Beethoven: Die Klaviersonaten - Gesamteinspielungen

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      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
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      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • motiaan schrieb:

      nachdem ich vor einigen Jahren meine erste Gesamteinspielung angeschafft habe, als Einstieg sozusagen, war es jetzt an der Zeit, mal aufzustocken, zumal mein Vater mir mit der Neuveröffentlichung der Kovacevich-Einspielung in den Ohren gelegen hatte.
      Hast Du den Kovacevich auch?
      Der Preis ist unschlagbar, zumal die Einzel-CDs vergriffen und teuer waren. Ich habe von denen drei einzelne, bin aber nicht so richtig begeistert (harter Klang und entsprechende Spielweise), so dass ich mit der GA ungeachtet des Spottpreises zögere. Die älteren (Philips) Aufnahmen dieses Pianisten gefallen mir besser, sind aber nur 10 oder weniger Sonaten (+Konzerte, Bagatellen, Diabellis).
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      motiaan schrieb:

      nachdem ich vor einigen Jahren meine erste Gesamteinspielung angeschafft habe, als Einstieg sozusagen, war es jetzt an der Zeit, mal aufzustocken, zumal mein Vater mir mit der Neuveröffentlichung der Kovacevich-Einspielung in den Ohren gelegen hatte.
      Hast Du den Kovacevich auch?
      Der Preis ist unschlagbar, zumal die Einzel-CDs vergriffen und teuer waren. Ich habe von denen drei einzelne, bin aber nicht so richtig begeistert (harter Klang und entsprechende Spielweise), so dass ich mit der GA ungeachtet des Spottpreises zögere. Die älteren (Philips) Aufnahmen dieses Pianisten gefallen mir besser, sind aber nur 10 oder weniger Sonaten (+Konzerte, Bagatellen, Diabellis).
      Lieber Kater,

      nein, den Kovacevich habe ich nicht. nach den Schnippseln fand ich ihn auch als zu hart im Klang, so dass ich darauf verzichtet habe.
      Schöne Grüße, Helli


      "Das ist irrelevant!" (Seven of Nine, Star Trek Voyager)
    • Da sehr preisgünstig, habe ich kürzlich zugeschlagen und mittlerweile die Beethoven-Sonaten, zentraler Bestandteil der Sammlung, durchgehört.



      Ziemlich am Anfang des Fadens hat Yorick diese Integrale in einer früheren Präsentation mit anderem Cover verlinkt.

      Yves Nat (1890 - 1956) war ein sehr angesehener französischer Pianist, der den Beethoven-Zyklus innerhalb weniger Jahre erst gegen Einde seines Lebens in Paris eingespielt hat. Im Netz finden sich lobende neben kritischen Stimmen. Dem kann ich mich durchaus dahingehend anschließen, dass ich das Kennenlernen der Aufnahmen als Gewinn wahrnehme, selbige aber gewiss nicht als Jahrhundertleistung. Claudio Arrau, Alfred Brendel, Artur Schnabel oder Friedrich Gulda etwa werde ich wohl auch in Zukunft bevorzugen. (Dass es zahllose weitere wertvolle Zyklen gibt, ist mir bekannt ... :versteck1: ;) )

      Die Tatsache, dass Nat nur acht CDs benötigt, zeigt recht deutlich, dass er im Großen und Ganzen sehr zügig unterwegs ist. Das gilt tendenziell für die späteren Werke eher als für die früheren und die Ergebnisse können nicht durchwegs überzeugen. Eklatant überzieht er beispielsweise in der Arietta des Opus 111. Eine doch recht verschmierte Etüde ist das Ergebnis, der jegliche Magie abgeht, selbst wenn die swingende Variation in ihrer Modernität noch stärker verblüfft als bei meinen sieben oder acht Konkurrenzeinspielungen im Regal. Ein (wahrlich nicht seltenes) positives Beispiel wäre der Finalsatz aus der Mondscheinsonate. Langsame Sätze hoch expressiv zu gestalten, gelingt Nat zwar nicht immer zur Genüge - aber bei Gulda (1968) scheint mir dies genauso oft der Fall zu sein. Fingerfertigkeit und äußerliche Perfektion ist schon des Tempos halber nicht immer gewährleistet und bei historischen Einspielungen natürlich erst recht nicht das Non plus ultra. Denn dann müsste man Schnabels Bedeutung wesentlich herabsetzen.

      Im Übrigen klingen die Aufnahmen, alles in allem, rein technisch sehr passabel. Klirrendes Fortissimo, bisweilen auch auf zu viel Pedal zurückzuführen, ist wohl doch eher das Problem des Pianisten.

      Beethoven als Stürmer und Dränger, als Dualist - natürlich sind das nicht nur Klischees und gewiss ist der Zugang des Franzosen berechtigt, nachvollziehbar, vielfach spannend und frisch. Eine sehr auffällige und nicht immer angemessene Tendenz besteht darin, dass aus Forte-Anweisungen Fortissimi werden und umgekehrt gilt dies für das Piano genauso. Der Gefahr der Übersteigerung und fehlender weiterer Abstufungen nach oben und unten erliegt Nat nicht selten. Dies hat mich beispielsweise bei der Les-Adieux-Sonate gar nicht gestört, bei op. 109, wo am Ende im Verein mit dem etwas zu hohen Tempo alles verrauscht, durchaus. Andererseits haben mir vorausgehende Variationssätze aufgrund ihrer Prägnanz in der E-Dur-Sonate gar nicht schlecht gefallen. Die diversen Fugen in den letzten Sonaten und manche Fugati in früheren bewältigt Nat im Allgemeinen genügend transparent.

      Sehr gut gefallen hat mir die ungemein spritzige Sonate op. 31/3 in Nats Deutung, und das gilt eigentlich auch für op. 31/1 und 2. Bei der Mondscheinsonate gefällt mir auch der fahl-verhangene Kopfsatz, sonst nicht unbedingt ein Charakteristikum seines Stils. Auch op. 101 verträgt seine recht radikale Sicht - mit einer wesentlichen Einschränkung: Im Kopfsatz findet sich ein beinahe katastrophischer Akkord im Fortissimo und in Doppelung - der späte Meister kündigt sich an; das fällt bei Nat völlig unter den Tisch, während der groteske zweite Satz durchaus gelingt. Ganz generell unterschlägt der Meister gerne Binnen-Akzente, Ihm unstrukturiertes Spiel zu unterstellen, liegt mir indes grundsätzlich fern.

      Merkwürdig unschlüssig bin ich beim Trauermarsch aus op. 26. Bei einer so geradlinigen Deutung wie der eines Claudio Arrau empfinde ich den Satz als mechanisch. Ich schätze diesen Trauermarsch aber per se so ein. Nat veranstaltet ein geradezu gnadenloses Schlachtengemälde. Warum eigentlich nicht?

      So weit ein paar Einblicke aus meiner Sicht. Vielleicht kann man generell behaupten, dass die Sonaten ab Waldstein in etwa mehr Subtilität, mehr Tiefgang vertragen würden, dass das Risiko der Hetzerei zunimmt. Opus 78 oder 90 bleiben an der Oberfläche, die letzten drei Sonaten überfordern den Pianisten dann doch ein wenig, wie mir scheint, mit der Hammerklaviersonate kann ich aber leben.

      Besitzt noch jemand die 15er-Box oder die frühere Sammlung nur der Beethoven-Sonaten mit Yves Nat?

      :) Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.