Klassikradio - Pro/Contra

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    • ralphb schrieb:

      Und Orgelmusik müsste doch gerade attraktiv sein, weil sie hinsichtlich der Lautstärke einheitlicher und weniger überraschend ist.

      Stimmt auch. Hier ist vielleicht noch mehr als z.B. bei Klaviermusik ein Vorurteil bzw. das Image, was viele Leute abhält. Ich könnte mir vorstellen, dass romantische und moderne Orgelmusik aus Frankreich mehr Leute anspräche, wenn sie nur mal bekannter wäre.

      Komisch, zum 2. Mal kommt es mir so vor, als ob man mit französischem Repertoire mehr Leute von der Klassik überzeugen könnte. Vielleicht startet das eine oder andere Klassik-Radio ja mal ne Frankreich-Woche.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • FairyQueen schrieb:

      Hier in Frankreich gibt es einen Sender, der genau dem Bild, das El Duderino entworfen hat entspricht: Radio classique. Dort bekommt man zwischen Werbespots leicht verdauliche Klassikhits serviert, gut gemacht, aber eben häppchenweise und ncihts zu Kompliziertes. Ich höre das hin und wieder , wenn ich entspannen muss und den Kopf nciht frei habe, um mich wirklich zu konzentrieren.
      Ist ein internationales Konzept. Hier heißt es "Klassikradio" und mein Taxifahrer, der wohl bemerkt hat, daß ich klassische Musik-CDs habe, schaltet es ein, wenn er mich fährt. Wenn man um 05:30 zum Hauptbahnhof im Taxi fährt ist es allemals besser als Radio Fantasy, zu Hause habe ich es nicht mal in meinem Empfänger gespeichert.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Tyras schrieb:

      Das ist vielleicht so ähnlich wie scharfes Essen in Dosen.


      Super Vergleich. :thumbsup:

      Peter Brixius schrieb:

      Aber auch die Lektüre eines "leichten" Buches verlangt etwas ab - der Unterschied besteht doch in der Regel, dass das eine die Zeit vertreiben soll, ich beim anderen noch einen Nutzen erwarte. Wenn ich meine Freizeit immer mehr mit Nutzlosem vollstopfe, dann könnte man von einer geistigen Verarmung sprechen.


      Das ist m. E. der springende Punkt.

      Es liest ja auch niemand ein leichtes Buch "im Hintergrund". Ein geradezu grotesker Gedanke, es wäre populär, geistesabwesend auf ein Buch zu starren, um sich an der sinnlichen Schönheit der gedruckten Schrift zu ergötzen.

      Durch den medialen Alltag und dessen Dauerbeschallung ist man permanent einer so großen Informationsdichte ausgesetzt, dass zwangsläufig die einzelnen Informationen allein durch die Rezeptionsweise zum "Nutzlosen" (der Begriff mit seinem utilitaristischen Touch ist vielleicht nicht der glücklichste) verkommen müssen. Das Material (es kann noch so anspruchsvoll sein, sei es etwa ein Mozartrequiem: beliebt, um in Werbespots Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen) ist dem Medium hilflos ausgesetzt. Insofern ist geistige Verarmung vorprogrammiert...
    • Leider weicht unser hiesiger, eigentlich sehr guter Klassiksender SR2 Kulturradio immer mehr in dieser Richtung auf; gerade morgens hat man wohl die Philosophie, dass "schwere Klassik" am Morgen zu unverdaulich sei und mischt das fröhlich mit Crossover und Mainstream-Popsongs (!) so dass man bisweilen meint, man hätte irgendeinen normalen Rock/Pop-Dudel-Sender erwischt.
      Für mich ist das schwerer verdaulich, gerade morgens, als jede Klassik...
      Ganz schlimm finde ich auch diese Häppchen-Methode, ein Satz aus einer Symphonie, dann eine Arie, dann wieder der dritte Satz aus einem Quartett...
      ich möchte Werke am liebsten ganz hören, nicht nur ein Potpourri.
      :wacko:
      „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
      Herbert von Karajan


      „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
      Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.
    • Vielleicht ist SR2 sogar der Efinder des ogenannnten Crossover-Programms im Radio. Die machen das ja schließlich schon fast 30 Jahre in der Morgen- und später in der Abendmusik. Zu Anfang war das ja noch interessant. Allerdings driftet man wirklich immer mehr in den aktuellen Mainstream ab, so dass man wirklich meint, eher SR1 zu hören als ein Kulturradio. Aber vielleicht haben die ja auf dem Halberg nicht so ganz unrecht. Viele meiner Bekannten, deren Musikgeschmack eher in Richtung Pop und Rock geht, hören doch mal ganz gerne morgens und abends SR2.




