FUX, Johann Joseph (1660-1741) - Galionsfigur des österreichischen Barock

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    • FUX, Johann Joseph (1660-1741) - Galionsfigur des österreichischen Barock

      Liebe Capricciosi!

      Im folgenden Jahr jährt sich der mutmaßliche Geburtstag eines wesentlichen Barockkomponisten zum 350. Mal: Johann Joseph Fux wurde wahrscheinlich 1660 in der winzigen Ansiedlung Hirtenfeld geboren, die damals zur Pfarre St. Marein bei Graz gehörte (heute zu Nestelbach), und hat als Bauernsohn eine steile Karriere hingelegt: Zunächst studierte er Jus in Graz und Ingolstadt und hat sich wohl parallel musikalisch fortgebildet, denn 1696 wurde er Organist am Schottenstift in Wien, 1701 Kapellmeister am Stephansdom und 1711 bekam er gar den Traumjob eines Hofmusikdirektors in Wien. Daneben war er ein bedeutender Kompositionslehrer, und seine auf Latein (!) verfasste Schrift "Gradus ad Parnassum" (1725), ein Lehrbuch der Komposition und besonders des Kontrapunktes, blieb jahrhundertelang ein Klassiker. Auch heute ist Fux hauptsächlich wegen dieser pädagogischen Leistungen bekannt, sein umfangreiches und vielfältiges kompositorisches Werk wird selbst in Österreich kaum gespielt und erst langsam wieder entdeckt.

      Das kann ich einerseits ein bisschen nachvollziehen. Die österreichische Barockmusik - im geistlichen Bereich katholische Musik der Gegenreformation! - unterscheidet sich doch deutlich von der Barockmusik anderer Nationen, was ich hauptsächlich dem Konservativismus des Wiener Hofes anlaste. In Fux wurde jedenfalls ein Komponist gefunden, der diese konservativen Musikvorstellungen begeistert umsetzte: Er komponiert im stylus mixtus, eine Art Verschmelzung der Renaissancepolyphonie mit dem neuen monodischen Stil mit unabhängigen Instrumentalstimmen. Er schreibt, dass der Komponist darauf zu achten habe, in Kompositionen für die Kirche keine Tanzmelodien zu verwenden, auf der anderen Seite aber auch keine kraftlosen, blutleeren Melodien. In meinen Augen ist ihm selbst das nicht immer optimal gelungen; manche seiner geistlichen Werke erscheinen mir im Vergleich mit denen seiner Kollegen in anderen Ländern tatsächlich ein bisschen temperamentlos. Dass er freilich auch anders konnte, beweisen seine weltlichen Kompositionen.

      Andererseits gibt es von ihm auch Kirchenmusik, in der die Verschmelzung der konträren Stile wirklich ausgezeichnet und zum Vorteil der Musik gelungen ist, Werke, die es auf jeden Fall verdienen würden, öfter aufgeführt zu werden: Als Beispiel dafür möchte ich allen ganz besonders das Magnificat K 98 ans Herz legen, das auf der empfehlenswerten Doppel-CD "Vienna 1700 - Baroque Music from Austria" unter Lorenz Duftschmid eingespielt ist. Hier ist Fux at his best - und ich frage mich seither, ob Bach den Beginn für sein Magnificat plagiiert hat, oder ob es sich dabei um einen musikalischen Topos des Barock handelt. Mit Sicherheit gibt es bei Fux auch noch sehr viel zu entdecken, denn nur ein Bruchteil seiner Kompositionen sind derzeit als Aufnahmen oder auch nur Noten greifbar!




      Von cpo gibt es noch einige weitere Fux-Einspielungen, von denen ich besonders die "Lux aeterna - Geistliche Musik" betitelte empfehle. Man sollte bei jpc rasch zugreifen, denn die Fux-Aufnahmen sind gerade verdächtig günstig - vielleicht sollen sie abverkauft werden und zum Fux-Jahr neu aufgelegt werden?! Jedenfalls laden € 5,99 für die Einzel-CD, € 9,99 für die Doppel-CD wirklich zum Ankauf ein! Wer nicht bestellt, ist selber schuld...

