Filme - Originalfassung oder deutsche Synchro?

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    • Filme - Originalfassung oder deutsche Synchro?

      Hallo!

      Angeregt durch die Aussage von Erzherzog im "Historische Aufnahmen"-Thread:

      Erzherzog schrieb:

      Bei Filmen geht es mir genauso. Ich halte die Bevorzugung des Originals für ziemlich elitäres Gerede und behaupte die meisten, die das wollen, sprechen die Sprache auch nicht so gut, dass sie die vielen Feinheiten im Spiel mit Redewendungen auch nicht wirklich verstehen. Und ich meine eine voll verstandene deutsche Übersetzung ist allemal besser als ein nur halb verstandenes Original.
      Und bei Untertiteln wird der Film zum Buch und wichtige filmische Elemente gehen beim Lesen verloren.


      wollte ich mal über das Thema diskutieren.

      Ich selber sehe mir Filme normalerweise beim ersten Mal auf Deutsch an, damit ich sehe, worum es geht - danach aber fast ausschließlich auf Englisch, einfach, weil es natürlicher klingt, und weil ich den Tonfall der Darsteller hören möchte, der auch oft eine wichtige Rolle spielt. Zur Not schalte ich auch Untertitel ein, aber ich halte mich nicht für "elitär", weil ich die Originalsprache eines Films, oder einer Serie, bevorzuge.
      Was die Redewendungen angeht, da verstehe ich natürliche vieles nicht, aber dafür kann man ja im Internet recherchieren, oder in Foren fragen - insofern lernt man da gleich noch was dazu.

      Ich schaue eigentlich fast nie Filme in anderen Sprachen, aber manchmal sind auch z.B. französische Sachen dabei. Da lasse ich die Untertitel an, und obwohl ich kein einziges Wort verstehe, ist mir der Tonfall auch da viel wichtiger.

      Ich denke z.B. an den Film "Dracula", von Francis Ford Coppola, 1992. Da gibt es Briten, Amerikaner, Rumänen und einen Holländer. Im Original klingen die Briten auch wie Briten, Rumäne wie Rumäne etc., während das in der deutschen Fassung völlig verlorengeht. Hier klingt Van Helsing genauso wie die Briten und die Amis - es funktioniert einfach nicht mehr so. Dass dann Dracula auch noch die Synchronstimme von Robert deNiro hat, und Dr. Seward die bekannte Stimme von Christopher Lloyd stört mich da noch zusätzlich.

      Damit will ich keineswegs die deutschen Synchronisationen herabwürdigen, da gibt es natürlich sehr viele gute! Viele Filme sind erst durch die Synchro so beliebt geworden, ich denke an die Bud Spencer-Terence Hill-Streifen.

      Wie seht ihr das?
    • Ich bevorzuge die Originalsprache. Eigentlich immer. Und doch, ich beherrsche Englisch so gut, dass ich viele der "Feinheiten im Spiel..." verstehe und mitbekomme. Ob ich die Sprache selbst auf solchem Niveau spreche, ist eine andere Frage. Viele Witze funktionieren in einer Übersetzung einfach nicht und am schlimmsten wird es für mich, wenn Namen übersetzt werden. Bsp.: Wenn ich Game of Thrones mit der Familie schaue (und deswegen auf Deutsch), dann ertrage ich es nicht, wenn man aus Englisch:"Lannister" dann Deutsch:"Lennister" macht, die Namen plötzlich Deutsch ausgesprochen werden oder dann einfach der Sinn einer Aussage verändert wird, weil eben eine deutsche Übersetzung nicht funktioniert. Am besten (im negativen Sinne) sind dann Enlisch/Deutschkombinationen wie "Casterly Stein"...
    • Früher mußte bei mir alles in Deutsch sein; war es Original mit UTs, schaltete ich ab. Doch Einiges wie Rocky Horror Picture Show oder Filme, die in der deutschen Schnittfassung stark geschnitten wurden (z.B. Kurosawas Sieben Samurai) brachten mich dann doch dazu, es zu akzeptieren. Inzwischen ist es so, daß ich mich nicht davor scheue, Filme im Original laufen zu lassen - wenn sie UTs in Deutsch oder Englisch haben. (Englischsprachige Filme können im Zweifelsfall auch ohne UTs auskommen.) Da es z.B. die Ozu-Filme als UK-Blurays gibt, hatte ich da keine Bedenken, sie zu kaufen (Japanisch mit englichen UTs). Die werde ich mir kaum als deutsche Blurays zulegen, zumal ein Teil davon nicht in deutscher Synchro vorliegen; z.Z. gibt es nicht mal reguläre deutsche DVD-Veröffentlichungen!

