Wagner: Parsifal - München - Ostersonntag - schrecklich schön

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Wagner: Parsifal - München - Ostersonntag - schrecklich schön

      Als Wagner-Anfänger endlich auch gesehen und gehört. Schrecklich die blutigen, schleimigen Unterhosen von Amfortas und Klingsor. Widerlich die fettigen, langen Haare und die ungepflegte Erscheinung von Parsifal. Kundry hätte ihn gründlicher waschen sollen. Umso herrlicher die Musik. Augen zu und durch. Die Aufführung werden wir wohl nie vergessen.
    • Da empfehle ich doch vorausschauend als Kontrastprogramm gegen das Schreckliche den aktuellen MET-Parsifal (so es ihn dann hoffentlich bald auf DVD geben wird - zumindest für die, die nicht eben mal nach NY jetten können oder wollen).
      Herrliche musik UND herrliche Optik und das m.E. weitgehend ohne Kitsch.

      VG, stiffelio
    • Jawoll, Hauptsache "herrliche Optik". Dass bei Amfortas ständig von der "blutenden Wunde" die Rede ist und Klingsor sich nach dem Bericht von Gurnemanz selbst kastriert hat, darf da keine Rolle spielen.

      Das Niveau dieses Threads hat die Konwitschny-Inszenierung jedenfalls nicht verdient.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:


      Das Niveau dieses Threads hat die Konwitschny-Inszenierung jedenfalls nicht verdient.


      Viele Grüße

      Bernd


      Der Meinung bin auch. Wer sich etwas näher mit dem Werk beschäftigt, der wird wohl erkennen, dass diese Elemente durchaus sinnstiftend sind - ob einem das gefällt ist natürlich wieder eine andere Frage.

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Ich habe den Konwitschny Parsifal nicht gesehen(nur seinen Tristan), aber ich möchte den Kritikern zu bedenken geben, dass der problematische Inhalt dieser Oper Blut und Wunden bzw Ekel und Schmutz und Hässlichkeit sehr wohl verträgt. Ich habe mich mal ausgiebig mit dieser mir schwierigsten bzw abstossendsten aller Wagneropern Oper befasst und dank unserem hiesigen Amfortas und anderen Mitgliedern verschiedene Inszenierungen(in Ausschnitten oder ganz) gesehen und am überzeugendsten fand ich damals Syberberg. Ich glaube nciht, dass es beim Parsifal nur darum gehen kann, in toller Optik zu schwelgen. Das geht m.E. sowohl am Thema als auch an der Rezeptionsgeschichte vorbei. Dann schon eher in toller Musik ganz ohne Optik schwelgen. Ich weiss nicht, was Konwitschny daraus gemacht hat aber das, was ich hier lese, animiert mich eher, mir das mal anzusehen, als mich abzuschrecken. Die Musik ist viel zu schade für den Text und wenn jemand den für mich grauslichen Text kritisch und/oder plastisch inszeniert, kann ich mir die Musik schon viel eher anhören. :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Ich staune immer wieder über das Häme-Potenzial in diesem Forum (das ich speziell in Bernds Antwort spüre) und bekenne mich schuldig, einen Beitrag in einem Aufführungsthread geschrieben zu haben ohne die Titelaufführung zu kennen.
      Das werde ich in Zukunft tunlichst vermeiden und solche Hinweise lieber als PN erledigen. Es lag nämlich nie in meiner Absicht, mich abfällig oder unangemessen über die Konwitschny-Inszenierung zu äußern.
      Mit "herrlicher Optik" habe ich einfach nur gemeint, dass ich sie als passend zur Musik (und übrigens auch nicht unpassend zum Text) empfunden habe, nichts weiter. Das kann man mögen oder nicht, aber es sollte zumindest zulässig sein.

      Und da ich zur Konwitschny-Inszenierung nichts beitragen kann, möchte ich mich hiermit aus diesem Thread verabschieden. Falls jemand die MET-Inszenierung kennt und einen Thread dazu aufmachen will, werde ich mich gerne beteiligen.

      VG, stiffelio
    • Fairy Queen schrieb:

      Ich habe den Konwitschny Parsifal nicht gesehen(nur seinen Tristan), aber ich möchte den Kritikern zu bedenken geben, dass der problematische Inhalt dieser Oper Blut und Wunden bzw Ekel und Schmutz und Hässlichkeit sehr wohl verträgt. Ich habe mich mal ausgiebig mit dieser mir schwierigsten bzw abstossendsten aller Wagneropern Oper befasst und dank unserem hiesigen Amfortas und anderen Mitgliedern verschiedene Inszenierungen(in Ausschnitten oder ganz) gesehen und am überzeugendsten fand ich damals Syberberg.


      Ich kann hier jedes Wort unterschreiben. Sowohl das Wort "abstoßend" als auch das Wort "Syberberg".

      Tharon

      P.S.: Auch das hat nichts mit dem Strang zu tun, aber ich musste gerade mal meine Freude über die zitierte Passage kundtun.
    • Liebe Stiffelio, natürlich ist das zulâssig und ich verstehe sehr gut, dass man diese wirklich mega-suggestive und unwiderstehliche Musik am liebsten noch zusammen mit herrlicher Optik geniesst. Aber für mich liegt darin eben auch die Gefahr, den tatsâchlichen Inhalt und Text nicht mehr zu reflektieren (was ich Dir keinesfalls unterstellen würde!!!! Es geht hier um "keuschen" Elitismus, Fanatismus, Diskriminierung Andersdenkender, Kastration, Leib- und Frauenfeindlichkeit und diverse andere Auswüchse der wagner'schen Interpretation bzw Adaptation christlicher Heilsgeschcihte (was Christus dazu sagen würde, sollte man besser aussen vor lassen) . M.E. steckt auch eine gehörige Portion Antisemitismus im Parsifal und nciht umsonst war diese Oper ein Lieblingskind der Nazis. Ein Regisseur, der sich all dessen bewusst ist wie z.B; Syberberg zerstört diese Oper m.E. nciht, sondern rettet sie im Gegenteil. Zumindest für diejenigen, die die Musik hören wollen ohne den ganzen ideologischen Ballast ungefiltert übernehmen zu wollen. Konwitschny traue ich das einiges zu, habe aber wie gesagt, die Inszenierung nicht gesehen. Ich wollte in gar keinem Fall Dir gegenûber hämisch sein, entschuldige mich, wenn das so ankam und hoffe, dass das jetzt klarer für Dich ist. :fee:
      P.S. Lieber Tharon :angel: schôn, wenn wir da seelenverwandt sind!
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Ups, ich entschuldige mich, wenn ich zur Niveauminderung beigetragen haben sollte. Wir sind halt noch nicht so abgebrüht mit modernen Inszenierungen und haben die Oper gerade erst entdeckt. Da schockt es dann schon mal etwas, wenn so ein häßlicher Parsifal daherkommt, den wir uns immer als jungen, schönen Ritter vorgestellt hatten. Beim Klingsor wußte ich ja schon, daß er sich selbst kastriert hat, aber daß der Amfortas auch da unten... ich dachte, der wäre in die Seite gepiekst worden. Na ja, gesungen haben sie ganz toll. Und sonst war die Inszenierung schon schlüssig. Alle von FairyQueeen angeführten "Auswüchse" habe ich im Libretto nicht gefunden. Aber wahrscheinlich habe ich nicht genau genug gelesen. Wir bleiben jedenfalls dran!
    • Handschweiß schrieb:

      Beim Klingsor wußte ich ja schon, daß er sich selbst kastriert hat, aber daß der Amfortas auch da unten... ich dachte, der wäre in die Seite gepiekst worden.

      Die "Wunde, die sich nicht schließt", dürfte ein recht eindeutiges Chiffre für eine syphilitische Erkrankung sein - immerhin passierte die Verwundung, als Amfortas dabei war, sich der fleischlichen Verführung hinzugeben.

