Michail Glinka - Die Geburt der russischen Klassischen Musik

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    • Michail Glinka - Die Geburt der russischen Klassischen Musik

      Die Geburt der russischen Musik

      Das 19. Jahrhundert ist ja in vielen Ländern, so eine Art Initialzündung für nationales Bewusstsein (im Positiven, wie im Negativen), welches sich auf alle Bereiche erstreckt, so auch auf die Musik. Die Dominanz der italienischen, französischen und deutschen Musik, die auch in den meisten Ländern in ähnlichem Stil weitergeführt wurde, sollte von einigen Komponisten gebrochen werden. So auch im zaristischen Russland (der Sieg über Napoleon tat sein Übriges), wo bisher am Zarenhof ausländische Komponisten Werke im ausländischen Stil schrieben. Auch der zu dieser Zeit berühmteste russische Komponist Dimitri Bortjnanski stand ganz in der Tradition der italienischen Meister. Erst kurz am Ende des 18. Jh./Anfang des 19. Jh. (zwischen den Jahrhunderten steht Alexej Wertowski in dessen Opern zumindest schon ein paar Einflüsse von Volksliedern vorkommen) tauchen die ersten Versuche auf Werke in einem neuen, russischen Stil für Russen zu schreiben, zB Namen wie Fomin, Wolkow seien hier genannt, „Lesta, djneprowskaja russalka (Lesta, die Djneprnixe)“ vom Italiener Catterino Cavos zusammen mit Stepan Dawydow, oder 1815 „Iwan Sussanin“ (nach der gleichen Vorlage, die auch Glinka vorlag und die Cavos ihm ohne Neid überließ).
      In diese Zeit fiel auch die musische Karierre eines jungen Mannes, dessen Verbindungen zu Alexander Puschkin und die politischen Wirren der Zeit sein Denken und Handeln beeinflussten bis in sein Komponistensein hinein. Ab 1830 ging er auf eine Reise nach Italien, wo er drei Jahre lang seine Kenntnisse über die Oper erweitern konnte. Während dieser Zeit lernte er in Mailand Vincenzo Bellini, Gaetano Donizetti und Felix Mendelssohn Bartholdy kennen.Und jener Mann, Michail Glinka nun wird gerne, und meiner Meinung nach auch zu Recht, als „Vater der russischen Musik“ bezeichnet, denn er ist der erste, der das Potenzial seiner Kultur erkennt und das Volkslied als Basis für sein Schaffen entdeckt.
      Hier beginnt quasi sowohl die eigenständige Geschichte der Klassischen Musik russischer Prägung, sowie speziell die Operngeschichte Russlands, denn "Iwan Sussanin - Ein Leben für den Zaren" war die erste Russische Nationaloper.

      Glinkas Musiksprache ist zu seiner Schaffenszeit ganz persönlich, sehr russisch geprägt und enthält oft Variationen von längeren melodischen Phrasen.

      Kennt jemand Werke des Komponisten? Welche mögt ihr? Oder könnt ihr gar nichts mit ihm anfangen? Wie seht ihr seine "Vaterrolle"?

      Übrigens :
      Zu seinem Iwan Susanin gibt es bereits hier einen Faden.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Eines der berühmtesten, charakteristischten und für die folgende Generation prägensten Werke Glinkas an dem man quasi alles, was von seinen frühen russischen "Nachfolgern" vorausahnen kann, ist :

