Was ist, was soll, was darf Opernregie? Und was nicht?

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    • Wolfsschlucht schrieb:

      Ich gehe in die Oper aus dem Wunsch, die Oper als Kunstwerk geniessen zu können. Mit dem Thema Krieg und deutscher Schuld habe ich mich ausreichend beschäftigt. Als mündiger Bürger möchte ich die Begegnung mit diesem Thema selbst dosieren können. Jede Haltung, die mir diese Entscheidung abspricht, ordne ich in die autoritäre Ecke ein, und sie hat mit Demokratie nichts, aber auch gar nichts zu tun.

      Wer hindert Dich denn daran, die Begegnung mit bestimmten Themen selber zu dosieren? Es steht doch jedermann frei, bestimmte Themen zu ignorieren oder gegen deren Vereinnnahmung zu protestieren, die Umsetzung für völlig verfehlt oder geschmacklos zu halten, die Aufführung zu verlassen oder gar nicht erst hinzugehen....

      Und mit Demokratie hat das gar nichts zu tun; Demokratie ist etwas feines, aber es gibt Bereiche, wo sie einfach nicht hingehört. Kunst ist so ein Bereich. Finde ich.

      :wink:

      Magus
      "Whenever we hear sounds, we are changed, we are no longer the same..." Karlheinz Stockhausen 1972
    • Magus schrieb:

      Und mit Demokratie hat das gar nichts zu tun; Demokratie ist etwas feines, aber es gibt Bereiche, wo sie einfach nicht hingehört. Kunst ist so ein Bereich. Finde ich.


      Doch. Zum Beispiel die Frage, in welchem Maße Kunst gefördert wird, und zwar von Steuergeldern, ist eine Frage der Demokratie. Und auch die Frage, ob die 500.000 Euro, die der Herr Kosminksi dem Hörensagen nach für seine abgesetzte Inszenierung erhalten hat/wird, ein Fall für das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahlers ist, ist eine Frage der Demokratie.

      Leider hat Kunst auch mit Geld zu tun. Und wenn wir uns eine staatsfinanzierte Kunst und Kultur leisten, darf die Frage, wie und ob dieses Geld sinnvoll eingesetzt wird, kein Tabu sein.
      Freundliche Grüße

      Wolfsschlucht

      -----------------------------------------------------------
      I can't listen to that much Wagner. I start getting the urge to conquer Poland.
      Woody Allen
    • Josquin Dufay schrieb:

      Kunst wird von Persönlichkeiten gemacht, nicht von Demokratie.


      jd :wink:


      Kunst wird von Künstlern gemacht und von der Demokratie/dem Staat finanziert. Ich kenne in Deutschland nicht viel an Kultur, die überleben würde, wenn man sie rein dem Markt überantworten würde. Glaubt z.B. irgendwer, die Rundfunksymphonieorchester spielen ihre Kosten ein?
      Freundliche Grüße

      Wolfsschlucht

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      I can't listen to that much Wagner. I start getting the urge to conquer Poland.
      Woody Allen
    • Wolfsschlucht schrieb:

      Magus schrieb:

      Und mit Demokratie hat das gar nichts zu tun; Demokratie ist etwas feines, aber es gibt Bereiche, wo sie einfach nicht hingehört. Kunst ist so ein Bereich. Finde ich.


      Doch. Zum Beispiel die Frage, in welchem Maße Kunst gefördert wird, und zwar von Steuergeldern, ist eine Frage der Demokratie. Und auch die Frage, ob die 500.000 Euro, die der Herr Kosminksi dem Hörensagen nach für seine abgesetzte Inszenierung erhalten hat/wird, ein Fall für das Schwarzbuchs des Bundes der Steuerzahlers ist, ist eine Frage der Demokratie.

      Leider hat Kunst auch mit Geld zu tun. Und wenn wir uns eine staatsfinanzierte Kunst und Kultur leisten, darf die Frage, wie und ob dieses Geld sinnvoll eingesetzt wird, kein Tabu sein.

      Herr Kosminski hat nie im Leben 500 000 € Gage für diese Produktion erhalten! Das könnte allerhöchstens der Gesamtetat für die Produktion mit allem Pipapo, also inkl. Sängergagen etc., sein. Letztere fallen übrigens auch bei einer konzertanten Aufführung an. Daß ein Großteil des Etats in nur eine szenische Aufführung gegangen ist, ist durch die Entscheidung von Herrn Meyer zur Absetzung bedingt, und nicht dadurch, daß Herr Kosminski nicht vertragsgemäß gearbeitet hätte.

      Ob das ein Fall für das Schwarzbuchs des Bundes der Steuerzahler ist, ist höchstens insofern eine Frage der Demokratie, da eine freiheitliche Demokratie die Bildung einer Organisation namens "Bund der Steuerzahler" ermöglicht. Diese Vereinigung ist kein Verfassungsorgan. (Müßte es in geschlechtergerechter Sprache übrigens nicht eigentlich "Bund der Steuerzahlenden" heißen? :hide: :D )

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Wolfsschlucht schrieb:

      Josquin Dufay schrieb:

      Kunst wird von Persönlichkeiten gemacht, nicht von Demokratie.


      jd :wink:


      Kunst wird von Künstlern gemacht und von der Demokratie/dem Staat finanziert. Ich kenne in Deutschland nicht viel an Kultur, die überleben würde, wenn man sie rein dem Markt überantworten würde. Glaubt z.B. irgendwer, die Rundfunksymphonieorchester spielen ihre Kosten ein?

      (Hervorhebung von mir)

      Korrektur: co-finanziert!

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      (Müßte es in geschlechtergerechter Sprache übrigens nicht eigentlich "Bund der Steuerzahlenden" heißen? )


      Uarks. Das kommt sicher auch noch... :hide:


      Symbol schrieb:

      (Hervorhebung von mir)

      Korrektur: co-finanziert!


      Korrekt.
      Freundliche Grüße

      Wolfsschlucht

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      I can't listen to that much Wagner. I start getting the urge to conquer Poland.
      Woody Allen
    • "Weß Brot ich eß, deß Lied ich sing?"

      Ich weiß ja nicht. Im übrigen sind € 500.000 peanuts im Vergleich zu dem, was die Steuerzahler Woche für Woche für die Polizeieinsätze der Fußballigen ausgeben müssen....und dabei interessiere ich mich gar nicht für Fußball.

      Ich glaube, dieses Argument führt nicht sehr weit.

      :wink:

      Magus
      "Whenever we hear sounds, we are changed, we are no longer the same..." Karlheinz Stockhausen 1972
    • Wolfsschlucht schrieb:

      …die 500.000 Euro, die der Herr Kosminksi dem Hörensagen nach für seine abgesetzte Inszenierung erhalten hat/wird…
      Es ist aber auch eine Frage der Demokratie, ob man so eine Behauptung einfach weiterverbreitet, weil es sich so schön macht, oder ob man sie lieber erst einmal einer Plausibilitätsprüfung unterzieht. Bei einer solchen würde sich nämlich sofort herausstellen, dass die Summe vollkommen absurd und (vermutlich mit voller Absicht) mindesten zehnfach übertrieben ist. Freilich wird das so wunderbar populistische Steuerzahler-Argument damit deutlich unkräftiger, was ein Problem ist, weil es anscheinend kein anderes mehr gibt.
    • Achim schrieb:

      Symbol schrieb:

      [. (Müßte es in geschlechtergerechter Sprache übrigens nicht eigentlich "Bund der Steuerzahlenden" heißen? :hide: :D )

      LG :wink:


      Das diskriminiert aber wieder die Gruppe der Nicht-Steuerzahlenden.....

      viele Grüße
      achim

      Na ja, der Bund der Dackelzüchtenden (falls es den denn geben sollte) würde somit ja auch alle Nicht-Dackelzüchtenden diskriminieren.

      Wenn man sich diese Produkte modernen PC-Deutschs so ansieht, so kommt bei mir die Assoziation mit der Schlußansprache von John Cleese als Anführer der Widerstandsgruppe in "Life of Brian" hoch... Gibt's eigentlich schon den Begriff "Deppen-Partizip", in Analogie zum "Deppen-Leerzeichen" und "Deppen-Apostroph"?

      OT Ende... :hide:

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      Achim schrieb:

      Symbol schrieb:

      [. (Müßte es in geschlechtergerechter Sprache übrigens nicht eigentlich "Bund der Steuerzahlenden" heißen? :hide: :D )

      LG :wink:


      Das diskriminiert aber wieder die Gruppe der Nicht-Steuerzahlenden.....

      viele Grüße
      achim

      Na ja, der Bund der Dackelzüchtenden (falls es den denn geben sollte) würde somit ja auch alle Nicht-Dackelzüchtenden diskriminieren.

      Wenn man sich diese Produkte modernen PC-Deutschs so ansieht, so kommt bei mir die Assoziation mit der Schlußansprache von John Cleese als Anführer der Widerstandsgruppe in "Life of Brian" hoch... Gibt's eigentlich schon den Begriff "Deppen-Partizip", in Analogie zum "Deppen-Leerzeichen" und "Deppen-Apostroph"?

      OT Ende... :hide:

      LG :wink:
      Zumindest wird diesem glorreichen Faden durch Deine Einwürfe ausnahmsweise mal eine interessante Wendung verliehen. 8+)
    • Symbol schrieb:

      Gibt's eigentlich schon den Begriff "Deppen-Partizip", in Analogie zum "Deppen-Leerzeichen" und "Deppen-Apostroph"?
      Na, na, na! So darf man nicht über die Errungenschaften unserer Sprachwächter reden! Es gebührt sich, dass an sich an solchen Konstruktionen mit heiligem Ernst die Zunge bricht und außerdem gut hinschaut, wer es etwa wagen sollte, sie zu umgehen oder gar der Versuchung nicht widersteht, vernünftiges Deutsch zu sprechen. (Wozu solche Sprachreglementierungen, die auf Wörter, nicht aber auf Worte und Inhalte zielen, gut sind, weiß jeder, der vor 1989 alt genug war, um noch sprachbewusst im poststalinistischen Sozialismus gelebt zu haben.)

      Etwas anderes: Der Ausspruch in Deiner Signatur ist nicht von Mahler (auch wenn er einer der vielen ist, dem er immer mal zugeschrieben wird), sondern von Jean Jaurès und heißt richtig:
      Être fidèle à la tradition, c'est être fidèle à la flamme et non à la cendre. (Einer Tradition treu zu sein, bedeutet, der Flamme treu zu sein und nicht der Asche.)
    • Polonius schrieb:

      Es gebührt sich, dass an sich an solchen Konstruktionen mit heiligem Ernst die Zunge bricht
      Ein herausragendes Beispiel ist die Neufassung der Straßenverkehrsordnung. Besonders schön vor allem, wenn die Sprachwächter nicht genügend aufpassen und böse Stellen übersehen: Seit dem ersten April 2013 muß man im Straßenverkehr den Anweisungen von Polizeibeamtinnen nicht mehr Folge leisten! :P

      (§ 35 StVO; s.auch http://bernd.sluka.de/Recht/StVO2.0/StVO2.0.html, gegen Ende)

      Aber es wird OT!
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Polonius schrieb:


      Etwas anderes: Der Ausspruch in Deiner Signatur ist nicht von Mahler (auch wenn er einer der vielen ist, dem er immer mal zugeschrieben wird), sondern von Jean Jaurès und heißt richtig:
      Être fidèle à la tradition, c'est être fidèle à la flamme et non à la cendre. (Einer Tradition treu zu sein, bedeutet, der Flamme treu zu sein und nicht der Asche.)

      Danke für den Hinweis - man lernt doch nie aus! Ich hatte zwar irgendwo mal gelesen, daß die Zuschreibung zu Mahler zweifelhaft sei, habe den wahren Urheber allerdings nicht ausmachen können - und meine Signatur daher bis zum Auftreten von Widerspruch unverändert gelassen. Dann gibt es jetzt eben halt ein anderes Zitat von Gustav dem Großen. ;+)

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Polonius schrieb:

      Etwas anderes: Der Ausspruch in Deiner Signatur ist nicht von Mahler (auch wenn er einer der vielen ist, dem er immer mal zugeschrieben wird), sondern von Jean Jaurès und heißt richtig:
      Être fidèle à la tradition, c'est être fidèle à la flamme et non à la cendre. (Einer Tradition treu zu sein, bedeutet, der Flamme treu zu sein und nicht der Asche.)
      Ist das Zitat nicht sogar noch älter? Gefunden habe ich es in dieser Form: "Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme." (Thomas Morus, ca. 1478-1535).

      Vielleicht nicht ganz offtopisch, denn die Maxime, ob von Morus, Jaurès oder Mahler, paßt auch für Opernregie.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Vielleicht nicht ganz offtopisch, denn die Maxime, ob von Morus, Jaurès oder Mahler, paßt auch für Opernregie.

      Durchaus, lieber Gurnemanz! Meine neue Signatur (m. W. ein gesicherter Mahler-Ausspruch) aber auch... :D

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler