Musik für die Passionszeit

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    • Musik für die Passionszeit

      Der Begriff Passionszeit hat verschiedene Bedeutungen: im engeren Sinn wird damit die Zeit vom 5. Sonntag in der Fastenzeit, dem Sonntag Judica oder volkstümlich Passionssonntag, bis Ostern bezeichnet, im weiteren Sinn die gesamte Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern.

      Für die christlichen Kirchen ist es die wichtigste Zeit des Kirchenjahrs mit dem Beginn der Karwoche am Palmsonntag und den Höhepunkten Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag und dem Osterfest.

      Bereits am 5. Sonntag der Fastenzeit, dem früheren ersten Sonntag der eigentlichen Passionszeit, werden die Kruzifixe und Kreuze in den (katholischen) Kirchen verhüllt. Flügelaltäre werden zugeklappt und zeigen die einfacher gestalteten Rückseiten der Flügel.

      Mit Palmsonntag (lateinisch: Dominica in Palmis de passione Domini für die römisch-katholische Kirche; Palmarum für die evangelische Kirche), dem sechsten und letzten Sonntag der Fastenzeit, beginnt die Karwoche, die in der evangelisch-lutherischen Kirche auch Stille Woche genannt wird.

      Der Begriff Karwoche kommt vom von althochdeutschen kara = Klage, Kummer, Trauer und ist nur deutschsprachigen Raum gebräuchlich. In anderen Sprachen und der kath. Liturgie spricht man von der Großen oder Heiligen Woche (lat. hebdomada sancta), die – anders als die Karwoche – das Osterfest selbst (also den mit der Feier der Osternacht beginnenden Ostersonntag) einschließt.

      Die Karwoche umfasst also die "stillen" Tage Montag bis Mittwoch und die eigentlichen Kartage Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag, das Triduum Sacrum. Sie beginnt am Palmsonntag mit dem Gedächtnis des Einzugs Jesu in Jerusalem und erreicht ihren Höhepunkt im Triduum Sacrum dem Gründonnerstag, an dem mit dem Abendmahl Jesu die Einsetzung der Eucharistie gefeiert wird, am Karfreitag mit dem Gedenken an das Leiden und Sterben Jesu sowie am Abend des Karsamstags bis zur Feier der Osternacht.

      An Palmsonntag und während der Karwoche wird die Leidensgeschichte vorgetragen. Solche Lesungen im Rahmen einer Passionsliturgie sind schon seit dem 5. Jahrhundert bekannt.
      Im Mittelalter wurden diese Lesungen der Passionsgeschichte nach den vier Evangelisten von einen einzigen Geistlichen im Passionston rezitiert, später, ab dem 13. Jahrhundert mit verteilten Rollen.

      An den Kartagen wurden vor allem in Kathedralen und Klosterkirchen die Karmetten (auch Trauermetten) gesungen.
      Das Wort Mette kommt von lateinisch "hora matutina", Morgenstunde. Matutin oder auch Vigil sind Bezeichnungen für diese Horen also Gebete des Offiziums zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang.
      Schon im 13. und 14. Jahrhundert wurde es üblich, diese Metten von den frühen Morgenstunden der Kartage auf den jeweiligen Vorabend zu verlegen.
      (So im Reclams Führer zur lateinischen Kirchenmusik,a.a.O., S. 297; in Frankreich lt. Booklet der CD M.A. Charpentier, Lecons de Ténèbres, Le concert Spirituel, Niquet, bei Glossa erschienen, S. 20, erst in der Regierungszeit von Ludwig XIV, d.h. 1643 - 1715.)
      Der Karfreitag und der Karsamstag sind die einzigen Tage im katholischen Kirchenjahr, an denen keine Heilige Messe gefeiert wird.

      Links zu den Wikipedia-Beiträgen, aus denen ich abgeschrieben habe:

      Passionszeit "http://de.wikipedia.org/wiki/Passionszeit"
      Karwoche "http://de.wikipedia.org/wiki/Karwoche"
      Stundengebet "http://de.wikipedia.org/wiki/Stundengebet"
      Matutin "http://de.wikipedia.org/wiki/Matutin"
      Tenebrae s. Matutin
      Vigil s. Matutin
      Karmette "http://de.wikipedia.org/wiki/Karmette"
      Passionssonntag "http://de.wikipedia.org/wiki/Passionssonntag"
      Palmsonntag "http://de.wikipedia.org/wiki/Palmsonntag"


