Antonín Dvořák: Symphonie Nr. 8 G-Dur op. 88

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    • Antonín Dvořák: Symphonie Nr. 8 G-Dur op. 88

      Antonín Dvořáks (1841-1904) Symphonie Nr. 8 G-Dur op. 88 entstand 1889 und wurde am 2.2.1890 in Prag uraufgeführt. Sie gilt neben der 9. Symphonie („Aus der neuen Welt“) als die populärste des Komponisten. Und sie ist auf jeden Fall ein ideales Werk, um ein Orchester griffig in Szene setzen zu können – so wie ich es höre durchaus plakativer, unmittelbarer als die vorangegangenen Symphonien komponiert, mit den gewohnten Formmodellen der vier Sätze vielfach gekonnt rhapsodisch spielend (erster und zweiter Satz!), einmal mehr die ganze orchestrale Farbpalette einfallsreich auskostend. Weil das Werk bald in England sehr erfolgreich aufgeführt wurde, erhielt es den Beinamen „Englische“. Spieldauer meist ca. 37 Minuten.

      Trotz des markanten elegischen g-Moll Themas, das Exposition, Durchführung und Reprise einleitet, bringt der erste Satz, ein Allegro con brio, positive, lebens- und farbenfrohe Musik, teilweise nahezu überschäumend. Das eigentliche lyrisch-pastorale Hauptthema beginnt auch markant, mit einem Dreiklangsaufstieg der Flöte.

      Der zweite Satz, ein Adagio, beginnt mit einer aufsteigenden „melancholischen“ Triolenfigur. Dieses Motiv lässt sich in der Folge heiter, aber auch schicksalsschwer auskosten. Die instrumentatorisch fein schattierte Musik wirkt auf mich vielfach sehr böhmisch, kammermusikalische Elemente stehen neben großen Gebärden wie bei Tschaikowsky.

      Die wehmütig-beschwingte Walzerweise des Allegretto grazioso Scherzos ist doch sicher ein Jahrhunderteinfall sondergleichen, oder? Bei dem reizvoll punktierten Trio habe ich die seltsame Klischee-Assoziation zu Western-Musik. Nachdem das Scherzo wiederholt wurde, erscheint das Trio noch einmal, aber anders als zuvor, zweckdienlich zur Stretta gewandelt.

      Interessant der Finalaufbau – ein Allegretto man non troppo, in dem Exposition und Reprise als unterschiedliche Variationsabschnitte erscheinen. Sie werden jeweils mit Trompetenfanfaren (zur Reprise hin am Ende einer Steigerung) angekündigt. In der Exposition landet man bei einer besonders überschäumenden Variation, die wenn man sie einmal im Ohr hat fortan immer mitgedacht wird, wenn das Thema erstmals anklingt (mir geht es zumindest so). Und das ist das Geniale bei Dvořák: Mitten in diese überschäumende Variation schachtelt er eine Art virtuoses kurzes Flötenkonzert als eigene Variation hinein, eine tolle, ganz bunte Stelle. Die Durchführung gibt sich als strammer Marsch mit markanter Motivik. Und die Variationen der Reprise werden immer wehmütiger und träumerischer, sie evozieren fast „Abschiedstränen“, um umso effektvoller Raum zu lassen für die schmissige Stretta, die natürlich total von der überschäumenden Variation von vorhin zehrt.

      Wer kurze Verlaufsanalysen bevorzugt wie sie etwa Treborian oder Ecclitico bei Capriccio anbieten, wird bei wikipedia fündig.
      "http://de.wikipedia.org/wiki/8._Sinfonie_%28Dvo%C5%99%C3%A1k%29"

      Alleine mit den Wiener Philharmonikern gibt es mindestens fünf Stereoaufnahmen dieses Werks, zwei mit Herbert von Karajan und je eine mit Lorin Maazel, Seiji Ozawa und Myung-Whun Chung. Die Berliner Philharmoniker kann man etwa auch mit Karajan (EMI), Rafael Kubelik oder Claudio Abbado mit diesem Werk hören. Bernard Haitink hat es (wie später auch Nikolaus Harnoncourt) mit dem Concertgebouw Orkest Amsterdam aufgenommen, Vaclav Neumann mit der Tschchischen Philharmonie. Für mich seltsam – Leonard Bernstein hat dieses Werk wohl nicht aufgenommen.



