant. Domine abstraxisti
      4. Lesung: Accedet homo [Augustinus]
      4. Responsorium: Recessit pastor noster
      5. Lesung: Quo perduxerunt illas [Augustinus]
      5. Responsorium: O vos omnes
      6. Lesung: Posuerunt custodes [Augustinus]
      6. Responsorium: Ecce quomodo moritur
      Nocturn 3
      7. Psalm: Deus in nomine tuo [Ps 54(53)], Ant. Deus adiuvat me
      8. Psalm: Notus in Iudeae [Ps 76(75)], Ant. In pace factus est
      9. Psalm: Domine Deus salutis [Ps 88(87)], Ant. Factus sum sicut homo
      7. Lesung: Christus assistens [Hebr 9,11-14]
      7. Responsorium: Astiterunt reges terrae
      8. Lesung: Et ideo novi testamenti [Hebr 9,15-18]
      8. Responsorium: Aestimatus sum
      9. Lesung: Lecto enim omni [Hebr 9,19-22]
      9. Responsorium: Sepulto Domino
      Laudes
      1. Psalm: Miserere mei [Ps 51(50)], Ant. O mors ero mors
      2. Psalm: Bonum est confiteri [Ps 92(91)], Ant. Plangent eum
      3. Psalm: Exaudi Deus orationem [Ps 64(63)], Ant. Attendite universi populi
      Canticum AT: Ego dixi: In dimidio [Jes 38,10-20], Ant. A porta inferi erue
      Lobpsalm: Laudate Dominum [Ps 150], Ant. O vos omnes
      Canticum NT: Benedictus Dominus [Luk 1,68-79], Ant. Mulieres sedentes
      Antiphon: Christus factus est pro nobis

      [Quelle: "http://www.grabinski-online.de/div/metten.html"]



      Nach diesem Schema richtete sich die Liturgie der Tenebrae aus. Grundsätzlich wurden alle Gesänge einstimmig intoniert, womit ich nun zu einigen CDs komme.


      Speziell für den Gründonnerstag gibt es zwei Aufnahmen zu nennen:

      [Tracks: 15-25]

      Xavier Chancerelle nahm Folgendes auf:

      Ecce vidimus eum
      Quomodo sedet sola
      Amicus meus
      Nos autem
      Gloria ambrosien
      Ante diem festum Paschae
      Dominus Jesus
      Mandatum
      Et cum facta esset hora
      Pange lingua
      Ubi caritas





      Fulvio Rampi hat zum Repertoire des Abendmahls eine komplette CD aufgenommen:

      Hymnus: Te laudamus
      Introitus: Cibavit eos
      Kyrie XII (Pater cuncta)
      Graduale: Oculi omnium
      Sequenz: Lauda Sion
      Lectio (Io 6,55-58): Caro mea
      Offertorium: Portas caeli
      Sanctus XII
      Communio: De fructu
      Antiphon: Angelorum esca
      Communio: Hoc corpus
      Hymnus: Pange lingua
      Communio: Qui manducat
      Responsorium: Quam magna
      Communio: Panem de caelo
      Hymnus: Verbum supernum


      Für Karfreitag diese sechs:

      [Tracks: 12-15]

      Hubert Dopf hat für Karfreitag folgende Stücke eingespielt:

      Responsorium: Tenebrae factae sunt
      Antiphon: Ecce lignum crucis
      Antiphon: Crucem tuam
      Hymnus: Crux fidelis


      [Tracks: 13-15]

      Alberto Turco dagegen diese:

      Christus factus est
      Crux fidelis
      Vexilla regis



      [Tracks: 8-13]

      Godehard Joppich diese:

      Antiphon: Hosanna, filio David
      Antiphon: Dominus Jesus
      Hymnus: Ubi caritas et amor
      Graduale: Chritus factus est
      Antiphon: Ecce lignum crucis
      Antiphon: Crucem tuam adoramus


      [Tracks: 1-6]

      Ebenfalls von Joppich diese:

      Tractus: Domine, exaudi orationem meam
      Graduale: Christus factus est pro nobis
      Passio Domini nostri Jesu Christi
      Acclamatio: Ecce lignum crucis
      Improperia: Popule meus, quid feci tibit?
      Antiphona: Crucem tuam adoramus


      [Tracks 1-3]

      Offertorium: Improperium (Palmsonntag)
      Kreuzverehrung:
      Ecce lignum
      Polupe meus
      Crucem tuam
      Crux fidelis

      Responsorium Graduale: Christus factus est




      Alberto Turco hat eine komplette CD zur eigentlichen Passion eingespielt:

      Tractus: Domine, audivi
      Responsorium Graduale: Christus factus est
      Evangelium Passionis et Mortis Domini: Passio Domini nostri Iesu Christi secundum Ioannem
      Adoratio Sanctae crucis: Ecce lignum crucis
      Improperia: Popule meus
      Hymnus: Crux fidelis


      Zum Karsamstag habe ich nur das gefunden:

      [Track: 5]

      Wim van Gerven nahm das auf:

      Alleluia: Confitemini



      Kommen wir zu den mehrstimmigen Vertonungen:


      Victoria vertonte z.B. alle Teile, die man polyphon singen durfte: d.h. die drei Lesungen der 1. Nokturne und die Responsorien der 2. und 3. Nokturnen sowie das Miserere und das Benedictus der Laudes. Die Lesungen der jeweils 1. Nokturnen entstammen den Lamentationen des Jeremias. Dazu noch weitere Stücke, die an den einzelnen Tagen einmalig in der Liturgie vorgetragen wurden:

      Für Gründonnerstag:
      Ad Missam
      Pange Lingua / Tantum ergo

      Für Karfreitag:
      Ad Solemnem Actionem Liturgicam
      Passio Secundum Ioannem (nur die polyphonen Teile: das Volk)
      Motette: Vere languores
      Improperia: Popule meus

      Für Karsamstag:
      Dominica in passione
      Hymne: Vexilla Regis (more hispano)



      Auch andere haben die Lamentationen und die Responsorien vertont; dazu ein eigenes Posting.


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Lamentationen

      Die Klagelieder Jeremias sind in der Bibel als eigenes Buch nach dem Buch Jeremia eingeordnet. Es sind fünf Gedichte zu je 22 Verse, das Dritte Lied umfaßt sogar 66 Verse. Das Erste, Zweite und Vierte Lied sind Totenlieder, das Fünfte ein Volksklagelied; das Dritte ist dagegen ein individuelles Klagelied. Inhaltlich geht es um den Verlust Jerusalems nach der Zerstörung durch Nebukadnezar II. im Jahre 586 v. Chr.; man nimmt an, daß der Verfasser dieses Ereignis miterlebt und kurz danach diese Lieder verfaßt hatte. Sie werden zwar dem Propheten Jeremias zugeschrieben, doch ist das wissenschaftlich nicht haltbar.

