Klassikradio - Pro/Contra

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    • Na dann ist doch alles super. Man muss wohl nur den richtigen Sender finden!
      Dass andere Sender wie der im Eröffnungsbeitrag erwähnte der Gesellschaft ein verzerrtes Bild von Klassik vermitteln, welches dem Image der Musik schadet (nicht ohne Grund halten die meisten Jugendlichen Klassik für einschläfernde Seniorenmusik), ist zwar bedauerlich, muss man aber in einer Demokratie wohl akzeptieren, zumal wenn es sich um private Sender handelt.
    • ralphb schrieb:

      Na dann ist doch alles super. Man muss wohl nur den richtigen Sender finden!
      Dass andere Sender wie der im Eröffnungsbeitrag erwähnte der Gesellschaft ein verzerrtes Bild von Klassik vermitteln, welches dem Image der Musik schadet (nicht ohne Grund halten die meisten Jugendlichen Klassik für einschläfernde Seniorenmusik), ist zwar bedauerlich, muss man aber in einer Demokratie wohl akzeptieren, zumal wenn es sich um private Sender handelt.


      Du bist ein wenig schnell im Schlüsse ziehen. Ich bin das Stammtischgemampfe satt, das ohne sich einmal exemplarisch die Realität anzusehen, im Brustton seiner Überzeugung Allgemeinplätze verbreitet. Einem bestimmten Hörertyp kommt das Konzept des WDR entgegen. Damit kann man doch anfangen zu differenzieren statt zu polemisieren.

      Da haben doch meine Vorredner auf eine Thematik hingewiesen, die hier - ich schreibe es vorsichtig - versteckt ist. Im Moment wird beim WDR 3 mal wieder eine Strukturreform diskutiert: Was bleibt vom abgebildeten Gerippe dann übrig? Aber vor allem: Wie steht es mit den freien Mitarbeitern, die u.a. der regionalen Kulturszene angehören, und die um ihre zienlich kleinen Brötchen fürchten. Was wird wie in den erwähnten Kultursendungen abgedeckt? Über das politische Elend lasse ich mich schon überhaupt nicht mehr aus.

      Analytische Sendungen waren den ganzen Tag lang nicht vorhanden, sie findet man auch nicht so häufig (da hat etwa SWR die Nase vorne in meinem Vergleichsbereich).

      Statt sarkastisch zu werden, nur wenn ein erster Befund nicht passt, kann man doch in einem Diskussionsforum den Ball aufnahmen und weiterführen. Oder überfordert das inzwischen hier?

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Zwielicht schrieb:

      Ich bin verblüfft, mit welcher Nonchalance und Zustimmung hier die Zusammenlegung sämtlicher öffentlich-rechtlicher Klassik- bzw. Kultursender gefordert werden kann. Verbunden mit einer Fusionierung aller Rundfunkorchester zu einem GigaWeltklasseOrchester mit Sitz in zehn deutschen Städten? Für manche scheint die Musik wirklich nur noch ortlos aus dem CD-Player oder der W-Lan-Buchse zu kommen, ohne finanzierende Institutionen, aufs Geldverdienen angewiesene Musiker und zahlende Hörer (und mit letzteren meine nicht diejenigen, die mit 2,74 € für eine Gebraucht-CD einen Beitrag zum Kulturleben zu leisten vermeinen).

      Das Radioprogramm kommt bei / für mich tatsächlich ortlos aus der W-LAN-Buchse oder der Radioantenne. Den Funkmasten kenne ich auch noch. aber ob das Funkhaus mit den Studios und der entsprechenden Infrastruktur in Köln, Saarbrücken oder München steht, bekomme ich nicht mit und kann mir eigentlich auch gleichgültig sein. Deshalb hätte ich gegen eine Fusion von Klassiksendern prinzipiell auch nichts einzuwenden.
      Die Orchester und Kammermusikgruppen, die Live-Musik in die Breite unseres Landes tragen sind natürlich enorm wichtig. Ich halte es für unverzichtbar, auch in ländlicheren Regionen und abseits der drei größten deutschen Städte Livekonzerte besuchen zu können. Aber ein Rundfunkorchester hat sich hier in die Region noch nie verirrt und Köln und Hannover sind nicht so um die Ecke, dass mich (und die vielen anderen Klassikhörer hier in der Region) das betreffen würde.
      Kurz: Musik aus dem Radio ist natürlich ortlos, die Versorgung mit Live-Musik in der Breite hängt nicht von der Zahl der Radiosender ab.
      (Ich brauche auch nicht möglichst viele Fernsehsender, damit es vor Ort ein Sprech-Theater gibt.)
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • El Duderino schrieb:

      Dieser Thread hat (bei aller Verehrung gegenüber dem Thread-Starter ) bisher so wenig sinnvolle, konkrete Forderungen, die nicht längst irgendwo erfüllt werden, hervorgebracht, dass ich mich frage, ob hier nicht einfach ein bisschen gemotzt werden soll..