      Wie geht es euch mit diesem Komponisten? Welche Werke und Aufnahmen hält ihr für empfehlenswert? Ich freue mich auf eine rege Diskussion!

      Liebe Grüße,
      Areios


      Appendix: Capriccio-Threads zu einzelnen Werken von Johann Joseph Fux:
      FUX: Dafne in Lauro K 308
      FUX: Orfeo ed Euridice K 309
      FUX: Die Partiten und Sonaten à 3
      Johann Joseph Fux: Die Messen
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Areios ()

    • Wenn auch nicht von cpo und leider nicht ganz so preiswert:



      Fux – durch seinen "Gradus ad parnassum" bei allen nachfolgenden Generationen eher unbeliebt, denn es ist wirklich ein zähes Geschäft, sich da hindurchzukämpfen – zeigt sich hier in der Aufnahme bisher unbekannter Orchesterwerke (ok, was ist nicht unbekannt von Fux?) als überaus eleganter Herrscher über alle Mittel.

      Dazu kommt die superbe, effektvolle, aber nie übertriebene Umsetzung durch das FBO.

      Eine Fux-CD nicht nur zum Kennenlernen, sondern überhaupt vom Feinsten.

      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:
    • Der alte Fux war vielseitig und hat auch für Cembalo einige sehr bemerkenswerte Sachen geschrieben.
      Einen schönen Eindruck bekommt man hier:



      Nun wird man nicht bei jedem Stück aufstehen und rufen: "Das muss Fux sein!"
      Aber einige Sätze sind schon sehr eigen, manchmal zeigt er z. B. einen Hang zu vertrackten Rhythmen, den sonst niemand so an den Tag gelegt hat.
      Insgesamt eine sehr ausgewogene Stilmischung aus Italien und Frankreich mit etlichen eigenen Zutaten.

      Dorota Cybulska-Amsler spielt auf einer Kopie des Donzelague-Cembalos (1712), die Joop Klinkhamer 1992 gebaut hat. Die klingt wunderbar, aber warum kein Wiener Instrument aus der Zeit verwendet wurde...
      Jedenfalls gibt es solche, und es wäre für einen Spion eine lohnende Aufgabe, sich in der entsprechenden Sammlung einmal umzutun.

      Bis auf den vielleicht nicht ganz passenden Instrumentalklang gibt es nichts, aber auch gar nichts an der CD auszusetzen.

      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Das erste Stück darauf heißt übrigens

      Capricio et Fugue
    • Keinesfalls nur Trockenschwimmübungen "wie sie bei Fuxen stehen" (Emanuel Bach)

      Dorota Cybulska-Amsler spielt auf einer Kopie des Donzelague-Cembalos (1712), die Joop Klinkhamer 1992 gebaut hat. Die klingt wunderbar, aber warum kein Wiener Instrument aus der Zeit verwendet wurde...

      Fux hatte wohl eher ein Faible für italienische Instrumente seiner Zeit, die ihm wohl durch seinen Kapellmeisterkollegen Caldara
      näher gebracht wurden. Es existieren in Wien Quittungen mit seiner Unterschrift, den Kauf verschiedener, leider nicht genauer spezifizierter Klimperkästen aus Bologna betreffend.
      Eine Einspielung, die ich immer wieder nur empfehoen kann, ist die CPO-Scheibe "Wien 1700- Barockmusik aus Österreich",
      derzeit im Ramsch-Angebot ! X(
      Mein Lieblingsstück darauf Fuxens " Gegrüsset seist du", hier unsinnigerweise Schmelzer zugeschrieben aber mit Sicheheit von Fux, sowohl was den Tiefgang, die technische Pefektion und auch die unglaubliche Dichte des eher kurzen Werkes angeht.
      Schmelzer mag ganz sicher seine Mertiten gehabt haben, aber dgl. vermochte er nicht. Also, wer sie noch nicht haben sollte, unbedingt zugreifen, und zwar jetzt....
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      „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alle Fäden in der Hand haben"
      Walter Ulbricht, (1893-1973), Deutscher Realpolitiker
    • Von der "Wien 1700" doppel CD bin ich auch begeistert.

      Ich schätze allerdings auch seine konservativen geistlichen Werke, denn dadurch, dass er ja diese alte Polyphonie mit neuem zusammenführt, entsteht etwas absolut einzigarties, was ich so von kaum einem anderen Komponisten her kenne.



      Mir hat es vor allem die Einspielung einiger Orchesterwerke angetan, die ich auch der neueren Einspielung des Freiburger Barockorchesters vorziehe. Es wurden allerdings völlig andere Werke gewählt - jedoch scheint mir Duftschmid und seine Leute da mehr Herzbluth reingesteckt zu haben:



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      Zu hören gibt es eine festliche "Serenada" mit Trompteten, dann zwei Suiten in moll und die "Turcaria" eine musikalische Beschreibung der Belagerung der Stadt Wien durch die Türken.

      Allerdings gibt es diese Turcaria noch um einiges besser vom gleichen Ensemble auf einer der Editionen der "Tage alter Musik in Herne"

      [Blockierte Grafik: http://www.tage-alter-musik.de/tontraeger/1999-278.jpg]

      Da auch mit Rezitation (scheinbar zeitgenössische Berichten) aber leider vergriffen. In jedem Fall sollte man sich die Editionen unbedingt sichern, wer die "Dresdner Intventionen" und "Hortus Itallicus" loswerden will, bitte bei mir melden 8)
    • Meine neueste Fux'sche Errungenschaft ist das "Kaiserrequiem" K 51-53, das mich in seiner lugubren und archaischen Schönheit tief berührt. Mit einigen anderen vorwiegend in Moll gehaltenen Stücken ist es auf dieser CD versammelt:



      Komponiert 1720 für das Begräbnis der Witwe Kaiser Leopolds I., Eleonores von Pfalz-Neuburg, einer strengen und fanatischen Frau mit einem Hang zu Selbstkasteiung, wurde Fuxens Requiem noch zu seinen Lebzeiten mehrmals wiederaufgeführt. Manchmal wurden offensichtlich nur Teile aufgeführt, weswegen das Requiem in drei Teilen überliefert ist und daher auch drei Köchelverzeichnis-Nummern hat.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Liebe Grüße!

      (Das ist mein erster Beitrag hier auf Capriccio... bin eigentlich von Ungarn, so nimmt für mich nicht übel, wenn bei mir einige grammatische Ungereimtheiten einschleichen)

      Ich sammle auch gern Fuxens Werke auf CD, was mir noch sehr gefiel, und hier bisher nicht erwähnt wurde, ist die CD
      "Sonate e Sinfonie" mit Lajos Rovátkay bei Virgin erschienen. Zwar nicht HIP, dennoch ein sehr gut gelungenes Stück Musik.

      Was ich aber bemangele: Fux ist ja berühmt dafür, dass er den stile antico weiter fortgeführt hat und ein Meister in diesem Stil war. Doch gibt es bisher keine Aufnahme seiner Messen a cappella, leider.

      (Von Biber - einer meiner Lieblingskomponisten - ist auch nur seine a cappella-Messe bisher unveröffentlicht...) :thumbdown:
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato
    • Tschabrendeki schrieb:

      ... "Sonate e Sinfonie" mit Lajos Rovátkay bei Virgin erschienen. Zwar nicht HIP, dennoch ein sehr gut gelungenes Stück Musik.


      Herzlich willkommen!

