Johannes Regis (ca. 1425-ca. 1496) - Das Bindeglied zwischen Dufay und Desprez

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    • Johannes Regis (ca. 1425-ca. 1496) - Das Bindeglied zwischen Dufay und Desprez

      Johannes Regis ist ein Name, der gelegentlich auftaucht, wenn es um Komponisten des 15. Jahrhunderts geht. Er gehört zu jenen Franko-Flamen, die in Nordfrankreich tätig waren. Johannes Tinctoris (1435-1511) nannte in seiner Schrift Liber de arte contrapuncti (1477) fünf Komponisten, die er als überragend empfand: neben Ockeghem und Busnoys nannte er auch seinen Namen. Diese damalige Wertung stammte von einem profunden Kenner der Materie.

      Das erste belegbare Lebenszeichen von Regis ist die Nennung als Chormeister in der Kirche von St. Vincent in Soignies (Hennegau) im Jahre 1451. Damit war er gut sieben Jahre lang Kollege von Gilles Binchois, der ab 1453 seinen Lebensabend als Probst von St. Vincent verbrachte. Regis mochte damals um die 25-30 Jahre alt gewesen zu sein, und es ist gut möglich, daß er von Binchois in Sachen Komposition unterwiesen wurde.

      Nach Binchois' Tod bemühte sich Guillaume Dufay intensiv darum, Regis nach Cambrai zu holen, was aber nicht gelang; Regis blieb bis zu seinem Tod in St. Vincent tätig, aber er hielt dennoch eine enge Verbindung zu Dufay aufrecht. Ab 1464 war er als dessen Sekretär tätig und weilte in der Zeit sicherlich sehr oft in Cambrai. Auch Dufay wird seine Kunst an Regis weiter vermittelt haben.

      Nach dessen Tod im Jahre 1474 richtete Regis eine jährliche Gedenkmesse für ihn in St. Vincent ein; vermutlich blieb er dann auch dort die letzten zwanzig Jahre seines Lebens. 1496 wurde seine Stelle in St. Vincent als vakant gesetzt; er mußte also kurz zuvor verstorben sein.

      Bereist Anfang der 1460er Jahre hatte er sich als Komponist etabliert und baute seinen Ruf immer weiter aus: die ältesten Manuskripte mit Werken von ihm datieren auf die Zeit um 1462-1465 und sind in den Chorbüchern von Cambrai zu finden. Er schrieb Motetten, Messen und Rondeaus, doch leider ist nicht viel erhalten geblieben:


      Zwei Messen
      • Missa Ecce ancilla Domnini/Ne timeas Maria
      • Missa L'homme armé/Dum sacrum mysterium

      Acht Motetten
      • Celsitonantis ave genitrix/Abrahae fit promissio
      • Ave Maria virgo serena (à 5)
      • Ave Maria (à 3)
      • Lux solemnis/Repleti sunt omnes
      • Clangat plebs
      • Lauda Sion/Ego sum panis vivus
      • Credo/Patrem vilayge
      • O admirabile commercium/Verbum caro factum est

      Zwei Rondeaus
      • Puisque ma damme/Je m'en voy
      • S'il vous plaist


      Er war der erste, der Motetten in fünfstimmiger Besetzung schrieb. Außerdem verwendete er manchmal mehr als einen Cantus firmus in seinen Werken. Er hatte bereits in den 1450er Jahren eine Messe L'homme armé verfaßt, die jedoch verlorengegangen ist; er hatte also zwei komponiert! In den meisten erhaltenen Werken - einschließlich den Messen - werden zwei Texte parallel gesungen, und sein Kontrapunkt machte ordentlich Gebrauch von Tempiwechseln, Alterationen und Imitationen.

      Regis' Besonderheit ist sicherlich die Tatsache, daß er als Schüler von der ersten Generation der franko-flämischen Schule (Dufay, Binchois) unterwiesen wurde und dies (möglicherweise als Lehrer, bestimmt aber als Vorbild) an die dritte Generation wie Josquin Desprez weitergab. Die Erweiterung der Stimmenanzahl sowie die Technik der Varietas (Melodienabschnitte werden in verschiedenen Stimmen verschieden behandelt) hat er entschieden vorangetrieben und somit eine Basis für die Zukunft gelegt.

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      Es ist schade, daß nur zwölf seiner Werke erhalten sind, doch immerhin hat es zu einer Gesamtaufnahme gereicht:



      Diese Doppel-CD erschien 2009 und enthält alles Erhaltene. The Clerks unter Edward Wickham präsentieren sich in 9köpfiger Besetzung mit homogenen Zusammenklang und wunderbar präziser Technik. Damit wäre man schon allerbestens bedient.
      :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:


      Denn ansonsten kommt nicht mehr viel hinzu:

      Die Messen


      Einzelne Stücke





      Links:
      "http://en.wikipedia.org/wiki/Johannes_Regis"
      "http://www.jstor.org/discover/10.2307/3686765?uid=3737864&uid=2129&uid=2&uid=70&uid=4&sid=21102579656301"
      "http://www.medieval.org/emfaq/composers/regis.html" Diskographie


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Danke für die schöne Einführung, lieber Josquin! Bisher kannte ich den Namen dieses Komponisten nicht ;+) Schade, das nur ein so geringer Teil seines Schaffens überliefert ist.

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Vielen Dank...

      Was mich persönlich erstaunt: ich kenne Regis vom Namen her schon ne ganze Weile, doch erst jetzt begreife ich, wie wenig man von ihm haben kann. Die CD The Brightest Heaven of Invention habe ich schon lange, doch es ist nur ein Stück von ihm drauf. Später kam Le Chansonnier Cordiforme und The Castle of Fair Welcome hinzu - das Gleiche. Erst mit Opera omnia habe ich mehr als ein Stück (!) von Regis auf einer Veröffentlichung... 8| Ich dachte aber, ich hätte viel mehr... ?(

      Wahrnehmung kann manchmal seltsame Wege gehen... :stern:


      jd :wink:
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      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
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