      Kamarinskaya

      Es ist ein kurzes Scherzo aus dem Jahr 1848. Der Kamarinskaya ist ursprünglich ein russsicher Volkstanz, "ein schnelles Tanzlied" auch bekannt als nagriish, unverwechselbar für seine drei-taktigen Phrasenängen bekannt, die in einer endlosen Reihe von Variationen in moto perpetuo Mode vom Instrumentalist gespielt werden. Diese Melodie wird in der Regel begleitet von einem Hock-Tanz, "Kazatsky" (im Westen ist er bekannt durch die Aufführungen der Kosaken) und wird traditionell von einer Geige, einer Balalika oder einer Ziehharmonika gespielt.
      Glinka hat dieses Element genutzt. Es war das erste Orchesterwerk, das ganz auf russische Volkslied und den kompositorischen Prinzipien diese Genres vaufgebaut wurde, um die Form der Musik zu diktieren. Das macht es zu einem Markstein für die spätere russischer Komponisten, wie zB Tschaikowski oder für die Gruppe des "Mächtigen Häufleins", wurde aber auch im Ausland gelobt, vor allem durch Berlioz.

      Glinka Kamarinskaya basiert auf zwei Themen, einem langsamen Brautlied "Izza gor" (Von jenseits der Berge), und dem Hauptlied, ein naigrish. Das zweite Lied ist eigentlich ein instrumental gespielter Tanz zu einer Ostinato Melodie. Diese Melodie wird so lange wiederholt, wie die Tänzer braucht um sich zu bewegen. Glinka beginnt mit "Izza gor", dann stellt er den Kamarinskaya als kontrastierende Thema ein. Er nutzt einen Übergang zu dem Brautlied zurück, um den Kontrast zwischen den beiden Themen deutlich zu machen. Ein weiterer Übergang, diesmal mit Motiven aus dem Brautlied führt zur Tanzthema und das Stück endet mit dem Kamarinskaya Tanz. Wie im traditionellen nagriish-Liedern, verwendet Glinka die drei-taktigen Phrasenlängen in den schnellen Passagen.

      Die Struktur und die Mechanik der Karaninskaya unterscheidet sich deutlich von westeuropäischen kompositorischen Prinzipien und in gewisser Weise sind sie diametral entgegengesetzt. In einem westlichen Stück, nachdem das erste Thema eingeführt und Harmonie es nach vorne treibt treibt, verändetr es sich so um ein zweites Thema in einer kontrastierenden Weise und einem anderen musikalischen Schlüssel einzuführen. Die beiden Themen interagieren und die Zusammensetzung wächst organisch. Spannung wird weiter aufgebaut und der thematischen Dialog wird zunehmend komplexer. Dieser Dialog oder Austausch schließlich treiben das Stück zu einem Höhepunkt, dem Punkt der Auflösung. Kamarinskaya folgt nicht diesem Muster. Kann auch gar nicht, denn die Ostinato-Melodie des zweiten Liedes wird das nicht zulassen, keine motivische Entwicklung ohne Verzerrung des Charakters des Stückes. Glinka nutzt deswegen das Prinzip der Wiederholung um die musikalische Struktur zu entfalten. Er wiederholt das Thema 75 mal, die ganze Zeit Variationen des Hintergrund-Materials, der instrumentalen Klangfarben, Harmonisierung und Kontrapunkt. Auf diese Weise bewahrt er den ursprünglichen Charakter des Tanzes und ergänzt sie mit kreativen Variationen in der Orchester-Behandlung.
      In gewisser Weise bleibt die Musik statisch, weil es keine thematischen Wachstum gibt. Nach westlichem Standard würde das ein "nicht vorankommen" bedeuten.

      Wer mal reinhören möchte (das Werk ist auch nicht sehr lang) hat bei yt einige Möglichkeiten.

      Auf Tonträgern gibt es auch einige Möglichkeiten, die im Übrigen auch viele andere Werke Glinkas enthalten (oder anderer russischer Komponisten) :


      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Liebe Succubus,

      vielen Dank für die Eröffnung eines threads zu einem Komponisten, der eine echten Entdeckung noch harrt. Ich habe vor Jahren aus Neugier mal einiges gehört und frische das jetzt dank deiner Eröffnung wieder auf.
      Sobald ich frische Hörerlebnisse gesammelt habe, berichte ich gerne hier.

      Was das kammermusikalische Schaffen anbelangt, so gibt es einige Einspielungen des Trio pathetique, vielleicht sein bekanntestes Kammermusikstück.

      In Berlin gibt es immerhin eine Glinkastr - allerdings auch "nur" wegen der Zweiteilung der Stadt. Sie ist eine Verbindungsstraße von Leipziger Str. nach Unter den Linden.


      :wink:
      Wulf
      "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)
    • Von Glinka kenne ich bislang nur die Ouvertüre zu seiner Oper "Ruslan & Ludmilla", die wohl sein bekanntestes Stück ist. Aber die ist echt ein Knaller.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • Lieber Tyras,

      die gesamte Oper ist ein Knüller und enthält so manche Musik, die man ohne zu zögern ein paar Jahrzehnte später vermuten würde. Aber auch die überwiegend zeitgemäßen Teile der Oper sind zauberhaft - das Finale der Oper greift die Overture nochmal in Begleitung eines imposanten Chors auf - mit Sicherheit einer der knalligsten Finali der romantischen Opernliteratur.

      (aber bitte nicht in der meiner Meinung nach irrsinigen Gergiev-Einspielung, der mal wieder die Extreme ertastet und dieses Finale, das sicher einiges an Verve und Triumph erträgt durch ein Prestissimo zur Farce werden lässt - er peitscht die Musiker dermaßen auf Hochtouren, dasss die Einsätze ordentlich asynchron werden - der Applaus im Anschluss fällt verständlicherweise recht verhalten aus)

      :wink:
      Wulf
      "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)
    • Also am besten gefällt mir die Kondrashin-Aufnahme aus den 60ern, bei der man allerdings Zugeständnisse an die Klangqualität machen muss.

      Insofern möchte ich gerne zu folgender raten:


      Ansonsten wird auch sehr die Simonov-Einspielung empfohlen, die ich leider auch nur durch die Hörschnipsel kenne:



      :wink:
      "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)
    • Danke für die Tipps! Da die Oper ja offensichtlich das hält, was die Ouvertüre verspricht, muss ich sie mir mal zulegen. Womöglich sogar in der Kondrashin-Aufnahme, da ich jedenfalls auch Toscanini-Aufnahmen mit Genuss höre.

      :wink:
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • Das "Patriotische Lied", das von 1990 bis 2001 Russlands Nationalhymne war, geht auf ein Klavierstück Glinkas zurück.

      Glinka war auch Komponist von Kammermusik. So schrieb er zwei Streichquartette, ein "Trio Pathétique", eine Sonate für Viola und Klavier sowie ein Sextett Es-Dur.

      Das viersätzige Trio Pathetique d-moll aus dem Jahr 1832 gibt es in einer Originalfassung für Klarinette, Fagott und Klavier, die Glinka in Mailand mit Musikern der Skala uraufführte. Der tschechische Geiger Hrimaly arrangierte das Werk 1878 für Violine, Cello und Klavier. Diese Fassung wurde vor allem durch das großartige Oistrach-Trio mit David Oistrach, Svjatoslav Knushevitzky und Lev Oborin bekannt gemacht. Ein hörenswertes Werk, wie ich finde.




      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Auch das oben genannte Sextett für Klavier, 2 Violinen, Viola, Cello und Kontrabass ist ein spritziges Werk voller schöner Einfälle. Es ist mit ca. 15 Minuten relativ kurz geraten. Ein kurzes Andante wird von einem längeren Hauptsatz und einem wiederum kurzen Finale eingerahmt. Auf dieser Aufnahme kann man es u.a. erleben:



      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Ein Kommentar von Jan Brachmann zur aktuellen Diskussion über Glinka:

      faz.net/aktuell/feuilleton/ber…hail-glinka-16855287.html

      Interessant finde ich vor allem den letzten Abschnitt, in dem Brachmann darauf hinweist, dass die Russische Musikalische Gesellschaft und das Petersburger Konservatorium, die Glinka laut der "Jüdischen Allgemeinen" antisemitisch diffamiert haben soll, zu Lebzeiten des Komponisten noch gar nicht existierten. Es gibt also keinerlei Gründe, ihn dennoch damit in Verbindung zu bringen.
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)
    • ChKöhn schrieb:

      Interessant finde ich vor allem den letzten Abschnitt, in dem Brachmann darauf hinweist, dass die Russische Musikalische Gesellschaft und das Petersburger Konservatorium, die Glinka laut der "Jüdischen Allgemeinen" antisemitisch diffamiert haben soll, zu Lebzeiten des Komponisten noch gar nicht existierten. Es gibt also keinerlei Gründe, ihn dennoch damit in Verbindung zu bringen.
      Tja, ein richtig schlimmer Antisemit lässt sich von solchen banalen Fakten halt nicht den Spaß verderben. :etsch1:


      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • Wieland schrieb:

      Wobei für mich die Sache nach dem Tarnopolsky-Artikel eigentlich schon erledigt ist.
      Für mich auch.

      Nur noch ein paar ergänzende Informationen zu Glinka:

      Er selbst als hat als sein musikalisches Erweckungserlebnis ein Klarinettenquintett (oder -quartett) des schwedischen Komponsiten Bernhard Henrik Crusell beschrieben, welches er im Alter von zehn oder elf Jahren zufällig gehört hat. Er spielte Klavier und leidlich Geige und lernte auf dem St. Petersburger Adels-Internat nicht weniger als sechs Fremdsprachen (Französisch, Deutsch, Englisch, Italienisch, Persisch und später noch Spanisch). Sein wichtigster Lehrer war in seiner Jugend Charles Mayer, ein Schüler John Fields, welch letzerer Glinka persönlich drei Klavierstunden erteilte. Nachdem er 1824 eine Beamtenstelle in St. Petersburg angetreten hatte, stand er auch in Kontakt zu den Dekabristen, ohne deren politische Ziele zu teilen. Seine 1835 geschlossene Ehe hielt nur rund vier Jahre. Sein berühmtestes und bedeutendstes Werk, die Oper "Ein Leben für den Zaren" ist die erste durchkomponierte russische Oper ohne gesprochene Dialoge (formal zusammengehalten durch die ausgiebige Verwendung von Erinnerungsmotiven) und wurde bis 1917 in Anwesenheit der Zarenfamilie sowohl in St. Petersburg als auch in Moskau zur Saisoneröffnung der Kaiserlichen Theater gespielt. Die zaristische politische Aussage des Werks wurde gleichwohl schon vor 1917 von russischen Intellektuellen kritisiert. Ein erster Versuch 1924, die Oper mit einem neuen Libretto unter dem Titel "Für Sichel und Hammer" zu "sowjetisieren", scheiterte, und das Werk wurde in der Folge als veraltet abgetan und die Musik schlechtgeredet. Erst Ende 1937 (also auf dem Höhepunkt des "Großen Terrors") wurde das Werk unter dem Titel "Ivan Susanin" (den Glinka ursprünglich als Arbeitstitel selbst erwogen hatte und erst mit der Widmung an Nikolaus I. änderte) wiederbelebt. Offiziell wurde behauptet, der Titel "Ein Leben für den Zaren" sei dem Komponisten aufgezwungen worden und das Libretto habe nicht seinen politischen Überzeugungen entsprochen. Jetzt wurde auch seine Nähe zu den Dekabristen instrumentalisiert. Nach dem Krieg wurde Glinka geradezu zur Kultfigur, wovon unter anderem zwei biographische Filme (der zweite davon mit Svjatoslav Richter als Franz Liszt) zeugen. Das stalinistische Glinka-Bild, welches in den 50er Jahren seinen Höhepunkt erreichte, blieb in der Sowjetunion bis 1989 gültig und hatte auch Auswirkungen auf das westliche Ausland. Eine Kuriosität ist die Wiedergabe des Prologs auf den Tod von Alexander I. und die Thronbesteigung durch Nikolaus I. von 1826 in der Gesamtausgabe von 1955: Während die russische Textunterlegung der stalinistischen Neufassung entspricht, blieb der französische Originaltext mit allen religiösen Beteuerungen und Huldigungen an "Nicolas" erhalten.

      (Hauptquelle: Artikel "Glinka" von Albrecht Gaub, in "Musik in Geschichte und Gegenwart 2")

      P.S.: Ein für den lebenslang neugierigen und lernbereiten Glinka charakteristisches Detail hatte ich noch vergessen: 1856 verließ er Russland und studierte erneut bei Siegfried Dehn (den er zeitlebens für seinen wichtigsten Lehrer hielt) in Berlin. Er hatte die Absicht, sich mit der Renaissance-Polyphonie vertraut zu machen, um auf deren Grundlage die russische Kirchenmusik zu erneuern. Sein plötzlicher Tod am 15.2.1857 machte dem ein Ende.
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)
    • Ich muß zugeben, daß ich ziemlich entsetzt bin, wie sich unsere modernen, aufgeklärten Bürger über Dinge erregen, mit denen sie sich offensichtlich nie auseinandergesetzt haben. Wie so eine simple Ankündigung, eine Bahn-Station umzubenennen, in so einem lächerlich grotesken Zirkus aus Uninformiertheit und Halbwissen mündet, das ist beeindruckend. Zugegeben: der Eindruck ist ein Blätterwald-Eindruck in den Medien, denn wer hat schon die ansässigen Anwohner mal gefragt, was sie zu diesen Vorwürfen sagen. Überhaupt ist es schon einmalig, wie schnell sich manche Leute zu Forderungen hinreißen lassen, nur um später feststellen zu müssen, daß sie einem Hoax aufgesessen sind.

      Wie auch immer: dies ist ein gutes Beispiel dafür, daß man erst mal recherchieren und dann nachdenken sollte, bevor man etwas dazu sagt. Die Leichtigkeit, mit der mit Rassismus-Vorwürfen um sich geworfen wird, zeigt auch die heutige Internet-Diskussionskultur in einem klaren Licht: zuviel Nebelkerzen, zuwenig Verstand - definitiv aber kein Anstand. So kann man den neuen Wilden das Feld nicht überlassen.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Ich muß zugeben, daß ich ziemlich entsetzt bin, wie sich unsere modernen, aufgeklärten Bürger über Dinge erregen, mit denen sie sich offensichtlich nie auseinandergesetzt haben. Wie so eine simple Ankündigung, eine Bahn-Station umzubenennen, in so einem lächerlich grotesken Zirkus aus Uninformiertheit und Halbwissen mündet, das ist beeindruckend.
      In Hamburg steht vor Hagenbeck, dem hiesigen Zoo, eine Skulptur, die eine Giraffe darstellt und an dem Hals klettert ein schwarzer Mensch empor. Weil das nun rassistisch und kolonialistisch sei, sollte die Figur wohl entfernt werden. Dann stellte sich heraus, dass der Mensch ursprünglich weiß war und nur durch die Witterung nachgedunkelt war, was die Diskussion erst einmal beendete.

      Wir werden wohl auch künftig diese Diskussionen erleben, v.a. wenn man bestimmte Schlagworte anbringen kann, die sofort ganz viele Menschen auf den Plan rufen ohne dass sie sich die Mühe machen, einmal genauer nachzufragen. Der Mensch ist wohl leider so. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es v.a. um Erregung geht und weniger um Wahrheit. Die herauszufinden, ist natürlich auch viel zu mühselig.

      Aber eigentlich ist meine Antwort ziemlich OT, denn hier geht es um Glinka als Komponisten. ;)

      :wink: Wolfram