      Die Passionszeit ist reich an liturgischer Tradition, die geprägt ist von Gedanken der Einkehr und Buße sowie Betrachtungen über das Leiden und Sterben Jesu Christi.
      Es gibt liturgische Musik aber auch Musik für Andachtszwecke. Sie wirkt durch Ausdruckstärke und Bildhaftigkeit, ist an die Verständlichkeit des Textes gebunden.
      Bis zum 15. Jahrhundert ist es meist eine einstimmige Musik (Gregorianik), danach gibt es auch mehrstimmige Kompositionen. Diese werden rasch bekannt durch die Drucke von Petrucci, z.B. die der Lamentationen ab 1506.
      Die Musik zur Liturgie ebenso wie die für Andachtszwecke ist eher dunkel gehalten wie bei Trauermusik üblich.
      Es ist erstaunlich, wie viele Komponisten all ihre Kunstfertigkeit aufboten, um solche Musik, die nicht glänzen, Pracht entfalten wollte und nur einmal im Jahr erklingen konnte, zu schaffen. Längst nicht von allen Werken gibt es Aufnahmen, darüberhinaus sind sie auf viele CDs verstreut, da diese Werke - gerade die frühen - oft recht kurz sind.
      Passionen, Lamentationen und Respensorien der Karmetten, Bußpsalmen v.a. Miserere, Leçons de ténèbres gehören zu den bekanntesten Musikwerken für die Passionszeit. Motetten und Kantaten spielen bei den protestantischen Kirchen eine Rolle. In Italien entwickelten sich Oratorien parallel zur Oper.


      Ludwig Finscher subsumiert all diese Gattungen außer - der isorhythmischen und der Choralmotette - unter dem Begriff Liturgische Gebrauchsmusik. Im gleichnamigen Kapitel V der Geschichte der Musik, Bd 3: Die Musik des 15. und 16. Jahrhunderts (Sonderausg., Laaber Verl. 2010 S. 371 ff, im Forum bekannt als "grüne Musikgeschichte") schreibt Ludwig Finscher:

      "Der strikten Funktionalität der liturgischen Gebrausmusik entsprach in ihren Anfängen ein durchaus bescheidener kompositorischer Habitus - Betonung des Chorals, Orientierung am dreistimmigen Liedsatz und Fauxbourdon, strophische Wiederholungen zur Bewältigung der Verstruktur und des für die Bearbeitung unergiebigen Chorals im Magnificat: Merkmale mit denen die Gebrauchsmusik deutlich unter dem Niveau der großen Motette des 15. Jahrhunderts - nicht nur der isorhythmischen - angesiedelt war. Der Begriff "Gebrauchsmusik" sollte aber nicht dazu verleiten, in dieser Haltung eine Konstante der hier zu behandelnden Gattungen zu vermuten, denn es gehört zu den faszinierendsten Aspekten der Motettengeschichte, wie in einem einzigen historischen Augenblick und an einem einzigen Ort - um und kurz nach 1500 in der päpstlichen Kapelle in Rom - die Gattungen der Vesperpolyphonie und der Lamentationen in große, representative und deutlich am Anspruch der Messe als der führenden liturgisch-festlichen Gattung der Epoche orientierten Gattungen verwandelt werden."

      Die Entwicklung führte von der Einstimmigkeit und dem Lektionston über die Mehrstimmigkeit bis hin zur Doppelchörigkeit. Allerdings verliefen die Wege in Reformationsländern und Ländern der Gegenreformation verschieden. Je "lauter" die Musik in den Zentren der Gegenreformation wurde, desto "stiller" wurde sie in den Ländern der Reformation. Aber auch dieser Verzicht auf das Pompöse kann emotional, sehr sprechend sein, gerade die volkssprachigen Motetten, Kantaten und Passionen, Oratorien - ich denke hier v.a. an Nord- und Mitteldeutschland - haben bei mir einen großen Eindruck hinterlassen.

      In der Musikgeschichte werden viele Namen und beispielgebende Werke genannt, die sich jedoch nicht in Aufnahmen spiegeln. Schwierigkeiten bereitet auch die Länge der Liturgie. Schon die Komponisten haben oft nicht die ganzen Texte vertont, darüberhinaus wurden häufig nur Auszüge gelesen oder gesungen. Viele wichtige Werke liegen nicht auf Tonträgern vor, für Konzerte schließlich sind sie wenig geeignet. So stellt sich die Frage, ob und wie sie "überleben" können.

      Bei mir haben sich in den letzten Jahren einige Aufnahmen angesammelt. Zuerst war es Zufall, später habe ich bewusst darauf geachtet, da ich gern Entwicklungslinien nachgehe, d.h. einem Thema in verschiedenen Zeiten. Ich werde also eine Reihe CDs zum Thema Passionsmusik vorstellen und hoffe, dass viele von euch mitmachen und ihre Aufnahmen ebenfalls vorstellen. Den Beginn will ich mit zwei CDs machen, die auch schon gleich etwas aus dem Rahmen fallen.

      Zum Schluss dieser groben Einführung noch ein paar Angaben zur der Literatur, die ich benutzt habe:

      Wikipedia (s. auch oben)
      MGG-CD ROM
      Geschichte der Musik. BD 3: Die Musik des 15. und 16. Jahrhunderts. Hrsg. von Ludwig Finscher. Sonderausg. Laaber: Laaber Verl. 2010.
      Reclams Führer zur lateinischen Kirchenmusik. Von Michael Wersin. Stuttgart: Reclam Verl. 2006. (enthält auch alle Texte der Lamentationen)
      Lexikon der Musik der Renaissance. Hrsg. von Elisabeth Schmierer. Bd 1.2. Laaber: Laaber Verl. 2012.

      Zu bestimmten Lamentationen und Bußpsalmen gibt es bei Capriccio schon eigene Threads:

      http://www.capriccio-kulturforum.de/vokalmusik/3903-tom%C3%A1s-luis-de-victoria-officium-hebdomadae-sanctae-1585/
      Josquin Dufay hat hier am Beispiel der Lamentationen, Respensorien usw. von Victoria einen Überblick über die Struktur und Texte zu geben.

      Das gleiche hat Tschabrendeki für die Bußpsalmen getan:
      capriccio-kulturforum.de/vokal…o-die-sieben-buszpsalmen/
      capriccio-kulturforum.de/vokal…gen-seiner-zunftkollegen/

      Einen Überblick über das Genre der Lamentationen kann man hier finden:
      "http://www.medieval.org/emfaq/misc/lamentations.htm"
      "http://www.grabinski-online.de/div/metten.html"


      Hier soll aber nicht nur von Lamentationen und Bußpsalmen die Rede sein - dazu gibt es halt viel Literatur - sondern auch von allen anderen Werken für die Passionszeit. Sollte sich zu einem bekannteren Werk eine gößere Diskussion ergeben, so kann man diese auch in einen eigenen Thread verschieben, wie ihn auch die Bachpassionen, Brockespassionen o.ä. haben.



      lg vom eifelplatz, Chris.


    • La Passion de Clermont
      Hora vos dic vere raitzun ...
      Brice Duisit



      Hora vos dic vera raizun
      De Jesu Christi passiun
      Los sos affanz vol remembrar
      Per que cest mund tot a salvad

      ....
      ....
      Quar finimunz non es mult lon
      Et regnum Deu fortment es prob
      Dontre nos lez facam lo ben
      Gurpissem mund et som pechet


      Mit diesen Worten beginnt bzw. endet eine (516 Zeilen) lange Passion von einem anonymen Autor aus der Gegend von Clermont, die um die Wende vom ersten zum zweiten Jahrtausend in einer okzitanischen Sprache geschrieben wurde. Der Text besteht aus achtsilbigen gereimten, paarweise gruppierten Vierzeilern. Die ersten vier Zeilen enthalten Neumen; bisher war es unmöglich, diese wissenschaftlich korrekt zu interpretieren.

      Die Passion wurde in einem Manuskript überliefert, das lange zum Domschatz der Kathedrale von Clermont gehörte und nun als Manuskript 189 (bzw. 240 nach neuer Verzeichnung) in der Bibliothek von Clermont-Ferrand aufbewahrt wird.

      Der Interpret, Brice Duisit, deklamiert die Verse in einer Art Sprechgesang mit Verzierungen und begeleitet sich dabei auf der vièle à archet, einem mittelalterlichen Streichinstrument. Duisit ist ein bekannter Musiker in der französischen Alte-Musik-Szene und spielt in einigen Ensembles mit, z.B. La Morra und Le Poème Harmonique. Darüber hinaus hat er sich mit der Troubadour-Musik beschäftigt und auch einige CDs aufgenommen.

      Der Text dieser Passion ist in mancher Hinsicht bemerkenswert. Seine Sprache ist nicht Latein, sondern eine Art von l'angue d`'oc. Das Manuskript ist in der Mediävistik schon lange bekannt und mehrfach veröffentlicht:

      Éditions:
      Passion de N. S. Jésus-Christ et Passion de S. Léger
      éd. M. Champollion-Figeac, Paris: Didot, 1849
      La Passion de Clermont, dans: Les plus anciens monuments de la langue française.
      éd. Gaston Paris, Paris: SATF, 1875
      La Passion de Clermont, dans: Die ältesten französischen Mundarten;
      eine sprachgeschichtliche Untersuchung.
      éd. Gustav Lücking, Berlin: Weidmann, 1877
      Die Passion Christi, dans: Altfranzösisches Übungsbuch
      Hrsg: W. Förster/E. Koschwitz,Heilbronn: Henninger 1884
      La «Passio Christi» de Clermont-Ferrand,
      éd. Jesus Cantera Ortiz de Urbina, Madrid, 1973
      Version digitale:
      Ulrich Harsch 2012

      aus:
      "http://www.hs-augsburg.de/~harsch/gallica/Chronologie/10siecle/Passion/pas_src.html"


      Das Manuskript enthält folgende Teile:

      (Anon., Bibliothèque de Clermont-Ferrand, Ms 189)

      Inhalt:
      Laisses 1-7: Incipit, arrivée à Betfage
      Laisses 8-17: Les Rameaux et prédication à Jérusalem
      Laisses 18-22: Les marchands du temple et Judas
      Laisses 23-29: La Cène
      Laisses 30-33: La sueur goutte en sang
      Laisses 34-42: L'arrestation de Jésus
      Laisses 43-47: L'accusation
      Laisses 48-50: Le parjure de Pierre
      Laisses 51-60: Le procès de Jésus
      Laisses 61-69: La condamnation et la prise de la croix
      Laisses 70-77: La mise en croix
      Laisses 78-84: La mort sur la croix
      Laisses 98-106: L'ange et les femmes au tombeau
      Laisses 107-112: Les pèlerins d'Emmaüs
      Laisses 128-129: Louange

      entnommen:
      "http://www.medieval.org/emfaq/cds/alp520.htm"


      Die Passion beginnt mit dem Einzug Jesu in Jerusalem und endet mit Pfingsten. Sie ist nach den Evangelien erzählt, ohne etwas dazu zu erfinden, enthält aber Betrachtungen zur Zeit, die um die Jahrtausendwende als krisenhaft erfahren wurde.


      Die CD ist einigemaßen gewöhnungsbedürftig und sicher keine, die man mal eben zum Vergnügen einlegt. Wenn man sich aber darauf einläßt, erscheint sie keineswegs mehr gleichförmig und langweilig. Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt und höre sie manchmal ganz gern, für mich geht schon eine meditative Wirkung von Musik und Rezitation aus.



      lg vom eifelplatz, Chris


    • El canto de Auroros
      Alia Musica
      Miguel Sànchez



      Inhalt:

      1 Salve a la Virgen de la fuensanta
      2 Agnus Dei
      3 Or 'elión
      4 Padre nuestro
      5 Miserere
      6 Correlativa
      7 Yoduja ra'yonai
      8 Ave Maria
      9 Miserere
      10 Salve de Pasión

      Die CD enthält Gesänge zur Vigil (Matutin), also der frühesten Morgendämmerung, von Passion/Ostern, Allerseelen und Weihnachten aus der mediterranen Tradition, so das Booklet. Diese Gesänge gehören zur mozarabischen (altspanischen) Liturgie, die schon im 4. und 5. Jahrhundert belegt ist und ihre größte Verbreitung wohl im 7. Jahrhundert hatte. Nach dem Einfall der Mauren konnten die Christen (Mozaraber) in deren Herrschaftsgebieten weiterhin ihre Religion und diesen Ritus ausüben, im übrigen Spanien wurde er im Zuge von Vereinheitlichungen durch den römischen ersetzt. 1074 wurde der mozarabische Ritus verboten und 1080 der römische angeordnet.

      Nach der Zurückeroberung von Toledo weigerte sich die dortige Bevölkerung den römischen Ritus anzunehmen. Danach erlaubte der Papst sechs Pfarreien, weiterhin die mozarabische Liturgie zu feiern. Seinen Namen erhielt der Ritus von dem der Christen im maurischen Herrschaftsgebiet, den Mozarabern, die diesen altspanischen Ritus weiterhin ausübten.

      Kardinal Ximenes, 1495 - 1517 Erzbischof von Toledo, ließ 1500 ein Missale mistum [mixtum] secundum regulam beati Isidori dictum Mozarabes und 1502 das Breviarium gothicum secundum beatissime Isidori für die mozarabische Kapelle der Kathedrale von Toledo anfertigen.

      Durch das II. Vatikanum wurde diese mozarabische bzw. altspanische Liturgie der römischen gleichgestellt. 1991 haben die spanische Bischofskonferenz und der Erzbischof von Toledo ein Missale Hispano-Mozarabicum herausgegeben. Gefeiert wird diese Liturgie heute in der Kathedrale von Toledo, in Salamanca, bei den Mönchen auf dem Montserrat und in der Abtei Santo Domingo de Silos.


      Die Gesänge auf dieser CD richten sich nach dem Breviarium gothicum von 1502 und stammen aus den verschiedenen Vigilien des Kirchenjahres, darunter sind auch zwei Miserere, die zu den Bußpsalmen gehören und ein Salve de Pasion.

      Leider liegt der CD kein Booklet bei sondern nur ein schmales Faltblatt, das in drei Sprachen (kein Deutsch) kaum eine DIN A4 Seite füllt. Das aber ist die einzige Kritik an dieser CD.

      Interpret des Programms ist das Männersextett Alia Musica unter Miguel Sanchez. Ich denke, dies ist eine der schönsten Aufnahmen, die ich in der letzten Zeit gehört habe, und das ziemlich oft.



      lg vom eifelplatz, Chris.
    • "Musik für die Passionszeit" ist ein ungeheuer weites Feld.
      Neben den üblichen anderen Hörschwerpunkten (dazu später mehr) will ich mich dieses Jahr ausführlicher mit Palestrinas Musik für die Karwoche beschäftigen.
      Auf den drei CDs befinden sich gregorianische Abschnitte neben Palestrina-Sätzen. Hiervon zu hören u.a.: Lamentationen, ein Miserere, ein ("das"?) Stabat mater, die Improperien (O du, mein Volk, was tat ich dir? etc.), ...
      Bitte nicht von der zweifelhaften Optik der CD-Cover abschrecken lassen, das Ensemble Musica contexta unter der Leitung von Simon Ravens macht einen sehr guten Eindruck auf mich. (Bisher habe ich aber nur die CD mit der Musik für den Karfreitag).

      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • ThomasBernhard schrieb:

      "Musik für die Passionszeit" ist ein ungeheuer weites Feld.

      Mir ging es auch darum, mehr davon kennenzulernen. Advent- und Weihnachtsmusik erhält immer soviel Aufmerksamkeit, ich finde die Passionsmusik nicht weniger interessant. Und da gibt es noch viel zu entdecken, auch und gerade weil es vielfach liturgische Musik ist, die in einer säkularisierten Zeit immer weniger Aufmerksamkeit bekommt.


      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Eine nicht-Liturgische Musik für die Karwoche ist mir in den letzten Jahren immer stärker an Herz gewachsen:
      Der Kreuzweg (Via crucis) von Franz Liszt.
      Für Klavier oder Orgel solo, zwei Vokalsolisten und Chor.
      Es gibt nicht allzuviel Text. Die 14 Kreuzwegstationen sind teils Meditationen für Klavier bzw. Orgel solo, das direkte Kreuzwegsgeschehen wird auf latein referiert, zudem gibt es Einschübe lateinischer und deutscher Choräle. Das ganze im Spätstil Liszts also teilweise sehr karg aber sehr expressiv ohne ins opernhafte abzugleiten.

      Einspielungen gibt es erstaunlich viele. Die "beste" kann und will ich gerade nicht auswählen. Zufällig war diese hier meine erste Aufnahme, mit der ich weiterhi zufrieden bin:



      Ein anderer bekannter Kreuzweg ist die Orgelmeditation von Marcel Dupre (Le chemin de la croix)
      Ich weiß nicht, ob die Aufnahme von F. Flamme hierfür das Optimum ist, empehlen kann ich sie trotzdem:

      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • Vielen Dank für diese schöne Einführung in die Passionsmusik, liebe Chris. Nach den beiden großen Bach-Passionen fällt mir zum Thema als erstes der siebenteilige Kantatenzyklus Membra Jesu nostri von Buxtehude ein. Eine innig-mystische Betrachtung des gekreuzigten Christus in seiner konkreten Körperlichkeit. Bei Wikipedia gibt´s eine ganz gute Einführung dazu:

      "http://de.wikipedia.org/wiki/Membra_Jesu_nostri

      Der Text ist gewöhnungsbedürftig, aber das ist wundervolle Musik. Meine liebste Einspielung ist die ganz nach innen gewandte von Cantus Cölln:



      Gruß. Carola
    • Das ist eine tolle Threadidee, liebe Chris... :thumbsup:

      Auch ich werde mir ein schönes Programm zurechtlegen, um durch die Passionszeit zu kommen. Mit großer Wahrscheinlichkeit werde ich mir Victorias Officium Hebdomadae Sanctae als Basis nehmen, um ab Palmsonntag eine musikalische Reise zu beginnen. Erweitert wird das sicherlich mit einigen Lamentationes Jeremiae und passendem Repertoire an Gregorianischen Gesängen. Natürlich kommt auch mindestens eine Matthäus-Passion dazu - und ein Messiah... ;+)

      Buxtehudes Membra Jesu nostri kenne ich auch in der Einspielung von Junghänel. :thumbsup: Werde ich sicher auch spielen.


      Ein Werk, was ich vorstellen möchte, ist dies:



      Frank Martins Golgotha ist ein Oratorium, erst 1948 abgeschlossen. In zehn Bildern werden Bibelzitaten aus den Evangelien Textstellen aus Augustinus' Meditationen gegenübergestellt. Mich hat das Werk echt beeindruckt, und ich hör es ganz gern. Ich hatte auch schon dazu einen Thread eröffnet.


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Das ist eine tolle Threadidee, liebe Chris... :thumbsup:

      Da schließe ich mich an und bekenne, dass ich für Aschermittwoch einen ähnlichen Thread geplant hatte!

      An erster Stelle möchte ich ein Konzeptalbum der Crossover-erfahrenen Christina Pluhar und ihres Ensembles L'Arpeggiata nennen. Musik von Monteverdi, Biber, Merula und anderen trifft (unter anderem) auf korsische und italienische Volksweisen:



      Gesualdos Responsorien wurden für das Triduum Sacrum komponiert. Wunderbar gesungen vom Hilliard Ensemble.



      Fünf der Mysterien des Rosenkranzes befassen sich mit dem Passionsgeschehen: Christi Leiden am Ölberg, die Geißelung, de Dornenkrönung, die Kreuztragung, die Kreuzigung. Demzufolge gibt es dazu fünf Sonaten im bekannten Zyklus von Heinrich Ignaz Franz Biber.



      Die "Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz" hat Haydn in verschiedenen Fassungen hinterlassen:




      Passionen sind auch nach 1950 entstanden. Lutoslawski und Pärt seien genannt:



      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Mauerblümchen schrieb:



      Passionen sind auch nach 1950 entstanden. Lutoslawski und Pärt seien genannt::


      Insbesondere Pendereckis Lukas-Passion ist ganz groß!

      Genannt seien zudem Rihm und Gubaidulina:

      .

      Von Gubaidulinas Johannes-Passion gibt's auch eine deutschsprachige Einspielung:



      Eindrucksvoller ist aber das russischsprachige Original unter Gergiev.

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Zum 250. Todestag von J.S. Bach gaben Helmut Rilling und die Internationalen Bachakademie unter anderem auch bei Tan Dun eine Passionsmusik in Auftrag. Das extravagante Werk mit dem fantasievollen Instrumentarium nennt sich:

      Water Passion
      after Saint Matthew




      Klangbeispiele unter dem Link bei Amazon.


