OFFENBACH: Les contes d'Hoffmann – Märchenhafte Episoden oder postmodernes Drama?

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    • Boris schrieb:

      Lieber Hoffmann,

      ich wollte Ihnen gerade eine PM schreiben, allerdings scheint das nicht zu funktionieren; kann sein, dass das erst möglich ist, sobald man 15 Beiträge verfasst hat, ich weiß es nicht genau. Ansonsten kontaktieren Sie mich doch einfach unter "b****@hotmail.com" wegen der Radio-Übertragung.
      Ich höre gerade den 1. Akt; und was ich bisher höre gefällt mir sehr. Naouri ist wieder eine Klasse für sich.
      Nun, das freut mich zu hören, das zumindest die Inszenierung in Mannheim sehenswert war. Dennoch staune ich, wie man sich dazu entscheiden konnte, die Oper auf Deutsch zu spielen; erstaunlich...

      viele Grüße
      :wink:

      Boris schrieb:

      Dennoch staune ich, wie man sich dazu entscheiden konnte, die Oper auf Deutsch zu spielen; erstaunlich...

      Lieber Boris,

      naja, auch die Komische Oper in Berlin singt auf Deutsch, und zwar durchgehend. In Mannheim hat man wohl zur besseren Verständlichkeit deutsch gesprochen.
      In der Tat sang Natalie Dessay die Antonia, und zwar wunderschön seelenvoll. Die eigentlich von ihr erwartete Olympia sang Kathleen Kim aus Korea, die schon an der Met die Olympia gegeben hatte. Sie erntete Beifallsstürme in Barcelona, wo das Publikum sonst eher zurückhaltend war, z.B. kein Applaus für den Klein-Zach.
      Ich habe Ihre Emailadresse notiert und melde mich. Empfehle Ihnen aber schon mal, die aus Ihrem Forumsbeitrag wieder zu löschen, weil sie dann mw. Spam bekommen.

      Gruß
      Hoffmann
    • Lieber hoffmann,

      danke für den Hinweis, ich habe entsprechend die Nachricht geändert.
      Ich kann nach einem ersten Eindruck schon einmal bestätigen, dass sowohl Kathleen Kim als auch Nathalie Dessay in der Tat toll singen. Michael Spyres schägt sich als Hoffmann achtbar, klingt jedoch in höheren Lagen, besonders gegen Ende, etwas angestrengt. Giulietta, gesungen von Tatiana Pavlovskaya und Michèle Losier als Muse sind hochkarätig. Auch das Dirigat ist differenziert und ausgewogen, wenn auch nicht im Detail so raffiniert und blitzend wie bei Klangmagier Minkowski. eine Luxusbesetzung ist der phantastische Carlos Chausson als Crespel, Naouri sowieso ein Garant für höchste Sanges- und Charakterisierungskunst in dieser Vierfachrolle.
      „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
      Herbert von Karajan


      „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
      Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.
    • Tawarisch Boris,

      da sind wir uns ja in Allem einig (deswegen die Anrede). Krespel, eher eine Nebenrolle, war auch in der Premiere ganz ausgezeichnet. Die Höhen von Michael Spyres empfand ich auch als gepresst und angestrengt. Ursprünglich sollte ja Vittorio Grigolo am Liceu singen. Diesen Frauenschwarm habe ich in Zürich als Hoffmann gehört. Vor Michèle Losier als Muse möchte man niederknien. Sie agierte schauspielerisch höchst lebhaft. Die schönere Stimme als Muse/Niklaus hat in dieser Spielzeit allerdings Mélanie Forgeron in Bielefeld gezeigt, die man aber stocksteif ihre Rolle spielen ließ. Mélanie Forgeron hat in den letzten paar Jahren ihren Mezzo in Richtung Alt getrimmt, was ihm eine selten zu hörende Wärme und Fülle verleiht.
      Das Symphonische Orchester des Liceu spielte makellos. Leider saß ich am linken Ende der vierten Reihe und hörte hauptsächlich diese Hälfte des Orchesters.

      Gruß H.
    • hoffmann schrieb:

      Die schönere Stimme als Muse/Niklaus hat in dieser Spielzeit allerdings Mélanie Forgeron in Bielefeld gezeigt, die man aber stocksteif ihre Rolle spielen ließ. Mélanie Forgeron hat in den letzten paar Jahren ihren Mezzo in Richtung Alt getrimmt, was ihm eine selten zu hörende Wärme und Fülle verleiht.

