Der "Kleinmeister"-Propagierungs-Thread: Sinfonik der Romantik bis Moderne

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    • Der "Kleinmeister"-Propagierungs-Thread: Sinfonik der Romantik bis Moderne

      Dieser Thread soll zum Ziel haben, dass Komponisten der "zweiten Reihe", deren Werke nur selten auf CD aufgenommen wurden, mit konkreten Werken in konkreten Einspielungen zum Entdecken empfohlen werden.
      Man denke etwa an die "Ausgrabungen" in Form von (Erst-)Einspielungen mit Nischen-Repertoire aus dem Hause CPO, Naxos etc.
      Wie oft hat meiner einer Zyklen der Schubert-, Schumann-, Brahms-, Bruckner-, Mahler-, etc. -Sinfonien. Man kauft und kauft - bald spielt nicht mehr das Werk sondern die Interpretation die Hauptrolle. Das Werk ist längst sattsam bekannt und auch über jeden Zweifel erhaben. Doch wie verhält es sich mit Komponisten, die einst viel gespielt wurden und heute bestenfalls noch als "Kleinmeister" namentlich bekannt sind? Hier ist man an einem Punkt, an dem es gilt, unbekannt Werke kennenzulernen, von denen es überhaupt nur eine bis wenige Aufnahmen gibt. Hier gilt neu zu entdecken, was unlängst ein Forianer formulierte: Interpretation wird überbewertet. Zurück mit der Komposition in den Mittelpunkt. Allerdings muss man auch sagen, dass eine Komposition nur halb "wiederentdeckt" wurde, wenn sie nur in einer oder wenigen mittelmäßigen oder schlechten Aufnahmen vorliegt. Hier denke ich als erfundenens Beispiel an die Sinfonien Artur Rubinorowitschs. Sind die (Sinfonien) wirklich so lahm/langweilig/schlecht oder sind die vorhandenen wenigen Einspielungen halt einfach nicht gut/fetzig genug?

      Dieser Thread soll also selten eingespielte Werke relativ wenig bekannter Komponisten in akzeptablen bis sehr guten Einspielungen vorstellen. Beispielsweise die Sinfonie von Rott, mitlerweile mehrfach und von international bekannten Dirigenten eingespielt, würde da so eine Grenzlinie dieses Threads markieren. (Rott darf also noch erwähnt werden, weil er erst ganz frisch in den Fokus der internationalen Musikwelt gerückt ist, während zB die Glasunow-Sinfonien zu häufig eingespielt wurden und seit langem sattsam bekannt sind).

      Also, bitte keine großen Listen in diesem Thread, was es alles noch zu entdecken gäbe. Stattdessen: Einzelne Werke in konkreten Einspielungen vorstellen und somit möglichst Appetit auf unbekanntes / wenig bekanntes Repertoire erzeugen. Zeitlicher Rahmen: Sinfonik der Romantik, Spätromantik, klassischen Moderne. Parallel-Threads zu anderen Gattungen oder anderen Epochen dürfen gerne nach gleichem Vorbild gestartet werden.
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • Leider ruft ziemlich laut das Bett, da bereits der morgige Arbeitstag droht, also nur kurz hingeschmissen:

      Obergeil!
      Schumann hat Burgmüller geschätzt, Mendelssohn ihn gefördert, Brahms einiges abgeschrieben (gerade in der D-Dur-Sinfonie). Das ist ganz eigen, so wie auch der (spärliche) Rest vom Schaffen Burgmüllers, den leider ein Anfall in der Therme viel zu früh dahin gerafft hat.

      Auch die Aufnahme finde ich klasse, für genauere Bewertung müsste ich reinhören, geht halt gerade nicht, wird hoffentlich nachgereicht.

      Gut Nacht

      :wink:
    • Vor 2 Jahren lernte ich die Sinfonien und das Klavierkonzert des Komponisten Ernst Pepping (1901 - 1981) in dieser hervorragenden Gesamtaufnahme kennen:



      Heutzutage ist Ernst Pepping vor allem als Komponist von Kirchenmusik bekannt aber als Sinfoniker wurde er lange Zeit nicht wahrgenommen, obwohl seine ersten beiden Sinfonien mit Karl Böhm und Wilhelm Furtwängler prominente Fürsprecher hatten. Den Stil dieser Werke umfasst eine Bandbreite von heiter-melancholisch, spätromantisch, neoklassizistisch bis zu derb-burlesk. Kurz gesagt: Das ist meiner Meinung nach sehr abwechslungsreiche und kurzweilige Musik.

      Lionel
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • El Duderino schrieb:

      Leider ruft ziemlich laut das Bett, da bereits der morgige Arbeitstag droht, also nur kurz hingeschmissen:

      Obergeil!
      Schumann hat Burgmüller geschätzt, Mendelssohn ihn gefördert, Brahms einiges abgeschrieben (gerade in der D-Dur-Sinfonie). Das ist ganz eigen, so wie auch der (spärliche) Rest vom Schaffen Burgmüllers, den leider ein Anfall in der Therme viel zu früh dahin gerafft hat.

      Auch die Aufnahme finde ich klasse, für genauere Bewertung müsste ich reinhören, geht halt gerade nicht, wird hoffentlich nachgereicht.

      Gut Nacht

      :wink:

      Ist ja lustig, das ist eine der wenigen Aufnahmen, die mir so wenig gefallen haben, dass ich die CD aus meinem offiziellen Regal aussortiert habe - und die Konkurrenzproduktion (auf Originalinstrumenten!) kaufen möchte:
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
      playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)
    • Durchaus faszinierend finde ich die 4. Sinfonie von Boris Lyatoshinsky (1895 - 1968) - man hört zwar noch das Vorbild Skrjabin durchschimmern, dennoch klingt's nicht wirklich viel altmodischer als das, was Schostakowitsch parallel komponierte. Der langsame Mittelsatz hat wirklich Gänsehautfaktor, die anderen beiden leiden unter mangelnder formaler Stringenz? Sehr sympathisch ist mir die Blechlastigkeit und der dauernde Dissonanzenreichtum. Dieser steht vor allem in der 5. in merkwürdigem Gegensatz zu den vielen folkloristischen Elementen - man weiß nicht, soll das jetzt freundlich oder ernsthaft wirken? Drum ist mir bislang die metaphysisch dräuende 4. lieber.
      Offenbar gab es in den 90ern eine Miniatur-Renaissance für Lyatoshinsky, die 4. und 5. wurden parallel von zwei Orchestern in den verdächtigen Labels bereitgestellt:
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    • putto schrieb:

      Ist ja lustig, das ist eine der wenigen Aufnahmen, die mir so wenig gefallen haben, dass ich die CD aus meinem offiziellen Regal aussortiert habe - und die Konkurrenzproduktion (auf Originalinstrumenten!) kaufen möchte:

      Ich bin auch leicht zufrieden zu stellen.. :D Aber von der Bernius-Aufnahme wusste ich noch gar nichts, die ist quasi schon bestellt und dann wird mal Vergleich gehört.
    • @ Putto #4 und @ El Duderino #6

      Zufriedenzustellen bin ich - nicht immer, aber auch nicht selten - relativ schnell, wenn mich die Musik anspricht, und das tut sie fast immer. :P Das Leben wird dadurch zusätzlich leichter ...

      Die Einspielung der Hofkapelle unter Bernius kann ich sehr empfehlen, die andere kenne ich nicht. Norbert Burgmüller ist ein radikal unterschätzter Frühverstorbener, dessen Tonsprache genügend Kanten und Individualität zeigt, selbst wenn sie naturgemäß irgendwo auf seine Zeitgenossen, wie Schumann, verweist.

      Ferdinand Ries (1784 - 1838)

      Meine Empfehlung sind die Sinfonien von Ferdinand Ries, die gerne mit Beethoven verglichen werden. Aber 1. ist das allenthalben interessant genug, 2. erschöpft es diesen "Kleinmeister" nicht.

      Zum Einstieg empfehle ich gleich den ersten Akkord aus der ersten Sinfonie ... Man kann die beiden ersten Sinfonien auch getrennt erwerben - man muss aber nicht ... ;+) :



      Sollte Ries für diesen Thread bereits zu bekannt sein, bitte ich leicht um Entschuldigung!

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      @ Putto #4 und @ El Duderino #6

      Zufriedenzustellen bin ich - nicht immer, aber auch nicht selten - relativ schnell, wenn mich die Musik anspricht, und das tut sie fast immer. :P Das Leben wird dadurch zusätzlich leichter ...

      Die Einspielung der Hofkapelle unter Bernius kann ich sehr empfehlen, die andere kenne ich nicht. Norbert Burgmüller ist ein radikal unterschätzter Frühverstorbener, dessen Tonsprache genügend Kanten und Individualität zeigt, selbst wenn sie naturgemäß irgendwo auf seine Zeitgenossen, wie Schumann, verweist.

      Ferdinand Ries (1784 - 1838)

      Meine Empfehlung sind die Sinfonien von Ferdinand Ries, die gerne mit Beethoven verglichen werden. Aber 1. ist das allenthalben interessant genug, 2. erschöpft es diesen "Kleinmeister" nicht.

      Zum Einstieg empfehle ich gleich den ersten Akkord aus der ersten Sinfonie ... Man kann die beiden ersten Sinfonien auch getrennt erwerben - man muss aber nicht ... ;+) :



      Sollte Ries für diesen Thread bereits zu bekannt sein, bitte ich leicht um Entschuldigung!

      :wink: Wolfgang



      Volle Zustimmung! Ries' Symphonien sind IMO mit das Beste, was in den letzten Jahren wiederentdeckt wurde. Das Zürcher Kammerorchester spielt superb.

      Irgendwer muss es ja tun:



      Ich habe mehrere Aufnahmen Auszugsweise vergleichen können, aber Järvi plättet sie alle. 1. ist das Orchester wunderbar eingefangen, 2. spielt es ganz exzellent und 3. nimmt Järvi diese Musik hörbar ernst. Das Scherzo wird mit Mahler'scher Brutalität ausgefochten. Und nein, die Triangel stört mich nicht.
      Über das Werk wurde ja im Thread schon viel geschrieben.
      Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...
    • Natürlich gehört in so einen Thread ein genialer Kleinmeister wie Otto Jägermeyer.
      Zu Unrecht heute vergessen: Otto Jägermeier


      Außerdem Richard Wetz.
      Ich habe vor einigen Jahren zufällig diese CD geschossen:
      [Blockierte Grafik: http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0761203927227.jpg]
      Später habe ich noch mehr von diesem merkwürdigen Mann, heute würde man ihn wohl als Nerd bezeichnen, gehört. Zwei weitere Sinfonien, ein Requiem, ein WO, ein Violinkonzert... Alles interessant, sehr sogar. Aber so unmittelbar gepackt wie die 1. Sinfonie hat mich nichts davon wieder. Wetz wurde, je höher die Opuszahl ist, immer schwieriger, so schien es mir. Und in gewisser Weise gibt mir der sehr empfehlenswerte Wiki-Eintrag zu Wetz darin Recht.
      Alles in Allem m.E. eine sehr lohnende Entdeckung, wie ja hier (oder war es drüben??) auch schon gelegentlich geschrieben wurde.

      Mein liebster Kleinmeister ist allerdings Franz Schubert (1,56 m).

      :wink:
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • El Duderino schrieb:

      putto schrieb:

      Ist ja lustig, das ist eine der wenigen Aufnahmen, die mir so wenig gefallen haben, dass ich die CD aus meinem offiziellen Regal aussortiert habe - und die Konkurrenzproduktion (auf Originalinstrumenten!) kaufen möchte:

      Ich bin auch leicht zufrieden zu stellen.. :D Aber von der Bernius-Aufnahme wusste ich noch gar nichts, die ist quasi schon bestellt und dann wird mal Vergleich gehört.

      Mir gefallen erstaunlicherweise beide Aufnahmen. Aber die Bernius-Aufnahme ist schon ein Knaller! Wird Dir gefallen!

      Ich habe vor einigen Jahren die Symphonien Joseph Joachim Raffs für mich entdeckt, durch diese Gesamteinspielung:


      Raff ist ein echter Symphoniker des XIX. Jahrhunderts und ein Meister der Instrumentation. Als solcher ist er seinerzeit auch schon Franz Liszt zur Hand gegangen. Auf jeden Fall wert, dem Vergessen entrissen zu werden.
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Travinius schrieb:

      Mir gefallen erstaunlicherweise beide Aufnahmen. Aber die Bernius-Aufnahme ist schon ein Knaller! Wird Dir gefallen!

      Die jpc-Schnippsel verheißen Einiges!

      Unbedingt hier genannt werden muss auch Sigfrid Karg-Elert (1877-1933), den es im Laufe seines Lebens langsam von Süddeutschland in den Osten verschlagen hat. Er hat bei uns zwar schon einen Thread, was aber nichts heißt, wir haben sie ja bekanntlich alle! :D In diesem Thread muss er auch noch mal auftauchen.

      capriccio-kulturforum.de/kompo…id-der-verrufensten-einer

      Seine Stücke für Flöte solo zählen für mich zum Besten, was für dieses Instrument geschrieben wurde. Unglaublicherweise gibt es davon kaum brauchbare Aufnahmen, von den Capricen op. 107 habe ich nicht eine Aufnahme finden können. Einen sehr brauchbaren Vorgeschmack liefert dieser junge Mann auf youtube:

      "http://www.youtube.com/watch?v=5fAoi7cIBGc"

      Außerdem sehr liebgewonnen habe ich seine Musik für Harmonium (das er auch selbst spielen konnte). Eine wunderbare Aufnahme ist von Joris Verdin, Fernsicht vor dem Regen ist für mich der Höhepunkt der CD.

    • El Duderino schrieb:

      Seine Stücke für Flöte solo zählen für mich zum Besten, was für dieses Instrument geschrieben wurde.
      Pedantischer Einwurf: Gehören diese Stücke auch zur Sinfonik (Theadtitel!)? ;+)

      Eine Rarität sind wohl auch die beiden Symphonien des Komponisten der viel bekannteren Dreigroschenoper, Kurt Weill. Die erste (1921) ist in der formalen Anlage (einsätzig, ca. 25') kühner als die eher klassisch gegliederte zweite (1934) mit einer im Vergleich gemäßigteren Tonsprache. Reizvoll sind sie beide:


      BBC SO, Gary Bertini, EMI, aufg. 1967

      Außerdem werfe ich noch einen Komponisten ins Spiel, den außer mir offensichtlich niemand kennt, geschweige denn schätzt ( ;+) :( nämlich den Schönberg-Schüler, einen Katalanen mit elsässisch-schweizerischen Wurzeln, Roberto Gerhard. Den zu Unrecht Vergessenen habe ich vor vier Jahren hier vorgestellt: Gerhard, Roberto: "Dodekaphonisch, aber menschlich und sogar ein bisschen göttlich". Er komponierte u. a. 4 Symphonien, in denen sich der Komponist recht experimentierfreudig zeigt. Empfehlenswert:


      BBC SO, Matthias Bamert, Chandos

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Travinius schrieb:


      Ich habe vor einigen Jahren die Symphonien Joseph Joachim Raffs für mich entdeckt, durch diese Gesamteinspielung:


      Raff ist ein echter Symphoniker des XIX. Jahrhunderts und ein Meister der Instrumentation. Als solcher ist er seinerzeit auch schon Franz Liszt zur Hand gegangen. Auf jeden Fall wert, dem Vergessen entrissen zu werden.


      Lieber Travinius, ich stimme dir in Sachen Raff voll und ganz zu. :yes:

      :wink:
    • Und jetzt etwas für die "Quote":

      Louise Farrenc (1804-1875) ("http://de.wikipedia.org/wiki/Louise_Farrenc") hat unter anderem drei Symphonien hinterlassen, die mich irgendwie an Mendelssohn oder Schubert erinnern, ohne in irgendeiner Weise epigonal zu sein, aus Klassik und Romantik findet sie eine eigene Tonsprache. Auf jeden Fall beachtenswert!
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Travinius schrieb:

      Und jetzt etwas für die "Quote":
      Wer übrigens sinfonischen Jazz aus der Zeit Gershwins politisch korrekt von einem Schwarzen komponiert haben will, sollte unbedingt zu Grant Still (1895–1978) greifen - oder zu seiner Afro-American Symphony:
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
      playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)
    • Bo Linde: Sinfonie Nr.2

      :vv: Ein interessanter Thread, den man schnell füllen könnte, da sich fast täglich eine CD einstellen ließe !


      :thumbsup: Mir fällt da gleich diese phänomenale BIS-CD mit Bo Lindes Sinfonie Nr.2 ein. :angel: Ein unbekanntes Meisterwerk des 20-Jhd der Extraklasse. Spannung pur und hier von einem ebenfalls unbekannten japanischen Dirigenten mit Hochspannung interpretiert. :spock: Das muss man als Klassik-Fan des 20.Jhd gehört haben.


      BIS, DDD
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Dieser Thread bietet mir Gelegenheit, noch einmal nachdrücklich auf eine der für mich wichtigsten Entdeckungen der letzten Jahre hinzuweisen:



      Warum dieses für meine Ohren turmhoch über den meisten in spätestromantischer Manier komponierten Sinfonien des frühen 20. Jahrhunderts stehende Werk auch zu Lebzeiten des Komponisten keinen Erfolg hatte, ist mir ein absolutes Rätsel.

      Das lyrische Haupthema des Kopfsatzes halte ich für einen Einfall ersten Ranges, und die weitere Entwicklung dieser Eingebung, auf die auch im Finale sehr wirkungsvoll zurückgegriffen wird, verläuft äußerst spannend, da beständig zwischen Idylle und Schmerz changierend.

      Der zweite Satz wird motivisch aus dem ersten abgeleitet, wodurch seine großen und teilweise herben melodischen Bögen die nötige Stringenz gewinnen.

      Etwas schwächer finde ich die als Satz Nummer drei nachfolgende "Scene", aber im nachfolgenden Finale geht es dann wiederum sehr eindrucksvoll über mal mehr, mal minder bizarre, streckenweise den Rand des Dämonischen (Posaunenglissando!) streifende Episoden in die pastorale, aber jetzt abgedunkelte, gleichsam so tief ins Abendrot getauchte Sphäre des Anfangsthemas.

      Vor allem in melodischer Hinsicht macht August Halms Sinfonie auf mich einen außergewöhnlich inspirierten Eindruck. Im Oktober 2012 bin ich mit Streicherkammermusik von Halm in Berührung gekommen, und auch da hat mich die melodische Seite streckenweise sehr gefesselt.

      Im Falle dieses Komponisten kann man kaum von "Wiederentdeckung" sprechen - man muss ihn überhaupt erst einmal entdecken. Aber diese Entdeckung scheint sich nach meinen bisherigen Erfahrungen besonders zu lohnen!

      Beste Grüße

      Bernd
    • Michael Daugherty

      Man darf jetzt von Daugherty keine Meisterwerke erwarten. Das muss auch gar nicht sein. Das erwarte ich auch gar nicht.
      :thumbsup: Aber der Hörspass ist auf jeden Fall gegeben. Alles von Daugherty ist fern jeder Langeweile. 8o Da ist richtig was gebacken ! Jedenfalls nix zum einpennen !

