Beethoven: Die Streichquartette - Gesamteinspielungen: Empfehlungen der Capricciosi

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    • Knulp schrieb:

      Ich meine eben nur, dass es, wenn man kein Streichquartett findet, dass die eigenen Maßstäbe erfüllt, an den Maßstäben liegen könnte und bin geneigt, zu sagen, dass Fehler Teil des normalen Musizierens sind.
      nö wieso?

      Ich fordere ja nur etwas ein was in vielen Einzelteilen schon erreicht wird.
      Wenn es von Beethovens Streichquartetten noch keine mich zufriedenstellende Gesamtaufnahme gibt, dann liegt das zum Teil auch an dem schieren Umfang der künstlerischen Aufgabe, nebst vereinzelter Gedankenlosigkeit (fehlender Finalsatz), Dreistigkeit (kopierte Wiederholungen) usw.
      Ich kann auch ohne eine "perfekte" Gesamtaufnahme leben bzw. freue mich über die nicht unberechtigte Hoffnung dass sie demnächst doch auftauchen könnte. Es wird auch dann sicherlich nicht die einzige bleiben, die ich mir noch anhören werde, aber ich werde sie mit besonderem Genuss hören.

      Anders herum: sich mit dem zufrieden geben was einem von der Industrie vorgesetzt wird, das ist nicht mein Ding. Vor allem dann nicht wenn es einigermaßen objektiv benennbare "Fehler" gibt.

      Hier klar zu benennen, welche Aufnahmen herausragend gut und welche fehlerhaft sind, in Zweifelsfällen unter Benennung der Kriterien deutlich Stellung zu beziehen, das ist für mich ein ganz wesentlichen Anreiz, mich an einem Forum wie diesem zu beteiligen. Auch wenn der meinungsbildende Einfluss eines Einzelnen gering sein mag ... wobei immerhin schon mal auf meinen Druck hin eine Aufnahme vom Markt genommen wurde (o.k. da musste ich noch ein paar mehr Register ziehen als nur bei Capriccio zu schreiben. Aber geht doch).

      Übrigens, für meine Ohren kann ich nichts. Da ist auch nicht mein Studium schuld, wo ich den Gehörbildungsunterricht meistens geschwänzt habe. Meine Tochter ist z.B. was Intonation anbelangt noch kritischer als ich. Sowas gibt's halt.
      [sorry, falscher Thread]

      Zurück zum Thema:

      Gurnemanz schrieb:

      À propos Wiederholungen: Ist jemand in der Lage, Gesamteinspielungen zu nennen, in denen alle vorgezeichneten Wiederholungen auch wirklich ausgeführt werden? Ob als Kopie oder "in echt"?
      Ja, das Endellion Quartett wirbt damit dass nicht nur alle Wiederholungen (auch die ad-libitum-Wiederholung in op 135) gespielt werden, sondern überhaupt alles was Beethoven für Streichquartett geschrieben oder bearbeitet hat. Ein US-Leserrezensent meint zwar, etwas wichtiges würde noch fehlen, das wäre mir aber egal.
      Schaun wir mal ob sich noch andere trauen.

      Gruß,
      Khampan
    • Khampan schrieb:

      Ja, das Endellion Quartett wirbt damit dass nicht nur alle Wiederholungen (auch die ad-libitum-Wiederholung in op 135) gespielt werden, sondern überhaupt alles was Beethoven für Streichquartett geschrieben oder bearbeitet hat.
      Dank Dir und dem Kater für den Hinweis! Habe mal kurz recherchiert; das scheint ja dann auch sonst eine gute Einspielung zu sein... Hm.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • Ich habe die erste Folge mit dem Cuarteto Casals nun auch erhalten und einmal durchgehört. Will noch keine entgültigen Urteile abgeben. Am Klang habe ich nichts auszusetzen, aber ich höre auch über Anlagen, die die meisten hier vermutlich als mid-fi sehen würden... Die Interpretationen gefallen mir größtenteils auch sehr gut, op.18,3+4 gehörten sicher zu den besten, die ich gehört habe (wobei ich persönlich einen etwas entspannteren Kopfsatz von #3 vorziehe, da ich den Beginn als vage Reminiszenz an eins der "preussischen Quartette" Mozarts sehe und das wird immer wesentlich entspannter gespielt, selbst wenn anhand MM usw. Casals sicher korrekt sind). Da das für mich zwei eher schwierige, mitunter beinahe "stiefmütterlich" behandelte Stücke sind, lohnt sich die Anschaffung schon beinahe allein dafür.
      op.18/1 ist ebenfalls sehr spannungsgeladen musiziert, mir allerdings im 2. Satz fast zu übertrieben hysterisch. Und das Scherzo ist zu schnell, das gefällt mir etwas "wuchtiger" besser. Noch mehr ist mir op.14/1 zu stark elektrifiziert. Da habe ich mitunter den Eindruck, dass man durch Tempo und extreme Dynamikkontraste auf jeden Fall vermeiden wollte, das Stück "zu leicht" erscheinen zu lassen.
      Die drei gewichtigsten Stücke (59/1, 127, 135) vertragen diesen Zugang weit besser; wie gesagt, muss ich da nochmal besser konzentriert zuhören, aber das hat mir erstmal sehr gut gefallen. Insgesamt jedenfalls weit weniger einseitig als ich ihr Haydn op.33 in Erinnerung habe.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Die folgenden Beiträge wurden auf Anregung von Gurnemanz von "Eben gerade billig" in diesen Thread kopiert. Braccio für die Moderation

      Aktuell für schlanke 30 EUR:



      Ich hadere noch. Die Besprechungen waren sehr gut - aber andererseits habe ich bereits so viele GA... ?( :whistling:

      Viele Grüße
      Frank
      :cincinbier:
      "it's hard to find your way through the darkness / and it's hard to know what to believe
      but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
      - H. W. M.
    • Hueb' schrieb:

      Die Besprechungen waren sehr gut - aber andererseits habe ich bereits so viele GA...
      Ebent. Ich war nicht ganz so begeistert - tolle GA, keine Frage, aber bestimmt nicht die völlig neue Einsicht zu diesen Werken.

      Ich fand die Aufnahmen des Cuatuor Casals ansprechender, habe die aber noch nicht ganz gehört. (Ich glaube, die sind auch noch unterwegs mit ihrer GA.)

      Meine derzeitigen Favoriten? Takacs und Belcea, unter den "unvollständigen" Busch und Hagen.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Hallo Frank!

      Ich habe die erste Folge der Beethoven SQ mit dem Quartetto di Cremona und in die anderen Folgeausgaben in die Hörschnipsel hineingehört. Mir ist das zu nervös schon zu lebendig /aufgedreht gespielt und ich empfinde den Klang etwas zu fett.

      Meine Begeisterung für diese Aufnahmen hält sich in Grenzen.

      Ich habe vor einiger Zeit meine CD Sammlung massiv aussortiert und die aussortierten CDs in einem Kellerraum gesammelt zwecks Beobachtung und nach einer Nachdenkphase abzugeben, unter anderem auch einige Beethoven SQ Gesamtaufnahmen: Ich für mich musste feststellen: Es sammelt sich über die Zeit wirklich viel, zu viel an. Weniger ist wirklich bedeutend mehr und Aufnahmen von denen man nicht überzeugt ist, verstellen die Sicht und die Konzentration auf die Aufnahmen, die mir wirkich wichtig sind. Seit dem in meinem Hörzimmer deutlich weniger CDs stehen habe, fühle ich mich nicht nur wohler sondern höre ich wieder mehr der wirklich guten Aufnahmen. Nach dieser Aussortieraktionen hat sich mein Kaufverhalten stark geändert.

      Meine Lieblingsaufnahmen bei den Beethoven SQ sind übrigens: Takacs, Auryn, Leipziger Streichqaurtett und von den älteren Aufnahmen: Talich Quartet (Calliope/La Dolce Volta), Smetana (Denon Gesamtzyklus und Supraphon die späten).


      Herzliche Grüße

      Gerhard
    • Bin neugierig, da ich deren Beethoven-Aufnahmen noch nicht kenne: Was findet Ihr so besonders an dieser Einspielung? Auch: Wie sieht's da mit den Wiederholungen aus?

      Die letzten Beiträge passen vermutlich besser dort: Beethoven: Die Streichquartette - Gesamteinspielungen: Empfehlungen der Capricciosi ? Liebe Mods, könnt Ihr Euch eine Verschiebung, evt. als Kopie, der letzten Beiträge (ab # 1703) vorstellen? :)

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Max Reger
    • Gurnemanz schrieb:

      Wie sieht's da mit den Wiederholungen aus?
      Hinsichtlich der Wiederholungen (ich glaube, in der Takács-Aufnahme sind alle drin) gab es seitens Khampan ja immer wieder die Meldung, das Takács-Quartett habe bei Decca meist die Wiederholungen kopieren lassen. Das schreckt so manchen sicher ab.

      Ich persönlich finde die Aufnahmen ansonsten gelungen. Dynamisch, energetisch, ohne überzogen zu wirken, in der Gestaltung nicht so artifiziell wie manches bei Belcea oder auch Hagen.
    • Braccio schrieb:

      Hinsichtlich der Wiederholungen (ich glaube, in der Takács-Aufnahme sind alle drin) gab es seitens Khampan ja immer wieder die Meldung, das Takács-Quartett habe bei Decca meist die Wiederholungen kopieren lassen. Das schreckt so manchen sicher ab.

      Ich persönlich finde die Aufnahmen ansonsten gelungen. Dynamisch, energetisch, ohne überzogen zu wirken, in der Gestaltung nicht so artifiziell wie manches bei Belcea oder auch Hagen.
      kurze Präzisierung:
      Bei Takács sind die Wiederholungen mindestens ab op 59 alle drin, auch die seltener gespielte zweite Whg. in op 59/2.
      Stichprobenartig untersucht, erscheinen sie jeweils zu 2/3 kopiert. Das gleiche Verhältnis fand ich beim Emerson Quartet, im Gegensatz zu diesem sind bei Takács die Kopien aber weniger großflächig und dadurch besser kaschiert.
      Abgesehen von diesem Manko wäre Takács auch meine erste Wahl gewesen (mangels besserer Alternative höre ich heimlich deren op 130 ganz gern...).

      Ob die Wiederholungskopiererei auf Veranlassung oder überhaupt mit Kenntnis der Musiker geschieht, ist für mich nach wie vor eine ungelöste Frage. Ich vermute eher, dass in vielen Fällen die Musiker hintergangen wurden.
      Das Gewandhaus-Quartett (teilweise kriminell exzessiv kopiert) habe ich diesbezüglich angeschrieben, aber keine Antwort erhalten. Meine nächste Anfrage plane ich tatsächlich ans Takács Quartet zu richten.
      Bei Emerson ist der Fall wieder klar: über alle Jahrzehnte und Aufnahmeteams hinweg gleiche Kopierrate, meist bis unmittelbar zum Ende der Exposition kopiert (als wäre es egal, wie es im nächsten Takt weitergeht), das haben die Musiker zu verantworten.
      Der Verlust, wenn man auf diese Aufnahmen verzichtet, hält sich ohnehin in Grenzen...

      Gruß,
      Khampan
    • Khampan schrieb:

      Meine nächste Anfrage plane ich tatsächlich ans Takács Quartet zu richten.
      Da würde mich die Antwort (wenn eine kommt) interessieren! Danke für Deine Erläuterung!

      Jedenfalls nehme ich die Takács-Leute mal auf meine Liste... Diese Box scheint ausverkauft zu sein:



      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
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      Max Reger
    • Dafür sollte mit diesen Ausgaben alles beisammen sein:



      Allerdings behauptet ein Amazon-Rezensent, daß die Box oben klanglich besser sei.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Max Reger
    • Gurnemanz schrieb:

      Allerdings behauptet ein Amazon-Rezensent, daß die Box oben klanglich besser sei.
      klanglich noch besser?
      Die CDs sind freilich auf der halligen Seite, das behagt nicht jedem und wurde auch verschiedentlich moniert. Eventuell könnte das geändert worden sein.
      Für meinen Geschmack sind die (alten) CDs schon ideal, allerdings gehöre ich auch zu den Laut-Hörern.
    • Khampan schrieb:

      klanglich noch besser?
      Tja. Vgl. amazon.de/gp/customer-reviews/…l?ie=UTF8&ASIN=B01N4MFPV0.

      Das Hallige der Takács-Leute ist mir von deren Bartók her vertraut. Da schätze ich es nicht so sehr - obwohl auch ich laut zu hören pflege...

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Max Reger
    • Lieber Gurnemanz!

      Die Bartok/Decca Aufnahme mit dem Takacs Quartett ist wirklich viel zu hallig, die ist aufnahmetechnisch misslungen, leider! Die Beethoven Aufnahme empfinde ich keinesfalls hallig, die ist hervorragend, nahezu ideal, nicht zu nahe und nicht zu weit weg. Das Aufnahmeteam bei der Beethoven Aufnahme war auch ein anderes (Andrew keener, Simon Eadon) als bei der Bartok Aufnahme. Gott sei Dank!

      Das Takacs Quartett musste ja einen Großteil der Aufnahmen durch private Förderer selber finanzieren (100.000 US Dollar), dafür konnten sie Produzenten und Toningenieur selber wählen und vor allem statt den üblichen 3 Tage für eine CD dann 5 Tage für eine CD Aufnahmezeit nehmen. Übringes Edward Dusinberre (1. Violine) beschreibt in seinem Buch die Aufnahmesitzungen einiger der Beethoven Quartette recht ausführlich.

      Anzumerken muss ich, dass ich kein Lauthörer bin und in einem raumakustisch mit Bassfallen, Absorbern, 1D und 2 D Diffusoren behandelten Raum höre.

      Beste Grüße

      Gerhard
    • Gerhard schrieb:

      Die Bartok/Decca Aufnahme mit dem Takacs Quartett ist wirklich viel zu hallig, die ist aufnahmetechnisch misslungen, leider! Die Beethoven Aufnahme empfinde ich keinesfalls hallig, die ist hervorragend, nahezu ideal, nicht zu nahe und nicht zu weit weg.
      Danke! Das ist eine wichtige Information!

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Max Reger
    • kann ich alles unterschreiben.
      Ich habe mich etwas vorsichtig ausgedrückt, weil ich weiß dass manchen schon der Hallanteil der Beethoven-Aufnahmen zu viel ist, ich dagegen selbst mit der Bartok-Aufnahme ganz glücklich bin. Ist halt eher eine Konzertsaalatmosphäre, die mit passender Lautstärke gehört werden will und dann funktioniert. Auch wenn das zugegebenermaßen gerade bei Bartok nicht die Ideallösung ist.

      Im Übrigen sind diese Anmerkungen

      Gerhard schrieb:

      Die Bartok/Decca Aufnahme mit dem Takacs Quartett ist wirklich viel zu hallig, die ist aufnahmetechnisch misslungen, leider!

      Gerhard schrieb:

      Anzumerken muss ich, dass ich kein Lauthörer bin
      ein Beispiel dafür, worüber wir im Thread Direktschall/Nachhall diskutiert haben. Soll um Himmels willen keine Kritik sein.
      Gruß,
      Khampan