      In der Tenebrae werden neun Ausschnitte daraus vorgetragen: für Gründonnerstag 1,1-14, für Karfreitag 2,8-15 und 3,1-9 und für Karsamstag 3,22-30, 4,1-6 und 5,1-11. In der Liturgie wird die Lectio I mit den Worten Incipit Lamentatio Jeremiae Prophetae begonnen, dann folgt der hebräische Buchstabe für den entsprechenden Vers (Aleph für 1, Vau für 6, Jod für 10 usw.). Die nächsten sieben Lectiones lassen das Incipit weg, nur die Lectio IX intoniert Incipit Oratio Jeremiae Prophetae. Am Ende jeder der neun Lesungen wird das Jerusalem, Jerusalem, convertere ad Dominum Deum tuum hinzugefügt.



      Die mehrstimmigen Vertonungen sind zahlreich und vielfältig. Bis in die Gegenwart sind Lamentationen komponiert worden. Dabei ist es nicht immer so, daß immer exakt die gleichen Verse vertont wurden; das war im Wesentlichen der jeweiligen Liturgie geschuldet, auf die die Komponisten ihre Werke schrieben. So hat z.B. Orlando di Lasso für seine Lamentationen (1584) die Verse 1,4-6.10-11, 2,11-12, 4,4-6 und 5,7-11 gar nicht berücksichtigt. Zelenka hatte 1722 für die jeweils dritte Lesung der 1. Nokturne gar nichts vertont.

      Die allerersten polyphonen Vertonungen entstanden um die Jahrhundertwende zum 16. Jahrhundert. Johannes Tinctoris (1435-1511) soll seine vierstimmige Komposition vor 1506 vollendet haben, Pierre de La Rue und Heinrich Isaac etwa zur gleichen Zeit.


      Zu Tinctoris' Vertonung hat Chris bereits was geschrieben .



      Im Druck Selectae harmoniae quatuor vocum de passione Domini (Rhaw, Wittenberg 1538) sind zwei Lamentationen gelistet, die hier vorliegen: die erste wird de La Rue zugeschrieben (das wird inzwischen jedoch angezweifelt), die andere Isaac. Die "La Rue"-Lamentation umfaßt 17 Verse, ziemlich kunterbunt in der Reihenfolge aus allen Liedern genommen, die Isaac-Lamentation dagegen umfaßt 5,1-19 komplett. - Es singt der Südwestdeutsche Kammerchor Thübingen unter Rolf Maier-Karius. :thumbup:



      Dann habe ich noch eine weitere Aufnahme der "La Rue"-Lamentation gefunden: die Schola Discantus unter Kevin Moll nahm sie bereits 1995 auf.



      Auf dieser CD befinden sich die Lamentationen von Alexander Agricola (1506), von Jacob Arcadelt (1557) und von Orlando di Lasso (1584) drauf; diese umfassen allerdings nicht alle Teile, die vertont wurden, sondern nur eine Auswahl.



      Da sind Vertonungen von Tiburtio Massaino (1599), Robert White, Marbrianus de Orto (1506) und di Lasso (1584) drauf.


      [IMG:http://ecx.images-amazon.com/images/I/519zbAGPrCL._SL500_AA300_.jpg] [CD2]
      Auch die Pro Cantione Antiqua unter Bruno Turner hatte eine Einspielung von Palestrinas Lamentationen gemacht. :thumbup:



      Victorias Lamentationen (1585) von den Tallis Scholars. :juhu:



      Reinhard Goebels Einspielung von Heinichens Lamentationen (1724). :thumbsup:



      Weitere Komponisten:
      Ferrabosco der Ältere, Nanino, Carpentras, Sermisy, Morales, Tallis, Rebelo, Allegri, Viadana, Scarlatti, Durante, Jommelli, Lambert, Couperin, Charpentier, Gilles, Delalande, Bernier, Zelenka, Krenek, Strawinsky, Bairstow, Ginastera, Bernstein .... usw. usf.... :stern:

      Praktisch jeder Komponist von Rang und Namen hat Vertonungen verfaßt und die Aufnahmen sind auch nicht gerade wenige. Ich habe hier einen Link zu amazon.de mit einem Großteil der CDs, die erhältlich sind bzw. waren:

      Stichwort: Lamentationes
      "http://www.amazon.de/s/ref=sr_nr_scat_255882_ln?rh=n%3A255882%2Ck%3Alamentationes&keywords=lamentationes&ie=UTF8&qid=1361363033&scn=255882&h=0aa0624669eef912e0cb0a035232efa4df1ae1c0"

      Stichwort: Jeremiae
      "http://www.amazon.de/s/ref=sr_nr_scat_255882_ln?rh=n%3A255882%2Ck%3Ajeremiae&keywords=jeremiae&ie=UTF8&qid=1361365576&scn=255882&h=97824bba457234e70076699c383fc588560305b1"


      Damit soll es mal gut sein... ;+)


      Links:
      "http://www.medieval.org/emfaq/misc/lamentations.htm"
      "http://en.wikipedia.org/wiki/Lamentations_of_Jeremiah_the_Prophet"


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    • Responsorien für Tenebrae

      In den neun Nokturnen der drei Kartage werden insgesamt 27 Responsorien gesungen. Je nach Liturgie waren auch polyphone Vertonungen erlaubt, allerdings im Falle von Victoria nur die der 2. und 3. Nokturnen aller drei Tage. Somit tauchen in seinem Officium Hebdomadae Sanctae (1585) nur insgesamt achtzehn Responsorien auf. Carlo Gesualdo dagegen hat alle Responsorien plus Benedictus und Christus factus est im Druck Responsoria et alia ad Officium Hebdomadae Sanctae spectantia (1611) sechsstimmig gesetzt. Jan Dismas Zelenka vertonte sie ebenfalls komplett: Responsoria pro Hebdomada Sancta ZWV 55 (um 1723). Ansonsten scheinen nur einzelne Responsorien komponiert zu sein: James MacMillan oder Healy Willan habe ich sonst noch gefunden.



      Zu Victorias Responsorien habe ich folgende Aufnahmen:


      Eine erstklassige Einspielung der Tallis Scholars, die super als Ergänzung zu den Lamentationen paßt. :thumbsup:


      Dann diese etwas ältere Aufnahme der Pro Cantione Antiqua unter Bruno Turner, die durchaus gelungen ist. :thumbup:


      Dann sind natürlich Gipon und Carmena zu nennen:

      :thumbup: :juhu:



      Zu Gesualdo gibt es auch einige Aufnahmen. Ich habe:


      Der Klassiker: das Hilliard Ensemble liefert eine exzellente Einspielung ab. :thumbsup:


      Die CD vom Ensemble Vocal Européen unter Philippe Herreweghe umfaßt nur die Responsorien für Karsamstag, aber toll gesungen... ^^


      Es gibt noch weitere, die ich aber nicht habe:



      Oben links: für Gründonnerstag, oben rechts: für Karfreitag,
      unten links: für Karsamstag, unten rechts: für alle drei Kartage.


      jd :wink:
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    • Nachtrag zu den Responsorien von Gesualdo:



      Dies ist eine Neu-Ausgabe zweier Erato-Veröffentlichungen, die 1983 bzw. 1987 zum ersten Mal erschienen sind. A Sei Voci nahm die Responsorien aller drei Kartage plus Miserere und Benedictus auf. Die Besetzung ist rein solistisch, besteht also aus sechs Sängern. Das schien wohl die erste Aufnahme der Tenebre-Responsorien Gesualdos gewesen zu sein, zumindest in der "authentischen" Besetzung.

      Was man zu hören bekommt, ist eine eher unprätentiöse Aufnahme - von sechs Sängern, die vielleicht nicht so ätherisch wie die Hilliards klingen, aber dennoch berührend sind. Es hat jenen Klang, den ich für Gesualdos Musik seiner letzten Jahre als Komponist wunderbar adäquat halte: feingliedrig, fragil, perfekt harmonierend und die Dissonanzen geradezu "erfühlbar" machend. Dafür, daß diese Aufnahmen zum Teil die dreißig Jahre erreicht haben, haben sie sich verdammt gut gehalten.
      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:


      jd :rolleyes:
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    • Ostersonntag

      [Das mag zwar off-topic sein, aber ich denke, es wäre ganz gut, den Rest ebenfalls abzudecken; es ist mit Chris, der Threadstarterin, abgesprochen.]



      Der dritte Tag des Triduum Sacrum ist der Ostersonntag. Es ist der Tag der Auferstehung Christi. Nachdem am Karsamstag die Sonne untergegangen ist, beginnt die Osternacht, die "Nacht der Nächte". Liturgisch gibt es vier Teile: die Lichtfeier, den Wortgottesdienst, die Tauffeier und die Eucharistie.

      Die Lichtfeier beginnt in der Regel mit einem Osterfeuer. Daran wird die Osterkerze entzündet und dann in einer feierlichen Prozession in die Kirche getragen. Dort wird der Wortgottesdienst abgehalten, der mit Lesungen aus dem Alten Testament beginnt. Danach wird das erste Mal wieder das Gloria gesungen. Es folgen Lesungen aus dem Neuen Testament. Die Tauffeier schließt sich an, wo Neugeborene getauft bzw. Jugendliche firmiert werden; die bereits getauften und firmierten Gläubige erneuern ihr Taufversprechen. Den Abschluß bildet die Eucharistiefeier. Vor dem Morgengrauen ist die Gemeinde entlassen.

      Den Tag über werden aber ebenso Messen abgehalten, mit spezieller Liturgie. Bereits in den frühesten Handschriften von St. Gallen war eine Tagesmesse für den Ostersonntag verzeichnet. Davon gibt es auch eine Aufnahme:



      1955 erschien diese Einspielung der Ostersonntagsmesse zum ersten Mal, eine sehr gute Mono-Aufnahme der Archiv Produktion. Die Choralschola der Benediktiner-Erzabtei St. Martin zu Beuron unter Pater Maurus Pfaff intonieren präzise und geschlossen. Eine hervorragende Einspielung. - Dazu ist noch der Österliche Preisgesang hinzugefügt worden.

      Missa in Dominica Resurrectionis
      Introitus: Resurrexi
      Ordinarium: Kyrie I
      Ordinarium: Gloria I
      Oratio: Deus, qui hodierna die
      Epistola (1. Cor. 5, 7-8)
      Graduale: Haec Dies
      Alleluia: Pascha nostrum
      Sequenz: Victimae paschali laudes
      Evangelium (Mark 16, 1-7)
      Ordinarium: Credo I
      Offertorium: Terra tremuit
      Ordinarium: Praefatio / Sanctus I
      Pater Noster
      Ordinarium: Agnus Dei I
      Communio: Pascha nostrum
      Postcommunio: Spiritum nobis
      Ordinarium: Ite missa est I

      Praeconio Paschali
      Praeconium paschale: Exsultet
      Hymnus: O res digna




      Eine weitere Einspielung ist diese von Fulvio Rampi:

      Praeconium Paschale
      Tractus: Sicut Cervus
      Alleluia: Confitemini / Tractus: Laudate Dominum
      Antiphon: Vidi aquam
      Introitus: Resurrexi
      Kyrie I (Lux et origo)
      Gloria I
      Graduale: Haec Dies
      Alleluia: Pascha nostrum
      Sequenz: Victimae paschali laudes
      Offertorium: Terra tremuit
      Sanctus I
      Agnus Dei I

      Communio: Pascha nostrum
      Responsorium: Salve festa dies
      Hymnus: Iesu redemptor saeculi



      [Tracks 16-24]
      Nicht ganz so umfangreich hat Pater Hubert Dopf die Messe am Ostersonntag eingespielt:

      Antiphona: Alleluia / Confitemini
      Introitus: Resurrexit
      Graduale: Haec Dies
      Alleluia: Pascha nostrum
      Sequenz: Victimae paschali laudes
      Offertorium: Terra tremuit
      Communio: Pascha nostrum
      Ordinarium: Ite missa est
      Hymnus: O rex aeternae Dominae



      Dem Proprium dieser Ostermesse haben sich noch andere Scholas angenommen:

      [CD2, Tracks 15-20]
      Pater Roman Bannwart nahm 1972 diese Stücke auf:

      Introitus: Resurrexi
      Graduale: Haec Dies / Confitemini
      Alleluia: Pascha nostrum
      Sequenz: Victimae paschali laudes
      Offertorium: Terra tremuit
      Communio: Pascha nostrum



      Des Weiteren wie oben:

      [Tracks 4-9]
      Die Erzabtei St. Ottilien

      [Tracks 7-12]
      Pater Goedhard Joppich mit Münsterschwarzach



      Einzelne Stücke sind auch hier zu finden:

      [Tracks 14-16]
      Joppich nahm fürs Christophorus-Label dies auf:

      Antiphon: Alleluia / Confitemini
      Offertorium: Dextera Domini
      Praeconum paschali: Alleluia / Haec dies



      [Tracks 16-19]
      Alberto Turco:

      In die resurrectionis
      Quem queritis / Resurrexi
      Salve festa dies
      Alleluia: Christus resurgens
      Victimae paschali laudes




      [Tracks 6-8]
      Wim van Gerven:

      Invitatorium: Surrexit Dominus
      Alleluia: Pascha nostrum
      Sequentia: Victimae paschali laudes




      Die Vesper an Ostern hatte Marcel Pérès in dieser Aufnahme festgehalten - allerdings handelt es sich um Altrömisches Repertoire, welches in Rom bis zum Schisma in Gebrauch war. Eine beeindruckende Aufnahme! :thumbsup:

      Ordinarium: Kyrie ad processionem
      Antiphon: Alleluia – Psalm 109: Dixit Dominus – Antiphon: Alleluia
      Antiphon: Alleluia – Psalm 110: Confitebor – Antiphon: Alleluia
      Alleluia verse: V. Dominus regnavit – V. Parata sedes tua – V. Elevaverunt flumina
      Antiphon: Alleluia – Psalm 111: Beatus vir – Antiphon: Alleluia
      Alleluia verse: V. Pascha nostrum – V. EpulemurAlleluia
      Responsorium: Cito euntes – V. Ecce precedet vos
      Oratio: Concede quesumus
      Responsorium: In die resurrectionis – V. Congregabo gentes
      Antiphon: Alleluia – Psalm 112: Laudate pueri – Antiphon: Alleluia
      Alleluia verse: V. O kyrios evasileosen – V. Ke gar estereosen
      Responsorium: Venite et videte – V. Surrrexit enim sicut dixit
      Oratio: Presta quesumus
      Antiphon: Vidi aquam
      Antiphon: Alleluia – Psalm 113: In exitu Israël – Antiphon: Alleluia
      Alleluia verse: V. Venite exultemus – V. Preoccupemus faciem eius
      Antiphon: Scio quod Hiesum – Canticum: Magnificat – Antiphon: Alleluia
      Oratio: Presta quesumus
      Responsorium: Expurgate vetus fermentum – V. Non in fermento veteri

      ------ ------ ------

      Verlassen wir die Einstimmigkeit und gehen über zu Magister Leonin aus Paris. Der hat einige Organa zu Ostern verfaßt, von Red Byrd gesungen:

      [Track 9]

      Alleluia / Pascha nostrum


      [Tracks 3-5]

      Et valde mane
      Christus resurgens
      Sedit angelus




      Den letzten Tipp zeigt die Praxis der Ostermesse in Venedig, "wie sie um 1600 in Basilika San Marco gefeiert worden sein könnte":


      Paul McCreesh spielte die Stücke 1997 ein:

      "http://www.deutschegrammophon.com/de/cat/single?sort=newest_rec&PRODUCT_NR=4534272&SearchString=venetian+easter&UNBUYABLE=1&per_page=50&ADD_OTHER=1&flow_per_page=50&presentation=flow"



      Ich werde demnächst noch ein paar Worte zu einigen Osterspielen verlieren. Bis dann...


      Links:
      "http://de.wikipedia.org/wiki/Osternacht"


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    • Tallis - Lamentationen

      Thomas Tallis komponierte zwei fünfstimmige Lamentationen: die für die ersten beiden Lesungen der 1. Nokturn am Gründonnerstag. Die Verse sind:

      I. Aleph, Beth (Klgl 1,1.2)
      II. Gimel, Daleth, Heth (Klgl 1,3.4.8)

      Sie gehören konzeptionell nicht wirklich zusammen, obwohl sie heutzutage zumeist zusammen aufgeführt werden. Tallis hat sich hier Freiheiten in der Verwendung der Verse genommen, was damals aber nicht übermäßig ungewöhnlich war; die liturgische Verbundenheit schien nicht immer eingehalten worden zu sein. Dabei ist das eindeutig eine katholische Komposition, nicht für den anglikanischen Ritus gedacht, der unter Heinrich VIII. umgesetzt wurde. Es ist gut möglich, daß die Stücke während der Regentschaft Marias I. (1553-1558) entstanden sind.


      An Aufnahmen gibt es nicht gerade wenige; neben Spem in alium scheinen die Lamentationen das meistaufgenommenste Werks von Thomas Tallis zu sein. Allein ich habe fünf Einspielungen:


      Das Hilliard Ensemble realisierte 1986 seine solistische Einspielung rein a-capella. Wie üblich bei ECM, wird das Ganze als ätherische Klangvision aufgenommen, mit einer entrückten Positionierung in einem größeren Kirchenraum. Die Hilliard singen hervorragend, präzise und geschlossen.


      1987 nahm Andrew Parrott mit seinem Taverner Consort & Choir seine Version auf: auch hier solistisch mit männlichen Sängern besetzt, ist der Ensembleklang sehr innig, und es erklingt in einer neutraleren Klangästhetik.


      Peter Phillips' Aufnahme mit den Tallis Scholars entstand 1992: sie ist pro Stimme doppelt besetzt, und es singen Frauen mit. Es ist eine verträumte Interpretation, die viel Wärme ausstrahlt. Perfekt intoniert und aufgenommen.


      Die Chapelle du Roi unter Alistair Dixon nahm die Lamentationen 2002 auf. Die fünf Sänger realisieren einen klaren, präzisen Klang, der sich ruhig und würdig in Tallis' Musik bewegt. Eine schöne räumliche Aufnahme ist entstanden.


      1990 erschien Cleoburys Version mit dem Choir of King's College, Cambridge: es ist ein pro Stimme mindestens doppelt besetzter Chor, der wie bei Parrott die Traurigkeit betont. Hier wird die Dynamik eher ausgereizt als bei den anderen Aufnahmen.


      Letztendlich sind alle Einspielungen auf gleichem Niveau: ich könnte jetzt keinen deutlichen Favoriten herausziehen und kann alle Aufnahmen gleichermaßen empfehlen. Die Frage ist eher: wie möchte man die Lamentationen am Liebsten hören? Hier ist der Ensembleklang eher entscheidend. Die Tallis Scholars klingen warm, die Hilliards abgehoben, King's College großformatig, Taverner Choir innig, Chapelle du Roi entspannend.


      Und es gibt noch weitere, die ich nicht habe:







      Links:
      "http://en.wikipedia.org/wiki/Lamentations_of_Jeremiah_the_Prophet"
      "http://de.wikipedia.org/wiki/Klagelieder_Jeremias"


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    • Officium tenebrarum

      Auch sehr interessant:



      Diese CD enthält Aufnahmen aus dem Jahr 1977. Der Students' Choir Utrecht und der Students' Chamber Choir Utrecht unter Jan Boogaarts haben hier die I. Nokturn für Karsamstag eingespielt:

      .

      Josquin Dufay schrieb:

      Sabbato Sancto (Karsamstag)
      Nocturn 1
      1. Psalm: Cum invocarem [Ps 4], Ant. In pace in idipsum
      2. Psalm: Domine quis habitabit [Ps 15(14)], Ant. Habitabit in tabernaculo
      3. Psalm: Conserva me Domine [Ps 16(15)], Ant. Caro mea requiescet
      1. Lesung: Heth. Misericordiae Domini [Klgl 3,22-30]
      1. Responsorium: Sicut ovis ad occisionem
      2. Lesung: Aleph. Quomodo obscuratum est [Klgl 4,1-6]
      2. Responsorium: Ierusalem surge
      3. Lesung: Recordare Domine [Klgl 5,1-11]
      3. Responsorium: Plange quasi virgo

      [Quelle: "http://www.grabinski-online.de/div/metten.html"]
      Die CD hält sich inhaltlich genau an dieses Schema von Grabinski. Psalmen, Antiphonen und Responsorien sind einstimmig ausgeführt, mit einer Choralschola. Interessant sind aber die drei Lesungen: dafür verwendete man mehrstimmige Vertonungen der Lamentationen, die zu den allerersten überhaupt gehören.

      Lectio I: Pierre de La Rue (um 1460-1518) ihm zugeschrieben
      Lectio II: Johannes Gardano (15. Jhrt)
      Lectio III: Bernardus Ycart (fl. 1470-1480)

      Ausgeführt wird das mit einem gemischten Chor (Frauen für die hohen Stimmen). Es ist eine solide Ausführung, etwas zurückhaltend interpretiert, aber sehr sauber und klar gesungen.

      Besonders an dieser CD ist die Tatsache, daß die Lectio II von Johannes Gardano wohl sonst nicht in einer anderen Aufnahmen vorliegt. Von der de La Rue zugeschriebenen hatte ich zwei CDs gelistet, von Ycart gibt es eine komplette Einspielung aller drei Lektionen:




      Insgesamt eine erfreuliche Erwerbung für mich.


      jd :wink:
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    • Passions- und Osterspiele

      Für Ostern entstand ab dem 10. Jahrhundert eine Verselbstständigung bestimmter liturgischer Teile: die Lesungen wurden mit einer größeren Dramatik ausgestattet und entwickelten somit ein Eigenleben. "Theateraufführungen" im eigentlichem Sinne gab es seit Jahrhunderten nicht mehr; im späten Römischen Reich und im frühen Mittelalter wurden keine Spiele geschrieben. Das entwickelte sich erst wieder aus der Liturgie heraus, was einerseits für die ausführenden Mönche eine besondere Feierlichkeit bedeutete, weil sie ja gesungen anstatt gesprochen wurden, und andererseits dem zuhörenden/zuschauenden Publikum, welches Latein gar nicht verstand, eine Verbildlichung der Ereignisse präsentierte, das es eher begreifen konnte.

      Der Schwerpunkt war zunächst auf Ostern und Weihnachten gelegt. Für Ostern bot sich z.B. die eigentliche Passion (Kreuzigung Jesu) an, denen später noch andere Szenen folgten. Die Sprache war anfangs nur Latein. So wurde für Ostersonntag ein spezielles liturgisches Repertoire entwickelt, welches neben den vielfältigen Hymnen, Antiphonen oder Responsorien jenen Tages auch Neuschöpfungen der Passionen einschloß. Diese Passionsspiele basierten auf den Evangelien, die jedoch zunehmend eigene Erzählungen als Zitate aus den Bibeltexten waren, an eine dramatische Aufführung angepaßt. Die reine Lesung der Passion (die bereits auch an mindestens drei Rezitanten verteilt war) wurde nun aufgebrochen zugunsten einer szenischen Aufteilung. Neben dem Erzähler - dem Evangelisten - gab es nun einen Mönch, der Jesus porträtierte, und weitere Mönche, die die anderen Rollen - z.B. Judas, Maria, die Jünger, Pontius Pilatus, Kaiphas usw. - besetzten. Vor allem aber sangen sie ihre Rollen, und zwar nicht im Rezitationston, sondern mit eigenen neukomponierten Melodien. Außerdem wurden andere Stücke - z.B. Hymnen oder Psalmen - in die Dramaturgie des Spiels eingebettet, wodurch die "Geschehnisse" zusätzlich kommentiert wurden.

      Dennoch darf man sich die gesangliche Form nicht als Vorläuferform der Oper ansehen; die Gesangsmelodien waren immer noch stark von jenen Floskeln bestimmt, die sich bereits im Choral ausgebildet hatten. Es war immer noch eher ein Sprechdrama als ein Musikdrama.


      Diese Spiele wurden bald auch aufgezeichnet. Die ältesten Quellen stammen aus dem 10. Jahrhundert, und das ganze restliche Mittelalter hindurch blühte diese Spiele-Tradition überall in den christlichen Landen auf. Es sind rund 400 dieser Spiele bis heute überliefert, die zuletzt die Oster- und Weihnachtsszeit inhaltlich verließen (Stichwort: Ludus Danielis). Auch die Sprache änderte sich schnell: rein auf Latein sind nicht so viele Spiele vorhanden.

      Im Codex Buranus (besser bekannt als Carmina Burana) sind am Ende zwei solcher Passionsspiele niedergeschrieben worden. Sie befinden sich im Supplementum: CB15* und CB16*. Niedergeschrieben und angefügt an den Codex um spätestens 1250, entstanden die Spiele sicherlich deutlich früher. Vor allem CB16* ist interessant, denn es enthält einige Teile bereits in Mittelhochdeutsch: da singt Maria Madgalena plötzlich "Chramer, gip die varwe mier". In diesem Werk ist also die Tradition des Spiels weit entwickelt zu sehen. Der anonyme Autor erschuf dieses Spiel aus bereits vorhandenen Teilen, die in der Liturgie schon längst angewendet wurden. Erst durch diese Erkenntnis ließ sich nämlich eine brauchbare Rekonstruktion anfertigen, da das Manuskript zum Teil nur den Beginn der einzelnen Teile und die Neumen ohne Liniensystem beinhaltet. Im Grunde ist dieses Große Passionspiel, wie es auch genannt wird, eine vollendete Leistung im Zusammenstellen und Neuarrangieren: es zeigt eine in sich geschlossene Dramaturgie, die sogar stellenweise mit "Bühnenanweisungen" versehen wurde.

      Beginnend erst mit den Ereignissen vor Pilatus, gewichtet das Spiel seinen Fokus auf das Königreich Jesu im Himmel und den dazugehörigen Aussagen. Insofern ist ein exaktes Zitieren aus den Evangelien nicht mehr vorhanden, sondern alles wird dieser theologischen Auslegung untergeordnet. Aufgelockert wird das Geschehen durch die Rolle Maria Magdalenas, die ja sogar Passagen in der Volkssprache singen darf. Damit sollte sicherlich das Publikum, welches eindeutig vorhanden sein mußte, eine bessere Identifizierung mit den Geschehnissen ermöglicht werden.



      Ich möchte zwei Einspielungen dieses Großen Passionsspiels CB16* vorstellen, die beide auf Aufführungen basieren, wofür dann auch eine Bearbeitung erfolgen mußte; CB16* in seiner reinen notierten Form ist alles andere als aufführbar, wodurch dieser Schritt unvermeidlich wurde.