      Mit Sicherheit! In welchem Land der Welt gibt es auf die Bevölkerung gemessen so viele Kultur- und Klassikkanäle? Und Dank Satellit kann man ja inzwischen wunderbar auswählen.


      Gruß
      Josquin
    • Cherubino schrieb:

      Aber ein Rundfunkorchester hat sich hier in die Region noch nie verirrt und Köln und Hannover sind nicht so um die Ecke, dass mich (und die vielen anderen Klassikhörer hier in der Region) das betreffen würde.
      Kurz: Musik aus dem Radio ist natürlich ortlos, die Versorgung mit Live-Musik in der Breite hängt nicht von der Zahl der Radiosender ab.


      Natürlich verirrt sich das WDR Sinfonieorchester gelegentlich nach Westfalen. Es spielt regelmäßig im Dortmunder Konzerthaus. 2011 hat es in Bielefeld ein Konzert gegeben, 2009 fand das WDR-Musikfest in Münster statt, u.a. mit zwei Konzerten desselben Orchesters. 2008 spielte das WDR-Rundfunkorchester in Paderborn, 2012 die WDR Bigband. In Bielefeld finanziert der WDR eine regelmäßige Weltmusik-Reihe. Er überträgt außerdem in einer Reihe Konzerte mit regionalen Klangkörpern, u.a. noch vor wenigen Wochen einen Abend mit dem Bielefelder Sinfonieorchester. Übertragen werden auch Konzerte von der Paderborner Musica sacra. Die Wittener Tage für neue Kammermusik, über die schon mehrfach im Forum berichtet wurde, werden maßgeblich vom WDR mitfinanziert. Ebenso die Tage Alter Musik in Herne. Der WDR beteiligt sich an der Ausrichtung des Wettbewerbs „Musik gewinnt! – Musikalisches Leben an Schulen“, bei dem auch zwei westfälische Schulen Preise gewonnen haben. Und das sind nur ein paar Beispiele, von denen ich zufällig wusste oder die ich jetzt ergoogelt habe.

      Ansonsten hast Du meine Argumentation, ob absichtlich oder nicht, komplett missverstanden. Damit der "ortlose" Rundfunk Musik senden kann, muss diese erst einmal an konkreten Orten von konkreten Musikern und meist auch mit einem konkreten (zahlenden) Publikum gespielt werden. Und das geschieht zwar aus naheliegenden Gründen häufig an den Sitzen der Rundfunkanstalten, aber eben nicht nur. Der SWR z.B. fördert (noch!) nachhaltig das Musikleben nicht nur in Stuttgart, sondern auch in Freiburg, Baden-Baden, Karlsruhe, Mainz, Kaiserslautern (eine ganze Kammermusikreihe, die ich gelegentlich besuche). Und auch die zahlreichen Sitze (und "Nebensitze") der Rundfunkanstalten repräsentieren die "Breite" der Versorgung mit Musik. Abgesehen davon ist die Berichterstattung der Sender über lokale Kulturereignisse für Außenwirkung und Werbung sehr wichtig.

      Dass in Paderborn tote Hose ist, daran wird allerdings keine Rundfunkanstalt der Welt und noch nicht einmal der liebe Gott persönlich etwas ändern. :D


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Peter Brixius schrieb:

      Statt sarkastisch zu werden, nur wenn ein erster Befund nicht passt, kann man doch in einem Diskussionsforum den Ball aufnahmen und weiterführen. Oder überfordert das inzwischen hier?