      Melanie Forgeron werde ich im nächsten Monat als Muse hören und freue mich schon sehr darauf. Dass ihre Stimme "eine selten zu hörende Wärme und Fülle" hat, unterstütze ich sofort, dass Forgeron "ihren Mezzo in Richtung Alt getrimmt" gabe, stimmt so aber nicht. Die letzte Rolle, in der ich sie gehört habe, war die Donna Elvira im "Don Giovanni". Da befürchtete ich schon, Forgeron wolle jetzt ins Sopranfach wechseln. Nein, ich glaube, sie ist einfach eine Mezzosopranistin, die in der Höhe und in der Tiefe einen solchen Stimmumfang hat, dass sie fast alles singen kann.
      Forgeron ist vor drei Jahren aus Aachen nach Bielefeld gekommen, wo man die nach Graz gewechselte Dchamilja Kaiser erstzten musste. Ich finde, sie macht ihre Sache hier hervorragend und hoffe, sie bleibt uns in der Region noch ein Bisschen erhalten.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Mélanie Forgeron

      Dann wünsche ich gleich schon mal einen schönen Hörgenuss. Wie sie nun zu diesem fülligen Mezzo gekommen ist, mag offen bleiben. Jedenfalls hat sie sich, seit ich sie in der gleichen Rolle in Aachen hörte, gewaltig verbessert. Ich fragte sie, ob sie ihre Stimme Richtung Alt getrimmt habe, und sie meinte, das sei geschehen. Das schließt natürlich nicht aus, dass sie ihren Stimmumfang auch nach oben erweitert hat.
      Bin gespannt, was Sie zu der Bielefelder Inszenierung sagen. Für einige Traditionalisten mag die schon gewöhnungsbedürftig sein. Ich fand sie anregend, wenn ich auch den Schluss mit dem toten Hoffmann ablehne. Ein Tod Hoffmanns widerspricht ja auch dem Text einer Kaye-Keck-Version.
    • hoffmann schrieb:

      Die eigentlich von ihr erwartete Olympia sang Kathleen Kim aus Korea, die schon an der Met die Olympia gegeben hatte. Sie erntete Beifallsstürme in Barcelona
      Die Kathleen Kim halte ich definitiv für eine Idealbesetzung der Olympia, sie singt nicht nur wundervoll, sondern ist auch schauspielerisch eine einfach unbeschreiblich gute "Puppe" -
      zumal sie ja auch klein und zierlich ist, und keine - und sei sie noch so wohlklingend - Sängermatrone ;+)

      Gab es den Link hier schon?

      "http://www.youtube.com/watch?v=CHp4LLnlKIg"


      :wink:

      amamusica :pfeif:
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Stilistisch und zeitlich kann von 'Postmoderne' keine Rede sein.

      .

      Das Opernlibretto von Jules Barbier von 1881 basiert auf einem von Jules Barbier und Michel Carré verfassten und 1851 uraufgeführten Theaterstückes. Hoffmann ist in der Rahmenerzählung der Protagonist der Erzählungen. Das ist ein traditionelles Stilelement des 19. Jahrhunderts.

      Stilistisch und zeitlich kann von 'Postmoderne' keine Rede sein. Diese setzt erst 1968 ein. Und die sog. 'Moderne' beginnt um 1900.