      Die Aufnahme von Rovatkay ist durchaus HIP, leider vegriffen und gebraucht nur überteuert zu bekommen. Das war meine erste Begenung mit Fuxens Instrumentalmusik - oder vielleicht auch Harnoncourts LP bei "Das Alte Werk".



      (Die gleiche Aufnahme in zwei Ausgaben.)

      Die weiter oben erwähnte Clemencic-CD ist im stile antico.
    • Miguel54 schrieb:

      Herzlich willkommen!

      Die Aufnahme von Rovatkay ist durchaus HIP, leider vegriffen und gebraucht nur überteuert zu bekommen. Das war meine erste Begenung mit Fuxens Instrumentalmusik - oder vielleicht auch Harnoncourts LP bei "Das Alte Werk".


      Die weiter oben erwähnte Clemencic-CD ist im stile antico.
      Danke! Es is schön hier zu sein!

      Ich dachte es wäre kein HIP... gut zu wissen!

      Meintest du die Requiem-Aufnahme?
      Ja, dort ist eine a cappella Motette, "De profundis" zu hören, die wirklich atemberaubend schön ist, das Requiem selbst ist aber konzertant - wenn auch natürlich mit stile antico Elementen durchwebt. Ich meinte aber eben die a cappella Messen von Fux. :wink:
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato
    • Lieber Tschabrendeki!

      Dazu muss man natürlich sagen, dass es zu Fuxens Zeit nicht unüblich war, auch a-cappella-Messen colla parte mit Instrumenten zu begleiten, wie es die HIP-Aufnahmen auch oft praktizieren. Allerdings muss ich zugeben, dass durch diese Aufführungspraxis für mich schon einiges vom Reiz des bloßen a-cappella-Gesangs verloren geht.

      Das Requiem ist aber in der Tat konzertant geschrieben, wenngleich diese konzertanten Elemente einen vergleichsweise geringen Anteil ausmachen und das Requiem alles in allem doch stark am stilo antico orientiert ist.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Du hast ja recht...

      Die Musik von Fux ist wie ich es sehe unglaublich wichtig, wenn wir die Klassik verstehen wollen. Monn, Wagenseil, die beiden Haydns, Salieri - alle haben viel von ihm (persönlich, oder aus seinem Werk) gelernt. Ich hab unlängst gelesen für Michael Haydn war er, und sein Kirchenmusikalisches Schaffen absolut maßgebend.

      Um nur ein Werk zu nennen, die ich aus den Katalogen der Labels vermisse: die berühmte "Missa canonica". Gerade dieses Werk soll (z.B. nach Köchel) eine seiner Schlüsselwerke auf dem Gebiet der Kirchenmusik sein (z.B. eben dieses Werk hat Michael Haydn für sich kopiert!).
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato
    • Geschätzter Tschabrendeki.

      Kennst Du sein Oratorium : La Deposizione dalla Croce ?

      Ich habe eine erstklassige Aufnahme aus ca. 1990.

      Martin Haselböck, und sehr gute Solisten. Isokoski, Röschmann Derek L. Ragin, Wildhaber, Selig. NOVALIS.


      Es grüsst Rolf.
    • Andantino schrieb:

      Geschätzter Tschabrendeki.

      Kennst Du sein Oratorium : La Deposizione dalla Croce ?

      Ich habe eine erstklassige Aufnahme aus ca. 1990.

      Martin Haselböck, und sehr gute Solisten. Isokoski, Röschmann Derek L. Ragin, Wildhaber, Selig. NOVALIS.


      Es grüsst Rolf.
      Lieber Rolf,

      Das genannte Werk kenne ich leider nicht, aber sein "Fonte delle salute" ebenfalls mit der Wiener Akademie und Martin Haselböck, schon. Ein erstklassiges Werk!
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato
    • Biographisches...