      Das war gar nicht so sarkastisch gemeint. Man kann mich zu denen mit "purer Unkenntnis" zählen, ich bin dem Medium Radio schon daher nicht so zugeneigt, da ich Informationen viel besser visuell als auditiv aufnehme und gerne über die das Aufnahmetempo selbst bestimme, d. h.: lieber eine Analyse lese als sie mir im Radio anzuhören.
      Ursprünglich wollte ich nur mein Entsetzen darüber äußern, wie vor einer breiten Masse mit klassischer Musik umgegangen wird. Und über eine solche Programmgestaltung bin ich schon häufiger gestolpert. Dass es anscheinend noch immer sehr positive Gegenbeispiele gibt (welche sogar Bartok-Quartette unter's Volk bringen), freut mich wirklich sehr zu lesen!
    • Zwielicht schrieb:

      Ich bin verblüfft, mit welcher Nonchalance und Zustimmung hier die Zusammenlegung sämtlicher öffentlich-rechtlicher Klassik- bzw. Kultursender gefordert werden kann. Verbunden mit einer Fusionierung aller Rundfunkorchester zu einem GigaWeltklasseOrchester mit Sitz in zehn deutschen Städten? Für manche scheint die Musik wirklich nur noch ortlos aus dem CD-Player oder der W-Lan-Buchse zu kommen, ohne finanzierende Institutionen, aufs Geldverdienen angewiesene Musiker und zahlende Hörer (und mit letzteren meine nicht diejenigen, die mit 2,74 € für eine Gebraucht-CD einen Beitrag zum Kulturleben zu leisten vermeinen).


      Richtig! Die Zusammenlegung von Rundfunkanstalten wird sicher dann mit der 'Schließung' einiger regionaler Sinfonieorchester einhergehen. Daher still sein, weiterhin die Programmvielfalt genießen und hoffen, dass eine gewisse vierbuchstabige überregionale Zeitung keinen Aufruf gegen Sinfonieorchester und Klassikkanäle startet (in Bezug auf eine kürzliche Meldung über Gebührenverschwendung).



      Gruß
      Josquin
    • Wird hr2 zum nächsten Klassik-Radio-Clone?

      "Das Hörfunk-Programm des Hessischen Rundfunks steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Ein Sprecher bestätigte dies, wonach das Programm von HR 2 grundlegend neu ausgerichtet werden soll. Geplant ist, daraus eine Klassikwelle zu machen, deren oberstes Kriterium die „Durchhörbarkeit“ ist."

      Zitiert aus:

      faz.net/aktuell/rhein-main/der…lassikwelle-16282601.html

      Siehe auch:


      faz.net/aktuell/rhein-main/wie…915579.1562534173&premium

      Naja... :/
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • EinTon schrieb:

      Geplant ist, daraus eine Klassikwelle zu machen, deren oberstes Kriterium die „Durchhörbarkeit“ ist."
      Da der zweite Link mich nicht sonderlich weiterführt (bin kein FAZ-Abonnent): Wie meint der HR-Intendant das denn mit der "Durchhörbarkeit"? Was will er ändern?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      EinTon schrieb:

      Geplant ist, daraus eine Klassikwelle zu machen, deren oberstes Kriterium die „Durchhörbarkeit“ ist."

      Da der zweite Link mich nicht sonderlich weiterführt (bin kein FAZ-Abonnent): Wie meint der HR-Intendant das denn mit der "Durchhörbarkeit"? Was will er ändern?
      :wink:

      Ist alles ein bisschen nebulös was er sagt, immerhin meint er:

      „Durchhörbarkeit“ ist ein Kriterium, das vielleicht im weiteren Prozess eine Rolle spielen wird, aber wir werden mit Sicherheit kein Abspielradio, sondern unseren Qualitätsanspruch aufrechterhalten. Da werden unser Sinfonieorchester und die Big Band eine große Rolle spielen."


      Allgemein werde hr2 stärker auf das "Hauptthema Klassik" zugeschnitten sein. Man verfehle seinen Auftrag, wenn man ganze Hörerkohorten nicht mehr erreiche, andererseits werde es aber auch keine "platte Quotenorientierung" geben. Wie die "Klassikwelle" genau aussehen solle, habe man noch nicht festgelegt.


      Zum Begriff der "Durchhörbarkeit" siehe: de.wikipedia.org/wiki/Durchh%C…it_von_Rundfunkprogrammen
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • Danke für den Hinweis! Diese Bedeutung von "Durchhörbarkeit" war mir noch nicht bekannt.