      Gruß
      Josquin




      (Bruckners 5te ist zu jeder Zeit toll :rolleyes: )
    • Boris schrieb:

      Leider weicht unser hiesiger, eigentlich sehr guter Klassiksender SR2 Kulturradio immer mehr in dieser Richtung auf; gerade morgens hat man wohl die Philosophie, dass "schwere Klassik" am Morgen zu unverdaulich sei und mischt das fröhlich mit Crossover und Mainstream-Popsongs (!) so dass man bisweilen meint, man hätte irgendeinen normalen Rock/Pop-Dudel-Sender erwischt.
      Für mich ist das schwerer verdaulich, gerade morgens, als jede Klassik...
      Ganz schlimm finde ich auch diese Häppchen-Methode, ein Satz aus einer Symphonie, dann eine Arie, dann wieder der dritte Satz aus einem Quartett...
      ich möchte Werke am liebsten ganz hören, nicht nur ein Potpourri.
      :wacko:



      Hallo

      Da ich nicht so viel mit dem Wagen unterwegs bin höre ich nur bedingt Radio, dann nehme ich mir USB sticks mit. Aber wird das mal vergessen, dann ist es so wie du es beschreibst. Immer nur kurze Stücke, bei Klassik Radio noch die verdammte Werbung, da bin ich schon allergisch. Besonders ärgerlich wenn die Stücke dann noch nichtmal fertig gespielt werden und entweder Werbung oder sinnloses Geschwafel kommt. Aber wenn ich den Wagen nehmen muss fährt zu 99% meine Frau, und noch ein Vorteil ich kann sehr gut dabei schlafen. Sitzheizung und meine Seite etwas wärmer und schon bin ich weg :thumbup: Werde dann nur wach wenn der Hund mal raus muss, oder eine Zigarette angesagt oder ist, denn im Wagen wird nicht geraucht. Oder der ruft :tee: Leider kann ich schlecht beim Autofahren lesen mir wird es übel, oder es liegt am Tempo denn meine Frau fährt gern sehr schnell? ?(

      LG Noch einen schönen Ostertag Dirigent :wink:
      Die Kunst zu wissen, wann man das Orchester nicht stören soll.
      Herbert von Karajan (1908-1989)
    • Ich verstehe nicht so ganz, worauf der Thread hinaus will. Die Sonderstellung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die hier vehement und zu Recht eingefordert wird, hat doch gar keiner angetastet. Auch weiterhin wird es anspruchsvolle Sendungen geben, die teuer produziert sind und von einer absoluten Minderheit gehört werden. Den heiligen "Bildungsauftrag" vergisst ja niemand. (...wenn ich nicht wüsste, dass Klassik Spaß macht, würde ich in dieser Debatte zu zweifeln beginnen..)

      Daneben etabliert sich gerade das Angebot von "privat" klingenden Sendungen, die auf "Quote schielen" (letztlich also einfach gucken, dass das, was sie machen, auch jemanden interessiert). Das ist für private Sender unerlässlich und aus vielen Gründen (Ansprechen neuer Hörerschichten, Veränderung des alten "Klassik"-Begriffs, etc.) auch für Teile des öffentlich-rechtlichen Programms sinnvoll.