      Ich hab irgendwo gelesen, dass als Fux nach Wien kam er zuerst die Aufmerksamkeit von Leopold Karl von Kollonitsch, Erzbischof von Gran (Esztergom!) auf sich zog, und der war es, der ihn für den Kaiser und Apostolischer König Ungarns, Leopold I., empfahl.
      Kollonitsch war natürlich ein Ungar (von kroatischer Absammung), so haben "wir" die Karriere von Fux angekurbelt... :D
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato
    • Guten Abend

      J.J. Fux macht es uns nicht gerade leicht mit seinem Lebensweg, wie der Werdegang des steirischen Bauernsohnes zum Wiener Hofkompositeur verlief, liegt weitgehend im Dunkeln. Auf ein Gesuch Johann Matthesons über Angaben zu seiner Person schrieb er:

      "Ich könnte viel vorteilhaftiges für mich von meinem Aufkommen, unterschiedlichen Dienstverrichtungen überschreiben, wenn es nicht wider die Modesie wäre, selbst meine Elogia hervorzuschreiben.
      Indessen seie mir genug, daß ich würdig geschätzt werde, Caroli VI. erster Kapellmeister zu sein."


      Man sah Fux lange nur als Theoretiker und Verfasser seines "Gradus ad Parnassum" an.
      Fux schrieb auch:

      "......Denn so bald ich nur den geringsten Gebrauch meiner Vernunfft erlanget, habe ich recht vor Begierte gebrennt,
      und alle meine Sinnen und Gedancken an die Musik geworffen, bin auch itzo noch recht von Begierde solche zu erlernen angeflammt;
      ja ich werde wider meinen Willen so zu sagen hingerissen, so daß mir die Musik tag und Nacht in den Ohren klinget,
      daß ich also an der Wahrheit meines innerlichen Berufs gar nicht zweifle..."


      Kennengelernt habe ich den Vollblutmusiker J.J. Fux 1970 auf dieser heute noch hörenswerten Platte



      mit "Musik am Habsburger Hof".
      Eingespielt vom Concentus Musicus Wien unter N. Harnoncourt, auch ein Pionier der Fux-Renaissance.

      Gruß :wink:

      aus Schwetzingen

      Deio
      " Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles eine Bemerkung !"

      (Heinrich Heine)
    • Liebe Capricciosi!

      Zum Fux-Jahr 2010 habe ich mir heute aus der Uni-Bibliothek einige Bände der Johann-Joseph-Fux-Gesamtausgabe geholt und höre mir nun gerade die sehr schöne Missa Corporis Christi K 10 an und lese gleichzeitig im Notentext mit. :sev:

      Die noch lang nicht vollständige, gleichwohl verdienstvolle Gesamtausgabe (1959 begonnen), die den Anspruch erhebt, gleichermaßen kritische wie praktische Ausgabe zu sein, erscheint in Graz bei der Akademischen Verlagsanstalt (Adeva) und umfasst bisher folgende Bände:

      I: Messen und Requiemvertonungen
      I/1: Missa Corporis Christi K 10
      I/2: Missa Lachrymantis Virginis E 12 ("Klosterneuburger Messe")
      I/3: Missa brevis solennitatis K 5
      I/4: Missa Gratiarum actionis K 27
      I/5: Requiem K 55
      I/6: Missa humilitatis K 17
      I/7: Requiem K 51-53 ("Kaiser-Requiem")
      I/8: Missa Confidentiae K 8
      I/9: Missa Constantiae K 9

      II: Litaneien, Vespern, Kompletorien, Te-Deum-Vertonungen
      II/1: Te Deum E 37
      II/2: Te Deum K 270
      II/3: Laudate Dominum- und Magnificat-Vertonungen [mit Ausnahme derjenigen, die einem Vesperzyklus zugehören]
      II/4: Vier lauretanische Litaneien mit Trompeten