      Gruß
      Josquin
    • Josquin schrieb:

      Zum 250. Todestag von J.S. Bach gaben Helmut Rilling und die Internationalen Bachakademie unter anderem auch bei Tan Dun eine Passionsmusik in Auftrag.


      Jo, die haben vier Passionsmusiken in Auftrag gegeben - eben zu den vier Evangelien. Tan Dun hat den Matthäus-Text zugrunde gelegt (kenne ich leider nicht), Rihm Lukas und Gubaidulina Johannes. Das Markus-Evangelium hat Osvaldo Golijov vertont. Auch das ist tolle Musik - etwas ungewöhnlich allerdings für europäische Ohren, die eine Passionsmusik erwarten:



      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Josquin Dufay schrieb:

      Auch ich werde mir ein schönes Programm zurechtlegen, um durch die Passionszeit zu kommen. Mit großer Wahrscheinlichkeit werde ich mir Victorias Officium Hebdomadae Sanctae als Basis nehmen, um ab Palmsonntag eine musikalische Reise zu beginnen. Erweitert wird das sicherlich mit einigen Lamentationes Jeremiae und passendem Repertoire an Gregorianischen Gesängen. Natürlich kommt auch mindestens eine Matthäus-Passion dazu - und ein Messiah

      Es wäre schön, wenn du darüber hier das ein oder andere Wort über deine Reise verlieren würdest.

      Soweit es die Alte Musik betrifft, kenne bzw. habe fast alle ich die genannten CDs. die Rosenkranzsonaten hatte ich nicht im Kopf, vergessen. Es wäre schön, wenn ihr zu den geposteten CDs etwas schreiben könntet, ein paar Bemerkungen zum Inhalt und zur Interpretation, damit man weiß, was einen da erwartet und was ihr davon haltet. Es hat mich schon überrascht und gefreut, wieviel Resonanz der Faden gefunden hat, sowas bin ich gar nicht gewöhnt.

      Ich habe noch einen ziemlichen Stapel CDs hier liegen, die ich nach und nach vorstelle. Beginnen will ich mit einígen Sammel-CDs, auf die wichtige Werke aus der frühen Renaissance zum Inhalt haben.

      ...und bekenne, dass ich für Aschermittwoch einen ähnlichen Thread geplant hatte!
      Ich würde mich freuen, liebes Mauerblümchen, wenn Du hier mitmachen würdest, obwohl ich Dir das Thema geklaut habe! (Den Faden hatte ich aber schon im Thread-Eröffnungsthread angekündigt.)


      lg vom eifelplatz, Chris.
    • eifelplatz schrieb:

      Es wäre schön, wenn du darüber hier das ein oder andere Wort über deine Reise verlieren würdest.

      Klar doch, nichts einfacher als das... ;+)


      Als Ausgangsbasis nenne ich das:



      Das ist zur Zeit die beste Einspielung des gesamten Victoria-Officiums, die man (noch) kaufen kann. Alle 37 Stücke der von Victoria polyphon gesetzten Teile sind hier zu finden. Die Escolania del Escorial ist ein Knabenchor, verstärkt mit Tenören und Bässen der Real Capilla Escurialense. Hier wird wunderbar intoniert und rezitiert, eine Einspielung, die ich wirklich gelungen finde. :thumbsup:

      Am Palmsonntag erklingt dann zunächst die Passio Secundum Matthaeum. Das wird ergänzt durch Gregorianisches Repertoire aus dieser Box:



      CD2 enthält die Aufnahmen zu Dominica in Palmis, den Gesängen am Palmsonntag. Zu hören ist die Choralschola der Abtei Münsterschwarzach unter Godehard Joppich, eine vorzügliche Einspielung. :thumbup:


      Die Tenebre beginnen dann Mittwoch Abend ab Sonnenuntergang. Da lasse ich dann frühestens die Nokturnen der Feria Quinta (Gründonnerstag) laufen, am Tag darauf die für Feria Sexta (Karfreitag) - zusammen mit der Passio Secundum Ioannem - und wieder tags darauf die für Sabbato Sancto (Karsamstag). Auch das wird erweitert: die Laudes haben stets ein Miserere, welches ich dann in verschiedenen Einspielungen spielen lasse.

      Für weitere zu spielende Stücke kann man in den Thread zu Victorias Officium hineinschauen. Da ist alles aufgelistet, was wann von Victorias Stücken gespielt werden soll.

      Überhaupt werde ich nicht übermäßig streng sein mit der Reihenfolge oder der Anzahl oder dem Zeitpunkt. Ich werde sicherlich mir Lektionen und Responsorien verschiedener Komponisten anhören. Hier eine Auswahl, womit man ganz glücklich werden kann:


      Beginnen wir mit den Lektionen (Lamentationes Jeremiae):

      VICTORIA

      Die Einspielung der Tallis Scholars besticht durch den typischen ätherischen Klang und eine großartige Interpretation. Top. :thumbsup:


      Hier liegt eine alternative Fassung der Lamentationen vor, die aus einem Manuskript aus der Sixtinischen Kapelle stammt. Michael Noones Ensemble Plus Ultra ist ebenfalls hervorragend. :rolleyes:

      FESTA

      Diese CD ist ohnehin eine Empfehlung wert ^^ : hier befinden sich vier Lektionen von Constanzo Festa drauf (I, IV-VI), also die erste vom Gründonnerstag und alle drei von Karfreitag.