      Zufällig liegt gerade ein Aufsatz vor mir: "Über den Fetischcharakter in der Musik und die Regression des Hörens". Ist von Adorno - es soll ja Leute geben, die, wenn sie den Namen lesen, sofort abschalten. :|

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Wenn ich mir die Verlautbarungen zu Gemüte führe inklusive des wohl Pochens auf künftige Qualitäten der neuen Struktur fällt mir sofort das Schicksal von NDR 3 ein (immerhin mal maßgeblich von Rolf Liebermann geprägt), der nun unter NDR-Kultur firmiert und größtenteils nur noch Klassik-Häppchen präsentiert. 3. Satz aus der 4. und 1. Satz aus der 2. und so und dazu die CD der Woche. Kaum längere, kenntnisreiche Beiträge, dafür immer wieder gerne aktuelle, 'moderne' Schmuseklassik. Die Moderation bewegt sich dabei auf ähnlichem Niveau. Irgendwie hat man das Gefühl, dass hier die Praktikanten mal 'randürfen.

      Ich weiß nicht, welche Qualität der HR bislang hatte, aber ich befürchte, dass der staatliche Rundfunk auch bei euch sich dem Quotendruck beugen wird und ihr euren Sendern in baldiger Zeit nicht wieder erkennen werdet.

      :wink: Wolfram
    • Was man bei solchen Sachen aber auch immer bedenken sollte: wie oft am Tag und zu welchen Zeiten ist man wirklich vom äußeren Umstand und der inneren Aufnahmefähigkeit in der Lage, z.B. eine Mahlersymphonie angemessen zu hören? Sehr wahrscheinlich nur einmal am Tag und das gegen Abend, im Urlaub und am Wochenende geht auch anderes. Die meiste Zeit des Tages aber ist das Radio, wenn es denn läuft, etwas für den Hintergrund.
      Ein Mann, der kleine Kinder und Hunde haßt, kann kein so schlechter Mensch sein. (W. C. Fields)
    • Armin Diedrich schrieb:

      Die meiste Zeit des Tages aber ist das Radio, wenn es denn läuft, etwas für den Hintergrund.


      In dem Artikel schreibt er ja auch: "Wenn ich gezielt einen Inhalt suche, gehe ich ins Netz, und das Radio wird tatsächlich stärker zum Nebenbei-Medium."

      Damit begründet er, bestimmte Inhalte von nun an als Podcast anzubieten, nicht aber mehr als Sendung im laufenden Radioprogramm:

      "Eine Sendung wie „Der Tag“ würde kein kommerzieller Sender machen. Aber wenn wir feststellen, dass „Der Tag“ als Podcast möglicherweise mehr Nutzerinnen und Nutzer erreicht als im Radio, dann liegt die Konsequenz doch auf der Hand."
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • EinTon schrieb:

      Damit begründet er, bestimmte Inhalte von nun an als Podcast anzubieten, nicht aber mehr als Sendung im laufenden Radioprogramm:
      Das ist genau das Problem der Filterblase: Ich beschäftige mich nur mit Inhalten, die ich aktiv aufsuche. Das Spartenradio ist bereits ein Teil dieses Problems: Der normale Rock-Antenne-Hörer wird nicht BR Klassik hören et vice versa. Damit werden Hörpräferenzen betoniert, der Ausbruch daraus gelingt nur noch schwer. Es gab mal eine Zeit, da haben Radiostationen ein Programm gemacht, das möglichst alle angesprochen hat. Damit war es unumgänglich, auch mal mit anderen Inhalten konfrontiert zu werden als den eigenen Vorlieben. Zum Beispiel mit klassischer Musik. Ich halte das Verschwinden dieser Art von Programm für einen Verlust. Ähnlich wurde übrigens auch in der Baierischen Volksmusikszene - z.B. vom Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern - argumentiert, als zwar ein eigener (digitaler) Volksmusikkanal (BR Heimat) etabliert, im Gegenzug aber die tägliche Volksmusiksendung auf BR 1 gestrichen wurde. Im Podcast kann ich zwar die Inhalte immer wieder aufrufen, aber es sitzt dann zum ohnehin bereits einschränkenden Spartenkanal noch mal ein zusätzlicher Filter darauf...
      Aber OK: Das ist vermutlich die Zukunft.
      Genauso wie Klassik light im Stil von Klassik Radio-Gedudel. Aber da gäbe ja noch Internet- und Satelitenradio als Alternative, fern von lokalen Reichweitenbeschränkungen.
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • Recht kritisch behandelt die taz heute den geplanten Umbau des HR-Programms. Sie titelt:

      Banalisiertes Hessen
      Aus dem renommierten Hörfunk-Programm HR2 Kultur soll ein schnöder Dudelfunk werden. Anspruchsvolles will man ins Digitale auslagern.