      CARMINA BURANA - LUDUS DE PASSIONE
      1984 erschien diese Aufnahme zum ersten Mal; dieses CD-Ausgabe ist leider die einzige bis heute. Thomas Binkley hat die einzelnen Teile von CB16* aus verschiedenen anderen Quellen mitsamt der Musik übernommen, wodurch er erst singbare Melodien erhielt. Der Beginn Ingressus Pilatus wurde in vielen anderen Quellen ebenfalls so verwendet; andere Teile von Festen, die sich ebenfalls mit jener dargestellten Szene befaßten (z.B. Lazarus' Auferstehung), wurden gekürzt übernommen. Wichtig war eine singbare, aufführbare Dramaturgie des Spiels, die in dieser Form im März 1983 ja auch dann live aufgezeichnet wurde.

      Das Spiel ist mit achtzehn individuellen Rollen besetzt und weiteren 30 Nebenrollen für das Volk oder den Hohepriestern, den Erzähler nicht eingerechnet. Es gibt auch eine Musikbegleitung, bestehend aus Schalmei, Fiedel, Harfe, Ud und Gittern. Sie wird allerdings nur bei den nichtliturgischen Szenen (z.B. bei denen von Maria Madgalena) angewendet.

      Einziger Nachteil: in dieser CD-Ausgabe sind die Texte nicht drin... :cursing: :boese: :wut2:


      [IMG:http://ecx.images-amazon.com/images/I/51GYxJBpnmL._AA300_.jpg]
      CARMINA BURANA - DAS GROSSE PASSIONSPIEL
      Diese Einspielung erschien 1990. Auch hier liegt CB16* als Basis zugrunde, wo ebenfalls Vieles aus anderen Quellen übernommen werden mußte; Marcel Pérès ging aber noch weiter und hat eine eigene Anordnung vorgenommen, in der die Passion eingebettet ist:

      I. Palmprozession
      II. Szenen, die außen vor der Kirche spielen: a) Maria Magdalena, b) Lazarus, c) Judas' Verrat
      III. Einzugsprozession in die Kirche
      IV. Palmenmesse
      V. Evangelium:Leidensgeschichte Christi
      VI. Klagelieder der Marien und Grablegung


      Man sieht, daß Pérès die Liturgie am Palmsonntag als Grundlage für seine Anordnung vorgenommen hat, um den speziellen Charakter der Passion für den damaligen Zuhörer heute erfahrbar zu machen. Er verwendet keine Instrumentenbegleitung und läßt seine sechzehn Sänger alle Einzelrollen sowie Turbarollen singen. Was entsteht ist eine karge, aber ungeheuer intensive Realisierung dieses Spiels mit einer klaren liturgischen Dramaturgie.

      Hier sind die Texte drin, mit englischer, französischer und deutscher Übersetzung... :rolleyes: :klatsch: :vv:




      VISITATIO SEPULCHRI
      Neben dem eigentlichen Passionsspiel gab es auch bald andere Osterspiele. Eines davon beschäftigt sich mit den drei Marien am Grabe Christi. Es entstammt einer Handschrift des 13. Jahrhunderts, welches im Benediktinerkloster St. Benoît-sur-Loire (im Norden Frankreichs) erstellt wurde; der Ort ist auch bekannt als Fleury. Dieses Osterspiel heißt Visitatio sepulchri und wurde am Ostersonntag morgens nach der Matutin dargeboten. Es ist eine Neuschöpfung der Ereignisse am Grab Jesu, mit einer deutlich ausgeprägteren Form im melodischen Bereich. Thomas Binkley läßt hier durchgängig Instrumente als Begleitung (und Einführung) erklingen (Schalmei, Rebec, Harfe und Laute), dazu sechs männliche Solisten für alle Rollen (in Counter-, Tenor- und Baßlage). Es ist eine sehr sphärische Umsetzung, wie sie typisch für Binkley ist.

      [Es befindet sich noch zusätzlich eine Ostersonntagsmesse drauf, die so in Manuskripten der Notre-Dame-Schule in Paris um 1200 aufgezeichnet wurde (siehe Link unten: Visitatio Sepulchri).]

      Auch hier sind leider keine Texte vorhanden... :wut2:




      OFFICIUM PEREGRINORUM
      Als Letztes kommt wieder Marcel Pérès zum Zuge: 1990 erschien diese Aufnahme mit dem Spiel der Jünger im Emmaus, die dem auferstandenen Christus begegnet waren. Es entstand bereits Ende des 11. Jahrhunderts in der Normandie, aber hier liegt eine Fassung aus dem 12. Jahrhundert vor, die in Sizilien kopiert worden war. Gewöhnlich wurde es gegen Ende der laufenden Vesper am Ostersonntag aufgeführt, nach dem Magnificat mit der Prozession zum Taufbecken.

      Das Spiel ist in drei Szenen unterteilt: die erste befaßt sich mit den Jüngern in Emmaus, die zweite mit Maria Magdalena, die dritte mit dem ungläubigen Thomas; ihnen allen erscheint Christus in all seiner Herrlichkeit und Pracht (weißes Gewand, ein Kreuz als Zepter, ein Buch sowie eine Krone). Dabei unterliegt das Spiel der liturgischen Ordnung, selbst in seiner Position der Darsteller innerhalb der Kirche. Die beiden Jünger kamen von rechts in die Kirche, Jesus von links. Von Szene zu Szene wandern sie allmählich immer weiter dem Kirchenchor entgegen; nach der letzten Szene verschwinden alle im Altarraum, den nur Priester betreten durften.

      Pérès hat einen Teil der Vesperliturgie erhalten, um die Position des Spiels innerhalb der Vesper zu verdeutlichen. Das Ensemble Organum besteht nur aus männlichen Sängern, die alle fünf Rollen und die Choräle übernehmen; keine Instrumente.

      Texte sind vorhanden, wieder in drei Übersetzungen... :rolleyes: :kiss:



      Links:
      "http://de.wikipedia.org/wiki/Carmina_Burana"
      "http://www.hs-augsburg.de/~harsch/Chronologia/Lspost13/CarminaBurana/bur_intr.html"

      Diskographie:
      Großes Passionspiel CB16*
      "http://www.medieval.org/emfaq/cds/emi69507.htm" Binkley
      "http://www.medieval.org/emfaq/cds/hmu1323.htm" Pérès
      Visitatio sepulchri
      "http://www.medieval.org/emfaq/cds/emi99925.htm"
      Officium peregrinorum
      "http://www.medieval.org/emfaq/cds/hmu1347.htm"


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      Jean Paul
    • Kommen wir zum letzten Kapitel: der österlichen Freudenzeit. Ab Ostersonntag bis zum Pfingstsonntag einschließlich wird der Auferstehung Christi gedacht. In diesen sieben Wochen fallen der Weiße Sonntag (eine Woche nach Ostersonntag) und Christi Himmelfahrt (vorletzter Donnerstag vor Pfingstsonntag). Ich werde aber nunmehr nur noch auf einige Aufnahmen hinweisen, die Repertoire aus dieser Zeit beinhalten.


      [Tracks 25-30]
      Hubert Dopf hat noch Propriumsstücke für den 5. Sonntag nach Ostern (vier Wochen nach Ostersonntag) aufgenommen:

      Dominica V. Paschae
      Introitus: Cantate Domino canticum novum
      Alleluia: Dextera Dei
      Alleluia: Christus resurgens
      Offertorium: Iubilate Deo
      Communio: Ego sum
      Canticum: Laudate Dominum


      [Tracks 17-25]
      Godehard Joppich nahm diese Messe auf:

      Introitus: Jubilate Deo
      Kyrie I
      Gloria I

      Alleluja: Dicite in gentibus
      Sequenz: Victimae paschali
      Sanctus I
      Agnus Dei I

      Communio: Cantate Domino
      Antiphon: Regina caeli


      [Tracks 10-11]
      Und die Mönche von St. Ottilien:

      Introitus: Iubilate Deo omnis terra
      Offertorium: Iubilate Deo universa terra



      Das ist mein Überblick über Musik der kompletten Fastenzeit und Osterzeit gewesen, inklusive Passions- und Auferstehungsmusik. Was noch folgen sollte, sind einzelne Tipps einiger Aufnahmen (damit habe ich ja bereits begonnen).

      ----- -----

      Heute ist übrigens der Sonntag vor Palmsonntag: schwarzer Sonntag/Passionssonntag, also Tempus quadragesimae V (Judica ). Repertoire:


      [Tracks 14-17]

      Introitus: Iudica me Deus
      Offertorium: Confitebor tibi Domine
      Communio: Videns Dominus
      Communio: Nemo te condemnavit



      Links:
      "http://de.wikipedia.org/wiki/Ostern"
      "http://gregorien.info/calendar/vatican2/de"
      "http://www.oki-regensburg.de/quadrage.htm"


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    • Cavalieri - Lamentationes & Responsoria

      Eine echte Entdeckung:



      Im Jahr 2002 erschien diese Doppel-CD des Gesualdo Consort Amsterdam unter Harry van der Kamp mit monodischen Vertonungen der Lamentationen und Responsorien des Italieners de' Cavalieri. Sie stellen praktisch die ältesten erhaltenen Vertonungen im damals neuen Stil der Seconda prattica dar. Mit sieben Solisten und vier Instrumentalisten wird die ganze Breite dieser Stücke beeindruckend wiedergegeben.

      Emilio de' Cavalieri (1550-1602) war eigentlich gebürtiger Römer, war also Teil der Römischen Schule, denen Palestrina oder Victoria angehört hatten; sie trieb die Vokalpolyphonie weiter mit jener Sichtweise, wie sie im Trienter Konzil bestimmt worden war. Ab 1587 hatte er jedoch eine Stellung bei Ferdinando de' Medici als dessen musikalischer Leiter und kam mit der Florentiner Camerata um Giovanni de' Bardi in Berührung. So gehört also auch sein Name zu jenen Komponisten, die die Entwicklung der Monodie vorantrieben und die ersten Werke schufen, aus denen später die Oper bzw. das Oratorium entstehen sollten.

      In dieser Zeit um dem Jahrhundertwechsel schrieb er für die Kartage Lamentationen und Responsorien, die hier erstmals aufgenommen wurden. Es ist ein Manuskript erhalten geblieben, welches eigentlich als Vorlage für einen Druck gedacht war; dazu kam es jedoch nicht. Es ist in vier Teile gegliedert und enthält:


      Teil I:
      alle neun Lamentationen, wie sie zu den Kartagen 1600 in Filippo Neris Oratorium in der Kirche Santa Maria in Vallicella in Rom aufgeführt wurden

      Teil II:
      alle neun Responsorien, die den Lamentationen aus Teil I folgten, also die Responsorien der jeweiligen 1. Nokturn aller drei Kartage

      Teil III:
      die sechs Lamentationen für Gründonnerstag und Karfreitag, wie sie zu den Kartagen 1599 in Pisa aufgeführt wurden

      Teil IV:
      einzelne Teile der Lamentationen, als Ergänzung zu denen aus Teil III: alternative Vertonungen der hebräischen Buchstaben, des Incipit oder des Jerusalem; weitere Versvertonungen


      Cavalieri hatte für die Lamentationen eine Synthese der Prima prattica und der Seconda prattica angestrebt. Die Buchstaben waren polyphon a-capella gesetzt, die Verse zumeist monodisch mit obligatorischen Begleitinstrumenten. Die Stücke von Teil I und II sind bereits mit ausgesetztem Baß notiert worden - zum ersten Mal bei liturgischer Musik, die Monodie verwendet. In Teil III und IV ist das noch nicht der Fall gewesen. Die Teile in Teil IV liegen im Manuskript in ungeordneter Form vor; van der Kamp hat daraus drei Lamentationen zusammengestellt, die alle Teile enthalten (Gründonnerstag: Lection I, Karfreitag: Lection II & III).

      Die Responsorien sind durchgängig monodisch angelegt. Mehrstimmigkeit wird öfters eingesetzt, ohne daß die Instrumente verstummen. Wiederholungen von einzelnen Wörtern wird hier öfters verwendet als in den Lamentationen. Bei allen Stücken herrscht eine gleichbleibende Harmonik vor, mit gelegentlichen Dissonanzen und Dimunitionen.


      Van der Kamp baut eine treffende Stimmung für die Stücke auf: ruhig, innig, zart, ohne große Hast. Die Ensembleleistung ist vokal geschlossen und instrumental stimmig. Der Klang ist sehr luftig und fragil, mit geringem Hallanteil und schöner Raumatmo. Die Aufnahme wurde sogar als DSD Surround Recording aufgenommen; allerdings scheint es davon nie eine SACD-Ausgabe gegeben zu haben.

      Urteil: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:


      Links:
      "http://de.wikipedia.org/wiki/Emilio_de%E2%80%99_Cavalieri"
      "http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6mische_Schule"
      "http://de.wikipedia.org/wiki/Florentiner_Camerata"
      "http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Neri"


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    • Program für Palmsonntag I

      Palmsonntag - ich beginne nun zunächst mit:



      Johann Sebastian Bach
      Matthäus-Passion BWV 244

      van der Meel, Nolte, Crouwenbergh, Kielland, Schäfer, Müller-Brachmann
      Dresdner Kammerchor
      Kölner Domchor
      Kölner Kammerorchester
      D: Helmut Müller-Brühl



      Ich habe vor, ein kleines individuelles Programm aus meiner Sammlung bis Ostermontag laufen zu lassen. Ich werde es dann hier präsentieren.

      Ich beginne gleich mit den Oster-Klassiker schlechthin: Bachs Matthäus-Passion. In der Heiligen Woche werden ja alle vier Evangelien vorgetragen, in der Regel beginnend mit dem nach Matthäus (Palmsonntag), gefolgt von Lukas (Mittwoch), Markus (Gründonnerstag) und Johannes (Karfreitag). Im Laufe des Tages werde ich noch Weiteres hören.