      Ein Problem erkenne ich dabei nicht. Natürlich gibt es die Verfechter der Hochkultur, die sich tatsächlich wundern, dass Menschen in ihrer Freizeit entspannen und nicht unerlässlich ihren Horizont erweitern wollen, dass sie, polemisch gesprochen, nicht dem "noblen Verein der Hochkultur" beitreten wollen. In keinem einzigen von einigen Seminaren, die ich zur Klassikvermittlung besucht habe, hat jemand Wert auf missionarischen Eifer gelegt. Jedem ist seine Liebe zur Klassik unbenommen, aber auch ich kenne die Qual, wenn einen jemand krampfhaft bekehren möchte. Das funzt nicht und wird dementsprechend auch weder in der Radio-, noch in der Festival- oder Konzert-Praxis angewandt. Stattdessen versucht man z.Z. eben oft, den Leuten einen Einstieg zu ermöglichen und sie emotional direkt anzusprechen, und das ist mit Kagel oder zwei Stunden Analyse nun mal schwierig. Statt wieder mal den Untergang zu beschwören, wäre eine viel sinnvollere Frage, wie man diesen Einstieg gut und sinnvoll gestalten könnte!

      Ich fände es auch schön, wenn man öfter tiefer in die Sache einsteigen könnte. Aber dazu fehlen derzeit einfach die Hörer. Vielleicht ist es in zehn Jahren wieder besser bestellt, dann übrigens dank der Leute, die im "Stirbt das Klassik-Publikum..?"-Thread noch als Kultur-Paranoiker abgetan wurden...
    • Peter Brixius schrieb:

      Wo, liebe Tyras, habe ich Dir Anlass gegeben, persönlich zu werden? Die Berechtigung von kommerziellen Klassiksender habe ich nicht in Zweifel gesetzt, ich habe nur daneben den Bildungsauftrag des öffentlich rechltichen Bereiches bekräftigt und verteidigt.


      Das sollte kein persönlicher Angriff sein. Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich Dich falsch verstanden habe.

      Bei Tamino war ich übrigens der 'Kontrapunkt', hier bin ich der 'Tyras'.

      Also geht es doch um Anstrengung. Selbst aus dem sportlichen Bereich ist doch nicht unbekannt, dass es gerade die Anstrengung ist, die das Vergnügen an einer Sache erhöht. Wenn ich abends im Schachklub sitze und an einem Turnier teilnehme, geht es nicht um Pflichtübung, sondern um ein vergnügliches Messen des Geistes. Andere wieder tummeln sich lieber im Sportstudio ... aber eine aktive Gestaltung der Freizeit ist doch kein Fehler.

      Das gilt doch wohl auch im geistigen Bereich , vom kleinen Soduku bis hin zu der Lektüre eines anspruchsvollen Buches. Aber auch die Lektüre eines "leichten" Buches verlangt etwas ab - der Unterschied besteht doch in der Regel, dass das eine die Zeit vertreiben soll, ich beim anderen noch einen Nutzen erwarte. Wenn ich meine Freizeit immer mehr mit Nutzlosem vollstopfe, dann könnte man von einer geistigen Verarmung sprechen.


      Ja, Freizeitaktivitäten sind nicht unbedingt das Gegenteil von Anstrengung. Aber manche kommen abends nach Hause und wenden sich lieber dem Fernsehen und dem Feierabend-Bier zu als der jüngst komplettierten Bruckner 9.
      Mit dem Nutzen ist es natürlich schwierig, denn die Beschäftigung mit Hochkultur wurde ja früher gegen den Nutzen als Selbstzweck definiert. Und Zeitvertreib kann man auch als Nutzen ansehen.

      Aber um die ging es mir weniger als darum, dass geistige Schätze, die uns zur Verfügung stehen, nicht mehr gehoben werden, weil niemand auf sie hinweist. Niemand ist doch gezwungen, geistige Arbeit in seiner Freizeit zu leisten. Vorteile bringt es mE aber mit sich, nicht zuletzt für das, was man persönliche Bildung nennt: die Entwicklung der eigenen geistigen und emotionalen Fähigkeiten.


      Das kann man als zirkulär missverstehen, so als würden diese Fähigkeiten noch für etwas anderes gebraucht. Idealerweise handelt es sich um eine Betätigung, bei der sich auf Dauer auch eine Verbesserung der erforderlichen Fähigkeiten ergibt. Ich würde das Ganze eher als Verfeinerung oder Steigerung des Genusses beschreiben. So verstehe ich Götz Alsmanns Bonmot: "Wer übt, kann nix." oder die 'genialen Dilletanten' der 80er.

      Irgendwie klingen deine Ausführungen viel mehr nach Pflicht als nach Neigung.


