Schubert: "Des Teufels Lustschloss" - Mainfrankentheater Würzburg, 16.02.2013

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    • Schubert: "Des Teufels Lustschloss" - Mainfrankentheater Würzburg, 16.02.2013

      Ein eher zweifelhaftes Vergnügen erwartet den geneigten Zuschauer bei der neuesten Opern-Ausgrabung des Mainfrankentheaters in Würzburg, Schuberts Jugendoper "Des Teufels Lustschloss" (1813/14, szenische Uraufführung erst 1978). Schubert schrieb diese im Stile eines Oxymorons untertitelte "natürliche Zauberoper" mit 16 Jahren auf ein Libretto von August von Kotzebue. Während die skurrile Handlung (ein frisch gebackener Bräutigam muss sich in einem Zauberschloss diversen Prüfungen unterziehen, um sich gegenüber dem Onkel seiner Braut als würdig zu beweisen) bei Kotzebue mit einem ironischen Augenzwinkern erzählt wird, so begegnete der junge Komponist dem Stoff mit romantischem Ernst. Schubert und sein Musiktheater warten ja schon länger auf die Erlösung - sie werden weiter warten müssen. Regisseur Peter Pachl hat nicht nur die Dialoge aus dem eigentlichen Singspiel gestrichen, sondern erzählt auch eine Geschichte, die mit der Vorlage nur noch wenig gemeinsam hat. Da büchst der delirierende, todkranke Schubert aus dem Hospiz in Richtung Wiener Wurstelprater aus und erlebt dabei allerhand tolles Treiben, bis man ihn schließlich wieder einfängt und unter Drogen gesetzt vor den Augen seines Freundes Franz von Schober (der beispielsweise die Dichtung zu Schuberts "An die Musik" schrieb) dem Ende entgegendämmern lässt. Die radikale Umdeutung der Handlung in Richtung eines biographischen Schwanengesangs auf den Komponisten hat zwar ein paar im Grunde interessante Ansatzpunkte (Verknüpfung von Schuberts Jugendwerk mit seinem Tod, das Zauberschloss als Jahrmarkt mit allerhand "magischer" Attraktionen), verliert sich jedoch in der theaterpraktischen Umsetzung gnadenlos in einer atemlosen, aktionistischen Materialschlacht, der es an Klarheit und Fokus fehlt und bei der man sich zum Schluss nur noch fragt, was denn nun als nächstes aus dem Schnürboden herabfährt und was wieder hinauf. Da sehnte man sich doch nach Hermann Schneiders minimalistischem "Tristan" aus der letzten Spielzeit! Denn selbst wenn hin und wieder interessante Bilder mit Potential gelingen, so sind das Momentaufnahmen, die nächste Geschmacklosigkeit biegt schon um die Ecke ... Leider schien auch der ansonsten sehr zuverlässige Würzburger Klangkörper um Enrico Calesso etwas neben der Spur. Bereits in der Ouvertüre gab es merklich falsch intonierendes Blech und selbst das über weite Strecken eher zähflüssige Dirigat konnte nicht verhindern, dass Graben und Bühne vor allem im ersten Akt des öfteren nebeneinander her musizierten. Zumindest bei den Sängern gab es Lichtblicke. Nicht unbedingt in Gestalt von Erik Fenton in der Titelrolle, der zwar über einen durchschlagskräftigen Tenor verfügt, dessen undifferenziertes Dauer-Forte jedoch bald ermüdete und der es leider überhaupt nicht schaffte, Sympathie für seine Figur zu wecken. Dafür konnten Daniel Fiolka und vor allem Silke Evers überzeugen. Für einen erfüllten Musiktheaterabend reichte das aber nur leidlich aus ...

      DiO :beatnik:
    • Diabolus in Opera schrieb:

      Regisseur Peter Pachl hat nicht nur die Dialoge aus dem eigentlichen Singspiel gestrichen


      Vielleicht ist das eine Reaktion auf die Inszenierung von "Der Trank der Unsterblichkeit" in Erfurt in der vergangenen Saison. Dort hatte Pachl die Uraufführung dieser Oper von ETA Hoffmann durch breiteste Dialoge so in die Länge gezogen, dass das Publikum schon allein davon ermüdet und gelangweilt war. Der Regisseur griff dann selbst zum Rotstift und kürzte ordentlich - was zwar zu einer etwas kürzeren, zweiten Vorstellung führte, aber nicht unbedingt dem Handlungsverlauf förderlich war. Dass alle Sänger/innen auch noch mikrophoniert werden mussten, damit die Dialoge überhaupt im Zuschauerraum ankamen, machte die Sache nicht besser (von den Umstellungsschwierigkeiten, wenn dann die Mikrophone beim Einsetzen des Gesanges, abgeschaltet werden mussten, ganz zu schweigen). Die Produktion fand ich insgesamt enttäuschend - weder lohnte das Stück, noch die Musik und die Regie bewegte sich zwischen Albernheiten, verklemmter Erotik und etlichen Hilflosigkeiten. Letztendlich war diese Erfahrung in Erfurt der Grund dafür, dass ich nach längerem Überlegen auf einen Besuch in Würzburg verzichtet habe. Wobei ich das, was DIO hier berichtet, zumindest vom Ansatz her interessant finde.
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