      .
      CANTO ERGO SUM
    • Zeitloses psychologisches Drama

      Obwohl ich die Diskussion hier interessant und anregend finde, kann ich an dieser Oper keine postmodernen Elemente feststellen. Für mich beinhaltet sie ein zeitloses psychologisches Drama.
      Wer allerdings diese Oper als Aneinanderreihung von mehr oder weniger witzigen märchenhaften Episoden interpretiert, liegt genauso daneben wie jemand, der den geistesgeschichtlichen Hintergrund der Zauberflöte negiert. Leider geschieht das in mindestens der Hälfte der Inszenierungen. Regisseure sidn eben in erster Linie Theaterleute und nicht Philosophen.
      Mag Ernst Bloch auch ein Happy End bei dieser Oper als Kitsch empfunden haben, soll das sein gutes Recht auf Irrtum gewesen sein. Er hat ja auch Hymnen auf Stalin verfasst. Ein toter Hoffmann am Ende passt erstens nicht zum Text des Librettos, zweitens nicht zum Charakter der Musik und macht auch keinen Sinn, denn Hoffmann soll ja aus seinen Irrtümern gelernt haben.
      Vergessen wir nicht, dass das Schauspiel drei Jahre nach der Veröffentlichung des Kommunistischen Manifestes Premiere hatte, mit dem einer der großen modernen - und nicht post- oder prämodernen - Entwürfe begann (mag man ihn mögen oder nicht). Geschichte ist nicht mehr ein nach göttlichen oder kosmischen Gesetzen ablaufender Vorgang, sondern wird von Menschen gemacht.
      Mit diesem Schauspiel wurde kein klassischer Shakespeare´scher Held mehr auf die Bühne gestellt, der am Schluss zu sterben hat, nachdem er sein ihm vorgegebenes Schicksal erfüllt hat, sondern ein Mensch mit Schwächen, der sich aber mit Hilfe der Vernunft (= Muse/Niklaus) von seinen Instinkten emanzipiert und zum großen Künstler wird. Das ist nun ein modernes Element, indem der Mensch nicht mehr als seinen Trieben ausgeliefert portraitiert sondern als entwicklungsfähiges Wesen dargestellt wird. Damit gingen Carré und Barbier einen Schritt über E.T.A. Hoffmann hinaus, der noch in der Klassik lebte.
      In Horazens Ars Poetica heißt es über einen Bühnencharakter: SIBI CONSTET = er bleibe bei sich, d.h. er verändere sich nicht. Hier haben wir nun ein Opernlibretto als Entwicklungsroman, obgleich der Hoffmann von Carré und Barbier der externen Vernunft in Gestalt der Muse/des Niklaus bedarf, um zur Besinnung zu kommen. Auch das aus der Zeit zu verstehen. Während der vorangegangenen französischen Revolution, die so kläglich gescheitert war, wurde die Vernunft kultisch als Göttin verehrt. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklungsroman :L:
      Frankreich wurde damals hin und hergerissen in fünf aufeinanderfolgenden Revolutionen bzw. Umstürzen zwischen Reaktion und Emanzipation. Da passt Hoffmanns Geschichte gut hinein.

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      audiamus
    • Die "Postmoderne": Was ist das? Wann beginnt sie? ...?

      [Die nachfolgenden 7 Beiträge befanden sich vorher hier: OFFENBACH: Les contes d'Hoffmann – Märchenhafte Episoden oder postmodernes Drama?. Da passen sie offensichtlich schlecht hin. Doch jetzt hat auch die "Postmoderne" etwas Eigenes. Ob sie nun will oder auch nicht.
      :gurni:
      Gurnemanz]



      Gotthelf schrieb:

      Stilistisch und zeitlich kann von 'Postmoderne' keine Rede sein. Diese setzt erst 1968 ein.

      Das finde ich spannend. Das heißt, ich war rund zwei Jahre meines Lebens modern und dann postmodern.

      Aber wurde die Postmoderne wirklich erst so spät erfunden? Das fände ich seltsam.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Gotthelf schrieb:

      Stilistisch und zeitlich kann von 'Postmoderne' keine Rede sein. Diese setzt erst 1968 ein.

      Das finde ich spannend. Das heißt, ich war rund zwei Jahre meines Lebens modern und dann postmodern.

      Aber wurde die Postmoderne wirklich erst so spät erfunden? Das fände ich seltsam.


      Wikipedia sagt (Hervorhebungen von Areios):

      Mit dem Begriff Postmoderne, um 1870 erstmals verwendet, wurde von verschiedenen Autoren versucht, sehr heterogene gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen zu fassen und teilweise auch zu bewerten.


      Und:

      1947 beschreibt Arnold J. Toynbee eine Phase der Kultur als „post-modern“, deren Beginn er 1875 ansetzt. [...] Nach Toynbee wird mit der Postmoderne die Spätphase der abendländischen Kultur eingeleitet.


      Im übrigen wird man auch dafür, den Beginn der Moderne mit 1900 anzusetzen, keinen allgemeinen Konsens finden können. Im Gegensatz zu einer einigermaßen klar definierten Epoche wie dem Barock (auch wenn auch da natürlich die Epochengrenzen fließend sind) hat "Moderne" einfach zu viele Bedeutungen und Definitionen. Und der englische Gelehrte, der ein Spezialist für "Early Modern History" ist, beschäftigt sich keineswegs mit den Jahren unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg! ;+)

      Nach diesem kleinen Exkurs jetzt aber zurück zum Hoffmann. Wie das Schlagwort "Postmoderne" im Threadtitel gemeint war, lässt sich der Diskussion ja entnehmen.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Modern. postmodern und prämodern

      Im übrigen wird man auch dafür, den Beginn der Moderne mit 1900 anzusetzen, keinen allgemeinen Konsens finden können.
      Sicher nicht. Denn dann hätte es kurz danach keine zwei verheerenden Weltkriege geben dürfen. Und Arnold Toynbee fand A. Hitler - zumindest anfangs - so spannend, dass er ihm einen Besuch in Berlin abstattete, ohne ihn zu ermorden.
      Für mich beginnt die Moderne für jeden einzelnen Menschen dann, wenn er gelernt hat, erst vernünftig nachzudenken und dann verantwortlich zu handeln. Und darum geht es meinem Empfinden nach in dieser Oper. Und es ist keineswegs nur Hoffmann, der zu lernen hat, doch die anderen Figuren wie Lindorf, Mirakel etc., Spalanzani, Giulietta etc. dienen ja wohl eher als Symbolfiguren für ihre jeweilige Geisteshaltung.
      Ich gebe natürlich zu, dass verantwortungsvolles und reflektiertes Handeln vielen Zeitgenossen und Zeitgenossinnen höchst langweilig vorkommen mag. Man erlaube mir, solche Zeitgenossen und -Innen als prämodern einzuordnen.
    • Moderner "Hoffmann"

      Möchte alle Freunde dieser Oper, die in Süddeutschland, Westösterreich und der Schweiz leben, auf eine moderne Interpretation dieser Oper hinweisen, die am 19.3. in Winterthur (nördlich von Zürich) Premiere hat. Es handelt sich um ein Gastspiel des Theaters Magdeburg, Regie Christian von Götz. Details unter "http://theater.winterthur.ch/spielplan/detail/tstueck/hoffmanns-erzaehlungen" Besprechung unter "www.myway.de/hoffmann/1112-magdeburg.html"
      Ich bin am 19.3. dort und würde mich freuen, dort ein paar Capricciose und Capricciosi kennenlernen zu können.
    • hoffmann schrieb:

      Dann wünsche ich gleich schon mal einen schönen Hörgenuss.

      Vielen Dank, den werde ich sicher haben! Es ist bereits mein dritter Besuch in der Bielefelder Oper, und musikalisch bin ich dort bisher nie enttäuscht worden.
      Nur die Organisation war dieses Mal besonders kompliziert, Schienenersatzverkehr. ;(

      hoffmann schrieb:

      Ich fragte sie, ob sie ihre Stimme Richtung Alt getrimmt habe, und sie meinte, das sei geschehen.

      Okay, dann nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil. Frau Forgeron selber wird ja am besten wissen, wohin sich ihre stimme entwickelt.

      hoffmann schrieb:

      Das schließt natürlich nicht aus, dass sie ihren Stimmumfang auch nach oben erweitert hat.

      Ich denke, das ist auf jeden Fall geschehen. Sie singt ja relativ viel hochgelagerte Mezzosopranpartien bis hin zu reinen Sopranrollen wie eben der Donna Elvira.

      hoffmann schrieb:

      Bin gespannt, was Sie zu der Bielefelder Inszenierung sagen. Für einige Traditionalisten mag die schon gewöhnungsbedürftig sein. Ich fand sie anregend, wenn ich auch den Schluss mit dem toten Hoffmann ablehne.

      Ja, auf die Inszenierung bin ich auch gespannt. Immer wenn ich bisher in Bielefeld war, hat die Operndirektorin Helen Malkowsky selbst inszeniert. Ihre "Salome" fand ich streitbar, aber in ordnung, ihr "Don Giovanni" war ein einsamer Tiefpunkt meiner Opernerfahrung. Jetzt bin ich auf den "Hoffmann" natürlich sehr gespannt. die lokalen Tageszeitungen haben ihn sehr gut besprochen, die Resonanz beim Publikum scheint auch gut zu sein, es wurden noch zusätzliche Vorstellungen angesetzt.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Geniale Neuinterpretation der Oper Hoffmanns Erzählungen

      @Cherubino

      Habe am Dienstag den Magdeburger Hoffmann von Regisseur Christian von Götz zum zweiten Mal als Gastspiel im Theater Winterthur gesehen. Er wird am Sonntag, 7. April zum letzten Mal gespielt. Hoffmanns Erlebnisse werden als Konflikt zwischen der Muse und Stella interpretiert. Zu Beginn wird Stella von einer vermummten Person erdolcht. Dann berichtet Hoffmann in Rückblende seine Erlebnisse. Zum Schluss stellt sich heraus, dass die Muse Stella ermordet hat, um Hoffmann dem verderblichen Einfluss der flatterhaften Stella zu entziehen. Auch musikalisch und stimmlich ist alles bestens. Zum Theater Magdeburg: "http://www.theater-magdeburg.de/front_content.php?idart=6772"
      Besprechung unter "www.myway.de/hoffmann/1112-magdeburg.html" und "www.myway.de/hoffmann/1213-winterthur.html" :L:

