Opern: Welche sind die bedeutendsten von einer Frau geschriebenen?

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    • Opern: Welche sind die bedeutendsten von einer Frau geschriebenen?

      Zitat: "Die geschlechtsspezifische Sicht lässt sich auch bei Künstlern nicht ausblenden."

      Ist in der bildenden Kunst unbestreitbar, mit Zig Beispielen. Instrumentalmusik möchte ich ausklammern, weil mir da das Geschlechtsspezifische in der Regel etwas spekulativ erscheint. Dagegen bietet sich das Musiktheater an.

      Ich habe jetzt mal frech den Bereich "von der Aufklärung bis in die Gegenwart" gewählt: De facto ist mir überhaupt keine bedeutende Opernkomponistin bekannt. Aber wenn, dann würde ich sie eher in die Zeit nach 1750 verorten.

      Frage also: Gibt es Opern, von Frauen geschrieben, bei denen man reelle Chancen hat, diese auch mal live zu sehen?

      Zur Not ginge auch Operette oder Musical...


      Thomas
    • Lieber Thomas!

      Ich besitze zwei Aufnahmen von Opern von Komponistinnen, eine vor 1750:



      Und eine nach 1750:



      In kurzem und etwas pauschalem Urteil würde ich sagen: Die sind alle beide nicht besser und nicht schlechter als eine gute, aber nicht überragende, Oper eines männlichen Komponisten aus der selben Zeit. Der Opern-aficionado sollte sie auf jeden Fall kennenlernen, wenn er sie nicht schon kennt! Ich würde es auch durchaus begrüßen, wenn sie öfter an Opernhäusern gespielt würden, und es gibt in beiden Werken sehr schöne Passagen. Sie allerdings als verkannte Meisterwerke o.ä. zu bezeichnen, erschiene mir übertrieben.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Werter Thomas,

      die bekannteste ist wahrscheinlich die Finnin Kaija Saariaho (*1952). Deren Oper "L'amour de loin" hab ich mir neulich als Schnäppchen bei 2001 mitgenommen, aber noch nicht gehört.



      Eine DVD gibt es auch:



      Ansonsten spielt im Sommer die Kammeroper Neuburg an der Donau den Einakter "Eifersucht" (OT: "Les deux jaloux") der französischen Komponistin Sophie Gail (1775-1819).
      "http://www.neuburger-kammeroper.de/cms/index.php?idcat=5"

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Wer natürlich auch nicht vergessen werden sollte, ist die Engländerin Rachel Portman (*1960). Sie ist zwar hauptsächlich in der Filmmusik tätig, hat aber auch eine Oper geschrieben, die 2003 ihre Uraufführung feierte: "The Little Prince":



      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • merkatz schrieb:

      Diabolus in Opera schrieb:

      Wer natürlich auch nicht vergessen werden sollte, ist die Engländerin Rachel Portman (*1960). Sie ist zwar hauptsächlich in der Filmmusik tätig, hat aber auch eine Oper geschrieben, die 2003 ihre Uraufführung feierte: "The Little Prince":
      Hey, das klingt mal interessant!

      Muss ich schauen, obs das auf Torrent gibt, oder so. Bin gespannt, wie das klingt!


      Na ja, als Meisterwerk würde ich es jetzt mal nicht bezeichnen, tonal und von der Harmonik her ist es über weite Strecken recht konventionell, aber es sind schöne Stellen drin, die durchaus hörenswert sind. Interessanterweise ist die Titelpartie für einen Knabensopran geschrieben ...

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Diabolus in Opera schrieb:

      Na ja, als Meisterwerk würde ich es jetzt mal nicht bezeichnen, tonal und von der Harmonik her ist es über weite Strecken recht konventionell
      Klingt es eher nach einer Art hocherwertigem Kindermusical?

      Diabolus in Opera schrieb:

      Interessanterweise ist die Titelpartie für einen Knabensopran geschrieben ...
      Oh, das wollte ich grade fragen, ob die Titelpartie für eine Hosenrolle geschrieben wurde. Ist die Partie schwer zu singen?
    • merkatz schrieb:

      Diabolus in Opera schrieb:

      Na ja, als Meisterwerk würde ich es jetzt mal nicht bezeichnen, tonal und von der Harmonik her ist es über weite Strecken recht konventionell
      Klingt es eher nach einer Art hocherwertigem Kindermusical? Auf torrent hab ich leider nichts gefunden momentan, aber mal schauen.


      Hmm ... manche würden das Stück vielleicht tatsächlich als Kindermusical titulieren, aber da hab ich schon so viel wirklich Schlechtes gesehen, dass ich "The Little Prince" da nicht so einfach in die Ecke stellen will - dazu ist er dann doch zu gut! ;+)

      Hier findest Du ein paar kurze Ausschnitte:

      "http://www.youtube.com/watch?v=E7gBWf6966c" (Die erste Szene mit dem Piloten ist eine meiner Lieblingsstellen aus der Oper)

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Hmm, ich fürchte, das ist wohl doch nicht so meines, aber es klingt durchaus ernsthaft, nicht wie ein Kindermusical, da muss ich dir recht geben.

      Der Prinz ist aber echt toll besetzt! Die sieht wirklich aus wie ein Junge ... solche Hänsel bräuchten wir auf den Opernbühnen! :D

      Diabolus in Opera schrieb:

      Die erste Szene mit dem Piloten ist eine meiner Lieblingsstellen aus der Oper
      Meinst du, musikalisch gesehen?
    • Ich kenne die Oper leider noch nicht, aber sie interessiert mich schon lange:
      Ethel Smyth "The Wreckers " .
      Leider vermutlich in nächster Zeit weder auf dem Spielplan erreichbarer Opernhäuser noch in erschwinglicher CD-Aufnahme...

      Liebe Grüße
      :wink:
      Renate
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • Liebe Renate,

      wenn es erstmal nur um das Kennenlernen des Werkes geht, kannst folgenden links folgen:

      "http://www.youtube.com/results?search_query=ethel+smyth+the+wreckers&oq=Ethel+Smyth+the+wr&gs_l=youtube.3.0.0i19.2040.7548.0.8714.18.11.0.7.7.0.64.583.11.11.0...0.0...1ac.1.7q60SVOao2o"


      :wink:
      Wulf
      "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)
    • Hier hätte ich noch eine, trage schließlich ihren Namen als Nick:



      Komponiert von der bayerischen Prinzessin Maria Antonia Walpurgis, die später sächsische Kurfürstin wurde. Uraufgeführt 1760 oder 1763. Sie war eine Schülerin von Johann Adolph Hasse, Giovanni Battista Ferrandini und Nicola Porpora.

      :wink: Talestri
      One word is sufficient. But if one cannot find it?
      Virginia Woolf, Jacob's Room
    • Diabolus in Opera schrieb:

      Ecclitico schrieb:

      Zitat: "Die geschlechtsspezifische Sicht lässt sich auch bei Künstlern nicht ausblenden."

      Thomas


      Von wem ist eigentlich dieses Zitat?

      Von einem wichtigen Philosophen der Gegenwart. Hat leider noch keinen Wikipedia-Eintrag. Schreibt sogar bei Capriccio. Das Zitat habe ich hier gefunden:

      http://www.capriccio-kulturforum.de/oper/p230091-wagner-parsifal-–-kunstreligion-aus-noth-um-den-geschlechtstrieb-klangdenkmaeler-ungeahnt-edel-und-voller-kraft/#post230091


      Thomas
    • Erwähnenswert ist wohl auch noch die zeitgenössische österreichische Komponistin Johanna Doderer (*1969). Sie hat bislang 4 Opern geschrieben, die bekannteste ist wahrscheinlich "Der leuchtende Fluss" (2010), von der es eine Aufnahme gibt.



      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Ich dachte, ich hole diesen über 5 Jahre alten Thread mal wieder aus der Versenkung, immerhin ist dieses Jahr ja das 100-jährige Jubiläum der ersten Wahl an der Frauen in Deutschland teilnehmen durften...

      Hier einige Werke, die bislang noch nicht hier erwähnt wurden:

      Francesca Caccini: "La liberazione di Ruggiero dallisola dAlcina" (1625) - Nach jetzigem Stand die erste von einer Frau komponierte, erhaltene Oper. Gibt es in dieser Aufnahme:



      Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel: "Erwin und Elmire" (1776) - Vertonung von Goethes Singspiel-Text. Erhältlich in dieser Aufnahme:



      Bin gespannt auf weitere Beispiele...

      DiO
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Nur mal ganz nebenbei: könnte sich vielleicht ein Mod erbarmen und den Grammatik-Fehler im Threadtitel beseitigen, also eine Änderung von "Welches" zu "Welche" vornehmen? :versteck1:

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      Nur mal ganz nebenbei: könnte sich vielleicht ein Mod erbarmen und den Grammatik-Fehler im Threadtitel beseitigen, also eine Änderung von "Welches" zu "Welche" vornehmen? :versteck1:

      LG :wink:
      Aber ja! Er könnte... ;)
      Herzliche Grüße
      AlexanderK, Moderation


      Hier eine der neuesten Opern die ev. in diesen Thread passen, steht allerdings noch auf meiner Wunschliste:



      Johanna Doderer (geb. 1969)
      Fatima oder Von den mutigen Kindern
      Herzliche Grüße
      AlexanderK