      Und Daugherty macht Musik für den Hörer, die nicht ungeniessbar ist, so wie manche Avantgardisten, die sich wer weis wie gross vorkommen - mit ihrem Sch ...

      Da bisher nur Sinfonien in diesem Thread auftauschen mache ich auch mit Daugherty´s Metropolis Sinfonie (1988-93) weiter:


      NAXOS, 2007, DDD

      Aber alle NAXOS -CD´s die es von Daugherty bisher gibt (Ich habe alle !) würden diesem Thread gerecht werden:
      Das geht von UFO für Solo Percussion und Orchester (1999) über die Philadelphioa Stories (2001) und Fire ans Blood für Violine und Orchester (2003) bis Rise to the Roof für Timpani und Orchester ( 2003) sowie Ghost Ranch (2006) und Route 66 (1998) (um nur das Tollste zu nennen)

      :thumbsup: Yeah - ist das geile Musik !
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Khachaturian: Sinfonie Nr.1

      Armenische Folklore spannend und autentisch vom Komponisten dargeboten:

      Die Sinfonie Nr.1 ist kein Meisterwerk in dem Sinne, aber hat das Potential mir als Hörer richtrigen musikalischen Hörspass nahe zu bringen. ;+) :thumbsup: Das ist mir auch wichtiger, als das, was die Banausen Meisterwerke nennen.

      Khatchaturians Sinfonie Nr.1 in drei Sätzen lebt von ihren mannigfaltigen folkloristischen Zitaten und Themen. Khatchaturian hat in seiner 1975 mit dem Swetlanow Orchester - Staatlichers SO der UDSSR Moskau eine bestmögliche Int hingezauibert, die in jeder Hinsicht fastzinierend rüber kommt, wenn man (wie ich) für solche Sinfonik aufnahmebereit ist. Ich berichte parallel im Thread Komponisten dirigiren ihre Werke von diesem Neuzugang.

      Die auf der CD enthaltene Rhapsody für Cello und Orchester scheint mir eine der besten und gespanntesten Aufnahmen dieser rund 25 Minütigen "Cellorhapsody" zu sein. Ich habe beim ersthören heute einen besseren Eindruck als unter dem Widmingsträger M.Rostropowitsch, weil das Orchester unter Khatchis Leitung mit Hochspannung mitmusiziert - TOP-Int mit Cellistin Natalia Shakhovskaya:


      Melodiya, 1995, ADD
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Lionel schrieb:

      Vor 2 Jahren lernte ich die Sinfonien und das Klavierkonzert des Komponisten Ernst Pepping (1901 - 1981) in dieser hervorragenden Gesamtaufnahme kennen:



      Heutzutage ist Ernst Pepping vor allem als Komponist von Kirchenmusik bekannt aber als Sinfoniker wurde er lange Zeit nicht wahrgenommen, obwohl seine ersten beiden Sinfonien mit Karl Böhm und Wilhelm Furtwängler prominente Fürsprecher hatten. Den Stil dieser Werke umfasst eine Bandbreite von heiter-melancholisch, spätromantisch, neoklassizistisch bis zu derb-burlesk. Kurz gesagt: Das ist meiner Meinung nach sehr abwechslungsreiche und kurzweilige Musik.

      Lionel
      Gibt nicht viele Pepping-Hörer hier? Die 1. fand ich beim zweiten Hören (oder dritten?) jetzt schon sehr brav-klassizistisch. Immer wieder sehr reizvolle Stellen, Instrumentierung mit Blech unten wie Prokofieff und interessante harmonische Wendungen, aber dann dudelt es streckenweise wie 1870 herum und immer alles ordentlich nach klassischem Muster x-mal wörtlich wiederholt - mochte ich gestern nicht so ganz. Allerdings hatte mir, glaube ich, beim Erstdurchgang das Klavierkonzert am besten gefallen (und wohl die 2. am wenigsten, die geht noch stärker in die Glätte als die 1.)
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
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