Beethoven: Die Klaviersonaten - Gesamteinspielungen

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    • Vielen Dank!

      Ja, was Spaß macht und was nicht ... ich meine, man könne die meisten Aufnahmen zerrupfen. Nehmen wir Brendel - der wittert doch in jeder Pause die Geworfenheit der Kreatur ins Nichts, in jedem Sforzato einen Schicksalsschlag, in jeder Dissonanz existenzielle Konflikte. Kopf, Kopf, Kopf, anstatt einfach mal Musik zu machen. Nehmen wir Kempff - wäre Beethoven so kultiviert gewesen, hätte er keine Eroica komponiert und auch kein op. 95.

      Ich habe Spaß mit Korstick, zum Beispiel, aber nicht nur im C-Dur-Rausch der Waldsteinsonate. Wenn ich gerne mehr Naturmystik höre (2. Thema des Kopfsatzes), dann muss ich halt eine andere Aufnahme wählen (Arrau? Der verfehlt das Stück auf der anderen Seite, macht fast eine C-Dur-Andachtsübung daraus - aber eben mit erheblich weniger Lustgewinn unterwegs). Ja, Korsticks Aufnahme ist eine Verkürzung der den Sonaten innewohnenden Möglichkeiten - aber das ist jede Interpretation. Die Frage ist eigentlich nur, worauf man im Zweifelsfalle lieber verzichtet - und ob man das, was der Interpret unter den Angeboten des Notentextes auswählt, als ein stimmiges Ganzes wahrnimmt - und wenn die Ganzheit in der Darstellung des quasi fraktal Gebrochenen bestünde.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Vor allem ist die Aufnahme nicht so weichgespült, wie ich Levits Aufnahme wahrgenommen habe. Letztere habe ich aber nur teilweise gehört.

      Kater Murr schrieb:

      Bei Levit fand ich die späten Sonaten, die vor einigen Jahren schon rauskamen zwar gut, aber ein bißchen unpersönlich. Neulich war doch online beim niederländischen Radio Levit komplett zu hören, da war ich mehrfach positiv überrascht. Lässt mehrmals "aufhorchen", allerdings mitunter auch auf etwas irritierende Weise (kann leider keine konkreten Sätze mehr nennen). Jedenfalls nicht so unpersönlich wie die Späten, die ich aber auch nochmal anhören müsste.
      Hmm. Gibt es eigentlich Mitforisten, die die GA von Levit enthusiastisch loben? Ich habe auch die letzten drei, habe Levit schon live mit Mondschein und Hammer gehört. Die letzten drei haben mich auch wenig berührt. Nun finde ich Levit sehr sympathisch, und würde die GA (falls sie mal günstiger wird) in Erwägung ziehen, wenn ich nur positive Stimmen lesen würde. Die Aussage vom Kater, dass andere Sonaten interessanter sein könnten als die letzten drei, ist schonmal ein Anfang.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • Khampan schrieb:

      Aber die regelmäßig zu brutalen Sforzati scheinen leider Selbstzweck zu bleiben. Macht keinen Spaß.
      Noch eine Einspielung der Beethoven-Sonaten brauche ich eher nicht. Ich möchte die Sachen hören können, nicht nur horten.

      Der saugünstige Preis schwächt freilich ein wenig die Beharrlichkeit.

      Wenn ich aber Khampan trauen darf - und nichts liegt mir näher, was indes keineswegs gegen Mauerblümchen gerichtet sein soll -, dann habe ich für die brutalen Sforzati eigentlich schon Yves Nat :

      Beethoven: Die Klaviersonaten - Gesamteinspielungen

      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Khampan schrieb:

      - Bavouzet: jedenfalls sehr gut. Alle Wiederholungen, sehr guter Klang. Manches ist mir etwas zu zurückhaltend; außerdem reagiere ich sehr empfindlich auf die derzeitige Modeerscheinung, Kunstpausen zwischen den Phrasen zu machen. Da wo Bavouzet das nicht tut, etwa im langsamen Satz der Hammerklaviersonate, finde ich sein Spiel wunderbar (ha, endlich ist es mir mal gelungen, eine Kritik positiv aussehen zu lassen...).
      Besten Dank! Sosehr ich Bavouzet schätze (Debussy!): Hier werde ich weiter zögern, zumal bei den aktuellen Preisen... :/

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Ich hatte hier und noch irgendwo in einem englischsprachigen Forum eher distanziert-enttäuschte Kommentare zu Levit gelesen und selbst fand ich seinerzeit die späten Sonaten (vermutlich anderthalb mal gehört und dann nie wieder) eben etwas unpersönlich. Als sie neulich online waren habe ich fast alle (bis auf die späten und evtl. zwei, auf die ich keine Lust hatte, zwischendurch übersprungen) gehört, zugegeben meist nebenbei beim Surfen o.ä. Die podcasts mit den Kommentaren habe ich noch nicht gehört. Jedenfalls war ich von den Sonaten positiv überrascht, gerade nach den eher negativen Kommentaren. Sie schienen mir insgesamt aber auch eher in die schnell-aggressive Richtung zu gehen; leider habe ich die Details nicht mehr so präsent, aber zB war der Anfang von op.31/3 nicht besonders "rhetorisch" (es ist natürlich Ansichtssache, wie deutlich man hier das Fragende herausstellt).
      Beethovenjahr hin oder her, bei mir hat sich so viel Beethoven angesammelt, dass ich hier den Schwerpunkt mehr aufs Aussortieren als auf Neuanschaffungen legen werde. Ich kann mir überhaupt nur schwer vorstellen, bei welchem Stück ich mir eine "Offenbarung" von einer Neuanschaffung erwarten würde.
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • lothar schrieb:

      Hör dir ruhig mal ein paar Folgen Podcasts von Levit an. Man bekommt einen tieferen Eindruck von seiner Persönlichkeit. Sein Spiel kann ich nicht beurteilen.
      Den Podcast finde ich bislang sehr erhellend und auf dem genau richtigen Niveau befindlich für jemanden, der weder Hörlaie noch Musikwissenschaftler ist. Man muss dazu den etwas flapsigen Stil zwischen den beiden Freunden und die bisweilen etwas lobhu(n)delnde Manier von Anselm Cybinski gar nicht per se mögen, es bleibt genug an interessanter Erkenntnis übrig.

      Levits Gesamtaufnahme ordnet sich vermutlich gepflegt ein in die riesige Konkurrentenzahl. Die Sonaten, welche ich bislang im Radio gehört habe, zeigen ihn als zupackenden, geradlinigen, nicht übermäßig individuellen Interpreten. Ich brauche seine Integrale nicht mehr, könnte mir aber vorstellen, dass er auf jüngere und interessierte Hörer einen auch kommerziell relevanten guten Eindruck macht. Und unsympathisch wirkt er keineswegs.

      Igor Levit (geb. 1987) - ein zukünftiger Jahrhundertpianist?

      (Damals war ich noch jünger ... ;( ;) )

      :cincinbier: Wolfgang
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    • Mauerblümchen schrieb:

      Kennt jemand die Aufnahmen mit András Schiff? Da wollte ich mal reinhören ...
      [...]

      Die Aufnahmen von András Schiff kenne ich zwar nicht, Auf folgender Seite erklärt Schiff allerdings sein Verständnis in "Lecture-Recitals" zu allen 32 Sonaten und spielt immer wieder ausschnittsweise:

      András Schiff Beethoven Lecture-Recitals

      Fand ich sehr interessant, auch als Einführung in einzelne Klaviersonaten.

      :wink:
    • Barenboim zum Dritten

      Daniel Barenboim hat seine aktuelle Sicht der 32 Sonaten auf CD gebannt, es ist m.W. seine dritte GA. Corona bedingt hat er nach eigener Aussage seit 50 Jahren zum ersten Mal wieder 3 Monate Zeit gehabt, sich ausschliesslich seinem Instrument zu widmen. Na denn...
      Als Beigabe gibt es 2 CDs mit frühen Westminster-Aufnahmen aus den 50ern.

    • Wieland schrieb:

      Daniel Barenboim hat seine aktuelle Sicht der 32 Sonaten auf CD gebannt, es ist m.W. seine dritte GA.


      Auf CD ist es seine vierte, meine ich. Es gibt noch seine erste GA aus den späten 1960ern bei Warner/vormals EMI, eine GA aus den frühen 1980ern bei DG, und eine 2005 live aufgenommene bei Decca in der "Beethoven for All"-Reihe.

      Außerdem gibt es alle Sonaten auch noch als Videos von 1983/84 bei EuroArts auf DVD und BluRay, sowie auf deren Youtube-Channel.
    • Wow, da hat er mal eben eine neue GA eingespielt. Da hat er die Corona-Zeit ja clever genutzt... :)
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Neu

      Josquin Dufay schrieb:

      Wow, da hat er mal eben eine neue GA eingespielt. Da hat er die Corona-Zeit ja clever genutzt... :)
      Seltsamerweise bin ich da etwas neugierig drauf. Seine älteren Einspielungen haben mich nie gelockt.... aber wenn er sich das jetzt noch mal traut, muss er ja eigentlich einen Grund haben :) Die beiden Samples, die man jetzt vorab hören kann gefallen mir eigentlich recht gut.

      Ansonsten habe ich mir gerade eine alte Schnabel-LP-Box von EMI Electrola aus den frühen 80ern bestellt. Bin sehr gespannt, wie sie klingt. Digitale Denoiser gab es damals ja noch nicht, und das kann eigentlich nur ein Vorteil sein. Kann jemand etwas dazu sagen? Also ob das klanglich gesehen ein sinnvoller Kauf war?

      Viele Grüße
      Martin
    • Neu

      b-major schrieb:

      Die klanglich beste GA der Beethoven Sonaten mit Schnabel ist wohl die von Pristine Classical . Besser als EMI oder Naxos .
      Angeschaut hatte ich mir die - und die Samples klingen gut. Aber 102€ für FLAC-Downloads ist ganz schon happig. Meine LP-Box kommt nun allerdings auch fast auf die Hälfte - bin gespannt, ob ich das bereuen werde.
    • Neu

      MartinG schrieb:

      Meine LP-Box kommt nun allerdings auch fast auf die Hälfte
      Die grüne 13 LP Box von EMI (D) klang für mich angenehmer als die remasterte Reference - Ausgabe . Ansonsten gibt es die CDs bei Pristine Classical auch einzeln . Schnabels Beethoven auf Raten wäre doch eine Option , wenn du das Optimum möchtest .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Kamikaze - You Yellow Fiend !"
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      b-major schrieb:

      Die grüne 13 LP Box von EMI (D) klang für mich angenehmer als die remasterte Reference - Ausgabe . Ansonsten gibt es die CDs bei Pristine Classical auch einzeln . Schnabels Beethoven auf Raten wäre doch eine Option , wenn du das Optimum möchtest .
      Ja, also es ist die grüne Box. Angeblich neuwertig, für 35 Euro plus Versand. Das kann man mal riskieren.
      Aber vielleicht ist das einzeln kaufen generell gar nicht so dumm bei so einer Gesamtausgabe. Zwar teurer, aber dafür ist die Chance auch größer, dass man sich wirklich alles auch bewusst mal anhört...
      Nun ja, ich höre bisher mein Leben lang die Gulda/Amadeo-Aufnahmen und habe außerdem die drei Buchbinder Blu-rays. Da ist sicher noch Platz für ein paar Versuche.
    • Neu

      MartinG schrieb:

      Ansonsten habe ich mir gerade eine alte Schnabel-LP-Box von EMI Electrola aus den frühen 80ern bestellt. Bin sehr gespannt, wie sie klingt. Digitale Denoiser gab es damals ja noch nicht, und das kann eigentlich nur ein Vorteil sein. Kann jemand etwas dazu sagen? Also ob das klanglich gesehen ein sinnvoller Kauf war?
      Vermutlich werden das Übertragungen von Keith Hardwick sein - der war sehr profund in seinen Aufbereitungen, zumal er kaum bis gar nicht nachträglich bearbeitet hat. Und ja, das war noch deutlich vor den digitalen Bearbeitungen. Sollte also nicht verkehrt gewesen sein.

      Berichte mal, wenn du die LPs hast.
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