      Lieber hoffmann, beachte bitte die geltenden Regelungen für Verlinkungen - die Links wurden deaktiviert, Caesar73 :jc:


      Wer im Einzugsgebiet Magdeburgs lebt, sollte diese einfallsreiche und kongeniale Interpretation nicht versäumen.
    • Lieber hoffmann,

      vielen Dank für den Hinweis, das ist ja in der Tat eine spannende Wendung, dass die Muse Stella ermordet, da muss man erst mal darauf kommen. Leider ist Magdeburg nicht in meiner Nähe, aber man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben, dass so etwas mal gesendet wird statt der immer gleichen Uralt - Fassungen mit großen Sänger-Namen.
      Immerhin habe ich jetzt den Hoffmann aus dem Liceu als Video-Aufzeichnung vorliegen und muss sagen, dass mich neben dem hervorragenden Musiker-Ensemble auch die Inszenierung sehr beeindruckt hat.
      Danke auch für die Links, ich werde mir umgehend die Berichte durchlesen.

      Gleichzeitig möchte ich seine hervorragende Seite, die hoffmann hier zitiert, nochmals extra hervorheben (Startseite: "http://www.myway.de/hoffmann/")
      Unser Freund hoffmann besucht seit Jahren europaweit alle erreichbaren Inszenierungen und gestaltet sehr ausführliche, lesenswerte Besprechungen mit Fotos, Anekdoten und Hintergrundinformationen. Ein hochinteressantes Online-Kompendium für jeden Offenbach- bzw. Hoffmann-Interessierten.

      viele Grüße

      :wink:
      „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
      Herbert von Karajan


      „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
      Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.
    • Am Samstag war ich nun in Bielefeld und habe "Les contes d´ Hoffmann" gesehen. Die Inszenierung hat mir gut gefallen, trotz der gelegentlichen Verkomplizierungen und Logik-Schwächen war es eine spannende, handlungsreiche Produktion mit liebevoll gearbeiteten Details. Auch musikalisch war alles zum besten. Zurab Zurabishvili in der Titelrolle überzeugte mit strahelndem Tenorglanz, Tuomas Pursio als sein Gegenspieler mit staunenswertem Stimmumfang.
      Gespielt wurde natürlich die neue Kaye-Keck-Fassung, an ein paar Stellen habe ich mich aber gewundert: "Scintille diamant" blieb drin, wurde aber mit völlig anderem Text von Coppelius gesungen (im Giulietta-Akt stand "Touren, tourne miroir). Der Giulietta-Akt war im Vergleich zu den anderen beiden Binnen-Erzählungen unverhältnismäßig kurz (Olympia und Antonia jeweils 50-60 Minuten, Giulietta etwa 20-25). Die schlussapotheose habe ich bisher auf keiner Aufnahme gehört, fand sie aber einen Großartigen Schlusseffekt. Dafür viel fast der komplette Rest des 5. Aktes den Strichen der Regisseurin zum Opfer (eine Begegnung von Hoffmann und Stella passte nicht in ihr Konzept).

      Boris schrieb:

      das ist ja in der Tat eine spannende Wendung, dass die Muse Stella ermordet, da muss man erst mal darauf kommen.

      So drastisch wird das sicher nicht immer ausinszeniert, aber die Geschichte wird doch eigentlich immer als Kampf der Muse gegen Stella (und ihre alter egos) um Hoffmann gedeutet, oder nicht? Bei Malkowsky in Bielefeld hat die Muse Lindorf (in seinen wechselnden Gestalten) bestochen, um ihr die Frauen vom leibe zu schaffen.

      Boris schrieb:

      Leider ist Magdeburg nicht in meiner Nähe

      In meiner auch nicht, deshlab werde ich diese Produktion sicher nicht sehen. Aber der "Hoffmann" ist ja ein sehr viel gespieltes Stück, die Aufführung in Bielefeld war schon die zweite, die ich live gesehen habe, vor fünf Jahren statt Offenbachs opus magnum in Detmold auf dem Spielplan (in der Aufführung, die ich gesehen habe, mit Johannes Harten als Hoffmann, Andreas Jören in den Rollen der Bösewichter und Hyun-Ju Park, Julia Borchert und Brigitte Bauma als die drei Geliebten).
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • "Scintille diamant" blieb drin, wurde aber mit völlig anderem Text von
      Coppelius gesungen (im Giulietta-Akt stand "Tourne, tourne miroir).
      Helen Malkowsky hat schon kräftig am Libretto gebastelt. Soll ihr gutes Recht sein. Sie hat aber nicht alles richtig verstanden, z.B. den Schluss.
      Um die Spiegel- oder Diamantenarie gibt es einige Kontroversen. Die traditionelle Spiegelarie (mit der eher langsamen, rhythmisch-gleichförmigen Melodie) stammt definitiv nicht von Jacques Offenbach, geht aber in großen Teilen auf die Ouverture von Jacques Offenbachs Operette Die Reise zum Mond zurück. Sie wurde 1907 von André Bloch (1973 - 1960) für eine Inszenierung an der Oper von Monaco (gleich am Spielcasino) komponiert und wurde Bestandteil der Choudens-Version, die hinfort als einzige gespielt wurde. Erst ab 1975 arbeitete man systematisch an der Wiederherstellung der ursprünglichen Fassung der Oper. (Almeida, Heinzelmann, Oeser, Kaye und Keck) Diese eingängige Kuckucks-Melodie wird von vielen Freunden dieser Oper als integraler Bestandteil derselben angesehen. Sie ist auch bei Sängern beliebt, weil sie einfach zu singen ist und immer Applaus bringt. Ich habe schon mehrfach erlebt, dass Zuschauer auf Premierenfeiern wütend bei Dirigenten und Regisseuren protestierten, dass man sie gestrichen hatte. Naja, zahlreiche Bayern würden auch protestieren, wenn man ihnen den Feiertag der Immaculata Mariae Conceptio im August streichen würde, obwohl darüber nichts in der Bibel steht.
      Nun gibt es aber eine Originalmelodie der Diamantenarie des Dapertutto, die von Jacques Offenbach selbst stammt, aber verlorengegangen und wiederentdeckt worden war. Mir gefällt sie besser als die Bloch´sche, weil sie abwechlsungsreicher ist, dafür aber nicht so eingängig. Es gibt nur wenige Aufnahmen auf YT, hier eine: "http://www.youtube.com/watch?v=woXjP3di2BA"
      Da aber manche Dramaturgen dem Publikum diese Bloch´sche Spiegelarie nicht vorenthalten wollen, spielt man sie kurz an, wie z.B. im Magdeburger Hoffmann oder lässt sie als Umbaumusik vor dem Vorghang singen wie am Theater an der Wien vor einem Jahr (Inszenierung William Friedkin). Oft wird sie auch in eine Kaye-keck-Version reingepackt, in der sie nun wirklich nichts zu suchen hat. Auf der Einspielung von Cambrelings Hoffmann (Oeser-Version) wird sie hintendran gehängt, wie auch das Sextett mit Chor.
    • Lieber Hoffmann, ich kenne natürlich "Scintille diamant", ich weiß, dass diese Arie nicht von Offnebach stammt, dass sie für die Produktion in Monte Carlo von Bloch nachkomponiert worden ist und dass sie deshalb in den neueren Editionen (vor allem Kaye-Keck) eben natürlich herausfällt. Ich weiß auch, dass diese Arie zu den beliebtesten Nummern der Oper zählt (was ich im gegensatz zu Areios) gut nachvollziehen kann :wink: ) und dass sie deshalb häufig auch bei Aufführungen, die der neuen kritischen Edition folgen, gespielt oder gesungen wird. So war das zum Beispiel, meine ich mich zu erinnern, auch bei der erwähnten Detmolder Inszenierung, wo der fabelhafte Bariton Andreas Jören als Dapertutto diese Arie sang.
      In Bielefeld hat man aber das originale "Torne, tourne miroir" für Dapertutto belassen. Eine nachvollziehbare Entscheidung, wenn man dem neuesten Stand der Editionsphilologie folgen möchte. Wie kommt es dann aber, dass "Scintille diamant" mit einem anderen Text von Coppelius gesungen wird? Wer hat diese Arie neu textiert, wer ist auf die Idee gekommen, sie in einen anderen Akt zu verschieben und wird das häufig gemacht?
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde