Rollengestaltung beim Singen

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    • Mal eine allgemeine Frage: stört es euch eigentlich, wenn ein Sänger / Sängerin mit der Sprache zu kämpfen hat, ansonsten aber eine tolle Stimme, eine tolle Technik etc. hat?
      Oder ist euch das nicht so wichtig, und ihr könnt trotz mancher Aussprachefehler und deutlichem Akzent immer noch die gespielte Figur darin sehen?
    • Mich stört eher, wenn Ausspracheprobleme eher daher rühren, dass sich Sänger/Sängerinnen, egal aus welchem Sprachraum, nicht um eine klare Aussprache bemühen. Durch eine präzise Technik ist auch die Sprache klar, jedoch hat die Verständlichkeit im Operngesang Grenzen.

      Akzente oder auch Dialekte höre ich beim Singen in Deutsch weniger. Sprechen beim Singen ist eh anders als normales Sprechen und durch die Technik gleicht sich die Aussprache an, egal, welchen Dialekt oder Akzent jemand sonst spricht.

      :wink: :wink:
      Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren (Bert Brecht)
    • Ich kann Ulricas letzten Beitrag völlig unterschreiben, gerade weil ich selber mit der Aussprache noch sehr zu kämpfen habe. Unter anderem weil mir als Schweizer die richtigen Vokalfärbungen ein Rätsel sind und ich habe langsam Angst, dass wird ewig so bleiben.

      Zum ursprünglichen Thema des Threads: mein Dozent und viele andere raten mir konsequent mit dem Text zu beginnen und zu schauen, was dieser mit mir macht. Und danach zu schauen, stimmt meine textliche Interpretation mit derjenigen des Komponisten überein? Falls nicht, geht die Musik ab diesem Zeitpunkt vor. Oder ich gewinne dem Stück vielleicht neue Facetten ab auf diese Weise. Jedenfalls hilft es mir, anständigere (und sinngemässere) Bögen und Phrasen zu singen, als sonst (was bei mir immer noch nichts heisst).
    • Ich persönlich habe schon ein Problem damit, wenn man offensichtlich hört, dass der Sänger deutliche Probleme, bzw. einen deutlichen Akzent hat, wenn es so gar nicht zu er Rolle passt.

      Dabei kann ich natürlich nur für deutsche Opern sprechen, da ich kein Italiener, Russe, Franzose etc. bin, und nicht weiß, wie diese Opern gesungen werden.


      Bei "Hänsel und Gretel" z.B. wäre es mir schon wichtig, dass die beiden Figuren "deutsch" klingen, also nicht wie Österreicher, aber auch nicht wie Amerikaner etc. Mich hat z.B. bei Anna Moffo in der 1971er Aufnahme sehr gestört, dass sie absolut nicht deutsch klang, und manchmal gab es auch gröbere Fehler, etwa wenn sie statt "Füßchen" "Fischchen" singt.

      Besonders fällt sowas auf, wenn seine Schwester, die Gretel (gesungen von Helen Donath) ein viel schöneres Deutsch singt - wieso hat ein Kind einen Akzent und Sprachprobleme, und das andere nicht? Besonders, wenn der Vater niemand geringerer als Dietrich Fischer-Dieskau ist?

      Ich habe das auf Youtube auch schon einmal gesehen: da gibt es eine Aufführung im kleineren Rahmen, und da war ein Hänsel mit einer wunderbaren Stimme, wie ich sie mir immer vorstelle, nur die Aussprache war echt furchtbar, ständig wurden bei den Worten Silben dazuerfunden oder weggelassen, usw. Was ich einfach schade fand, weil die Stimme war sehr schön.

      Bei der "Walküre" finde ich es auch eigenartig, wenn Sieglinde und Siegmund alles andere als deutsch klingen, nur damit ein berühmter Name auf dem Cover steht. Oft habe ich auch das Gefühl, dass die SängerInnen eher nach ihrem Namen ausgesucht werden, und nicht nach ihren Rollen. Wenn Wotan perfektes Deutsch "redet", Siegmund aber einen starken amerikanischen Akzent hat, obwohl er nur mit Wotan zusammenlebte Zeit seines Lebens, dann passt das einfach nicht mehr.

      Aber selbst bei Kinderchören, die Lieder wie "Alle Vöglein sind schon da" etc. singen, möchte ich unbedingt das Deutsche haben. Bei den Wiener Sängerknaben, oder anderen, gefällt es mir einfach nicht, es klingt nicht "echt" genug für mich.
    • Ich bin eine Verfechterin der guten Aussprache, die mir von Anfang an eingepaukt wurde, allerdings nur in deutscher Sprache, so war es zu meiner Zeit, da wurde alles deutsch gesungen.

      Was man heute oftmals zu hören bekommt, oder eben nicht, die deutliche Aussprache im Lied, in der Oper, da kann ich nur den Kopf schütteln. Da hört man wunderbare, technisch einwandfreie Stimme, doch der Text bleibt auf der Strecke.

      So ist es nicht nur bei Solisten, sondern auch in vielen den Chören zu hören. Ich habe Stimmbildung in einigen Chören gemacht und es war grauslich. Da hörte man kein Kyrie, sondern nur yrie, ein t am Ende eines Wortes wurde verschluckt, Benedictu… qui veni war das Endresultat.

