Vivaldi, Antonio: "Die vier Jahreszeiten" - op. 8 Nr. 1-4

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    • Vivaldi, Antonio: "Die vier Jahreszeiten" - op. 8 Nr. 1-4

      So, und nun eröffne ich den Thread über eines der berühmtesten (und berüchtigsten... :D ) Werke der Barockliteratur; jawohl ich wag es... :-OOOO- :

      Antonio Vivaldi
      Le quattro stagioni
      op. 8 Nr. 1-4


      Wer kennt es nicht? Wer hat nicht wenigstens einige Phrasen dieser vier Konzerte gehört? Wer hat es nicht kennen- und liebengelernt? ...oder hassen, je nachdem?

      Wie auch immer: Die vier Jahreszeiten sind ein Evergreen, seit es ab 1950 ins kollektive Bewußtsein der Menschheit eingegangen ist. Die Bandbreite der Interpretationen ist ebenso breit wie z.B. bei der Matthäus-Passion von Bach oder Beethovens 9. Symphonie. Jede Generation von Violinensolisten hat sich von Neuem dieser vier Konzerte angenommen, und wir Hörer stehen einer gewaltigen Phalanx an Aufnahmen gegenüber.

      Doch wie kommt es, daß diese vier Konzerte so weit herausragen aus der Masse an Barockkonzerten? Ich gebe zu, ich kann darauf keine vernünftige Antwort geben außer diese: da sie mit Sonetten gekoppelt sind, die die Jahreszeiten beschreiben, sind sie eine Art "Programmmusik", und sie setzen die Worte in betörender Weise in Musik; vielleicht ist das der Schlüssel - eine konzeptionelle Einheit, verbunden mit einem kompositorischen Erfindungsreichtum, den Vivaldi so niemals wieder hatte.

      Das ist selbstverständlich eine subjektive Sichtweise; ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, was bei ihnen an den kompositorischen Techniken so anders ist im Vergleich zu den anderen Konzerten aus op. 8 (oder den anderen, späteren Sammlungen). Hier liegt eine Affinität vor, die andere Konzerte Vivaldis nicht so haben, obwohl die Liebhaber des Italieners vielleicht andere Prioritäten setzen mögen. Aber die Mehrheit der Klassikhörer hat kein Problem damit, sich diese vier Konzerte immer wieder anzuhören - egal, ob im Konzert oder als Konserve.


      In diesem Thread soll es speziell um die vier Jahreszeiten gehen. Ich denke schon, daß man das gut separieren kann zu dem anderen Thread Vivaldi, Antonio: Die Sonaten & Konzerte RV 1-585 & 741ff. , da dort op. 8 in seiner Gesamtheit besprochen wird, also mit Nr. 5-12 zusätzlich. Da sicherlich sehr häufig diskographische Besprechungen folgen werden, läßt sich das gut bewerkstelligen: Nr. 1-4 alleine hier, zusammen mit Nr. 5-12 (oder auch Nr. 5-12 alleine) halt drüben.

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      Die vier Jahreszeiten wurden etwa 1723-25 komponiert und in der Sammlung Il cimento dell'armoni e dell'inventione (dt.: "Das Wagnis von Harmonie und Erfindung") - op. 8 - veröffentlicht. Sie stehen am Beginn des Druckes, gekoppelt mit vier Sonetten. Jedes Sonett beschreibt Naturerscheinungen der jeweiligen Jahreszeiten - Stürme, Gewitter, sanfte Winde - und menschliche Betätigungen wie etwa eine Jagd, ein Bauerntanz oder Schlittschuhlaufen im Winter.

      Alle Konzerte sind dreisätzig in der Form schnell - langsam - schnell. Dur und Moll sind gleichmäßig verteilt, und die Ecksätze entsprechen der üblichen Ritornellform.

      4 Violinenkonzerte "Die vier Jahreszeiten" - op. 8 Nr. 1-4
      Nr. 1 - in E-Dur (RV 269) La Primavera - Der Frühling
      Nr. 2 - in g-moll (RV 315) L'Estate - Der Sommer
      Nr. 3 - in F-Dur (RV 293) L'Autunno - Der Herbst
      Nr. 4 - in f-moll (RV 297) L'Inverno - Der Winter



      Vivaldi geriet nach seinem Tod sehr bald in Vergessenheit, und erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts war wieder ein größeres Interesse an ihn da. 1930 wurde die Sammlung Foà-Giordano begründet, eine Erwerbung zahlreicher Manuskripte durch die Turiner Nationalbibliothek; ab da stand einer musikwissenschaftlichen Aufarbeitung der vivaldischen Musik nichts mehr im Wege, und die ersten Aufnahmen ließen nicht lange auf sich warten. Bereits um 1939 soll Alfredo Campoli die erste Einspielung für das französiches Radio gemacht haben; 1942 folgte Bernardino Molinari. Doch erst die Aufnahme von Henry Swoboda (1950), die einen Grand Prix du Disque gewann, verbreitete die vier Jahreszeiten über ganz Europa und Amerika; als I Musici mit ihrer ersten Aufnahme 1955 folgten, waren die vier Konzerte schon nicht mehr wegzudenken gewesen.

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      Hier ist der Thread zur Diskussion über die vier Jahreszeiten. Hat ja auch nur vier Jahre und drei Tage gedauert, bis er endlich im Capriccio-Forum eröffnet wird... :vv:


      Links:
      "http://de.wikipedia.org/wiki/Die_vier_Jahreszeiten"
      "http://en.wikipedia.org/wiki/The_Four_Seasons_%28Vivaldi%29"


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • So - und nun beginne ich mit der Einspielung, die ich lange Zeit als Einzige hatte:




      (P) 1984 EMI Classics CDC 747 043-2 [41'20"]

      Anne-Sophie Mutter (Violine)

      Wiener Philharmoniker
      D: Herbert von Karajan


      Genau - es war der gute, alte Ritter Heribert... :D

      Ich kann mich noch entsinnen, als 1988/89 die Aufzeichnung der 1987er Einspielung mit den Berlinern im TV lief. Meine Mutter wünschte sich die Musik zu Weihnachten, und sie bekam obige Einspielung geschenkt. Natürlich wußte unsere Familie, daß nur Karajan das Gütesiegel darstellt, was an Klassischer Musik allerhöchste Qualität birgt; wie unschuldig waren damals die Zeiten... :mlol:

      Nunja, ich wußte es auch nicht viel besser, und 1993 kaufte ich mir ein eigenes Exemplar nach, welches preislich heruntergesetzt war. Diese CD habe ich heute noch.


      Karajan spielt mit der Streichergruppe der Wiener Philharmoniker, und im Booklet ist die Besetzung erfreulicherweise angegeben:

      Violine I - 8
      Violine II - 6
      Viole - 4
      Violoncelli - 3
      Contra Bassi - 2

      b.c.: 2 Cembali & 1 Orgel


      Es wird mit modernen Instrumenten gespielt, in einer Besetzungsstärke von 23 Streichern plus Solo-Violine und b.c. Das ist nicht wenig, aber die Solo-Violine ist gut gegen den großen Klangapparat positioniert. Überhaupt erweist sich die Aufnahme als sehr gut gelungen: volltönend, dynamisch abgestuft, sehr geschlossen.

      Das ist nicht HIP - das ist sehr sauber gespielt und ohne Ecken und Kanten musiziert. Das Tempo ist recht zügig, nichts hängt durch, alles klingt etwas schwärmerisch im Ausdruck, auf Wohlklang ausgelegt. Doch ist das noch anhörbar?

      Ich habe in der Zwischenzeit noch einige andere Einspielungen der vier Jahreszeiten hören können, und viele davon sind nach dieser entstanden. Vor allem im HIP-Bereich habe ich Lesarten kennengelernt, die schon ganz anders gewichten (und zur Sache gehen). Als ich Karajan 1984 jetzt nochmals hörte, hatte ich eine geringe Erwartung, zumal ich die CD schon länger nicht mehr gehört hatte. Doch hat sich dabei eine Sache sehr deutlich gezeigt: man sollte diese Einspielung trotz allem nicht unterschätzen.

      Anne-Sophie Mutter, damals 22, spielt sehr kultiviert, mit einer perfekten Technik und einem leicht singenden Ton. Ich finde ihr Spiel nicht übermäßig farbig oder gefühlvoll, aber es fällt andererseits auch nicht mit Lustlosigkeit auf. Die Wiener Streicher spielen ebenso versiert, rhythmisch sehr ausgewogen und mit viel Verve in den schnellen Passagen und mit subtiler Präzision in den langsamen Sätzen.