      Ich weiß nicht, wer da Dein Informant ist, aber Du könntest nicht mehr daneben liegen (da kannst Du alle fragen, die mich aus persönlicher Begegnung kennen): Musik ist meine Leidenschaft, in ihr kann ich "aufgehen", sie beschenkt mich überreich. Es sind Momente höchster Glückserfüllung, intensiven Erlebens, magischer Konzentration - Vergegenwärtigung von purer Schönheit. Wenn Du mal einen Beitrag von mir über Gluck gelesen hättest, so hätte Dir die Begeisterung als erstes ins Auge springen müssen (da gilt auch für meine Beschäftigung mit Literatur). Ich finde Deine Unterstellung geradezu beleidigend.


      Beleidigung war nicht meine Absicht. War nur mein Eindruck, dann lag ich wohl falsch.

      Wenn das für mich so wäre, hätte ich an "schwerer" Klassik kein Interesse. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, eine Musik, die mir zunächst nicht gefällt oder nichts sagt, mehrmals zu hören. Da ist Spaß oder Unterhaltung im weitesten Sinne letztlich doch das Ziel.


      Unglaublich. Ich bin derselben Meinung, was das Mehrfachhören angeht. Und was soll dabei Spaß sein, etwas mehrfach zu hören? Anders: Wann macht es Spaß auch etwas Nichtssagendes mehrfach zu hören? Zum einen brauche ich die Information, dass die Sache so nichtssagend nicht ist, dass es meine Rezeption ist, die da Probleme bereitet. Ja, und dann brauche ich tatsächlich Mehraufwand, etwa an Konzentration, evt. die Noten, weitere Informationen usw. Was hat das mit "Neigung" (seltsames Wort) zu tun? Die kann dann doch allenfalls erst entstehen.


      So ist es aber nicht unbedingt. Denn man kann nicht alles gleich gut kennenlernen. Viele schwärmen z.B. von Brittens War Requiem, aber für mich ist das wahrscheinlich nichts. Ich werde mir das weiterhin ab und zu anhören, aber große Neigung mich dahinterzuklemmen habe ich nicht. Schostakowitschs 4te gefiel gleich viel besser. Und bei Haydns Sinfonien bin ich mir sicher, mehr für mich entdecken zu können. Ist halt ne pragmatische Entscheidung.

      Du magst ein durchaus richtiges Verständnis der Sache haben, ich kenne Dich nicht und weiß das nicht zu beurteilen. Aber was gibt Dir das Recht, mir hier Dinge zu unterstellen? Nur weil ich in der Regel lieber Zimmermanns Trompetenkonzert als Suppés Leichte Kavallerie höre? Und mit Friedell lieber Offenbach als Strauß ...


      Operette hat auch bei mir keine hohe Priorität, wobei ja in der Schönberg-Schule sowohl Strauß als auch Offenbach in hohem Ansehen standen. Da greife ich auch lieber zu B.A. Zimmermann.

      Und moralisch gewertet habe ich auch nicht - was hat die Schlechtigkeit des Menschen mit der Kunst zu tun? Außerordentlich schlechte Menschen konnten einen ausgezeichneten Musikgeschmack haben, die Schlächter des dritten Reiches im stillvergnügten Streichquartett Seligkeit erfühlen. Natürlich können auch gute Menschen gute Musik genießen - aber eine zwingende Verbindung (das Thema gab es doch mal bei Tamino: Macht klassische Musik mich zu einem besseren Menschen? oder so ähnlich) gibt es eben auch nicht


      Dann bleibt mir nur, mit Helge Schneider zu sagen: "Ich habe mich vertan."

      Wer den ganzen Tag Plastikmusik hört, ist deshalb meiner Meinung nach kein schlechter Mensch. Und ich werde keinem vorschreiben, wie er seine Freizeit gestaltet. Ich möchte nur, dass Klassikfreunde auch weiterhin die Möglichkeit haben, sie so zu gestalten, wie sie es Dank der Medien heute noch können.


      Der Begriff "Plastikmusik" lässt mich nicht so sehr an schlechte Pop-Musik denken, sondern eher an L'art-pour-l'art-Welten à la Busoni, Schönberg oder Cage.