      TALLIS

      Darf es englisch sein? Bitte sehr: die ebenfalls wundervolle ästhetische Einspielung des Hilliard Ensemble. :yes:

      DE LA RUE / ISAAC

      Eine solide Interpretation, aber anscheinend die einzige Einspielung der Lektionen von de La Rue und Isaac. :)

      CHARPENTIER

      Leider nur noch teuer zu kriegen: diese intime Einspielung einer Auswahl von Lektionen (und Responsorien) für verschiedene Tage. :thumbsup:

      LAMBERT

      Geheimtipp: Lambert zauberte herrliche Lektionen für alle drei Tage aus dem Ärmel. Tolle Kluft! :juhu:


      Weiter geht es mit den Responsorien (Tenebre):

      VICTORIA

      Auch hier nenne ich die Tallis Scholars. So ein Repertoire ist bei denen in perfekten Händen. :yes:

      GESUALDO

      Da muß diese Doppel-CD genannt werden! Der Fürst hat wundervolle Responsorien geschrieben, und das Hilliard Ensemble ist hier einfach grandios... :faint: Diese CD schreit: Kaufen! :D


      Auch sehr gut: die Responsorien nur für Karsamstag. :thumbup:


      Ansonsten käme noch eine Matthäus-Passion dazu. Da habe ich einige Optionen. Ich mag die von Paul Goodwin ganz gern - schlank besetzt, schnelles Tempo zwar (151 Minuten!), aber nicht hastig gespielt und sehr gut gesungen, wie ich finde:

      [IMG:http://ecx.images-amazon.com/images/I/51sgUBJ3jiL._SL500_AA300_.jpg]


      Oder ich werde gleich historisch und knalle mir den Ramin rein :D :




      Und wenn ich besonders erbaut werden will:



      Was sonst? ;+) (Dazu steht ja genügend im entsprechenden Thread.)



      Am Ostersonntag lasse ich dann das laufen:


      Die Missa in Dominica Resurrectionis, gesungen von der Choralschola der Erzabtei St. Martin in Beuron unter Pater Maurus Pfaff. Das ist eine sehr alte Aufnahme (1955 erschienen), aber ich liebe sie einfach. Es steht eine ganze Tradition dahinter, das kann man spüren. :-OOOO-


      So, das muß genügen... :D


      jd ;+)
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Zitat von »eifelplatz«
      Es wäre schön, wenn du darüber hier das ein oder andere Wort über deine Reise verlieren würdest.


      Klar doch, nichts einfacher als das... ;+)

      Danke dir, jd. Nach einer anderen Aufnahme des La Rue habe ich auch gesucht, aber nichts gefunden. Zu einigen der von dir genannten Werke habe ich Alternativ-Aufnahmen, die ich bald mal poste.


      lg vom eifelplatz, Chris.
    • eifelplatz schrieb:

      Nach einer anderen Aufnahme des La Rue habe ich auch gesucht, aber nichts gefunden.

      Anscheinend ist die Zuschreibung zu de La Rue unsicher:

      "http://www.medieval.org/emfaq/composers/larue.html"

      Die Cornetto-CD steht an Position 4 unter "Discography - Misattributed, Doubtful Works or Confused, UnknownTitle", ganz unten auf der Seite.

      Darunter steht:
      Note: Includes Lamentations, now considered not to be by La Rue.
      Hier auch, an Position 3:

      "http://en.wikipedia.org/wiki/Pierre_de_la_Rue#Motets_with_uncertain_attribution"


      Das mag der Grund sein, warum sich sonst nichts finden läßt.


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Anscheinend ist die Zuschreibung zu de La Rue unsicher:

      Ah ja, danke. Ich war auf La Rue gestoßen durch Bemerkungen in "Reclams Führer zur lateinischen Kirchenmusik" S. 299, (s. Literaturangaben im Beitrag #1):

      "Eine andere frühe Quelle für Lamentationes ist der 1549 erschienene Nürnberger Druck von Montanus und Neuber. Er enthält Werke von ...und Pierre de La Rue (um 1460 - 1518). Letzterer schuf drei Lektionen zu vier Stimmen, die jeweils mit Jerusalem, convertere (in der ersten Lektion als einziger Abschnitt des ganzen Zyklus fünfstimmig) enden. ..."
      Es folgt eine Beschreibung des Werks.

      Die engl. Wikipedia und medieval.org dürften da eher auf der Höhe der Musikwissenschaft sein.