      In meiner Entdeckungsreise, die auch heutzutage weitergeht, habe ich mich inzwischen weit vom rein deutschen Markt entfernt. Als Letztes kaufte ich mir die US-Bluray von Abbott & Costello meet Frankenstein; ich gebe mich damit zufrieden, nicht die deutsche Synchro davon zu besitzen, obwohl es eine deutsche DVD gibt. Ich habe früher immer danach gehechtet - heute geht mir (Gottseidank!) die Luft dafür aus.


      Allerdings sehe ich die Filme am Liebsten in der deutschen Synchro, wenn ich die Wahl habe. Ich will lieber Gerd Günther Hoffmann als James Bond hören, nicht unbedingt Sean Connery. Meistens sehe ich Filme nur dann im Original, wenn ich die deutsche Synchro wirklich schlimm finde: ich kann mir My Fair Lady nicht in Deutsch anhören; Berlinerisch ist kein adäquater Ersatz für Cockney... :cursing: Bei anderen Musicals ist es ähnlich; nur bei West Side Story, wo nur die Dialoge übersetzt wurden, schaue ich auch lieber die deutsche Sprachfassung an.


      In Deutschland ist die Synchronisierung ein altes Geschäft und hat jede Menge tolle deutsche Fassungen erstellt. Nicht alle sind gleich gut gelungen, aber zumindest bis ca. 1980 waren selbst die bescheuertsten Filme mit erstklassigen Sprechern besetzt. Ich fühle mich immer wohl, viele dieser alten Synchronisationen zu hören, denn für mich haben sie ein Eigenleben entwickelt. Die alte Synchro von Im Zeichen des Bösen (Touch of evil, 1958) finde ich absolut gelungen, aber sie läßt sich nur schwer auf die neue Schnittfassung von 1998 anlegen; deshalb wurde die deutsche DVD neu synchronisiert, leider nicht besonders gelungen (wenn auch verständlich). Wem die Stunde schlägt (For whom the bell tolls, 1943) hat auf deutscher DVD das gleiche Schicksal erlitten, da die alte Synchro auf einer 35 Minuten kürzeren Fassung basiert; die DVD beinhaltet aber die komplette US-Fassung. Ich finde die Synchro recht gut, aber auch da sind mir die alten Stimmen noch gut im Kopf geblieben.

      Ich könnte jetzt so weiter schwadronieren, doch lassen wir das. Kurz: zumeist sind die älteren Synchros mit herrlichen Stimmen besetzt und klingen zumeist adäquat; es gibt auch Verfälschungen gegenüber Originalen - das berühmteste Beispiel wäre wohl Hitchcocks Notorious (1946) zu nennen, der in seiner ersten Synchro (Weißes Gift) den originalen Uranschmuggel gegen Heroinschmuggel austauschte... :faint: ; die spätere TV-Synchro hat das zum Glück behoben. Insgesamt aber mag ich die alten Stimmen so sehr - Mensch, Rolf Schult als Clint Eastwood in Dirty Harry (1971) klingt einfach genau richtig: schnoddrich, ironisch distanziert und echt gefährlich... :thumbsup: ; da lasse ich auch Klaus Kindler links liegen... :D


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Leporello92 schrieb:

      Ich bevorzuge die Originalsprache. Eigentlich immer. Und doch, ich beherrsche Englisch so gut, dass ich viele der "Feinheiten im Spiel..." verstehe und mitbekomme. Ob ich die Sprache selbst auf solchem Niveau spreche, ist eine andere Frage. Viele Witze funktionieren in einer Übersetzung einfach nicht und am schlimmsten wird es für mich, wenn Namen übersetzt werden.
      Das ist richtig: da ist das Original einfach unschlagbar. Ich kann es auch so gut verstehen, daß mir die Feinheiten auffallen.

      Bei japanischen Filmen habe ich festgestellt, daß sie zum Teil davon leben - wer Lone Wolf & Cub kennt,



      der weißt sicherlich, was ich meine: hier wird die Sprache fast zu einem einsilbigen Grunzen, welches perfekt zu der Inszenierung der Gewalt paßt. Die Filme wurden nie komplett deutsch synchronisiert - es wäre in diesem Fall einfach töricht.


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
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      Jean Paul
    • In schweizer Kinos werden fast immer die FIlme im Original gezeigt. Häufig mit deutscher und französischer Untertitelung gleichzeitig.
      Mir gefällt das immer sehr gut. Daheim schaue ich Filme meistens auch im Original. Wenn es sich um englischsprachige Filme handelt, lasse ich gerne den englischen Untertitel laufen. Manchmal ist mir das aber zu mühsam, dann nehme ich die deutsche Untertitelung.

      Hudebux
    • Bei manchen englischen Filmen habe ich den Originalton ganz gern, aber ich schätze auch gute Synchronisierungen (obwohl auch bei denen manchmal ärgerliche Fehler passieren - bei der sonst gut gemachten "Downton Abbey"-Serie zum Beispiel ist man beim Übersetzen über "Dowager" gestolpert und hat peinlichen Blödsinn produziert). Wo es um Subtilitäten und Anspielungen geht, bedarf es natürlich der Originalsprache - da kann man mit der Zeit immer neue Details entdecken, was das Wiederanschauen ewig spannend macht. Ungarischen Filmen kann ich nur mehr schlecht als recht folgen, aber in der Übersetzung würden sie sicher an Effekt oft verlieren.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Waldi schrieb:

      Wo es um Subtilitäten und Anspielungen geht, bedarf es natürlich der Originalsprache
      Das stimmt, aber ist es nicht auch der Tonfall, WIE die Leute etwas sagen, der wichtig ist?

      Ich habe mir kürzlich "Einer flog über das Kuckucksnest" angesehen, diesmal auf Englisch, und in der deutschen Fassung klingt Nicholson oft viel aggressiver, herrischer, während sein Tonfall im Original ganz ein anderer ist, er wirkt wesentlich relaxter.
    • Klar, aber da kann man im Einzelfall sicher etliche Faktoren finden, die für das Original sprechen. "Pride and Prejudice" auf deutsch ist achtbar, kann aber die" Englishness of English Art" nicht ersetzen.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Im dänischen Fernsehen und auf dem DVD-Markt werden fast alle Filme nur als "OmU" angeboten, nur deutsche Produktionen machen hier die Ausnahme. Englische und französische Filme habe ich, seit sie vertrieben werden, immer in Originalsprache bevorzugt, für mich sind auch Original- Tonfall wichtig für das Verständnis und der idiomatische Duktus eines Dramas lässt sich einfach nur ganz schwer in deutsch formulieren. Dabei denke ich vor allem an die Westernfilme aller Epochen.

      Gruss aus dem Lande der Sommerpausen, holgerdent
    • Just in dieser Minute in Spider-Man 2 gesehen: Tante May wacht, geweckt von Peter, aus ihren Träumen auf und spricht Peter mit dem Namen ihres verstorbenen Mannes an. Dann bemerkt sie, dass sie geträumt hat und spricht im Englischen: "For a second there I thought I was years ago. Everybody's gone, aren't they?"
      Im Deutschen wird daraus: "Für eine Sekunde habe ich gedacht, es wäre alles wie früher. Die beiden [Harry&Marry Jane] sind schon gegangen, nicht wahr?"
      Und das noch ohne Not, man sieht sie nur von hinten beim Sprechen, da hätte es keine genaue Lippenbewegung gegeben. X(
      Genau wegen solchen Pfuschigkeiten schaue ich möglichst nur noch Original.
      (Außer den "Big Lebowski", der hat eine fast bessere Synchro- als Original-Spur.. :))
    • merkatz schrieb:

      Ich sah den Film leider nur einmal in Englisch - wie wurde der sparsame Gebrauch des Wortes "Fuck" ins Deutsche übersetzt?

      Haha, gute Frage! :D Die Antwort findest du hier als einen der Top-Kommentare (außerdem sehe ich gerade, dass auch vielen anderen die tolle Synchro aufgefallen ist, juhu!) : "http://www.youtube.com/watch?v=ZblbDtfgFdg"
      Aber sie variieren leicht. "Bekackt", "beschissen", "verschissen", da sind sie flexibel.. :D
    • Außer den "Big Lebowski", der hat eine fast bessere Synchro- als Original-Spur.

      Bitte???
      Nun musst du aber endlich Dein Avatar ändern, denn langsam wird es arg peinlich!
      Sowas!
      Sich erst als Donnie als Dude ausgeben und dann die deutsche Synchronisation für besser als das Original halten. Gehts noch??? Der gesamte Subtext ist doch weg!
      Hast Du den Film eigentlich verstanden?
      Mann oh Mann!
      Gruß aus Kiel
      Manchmal tue ich so, als wäre ich normal. Doch dann wird mir langweilig und ich bin wieder ich selbst.
    • Doc Stänker schrieb:

      Hast Du den Film eigentlich verstanden?

      Also die dreißig Mal, die ich den Film in etwa geschaut habe, war ich meistens so druff, dass ich froh war, wenn ich Leinwand/ Monitor noch fokussieren konnte. Ich hatte gehofft, damit hätte ich den Subtext grob erfasst. Also: ne, hab gar nix verstanden. Schickst du mir Inhaltsangabe und Deutung als PN? Ach und den Subtext bitte auch!
      :wink:
    • El Duderino schrieb:

      Tante May wacht, geweckt von Peter, aus ihren Träumen auf und spricht Peter mit dem Namen ihres verstorbenen Mannes an. Dann bemerkt sie, dass sie geträumt hat und spricht im Englischen: "For a second there I thought I was years ago. Everybody's gone, aren't they?"
      Im Deutschen wird daraus: "Für eine Sekunde habe ich gedacht, es wäre alles wie früher. Die beiden [Harry&Marry Jane] sind schon gegangen, nicht wahr?"

      Ist doch auf Deutsch viel besser, oder? Weniger verschwurbelt, also inhaltlich direkter, aber ohne Pathos zu verlieren.

      Ich gebe dir aber gerne Recht, was Lebowski angeht. Ich finde ihn brillant synchronisiert.

      Überhaupt finde ich, dass in D gute Arbeit beim Synchronisieren geleistet wird, OBWOHL ich mich jede Woche bei den Simpsons aufrege.
      Aber mein durchschnittliches Englisch lässt mich dankbar sein, und ich behaupte, dass jeder, der nicht ganz exzellent eine Sprache beherrscht, von einer Synchro-Fassung mehr hat als vom Original.

      Ich könnte da hundert Beispiele aus MPFC nennen...so als Härtefall. 8+)
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Alberich schrieb:

      Aber mein durchschnittliches Englisch lässt mich dankbar sein, und ich behaupte, dass jeder, der nicht ganz exzellent eine Sprache beherrscht, von einer Synchro-Fassung mehr hat als vom Original.
      Ich würde mein Englisch auch als sehr durchschnittlich bezeichnen, obwohl ich mich viel damit beschäftige, aber man kann ja auch einen Film im Original schauen, während man deutsche Untertitel hat - so kommt man mit der Handlung mit, HÖRT aber gleichzeitig wie die Schauspieler reden.
    • merkatz schrieb:

      man kann ja auch einen Film im Original schauen, während man deutsche Untertitel hat - so kommt man mit der Handlung mit, HÖRT aber gleichzeitig wie die Schauspieler reden.

      Naja, siehe Duderinos Beispiel - manchmal ist die Diskrepanz schon ganz erstaunlich. Das nervt dann eher. Dennoch ist mir meie Muttersprache lieber.
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Alberich schrieb:

      Überhaupt finde ich, dass in D gute Arbeit beim Synchronisieren geleistet wird,

      wurde ... ehemals
      Wenn ich die Originalsprache nicht verstehe oder den Film nur in synchronisierte Versionen bekommen kann, sehe bzw. höre ich mir eher die italienische Synchronfassung an.
      Die deutsche Synchronfassung hatte mir z.B Gottes Werk und des Teufels Beitrag verdorben. Die von Das Leben des Brian ist schier unerträglich.
      Ausnahme: Brannaghs Viel Lärm um nichts. Da wurde für die deutsche Fassung weitgehend auf die Tieck-Schlegelsche Übersetzung zurückgegriffen.Die deutsche Fassung hat einen anderen Ton als die englische, eher poetisch als frech, aber beide Fassungen sind gleich stimmig.
      Abgesehen von Synchronfassungen, wo man den Eindruck hat, entweder der Synchronsprecher wisse nicht, worum es geht, oder er müsse sich wichtig machen, indem er alles auf 200% schalte, ist für mich der größte Einwand, daß die Stimme ein wichtiger Teil der Schauspielkunst ist. Wie kann ich sagen, ich hätte einen Film mit Catherine Deneuve, Penelope Cruz oder Marcello Mastroianni erlebt, wenn ich Elke Schmidt bzw. Kate Jones oder Jean-Paul Dubois gehört habe?

      EDIT - irgendwie war der vorletzte Satz von Gremlins durcheinandergewirbelt worden.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Philbert schrieb:

      Die von Das Leben des Brian ist schier unerträglich.
      Da muss ich dir leider recht geben. Ok, natürlich haben diese Synchros, wenn man mit ihnen aufgewachsen ist, auch wieder was nostalgisches, man erinnert sich sicher gern daran - aber wenn man das Original kennt, dann ist man doch erstaunt, um wieviel lustiger das ist - es ist doch viel schöner, wenn Michael Palin sich über Eric Idles "Big Nose"-Beleidigungen aufregt, als wenn die deutsche Stimme sich über die "Rübennase" echauffiert :D

      Wesentlich schlimmer synchronisiert finde ich allerdings "Die Ritter der Kokosnuss", wo man den Figuren völlig andere, teilweise sinnbefreite Sätze in den Mund gelegt hat.

      Aus "It´s a silly place" wird plötzlich "Der Fernsehempfang ist noch zu schlecht", aus "I have no quarrel with you, good Sir knight, but I must cross this bridge" wird "Schon Schiller sagte ´Durch diese kalte Hose wird er kommen´, ich muss passieren!".


      Philbert schrieb:

      das mir die Stimme ein wichtiger Teil der Schauspielkunst ist. Wie kann ich sagen, ich hätte einen Film mit Catherine Deneuve, Penelope Cruz oder Marcello Mastroianni erlebt, wenn ich Elke Schmidt bzw. Kate Jones oder Jean-Paul Dubois gehört habe?
      Sehr gut gesagt! Man denke auch an die Schauspieler, die sich Akzente, Dialekte etc. draufschaffen.

      Auf einer Seite, wo es um Kommunikation geht, fand ich folgendes:


      In einer Studie von Mehrabian und Ferris "Inference of Attitude from Nonverbal Communication in Two Channels" konstatiert der Forscher, dass bei Präsentationen vor Gruppen 55 Prozent der Wirkung durch Ihre Körpersprache bestimmt wird, d.h. Körperhaltung, Gestik und Augenkontakt. 38 Prozent des Effekts erzielen Sie durch Ihre Stimmlage und nur 7 Prozent durch den Inhalt Ihres Vortrags.

      Aufgrund dieser enormen und von Laien häufig unterschätzten Bedeutung von Körpersprache und Stimmqualität werden Bühnendarsteller so intensiv in Stimmmodulation
      und Körpersprache trainiert. Schauspieler wirken nicht wirklich mit Worten, sondern primär durch nonverbale Elemente. So muss jeder gute Schauspieler in der Lage sein, mindestens ein Dutzend verschiedener Bedeutungsnuancen des Wortes "nein" vermitteln zu können.


      (Quelle: "http://www.soft-skills.com/sozialkompetenz/nonverbalesensibilitaet/mehrabian/55387regel.php")
    • merkatz schrieb:

      Wesentlich schlimmer synchronisiert finde ich allerdings "Die Ritter der Kokosnuss", wo man den Figuren völlig andere, teilweise sinnbefreite Sätze in den Mund gelegt hat.

      Aus "It´s a silly place" wird plötzlich "Der Fernsehempfang ist noch zu schlecht", aus "I have no quarrel with you, good Sir knight, but I must cross this bridge" wird "Schon Schiller sagte ´Durch diese kalte Hose wird er kommen´, ich muss passieren!".


      In Frankreich wurden beide Filme nur im OmU gezeigt. Für Monty Python and the Holy Grail (der französische Titel war "Sacré Graal!" - man stelle sich das deutsche Wortspiel über "Verdammter Gral" vor, wo "verdammt" im religiösen Sinne in sein Gegenteil umgewandelt wäre) gab es eine Fassung mit übersetztem Abspann und eine mit untertiteltem Abspann - und dort, wo sie anfangen, über Elche zu blödeln, kam zuerst "Visitez la Suède avec ses låcs jölis"(besucht Schweden mit seinen schönen Seen) und dann war jedes a mit nem Kreisle und jedes o durchgestrichen. Ich habe mir die Filme so oft angeschaut, daß ich die Dialoge aus dem FF kenne. Bei Ritter der Kokosnuß kann ich einfach die deutschen Dialoge innerlich abschalten und den O-Ton hören (what ist you name? what is your quest? what is the speed of a swallow?) aber bei Brian schreien sie so durchgedreht durcheinander, daß dies nicht mal geht.
      Alles, wie immer, IMHO.