      Irgendwelche persönlichen Rückschlüsse verbete ich mir.


      Um Rückschlüsse auf Deine Person ging es mir nicht, sondern um Positionen.

      :wink:
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • El Duderino schrieb:

      Ich fände es auch schön, wenn man öfter tiefer in die Sache einsteigen könnte. Aber dazu fehlen derzeit einfach die Hörer.


      Sehr gut finde ich auch, wenn in Pop & Rock tiefer eingestiegen wird. Da gibt es doch diesen phänomenalen "Pop-Kocher", bei dem wöchentlich ein Stück auseinandergenommen wird. Die Frage: Was passiert da eigentlich? wird ja viel zu wenig gestellt.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • El Duderino schrieb:

      Ich verstehe nicht so ganz, worauf der Thread hinaus will. Die Sonderstellung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die hier vehement und zu Recht eingefordert wird, hat doch gar keiner angetastet. Auch weiterhin wird es anspruchsvolle Sendungen geben, die teuer produziert sind und von einer absoluten Minderheit gehört werden. Den heiligen "Bildungsauftrag" vergisst ja niemand. (...wenn ich nicht wüsste, dass Klassik Spaß macht, würde ich in dieser Debatte zu zweifeln beginnen..)


      Es kommt immer auf den einzelnen an. Beim SWR (Musik kommentiert) habe ich einige Dialoge (Moderator/Komponist) gehört, die mE deutlich über Allgemeinwissen hinausgreifen. Da brauchte ich ein zweites und drittes Hören, wo es ging mit der Partitur dabei. Der Spaßfaktor war da erst mal gleich null. Aber mit der Zeit kam der, als ich anfing zu begreifen, worum es ging, Analyse und Argument nachvollziehen konnte, anfing mir meine eigenen Gedanken zu machen. Und dann machte es tatsächlich Spaß. Da es sich um Werke handelte, die mich interessierten, lohnte sich auch der Aufwand. So etwas ist sicher grenzwertig - und einen Wert hat es vermutlich nicht für viele. Da es sich aber nicht zuletzt um moderne Musik handelte, öffnete es auch Ohren für Möglichkeiten strukturellen Denkens, die sich beim Hören von Gegenwartsmusik nutzen ließen. Kein Spaß - doch, Spaß, Spaß mit einem Eintrittspreis ...

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Peter Brixius schrieb:

      Es kommt immer auf den einzelnen an. Beim SWR (Musik kommentiert) habe ich einige Dialoge (Moderator/Komponist) gehört, die mE deutlich über Allgemeinwissen hinausgreifen. Da brauchte ich ein zweites und drittes Hören, wo es ging mit der Partitur dabei. Der Spaßfaktor war da erst mal gleich null. Aber mit der Zeit kam der, als ich anfing zu begreifen, worum es ging, Analyse und Argument nachvollziehen konnte, anfing mir meine eigenen Gedanken zu machen. Und dann machte es tatsächlich Spaß. Da es sich um Werke handelte, die mich interessierten, lohnte sich auch der Aufwand. So etwas ist sicher grenzwertig - und einen Wert hat es vermutlich nicht für viele. Da es sich aber nicht zuletzt um moderne Musik handelte, öffnete es auch Ohren für Möglichkeiten strukturellen Denkens, die sich beim Hören von Gegenwartsmusik nutzen ließen. Kein Spaß - doch, Spaß, Spaß mit einem Eintrittspreis ...


      Wir wissen doch alle, wovon du sprichst. Aber mit dieser Verkündigung holt man eben kaum einen Einsteiger hinter dem Ofen vor. Die Kirche verspricht mir sogar Seelenheil und trotzdem bin ich nicht dabei im Verein...
    • El Duderino schrieb:


      Daneben etabliert sich gerade das Angebot von "privat" klingenden Sendungen, die auf "Quote schielen" (letztlich also einfach gucken, dass das, was sie machen, auch jemanden interessiert). Das ist für private Sender unerlässlich und aus vielen Gründen (Ansprechen neuer Hörerschichten, Veränderung des alten "Klassik"-Begriffs, etc.) auch für Teile des öffentlich-rechtlichen Programms sinnvoll.