      Doch was mich wirklich vom Hocker haut, das ist die Dramatik, die Karajan hier vorlegt: hier ist kein alter, müder Klepper unterwegs, sondern ein junger Springinsfeld. Die bombastische Wut, die in solchen Sätzen wie Nr. 2/3, Nr. 4/3 entwickelt wird, ist sehr beeindruckend; auch sind die Einleitungen von Nr. 1/1 oder Nr. 3/1 sehr lebendig gestaltet. Die langsamen Mittelsätze spielen eine ruhige Besonnenheit aus, die freilich wenig Spannung enthält; doch sind es die Wechsel von Soli zu Tutti und umgekehrt, die zeigen, daß Karajan mit den vier Jahreszeiten eine kraftvolle Interpretation angestrebt hat.

      Karajans vier Jahreszeiten: altes Eisen? Oder überholt? Nicht mehr anzuhören?

      Nee, mitnichten! Ich muß es klar sagen: das ist schon eine sehr gute Einspielung, wenn auch von einem alten Klangideal geprägt. Was ich an Brandenburgischen Konzerten oder den Ouvertüren von Karajan nicht wirklich goutieren kann, das ist hier wie weggewischt. Die beste Aufnahme von Barockmusik, die ich von Karajan kenne.
      :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup:


      jd :wink:
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    • RE: Karajan und ASM

      Hallo Josquin,

      ich glaube da wirst Du warscheinlich von einigen Vivaldi - Anhängern heftigen Widerspruch einfangen. Einmal wegen Karajan, dessen Metier Barock eigendlich nicht ist und ASM ist ebenfalls bei einigen mit ihrem Violinsound sehr umstritten.

      8+) Widerspruch aber nicht von mir: Denn ich bin ja kein Barock-Fan in dem Sinne. Und wenn die Jahreszeiuten "aufgeplustert" werden, so wie Stokowsky in seiner grosssyphonischen Supershow mit dem LSO für grosses Orchester (DECCA), dann habe ich eigendlich so ganz und gar nichts dagegen. Das empfinde ich dann eher als kurzweilen Hörspass.

      Und jetzt noch einen drauf:
      Ich habe auf LP (als meine Erstaufnahme) die Aufnahme mit Anne Sophie Mutter / Berliner PH /Karajan (DG) und die finde ich auch nicht so schlecht ... kenne aber die zahlreichen Kritiken aus Hifi_Zeitschriften und allen Klassikforen, die ja auch berechtigt sein mögen. Das ändert aber nichts daran, das mir Vivaldis Jahrteszeiten so interpretiert trotzdem ganz gut gefallen können. Und Anne Sophie Mutter finde ich auch gar nicht so übel, wie es immer wieder zu lesen ist.



      :angel: Jetzt aber eine Aufnahme der Jahreszeiten, bei denen mir auch der Letzte Barock-Fan zustimmen müsste. Die habe ich mir vor Jahren als absoluten Gegensatz zu Stokowsky und Karajan zugelegt: Die hochmusikalische Aufnahme von I Musici (Philips)

      Bei allem Feuer, das diese Int auch mitbringt ist das einfach wunderschön und bringt einfach die Autentizität, die man sich für diesen Barockreisser wünschen kann: Roberto Michelucci, Violine mit I Musici.
      Aber dazu sollen die wirklichen Barock-Kenner was sagen - da halte ich mich raus !


      Philips, 1970, ADD

      Die CD ist derzeit megagünstig zu haben: Für ab 36Cent könntest Du das ausprobieren.
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Pinnock, Standage

      Guten Tag,

      meine Lieblingsaufnahme dieses unsterblichen Werkes stammt von Treor Pinnock und Simon Standage:



      Eine weitere "klassische" Aufnahme ist imo diese hier:



      Etwas ganz anderes ist diese Project:



      Hier gibt es eine interessante Rezension zu der Aufnahme:

      "http://blog.codaex.de/2011/11/b%E2%80%99rock-%C2%B7-rodolfo-richter-antonio-vivaldi-%C2%B7-john-cage-8-seasons/"
      VG Bernd
    • teleton schrieb:

      ich glaube da wirst Du warscheinlich von einigen Vivaldi - Anhängern heftigen Widerspruch einfangen. Einmal wegen Karajan, dessen Metier Barock eigendlich nicht ist und ASM ist ebenfalls bei einigen mit ihrem Violinsound sehr umstritten.
      Das weiß ich ja - habe ich oft genug gelesen. Zumal ich auch selber ja sage, daß Karajan und Barock gar nicht geht... :shake:

      teleton schrieb:

