Beethoven: Die Streichquartette - Gesamteinspielungen: Empfehlungen der Capricciosi

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Parallel zu der Aufnahme des Quartetto di Cremona ist in den letzten Jahren in England eine weitere GA der Streichquartette von Beethoven entstanden, die aufgrund gewisser Charakteristika interessant sein könnte.

      Die Aufnahmen stammen vom aufstrebenden Elias String Quartet, das waren zu der Zeit als die Aufnahmen entstanden (es hat an der Bratsche inzwischen einen Wechsel gegeben):

      Sara Bitlloch 1. Violine
      Donald Grant 2. Violine
      Martin Saving Viola
      Marie Bitlloch Cello



      Diese GA ist derzeit auf 6 Doppel-CD zum Preis von je € 19,99 erhältlich, was natürlich vergleichsweise ziemlich kostspielig ist. Ob mit einer baldigen preisgünstigen "Verboxung" zu rechnen ist, bezweifele ich, da die Aufnahmen beim Wigmore Hall Live Label erschienen sind.

      Das weist auch schon auf ein Charakteristika der Aufnahmen hin, sie sind alle live im Konzert entstanden. Bei den Aufnahmen, die ich bisher gehört habe (18.1, 18.2 und 74) hat man das nur am Applaus am Ende gehört (den man wenn's nach mir ginge hätte auch weglassen können. Soweit ich überblicke, werden Wiederholungen weitgehend gespielt und naturgemäß nicht im Studio einfach dupliziert. Ein weiteres interessantes Merkmal ist, dass die Tempi eher wieder auf der nicht-hastigen Seite sind und bei den Adagio Sätzen sogar eher auf der langsamen. So dauert der Heilige Dankgesang über 20 min wie seinerzeit beim legendären Busch Quartett.
      Auch wird es einigen wohl gefallen, dass es zwei unterschiedliche Aufnahmen von op. 130 gibt, eine mit der Fuge am Ende und eine mit dem nachkomponierten Final-Satz. Die Zeitangaben der anderen Sätze belegen klar, dass hier das Werk wirklich zweimal aufgeführt/eingespielt wurde. Ob sich die Darbietungen der ersten Sätze deutlich unterscheiden, muss ich noch nachhören. Leider scheint diese Nuance bei idagio aber untern Tisch gefallen zu sein.

      Das was ich bisher gehört habe, hat mir ziemlich gut gefallen (vor allem op 74) und ich bin gespannt, ob sie das Niveau über den ganzen Zyklus halten können.
    • Hallo Wieland,
      interessanter Hinweis. Allerdings:

      Wieland schrieb:

      Diese GA ist derzeit auf 6 Doppel-CD zum Preis von je € 19,99 erhältlich, was natürlich vergleichsweise ziemlich kostspielig ist.
      Das ist nicht nur extrem teuer, sondern nimmt vermutlich auch sehr viel Platz im Regal weg. 12 CDs statt wie sonst üblich 8, hmm.
      Auch wenn man berücksichtigt, dass op 130 doppelt drin ist - was in der Tat äußerst bemerkenswert ist und in unserem op-130-Thread mal angedacht wurde. Aber op 130 (mit nachkomponiertem Finale) auf einer CD mit 46 Minuten Spielzeit...?
      Ich denke da kommt ganz sicher eine günstigere Box, ganz einfach weil diese 12 CDs nicht marktfähig sind.

      Wieland schrieb:

      Auch wird es einigen wohl gefallen, dass es zwei unterschiedliche Aufnahmen von op. 130 gibt, eine mit der Fuge am Ende und eine mit dem nachkomponierten Final-Satz. Die Zeitangaben der anderen Sätze belegen klar, dass hier das Werk wirklich zweimal aufgeführt/eingespielt wurde.
      Wegen Live-Aufnahme ohnehin naheliegend.

      Eine Frage zur Spielzeit der Finalsätze hätte ich: ist bei den Angaben der Applaus mitgerechnet? Wenn ja, wievie Sekunden Applaus sind es typischerweise?