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      Und Mauerblümchen ist seit kurzem Top-Experte für DIESE Aufnahme:

      Herbert von Karajan hat sich gerne und vielfach auf die Wirkung des Werks verlassen, laut karajan.org hat er es neben mindestens drei Aufnahmen zwischen 1961 und 1988 insgesamt 43mal aufgeführt – am 30.9. und 1.10.1961 mit den Wiener Philharmonikern im Großen Wiener Musikvereinssaal (parallel dazu entstand im Sofiensaal die erste Aufnahme dieser Symphonie Karajans mit den Wienern für die DECCA), am 26.11.1961 ebenfalls mit den Wienern im Münchner Kongreßsaal des Deutsches Museums, am 29., 30. und 31.12.1961 in Berlin im Konzertsaal der Hochschule für Musik erstmals mit den Berliner Philharmonikern, im Jahr 1962 zweimal mit den Wienern bei Gastspielen, am 3.4.1962 im Falkoner Centret in Kopenhagen und am 11.4.1962 im Pariser Théatre des Champs-Elysées, 1963 schließlich mit den Berlinern unterwegs, am 5.3.1963 in der Stadthalle Kassel, am 8.3.1963 in Frankfurts Städtischen Bühnen, am 1.5.1963 in der Züricher Tonhalle und am 3.5.1963 in Basels Stadtcasino, am 6.9.1963 allerdings in Griechenland wieder mit den Wienern, bei einem Konzert im Odeon Herodes Atticus in Athen. Mit den Wienern und mit dieser Symphonie gastierte Karajan 1965 in der Stuttgarter Liederhalle (30.3.), in der Hamburger Musikhalle (31.3.) und in der Royal Festival Hall in London (5.4.). Eine einzige Aufführung mit einem anderen Orchester als den Wienern oder Berlinern ist genannt, sie fand am 15.8.1965 im Großen Festspielhaus in Salzburg mit der Staatskapelle Dresden statt. Danach bis Mitte 1974 durchgehend mit den Berliner Philharmonikern, vielfach auch im Fernen Osten: 17.4.1966 Japan, Sendai, 24.4.1966 Japan, Okayama, 30.5.1966 Tschechoslowakei, Prag, Smetana-Saal, 27.4.1969 Berlin Philharmonie, 1.7.1969 Holland, Rotterdam, De Doelen, 19.1.1969 wahrscheinlich Berlin Philharmonie, 17.5.1970 Japan, Tokio, Bunka Kaikan, 10.10.1971 Berlin Philharmonie, 2.11.1971 Hamburg, Musikhalle, 18.4.1972 München, Deutsches Museum, 22.4.1972 Nürnberg, Meistersingerhalle, 27.1.1973 Japan, Tokio, NHK – Hall, 4.11.1973 Japan, Osaka, und 5.5.1974 Braunschweig, Stadthalle Genau neun Jahre nach dem Konzert mit den Dresdnern führte Karajan die Symphonie mit den Wiener Philharmonikern im Großen Festspielhaus in Salzburg bei den Festspielen am 15.8.1974 wieder auf, ehe sie für die nächsten Karajan-Jahre wieder ganz den Berlinern gehören sollte: 13.10.1974 Berlin Philharmonie, 5.6.1975 Spanien, Madrid, Teatro Real, 7.6.1975 Spanien, Barcelona, Palau de la Musica Catalana, 4. und 5.1.1979 Berlin Philharmonie, 10. und 16.4.1979 Salzburg Großes Festspielhaus (bei den Osterfestspielen), 19.10.1979 Japan, Tokio, Fumon Kan Hall, 30.10.1979 Volksrepublik China, Peking, Alte Sporthalle, 24.10.1980 Mainz, Rheingoldhalle und 29.10.1980 Nürnberg, Meistersingerhalle. Am 16.8.1981 waren wieder die Wiener Philharmoniker in Salzburgs Großem Festspielhaus im Einsatz. Karajans Konflikte mit dem Berliner Orchester in den nächsten Jahren brachte ihn den Wienern näher, er dirigierte unter anderem am 12. und 13.1.1985 im Großen Musikvereinssaal in Wien ein Abo-Konzertwochenende des Orchesters mit der Symphonie, in dessen Umfeld auch die Neuaufnahme für CD und Video aufgenommen wurde. Am selben Ort mit demselben Orchester ist Karajans letzte Aufführung von Dvořáks Symphonie op. 88 genannt, mit dem 17.1.1988.

      Allerorten wird die Symphonie immer wieder aufgeführt, im Sommer 2013 erklang sie im deutschen Sprachraum mindestens dreimal.

      Am 19.7.2013 spielte sie etwa das Sinfonieorchester Con Brio unter der Leitung von Gert Feser in der Kulturhalle Grafenrheinfeld nach Mendelssohn-Bartholdys Ouvertüre „Meeresstille und glückliche Fahrt“ und Friedrich Guldas Cellokonzert (Solist Orfeo Mandozzi, Professor in Würzburg).
      "http://www.frankentipps.de/veranstaltung116382"

      Die Wiener Symphoniker spielten Dvořáks op. 88 am 5.8.2013 unter der Leitung von Sir Mark Elder im Rahmen der Bregenzer Festspiele nach Franz Schrekers Kammersymphonie für 23 Soloinstrumente und Benjamin Brittens „Our Hunting Fathers“ op. 8 (Tenor: Ailan Clayton) im Bregenzer Festspielhaus, zu hören gewesen in der Ö1 Matinee am 11.8.2013.
      "http://www.bregenzerfestspiele.com/de/kategorie/hauptmen/programm/orchesterkonzerte/wiener-symphoniker"

      Und am 10.8.2013 erklang sie in der Stadthalle Bad Hersfeld mit der Jungen Hessischen Philharmonie unter Dozentenleitung neben Mussorgskys „Die Nacht auf dem kahlen Berge“.
      "http://osthessen-news.de/n1235448/sinfoniekonzert-der-jungen-hessischen-philharmonie-am-morgigen-samstag--termine-hef.html"

      Persönliche Höreindrücke:

      Herbert von Karajans erste Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern (9 CD Box Decca 478 0155, Sofiensaal Wien 1961) wirkt auf mich brillant, und der tolle Decca Raumklang kommt auch noch dazu. Mit dieser Aufnahme das Werk kennenzulernen bzw. neu anzuspüren war für mich schon ein ganz starker Eindruck. Dass es ein Wiener Orchester ist, hört man zwischendurch schon auch durch (einige Wendungen im zweiten und dritten Satz).

      Karajans Wiener Aufnahme vom Jänner 1985 (Großer Musikvereinssaal, CD DGG 431 095-2) bringt weichere, samtene Streicher und insgesamt ein Festspiel der prachtvollen Wiener Klangkultur. Karajan kostet den Klang und all seine Schattierungen voll aus, die Brillanz erscheint nicht ganz so herausgestellt wie in der Aufnahme von 1961. (Ohne sie geht es aber natürlich nicht bei diesem Werk.)

      Lorin Maazels Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern (gehört aus der 50 CD Box Wiener Philharmoniker Symphony Edition, DGG 00289 479 0718, Großer Wiener Musikvereinssaal, März 1981) ist eine Art „Mischinterpretation“ zwischen Karajan 1961 und 1985 – herrlicher Philharmonischer Schönklang, samtene Streicher, farbige Bläser, effektvoll konzentriert, und da haut die Pauke drauf, versprochen. Der dritte Satz wirkt hier auf mich wie Ballettmusik. So ein Werk liegt Maazel hörbar.

      Nun hatte ich schon drei Aufnahmen mit den Wiener Philharmonikern gehört, ich fragte mich, was Seiji Ozawa (CD Philips 434 990-2, Liveaufnahme mit Applaus aus dem Großen Musikvereinssaal vom April 1992) Neues zu sagen hatte – und wurde wirklich positiv überrascht. Ozawa durchpulst die Partitur, das Klangbild des Orchesters gleichwohl auch voll auskostend, ungemein lebendig. Bei ihm stehen nicht Brillanz und Effekt im Vordergrund, vielmehr erzählt er eine spannende Geschichte – eine Sage, ein Abenteuer, ein Märchen, eine Fantasiegeschichte, auf jeden Fall spielt es in der blühenden Natur. Ozawa bleibt dabei ganz im Fluss, spannt die großen Bögen stringent. Gerade im Vergleich zu Maazel, dessen 3. Satz mir wie Ballettmusik erschien – hier spielt der Satz auf der Moldau oder auf der Donau. Allein wie Ozawa den Orchesterklang beim Scherzothema mischt – wenn das nicht ein Fluss ist! Hier wird auch deutlich, wie viel die Abmischung bei einer Orchesteraufnahme ausmachen kann. Für mich war diese Aufnahme eine echte Entdeckung.