      Oft singen Opernsängern aus anderen Ländern in deutschen Opern und trotz ihrer Bemühungen sich richtig zu artikulieren, ist es manchmal schwer sie zu verstehen.

      Deutsche Sprache, schwere Sprache, doch sie gehört zu jeder Arie, zu jedem Lied wie die Butter auf dem Brot.

      Meine Schüler waren es gewohnt immer wieder korrigiert zu werden, bis es selbstverständlich wurde.

      Was nützt ein guter Text, wenn er nicht verstanden wird.
      viele Grüße von musica
    • musica schrieb:

      es war grauslich. Da hörte man kein Kyrie, sondern nur yrie, ein t am Ende eines Wortes wurde verschluckt, Benedictu… qui veni war das Endresultat

      das ist eher ein klassisches Versagen der Chorleiter...

      Man kann einen Chor schon dazu bringen, ein deutliches "K" (vor dem Schlag...!) zu artikulieren und die "t"s und "S"s muß man halt abnehmen (macht nicht jeder...) Wobei: ein "Benedictu..." mit dezentem "s" ist mir fast lieber, als das übliche schauerlische "Benedictusssss-s-s-ss".... (...t-t-t-t-t analog). Oder dieses unsägliche a-ménnnn (oder andere an und für sich unbetonte aber nichtsdestoweniger lautstark rausgespukte Endsilben, auch wenn sie auf eine schwere Zählzeit fallen). Auch berühmte Ensembles sind nicht frei davon... Bei den besagten a-ménnnnns (Mozart...) bekomme ich regelmäßig Mordgelüste... :cursing:
      viele Grüße

      Bustopher


      Sapere aude
    • bustopher schrieb:

      musica schrieb:

      es war grauslich. Da hörte man kein Kyrie, sondern nur yrie, ein t am Ende eines Wortes wurde verschluckt, Benedictu… qui veni war das Endresultat

      das ist eher ein klassisches Versagen der Chorleiter...

      Man kann einen Chor schon dazu bringen, ein deutliches "K" (vor dem Schlag...!) zu artikulieren und die "t"s und "S"s muß man halt abnehmen (macht nicht jeder...) Wobei: ein "Benedictu..." mit dezentem "s" ist mir fast lieber, als das übliche schauerlische "Benedictusssss-s-s-ss".... (...t-t-t-t-t analog). Oder dieses unsägliche a-ménnnn (oder andere an und für sich unbetonte aber nichtsdestoweniger lautstark rausgespukte Endsilben, auch wenn sie auf eine schwere Zählzeit fallen). Auch berühmte Ensembles sind nicht frei davon... Bei den besagten a-ménnnnns (Mozart...) bekomme ich regelmäßig Mordgelüste... :cursing:


      Ja, da stimme ich dir voll zu, doch die Chorleiter machen meistens keine Stimmbildung nur ein "Einsingen". Vielleicht erwähnt er mal das eine oder andere, doch das reicht eben nicht aus. Außerdem ist das Studium eines Chorleiters im Gesang nicht mit dem eines reinen Sängers zu vergleichen, darum holen sie sich oft Sänger als Stimmbildner für den Chor.

      Die Aussprache muss nicht übertrieben sein, ein guter Chorleiter weiß auch die Endsilben so singen zu lassen, dass kein "Echo" mit tttt oder sss entsteht.
      viele Grüße von musica
    • bustopher schrieb:

      Wobei: ein "Benedictu..." mit dezentem "s" ist mir fast lieber, als das übliche schauerlische "Benedictusssss-s-s-ss".... (...t-t-t-t-t analog).


      Jau! Beim Benedictus muss das "s" zart sein wie eine Feder!
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Liebe Musica! Lieber bustopher! Lieber Araios!

      Als ich vor 100 Jahren, bei den Sängerknaben, das erste Mal den Sopran Solopart gesungen habe, da war unser Professor ganz darauf aus, dass beim Benedictus, egal ob bei Mozart oder J. und M. Haydn, das Wort mit einem weichen B anfängt und es nicht zu anderen Buchstaben wird, speziell am Schluss ein schön gesungenes S. Auch das Amen soll ein Amen bleiben, und

      wenn ich mir heute meine MCs anhöre [die hat es damals schon gegeben, so alt bin ich auch wieder nicht] kann ich auch für später, als ich Bariton sang, nur immer behaupten, das alle auch beim Chor, wortdeutlich und nicht verschmiert gesungen haben.

      Es kommt hier sehr auf den Maestro an, wie er die Sänger führt, ein schlampiges G'sangel wirkt nie schön, speziell auch beim Agnus Dei in der Krönungsmesse, wo ich den Sopranpart sehr gerne und sehr lange und sehr oft sang. :pfeif: :pfeif:

      Euer Peter mit herzlichen Grüßen. :wink: :wink:
    • Hallo zusammen!

      Es gibt Chorleiter, die wollen am Ende eines "benedictus" kein s. Nicht, weil der Chor da ein s-s-s-s-s draus macht, sondern weil ihm es an dieser Stelle zu scharf klingt.

      Und zur Rollengestaltung fällt mir meine allererste Chorleiterin ein, die uns blutigen Anfängern damals einfach ans Herz gelegt hat, den passenden Gesichtsausdruck zur "Botschaft" zu machen. Ein Lächeln für das Liebeslied, zornig zusammengekniffene Augen für die Aggression. Klingt simpel, ist aber tatsächlich hilfreich.