      Vielen Dank,
      Khampan
    • Auch von mir Dank für den Hinweis auf diese Neueinspielung! Op. 130 doppelt finde auch ich bemerkenswert. Was mich skeptisch stimmt, ist dies:

      Wieland schrieb:

      Ein weiteres interessantes Merkmal ist, dass die Tempi eher wieder auf der nicht-hastigen Seite sind und bei den Adagio Sätzen sogar eher auf der langsamen.
      Mir ist sogar das Takács Quartet manchmal ein bißchen zu langsam, obwohl die insgesamt durchaus flott unterwegs sind und keineswegs zum Verschleppen neigen (was ich "tödlich" fände ;) ). Deren Gesamteinspielung insgesamt finde ich allerdings ganz vorzüglich! Habe die Beethoven-Quartette inzwischen komplett und bin sehr angetan von der klaren, differenzierten, feinen und kontrastreichen Spielweise, bei bester Aufnahmequalität, ganz plastisch, natürlich-räumlich! Die teilweise kopierten Wiederholungen erkenne ich nicht als solche (da glaube ich Khampan einfach mal ) ; in op. 59/2-I (Exp. sowieso, aber auch Durchf./Repr.) wird wiederholt, ebenso in op. 130-I, nicht aber in op. 18/5-I und op. 18/6-I (Exp. ja, Durchf./Repr. nein).

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Khampan schrieb:

      Ich denke da kommt ganz sicher eine günstigere Box, ganz einfach weil diese 12 CDs nicht marktfähig sind.
      Ich weiß nicht, die Auryn Haydn Totale kostet auch immer noch über € 200. Aber da man die Aufnahmen des Elias SQ übers streaming Dienste hören kann, ist es ja auch gar nicht nötig, sie zu kaufen. Zumal ja noch weiter2 Aufnahmen anstehen: Folge 2 und 3 vom Cuarteto Casals (nicht mein Ding), GA mit Quatuor Ebene. Und Pacifica und Pavel Haas spielen m.W. derzeit auch gerne den ganzen Zyklus, da wird es vermutlich auch noch Einspielungen geben. Wer soll das alles kaufen.
    • Aber 12 CDs sind auch mit 2x op.130 noch zwei bis drei mehr Scheiben als nötig... Bei Zyklen auf sieben bis acht CDs für 20-40 EUR müsste das Elias Q schon was sehr besonderes bieten.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • unbemerkt von der Forumsöffentlichkeit ist vor einer Woche Vol. II des Cuarteto Casals erschienen:



      Inhalt: Nr. 2 G-Dur op. 18 Nr. 2; Nr. 8 e-moll op. 59 Nr. 2; Nr. 9 C-Dur op. 59 Nr. 3; Nr. 10 Es-Dur op. 74; Nr. 15 a-moll op. 132

      Für Vol. III, das laut Ankündigung im Beethovenjahr 2020 erscheinen soll, bleiben demnach übrig:
      Nr. 5 a-Dur op. 18 Nr. 5; Nr. 6 B-Dur op. 18 Nr. 6; Nr. 11 f-Moll op. 95; Nr. 13 B-Dur op. 130 + Große Fuge op. 133; Nr. 14 cis-Moll op. 131

      Demnach bleibt es bei den 3CD-Sets, obwohl ingesamt 8 CDs ausgereicht hätten. Was ich aber o.k. finde, solange op. 130 und 133 ungekürzt auf einer CD escheint. Immerhin deutet alles darauf hin, dass auch op. 18/5+6 im ersten Satz beide Wiederholungen bekommen wird. Nicht bloß damit die CD voller wird. An Spielfreude mangelt es den vieren nämlich nicht.

      Weil mir das Programm von Vol. III entschieden wichtiger ist, warte ich erst mal ab und hoffe herauszufinden, ob die Teldex-Leute den schaurigen Cello-Klang, den wir von Vol. I kennen, irgendwie in den Griff bekommen haben. Gerade mit meinen neuen Lautsprechern (KS Digital) überprüft, hat sich leider mein Urteil gefestigt: dem Cello fehlt in tiefen Lagen die Sonorität, in der Mittellage sägt oder näselt es, je nach Lautsprecher, in jedem Fall scheint es aus einem anderen Raum zu klingen als die drei anderen Instrumente.
      Schwer zu ertragen, wenn man an den Klang höhere Ansprüche stellt. Dann doch lieber das Takács Quartet mit all seinen kopierten Wiederholungen :/

      Gruß,
      Khampan
    • Miró Quartet

      Frisch erschienene Gesamtausgabe des amerikanischen Miró Quartet:


      Ich höre gerade probeweise den alternativen Finalsatz von op 130, der mich ja bisher in keiner einzigen Aufnahme überzeugt hat. Und staune -
      das verdient schon mal einen Spitzenplatz. Kurz in andere Stücke reingehört, bemerke ich kleine intonatorische Schwächen, aber das dürfte die wenigsten von euch stören.
      Die Aufnahme ist bei Spotify verfügbar, daher herzliche Einladung an alle Interessenten (selber habe ich nächstens kaum Zeit).
    • Danke für den Hinweis! Wie halten es die Miró-Leute denn mit Wiederholungen und mit den Tempi?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Khampan schrieb:

      unbemerkt von der Forumsöffentlichkeit ist vor einer Woche Vol. II des Cuarteto Casals erschienen:


      Die habe ich übrigens in der Stadtbibliothek Heidelberg entdeckt. Vielleicht leihe ich mir die Box mal aus und höre selbst...

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Danke für den Hinweis! Wie halten es die Miró-Leute denn mit Wiederholungen und mit den Tempi?
      dürfte dir gefallen:
      Tempi ganz überwiegend zügig bis sehr zügig. Die Spielzeiten sind recht ähnlich dem Belcea Quartet.
      Wiederholungen fast komplett, nur die zweite Wiederholung in den Kopfsätzen von op 18/5+6 fehlt.
      Erfreulicherweise spielen sie die zweite Wiederholung in op 59/2, die ja wesentlich stärker in die Satzdramaturgie eingebaut ist als im Fall von op. 18 (Spielzeit fast identisch wie Artemis Quartett).

      Zu Cuarteto Casals: Bei den Werken in Vol 2 besteht bei mir nicht so dringender Bedarf, so dass ich erst mal Vol 3 abwarten kann. Wenn sich bis dahin am Celloklang nichts ändert, verzichte ich ganz.
    • Khampan schrieb:

      Frisch erschienene Gesamtausgabe des amerikanischen Miró Quartet:

      [...]

      Die Aufnahme ist bei Spotify verfügbar, daher herzliche Einladung an alle Interessenten
      Hab mal ein paar Sätze ganz (op.18/1,II; 59/2,I+II; 95,IV; 132,III) gehört und andere angespielt. Auf diesen wenigen Eindrücken beruhend: das erscheint mir alles gut gespielt, in einem überwiegend sachlichen bis energischen Tonfall (59/2,I fast etwas ruppig). Ab und zu recht breiter Strich, auch werden für mich untere Grade von Dynamik und Vibrato zu wenig ausgereizt. Irgendwie fehlt mir "Aura": das Molto adagio aus 59/2 beginnt in recht gesundem Piano und läuft dann schön gespielt ab - con molto sentimento ist was anderes, z.B. die Belcea-Aufnahme. Grosso modo das gleiche beim Dankgesang aus op. 132.

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Dank Euch beiden!

      Fazit für mich: Auch wenn da einiges Schönes zu finden sein dürfte: Es scheint, daß ich mich nicht gezwungen fühlen muß, unmittelbar Bestellknöpfe zu drücken. ;)

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Danke, Zwielicht, für deine Anmerkungen, mit denen du sicherlich nicht falsch liegst.
      Wenngleich man einwenden könnte, dass im 2. Satz von 59/2 tatsächlich nur piano angegeben ist, das sich bereits bis Takt 7 zum forte entwickelt - oder anders herum, die Suche nach immer neueren dynamischen Kontrasten sich bisweilen zum Selbstzweck zu entwickeln droht...
      Tatsächlich fehlt auch mir eine hörbare Auseinandersetzung mit HIP-Praxis, die zumindest in der europäischen Streichquartettszene dazu geführt hat, dass neben einem differenzierteren Vibrato-Einsatz auch die Intonation erheblich besser geworden ist. So seit 30 Jahren, auch und gerade bei allen (!) jungen Ensembles festzustellen. In Amerika scheint da noch Nachholbedarf zu bestehen.
      Oder anders ausgedrückt: erst mal sich mit Haydn beschäftigen, bevor man das große Beethoven-Projekt stemmt, hätte dem Ensemble vermutlich gut getan.

      Nichtsdestotrotz: op 130 scheint mir ausnehmend gut gelungen, auch die Cavatina hat Aura. Vielleicht werde ich mich damit begnügen.
      Nach einem groben Durchhören würde ich die Miró-Gesamtaufnahme beispielsweise dem Quartetto di Cremona in jeder Hinsicht vorziehen.