      Wiener Philharmoniker, die fünfte Aufnahme, Myung-Whun Chung (CD DGG 469 046-2, Großer Wiener Musikvereinssaal April 1999) – wo setzt Chung an? Ich empfinde seine Interpretation wieder weniger „außermusikalisch“ als die Ozawas, sie ist selbstverständlich erneut klangschön und farbenprächtig, am nächsten vielleicht Karajans Aufnahme von 1985. Die Abmischung zeigt sich allerdings transparenter als dort, filigraner aufgefächert.

      Nikolaus Harnoncourts Liveaufnahme mit dem Concertgebouw Orkest (CD Warner 3984 24487-2) entstand im Het Concertgebouw in Amsterdam im Dezember 1998. Harnoncourt entwirft ähnlich Ozawa ein schicksalhaftes Drama im böhmischen Wald, noch plastischer modelliert, episodenhafter, punktueller. Der zweite Satz stellt da große Fragen, und der dritte spielt wie bei Ozawa am Fluss. Mit Harnoncourt fühle ich mich erneut total in eine böhmische Sagen- oder Märchenwelt versetzt. Die radikalen Tempowechsel sorgen dafür, dass man „gezwungen“ wird, bewusst zuzuhören. Diese Aufnahme eignet sich also weniger zum Nebenbeihören (falls dies jemand möchte). Der Amsterdamer „Holzklang“ ist ideal für die Klangsprache des Komponisten.

      Weil die Radioaufzeichnung in die Zeit der Beschäftigung mit der Symphonie fiel, habe ich mir am 11.8.2013 auch die Matinee in Ö1 angehört, mit den Wiener Symphonikern unter der Leitung von Sir Mark Elder (Bregenzer Festspiele, Festspielhaus, 5.8.2013). Das op. 88 erklang nach Franz Schrekers Kammersymphonie für 23 Soloinstrumente (ein Werk, das ganz spannend feingliedrig die schwüle Fin-de-siecle Zerbrechlichkeit atmet) und Benjamin Brittens „Our Hunting Fathers“ op. 8 (deklamatorische Gesänge, aufgewühlt bis verzweifelt, gehen sehr unter die Haut) – festspielwürdig wirkungsvoll, sehr erdig, im Klangbild nicht so spezifisch wie die Wiener Philharmoniker (ja wenn ich mich so fixiere, selber schuld!), das ist schon auch ein Spitzenorchester, mit dem sich so eine Symphonie gut mitleben lässt.

      Wer seine Lieblingsaufnahmen dieses Werks vorstellen oder anderes dazu schreiben möchte, ist hier herzlich dazu eingeladen.
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK


    • Philharmonia Orchestra, Carlo Maria Giulini

      9:43/10:21/5:59/9:37

      Giulinis Aufnahme von 1963 möchte ich mal wieder voller genugtuung empfehlen. Er kostet die Themen schwelgerisch aus und lässt im ersten Satz nichts an Dramatik fehlen. Die idyllischen Augenblicke werden genossen. Die Pauke kracht auch ordentlich. Der zweite Satz ist sehr bedächtig und heiter und mit schwelgerischer Gebärde gespielt. Die tiefen Streicher und die Pauke klingen sehr deutlich heraus. Die letzten beiden Sätze zeichnen durch Musizierfreude aus. Der Klang ist gut, als Live Aufnahme. Insgesamt eine feine Aufnahme.

      :wink:
    • Ich möchte sehr gerne die Aufnahme von Vaclav Neumann mit der Tschechischen Philharmonie Prag noch einmal einwähnen. Sie wirkt kraftvoller als bei Pesek. Wobei ich sagen muss, dass sowohl Pesek als auch Neumann im vierten Satz die Hörner wunderbar schmettern ließen.

      Hier meine beiden Einspielungen dieses wunderbaren Werkes, dass tief in der Tradition seiner Heimat verbunden ist:




      Hier die GE der Sinfonien, oder auch als Doppel-CD :




      Sollte jemand zufällig DIESE Einspielungen von Neumann kennen, würde mich interssieren, ob es sich hier um frühere Einspielungen handelt (was ich vermute) . Wenn ja, wie sind sie ausgefallen?




      VG,Maurice
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Kaum zu glauben, aber ich habe diese herrliche Sinfonie kürzlich das erste Mal gehört, obwohl ich auf Platte sämtliche Sinfonien mit Václav Neumann seit Ewigkeiten besitze!
      Liebe Grüße

      Yorick


      Hoffnung ist etwas für Leute, die unzureichend informiert sind. (Heiner Müller)
    • Kaum zu glauben, aber ich habe diese herrliche Sinfonie kürzlich das erste Mal gehört, obwohl ich auf Platte sämtliche Sinfonien mit Václav Neumann seit Ewigkeiten besitze!
      Das kommt vom zu vielen Wagner hören.... :D

      VG,Maurice
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Kaum zu glauben, aber ich habe diese herrliche Sinfonie kürzlich das erste Mal gehört, obwohl ich auf Platte sämtliche Sinfonien mit Václav Neumann seit Ewigkeiten besitze!
      Das kommt vom zu vielen Wagner hören.... :D

      VG,Maurice

      8+)

      Ne, ne - ich höre Wagner nicht mehr als andere Komponisten! Nur dieses Jahr ist es schlimm wegen des Jubiläums. Aber ich denke, Dvorak hat wohl auch viel Wagner gehört, auch bei dieser Achten ...
      Liebe Grüße

      Yorick


      Hoffnung ist etwas für Leute, die unzureichend informiert sind. (Heiner Müller)
    • AlexanderK schrieb:

      Für mich seltsam – Leonard Bernstein hat dieses Werk wohl nicht aufgenommen.
      Das ist auch mein Kenntnisstand. Offenbar hatte er von den Dvorák-Sinfonien nur die Nr. 7 und 9 im Repertoire. Einen Bernstein-Mitschnitt der übrigen Sinfonien gibt es jedenfalls laut "http://www.leonardbernstein.com/disc_other.php" nicht.

      Der Dirigent schlechthin bei dieser Sinfonie ist für mich George Szell. Ich habe zwar eine ganze Reihe von Aufnahmen des Werks in meiner Sammlung (Abbado, Kubelik, Neumann und Tennstedt fallen mir jetzt als erstes ein), aber die beiden Szell-Einspielungen mit dem Cleveland Orchestra von Oktober und November 1958 (übrigens eine Stereoaufnahme) und vom 28./29. April 1970 sind einfach - aus meiner eingeschränkten Sicht, denn ich kenne natürlich nicht alle Aufnahmen der Sinfonie, z.B. auch nicht díe sehr gelobte Decca-Aufnahme mit Dohnányi und eben diesem Orchester - für mich unerreicht. Wobei die 1970er Aufnahme noch weitaus besser ist als die 1958er. Als ich sie erstmals auf LP (gepaart mit 2 Slawischen Tänzen)
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      hörte, konnte ich gar nicht glauben, was da an messerscharfer Werkdurchdringung, herrlichstem Orchesterklang und drive abgeht. Die 1970er Einspielung ist bei EMI erschienen und aktuell offenbar nur als SACD im Japan-Importwege erhältlich

      während man die 1958er Einspielung problemlos bei Sony Classical beziehen kann, z.B. in diesem Set


      Der Vollständigkeit halber sei noch die früheste Szell-Aufnahme des Werks erwähnt, nämlich mit dem Concertgebouworkest Amsterdam vom 4. September 1951, die bei Decca erschienen ist:
      [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51RDneb4RhL._AA160_.jpg]
      Aktuell erhältlich sind also drei Szell-Aufnahmen.

      Für den 30. August 2013 hat audite allerdings eine Neuerscheinung angekündigt, nämlich eine weitere Szell-Aufnahme der Sinfonie Nr. 8, diesmal mit der Tschechischen Philharmonie live aus Luzern vom 30. August 1969:

      Man darf gespannt sein, wie Szell seine Dvorák-Auffassung mit einem tschechischen Orchester umsetzte. Bei jpc ist zu dieser Veröffentlichung folgende Produktinformation zu lesen:
      Die vorliegenden Konzertmitschnitte, beides Erstveröffentlichungen, präsentieren zwei Glanzstücke seines Repertoires (...) Szells vitale Deutung der achten Sinfonie von Dvorák begeisterte Publikum und Kritik: „Szells Kunst der ausdrucksvollen Tempomodifikationen, der Vorbereitung, Steigerung und Auflösung von formalen und dynamischen Spannungen bewies sich in solchem Maß, dass die ganze Sinfonie auf ein höheres Niveau gehoben schien“, urteilte die NZZ. Beide Aufnahmen zeugen von Risikofreude und Emotionalität. So bilden sie einen Gegenpol zu den austarierten Studioaufnahmen Szells.
      Er tut so gut.
      (Swjatoslaw Richter über Joseph Haydn)


    • Royal Philharmonic Orchestra, Sir Yehudi Menuhin

      9:43/11:38/6:00/8:35

      Ja, Menuhin hat auch mal dirigiert, sogar Dvorák. :D Und das durchaus gekonnt. Menuhin legt hier eine stimmungsvolle Aufnahme vor. Ein lebhafter, schillernder erster Satz, ein idyllischer zweiter, mit düsteren Abschnitten gepaart. Etwas schleppend der Satz. Ein gefühlvolles Scherzo und brillierendes Finale runden diese Aufnahme ab. Transparent und mit gutem Sound. Kräftige Pauken sind auch hier zu hören, sowie strahlende Trompeten und Hörner im Finale.

      :wink:
    • Zu guter letzt, wieder diese Box:



      Staatskapelle Berlin, Otmar Suitner

      9:23/10:01/6:39/10:13

      Diese Aufnahme hat einen klasse Sound und einen sehr transparenten Klang. Die Instrumente sind alle gut zu vernehmen, helle Bleche, knallende Pauken. Sehr vital und spannend ist der erste Satz. Das Adagio wird friedlich und melancholisch, aber voranschreitend gespielt. Das Allegretto ist sehr graziös und mit tiefböhmischen Klang gehalten, eher gemütlich, fast schon geheimnisvoll. Zum Ende an Fahrt aufnehmend geht es ins jubelnde Finale, in dem Suitner nach dem Fanfarenbeginn, die Ruhemomente auskostend, aufdreht, aber nicht so sehr wie bei Giulini oder Menuhin. Das ist das einzige, was ich bekriteln möchte an dieser Aufnahme die sonst so strahlt.

      :wink:
    • Sinfonie Nr.8 mit Dohnanyi

      AlexanderK schrieb:

      Herbert von Karajan hat sich gerne und vielfach auf die Wirkung des Werks verlassen, laut Karajan.org hat er es neben mindestens drei Aufnahmen zwischen 1961 und 1988 insgesamt 43mal aufgeführt

      Obwohl ich ansonsten bei diesem Repertoire für Karajan nie abgeneigt bin ist er bei Dvorak bei mir irgendwie vorbei gegangen. :prost: Das liegt eindeutig an einer Hammeraufnahme, die mich dann nie wieder an andere Aufnahmen denken lies --- music lover erwähnt sie:

      music lover schrieb:

      Der Dirigent schlechthin bei dieser Sinfonie ist für mich George Szell. Ich habe zwar eine ganze Reihe von Aufnahmen des Werks in meiner Sammlung (Abbado, Kubelik, Neumann und Tennstedt fallen mir jetzt als erstes ein), aber die beiden Szell-Einspielungen mit dem Cleveland Orchestra von Oktober und November 1958 (übrigens eine Stereoaufnahme) und vom 28./29. April 1970 sind einfach - aus meiner eingeschränkten Sicht, denn ich kenne natürlich nicht alle Aufnahmen der Sinfonie, z.B. auch nicht díe sehr gelobte Decca-Aufnahme mit Dohnányi und eben diesem Orchester - für mich unerreicht.

      Leider hatte ich den Fehler gemacht und mir nicht die von Dir gezeigte CBS-Doppel-CD mit den Sinfonien 7-9 gekauft, sondern "nur" die Einzel-Hammer-CD mit der Sinfonie Nr.9 unter Szell/Cleveland Orchestra. Von daher steht eine Szell-Aufnahme der Sinfonie Nr.8 ( ;+) ab 1958) auch auf meiner Wunschliste.
      Aber meine Hammeraufnahme hast Du genannt:
      Mehr Spielefreude und Temprament kann ich mir da kaum noch vorstellen. Und absoluter Hörspass ist zudem durch die glänzende Decca-Klangtechnik garantiert =
      Dohnanyi / Cleveland Orchestra

      ... Ich besitze die Decca-Einzelausgaben.
      Decca, 1986, DDD

      Nun bin ich der Meinung das sich gerade von den Sinfonien Nr.7-9 mehrere Aufnahmen lohnen und möchte eine kleine Story erzählen,
      wie ich zu meiner ultimativen Aufnahme der Sinfonie Nr.8 gekommen bin:

      Im Büro hörte ich um 1990 mal WDR3 und es lief auf einmal Dvoraks 8te ! Was hörte ich da für eine feurige Musik, aus den winzigen Lautsprechern meines kleinen Büroradios, mit Pauken, die unüberhörbar waren und mit einem Brio, wie ich es nie gehört hatte. Ja, ich unterbrach meine Arbeit und hörte die Sinfonie zu Ende um ja nicht die Ansage zu verpassen - was ist das für ein Dirigent ?
      Es war die DECCA - Aufnahme mit Dohnanyi / Cleveland Orchestra, die ich mir dann umgehend zugelegt habe. Eine Wahnsinns-CD, auch in klangtechnischer Hinsicht - einfach Klasse ! Es gab diese zu der Zeit noch als Einzel-CD - jetzt als Doppel-CD mit den Sinf.Nr.7-9.
      Die 7.Sinfonie mit Dohnanyi ist ebenso erstklassig ! Aber die Sinfonie Nr.8 halte ich für Dohnanyis beste Aufnahme seiner gesamten Karriere.
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Sinfonie Nr.8 mit Kertesz

      Nachdem ich früher auf LP mit der Sinfonien-GA (Philips) unter Rowicki nicht die besten Erfahrungen gemacht hatte, kaufte ich später auf CD die ordentliche Kubelik-GA mit den Berliner PH (DG), die mich erst einmal für Jahre zufriedenstellte.
      Erst im Februar dieses Jahres griff ich dann zu Kertesz / London SO (Decca) und war die GA betreffend richtig voll begeistert.

      Die Sinfonien Nr. 7 und 8 sind und bleiben mit Dohnanyi (Decca) meine Favoriten. :thumbup: Ich war platt, dass Kertesz diesen kaum nachsteht. Im Gegenteil, in der Sinfonie Nr.7 baut Kertesz eine unglaubliche Spannung auf, die das Werk noch deutlicher neben die Brahms-Sinfonien stellt. Klasse ! Die Sinfonie Nr.8 genauso, wenn auch die Pauken bei Dohnanyi noch eindrucksvoller tönen; aber bei Kertesz auch voll da ! Kertesz erweist sich als ein Vollblutmusiker der das slawische Temprament der Sinfonie Nr.8 zügellos auszubreiten vermag. Wieder Hörspass mit absolutem Gänsehautfeeling - das wirkt auf mich ohne mit der Wimper zu zucken Beides (Dohnanyi und Kertesz) referenzverdächtig.


      Decca, 1963-66, ADD

      Die analoge Decca-Klangtechnik wie gewohnt sauber ohne jede Kritik.
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Ich habe früher (lange her) nur die Sinfonien 7-9 von Dvorak gehört. Die Siebente und die Achte fand ich bald interessanter als die populäre Neunte. Die Achte (wie auch die anderen beiden) hatte ich nur in folgender Einspielung mit Previn:



      Etwas später hatte ich damals die Achte aus der Bibliothek geliehen, in der von Teleton genannten Einspielung mit Dohnanyi; ich erinnere mich daran, dass sie mir damals besser gefiel als die Previn Aufnahme.

      Insgesamt höre ich Dvorak kaum noch bis garnicht. Meine Hörgewohnheiten haben sich geändert. So empfinde ich die Dvorak-Sinfonien zu simpel gestrickt, zu direkt in der unverhohlenen Volkstümlichkeit, in der Dramaturgie zu oberflächlich und brav. Mir fehlen da Tragödie und Dissonanzen. Am ehesten sagt mir deswegen wohl die Siebente zu. Nach langer Zeit, so vor 1-2 Jahren, habe ich die DVD



      gehört (aber wegen Schostakowitsch) und gemerkt, dass mir die Achte nicht mehr viel gibt, gleichwohl sie natürlich viele schöne Aspekte bietet.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • maticus schrieb:

      So empfinde ich die Dvorak-Sinfonien zu simpel gestrickt
      Das kann aber doch eigentlich für die Achte nicht gelten. Gerade deren Kopfsatz ist formal ziemlich kompliziert, mit der allmählichen Entstehung des Hauptthemas aus dem Einleitungsthema und umgekehrt der sich immer weiter entwickelnden Einbindung des Einleitungsthemas in den Allegro-Teil. Auch das Finale mit der ungewöhnlichen Verbindung von Sonaten- und Variationsform finde ich alles andere als simpel.

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Mal so 'ne Frage in die Runde:
      Gibt es eigentlich Aufnahmen von Dvoraks Orchesterwerken (Sinfonien, Sinfonische Dichtungen, Ouvertüren, Slawische Tänze, Instrumentalkonzerte, Serenaden etc.) auf Originalistrumenten ? Bei anderen Komponisten des 19. Jahrhunderts (z. B. Berlioz, Schumann, Brahms, Bruckner, Wagner) gibt es ja entsprechende HIP-Aufnahmen.

      Lionel
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • ChKöhn schrieb:

      Das kann aber doch eigentlich für die Achte nicht gelten.

      Ich wollte keineswegs den Wert des Werkes in Frage stellen. Ich habe es ja selbst mal sehr gemocht. Was ich geschrieben habe, ist rein subjektiv und zusammen zu verstehen, also nicht nur auf die reine Form bezogen. Gerade das Finale finde ich inzwischen mit den "Trillern" im Blech eher etwas "aufdringlich". Ähnlich geht es mir mit einigen Werken von Tschaikowski und Chopin, die ich damals sehr mochte. Da hat bei mir ganz persönlich Brahms oder Beethoven länger "überlebt", selbst Rachmaninoff. Wahrscheinlich ist es diese Art von "Romantik", der ich nicht mehr viel abgewinnen kann.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • teleton schrieb:

      Das liegt eindeutig an einer Hammeraufnahme, die mich dann nie wieder an andere Aufnahmen denken lies --- music lover erwähnt sie (...) Mehr Spielefreude und Temprament kann ich mir da kaum noch vorstellen. Und absoluter Hörspass ist zudem durch die glänzende Decca-Klangtechnik garantiert
      Dohnanyi / Cleveland Orchestra
      Lieber teleton,
      das kann ich gut nachvollziehen. Ich habe die Dvorák-Sinfonie Nr. 7 mit Dohnányi und dem Cleveland Orchestra in meiner Sammlung und die ist absolut erstklassig. Also kann ich gut verstehen, dass Du auch bei der Nr. 8 für ihn schwärmst. Wobei ich jetzt mal - ketzerisch :sev: - sagen möchte: Er hatte schließlich das Cleveland Orchestra vor sich, das von George Szell allerbestens gerade auf diese 8. Sinfonie Dvoráks (dem Leib- und Magen-Werk Szells neben Prokofiews Sinfonie Nr. 5 und einigen weiteren Sinfonien von Beethoven und Haydn) eingeschworen wurde. Und weil das so ist, möchte ich gern auch eines der schönsten bonmots zitieren, das ich aus der Welt der klassischen Musik kenne. Christoph von Dohnányi war sich als Chefdirigent des Cleveland Orchestra sehr wohl des langen Schattens, den Szell auf ihn warf, bewusst. Und so formulierte er:

      "Wenn ich ein gutes Konzert mit dem Cleveland Orchestra gebe, bekommt Szell die gute Kritik. Wenn ich ein schlechtes Konzert mit dem Cleveland Orchestra gebe, bekomme ich die schlechte Kritik".
      Er tut so gut.
      (Swjatoslaw Richter über Joseph Haydn)
    • Eine von mir gern gehörte 8. ist die mit Talich : so eine Art Prototyp Tschechischer Interpretation. Und dazu gerne die von music lover bereits erwähnte erste Szell mit dem Concertgebouw: da werden, da etwa zeitgleich entstanden, die unterschiedlichen Charaktere der Orchester verdeutlicht. Beide spannend !

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    • Lionel schrieb:

      Gibt es eigentlich Aufnahmen von Dvoraks Orchesterwerken (Sinfonien, Sinfonische Dichtungen, Ouvertüren, Slawische Tänze, Instrumentalkonzerte, Serenaden etc.) auf Originalistrumenten ?
      Hallo Lionel!

      Meines Wissens gibt es nur die Nr. 9 mit Krivine am Pult eines Orchesters mit historischen Instrumenten:


      Ich kenne diese Einspielung nicht, der Klang der "Kammerphilharmonie" gefiel mir aber bei Mendelssohn sehr gut.

      HIP "angehaucht" sind neben Harnoncourts Einspielungen mit dem Concertgebouw die Aufnahmen Norringtons mit den Stuttgarten


      und Dausgaards Aufnahmen der Nr. 6 und der Nr. 9:


      Als Ergänzung zu den böhmischen Standards sind diese Aufnahmen (nicht zulett klangtechnisch) durchaus empfehlenswert.

      Viele Grüße