      M.E. ist es nicht sinnvoll, wenn die ÖR weitestgehend etwas verdoppeln, was es ebenso von privaten Sendern gibt. Am schlimmsten ist das natürlich im Fernsehen, wo Milliarden der Zwangsgebühren für den letzten Mist verbraten werden. Konsequent wäre dann m.E. den ÖR Rundfunk ganz abzuschaffen (oder massiv zu verkleinern).
      Einer der Gründe, warum ich trotz neuer Zwangsgebühr nicht Amok laufe, ist, dass ich mir einrede, dass wenigstens noch ein paar Rundfunkorchester und vernünftige Radiosendungen davon finanziert, nicht nur Quizmaster von Privatsendern für volksverdummenden "Polit-Talk" abgeworben werden.
      Meines Wissens gab es so etwas wie "Klassik zum Aufwachen" oder "Lunchkonzert" schon vor 20 Jahren auf Sendern, die sonst hauptsächlich "ernste" Klassiksendungen brachten. Aber einen ÖR Sender zu finanzieren, der den ganzen Tag so was bringt, ist m.E. Veruntreuung (die auch nicht dadurch besser wird, dass beim TV noch mehr von den >200 EUR, die ich jedes Jahr zahlen muss, obwohl ich keinen TV habe, veruntreut wird).


      Ich fände es auch schön, wenn man öfter tiefer in die Sache einsteigen könnte. Aber dazu fehlen derzeit einfach die Hörer. Vielleicht ist es in zehn Jahren wieder besser bestellt, dann übrigens dank der Leute, die im "Stirbt das Klassik-Publikum..?"-Thread noch als Kultur-Paranoiker abgetan wurden...

      Wieviele Hörer gab es denn vor gut 20 Jahren (als ich vergleichsweise viel Radio gehört habe) für diese Sendungen? Waren das überhaupt und wirklich so viel mehr? Wie genau weiß man das überhaupt? (Du hast oben die Untersuchungsmethoden zu recht in Zweifel gezogen.)
      Sind die seither alle gestorben oder hören (wie ich) aus unterschiedlichen Gründen (u.a. weil sie inzwischen mehr als ein paar dutzend CDs besitzen) kaum mehr Radio hören.
      Man fragt sich allerdings, woher neue Hörer kommen sollen, wenn Klassik im Radio zunehmend und weitgehend "Klassik-Radio-Häppchen" bedeutet. Die Alternative wären ja nicht in erster Linie zweistündige Analysen der "Kunst der Fuge", sondern einfach ein breites gemischtes Programm unterschiedlicher Musik, normalerweise in vollständigen Werken oder ggf. sinnvollen/üblichen Ausschnitten.
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • Kater Murr schrieb:

      Zitat von »El Duderino«
      Man fragt sich allerdings, woher neue Hörer kommen sollen, wenn Klassik im Radio zunehmend und weitgehend "Klassik-Radio-Häppchen" bedeutet. Die Alternative wären ja nicht in erster Linie zweistündige Analysen der "Kunst der Fuge", sondern einfach ein breites gemischtes Programm unterschiedlicher Musik, normalerweise in vollständigen Werken oder ggf. sinnvollen/üblichen Ausschnitten.



      Plätze für Sendungen mit "breit gemischtem Programm" sind Einbahnstraßen :D . Dem Hörer im Kulturradio wird ein Musikmischmasch zugemutet ;+) . Warum diese Sendungen nicht ins Pop-Programm verschieben - mal schauen was dann passiert... ;+) - schließlich sitzt da ja die anvisierte Zielgruppe ^^ .
    • Um den Stein des Anstoßes zu benennen:

      El Duderino schrieb:

      Ich verdiene meine Brötchen bei einem öffentlich-rechtlichen Sender, der sich immer noch halbwegs Inhalte zutraut, zumindest zu später Stunde, wir haben laut Marktforschung einen Höreranteil innerhalb aller Wellen der gesamten Sendeanstalt von 1,3%!! Das ist ein Witz, der vor allem über Gebühren von der Allgemeinheit getragen wird! Sicher müssen Inhalte auch besser vermittelt werden, als das bisher getan wird. Aber eine 1-stündige Beethoven-Analyse würde auf gar keinen fruchtbaren Boden mehr fallen, da haben sich die Ansprüche an eine Klassik-Welle einfach geändert.