      Quelle: taz.de/Neues-Hoerfunk-Programm/!5608091/

      Düstere Aussichten?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Ich hatte diesen Umbau, von dem ich neulich auf der hr-Seite las, anders verstanden. Momentan ist hr 2 ein Kultursender. Musikbeiträge wie "Funkkonzert" o.ä. und Wortbeiträge sind gleichermaßen vertreten. Die "Häppchen" gibt es dabei weit eher in den Zwischenmusiken der Wort- bzw. gemischten Beiträge. Die genuinen Musikbeiträge im hr2 sind meiner Erinnerung nach gerade nicht "Klassik-Radio". In die Richtung gehen viel eher jetzt schon die gemischten Sendungen z.B morgens das angeblich so tolle "Kulturfrühstück". Bei "Doppelkopf" (eine ca. einstündige Interviewsendung) gebe ich der taz recht, aber "Der Tag" hätte m.E. systematisch eher in hr1-"info" gehört, wenngleich das oft auch gute Beiträge waren

      Im Grunde gehört das alles zu den verzweifelten Versuchen der über jegliches Maß aufgeblasenen ÖR-Sender (auch wenn das natürlich mehr das Fernsehen betrifft), ihre schwindende Relevanz (die aufgrund der "neuen Medien" unvermeidlich ist) und ihre unfassbar fetten Pfründe, die nüchtern betrachtet durch nichts als "Besitzstandswahrung" zu rechtfertigen sind, zu verteidigen. Insofern sehe ich das zwiespältig, auch wenn ich den hr2 lange Jahre gehört und geschätzt habe.

      "Spartenradio" gibt es seit über 30 Jahren voll ausgeprägt. Diese Entwicklung geht dem Internet lange voraus. Jede ehrliche Analyse müsste zu dem Schluss kommen, dass es irre ist, dagegen anzukämpfen. Die ÖR müssten idealerweise auf Grundversorgung (einschl. neutral-kritischer politischer Berichterstattung, leider aufgrund offensichtlicher oder versteckter Abhängigkeiten auch sehr selten) und die Bereitstellung von Inhalten, die die Privaten nicht ohnehin leisten (also zB teure E-Musik usw.) eingedampft werden. Eine Verdoppelung der Verdummung/Berieselung der Privaten, wie größtenteils durch Pop/Schlager-Sender wie hr3+4 erfolgt, ist nicht nötig. Alternativ (und m.E. die einzige Möglichkeit, den gegenwärtigen Umfang auch nur halbwegs zu rechtfertigen), wäre eine wirkliche demokratische Kontrolle, d.h. Intendanten usw. werden nicht so bestimmt wie Präsidenten der europäischen Kommission, also mit Proporz-Postengeschacher und Hinterzimmergekungel.

      Natürlich wird keine echte Reform i.S. einer Demokratisierung noch eine Reduktion auf den ursprünglichen Auftrag der ÖR stattfinden.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Aber ist das wirklich irgendwie dramatisch? Haben denn nicht die Leute die intensiv Radio hören mittlerweile eh Internetradio? Und wenn ja, dann ist doch kein Problem Deutschlankfunk oder BR-Klassik anstatt HR2 anzumachen. Und wenn mehr Leute BR-Klassik oder WDR 3 hören, dann werden die ihr Programm ausbauen.
      Also ich sehe es erst einmal ganz wert neutral als Veränderung. Das ist die Zukunft. Irgendwann wird wahrscheinlich auch nicht mehr jedes Bundesland sein eigenes Radio haben. Es hört ja eh kaum noch jemand Radio. Meine Nichten und Neffen jedenfalls nicht. :) Und ich auch nicht. Ich höre mir eher ein Hörspiel an, wenn ich mal Zeit und Lust auf leichte Beschallung habe. Ich glaube das Internet hat das Radio abgelöst. So wie ich auch kaum noch jemand kenne, der nur noch so stinknormales Fernsehen hat. Alle haben Netflix, Prime etc.
      Viele Grüße, Michael
    • Ihr glaubt doch wohl nicht ernsthaft, das über einen längeren Zeitraum die Internetpräsenz eines Senders aufrecht erhalten wird, wenn der Sender selbst abgewickelt wurde? Ich bin für die Abschaffung der privaten Sender, produzieren doch nur Müll und nehmen den öffentlich-rechtlichen die Hörer weg. :alter1: