HiFi-Zettelkasten - Nachrichten und Sonstiges zum Thema HiFi

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    • Ich glaube, ein wesentlicher Grund, neben der Originalakustik, dass das Liveerlebnis unersetzlich ist, ist die Tatsache, dass auch das Auge "mithört".

      Lieber Merkatz,

      eine wirklich eindrücklliche grosse Trommel findest Du hier:


      Und diese Aufnahme ist eindeutig nicht fürs Küchenradio gemacht. Ausserdem gehe ich bei einer wirklich guten Aufnahme davon aus, dass sich sich die (wenigen) Mikrofone an einem (oder mehreren wenigen) vernünftigen Hörort(en) befinden und nicht unmittelbar neben der Trommel. Im letzteren Fall muss man selbstverständlich das Mikrosignal, nicht "komprimiert", sondern weniger laut einmischen.

      Was Michael über BIS und Pferde erzählt verstehe ich nicht. Es gibt zwei Dinge: BIS versucht kompromisslos die natürlichen Lautstärkerelationen, sprich die Dynamik, auf den Tonträgern festzuhalten. (Keine Rücksicht auf das Küchenradio.) Das andere ist, dass der Dynamikbereich der Tonträger optimal ausgenutzt wird, sodass man die bestmögliche Dynamikauflösung hat. Dass bedeutet schlicht, dass die lauteste Stelle als 0dB festgelegt wird. Für die Aufnahmen wird qualitativ hochwertige Aufnahmetechnik benutzt, in jedem Booklet wird sie aufgelistet. Nach allem was ich von und über Robert von Bahr gelesen habe, scheint es sich bei BIS um absolute Überzeugungstäter zu handeln. Und das sollte doch ganz in Deinem Sinne sein, Michael, oder?
      Aber wahrscheinlich habe ich Dich hier missverstanden.

      Hudebux
    • Nach allem was ich von und über Robert von Bahr gelesen habe, scheint es
      sich bei BIS um absolute Überzeugungstäter zu handeln. Und das sollte
      doch ganz in Deinem Sinne sein, Michael, oder?

      Aber wahrscheinlich habe ich Dich hier missverstanden.
      Ach je.....für manche Aufnahmen wird das zutreffen.So gut wie jedes Label verwendet erstklassiges Equipment übrigens..
      Aber dieser Tanz um die "volle Dynamik" , der kann irgendwie nicht hinkommen.

      Dass bedeutet schlicht, dass die lauteste Stelle als 0dB festgelegt wird
      Ja klar, aber das wird überall so gehandhabt.

      Es geht um die leiseste Stelle, und die kann so leise sein, daß Du ständig die Lautstärke nachregelst, weil Du u.U. gar nichts mehr hörst.

      Überall wird da nachgeholfen, und zwar so geschickt im besten Falle, daß man gar nichts davon bemerkt, und das ist auch ganz richtig so.
      Es ist das Kennzeichen von BIS, daß sie angeblich nichts ändern, aber ich bezweifle das, und es sagt überhaupt nichts über die Qualität einer Aufnahme und auch nur sehr wenig über Ihre Dynamik aus.

      Wenn das visuelle fehlt, dann fehlt dem Gehirn eine sehr wichtige Information, und dieser Info wird durch Stützmikros oder eine gewisse Komprimierung nachgeholfen.

      Das lauteste Instrument im Orchester ist tatsächlich die große Trommel, früher konnte man die gar nicht in voller Lautstärke belassen, da ansonsten der Tonarm aus der Plattenrille gesprungen wäre.
      Und wenn man diese Lautstärke bei einer CD beläßt, dann hat man eine tolle große Trommel und beim Rest halt im Vergleich die ganze Zeit ein pp.

      So einfach ist das mit der orginal Dynamik halt nicht, und so etwas wäre auch nicht sendefähig.

      (Keine Rücksicht auf das Küchenradio.)
      Doch, genau darauf wird schon Rücksicht genommen, mal mehr und mal weniger.Aber ganz ohne Rücksicht darauf kann man keine Aufnahmen verkaufen, oder nur an ganz, ganz wenige Kunden.

      Wie gesagt, ich traue dieser Orginal-Dynamik nicht über den Weg, es ist eine große Kunst, ein Orchester glaubhaft darzustellen, und es ist möglich, keine Frage.

      Aber es ist nicht damit getan, ein paar Mikros hinzustellen und die eigentlich standardmäßigen Mikrofontypen, den Mixer etc. im Booklet abzudrucken.
    • Hallo Michael, ich stehe vor der Suche nach einer neuen Anlage. Aus welchen Komponenten würdest du eine solche zusammenstellen?
      Ich lasse meine Komponenten bei Clockwork in Köln modifizieren.
      Aber das ist etwas sehr spezielles, das läßt sich nicht mit wenigen Worten beschreiben.

      Es kommt auch ganz darauf an, was Du von einer neuen Anlage erwartest.

      Ich habe Anlagen für den Computer, zum Fernsehen, und halt eine ganz spezielle nur zum Musikhören.
      Und die ist in sehr vielen Details ungleich aufwändiger.
    • Hi Micha,

      Michael Schlechtriem schrieb:

      Ich lasse meine Komponenten bei Clockwork in Köln modifizieren.
      Aber das ist etwas sehr spezielles, das läßt sich nicht mit wenigen Worten beschreiben.

      das scheint ne coole Firma zu sein, ist ja leicht mit Ecosia oder so zu finden. Danke!
      Wird der Klang durch die Modifikationen "schöner" oder "analytischer" oder "authentischer", oder wie würdest du das beschreiben?
      Schöne Grüße, Helli


      Immer cool bleiben.
    • Wird der Klang durch die Modifikationen "schöner" oder "analytischer"
      oder "authentischer", oder wie würdest du das beschreiben?
      Oh, das muß man selbst herausfinden, das zu beschreiben ist schwer........

      Ich kann nur sagen, daß wesentlich mehr Musik passiert statt Geräuschen oder einer mehr oder weniger gelungenen Aneinanderkettung von Tönen.
      Es ist wie bei einem Instrument, das eine fabriziert Töne, das andere klingt und singt........

      Ist ein wenig esoterisch, ich kann nur empfehlen, sich darauf einzulassen und es sich anzuhören.
    • merkatz schrieb:

      Ich weiß nicht wie es beim heutigen Stand der Technik aussieht, deswegen würde mich interessieren, ob man rein technisch gesehen ein 111 köpfiges Orchester ("Elektra", Strauss), das in größtmöglicher Lautstärke spielt, so aufnehmen kann, dass der Klang unkomprimiert aufgenommen und gemischt wird.

      Man kann. Ein gutes Mikro kommt mit einem Schalldruckpegel von 140 dB problemlos zurecht. Es gibt auch welche mit 160 dB. So ein Krach würde deine Hörnerven innerhalb von kurzer Zeit pulverisieren. Das Abmischen ist überhaupt kein Problem. Stand der Technik bei Audiosoftware ist das 32 bit floating point Datenformat. Das ergibt für das Abmischen einen Dynamikbereich bis zum Mond. Genauer gesagt 1680 dB.
    • Jürgen schrieb:

      Man kann. Ein gutes Mikro kommt mit einem Schalldruckpegel von 140 dB problemlos zurecht. Es gibt auch welche mit 160 dB. So ein Krach würde deine Hörnerven innerhalb von kurzer Zeit pulverisieren. Das Abmischen ist überhaupt kein Problem. Stand der Technik bei Audiosoftware ist das 32 bit floating point Datenformat. Das ergibt für das Abmischen einen Dynamikbereich bis zum Mond. Genauer gesagt 1680 dB.

      Wow, das ist echt heftig!

      Ich dachte, dass bei riesigem Lärm eines Orchester, komplett mit Pauken, Becken, Tam-Tam und Blech etc. ein Mikrofon leicht übersteuert - zumindest die früheren Mikrofone in den 40ern, 50ern usw., und man deswegen die Dynamik irgendwie einschränken muss. Ich bin ja, wie gesagt, kein Profi in dem Gebiet, aber ich habe schon öfter bei diversen Programmen gesehen, dass es eine Anzeige gab, wo, wenn es zu laut wurde, es in den roten Bereich ging, es zu Verzerrungen kommt. Und da war eben mein Interesse, ob das bei professionellen Klassik-Aufnahmen auch so oder so ähnlich ist.

      Nebenbei, in einer Ausgabe der Zeitschrift "stereoplay" von 1980 wurde einmal die Übersteuerungsgrenze eines Edisonphonographen (Wachszylinder) getestet. Zitat: "Auffallend war eine außerordentlich hohe Übersteuergrenze des Phonographen. Selbst bei Pegeln jenseits der Schmerzgrenze des Ohrs reagierte er noch gelassen. Seine Grenze musste schließlich rechnerisch ermittelt werden: Korrekt justiert könnte er, mit der vom Hersteller vorgeschriebenen zinnplattierten Bleifolie, Signale bis zu 146 Dezibel verarbeiten, ein Wert, den auch ein in der Nähe startendes Düsenflugzeug nicht erreichen kann."

      Nur bei der Übertragung hapert es leider, weil die Lautstärke der Wiedergabe ca. 70 Dezibel unter dem der Aufnahme liegt. Beim Klirrgrad punktet er wieder: zwischen 650 und 1400 Hertz, also unter einem Prozent. Ich weiß nicht welchen Klirrgrad heutige Luxusplattenspieler hinbekommen.

      Problem der Wachzylinder: nachdem die Aufnahme 10x abgespielt wurde, war die eingravierte Information in der weichen Zinnfolie fast völlig verschlissen und damit fast unhörbar. (Soviel zum Thema "Früher war Nachhaltigkeit wichtig ;+) )
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Und wenn man diese Lautstärke bei einer CD beläßt, dann hat man eine tolle große Trommel und beim Rest halt im Vergleich die ganze Zeit ein pp.

      Nur wenn man den Lautstärkeregler so einstellt, dass die grosse Trommel in mf statt in fff erklingt. Und dass fff dann im Küchenradio scheppert, sollte klar sein. Wieso sollte man BIS nicht glauben, dass sie es machen, wie sie sagen? Wissen kann ich es natürlich nicht. Aber Tatsache ist, dass man bei BIS-Aufnahmen in der Regel den Lautstärkeregler deutlich höher stellen muss als bei vielen anderen Aufnahmen. Das ist für mich, zusammen mit der Information, dass die lauteste Stelle 0dB auf dem Tonträger ist, ein Indiz für nicht eingeschrumpfte Dynamik. Zumindest ist sie weniger eingeschrumpft. Aber im Prinzip habe ich keinen Anlass, BIS nicht zu glauben.

      Hudebux
    • Natürlich haben die BIS einen sehr großen Dynamikumfang, das ist ja Ihr Markenzeichen.
      Es ist aber eigentlich egal, ob die lauteste Stelle 0db hat, denn das sollte ja klar sein.

      Interessanter wäre es, zu wissen, welche Lautstärke die leiseste Stelle hat.

      Vielleicht war es falsch, zu unterstellen, daß BIS doch ein wenig an der Dynamik dreht.
      Ich hatte in den 90er Jahren selber ein Tonstudio mit einem Freund, und wir haben auch versucht, die Orginaldynamik zu belassen.

      Manchmal hat es geklappt, aber oft war das Resultat ein recht weit entferntes Orchester, und auch für Solisten mußten wir oft ein Stützmikro verwenden, da diese sonst viel zu leise abgebildet wurden.
    • Bei BIS-Aufnahmen habe ich oft den Eindruck eines natürlichen Konzertsaalklangs, und gerade darauf zielen die schwedischen Techniker wohl ab, das ist ihr Anspruch - nicht ohne Erfolg. Jedenfalls kenne ich von BIS nichts, was auf eine steril erscheinende Studioatmosphäre hindeuten würde. Soweit mein persönlicher Eindruck.

      Wie die das technisch hinkriegen und inwiefern sie dennoch den Klang auf dem Weg bis zur CD behandeln und verändern, das kann ich nicht beurteilen; auf mich wirkt es immerhin so, als ob da relativ wenig manipuliert wird. Und das Ergebnis überzeugt mich.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Interessanter wäre es, zu wissen, welche Lautstärke die leiseste Stelle hat.

      Du hast Recht, das ist die entscheidende Frage. Wenn nicht geschrumpft wurde und die lauteste Stelle 0dB ist, ergibt sich das von selbst.
      Angenommen in der Musik gibt es eine Generalpause, dann hört man nur noch die Hintergrundgeräusche. Wenn es sich um eine CD handelt ist die kleinstmögliche Lautstärke über absoluter Stille, also der Amplitudenquadratunterschied, der mit dem niedrigsten der 16 Bit dargestellt wird, -96dB niedriger als der lauteste. Wenn man den Lautstärkeregler also so eingestellt hat, dass die lauteste Stelle so laut erklingt, wie man es im Konzertsaal hören würde, dann sollte dieser kleinst mögliche Lautstärke nicht hörbar sein, ( zumindest wenn man der Meinung ist dass der Menschen hörbare Bereich kleiner als 96 dB ist). Wenn man aber den Verstärker nun sehr viel stärker aufdreht, dann sollte man wohl auch das Atmen der Musiker hören können oder vielleicht sogar das Hinabfallen der Schweissperlen. (Bei einer SACD könnete man weiter reinzoomen.) Wehe nur wenn dann die grosse Pauke kommt :D
      Aber Spass beiseite, wenn nicht geschrumpft wird, dann ergibt sich die Lautstärke der leisesten Musikstelle (in Relation zur lautesten) einfach durch die vom Musiker gespielte Lautstärke. So wie es sein sollte, wenn man nicht fürs Küchenradio produziert. Wenn der natürlich so leise spielt, dass man ihn auch im Konzertsaal nicht hören könnte, dann kann man daheim nur mit dem Lautstärkeregler nachhelfen. Wenn der Tonmeister aber der Meinung ist man sollte die Dynamik manipulieren, sodass aus dem ppp-Klavieranschlag ein p-Anschlag wird, dann ist die Sache natürlich nicht so einfach. Dann müsstest Du aber eigentlich nach de grössten Abweichung gegenüber den tatsächlichen Verhältnissen im Konzertsaal fragen.

      Hudebux
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Interessanter wäre es, zu wissen, welche Lautstärke die leiseste Stelle hat.

      Ja, wie gesagt, ich habe mir das im Zusammenhang mit dem SACD-Thread von vor ein paar Tagen mal anhand von ein paar Aufnahmen mittels Software angesehen. Für mich sieht es nun (wider meiner ursprünglichen Erwartung) doch eher so aus, als wenn im Bereich der Klassik nicht alles gnadenlos auf Lautstärke getrimmt wird (wie man es von anderen Musikrichtungen her kennt).

      Man achtet bei Klassik-Aufnahmen wohl eher darauf, dass die leisen Stellen nicht zu leise werden. Ich habe festgestellt, dass bei praktisch allen Stücken die leiseste Stelle (also da, wo gerade noch Musik zu hören ist) bei ca. -45 bis -50 dB liegt. Das reine Hintergrundgeräusch liegt noch etwas darunter, bei ca. -50 bis -55 dB. Ich stelle mir vor, dass man im Allgemeinen beim Abmischen wie folgt vorgeht: Man sucht sich aus der Aufnahme die leiseste Stelle heraus und legt fest, dass diese bei einem bestimmten Wert, also z. B. -45 dB liegen soll. Dann schaut man, ob man mit dem resultierenden verfügbaren Dynamikbereich nach oben hin (also z.B. 45 dB) bei der betreffenden Musik auskommt. Wenn das der Fall ist - was z.B. bei Kammermusik gut der Fall sein kann - dann macht man hinsichtlich der Dynamikbearbeitung gar nichts mehr, man lässt es also so wie es ist. Es kann dann sogar sein, dass die Stücke auch an der lautesten Stelle nicht einmal bis zur maximal möglichen Lautstärke ausgesteuert sind (was mich ziemlich gewundert hat). Das ist z. B. bei vielen Stücken auf dieser CD der Fall:



      Wenn hingegen der Dynamikbereich, ausgehend von der festgelegten leisesten Stelle nach oben hin nicht ausreicht, dann überlegt man sich im Einzelfall, was zu tun ist. Die Anwendung einer generellen Dynamikkompression über die gesamte Aufnahme ist dann eine der Möglichkeiten. Ich habe aber auch eine Aufnahme gefunden, bei der das offenbar bewusst nicht gemacht wurde. Und zwar ist das eine Aufnahme der Oper Wozzek. Bei dieser Aufnahme gibt es nur einige wenige kurze Stellen, die sehr laut sind, alles übrige liegt von der Lautstärke weit darunter. Eine generelle Dynamikkompression hat man in diesem Fall offenbar als unangebracht erachtet, da dies auch die Lautstärke der leiseren Passagen, die ja den weitaus größten Anteil der Aufnahme ausmachen, noch weiter nach unten gezogen hätte. Man hat sich also entschieden, nicht zu komprimieren und statt dessen die lautesten Stellen in die Übersteuerung fahren zu lassen. Bei dem Krach an den betreffenden Stellen fallen leichte Verzerrungen sowieso nicht auf. Außerdem hat man, offenbar durch Einsatz eines sog. Soft-Limiters (d.h. die übersteuerten Pegelspitzen werden nicht scharf abgeschnitten, sondern eher gestaucht) versucht, diese Verzerrungen in unhörbaren Grenzen zu halten. Man sieht, das ist alles gar nicht so einfach. Die Leute machen sich schon Gedanken.
    • Halllo Jürgen,

      es ist interessant, was Du herausgefunden hast.

      Jürgen schrieb:

      Eine generelle Dynamikkompression hat man in diesem Fall offenbar als unangebracht erachtet, da dies auch die Lautstärke der leiseren Passagen, die ja den weitaus größten Anteil der Aufnahme ausmachen, noch weiter nach unten gezogen hätte. Man hat sich also entschieden, nicht zu komprimieren und statt dessen die lautesten Stellen in die Übersteuerung fahren zu lassen. Bei dem Krach an den betreffenden Stellen fallen leichte Verzerrungen sowieso nicht auf.


      Technisch gesehen gibt es dafür doch eigentlich keinen guten Grund, denn wenn man der Auffassung ist, dass das menschlich Gehör eh nicht mehr als 96dB Dynamikumfang wahrnehmen kann, dann besteht weder Not zu übersteuern noch einzuengen. Man erspart dem Hörer lediglich, den Lautstärkeregler hoch zu drehen.

      Hudebux
    • Na ja, bei der oben genannten Wozzek-Aufnahme wären die Alternativen gewesen, entweder zu komprimieren oder aber den Lautstärkepegel auf der CD insgesamt etwas zu reduzieren, so dass nichts übersteuert. Dann aber wären die leisesten Passagen der Musik unter -50 dB gerutscht. Ich vermute - aber bitte, das ist nur eine Vermutung, ich bin kein Toningenieur - dass es in der Branche mehr oder weniger Konsens ist (mit Ausnahme vielleicht von BIS), dass die leisen Passagen der Musik nicht unterhalb von -50 dB liegen sollen, weil sonst, wenn jemand einen etwas schlechteren Verstärker zu Hause stehen hat, die Musik vom Rauschen überdeckt werden könnte.
    • Wenn ich auf einer Aufnahme einen einzigen oder mehrere superlaute Impulse wie von einer großen Trommel o.ä. habe, dann muß ich als Aufnahmeleiter irgendwann entscheiden, was mir wichtiger ist.

      Die volle Dröhnung mit dem Ergebniss, daß alles andere unter ferner liefen läuft und die Anlage des Benutzers Ihren Geist aufgeben kann...........

      Oder ich entschließe mich dazu, eine sinnvolle Kompression anzuwenden, welche im Prinzip nur diese paar eklatanten Dynamikspitzen zurechtstutzt.Und zwar so, daß es nicht auffällt.

      Und das, was nicht auffällt, das habe ich mit meinen eigenen Aufnahmen erlebt. Das ist 'ne ganze Menge.

      Eine 10-40% Kompression, die fällt gar nicht groß auf, die betrifft nur Dynamikspitzen, welche im Orginal einem die Ohren wegfetzen würden.

      Der ganze andere Rest, der darunter liegt, wird ja gar nicht beschnitten, der behält seine Orginaldynamik.

      Diese Spitzen haben dann ja auch keinen Limiter, sondern es wird alles ein wenig eingedickt, was durchaus vorteilhaft für den Klang sein kann.


      Im übrigen:
      Das, was ich vor über 30 Jahren erlebt habe, als die damals neuen digitalen Aufnahmen erstmals auf LP (!) erschienen, das habe ich seither nicht mehr erlebt.

      Die konnten damals digital noch nicht weiterverarbeiten, auch nicht großartig schneiden.
      Damals wurden natürlich Fehler gemacht, aber, wie das so ist, wenn es etwas neues gibt, es wurde auch unheimlich genau produziert.


      Wenn ich eine solche frühe Digital-Aufnahme an ein Aufnahmemedium anschließe, dann fällt mir als erstes auf, daß es extreme Unterschiede im Aufnahme-Peak gibt.

      Etwas, was mir vorher bei den Analog-Aufnahmen nicht bekannt war und mir bei modernen Digital-Aufnahmen auch nicht mehr passiert:
      Da springt der Aufnahmepegel von 0 auf 100, aus dem nichts.Bei irgendeiner klanglichen Attacke.

      Diese frühen digitalen Aufnahmen von 1979 bis etwa 1983 waren tatsächlich so gut wie nicht bearbeitet, man konnte es damals digital noch nicht.

      Und um zu demonstrieren, was nun möglich ist, wurde die damalige LP bis an die Grenze Ihrer dynamischen Leitsungsfähigkeit ausgereizt.
      Kompromisslos.

      Auch BIS hat in den 80ern schon LPs herausgebracht, immer mit der Warnung, daß diese Aufnahmen die Anlage kaputtmachen können..............

      Dabei hat die LP gar nicht diese große Dynamik- Bandbreite wie eine CD, allerhöchstens 60% davon...also irgendwas ist damals schon gemacht worden, um diese Aufnahmen auf LP herausbringen zu können.

      Es gab damals eine berüchtigte Telarc LP mit Tschaikowskys 1812 Overture, welche tatsächlich den Plattenspieler kaputtmachen konnte.


      Das ist alles heute nicht mehr so, keine Digital-Aufnahme kann heute eine Anlage kaputtmachen bei normaler Hörlautstärke.
      Was ist da geändert worden?

      Und was für die damaligen neuen kompromisslosen Digital- Aufnahmen gilt, das gilt natürlich auch für die legendären Direkt-Schnitte aus der damailgen Zeit.

      Die waren derartig kompromisslos produziert, sie konnten eine Anlage zerstören, den Verstärker, den Plattenspieler.........


      Mir ist nicht bekannt, daß es heute solche Aufnahmen mit dieser Wucht noch gibt.
      Schade, sehr schade!

      Und die Anlagen sind nicht unbedingt besser geworden, eher das Gegenteil ist der Fall.

      Ich denke, heute wird einfach besser getrickst, und das ist nichts negatives.

      Ich kenne BIS-Aufnahmen aus den 80er Jahren, die sind irre grenzwertig, was die Dynamik angeht.
      Und wirklich gefährlich für eine normale Anlage.

      Schon in den 90ern und dann natürlich mit CD hatte ich nicht mehr diesen Eindruck, die BIS hatten immer noch eine sehr große Dynamik, aber diese stellte keine Gefahr mehr für die Anlage dar.

      Was ich sagen will, letztendlich:
      Aus meiner Erfahrung sind Direktschnitte und frühe Digitalaufnahmen( und ich beziehe mich da nur auf die damaligen ersten Ausgaben auf LP und CD) wirklich so gut wie kompromisslos.

      Meine erste CD 1984 war "Robin Hood" von Korngold, und vor ein paar Tagen habe ich eine Hörsitzung mit einem Kollegen gehabt.
      Und diese meine erste CD von 1984 war nach wie vor die bestklingendste CD von allen, trotz anderen SACD und 24 Bit Dingern.

      Weil die einfach super produziert wurde, das gibt mir immer zu denken.

      Denn das wichtigste ist, daß eine Aufnahme super produziert wird, und dann ist es auch egal, ob es analog, digital, mit oder ohne Kompression etc. gemacht wurde.

      Nur das Ergebniss zählt.

      Heute hat man allen möglichen Schnickschnack, man kann manipulieren bis zum geht nicht mehr.

      Aber es klingt beileibe nicht besser als früher, im Gegenteil- :angel: für mich.
    • Und was Anlagen angeht, welche Komponenten man benutzt:

      Für mich ist das genau dasselbe wie bei meinem Instrument,
      ich benutze die Komponenten, die am schnellsten sind.

      Und genau wie beim Instrument benötigt man bei einer Anlage Leute, welche in der Lage sind,
      den schnellstmöglichen Impuls und dabei die bestmögliche Tonqualität zu erreichen.

      Bei einer Ablage geht das schon bei der Stromversorgung los, bei meinem Cello schon mit der Wahl des Stachels.

      Eine gute Anlage muß genau so überlegt aufgebaut sein wie ein sehr gutes Musikinstrument, und eine gute Anlage ist ja nun, jedenfalls für mich, genau das:
      Ein Musikinstrument.

      Und man kann für ein Musikinstrument Unsummen ausgeben, klar.

      Aber es gibt auch Könner, welche Wunder bewirken bei vergleichsweise geringen Kosten.

      Bei meinem Instrument ist das mein Geigenbauer, der genial ist.
      Und bei meiner Anlage ist das die Firma Clockwork in Köln, und der Inhaber dort ist ebenfalls ziemlich genial.

      Für mich gibt es da keine Unterschiede, es geht hier um Musik.

      Ich gebe gerne Tips, was eine Clockwork-Anlage angeht, aber ein Gespräch mit Herrn Bajorat von Clockwork ist m.E. hilfreicher.
      "http://www.clockwork.de/"

      :wink:
    • Die berüchtigte Telarc-Aufnahme:

      (P) 1979

      Hier die CD-Erstausgabe mit den drei Stücken - die Kanonen stampfen recht stramm aus dem Orchesterapparat heraus, da muß man wirklich etwas vorsichtig sein.

      Ich denke auch, daß in dem Augenblick, wo man die Digitalaufnahmen endlich bearbeiten konnte, es dann auch gemacht wurde, um die Extreme wieder herauszuaddieren; Michael hat recht: es gab sie vorher nicht, danach auch nie wieder. Sowas ist toll, aber auch mit Vorsicht zu genießen.

      Hudebux schrieb:

      Man erspart dem Hörer lediglich, den Lautstärkeregler hoch zu drehen.

      Ja, so einfach ist das. Wenn eine Formation für Kammermusik in einer Einspielung nicht mehr als 30 dB Dynamik produziert, dann wird die Aufnahme sicherlich bei -30 dB ihre leiseste Stelle haben - ohne Komprimierung; bei Orchester, die z.B. 60-80 dB Dynamik erzeugen, könnte man natürlich die Dynamik so lassen - aber selbst bei einer hochwertigen stationären HiFi-Anlage in einem Hörraum kann es passieren, daß die leiseste Stelle kaum mehr zu hören ist. Also kann eine Komprimierung lauter Spitzen durchaus sinnvoll sein.

      Ich wohne in einer Wohnung, mit einer Geräuschkulisse aus der Umgebung, die man nicht abschalten kann. Ich werde mit Dynamiken von mehr als 50 dB gar nicht klarkommen können, und meine Verstärker haben keine Fernbedienungen mit Lautstärkeregelung; ich bin darauf angewiesen, eine einmal eingestellte Lautstärke so zu belassen.

      Jürgen sagt etwas sehr Interessantes: es wird ein Rahmen abgesteckt, und der wird ausgefüllt. Mehr wird nicht gemacht. Wird der überschritten, begrenzt man überlegt und praktisch unhörbar. Da es eine Aufnahme ist, die über Verstärker und Boxen wiedergegeben wird, hat es eh eine eigene Klangästhetik; der Vergleich mit dem Konzertsaal-Erlebnis liegt zwar auf der Hand, aber er verwischt gleichzeitig den Fokus, den eine Aufnahme an sich darstellt.


      Es sieht also ganz so aus, als wäre der Dynamikrahmen seit sehr langer Zeit vorhanden und ausfüllbar. Man kann ihn original belassen, aber dann gibt es ein anderes Problem: hat man tatsächlich Aufnahmen mit 80-120 dB Umfang, muß die Anlage zuhause gedrosselt werden, sonst geht sie möglicherweise kaputt. Aber wer will freiwillig einen Limiter in seiner Anlage einbauen? Ich nicht. Insofern ist es in Ordnung, daß uns die Tonmeister das abnehmen und uns auf keine dumme Gedanken kommen lassen... ;+)


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Die waren derartig kompromisslos produziert, sie konnten eine Anlage zerstören, den Verstärker, den Plattenspieler.........

      Das ist ja furchterregend. Sowohl Verstärker als auch Lautsprecher haben heute in der Regel einen internen Überlastungsschutz. War das damals nicht so? Beim Plattenspieler kann es ja auch zu Mikrofonie-Effekten kommen. Das heisst, die Nadel reagiert auf die Schallwelle aus den Boxen. Eine böse Rückkopplung.

      Hudebux