      Konwitschny ist übrigens nicht der einzige Regisseur, der diese Assoziation szenisch thematisiert hat. Auch Stefan Herheim hat in seiner Bayreuther "Parsifal"-Inszenierung parallel zur Beschneidung eines Babys (vermutlich Parsifal, es könnte evtl. auch Amfortas selbst oder ein allgemeines, archetypisches Bild sein) Unterleibs-Schmerzen von Amfortas dargestellt.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      Die "Wunde, die sich nicht schließt", dürfte ein recht eindeutiges Chiffre für eine syphilitische Erkrankung sein - immerhin passierte die Verwundung, als Amfortas dabei war, sich der fleischlichen Verführung hinzugeben.

      Interessanter Gedanke! Wenn ich aber bedenke, dass die Wunde von einem Speere zugefügt wurde, so muss ich - Symbols Gedanken folgend - konzedieren, dass die fleischliche Versuchung wohl homoerotischer Natur war.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • FairyQueen schrieb:

      und nciht umsonst war diese Oper ein Lieblingskind der Nazis.

      Liebe FairyQueen,

      bei allem gebotenen Respekt für Deine Skepsis gegenüber dem "Parsifal": dieses Argument ist erstens kein sonderlich starkes (was ist dann mit der Vorliebe der Nazis z. B. für Beethovens 9. Symphonie?), zweitens ist es sachlich nicht wirklich haltbar.

      Ich lese gerade das Buch von Ingrid Kapsamer zu Wieland Wagner, und dort heißt es über den "Parsifal" zur NS-Zeit:

      Wieland Wagners Debüt als Bühnenbildner mit Parsifal stieß 1937 auch bei Hitler auf durchaus wohlwollende Reaktion. Die traditionsverhaftete Bildästhetik des "Erben" schien den aktuellen Stand der NS-Kunstpolitik zwar wider zu spiegeln, dennoch wurden nach 1939 weder in Bayreuth noch anderswo im Deutschen Reich Aufführungen dieses als pazifistisch verstandenen Werkes zugelassen.

      Eine weitere Erläuterung hierzu findet sich in einer Fußnote:

      "Die im Falle eines eng angelegten Wortverständnisses des Textes sich aufdrängenden Tendenzen des Pazifismus, des religiösen Mitleidens, eines asketischen Weltverzichtes und der Triebunterdrückung, vielleicht sogar einer unterdrückten Homosexualität, mußten den Nazi-Ideologen größte Schwierigkeiten bereiten", betont Udo Bermbach in seiner Studie "Liturgietransfer. Über einen Aspekt des Zusammenhangs von Richard Wagner mit Hitler und dem Dritten Reich" am Beispiel des Parsifal [...]

      Nach "Lieblingskind der Nazis" klingt das nicht gerade, sondern eher nach einem veritablen Problem für die NS-Ideologen, dieses Werk als erklärtes Heiligtum der Wagnerianer in ihren kruden politischen Mißbrauch der Wagnerschen Kunst schlüssig zu implementieren.

      Woher hast Du Deine Information mit dem "Lieblingskind der Nazis"?

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      Handschweiß schrieb:

      Beim Klingsor wußte ich ja schon, daß er sich selbst kastriert hat, aber daß der Amfortas auch da unten... ich dachte, der wäre in die Seite gepiekst worden.

      Die "Wunde, die sich nicht schließt", dürfte ein recht eindeutiges Chiffre für eine syphilitische Erkrankung sein - immerhin passierte die Verwundung, als Amfortas dabei war, sich der fleischlichen Verführung hinzugeben.

      Konwitschny ist übrigens nicht der einzige Regisseur, der diese Assoziation szenisch thematisiert hat. Auch Stefan Herheim hat in seiner Bayreuther "Parsifal"-Inszenierung parallel zur Beschneidung eines Babys (vermutlich Parsifal, es könnte evtl. auch Amfortas selbst oder ein allgemeines, archetypisches Bild sein) Unterleibs-Schmerzen von Amfortas dargestellt.

      LG :wink:

      Auch in der Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff findet man diese Blutige-Windel-Optik. Dieser Gedanke scheint also nicht ganz abwegig zu sein, wenn der eine Regisseur vom anderen abguckt... :D

      Viele Grüße
      Jean
      „Ich werde überhaupt nur noch ausschließlich mich selbst zitieren ...“ Algabal
    • Mauerblümchen schrieb:

      Symbol schrieb:

      Die "Wunde, die sich nicht schließt", dürfte ein recht eindeutiges Chiffre für eine syphilitische Erkrankung sein - immerhin passierte die Verwundung, als Amfortas dabei war, sich der fleischlichen Verführung hinzugeben.

      Interessanter Gedanke! Wenn ich aber bedenke, dass die Wunde von einem Speere zugefügt wurde, so muss ich - Symbols Gedanken folgend - konzedieren, dass die fleischliche Versuchung wohl homoerotischer Natur war.

      Gruß
      MB

      :wink:

      Na ja, wie es genau zu der Verwundung gekommen ist, steht zwar nicht in dicken Lettern in expressis verbis im Text, aber die Andeutungen sind doch recht eindeutig:

      [Gurnemanz über Klingsor]

      Die Wüste schuf er sich zum Wonnegarten;
      drin wachsen teuflisch holde Frauen,
      dort will des Grales Ritter er erwarten
      zu böser Lust und Höllengrauen:
      wen er verlockt, hat er erworben,
      schon Viele hat er uns verdorben. –
      Da Titurel, in hohen Alters Mühen,
      dem Sohn die Herrschaft hier verliehen,
      Amfortas liess es da nicht ruhn
      der Zauberplag' Einhalt zu tun.
      Das wisst ihr, wie es da sich fand:
      der Speer ist nun in Klingsors Hand;
      [Amfortas über die Wunde]

      und aus der nun mir, an heiligster Stelle,
      dem Pfleger göttlichster Güter,
      des Erlösungs-Balsams Hüter –
      das heisse Sündenblut entquillt,
      ewig erneut aus des Sehnens Quelle,
      das – ach! – keine Büssung je mir stillt!

      (Hervorhebungen von mir)

      Soll heißen: der Mummenschanz von Klingsor (seine Verführerinnen) zog für einen kurzen Moment der Schwäche bei Amfortas - und da wurde zugestochen.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      Woher hast Du Deine Information mit dem "Lieblingskind der Nazis"?
      Für Fragen wie diese eignet sich m. E. besser der allgemeine Thread zum Werk: WAGNER: Parsifal – Kunstreligion aus "Noth um den Geschlechtstrieb"? Klangdenkmäler, ungeahnt, edel und voller Kraft?

      :gurni:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Jetzt weiss ich nicht ob ich Symbol noch hier antworten soll / darf?

      Notfalls bitte verschieben. Lieber Symbol, ich glaube Dir unbesehen, dass deine Informationen aktueller und neuer sind und nehme in diesem Fall die Formulierung "Lieblingskind der Nazis" natürlich zurück. Ich habe meine Informationen vor allen Dingen aus dem Buch "Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth" von Brigitte Hamann wo u.A. beschrieben wird, wie Hitlers sich höchstpersönlich um die Neu-Inszenierung des Parsifal kümmerte. Aber ich lasse mich gerne von neueren Forschungen überzeugen. Dass der christliche Hintergrund des Parsifal von den Nazis natürlich ideologisch uminterpretiert werden musste, ist selbstverständich, aber damit hatten sie ja auch bei anderen Werken keinerlei Probleme...... Ich habe z.B. ein "völkisches" Schubertbuch aus dieser Zeit geerbt und was da mit den Liedern veranstaltet wird, spottet jeder Beschreibung. Der Parsifal bietet allein in der Figur der Kundry genug Stoff für NS- Ideologie. Sie kann, wenn man will, ganz wunderbar als Schablone und Prototyp für das "Ewig Jüdische, das sich selbst ausrotten muss um "gerettet" zu werden" gedeutet werden. Für die ausgemachte Antisemitin Cosima Wagner war der Parsifal gewiss auch nicht ohne Grund ein "Lieblingskind".
      :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • FairyQueen schrieb:

      Jetzt weiss ich nicht ob ich Symbol noch hier antworten soll / darf?

      Notfalls bitte verschieben. Lieber Symbol, ich glaube Dir unbesehen, dass deine Informationen aktueller und neuer sind und nehme in diesem Fall die Formulierung "Lieblingskind der Nazis" natürlich zurück. Ich habe meine Informationen vor allen Dingen aus dem Buch "Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth" von Brigitte Hamann wo u.A. beschrieben wird, wie Hitlers sich höchstpersönlich um die Neu-Inszenierung des Parsifal kümmerte. Aber ich lasse mich gerne von neueren Forschungen überzeugen. Dass der christliche Hintergrund des Parsifal von den Nazis natürlich ideologisch uminterpretiert werden musste, ist selbstverständich, aber damit hatten sie ja auch bei anderen Werken keinerlei Probleme...... Ich habe z.B. ein "völkisches" Schubertbuch aus dieser Zeit geerbt und was da mit den Liedern veranstaltet wird, spottet jeder Beschreibung. Der Parsifal bietet allein in der Figur der Kundry genug Stoff für NS- Ideologie. Sie kann, wenn man will, ganz wunderbar als Schablone und Prototyp für das "Ewig Jüdische, das sich selbst ausrotten muss um "gerettet" zu werden" gedeutet werden. Für die ausgemachte Antisemitin Cosima Wagner war der Parsifal gewiss auch nicht ohne Grund ein "Lieblingskind".
      :fee:

      Liebe FairyQueen,

      zunächst vielen Dank für Deine Quellenangabe. Hitlers "Fürsorge" bezüglich der Neuinszenierung des "Parsifal" (meinst Du eigentlich die von 1934 mit Alfred Rollers Bühnenbildern, die sich nicht durchsetzen konnte, oder die von 1937, in der Wieland Wagner das Bühnenbild "korrigierte"?) ist auch bei Kapsamer angedeutet - dies war zu der Zeit, als er noch regelmäßig in Haus Wahnfried verkehrte. Ich finde es allerdings reichlich verblüffend, daß der "Parsifal" ab 1939 nicht mehr sonderlich gelitten war (mir war das bis zur Lektüre des Kapsamer-Buches nicht gegenwärtig), wobei ich die Begründung für schlüssig halte.

      Die Sonderrolle des "Parsifal" für die Wagner-Enthusiasten ergibt sich ja allein schon aus der Exklusivität, daß dieses Werk von RW speziell für Bayreuth - und eigentlich nur für Bayreuth - konzipiert worden ist. Dies würde ich auch als Hauptpunkt der "Parsifal"-Verehrung der damaligen Wagnerianer (inkl. Cosima) ansehen. Daß Cosima Wagner eine üble Antisemitin war, soll dadurch nicht in Abrede gestellt werden.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Aus den letzten Beiträgen, die sich mit dem Werk selbst, über die Münchner Inszenierung hinaus, befassen, habe ich einiges dorthin kopiert: WAGNER: Parsifal – Kunstreligion aus "Noth um den Geschlechtstrieb"? Klangdenkmäler, ungeahnt, edel und voller Kraft? Wenn ggf. dort diese Diskussion ums Werk fortgesetzt würde, wär's auch der Moderation recht. :)

      :gurni:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • stiffelio schrieb:

      Mit "herrlicher Optik" habe ich einfach nur gemeint, dass ich sie als passend zur Musik (und übrigens auch nicht unpassend zum Text) empfunden habe, nichts weiter. Das kann man mögen oder nicht, aber es sollte zumindest zulässig sein.

      Ein hässlicher Parsifal ist natürlich eher eine Wagner-Verhöhnung als eine besonders intellektuelle Beschäftigung mit der Oper.
      Man muss sich mit seiner Meinung aber nicht gleich verscheucht vorkommen, nur weil manche Mitdiskutanten nicht mit konträren Ansichten zurecht kommen.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)