Filme - Originalfassung oder deutsche Synchro?

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    • Ich schaue ja auch fast nur Original mit Untertitel, aber manchmal kommt man vor lauter Untertitel-Lesen dann fast nicht mehr dazu, zumindest ab und zu das Bild zu streifen.
      :wacko:
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    • Guten Tag.

      Ob Original oder Synchron, das entscheide ich meistens spontan. In letzter Zeit entscheide ich zunehmend zugunsten von Original, weil oft neue Synchronen so entsetzlich lieblos und unpassend gemacht sind. Bei Zeichentrickfilmen fand ich besonders schlimm. Irgendein Komiker oder Darsteller ohne Synchron-Erfahrungen wird engagiert, damit die Film-Propaganda bloß ein bekanntes Gesicht gewinnt. Das Synchron-Ergebnis ist dementsprechend einfach schrottig.

      Oder bei Synchron wieder mal Geld gespart. Ich habe vor kurzem "Only god forgives" gesehen. Da der Film bekanntlich nicht viel Dialoge enthält, dachte ich, dass Original oder Synchron keine Rolle spielt. Aber nicht mal der Gott kann dieses Synchron-Verbrechen (eher Synchron-Erbrochen) vergeben. Kristin Scott Thomas hatte so eine miese "Ich-lese-jetzt-einen-Text-durch-und-gehe-gleich-zu-Aldi-und-kaufe-eine-Flasche-Vodka-dann-trinke-alles-dann-gehe-wieder-ins-Studio-und-synchronisiere-Schneewittchen-b*mst-sieben-Zwerge" Stimme, dass ich mich so schmuddelig wie im Pornokino fühlte.

      Solange die Synchron-Qualität in der unteren Schublade unter der untersten Schublade bleibt, muss man leider Original bevorziehen. Aber das ist keine Grundsatzentscheidung. Wenn die Filme gut und liebevoll synchronisiert sind, warum sollte man sie nicht belohnen?

      Schönen Tag.
      Penthesilea
      Auch Rom wurde nicht an einem Tag niedergebrannt - Douglas Adams
    • Gern nehme ich die Synchronisation in Anspruch, die wohl im deutschsprachigen Raum schon ein anständiges Niveau erreicht hat. In anderen Gegenden gab oder gibt es ja das minimalistische Konzept, dass ein Sprecher alle Rollen wiedergibt. U.U. live im Kino, wobei man den Originalton noch leicht durchhört. :D
      Das könnte im Sinne einer Verfremdung natürlich auch wieder ein eigenes interessantes, ästhetisches Mittel sein. Aber gerade wenn ich müde und oder betrunken bin, greife ich eben gerne auf eine deutsche Synchronisation zurück, soweit vorhanden. Dann will ich mich einfach unterhalten lassen und nicht groß anstrengen.

      Wenn es ein englischsprachiger Film ist, nehme ich gern Untertitel in Anspruch. Und zwar lieber englische. Denn u.U. kenne ich die Wörter schon, würde sie aber vom Hören allein her nicht verstehen. Wenn ich ein Wort nicht kenne, sind die Chancen mit englischen Untertiteln höher, dass ich es nachgucken kann.

      Wenn ich einen Film richtig mag und häufiger angeschaut habe, gebe ich ihn mir auch gern pur im Original.

      Wobei die deutschen Synchron-Fassungen von Rosemary's Baby & Taxi Driver für mich dem Original-Ton ebenbürtig sind.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • Josquin Dufay schrieb:

      s gibt auch Verfälschungen gegenüber Originalen - das berühmteste Beispiel wäre wohl Hitchcocks Notorious (1946) zu nennen, der in seiner ersten Synchro (Weißes Gift) den originalen Uranschmuggel gegen Heroinschmuggel austauschte... :faint:


      Ja, man wollte dem deutschen Nachkriegspublikum keine Nazis zumuten und hat sie durch Drogengangster ersetzt. Wobei dieser Fall insofern interessant ist, weil die Spannung immer noch funktioniert. Egal, ob der "McGuffin" (das Ding, hinter dem alle her sind), nun Uran oder Heroin ist - es ist verdammt wichtig!
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • Tschabrendeki schrieb:

      Hallo,

      ich schaue mir Filme grundsätzlich NUR in Originalsprache mit Untertitelung an. Wenn das elitär sein soll dann bin ich eben elitär, mich stört's nicht.


      Elitär? So ein Quark, dann müsste Klassik hören auch elitär sein! :D Ich schau mir Filme auch in aller Regel in der Originalversion mit UT (bzw. in Englisch auch ohne) an.

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Penthesilea schrieb:

      Bei Zeichentrickfilmen fand ich besonders schlimm. Irgendein Komiker oder Darsteller ohne Synchron-Erfahrungen wird engagiert, damit die Film-Propaganda bloß ein bekanntes Gesicht gewinnt. Das Synchron-Ergebnis ist dementsprechend einfach schrottig.
      Absolut!

      Man sieht kein Werbeplakat eines solchen Films mehr ohne den Zusatz: "Mit den Stimmen von: Tramitz, Kalkofe, Welke, Bully Herbig, Erkan&Stefan" etc.

      Wobei ich sagen muss, dass ich mir Animationsfilme sowieso nicht ansehe, also nicht die CGI Sachen, aber auch die heutigen Disneyfilme. Es gibt aber auch mit den alten Disneyfilmen (Schneewittchen, Pinocchio etc.) Probleme mit der dt. Synchro, weil es da oft mehrere Fassungen gibt. In den 70ern hat man leider die guten alten Synchros ersetzt durch entsetzliche und lieblose neue - so sagt Pinocchio zu Gepetto nun "Vati" :stern:
      Es sind schon kleine Details, die zeigen, dass die Synchro schlecht ist. Sicher kennen viele den Song "I´ve got no strings", den Pinocchio auf der Bühne singt. Er fängt an zu singen, stolpert dann aber über die Treppe. Im Original sowie in der alten Synchro aus den 50ern hört man, dass er erschrickt über das hinfallen - in der 70er Jahre Version hört man gar nichts - mitten unterm Singen ist er plötzlich ruhig. Völlig unpassend.
    • Tyras schrieb:

      Ja, man wollte dem deutschen Nachkriegspublikum keine Nazis zumuten
      Ui, weil du das sagst, da weiß ich ein ganz schlimmes Beispiel!

      Der Disneyfilm "Bedknobs and Broomsticks", (dummer dt. Titel: "Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett") von 1971, mit Angela Lansbury, dauert im Original über 2 Stunden. In der ungekürzten Version geht es sehr viel um den Krieg, über die Bedrohung der Nazis, die nach England kommen, über Verwandte, die durch Bomben ums Leben gekommen sind etc.

      Leider hat der deutsche Verleih sich bei dem Film nur an dem Zeichentrick-Fußballspiel der Tiere orientiert, und auch damit geworben, als wäre der Zeichentrickteil das Hauptsächliche. In Wirklichkeit ist der Teil vergleichsweise kurz, und kommt auch erst nach längerer Zeit. Dafür haben sie fast alles, was mit den Nazis zu tun hat, rausgeschnitten, besonders die große Schlacht am Ende, wo die Soldaten mit MGs auf ein Heer von Geisterrittern ballern.

      Der Film ist in der originalen langen Fassung erhältlich, leider fehlt im Original aber an den entsprechenden Stellen die Tonspur, so dass die Schauspieler nachsynchronisiert werden mussten - und das ziemlich schlecht. So bleibt einem nichts übrig, als sich entweder die Langfassung anzusehen, mit teilweise völlig unpassenden neuen Stimmen, oder aber die brave deutsche Kurzfassung, die sich auf die lustigen Zeichentricktiere konzentriert.
    • merkatz schrieb:

      Der Disneyfilm "Bedknobs and Broomsticks", (dummer dt. Titel: "Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett") von 1971, mit Angela Lansbury, dauert im Original über 2 Stunden.

      Man könnte sagen, es gibt drei Fassungen:

      1. Die Premierenfassung (139 Minuten) - der Film sollte als Roadshow-Version gezeigt werden, was so jedoch nicht realisiert wurde; die 25th Anniversary Edition von 1996 rekonstruierte alle Schnitte bis auf einen, dessen Material nicht mehr aufzufinden war.

      2. Die US-Kinofassung von 1971 (117 Minuten) - das war landesweit die Version, die man im Kino sah; es fehlten drei Songs und ein großer Teil einer Tanznummer.

      3. Die deutsche Fassung von 1971 (93 Minuten) - eine gekürzte Fassung von 2.; es wurden viele Hinweise auf die Nazis entfernt sowie anderer Dialogszenen. Das ist bis heute die einzige Schnittfassung, die Disney in Deutschland veröffentlicht hat - deshalb erwähne ich sie.


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Die deutsche Fassung von 1971 (93 Minuten) - eine gekürzte Fassung von 2.; es wurden viele Hinweise auf die Nazis entfernt sowie anderer Dialogszenen. Das ist bis heute die einzige Schnittfassung, die Disney in Deutschland veröffentlicht hat
      Es ist ja nicht mal so, dass man die lange Fassung synchronisiert und dann geschnitten hätte, nein, die haben einfach geschnitten und das dann synchronisiert. Das Ende, wo Dr. Brown in den Krieg zieht, wurde ja auch vollkommen geschnitten in der deutschen Fassung, und wenn man sich Trailer ansieht, sieht man auch, dass eigentlich nur Szenen aus dem "lustigsten Fußballspiel der Welt" verwendet wurden - von Nazis, Bomben etc. keine Spur.
    • Das ist richtig: die Synchro von 3. ist nach den Schnitten gemacht worden (übliche Vorgehensweise); deshalb wird sich Disney nicht die Mühe machen, eine deutsche Veröffentlichung mit der integralen Laufzeit herauszubringen. Wäre mit der Synchro ein Flickenteppich sondergleichen.


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
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