Gesucht: Werke, mit denen der Hörer "unterworfen" werden kann

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    • Matthias Oberg schrieb:


      Das ist dann aber nicht mehr ein harmloses Spiel, wenn in ungünstigeren gesellschaftlichen Zusammenhängen Kultur direkter in den Dienst von Herrschaft gestellt ist: Ich muß zu Aufmärschen in's Stadion und werden da mit Überwältigungsshows bombardiert. Dann gibt es hinterher vielleicht doch ein böses Erwachen. Das zeigt mindestens die Ambivalenz solcher zu beidem nutzbaren Werken, je nach Kontext.

      :wink: Matthias


      Lieber Matthias,

      das ist für mich das Problem mit dem Thread-Titel: Bei der Kopplung von Musik und "unterjpochen" fällt mir sofort die Marschmusik ein. Denn hier hat das Unterjochen gleich auch seinen physischen Anteil. Wenn Du Dich von Wagnermusik überwältigen lässt, kannst Du das immer noch individuell beeinflussen und gestalten. Bist Du aber ein Element in einer Marschkolonne, bist Du zum Gleichschritt verdonnert. Die Wirkung des Marsches zielt auch darauf ab, dass man sich nur als ein Glied in einer Kette fühlt. Wenn der Titel in der Wertung neutraler gesacht war, dann hätte eine andere Wortwahl mE geholfen. Ansonsten kann eigentlich jede Musik, wenn auch nicht jeden, Hörer "unterjochen". Das fängt bei der Gregorianik an, wo gerade Melismen und Einstimmigkeit einen unwderstehlichen Sog ausüben können, für entsprechend sensible Sänger und Hörer, versteht sich.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Ich lasse mich ja auch gerne,fesseln,einfangen,überwältigen,in hypnotische Gewalt nehmen,---schlichtweg umhauen---aber unterjochen!?!-----------Wenn ich Mahler´s 3.Symphonie(möglichst die Kubelik Version) oder Janacek´s Glagolitische Messe (Jilek mit den Brünner Philharmonikern) höre dann bin ich schlichtweg überwältigt,..................und es haut mich geradewegs um so hypnotisch zieht mich diese Musik wie in einen wohligen Strudel aber unterjocht habe ich mich dabei wahrlich noch nie gefühlt,eher mitgenommen in eine höhere Ebene----------------------------------------------------Ja,ja diese Nazi-Vergleiche mit nichts kann man seine Kontrahenten besser diskreditieren---ein kurz mal eingeworfener Vergleich und jegliche weitere Diskusion umweht ein fieses Lüftchen!
      Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)


      Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)
    • Boris schrieb:

      "Werke, mit denen der Hörer unterjocht werden kann" !?

      Alle Achtung, ein wirklich bizarrer Thread - Titel. Klingt irgendwie sehr nach einer Propaganda-Broschüre des Reichsrundfunkministeriums. :shake:


      Hallo Boris,

      mal davon abgesehen, dass in einer Propaganda-Broschüre wohl nie unverblümt von "Unterjochung" die Rede wäre, finde ich Deine Analogie mindestens genauso bizarr wie den Threadtitel ...

      DiO :beatnik:

      P.S.: In Sachen Signatur scheint Dich ja der Dirigent schon "unterjocht" zu haben ... ;+)
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Himmel, nun hängt euch doch bitte nicht allzu sehr an sprachlichen Pedanterien auf.

      Ich denke, wir sollten diesen Disput schnellst möglich ausmerzen, bevor das Ganze entartet. (<-- Damit sich bestimmte Mitglieder ein wenig zu Hause fühlen können.) :hide:
      "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)
    • Diabolus in Opera schrieb:


      mal davon abgesehen, dass in einer Propaganda-Broschüre wohl nie unverblümt von "Unterjochung" die Rede wäre, finde ich Deine Analogie mindestens genauso bizarr wie den Threadtitel ...


      "Befreien Sie alle Länder von den grünen Armeen!"
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      Diabolus in Opera schrieb:


      mal davon abgesehen, dass in einer Propaganda-Broschüre wohl nie unverblümt von "Unterjochung" die Rede wäre, finde ich Deine Analogie mindestens genauso bizarr wie den Threadtitel ...


      "Befreien Sie alle Länder von den grünen Armeen!"
      Und ganz besonders Grönland vom Packeis und die Gummibärchen von der Tüte-----------------und keiner ist bucklig und alle können sehn :fee:
      Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)


      Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)
    • Hallo Diabolus in Opera,

      nur mal zur Erinnerung, worüber wir hier reden, laut Duden:

      "unterjochen
      (...) unterjochen Beispiel: das Volk wurde unterjocht Bedeutung unter seine Herrschaft, Gewalt bringen und unterdrücken Beispiel andere Völker, Minderheiten unterjochen (...) Synonyme zu unterjochen beherrschen , gefügig machen, in Unfreiheit halten, knebeln , niederhalten , seinen Willen aufzwingen, unterdrücken , versklaven"


      das sind für mich die Assoziationen; und wenn man dann Musik sucht, mit denen der Hörer "unterjocht" werden kann, finde ich das schon ein sehr gewalttätiges Vokabular, welches für mich genau in die Wortwahl dieser Zeit passt.

      Überwältigen ja, hypnotisch, Sogwirkung, ja, das kann ich alles gut verstehen; warum man allerdings militärisches Vokabular bemühen muss? Das entzieht sich meinem Verständnis.

      Man mag das als Wortklauberei ansehen; für mich hat dies nichts mit "Überkorrektheit" zu tun, wie Yorick behauptet, sondern für mich hat es umgekehrt mit sprachlicher Verrohung zu tun, wenn ich allen Ernstes Werke suche, um den Hörer zu "unterjochen". Auch wenn dies hyperbolisch gemeint war oder wie auch immer: ich fand die Wortwahl einfach nur sehr schräg, diffus und den vom Threadsteller intendierten und nachher richtiggestellten Inhalt stark verzerrend.

      Wenn andere da weniger empfindlich sind, mag ja sein, ich nehme allerdings das mir zustehende Recht der Meinungsäußerung wahr, um auf diese in meinen Augen verunglückte Wortwahl hinzuweisen.

      Übrigens: auch die Signatur habe ich selbst gewählt: niemand hat mich gezwungen, niemand hat es mir auch nur nahegelegt; ich habe es freiwillig getan und wurde eben NICHT unterjocht.

      Und ebensowenig begebe ich mich unter das Joch derjenigen, die daran Anstoß nehmen, dass sie nicht unwidersprochen in ihrem Gewaltvokabular-Jargon philosophieren dürfen; da müsst Ihr auch mit Widerspruch und anderer Meinung leben; das nennt man dann Demokratie.

      Dann noch viel Spaß bei Eurer Suche nach Unterjochungs-Repertoire.

      Ich beteilige mich lieber an etwas lebensbejahenderen Threads.
      „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
      Herbert von Karajan


      „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
      Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.
    • KALEVALA schrieb:

      Ja,ja diese Nazi-Vergleiche mit nichts kann man seine Kontrahenten besser diskreditieren---ein kurz mal eingeworfener Vergleich und jegliche weitere Diskusion umweht ein fieses Lüftchen!


      Tja, lieber gerechtigkeitsfanatiker, wer ist schuld? Der, der solche Worte bemüht, oder der, der den Finger in die Wunde legt und einfach mal darin erinnert, was diese achtlos dahingeworfenen Worte tatsächlich bedeuten? Bin ich jetzt der "Spielverderber", der böse Bube, nur weil ich darauf aufmerksam mache, mit welchen Terminologien man da hantiert?

      honni soit qui mal y pense...
      „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
      Herbert von Karajan


      „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
      Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.
    • Also der Begriff Joch bedeutet im übertragenen Sinne eine als bedrückend empfundene Fremdherrschaft---das wäre dann in meinem Fall so wenn ich "Volkstümliche" Musik hören müsste,das wäre wahrlich unterjochung,aber bitte doch nicht Musik die ich mir selber auswähle,obs der Tristan oder die Glagolitische Messe ist, niemand von uns(DAVON GEHE ICH JETZT EINFACH EINMAL AUS)wird gezwungen das anzuhören---also kann es fesseln,einfangen etc.-----------ABER IN KEINEM FALL;unterjochen-------------------------------------------------vielen Dank für die Aufmerksamkeit--Freiheitliche Grüsse von KALEVALA---------------------------------SEID NÜCHTERN UND WACHET :-OOOO-
      Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)


      Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)
    • Boris schrieb:

      nur mal zur Erinnerung, worüber wir hier reden, laut Duden:

      "unterjochen
      (...) unterjochen Beispiel: das Volk wurde unterjocht Bedeutung unter seine Herrschaft, Gewalt bringen und unterdrücken Beispiel andere Völker, Minderheiten unterjochen (...) Synonyme zu unterjochen beherrschen , gefügig machen, in Unfreiheit halten, knebeln , niederhalten , seinen Willen aufzwingen, unterdrücken , versklaven"


      das sind für mich die Assoziationen; und wenn man dann Musik sucht, mit denen der Hörer "unterjocht" werden kann, finde ich das schon ein sehr gewalttätiges Vokabular, welches für mich genau in die Wortwahl dieser Zeit passt.

      Überwältigen ja, hypnotisch, Sogwirkung, ja, das kann ich alles gut verstehen; warum man allerdings militärisches Vokabular bemühen muss? Das entzieht sich meinem Verständnis.

      Im wesentlichen denke und fühle ich hier wie Boris. Ich finde den Threadtitel "Gesucht: Werke, mit denen der Hörer unterjocht werden kann" ungünstig gewählt. Auch klingt er für mich so, als wenn hier nach Musik gesucht wird, die man zur Unterjochung des Hörers instrumentalisieren kann. Also nicht Musik die "unterjocht" (im Sinne von überwältigt), sondern die man dafür nutzen kann jemand zu unterjochen (sich Untertan zu machen). Ziemlich unsympathisch also.
      Aber so hat das der Threadstarter doch hoffentlich nicht gemeint.

      Für mich ist "unterjochen" allerdings kein militärischer Ausdruck, sondern ich assoziiere Gutsherrenart, Frohndienst und Versklavung damit. An die Nazizeit denke ich da eher nicht spezifisch. (Obgleich da freilich viele Menschen unterjocht wurden.)

      Gruss
      Hudebux
    • ralphb schrieb:

      Das finde ich einen sehr guten Punkt. Vielleicht vergleichbar mit großen Entdeckungen der Wissenschaft, die missbraucht werden und fürchterlichen Schaden anrichten können. Ist das in der Musik auch ähnlich?


      Ich fürchte, schon, aber wahrscheinlich ist nicht jede Musik gleich benutzbar und ihre Benutzbarkeit muß nicht unbedingt gegen diese Musik sprechen, sondern eher gegen den gesellschaftlichen Kontext, in dem das geschieht und in dem es dann kein harmloses Spiel mehr ist, wie in Eccliticos Domina-Studio-Vergleich.

      Peter Brixius schrieb:

      das ist für mich das Problem mit dem Thread-Titel: Bei der Kopplung von Musik und "unterjpochen" fällt mir sofort die Marschmusik ein. Denn hier hat das Unterjochen gleich auch seinen physischen Anteil. Wenn Du Dich von Wagnermusik überwältigen lässt, kannst Du das immer noch individuell beeinflussen und gestalten. Bist Du aber ein Element in einer Marschkolonne, bist Du zum Gleichschritt verdonnert. Die Wirkung des Marsches zielt auch darauf ab, dass man sich nur als ein Glied in einer Kette fühlt. Wenn der Titel in der Wertung neutraler gesacht war, dann hätte eine andere Wortwahl mE geholfen.


      Da fällt mir natürlich der Walkürenritt zum Hubschrauberangriff auf den Vietcong in Apocalypse Now ein. Also wohl auch das eine Frage des Kontexts, aber auch der strukturellen Kompatibilität: Zur kleinen, selbstständig agierenden Kampfeinheit mit intern relativ flachen Hierarchie, kannst du ein Antreiben mit Marschmusik knicken. Der aufputschende, das Individuelle durchaus gelten lassende, auf andere Weise ein kleines Kollektiv zusammenschweißende Psychedelic Rock hat hingegen in Vietnam ganz gut funktioniert und wurde sehr gefördert, obwohl er von den Musikern wie Hendrix selbst meist eigentlich antimilitaristisch intendiert war, sogar vielleicht selbst von den GI's deswegen gehört wurde. Aber es war auch aufputschend, Gemeinschaft stiftend, und die Scheißlage damit eher durchzustehen und so auch funktional für diese Form der Kriegsführung. M.A.S.H. oder Michael Ciminos The Deer Hunter zeigen davon viel.

      Insofern finde ich den etwas provozierenden Titel gar nicht schlecht, owohl es immer wohl auch nicht nur um 'Unterjochung', sondern immer auch um einen Anteil Selbstunterwerfung geht, bzw um ein komplexes Verhältnis von beidem, weil er das nicht Unproblematische an dieser Ambivalenz betont. Wie gesagt, harmlos, vielleicht sogar befreiend, wenn ich im freien Vertragsverhältnis zur SM-Session oder im heutigen Deutschland in die Wagner-Oper gehe. Aber wenn's mit der ganzen Belegschaft in ein Wagnerpotpourri geht, vorher und nachher ein Bombardarment mit den entsprechenden Reden und vor allem Bildern und anschließend heißt's, Aufsitzen und Polen Überfallen! (A la Woody Allens Sprüchlein: "Wenn ich Wagner höre, bekomme ich immer so Lust, Polen zu überfallen." :D )

      Peter Brixius schrieb:

      Ansonsten kann eigentlich jede Musik, wenn auch nicht jeden, Hörer "unterjochen".


      Wahrscheinlich, aber nicht jede Musik kann für alles gleichermaßen in den Dienst genommen werden: Free Jazz oder Luigi Nono kann auch zur selbstvergessenen Hingabe führen, aber die Green Barrets wären damit vermutlich wenig funktionstüchtig. Doch vielleicht gilt selbst hier, dass mir nur die Phantasie fehlt, mir ein Herrschaftsregime auszudenken, in dem selbst solche Musik noch funktional instrumentalisierbar wäre.

      Um es noch einmal gegen alle vorschnellen Mißverständnisse zu betonen, diese Ambivalenz spricht nicht unbedingt gegen die Werke, aber selbst etwas aus dem anarchistischen Meisterwerk Der Ring kann Coppola überzeugend benutzen, um einen Hubschrauberangriff zu untermalen und da wird man doch schon im Kino unheimlich aufgeputscht. Man findet viele Bilder schrecklich, aber es ist auch schrecklich aufregend, irgendwie faszinierend, ja toll und man fiebert mit den Jungs mit und der Commander ist auch megacool. Natürlich spricht es für Coppola und ähnlich für Wagner, wenn man den Walkürenritt und Ähnliches im gesamten Opernzyklus hört, dass sie diese Ambivalenz gerade zum Thema machen, was aber selbst auch wieder ambivalent beleibt: Der Krieg bei Coppola bleibt berauschend; Wagner will den musikalischen Rausch in den Dienst kunstreligiös überhöhter Befreiung stellen.

      :wink: Matthias
    • Boris schrieb:

      Man mag das als Wortklauberei ansehen; für mich hat dies nichts mit "Überkorrektheit" zu tun, wie Yorick behauptet, sondern für mich hat es umgekehrt mit sprachlicher Verrohung zu tun, wenn ich allen Ernstes Werke suche, um den Hörer zu "unterjochen".


      Lieber Boris,

      der böse Blick, welche Werke eignen sich zum 'unterjochen' und wie funktioniert das, kann doch auch ganz aufklärerisch sein. Dann kann man vielleicht sogar, dadurch geschützter vor selbstunterwerfender Komplizenschaft mit den Unterjochern, sich auch mal überwältigen lassen, sich und das Werk aber besser vor Instrumentalisierungen schützen.

      :wink: Matthias
    • "Unterjochen" ist die Steigerung von "unterwerfen". Das scheint aber für Missverständnisse zu sorgen, daher habe ich den Betreff in Richtung des Originalzitats geändert.

      Ich bitte nun aber von Duden-Zitaten abzusehen. Wörter sind immer im Zusammenhang zu sehen. Dieser lautet hier:

      "Hier werden dem Virtuosen noch einmal die Mittel an die Hand gegeben, das Publikum mit eingängiger, plastisch formulierter, teils sentimental-kantabler, teils pathetisch-triumphaler Thematik hinzureißen und sich zu unterwerfen."

      Damit müsste klar sein, was hier gemeint ist.

      Und zunächst(!) würde ich das Thema ungern ausdehnen. D.h. Wagner passt hier nicht so gut: Es ist da eher der Komponist und seine Musik, die "unterwerfen". Der Komponist lebt aber nicht mehr, eine Interaktion ist also nicht möglich. Sie ist zwar möglich zwischen Dirigent/Orchester und Publikum, aber ein Solist hat da ganz andere Möglichkeiten.

      Marschmusik, totalitäre Systeme etc.: Ja, da ist "Unterwerfen" möglich. Aber kaum durch die Musik und deren Vortrag allein, das geht nur im Rahmen einer umfassenden Inszenierung. Als Musik ist da z.B. das Tschaikowski-Konzert wesentlich intensiver: Der Pianist, sein Flügel und das Orchester reichen aus.

      Darum geht es mir: Der Künstler "unterwirft" das Publikum, ohne das zugrunde liegende Werk zu verfremden. Die "Unterwerfung" ist also im Werk als Möglichkeit schon angelegt. Und doch steht es dem Künstler frei, das auszunutzen oder nicht. Z.B. könnte man das Tschaikowski-Konzert auch ohne "Unterwerfung" spielen, denke ich...


      Thomas
    • Puh. Wieder einmal fällt es schwer, herauszufinden, WAS du eigentlich genau meinst. Man beschuldige mich der Wortklauberei oder der Pedanterie, aber im Eingangspost klingt es, als ob es um die Werke und deren Potenzial geht, jetzt liest es sich so, als ob die Einschränkung auf Werke mit solitischem Anteil liegt, es aber eigentlich weniger um die Werke geht. Hä?

      Ich finde das Thema schon sehr interessant und hätte jetzt den Bolero von Ravel beigesteuert, aber nach den neueren Ausführungen ist DANACH nicht gesucht!?

      Egal. Ich sage: Der Bolero von Ravel ist ein Paradebeispiel für hypnotisierende, überwältigende Wirkung. Wehe, die Musik bricht innerhalb der letzten 4 bis 5 Repitionen ab. ;+)
      "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)
    • Boris schrieb:

      KALEVALA schrieb:

      Ja,ja diese Nazi-Vergleiche mit nichts kann man seine Kontrahenten besser diskreditieren---ein kurz mal eingeworfener Vergleich und jegliche weitere Diskusion umweht ein fieses Lüftchen!


      Tja, lieber gerechtigkeitsfanatiker, wer ist schuld? Der, der solche Worte bemüht, oder der, der den Finger in die Wunde legt und einfach mal darin erinnert, was diese achtlos dahingeworfenen Worte tatsächlich bedeuten? Bin ich jetzt der "Spielverderber", der böse Bube, nur weil ich darauf aufmerksam mache, mit welchen Terminologien man da hantiert?

      honni soit qui mal y pense...
      Also erst einmal,lieber Borises geht hier nicht um Schuld und auch nicht um "Spielverderben" ,ich finde es ja richtig das Du vehement und auch provozierend deine Ansichten vertrittst und wer das ander,s sieht den möchte auch ich auf das Rosa Luxemburg Zitat verweisen. Im grossen und ganzen teile ich deine Meinung---was mich stört das sind halt diese oft achtlos(Dir unterstelle ich nicht das Du sie achtlos benutz hast sondern um gezielt zu provozieren)eingeworfenen Nazi,Islamisten;Chauvinisten,Antisemiten...-Vergleiche(früher waren es Kommunisten,das zieht heute nicht mehr)Jeder dessen Meinung heutzutage irgendeinem anderen missfällt wird mit derartigen Begriffen zu dem was man in unaufgeklärteren Zeiten den Antichristen oder Ketzer nannte und damit degradiert.Ich glaube derartige Polemik hast Du überhaupt nicht nötig---meiner Meinung nach hast Du eh die besseren Argument und diese Unterjochungs-Thesen sind sowieso nur ein schwaches Windchen gegen die kein Sturm losbrechen muss,das habe ich ja auch in meinen Beiträgen versucht zu vermitteln-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Alle sind aufgeklärt,doch wer weiß bescheid!
      Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)


      Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)
    • Wulf schrieb:

      Egal. Ich sage: Der Bolero von Ravel ist ein Paradebeispiel für hypnotisierende, überwältigende Wirkung. Wehe, die Musik bricht innerhalb der letzten 4 bis 5 Repitionen ab.
      Ja was dann,gibt es dann eine Revolution oder Mord und Totschlag---wahrscheinlich aber doch nur eine kurze Verwunderung oder Frustration und das Leben geht weiter------------------vielleicht kann man das ganze mal von einer anderen Seite betrachten---zu keiner Zeit sind Völker in den Krieg gezogen weil ihre Führung so herrlich unterjochende Marschmusik auf sie einwirken ließ,das wäre doch eine zu und zu schöne vorstellung,die Musik stoppt aus irgendeinem Grund und keiner weiß mehr warum er eigentlich hier ist und alle gehen befreit nach Hause---und immer steht am Anfang das Wort was die Menschen aufhetzt und ihre Gedanken vergiftet und in diesem zusammenhang würde ich dann auch von unterjochen sprechen,erst die eigenen Gedanken dann die der "Anderen"---Gruppendynamik,man ist lieber Teil des Kollektivs als sein Gegner---der ist selber schuld der nicht mit uns geht,---und willst du nicht mein Bruder sein so schlag ich dir den Schädel ein--------------------------------------------------diese ganze Debatte wird langsam und schleichend immer abstruser und hiermit entschuldige ich mich bei allen Komponisten dieser Welt,den jetzigen und den gewesenen für diese Verdächtigung ihrer Werke---Herzliche Grüsse an alle noch nicht von grausam-fieser Musik unterjochten und an die anderen der Rat :Musikfreunde wehrt Euch,kauft nicht beim Musikalienhandel und verbrennt alle Partituren----freiheitlliche Grüsse:KALEVALA
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      Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)
    • Also noch mal:
      Ich suche nicht Musik, die in den Bann zieht, hypnotisiert. Sondern Musik, die es dem Künstler ermöglicht, insbesondere bei der Live-Aufführung, den Hörer zu "unterwerfen". Wobei man dabei übrigens fragen könnte, ob eine solche Interpretation unbedingt die ideale ist. Es wundert mich, dass hier noch keiner protestiert hat.

      Vielleicht hilft auch die folgende Zusatzfrage. Wiederholung des Zitats:
      "Hier werden dem Virtuosen noch einmal die Mittel an die Hand gegeben, das Publikum mit eingängiger, plastisch formulierter, teils sentimental-kantabler, teils pathetisch-triumphaler Thematik hinzureißen und sich zu unterwerfen."

      An welche Werke denkt der Autor, wenn er "noch einmal" schreibt? Offensichtlich hat man dem Virtuosen vor Tschaikowski auch schon solche Werke "an die Hand gegeben". Welche meint der Autor?

      Tschaikowski war 1874. An Rachmaninoff kann er also nicht gedacht haben. Eher an Liszt und Chopin. Rachmaninoff würde aber auch passen. Prokofieff auch noch?

      Natürlich muss es nicht auf Klavier oder überhaupt auf ein Instrument beschränkt sein. Mit Gesang ist so etwas auch möglich. Typisch scheint aber eine gewisser Wechsel zwischen "großer Geste" und "Intimität" zu sein. Oder wie es der Autor formuliert: teils sentimental-kantabel, teils pathetisch-triumphal. Lenas Notenmaterial scheint da weniger geeignet. Man müsste eher bei Verdi suchen. Denkbar wäre auch das eine oder andere Musical. Allerdings fällt mir kein konkretes ein. In Wirklichkeit ist das nämlich extrem große Kunst, solche Musik zu schreiben, ohne dass es oberflächlich wirkt. Die Arien aus "Phantom der Oper" passen da schon mal nicht, egal wie "grandios" manches klingt. Es ist zu "gewollt".


      Thomas