      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Ludwig Finscher schreibt in seinem Beitrag über die Liturgische Gebrauchsmusik (Gescchichte der Musik, Bd 3, S. 405, s. Post #1), dass mit den beiden Sammeldrucken von Petrucci 1506 eine Überlieferung einsetze, die es erlaube, von einer Gattungsgeschichte der Lamentationen sprechen zu können. Er meint aber, dass der Verleger Petrucci noch einige Mühe gehabt habe, ein größeres Repertoire zusammenzutragen. Auf der Suche nach diesem Repertoire bin ich schließlich im Internet fündig geworden und dank Google in einem dieser alten Bücher, wo einen schon die Titelseite bezaubern kann, auch wenn der Inhalt veraltet scheint. Aber in diesem Fall spielt das keine Rolle:


      Ottaviano dei Petrucci
      da
      Fossombrone,
      der
      erste Erfinder des Musiknotendruckes
      mit beweglichen Metalltypen,
      und seine
      Nachfolger im sechzehnten Jahrhunderte.

      Mit steter Rücksicht auf die vorzüglichsten Leistungen derselben,
      und auf die Erstlinge des Musiknotendruckes.
      Eine nachträgl., mit XXI Abb. ausgestattete, Festgabe zur Jubelfeier der Erfindung der Buchdruckerkunst. von
      Anton Schmid,
      Custos der k.k. Hofbibliothek.
      Wien, 1845.
      Bei P. Rohrmann, k.k. Hofbuchhändler.

      Dieses Buch verzeichnet und beschreibt Frühdrucke nach Druckorten jahrgangsweise, so auch die von Petrucci. Auf den S. 83 und 84 von 369 heißt es:

      1506

      Dieses Jahr bringt uns zunächst eine sehr werthvolle Ausgabe zweier Bücher Lamentationen von vorzüglichen Meistern der Kunst. Das Liceo filarmonico zu Bologna ist im Besitze derselben.
      Die kurze Beschreibung, welche ich von daher erhalten habe, ist folgende:
      Das Format beider Bücher ist klein Querquart, die Textschrift gothisch-deutsch.
      Die Stimmen stehen unter einander und sich gegenüber, wo der Satz aus mehreren derselben besteht.

      Der Titel des ersten Buches lautet:

      "Lamentationum Jeremie prophete
      Liber primus"

      Auf dem letzten Blatte liest man:
      "Impressum Venetia per Octavianum Petrutium Forosemproniensem.
      Die octava Aprilis anno 1506."
      Registrum: A.B.C.D.F. omnes quaterni preter E qui est quinternus." [!]

      Dieses Buch hat 50, an der oberen rechten Ecke numerirte Blätter, und enthält eine Lamentation von Tinctoris, zwei von Ber. Ycart, eine von De Orto, eine von Francisco Vene. (Franciscus Anna Venetus Organista), sämmtlich zu drei Stimmen, sodann acht für den Tenor allen, von De Quadris, endlich eine von Alexander Agricola zu drei Stimmen, und eine vierstimmige,

      Der Titel des zweiten Buches ist:

      "Lamentationum Liber secundus."

      Auf dem letzten Blatte findet man:
      "Impressum Venetiis per Octavianum Petrutium Forosemproniensem.
      Die XXIX Madij. Salutis anno M.CCCCCVI."
      "Registrum A:B:C:D:E:F:G: Omnes quaterni preter G qui est duernus."

      Dieses Buch hat 50 nicht bezeichnete Blätter und enthält 9 Lamentationen und ein Benedictus von Bartho. T. (Bartholomäus Trumboncinus), vier von Gaspar, eine Lamentation und ein Benedictus von Erasmus (Lapicida).
      Sämmtliche Compositionen sind dreistimmig.



      "http://www.google.de/books?id=4RMEAAAAQAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false"


      Mehr Mühe hat es mir gemacht, in meinen CD-Beständen nach Aufnahmen diesen Kompositionen zu suchen; hier und da bin ich fündig geworden.

      Die erste CD, die ein solches Werk enthält, ist diese mit den Lamentationen Jeremiae von Johannes Tinctoris (1435 - 1511), den wir heute v.a. als Musiktheoretiker kennen. Im Booklet heißt es, dass wenig über bekannt ist über Anlass und Zeitpunkt der Komposition, die für die Tenebrae der Mette an Gründonnerstag gedacht war.




      Passion
      Orlando Consort


      Johannes Tinctoris: Lamentationes Jeremiae
      Guillaume Dufay: Victimae paschali
      Josquin des Prez: Victimae paschali
      Heinrich Isaac Easter Mass Proper
      Loyset Compère: Crux triumphans
      Guillaume Dufay: Vexilla regis
      Jacob Obrecht: Salve Crux

      Darüberhinaus enthält die CD noch einige andere Kompositionen von Zeitgenossen. Die meisten Stücke stammen aus Liturgien der Kar- und Ostertage. Sie spiegeln die Traurigkeit der Passion und auch die Freude des Osterfestes.

      Es ist eine schöne Mischung von Werken, die das Orlando Consort hier zu Gehör bringt, es gibt einfache polyphone Stücke, ein Messproprium von Isaac zum Ostersonntag aus dem Jahreszyklus, der 1550 und 1555 unter dem Namen Choralis Constantinus bekannt wurde, ferner Hymnen und großartige cantus firmus Kompositionen.

      Das Orlando Consort in der Besetzung Robert Harre Jone, countertenor, Charles Daniels und Angus Smith, Tenor, Donald Greig und Robert Macdonald, Bass singt - wie immer - wunderbar.




      lg vom eifelplatz, Chris.