      Schönen Palmsonntag euch allen... [IMG:http://www.leben-mit-asthma.com/images/reise/smilies/palmen.gif]


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      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Ich beginne gleich mit den Oster-Klassiker schlechthin: Bachs Matthäus-Passion.

      Einspruch, Euer Ehren! Bachs Matthäus-Passion mag ein Passions-Klassiker oder nicht, ein Oster-Klassiker ist sie auf keinen Fall. ;+)

      (Rettet euch vor denen, die im Advent schon das Weihnachtsoratorium hören ... )

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Josquin Dufay schrieb:

      In der Heiligen Woche werden ja alle vier Evangelien vorgetragen, in der Regel beginnend mit dem nach Matthäus (Palmsonntag), gefolgt von Lukas (Mittwoch), Markus (Gründonnerstag) und Johannes (Karfreitag).


      Katholischerseits war am heutigen Palmsonntag (Lesejahr C) die Lukaspassion veranschlagt.
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • Programm für Palmsonntag II

      Mauerblümchen schrieb:

      (Rettet euch vor denen, die im Advent schon das Weihnachtsoratorium hören ... )
      Grins... :D

      ThomasBernhard schrieb:

      Katholischerseits war am heutigen Palmsonntag (Lesejahr C) die Lukaspassion veranschlagt.
      Ups... ;(

      ----- ----- -----

      Im Laufe des Tages kam dann noch dieses hinzu:

      [CD1, Tracks 1-12]
      [CD2, Tracks 1-14]

      Ich habe aus beiden Boxen jeweils die Anteile für den heutigen Tag gehört. Ich hatte sie im entsprechenden Posting bereits vorgestellt.


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    • Programm für Feria Secunda

      Ich lasse Konrad Ruhland in seiner letzten Vivarte-Veröffentlichung zu Wort kommen :

      [CD1, Tracks 10-18]


      Dann greife ich zu Christoph Demantius :



      Eine Auswahl von sechs Motetten läßt die CD beginnen, die sich thematisch als eine Art Prolog erweisen, vertonen sie doch Texte aus den Evangelien und der Offenbarung. Danach folgt die Passion nach dem Evangelisten Johannes, vertont als sechsstimmige Motette in Deutsch. Als Abschluß: Weissagung des Leidens und Sterbens Jesu Christi, aus den 53. Kapitel des Propheten Esajae.


      Als Drittes werde ich die Lamentations of Jeremiah von Robert White (1538-1574) laufen lassen:

      [CD3, Track 6]

      White starb leider sehr jung, mit rund 36, an der Pest. Er hatte sich aber schon längst als hervorragender Komponist etabliert und war Chormeister der Westminster Abbey gewesen. Seine Lamentationen sind fünfstimmig gesetzt und umfassen Kl 1,8-13, vertont in zwei Teile. Hier habe ich Noten gefunden:

      "http://www1.cpdl.org/wiki/images/3/3f/WHIT-LA5.pdf"


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    • Josquin Dufay schrieb:

      Ich beginne gleich mit den Oster-Klassiker schlechthin: Bachs Matthäus-Passion. In der Heiligen Woche werden ja alle vier Evangelien vorgetragen, in der Regel beginnend mit dem nach Matthäus (Palmsonntag), gefolgt von Lukas (Mittwoch), Markus (Gründonnerstag) und Johannes (Karfreitag). Im Laufe des Tages werde ich noch Weiteres hören.

      ThomasBernhard schrieb:

      Katholischerseits war am heutigen Palmsonntag (Lesejahr C) die Lukaspassion veranschlagt.

      Ups. Schwieriges Thema. Ich zitiere frei nach Reinhard Brandhorst, "Lesung der Heiligen Schrift im Kirchenjahr", Lutherisches Verlaghaus 1997, S. 147f. Die Schrift basiert auf Praxiserfahrung der Evangelischen Michaelisbruderschaft, die von der Lutherischen Liturgischen Konferenz aufgenommen wurden.

      Es wird bestätigt, dass am Palmsonntag klassischerweise die Passion nach Matthäus gelesen wurde. Es hätte sich aber bewährt, diesem Tage sein klar johanneisches Gepräge zu belassen: Das Evangelium des Tages ist ja der Einzug Jesu in Jerusalem nach dem Bericht des Johannes (Joh 12, 12-19). Ich ergänze: im Gegensatz zu Mt wird die Auferstehung des Lazarus erwähnt (das ist klar, da sich die Lazarus-Episode nur bei Joh findet), auch das Motiv der Pharisäer findet sich nur bei Joh (bei Lk ist es stark modifiziert).

      Die Passion nach Mt wird also für den Montag empfohlen.

      Da der Mittwoch der Tag des Verrats sei, gehöre ferner die Passion nach Lukas zu diesem Tage, denn die klassische Verratsperikope Lk 22, 1-6 eröffnet diesen Passionsbericht.

      Damit verbleibt für die Passion nach Markus der Dienstag.

      Der Donnerstag gehört der Einsetzung des Hl. Abendmahles nach Johannes, der Karfreitag dem Passionsbericht nach Johannes.

      Es wird gerne vergessen, dass auch der Karsamstag seine Texte hat. Evangelium ist die Bewachung des Grabes Mt 62-66, Epistel 1. Petr. 3, 18-22. Interessanterweise gehört auch die Geschichte des Jona, der drei Tage im Bauch des Walfisches war, zu diesem Tage (Jona 2).

      Gruß
      MB

      :wink:
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    • Programm für Feria Tertia

      Ich höre zunächst etwas Gregorianik:


      Liturgie zu: Palmsonntag, Heilige Woche, Gründonnerstag.


      Dann höre ich zwei Lamentationen durch:

      [Tracks 1-4]
      Constanzo Festa (ca. 1490-1545) stammte aus Piemont und war vor allem in Rom tätig. Seine Vertonung der Klagelieder entstammt einer Quelle von 1543 und umfasst 21 Verse in vier Lektionen, gesetzt für 3-5 Stimmen:

      I. Kl 1,1-2
      IV. Kl 2,13.12; 4,3; 1,16.11
      V. Kl 4,1-2; 3,19-21
      VI. Kl 3,1-2.5.8.25.28.37.6-7




      [Tracks 8-11]
      Thomas Crecquillon (um 1505-1557) vertonte vier Verse (Kl 1,6-7.12-13), ebenfalls fünfstimmig. Noten:

      "http://www1.cpdl.org/wiki/images/3/39/Crecquillon_Lamentations.pdf"



      Links:
      "http://de.wikipedia.org/wiki/Costanzo_Festa"
      "http://en.wikipedia.org/wiki/Costanzo_Festa"
      "http://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_Crecquillon"


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