      Das führt letztlich wieder zu der großen Frage, wie man die Leute zur Klassik bewegt. Dafür haben wir hier ja andere Threads, wo aber eine große Gemütlichkeit verbreitet wird. ("Das Klassik-Publikum stirbt nicht aus" etc..)



      Du verdienst Deine Brötchen bei einem öffentlich rechtlichen Sender - und dann drücken Dich Markt-Anteile in einem Bereich, wo es um Qualität und nicht um Quantität geht? Es gibt eben Dinge, die außerhalb eines kommerziellen Senders ihre Bedeutung behalten - behalten müssen. Es ist ein kompliziertes Gleichgewicht, das sich da über die Jahre errichtet hat, da mögen viele Bedenken eine Rolle spielen, aber nicht der Aspekt des Marktanteils. Willst Du die Jüdische Gemeinde und ihre Traditionspflege wegen der Anzahl der Hörer aus dem Sender kugeln? In einem Kultursender geht es auch um die Alimentierung von künstlerichen Mit- und Zuarbeitern. Nicht wenige Kulturschaffende sind auf diese Art des staatlichen Mäzenatentums angewiesen. Es ist eben kein Witz, dass diese Ausgaben von der Allgemeinheit getragen werden, sondern zentraler Punkt des Staatsvertrages. Es werden immer öffentliche Mittel sein, die diese empfindliche, aber lebensnotwendige Region des Programms tragen. Die Eigengesetzlichkeit dieses Bereichs im Sinne einer marktorientierten Höreransprache aufzulösen, öffnet Schleusen, die in Konsequenz Barbarei bedeuten. Das, lieber Duderino, hat nichts mit Hochkultur und mit elitären Wünschen zu tun, sondern mit der notwendigen Repräsentanz von gesellschaftlichen Inhalten im öffentlichen Medium.

      Ein Aspekt ist sicher, nicht nur ein Bildungsangebot zu machen, sondern seine Nutzung anzuregen, bzw. zu ermöglichen. Aber es ist nicht die zentrale Aufgabe, da gibt es bessere didaktische Möglichkeiten etwa im Bereich der Schulen. Einführungs- und Orientierungssendungen gehören eher in den Bereich des niederschwelligen Angebots, da gebe ich meinen beiden Vorschreibern Recht.

      Nach dem Krieg war übrigens einmal der jetzt bedrohte Bereich (angeblich) die zentrale Aufgabe des Rundfunks. Die ganze braune Vergangenheit konnte man hinter den "Betern" und Kulturbeflissenen verbergen, denen es allein noch gelingen sollte ... Diese Not scheint nun fern - aber es gilt das, wie man diese Politik damals begründete: ein Bollwerk gegen die Barbarei.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Peter Brixius schrieb:

      Du verdienst Deine Brötchen bei einem öffentlich rechtlichen Sender - und dann drücken Dich Markt-Anteile in einem Bereich, wo es um Qualität und nicht um Quantität geht?
      Wahrscheinlich weil genausoviele wie er denken, kriegt man oft so'n Mist bei den ÖR Rundfunkanstalten gezapft, Tendenz (rapide) fallend. Und da sie Menschen mit so einer Einstellung beschäftigen, ist wohl keine Lösung in Sicht. Bayern ist mit BR-Klassik noch eine halbwegs intakte Insel der Glückseligen, ansonsten muß ich beklagen, daß das Minimalniveau, das NDR1 vor 20 Jahren erreicht hatte, inzwischen die Norm zu sein scheint und sogar noch unterschritten wird. Der SWR hat zwar noch interessante Sendungen, die aber zunehmend Ausnahmecharakter haben.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Klassikradio - Pro/Contra - natürlich PRO.

