Beethoven: Die Klaviersonaten - Gesamteinspielungen

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    • Beethoven mit Martin Rasch

      Ich habe diese Box erworben (Aufnahmen 2014-16) ohne den Pianisten zu kennen. Beginne mich eben hineinzuhören. Erster Eindruck: sehr klar und geradeaus musiziert (bspw. op.22).



      Gibt es Erfahrungen und Einschätzungen aus dem Forum zu Martin Rasch?
    • Moin,
      Rasch kannte ich bis vor Kurzem auch nicht. Habe dann in die Sonaten hineingehört. Gefiel mir eigentlich ganz gut - macht auf mich den Eindruck eines sehr auf Präzision bedachten Künstlers. Mit der Aufnahme macht man nichts verkehrt, denke ich, -schon gar nicht bei dem Preis. Allerdings... ja, aus meiner Sicht kommt noch ein "aber" ... er spielt sauber, klar, geradeaus (wie du sagst), aber für meinen Geschmack deutlich zu kontrolliert - Beethoven mit angezogener Handbremse, sozusagen. Ob nun das leicht improvisatorische Element von Kempff, die fest verwurzelte Noblesse Arraus, die glasklare Kraft Guldas, oder das Querdenkerische Goulds oder oder oder ... mir fehlt ein wenig der individuelle Ansatz, der mich aufhorchen läßt, wohlgemerkt: in meinen Ohren.
    • hab eben bei Spotify etwas quer gehört. Meine Einschätzung deckt sich in etwa mit der von Tastenrabe, allerdings würde ich eine noch positivere Schlussfolgerung ziehen.

      Rasch spielt sozusagen das was in den Noten steht, ohne viel eigenes Hinzutun. Auf Dauer dürfte das dem Hörer nicht genügen, aber als Ausgangspunkt bzw. Rückbesinnung finde ich das ebenfalls nicht verkehrt. In Zeiten wo nur noch Abweichungen vom Gewohnten und möglichst viele subjektive Zutaten gefragt sind, kann der simple Notentext schon wieder überraschendes zutage bringen. Zum Beispiel dass es im 1. Satz der Appassionata eigentlich ein durchgehend gleichbleibendes Tempo gibt... das hat mir gut gefallen, ebenso der energische Zugriff in der Hammerklaviersonate und vieles andere.

      Der wohlüberlegte und sparsame Pedaleinsatz sorgt für klare Linien und einen transparenten Klavierklang, der (wie von Ludger Böckenhoff nicht anders zu erwarten) ausgezeichnet eingefangen und optimal in einen schönen Raumklang eingebettet ist.

      Schade dass die zweite Wiederholung von Durchführung+Reprise (bis zu op. 78 gelegentlich gefordert) nach Gutdünken mal gespielt wird, mal nicht (im Finale von op. 10/2 wirkt sie zudem wie nachträglich angehängt). So weit geht die Texttreue dann doch nicht.

      Jedenfalls wünsche ich viel Vergnügen mit den Aufnahmen.
      Wenn ich zu einer der neueren Gesamteinspielungen raten müsste, dann wäre das freilich die von Igor Levit.

      :wink: Khampan
    • Khampan schrieb:

      Wenn ich zu einer der neueren Gesamteinspielungen raten müsste, dann wäre das freilich die von Igor Levit.
      Da würden mich ein paar nähere Bewertungen durchaus interessieren (evt. im Vergleich zum von mir hochgeschätzten Pollini), zumal ich mit Levits Beethovenspiel noch kaum vertraut bin.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Da würden mich ein paar nähere Bewertungen durchaus interessieren (evt. im Vergleich zum von mir hochgeschätzten Pollini), zumal ich mit Levits Beethovenspiel noch kaum vertraut bin.
      stimmt, Pollini kann man ja auch noch zu den neueren Gesamteinspielungen zählen.

      Mal am Beispiel der Appassionata, 1. Satz:
      Levit ist für mich deutlich spannender als Pollini, dabei aber genauer am Notentext. Weniger Pedal, weniger Temporückungen, z.B. wird die Oberstimme bei Takt 51 (ab 1:53) bei ihm deutlich hörbar. Bei Rasch ist das noch deutlicher (was nicht nötig wäre, aber mal ganz interessant), bei Pollini dagegen wie bei vielen anderen Pianisten durch den Pedaleinsatz nur zu erahnen.
      Ich habe sowohl Levit als auch Pollini nur teilweise gehört, aber der Eindruck war immer der gleiche: mehr Aussage, besserer Klang, spannendere Tempi bei Levit. Nur mein Eindruck!

      ad Pollini, Hammerklaviersonate 1. Satz -
      einige Schlampereien, sowohl spieltechnisch als auch schnitttechnisch verleiden mir den Spaß, auch der typische überdeutliche DG-Sound (wie wohltuend ist Audite dagegen). Am schlimmsten ein böser Schnitt bei 1:05 - man hört den angeschnittenen Nachklang des vorangehenden Akkords. Auch nicht gut der Schnitt bei 8:07. Früher wurde bei der DG sowas vor der Veröffentlichung kontrolliert, naja, die Zeiten ändern sich eben.
    • Vielen Dank, lieber Khampan! Über einen Erwerb der Levit-Box werde ich grübeln... Hier noch, wie es Brauch ist, die Bilder:



      (Nebenbei: Ende März werde ich Levitt mit Beethoven in Heidelberg erleben, mit den Klavierkonzerten 3 & 5 in einem Konzert: heidelberger-fruehling.de/heid…m/veranstaltung/?id=33422.)

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
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      Helmut Lachenmann