WAGNER: Tannhäuser, Deutsche Oper am Rhein, Düsseldorf (Premiere: 04.05.2013)

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    • WAGNER: Tannhäuser, Deutsche Oper am Rhein, Düsseldorf (Premiere: 04.05.2013)

      [Nach Rücksprache mit dem Eröffner aus der Capriccio-Presseschau ausgelagert: Die folgenden 12 Beiträge. :gurni: Gurnemanz]


      Und hier gibt's die nächste Runde von "Wagner & Das Dritte Reich" ...

      "http://www.spiegel.de/kultur/musik/tannhaeuser-von-wagner-skandal-wegen-gaskammer-auf-der-buehne-a-898162.html"

      Aber der "Tannhäuser" war ja schon zu Wagners Zeiten für einen Skandal gut ...

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Diabolus in Opera schrieb:

      Und hier gibt's die nächste Runde von "Wagner & Das Dritte Reich" ...

      "http://www.spiegel.de/kultur/musik/tannhaeuser-von-wagner-skandal-wegen-gaskammer-auf-der-buehne-a-898162.html"

      Aber der "Tannhäuser" war ja schon zu Wagners Zeiten für einen Skandal gut ...

      DiO :beatnik:
      kann ich so bestätigen, war gestern bei der Premiere dabei (außer die Premierenfeier).
    • Eugen Onegin schrieb:

      Diabolus in Opera schrieb:

      Und hier gibt's die nächste Runde von "Wagner & Das Dritte Reich" ...

      "http://www.spiegel.de/kultur/musik/tannhaeuser-von-wagner-skandal-wegen-gaskammer-auf-der-buehne-a-898162.html"

      Aber der "Tannhäuser" war ja schon zu Wagners Zeiten für einen Skandal gut ...

      DiO :beatnik:
      kann ich so bestätigen, war gestern bei der Premiere dabei (außer die Premierenfeier).
      Und?

      Ich meine, die Aufführung war (auch in den ersten 15 min.) schon etwas differenzierter als die dpa Meldung das verkauft. Kosminski geht es um die Frage der Schuld. Was hat Tannhäuser getan, dass noch nichtmal der Papst ihn erlösen kann? So ungefähr wird im Programmheft (Interview mit dem Regisseur) und in der Einführung vor Beginn der Vorstellung erklärt. Das Kosminski diese Schuld als Kriegsverbrechen - Tannhäuser wird zum Täter gemacht `entweder du schießt oder wir erschießen dich` - definiert fand ich völlig daneben umgesetzt. Ein paar Greueltaten und `zig Ideen drumherum machen keine gute Aufführung. Der zweite Akt mit den eingebauten Witzchen machte da eine erholsame Ausnahme, auch wenn die Düsseldorfer mit energischen buh-Rufen ihr Temperament auslebten. Hätte ich denen gar nicht zugetraut :D .
    • Die Bühnen der Landeshauptstadt haben in meiner Wahrnehmung immer den konservativeren Spielplan und Inszenierungen gebracht als Köln. Da geht es irgendwie gediegener zu, nicht so viele Skandale wie in Köln :D . Wobei wir ja auch gerne überall dabei sind, wenn die Aufführungen nichts hergeben nimmt man sich die Intendanz oder die Kulturpolitik vor, oder, oder .... :D .

      Ich bin noch gespannt auf den Spielplan Köln 2013/2014, am 28.5. soll er veröffentlicht werden. Die Philharmonie erscheint am 17.5.
    • S.Kirch schrieb:

      Der zweite Akt mit den eingebauten Witzchen machte da eine erholsame Ausnahme, auch wenn die Düsseldorfer mit energischen buh-Rufen ihr Temperament auslebten. Hätte ich denen gar nicht zugetraut :D .
      Im zweiten Akt (kurz vor dem Sängerkrieg) gab es ja nur einen einsamen Buhruf ;)


