BIBER, Heinrich Ignaz Franz: Die Rosenkranz-Sonaten

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    • Und? Meinungen? Nach dem ersten Durchhören bin ich nur von der 14. Sonate (Mariä Himmelfahrt) in der Podger-Interpretation überwältigt, der Rest scheint eher harmlos, aber ich gebe ihr noch eine zweite Chance...

      LG
      Tamás
      :wink:
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato
    • Bei den ganzen Neuerscheinungen kann ich nicht mitreden, dutzende von Aufnahmen brauch ich dann doch nicht... Aber:

      Eine hab ich nun doch noch bestellt, den Manze nämlich, wo doch alle andren Aufnahmen die ich habe über Reich besetzte Continuos verfügen (was ich ja auch sehr schätze). Da ist das doch eine sinnvolle Ergänzung, mal die Violinstimme sehr pur zu haben. Bin sehr gespannt.

      Wenn die Rosenkranzsonaten laufen (sie laufen häufig) wähle ich meist den Holloway, fallweise Pierot und Homburger wenn ich andre Athmosphären möchte. Aber diese leicht verhallte Kapellenakustik bei Holloway, die treibt mich immer wieder zu dieser Aufnahme - dieses Licht daß ich durch die Kirchenfenster zu sehen meine, ein Klang als wenn das Summen des Sommers von draußen irgendwie mit aufs Band geraten wär...

      Einmalig, irgendwie.
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • ...und sage mir bloß keiner daß die Aufnahme im Februar oder so entstanden sei und da gar kein Sommersummen drauf sein kann.

      Will ich nämlich gar nicht wissen :P

      Realität wird nämlich überschätzt.
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Rachel Podger

      Tschabrendeki schrieb:

      Und? Meinungen? Nach dem ersten Durchhören bin ich nur von der 14. Sonate (Mariä Himmelfahrt) in der Podger-Interpretation überwältigt, der Rest scheint eher harmlos, aber ich gebe ihr noch eine zweite Chance...
      bei mir dreht sie sich gerade zum ersten Mal, und ich bin begeistert.
      Frau Podger und ihre Continuo-Partner spielen sagenhaft schön, beseelt und mit sehr persönlichem Ausdruck, aber ohne jede Theatralik. Wunderbar wie sich das Continuo dezent zurückhalten kann (musikalisch, nicht klanglich) aber doch stets voll bei der Sache ist.
      Das öffnet viel Raum für manche schwelgerische, abgehobene oder einfach frei präludierende Geigenpassage.
      Das beste Continuo, was mir bei den Rosenkranzsonaten bisher begenet ist.

      Vom Geigenspiel würde ich die Aufnahme in die Klasse Manze-Wedman einreihen, für mich also ganz oben.

      Klanglich sehr gut, wenn auch der Aufnahmeraum - die Kirche St-Jude-on-the-Hill in London - mit ihrem langen und leicht tonnenartigen Nachhall zu den eher problematischen gehört. Doch das ist ganz gut gelöst, und an den etwas topfigen Ersteindruck gewöhnt man sich schnell (die Hybrid-SACD enthält auch eine Surround-Version, auf die ich unter diesen Umständen keine Lust hätte).

      Die Stimmtonhöhe ist ca 414 Hz, also ein wenig unter den bei HIP verbreiteten 415 Hz. Für mich ungemein entspannend anzuhören - ich gestehe dass das für meinen positiven Gesamteindruck eine (wenn auch untergeordnete) Rolle spielt.

      Während ich dies schrieb, ging die CD 1 zu Ende. Vorläufige Bewertung auf meiner Skala von 0-10:
      Musik: 10
      Klang: 10
      (das hatte bisher nur Manze geschafft)

      :wink: Khampan
    • Danke Khampan! Das hat mir jetzt wirklich geholfen, mit meinen eigenen Gedanken dazu klarzukommen.

      Ich hab alles hier beschrieben:
      http://www.eroica-klassikforum.de/index.php?page=Thread&postID=33603#post33603

      LG
      Tamás
      :wink:
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      Fugato
    • Rachel Podgers CD 2 konnte ich jetzt nur mal nebenbei hören. Zugegeben, meine obige Charakterisierung "ohne jede Theatralik" habe ich da stellenweise bereut. Da wird das Cembalo schon ziemlich theatralisch als Perkussionsinstrument eingesetzt. Besonders aufgefallen ist es mir in Nr. 14. Doch gut gemacht - auf jede heftige Episode folgt sofort eine sanftere, und was Laute und Cembalo da an Melodien so nebenbei aufbieten, ist auch atemberaubend.

      Trotzdem - Nr. 14 gefällt mir bei Wedman noch besser, eigentlich auch bei Sepec (bei dem diese Nummer aber ziemlich aus der Reihe fällt).