      Ich habe auf LP (als meine Erstaufnahme) die Aufnahme mit Anne Sophie Mutter / Berliner PH /Karajan (DG)
      Ach, ich dachte, die gab es nur als VHS/DVD...

      teleton schrieb:

      Bei allem Feuer, das diese Int auch mitbringt ist das einfach wunderschön und bringt einfach die Autentizität, die man sich für diesen Barockreisser wünschen kann: Roberto Michelucci, Violine mit I Musici.
      Ja, die dritte Einspielung von I Musici: die kenne ich tatsächlich noch nicht.


      Ich behaupte auch wirklich nicht, Karajan 1984 sei eine der allerbesten Einspielungen; vielmehr möchte ich darauf hinaus zu sagen, daß Karajan innerhalb seiner Grenzen gar nicht mal schlecht klingt. Es ist wohl ein grundsätzliches klangästhetisches Problem, um das es sich hier handelt.


      jd :wink:
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      Hudebux
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      Jean Paul
    • @ Josquin Dufay: ich höre gerade die von dir genannte Einspielung mit Viktoria Mullova (das Cover habe ich ja in einem anderen Thread schon gelobt ;+) ). Eine Stelle hat mir besonders gut gefallen, beim "Frühling".

      [Blockierte Grafik: http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/jahreszeiteni7yns0f51x.jpg]

      Da, wo ich es rot markiert habe, spielt das Cembalo was Schönes! Bis jetzt habe ich das noch in keiner Aufnahme gehört. Darf/muss/soll bei diesem Stück eigentlich vom Cembalo improvisiert werden? In diesem Notenbeispiel von imslp werden unten ja nur sture Vierteln gespielt.
    • merkatz schrieb:


      Da, wo ich es rot markiert habe, spielt das Cembalo was Schönes! Bis jetzt habe ich das noch in keiner Aufnahme gehört. Darf/muss/soll bei diesem Stück eigentlich vom Cembalo improvisiert werden? In diesem Notenbeispiel von imslp werden unten ja nur sture Vierteln gespielt.


      Lieber Merkatz,

      es muss! In der Instrumentalmusik der Renaissance und des Barock werden für die Continuo-Instrumente nur die Basstöne notiert; es wurde erwartet und in der Ausbildung auch trainiert, dass die jeweiligen Spieler volle Akkorde inkl. Verzierungen dazuimprovisieren.

      Genaueres zum Generalbass kann vielleicht einer der Experten ausführen.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Areios schrieb:

      Lieber Merkatz,

      es muss! In der Instrumentalmusik der Renaissance und des Barock werden für die Continuo-Instrumente nur die Basstöne notiert; es wurde erwartet und in der Ausbildung auch trainiert, dass die jeweiligen Spieler volle Akkorde inkl. Verzierungen dazuimprovisieren.

      Alles klar, danke!

      Meine Vermutung war zunächst, dass diese Stelle auf allen Aufnahmen enthalten ist, es aber durch die unterschiedliche Aufnahmequalität manchmal besser, manchmal schlechter hörbar ist.
    • Wenn man die Hunde bellen (Frühling, 2. Satz), die Betrunkenen schwanken und die Kälte klirren hören will, empfehle ich Harnoncourts Aufnahme. Ich habe gerade in die Hörbeispiele von Pinnocks reingehört, das ist pieksauber und sehr hübsch, aber ich höre dort nichts von alledem. Harnoncourt oder evtl. Giardino Armonico (letztere habe ich aber ewig nicht gehört) können dagegen in einigen Sätzen noch immer beinahe schockierend wirken. Am meisten vielleicht im (hier nicht so) langsamen Satz des "Winter", dessen Begleitung wahlweise Spinnradgeräusche oder Regentropfen gegens Fenster darstellen soll.