      Ich muss gestehen, ich bin begeistert von der Premiere, da das mein erster richtiger Opernskandal war, den ich live miterlebt habe :D
    • Eugen Onegin schrieb:

      Ich muss gestehen, ich bin begeistert von der Premiere, da das mein erster richtiger Opernskandal war, den ich live miterlebt habe
      ;+)
      ach wie schön! das freut mich für dich! :thumbsup:
      konntest du mit der inszenierung an sich was anfangen?

      jetzt werden wir bestimmt gleich ausgeschimpft, weil das - streng genommen - nicht zum thread gehört .... :wacko:
    • Ja, ich konnte mit der Inszenierung was anfangen.

      Ich finde die Inszenierung war auch nur halb so skandalös wie die Presse es beschreibt. In dieser Inzenierung stand doch ganz klar die Frage im Vordergrund welche Taten ein Mensch anrichten muss, damit ihm nicht mal mehr der Papst (als stellvertreter Gottes) verzeihen kann. Außerdem, können wir nicht immer klassische Inszenierungen auf die Bühne gebracht werden! Ich bin zwar auch eher ein Fan von klassischen Inszenierungen (in diesem Fall: wenn der Tannhäuser als Ritter auf die Bühne gekommen wäre und das Setting ein anderes wäre, wäre ich definitv hin und weg gewesen), aber ich habe kein Problem damit, wenn die Regie ein Stück "missbraucht".

      So! und jetzt buhh,buuuh... :D



      Was mindestens genauso skandalös ist wie die Inszenierung ist die Presse!!
      Um mal ein paar Details klarzustellen:
      - Ein einziges mal knallte ein Zuschauer die Tür hinter sich zu!
      - zum zweiten Akt erschienen nur sehr wenige Zuschauer nicht mehr
      - am Schluss wurden die Buhrufe von einer größeren Zahl Bravorufe kompensiert! (Die Regie allerding wurde gnadenlos ausgebuht!)
      - Hitlergruß? Habe ich nicht gesehen! Es gab einen "versteckten" Hitlergruß - ein ausgestreckter Arm mit geballter Faust.
      Die Presse vermittelt doch ganz klar den Eindruckt, dass 90 Prozent der Zuschauer wutentbrannt die Vorstellung verließen- dem war aber nicht so!
    • Eugen Onegin schrieb:

      S.Kirch schrieb:

      Der zweite Akt mit den eingebauten Witzchen machte da eine erholsame Ausnahme, auch wenn die Düsseldorfer mit energischen buh-Rufen ihr Temperament auslebten. Hätte ich denen gar nicht zugetraut :D .
      Im zweiten Akt (kurz vor dem Sängerkrieg) gab es ja nur einen einsamen Buhruf ;)

      Ich muss gestehen, ich bin begeistert von der Premiere, da das mein erster richtiger Opernskandal war, den ich live miterlebt habe :D
      Wie schön ;+)

      Na, der 2. Akt war doch super. Das ging los mit dem Einzug der Gäste einschl. Habemus Papam bis zu den Streck- und Einsingübungen der Sänger. Die aeiou`s klangen ja über`s Orchester, das habe ich schon ziemlich tumultartig, auch im Zuschauerraum wahrgenommen ;+) .

      Die Presse berichtet überwiegend über die ersten 20 min. der Aufführung.
    • Naheliegend: Die Journalisten gingen nach 20 Minuten und schrieben gleich ihre Besprechungen: Zeit ist Geld. 8+)

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Eugen Onegin schrieb:

      S.Kirch schrieb:


      Die Presse berichtet überwiegend über die ersten 20 min. der Aufführung.
      Ja, eben! Die Aufführung dauert aber circa 4 Stunden!!
      Ist im Programmheft (Besetzungszettel) nicht sogar als Ende der Vorstellung 22.30 Uhr angegeben? Jedenfalls war ich überrascht, daß kurz nach 22 Uhr der Spuk vorbei war. Wüßte man vorher, daß der Zug ganz überraschend 15 min. Verspätung hat, könnte man sogar noch locker den Buh-Sturm auf den Regisseur abwarten. So ging das bei mir leider nicht... Der Hauptbahnhof voller Fußballfans ist nicht soooo spaßig um die Uhrzeit.

      Vielleicht nutze ich die Gelegenheit, die Vorstellung noch einmal zu besuchen. Vor allem musikalisch würde ich das gerne nochmal hören. Die Musik aus dem Venusberg habe ich noch nie so schrill und grob gehört wie in dieser Vorstellung. Inwieweit Regie und musikalische Interpretation sich hier beeinflußt haben darf man wohl nur spekulieren. Dazu meine ich, daß sehr schnell gespielt wurde. Das Vorspiel war verschmiert, kaum Akzente. Und dann möchte ich nochmal hören, wie Daniel Frank sich nach der Premierennervosität in einer Repertoirevorstellung dieser Oper so schlägt. Im 2. Akt war er, zumindest bei der Premiere, einfach umwerfend.

      Szenisch hat mir die Vorstellung nicht gefallen. Sie beginnt eigentlich mit dem Ende, indem sie Grausamkeiten zeigt. Eine Steigerung bzw. Weiterentwicklung gibt es nicht, die Bilder aus dem 2. und 3. Akt wirkten eher wie aneinandergehangene, zusammenhanglose Szenen. Überraschend fand ich kurz vor Schluß, daß Tannhäuser mit Venus geht. Nicht freiwillig, aber er wehrt sich auch nicht.

      Wer steht am Ende an der Rampe? Ich war der Meinung, daß ist Wolfram, in der Presse wurde aber mitgeteilt, das ist Tannhäuser?
    • Mir gefällt das allgemeine Presse-Bashing nicht so sehr.
      Die drei Kritiken, die ich mitbekommen habe (SZ, HAZ, WDR3) haben die Regie zwar verrissen, sich aber differenziert damit auseinandergesetzt.
      Sogar Rainer Wagner von der HAZ, der taub ist und am liebsten über sich selbst schreibt, bleibt beim Stück und insinuiert nirgends, dass das Publikum in Scharen gemeutert hätte.
      Mir (als Freund des sog. "Regietheaters") bietet sich das Bild einer thematisch voll an der Sache vorbei bretternden Regie, die leider durch einen schwachen GMD nicht beeinflusst wurde. Die o.g. Presseorgane vermitteln eigentlich nicht mehr und nich weniger als das, so dass bei mir als Rezipient ankommt:
      Der eigentliche Skandal scheint mir darin zu liegen, dass man eben diesen wollte - und damit Wagner, dem sog. "Regietheater" und der ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Holocaust einen Bärendienst erweist. Eigentlich ist doch diese Phase der Musiktheaterregie längst überwunden.

      :wink:
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • jedenfalls kann man dort karten, die man für diese produktion gekauft hat, gegen andere umtauschen. die inszenierung scheint also auch von der opernhausleitung als entgleisung eingestuft worden zu sein.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • Die Deutsche Oper am Rhein kündigt soeben an, alle Tannhäuser-Aufführungen ab dem 09. Mai nur noch konzertant aufzuführen!
      Quelle: "http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/duesseldorf/nachrichten/tannhaeuser-inszenierung-nach-protesten-abgesetzt-1.3385387"
    • Eugen Onegin schrieb:

      Die Deutsche Oper am Rhein kündigt soeben an, alle Tannhäuser-Aufführungen ab dem 09. Mai nur noch konzertant aufzuführen!
      Quelle: "http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/duesseldorf/nachrichten/tannhaeuser-inszenierung-nach-protesten-abgesetzt-1.3385387"