      Allerdings finde ich die Radiolandschaft - zersplittert wie auf dem Höhepunkt der deutschen Kleinstaaterei - wirklich nicht mehr zeitgmäßt und vor allem zu teuer. Was muss jedes noch so kleine Bundesland seine 3 - 5 Radiokanäle haben, zumal ja doch irgendwie überall fast der gleiche Senf präsentiert wird? Meiner Ansicht nach braucht es in Deutschland in jedem Bundesland nur ein Lokalradio. Der Rest der Spaten kann getrost bundesweit zusammengefasst werden, vielleicht etwa so: Pop, Rock, Kultur - Wort, Crossover, Klassikradio, Info-Kanal ... - Die eingesparten Kosten könnten dann in die Qualität gesteckt werden - natürlich vor allem bei Klassik, Kultur und Info - falls die Schaffenden dazu fähig sind... puh, das war jetzt aber genug Senf.


      Gruß
      Josquin
    • Kater Murr schrieb:

      M.E. ist es nicht sinnvoll, wenn die ÖR weitestgehend etwas verdoppeln, was es ebenso von privaten Sendern gibt. Am schlimmsten ist das natürlich im Fernsehen, wo Milliarden der Zwangsgebühren für den letzten Mist verbraten werden. Konsequent wäre dann m.E. den ÖR Rundfunk ganz abzuschaffen (oder massiv zu verkleinern).

      Da gibt es aber einen ganz entscheidenden Unterschied: Die Privaten versuchen ihren Gewinn zu maximieren (wobei das auch über Hörer-Beliebthheit funktioniert), die Öffentlich-rechtlichen versuchen, das ihnen anvertraute Geld so einzusetzen, dass ihre Hörer etwas davon haben, und zwar halbwegs fair aufgeteilt.
      Eine Frage, die man statt dem üblichen Lamento mal wirklich stellen sollte, ist, warum den ö-r-Sendern nix anderes eingefallen ist, als den privaten Sendern viel zu spät hinterher zu hoppeln. Warum fällt einem mit dem ganzen Geld, das einem ziemlich lange im Voraus zur Verfügung steht, mit wenigen Ausnahmen nichts besseres ein, als die "Immer-leichter-immer-seichter"-Schiene?

      Josquin schrieb:

      Allerdings finde ich die Radiolandschaft - zersplittert wie auf dem Höhepunkt der deutschen Kleinstaaterei - wirklich nicht mehr zeitgmäßt und vor allem zu teuer. Was muss jedes noch so kleine Bundesland seine 3 - 5 Radiokanäle haben, zumal ja doch irgendwie überall fast der gleiche Senf präsentiert wird?

      l-l

      Kater Murr schrieb:

      Wieviele Hörer gab es denn vor gut 20 Jahren (als ich vergleichsweise viel Radio gehört habe) für diese Sendungen? Waren das überhaupt und wirklich so viel mehr? Wie genau weiß man das überhaupt? (Du hast oben die Untersuchungsmethoden zu recht in Zweifel gezogen.)
      Sind die seither alle gestorben oder hören (wie ich) aus unterschiedlichen Gründen (u.a. weil sie inzwischen mehr als ein paar dutzend CDs besitzen) kaum mehr Radio hören.

      Dazu kenne ich auch keine Zahlen, zumal sie, wie erwähnt, eher mit Vorsicht zu genießen sind. Wenn ich in meinen Sendungen darauf hinweise, dass wir uns über Feedback per Mail oder Telefon freuen und Kritik umsetzen, ist die Reaktion gleich - null. Die Gewinnspiele gewinnen regelmäßig Dieter, Hannelore oder Hans. Das ist wunderbar, wir freuen uns über jeden Hörer. Aber man kann nur hoffen, dass die ihren Enkeln auch von uns erzählen.

      Kater Murr schrieb:

      Man fragt sich allerdings, woher neue Hörer kommen sollen, wenn Klassik im Radio zunehmend und weitgehend "Klassik-Radio-Häppchen" bedeutet. Die Alternative wären ja nicht in erster Linie zweistündige Analysen der "Kunst der Fuge", sondern einfach ein breites gemischtes Programm unterschiedlicher Musik, normalerweise in vollständigen Werken oder ggf. sinnvollen/üblichen Ausschnitten.

      Genau das senden wir. Komplette Werke oder ausnahmsweise Einzelsätze, wenn man dem Werk dadurch keine Gewalt antut. Meine Kollegen/ Kolleginnen und ich von der Moderation bemühen uns außerdem um eine spannende Musiksendung, die unterhaltsam und trotzdem fundiert ist. Höreranteil siehst du oben..