      III: Kleinere Kirchenmusikwerke
      III/1: Motetten und Antiphonen für Sopran mit Instrumentalbegleitung
      III/2: Motette "Benedicta" und Antiphonen für zwei Soprane mit Instrumentalbegleitung
      III/3: Offertoriumsmotetten für vier Vokalstimmen mit Instrumentalbegleitung
      III/4: Offertoriumsmotetten für vier und fünf Vokalstimmen mit Instrumentalbegleitung

      IV: Oratorien
      IV/1: La fede sacrilega nella morte del Precursor S. Giovanni Battista K 291
      IV/2: La donna forte nella madre de’sette Maccabei K 292
      IV/3: Il trionfo della fede K 294
      IV/4: Cristo nell’Orto K 296
      IV/5: Il Fonte della Salute K 293

      V: Opern
      V/1: Julo Ascanio, Re d’Alba K 304
      V/2: Pulcheria K 303
      V/3: Gli Ossequi della notte K 305
      V/4: Il mese di Marzo consecrato a Marte K 306
      V/5: La Decima Fatica d’Ercole K 307
      V/6: Dafne in Lauro K 308
      V/7: Orfeo ed Euridice K 309
      V/8: Diana placata K 311

      VI: Instrumentalmusik
      VI/1: Werke für Tasteninstrumente
      VI/2: Triopartiten
      VI/3: Triosonaten
      VI/4: Triosonaten
      VI/5: Triosonaten (2011)
      VI/6: Sonaten für größere Besetzungen (2011)

      VII: Theoretische und pädagogische Werke
      VII/1: Gradus ad Parnassum
      VII/2: Singfundament

      VIII: Supplemente

      Ansonsten liegen kaum Werke von Fux im Druck vor. Ein paar Werke gibt es noch in der verdienstvollen Reihe "Süddeutsche Kirchenmusik des Barock" hrsg. v. Wolfgang Fürlinger beim Coppenrath Verlag (ab 2008 bei Carus). Aber nicht einmal die, die da gedruckt sind, werden so oft gespielt, wie sie es verdienen würden. Chorleiter und Intendanten, schaut euch das einmal an!

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Liebe Capricciosi!

      Wenn einen so wie mich das Fux-Fieber gepackt hat, will man manchmal fast trübsinnig werden ob der mageren Diskographie. Doch dann findet man doch noch Lichtblicke: so z.B. die Stadtpfarrkantorei Bruck an der Mur (http://www.stadtpfarrkantorei.net/index.php), die sich Fux auf ihre Fahnen geschrieben hat und pünktlich zum Fux-Jahr 2010 im vergangenen Herbst eine sehr erfreuliches CD-Début mit "Kirchenmusik am Wiener Hof" hingelegt hat. Die CD ist über die Homepage der Stadtpfarrkantorei Bruck beziehbar.

      "http://www.stadtpfarrkantorei.net/index.php?option=com_content&view=article&id=18&Itemid=12 (direkter link zur CD)

      (Das Coverbild zeigt König David in einer Abbildung vom Orgelpositiv der Brucker Stadtpfarrkirche (Andreas Schwarz 1725 I/5). Ich habe die Erlaubnis eingeholt, es hier verwenden zu dürfen. Auf der Aufnahme wird allerdings die große, neobarocke Orgel der Stadtpfarrkirche verwendet (Pirchner 1983 II/28).)

      Zu hören sind von Fux die Missa Purificationis K 28, das Laudate Dominum E 29 und die Motette Salve Salus Mundi; allesamt kleiner besetzte Werke ohne Pauken und Trompeten, dafür umso inniger (man höre etwa das "Et incarnatus" der Messe!). Die Missa Purificationis gehört zur Gruppe der "Missae mediocres", also Messen mittlerer Länge, Prachtentfaltung und Besetzung, und wurde, dem Namen nach zu schließen, für Mariä Lichtmess (2. Februar) komponiert. Besonders aufgefallen sind mir einige Wendungen, die dem alpenländischen Volkslied nahestehen, z.B. der Beginn des Agnus Dei. Sie verleihen der Messe einen gewissen Ohrwurmcharakter und zeigen, wie fließend der Übergang von Barock zur Wiener Klassik im Bereich der geistlichen Gebrauchsmusik ist.

      Die Stadtpfarrkantorei Bruck an der Mur unter der Leitung von Herbert Handl beeindruckt vor allem durch ihren homogenen Chorklang (der auch mit den beiden Posaunen, die Alt und Tenor verstärken, bestens harmoniert), führt aber auch die Koloraturen sauber aus und phrasiert mit viel Elan. Die Aufnahme ist ein Beweis dafür, dass Laienchöre selbstverständlich Leistungen erbringen können, die denen von professionellen Vokalensembles in nichts nachstehen (was ich freilich immer schon wusste). Begleitet wird der Chor adäquat von einem einfach besetzten Instrumentalensemble auf historischen Instrumenten (Violine I/II, Violoncello, Violone, Posaunen) und Krisztina Gábor an der Orgel.
      Von den Solisten sind besonders die hervorragende Sopranistin Barbara Fink zu nennen, die auch auf der oben gelobten Doppel-CD "Wien 1700" unter Lorenz Duftschmid zu hören ist, sowie der Altus Jakob Huppmann. Besonders im Duett sind die zwei ein Genuss! Dagegen bleiben Tenor- und Basssolist etwas farblos, aber solide.

      Das zweite Hauptwerk dieser CD, die Missa Dominicalis, stammt zur Abwechslung nicht von Fux, sondern von Antonio Caldara. Sie ist - trotz identischer Besetzung - festlicher (auch länger!) und weniger intim als die Missa Purificationis. Und zur Abrundung darf Krisztina Gábor mit je einer Toccata von Froberger und Muffat die Orgel auch solistisch "tractiren".

      Eine schöne Bereicherung der Fux-Diskographie!

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Liebe Capricciosi!

      Auch Juan Diego Flórez hat im Fux-Jahr 2010 den kaiserlichen Hofkomponisten für sich entdeckt: Sein in Kürze erscheinendes Album "Santo" mit geistlichen Tenorarien beginnt gleich mit dem trompetenüberstrahlten "Alleluia" aus Fuxens Motette "Plaudite, sonat tuba".



      Wer allerdings die gesamte Motette hören will, sollte besser gleich zu folgender CD greifen, die nicht nur beträchtlich billiger ist, sondern mir auch künstlerisch besser gefällt als das, was man auf den jpc-Schnipseln von Flórez' Fux hören kann; Johannes Chum ist hier der makellose Tenorsolist:



      Ich hoffe unterdessen, dass auch eine Kollegin von Juan Diego einmal auf die Idee kommt, einige Arien von Fux einzuspielen; nicht nur in den Opern "Orfeo ed Euridice" und "Dafne in Lauro" gibt es herrliche Sopranarien, sondern auch im Oratorium "Il trionfo della fede" K 294, das ich vor ein paar Monaten im Radio gehört habe, hat die Sängerin des "Amor Divino" einige hinreißende Arien zu singen, besonders "É radicato" und "No, non credete" sind wunderschöne, harmonisch durchaus kühne Kleinodien! Das wäre mal was für Patricia Petibon oder Simone Kermes!

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Tschabrendeki schrieb:

      Kennt jemand eine Aufnahme der Sinfonia a 2 K. 358 (Concentus musico-instrumentalis, Nr.7)?


      Lieber Tamás!

      Beim Fux-Jubiläumskonzert in Nestelbach am 9. April 2010 konnte man dieses im Programmheft als Sonata à 2 K 358 angegebene Werk hören, und in der nachfolgenden Radioübertragung auch mitschneiden. Die Aufführung wurde aber aus ökonomischen Gründen mit Blockflöte und Violine besetzt statt der eigentlich vorgesehenen Flöte und Oboe, doch diese Umbesetzung verstößt wohl nicht gegen barocke Praktiken.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.