      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Mein Gefühl zu den 4 Jahreszeiten ist geprägt von I Musici mit Felix Ayo.
      Nigel Kennedy fand ich interessant, aber nicht so berührend, daß ich ihn ein zweites Mal gehört hätte.
      In jedem Falle ist das geniale Musik, die auch den hunderttausendsten Einsatz als Pausenfüller irgendwie unbeschadet übersteht..

      mein Favorit ist der 1.Satz vom Winter..
      und der vom Sommer.
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • philmus schrieb:

      ich mag ja vor Allem, wenn das Cembalo den Rhythmus unterstützt, und bin eher nicht so angetan, wenn statt dessen eine Orgel rumwabert...
      Das kann ich gut verstehen (obwohl ich noch keine Aufnahme mit Orgel gehört habe, würde mich auch mal interessieren - hat vllt. wer einen Link?). Ich höre jetzt gerade, während ich dieses verfasse, eine Einspielung, wo man das Cembalo besonders gut hört, und an manchen Stellen klingt es fast schon wie eine Harfe, so vermischt sich der Klang mit den Streichern. Sehr schön auf jeden Fall!
    • Nabend,

      meine Lieblingsaufnahme ist die vom Drottningholm Ensemble, mit Nils-Erik Sparf:


      Die Karajan-Mutter-Einspielung ist für meine Begriffe eher zum Lachen.

      Mein Vater schätzt noch diese Einspileung mit Accardo, seinerzeit hochgelobt. Mir ist sie zu süßlich:
      Schöne Grüße, Helli


      ...ich mag alle Farben. Nur schwarz müssen sie sein.
    • Anne-Sophie Mutter, Wiener Philharmoniker, Herbert von Karajan, (P) 1984



      Auffällig ist die Bevorzugung eines dichten Legato-Tones, was wohl nach allem, was wir so zu wissen meinen, historisch falsch ist. Auffällig ist ferner das unakzentuierte Gleichbetonen mehrerer aufeinander folgender Achtel. – Klanglich erfüllt das natürlich gehobenste Ansprüche der Nachkriegsgeneration. Es klingt alles so leicht und gleichförmig, keine Ecken, keine Kanten, und wenn alle 24 Streicher samt zweier Cembali im letzten Satz des Sommerkonzertes in den Sequenzen vor sich hin rattern, dann geht einfach die Post ab.

      Einfach mal schön, das Werk wieder so kulinarisch und mit süffigem Klang zu hören. Das ist so ähnlich wie alte James-Bond-Filme zu sehen: Völlig unrealistische Handlung, die zudem ein politisch unkorrektes Geschlechterbild vermittelt. Aber Spaß macht’s trotzdem – manchmal – und man weiß ja eigentlich, dass es Quatsch ist …

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Hammerklaviersonate macht anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung. (Joachim Kaiser)
    • Na ja, Ton-an-Ton, ohne abzusetzen. Historisch falsch - jedenfalls im allgemeinen zu dieser Zeit.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Hammerklaviersonate macht anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung. (Joachim Kaiser)
    • Alice Harnoncourt, Concentus musicus Wien, Nikolaus Harnoncourt, 1976/77



      Der Concentus musicus Wien erfreut mit meist lockerer Artikulation. Eine (sinnvolle) Ausnahme ist etwa der langsame Satz des Herbstkonzertes mit seiner Schlafszene. - Vor allem aber kommen hier die vielen in der Partitur genau bezeichneten Klangmalereien zu ihrem Recht und werden nicht in einer Legatosoße ertränkt. Die Virtuosität der schnellen Schlusssätze (Sommer + Winter) ist mitreißend.

      Die Besetzung 1 + 4/3/1/1/1 + Cembalo/Orgel tut ihr Übriges zur Leichtigkeit des Klanges. Diese bald 40 Jahre alte Aufnahme (ist es eigentlich die erste HIPpe?) finde ich ausgezeichnet.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Hammerklaviersonate macht anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung. (Joachim Kaiser)
    • B.Albert schrieb:

      Guten Tag,

      meine Lieblingsaufnahme dieses unsterblichen Werkes stammt von Treor Pinnock und Simon Standage:





      Hallo Bernd,

      ich kann Dir nur zustimmen. Dies ist eine wunderbar transparente Einspielung, die nicht alles in süffigem Streicherklang untergehen lässt, sondern Ecken und Kanten hörbar macht, die aber trotzdem ausgewogen und in diesem Sinne sehr harmonisch ist. Sie ist sicherlich nicht so ruppig und direkt zupackend wie z.B. Il Giardino, sondern etwas distanzierter. Dafür erschließt sich die Schönheit dieser Aufnahme nach vielmaligem Hören um so mehr. Es ist heute meine Lieblingseinspielung.

      Beste Grüße von Ansgar