      Noch was zu Nr. 14: bei der "pizzicato"-Stelle spielt Podger die Pierot, äh, Luntz-Version (vgl. Facsimile S. 66 zweite Zeile). Also statt abwechselnd pizzicato/gestrichen, wie fast alle anderen, spielt sie Dissonanzen d-e und a-h. Ich halte das immer noch für einen dämlichen Lesefehler, doch Podger spielt die Noten so kurz (und das Cembalo so laut...), dass die obere Nebennote wie eine Verzierung klingt, das Ergebnis also zumindest anhörbar ist (im Gegensatz zu Pierot).

      Ich kann nur nochmal betonen: allein schon was das Continuo bei dieser Aufnahme leistet, lohnt die Anschaffung der CD. Wenn Podger dazu ähnlich übertrieben wie Letzbor spielen würde, wäre das sinnloser Overkill.
      Ich meine, die Aufnahme ist in ihrer Art perfekt, und im Gegensatz zu Tamás ist das für mich nur positiv :)

      (Manze ist auch perfekt; Wedman ist sympathisch, mit Schwächen im Klang und im Continuo, mir nichtsdestoweniger genauso lieb)

      :wink: Khampan
    • Khampan schrieb:

      Also statt abwechselnd pizzicato/gestrichen, wie fast alle anderen

      Eine andere Lösung, die man auch oft begegnet ist abwechselnd tenuto/staccato.

      Wie das hier Podger macht, kling aber für mich auch ganz gut. Ich habe das auch als Verzierung interpretiert beim Hören.

      LG
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      Fugato
    • Khampan schrieb:

      Wenn Podger dazu ähnlich übertrieben wie Letzbor spielen würde, wäre das sinnloser Overkill.

      Ich habe eben in die Letzbor-Einspielung reingehört... ist garnicht so übertrieben... (Bismuth - das ist übertrieben, stellenweise auch Roussel - der ist aber auch genial :D ) und was Duftschmid da neben Letzbor auf der Basse de Viola tut: Doppelgriffe, Pizzicato-Arpeggios... das ist einfach die hohe Schule des Continuospiels. Oder Glüxam in der nur mit Cembalo begleteten 2. Sonate: ist fantastisch.
      Die Letzbor-Einspielung wird oft einseitig wegen manchen Exzessen in den schmerzhaften Sonaten als brachial eingestuft - das ist aber vollkommen fasch: in seiner Einspielung gibt es unendlich viele Schattierungen von zurückhaltend-lyrisch bis eben zum Feuerwerk.

      LG
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      Fugato
    • Habe die Podger-Aufnahme gestern nach einem ziemlich langen Tag einmal durchgehört. Was soll ich sagen? "Bezaubernd" vielleicht? "Außerweltlich"? Jedenfalls nicht "harmlos". ;+) klar, das ist unaufgeregt, ohne ausgestellte Showstückchen. Irgendwie angenehm entspannt und - schön! "Schön" war das Wort, das mir gestern unentwegt durch den Kopf ging. Und, ja, diese Einspielung lebt nicht zuletzt von der unglaublichen, schwerelosen "Schönheit" des Tons und des Spiels von Rachel Podger... :love:

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Algabal schrieb:

      Jedenfalls nicht "harmlos". ;+)


      Ja das war auch bei mir nur ein flüchtiger erster Eindruck nach einem ebenso flüchtigen ersten Durchhören. ;+)

      Von den diesjährigen vielen Aufnahmen stehen aber die von Schumann und von Tur Bonet (und von Roussel, die kenn ich aber schon seit der Erstauflage) näher zu meiner Empfindung. Aber sie ist zweifellos schön, die Aufnahme von Podger.


      PS.:
      der unglaublichen, schwerelosen "Schönheit" des Tons


      Ja das habe ich genauso empfunden. Bei mir hieß es:

      Der Geigenklang ist klar, golden und leicht, wie der Sonnenschein.


      LG
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      Fugato
    • gleich um 14.00 auf srf2 eine Sendung der Reihe "Diskothek" über die Rosenkranzsonaten.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Hélène Schmitt

      Die neue Aufnahme mit Hélène Schmitt ist demnächst wirklich lieferbar, allerdings vorläufig entweder direkt beim Label Aeolus
      -> "https://www.aeolus-music.com/ae_de/Alle-Tontraeger/AE10256-Biber-Heinrich-Ignaz-Franz-The-Rosary-Sonatas"
      oder in Frankreich, etwa bei amazon.fr

      Nach Auskunft des Labels ist der offizielle Release in Deutschland erst nach dem Sommer.
    • Khampan schrieb:

      Die neue Aufnahme mit Hélène Schmitt ist demnächst wirklich lieferbar, allerdings vorläufig entweder direkt beim Label Aeolus
      -> "https://www.aeolus-music.com/ae_de/Alle-Tontraeger/AE10256-Biber-Heinrich-Ignaz-Franz-The-Rosary-Sonatas"
      oder in Frankreich, etwa bei amazon.fr

      Nach Auskunft des Labels ist der offizielle Release in Deutschland erst nach dem Sommer.
      Und? Hat sie außer mir schon jemand gehört?

      Meinungen?

      Ist euch etwas dabei aufgefallen?

      LG
      Tamás
      :wink:
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