      Ich kenne die Inszenierung nicht und kann insofern keine Meinung zu ihr abgeben. Die Haltung der Deutschen Oper am Rhein, vor allem von Herrn Meyer, in dieser Sache ist aber mehr als opportunistisch. Herr Meyer wird doch wohl mit dem Regisseur ein Konzeptionsgespräch geführt haben, und man ahnte in Düsseldorf ja offensichtlich, daß die Inszenierung für Kontroversen sorgen könnte. Dann muß man sich als Intendant aber irgendwann mal entscheiden: entweder man hält die Inszenierung für provokant, aber dem Publikum zumutbar, dann sollten einen auch Proteste bei der Premiere nicht von dieser Position abbringen. Oder aber man hält die Inszenierung für unzumutbar, dann muß man den Stecker viel, viel eher ziehen. Was hat man jetzt? Viel verschwendetes Geld und einen Eindruck von der Intendanz des Hauses, daß diese irgendwo zwischen Dillettantismus und Rückgratlosigkeit anzusiedeln sei. Peinlich!

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Wohl ein mehrfacher Fehlgriff: Die Nazi-Anspielungen werden von niemandem mehr als wirklich neu empfunden, die Inszenierung dennoch als am Thema vorbei und die, an deren Verfolgung wohl auch miterinnert werden sollte, bezeichnen sie als geschmacklos und nehmen Wagner in Schutz.

      Die Haltung der Intendanz lässt den Verdacht aufkommen, dass man zwar provozieren wollte, aber bitte sehr nicht zu viel und auch mit ein bisschen Lob wenns geht. Das ist nicht sehr konsequent und auch etwas wehleidig. Da wurde wohl einigen das eigene Badewasser zu heiß. Wahrscheinlich haben auch zuviele Leute ihre Karten zurückgeben wollen und es wäre somit ein finanzielles Fiasko geworden. Konzertant dürfte die Aufführung wohl ein Renner werden, wenn das Niveau tatsächlich so hoch ist.
      Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...
    • Symbol schrieb:

      Eugen Onegin schrieb:

      Die Deutsche Oper am Rhein kündigt soeben an, alle Tannhäuser-Aufführungen ab dem 09. Mai nur noch konzertant aufzuführen!
      Quelle: "http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/duesseldorf/nachrichten/tannhaeuser-inszenierung-nach-protesten-abgesetzt-1.3385387"

      Ich kenne die Inszenierung nicht und kann insofern keine Meinung zu ihr abgeben. Die Haltung der Deutschen Oper am Rhein, vor allem von Herrn Meyer, in dieser Sache ist aber mehr als opportunistisch. Herr Meyer wird doch wohl mit dem Regisseur ein Konzeptionsgespräch geführt haben, und man ahnte in Düsseldorf ja offensichtlich, daß die Inszenierung für Kontroversen sorgen könnte. Dann muß man sich als Intendant aber irgendwann mal entscheiden: entweder man hält die Inszenierung für provokant, aber dem Publikum zumutbar, dann sollten einen auch Proteste bei der Premiere nicht von dieser Position abbringen. Oder aber man hält die Inszenierung für unzumutbar, dann muß man den Stecker viel, viel eher ziehen. Was hat man jetzt? Viel verschwendetes Geld und einen Eindruck von der Intendanz des Hauses, daß diese irgendwo zwischen Dillettantismus und Rückgratlosigkeit anzusiedeln sei. Peinlich!

      LG :wink:


      Lieber Symbol,

      Deinen Ausführungen kann ich nur zustimmen.

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • "Mit allergrößter Betroffenheit reagieren wir jedoch darauf, dass einige
      Szenen, insbesondere die sehr realistisch dargestellte
      Erschießungsszene, für zahlreiche Besucher sowohl psychisch als auch
      physisch zu einer offenbar so starken Belastung geführt haben, dass
      diese Besucher sich im Anschluss in ärztliche Behandlung begeben
      mussten."
      Ist das ernst gemeint? Waren diese Besucher schon mal im Kino? Haben sie nie Dokus über das 'Dritte Reich' gesehen?
      Verstehe ich nicht. :S ?(
      Ich bin weltoffen, tolerant und schön.