Arnold, Malcolm - ein volkstümlicher Neoklassizist aus England

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    • Ich habe übrigens bisher nichts über diese Neunte im Textheft (das leider auch nur in Englisch abgedruckt ist) gelesen, was in diesem Falle wohl eindeutig ein Fehler war.


      Die Naxos-Integrale (Andrew Penny) hat aber schon auch deutsche Texte, werter Namensvetter! Oder hast Du die nicht komplett? Welche Einspielung der Neunten hast Du stattdessen?

      Aber Vergleiche mit anderen Einzelaufnahmen haben bisher gezeigt, dass es noch eindrucksvoller geht (zum Beispiel bei der Sinfonie Nr.5 mit Bostok).


      Bostock gefällt mir bei der Fünften auch besser als Penny - wobei der Foxtrott-Satz, der dritte, etwas langsamer gespielt durchaus seinen Reiz hat. Und warum Arnold in seinen Eigenaufnahmen oft so zäh wirkt (auch bei der Fünften), weiß ich ja nun ... :S

      Penny ist - alles in allem - klangtechnisch erfreulich differenziert und reich an Dynamik (wobei mir etwa die CD der ersten beiden Sinfonien besser gefällt als die Nummern drei und vier). Auch Bostocks Fünfte überzeugt diesbezüglich. Mal schauen, wie die Neuanschaffung im Vergleich klingt; eine authentische Interpretation wird man ohnehin erwarten dürfen.

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Die Naxos-Integrale (Andrew Penny) hat aber schon auch deutsche Texte, werter Namensvetter! Oder hast Du die nicht komplett? Welche Einspielung der Neunten hast Du stattdessen?

      Ich habe diese NAXOS_GA und die hat nur ein englisches Textheft. Die Enthaltene ist auch meine einzige Aufnahme der Neunten:


      Naxos, 1995 - 2001, DDD

      8o Ich freue mich auch auf die Chandos-GA, die ich gerade auch für "nen juten Zwanni" mit Versand bestellt habe ...
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Ich habe diese NAXOS_GA und die hat nur ein englisches Textheft. Die Enthaltene ist auch meine einzige Aufnahme der Neunten [...]


      Das ist dann wohl eine Neuauflage, bei der man gespart hat. Eine weitere Neunte besitze ich bislang auch nicht.

      Schöne Grüße,

      Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Hallo andréjo!

      Herzlichen Dank für diesen interessanten Thread!

      Ich hatte mir vor sehr langer Zeit die ersten beiden Symphonien von Arnold auf Naxos gekauft (die hier):



      - damals als die gerade rauskamen (der Komponist sagte mir zum damaligen Zeitpunkt gar nichts).

      Diese Aufnahme habe ich vielleicht seither zweimal gehört, weil ich Arnold als sehr langweilig empfunden habe (bei den Neoklassizisten hab ich manchmal so meine Probleme ;+) :stumm: ). Ich empfinde Arnolds Musik (anhand der von mir erwähnten CD-Einspielung) als sehr kalt und steril - geht mir aber bei Hindemith manchmal auch so....

      Gibts da eventuell ein Schlüsselwerk, dass mich umstimmen könnte?

      Herzlichen Dank und

      liebe Grüße

      Peter
    • Hallo, Peter!

      Danke zunächst für das kleine Kompliment!

      Es ist nicht ganz leicht, Dir einen guten Rat zu geben, obwohl mir schon daran liegen würde. :)

      Beim allerersten Hören mag man die erste oder die zweite Sinfonie von Arnold als beliebig oder steril empfinden. Das Einhören war aber überhaupt nicht schwer für mich und seitdem empfinde ich eigentlich alle seine Sinfonien als tendenzielle Unikate, welche dennoch einen Personalstil verraten. Dazu wurde hier manches geschrieben.

      Du kommst von der Zwölftonmusik, erwartest also gewisse Schärfen. Vielleicht solltest Du die Sinfonie-Nummern fünf bis acht in Angriff nehmen, die ein nicht unproblematisches Verhältnis zur Musiktradition und einen gebrochenen Optimismus zeigen - im Shakespeare'schen Sinne würde ich weder von Komödien noch von Tragödien, sondern eben von Problemstücken sprechen. "Langweilig" wäre nun tatsächlich nicht das Attribut, das mir dabei so schnell einfiele.

      Ein Schlüsselwerk für mich war die Fünfte: ein eher herb-mehrdeutiger Kopfsatz, Musik zum Mitsingen im zweiten Satz, ein ausgesprochen hübscher Tanzsatz an dritter Stelle und ein am Schluss negativ gebrochenes Finale. Langeweile - nein, gewiss nicht!

      Das Gitarrenkonzert ist auch sehr bekannt geworden und geprägt von einer sicher nicht herb-widerborstigen, aber schon ein wenig abgründigen Farbigkeit.

      Arnold schreibt keine intellektuelle Musik, er liebt originelle Orchesterfarben, das Spiel mit der Motivik und Melodien, mit Rhythmik und Klischees der Volks- und Unterhaltungsmusik. Er ist ein Praktiker und zweifellos publikumsorientiert. Aber ich finde ihn kaum je banal - und mittlerweile auch kaum je langweilig.

      Hör Dich bei youtube ein! Ein paar konkrete Tipps habe ich Dir jetzt gegeben - auch wenn ich Dein Problem nicht wirklich verorten kann. Kämst Du aus der Romantik, der Klassik, der Barockzeit, könnte Dir die Musik theoretisch zu modern sein - aber das ist ja nicht der Fall. Du kommst wohl eher aus der Richtung, die ebenso Amfortas vertritt (und ich schon auch ...), und könntest Arnold vielleicht als zu gefällig, zu massenkompatibel empfinden. Das könnte ich mir eher vorstellen, ist aber vielleicht ein zu bekämpfendes Vorurteil ;+) . Aber - nochmals - langweilig ist diese Musik für mich, der bestimmt sehr offen ist für Zeitgenössisches, schon lange nicht mehr.

      Jetzt habe ich viel geschwätzt - vielleicht konnte ich Dich weiter neugierig machen!

      :wink: Wolfgang

      PS: Ich habe Dein Profil gesichtet. Man kann Arnold nicht mit seinem Landsmann Britten verwechseln - aber man kann im Sinne einer Parallelsichtung einsteigen. Es sind schon Ähnlichkeiten in mancherlei Hinsicht da: soziale, politische Bindungen des modernen Menschen, das Verhältnis zur Nation, bissiger Humor und Resignation, Bedrohung, Kampf, Sieg, Niederlage - als musikalische Formen und Rituale, aber auch aus der Sicht des Komponisten und seiner Biographie. Auch stilistische Analogien lassen sich ganz gewiss finden. Für mich war auch Britten ein Komponist, der sich mir vor Jahrzehnten nicht erschlossen hat - im Sinne von "Langeweile" -, den ich aber längst sehr schätze, selbst wenn ich das Oeuvre Arnolds mittlerweile etwas besser überblicke, was aber hauptsächlich an den großen Opern Brittens liegt, die ich schlicht aus Zeitgründen noch vor mich herschiebe.
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Hallo Wolfgang!

      Vielen, herzlichen Dank für Deine tolle und sehr ausführliche Rückmeldung zu diesem Thema.

      Ich hoffe mein Posting ist bei Dir nicht als Kritik angekommen, zumal ich ja selbst einen eher eigenwilligen Musikgeschmack besitze, wie Du schon festgestellt hast :D .

      Daher ist es für mich auch immer irrsinnig spannend zu hinterfragen, was denn jemand anderer für Musik empfindet, die mich fürs Erste eher nicht gleich anspricht.

      Und das hast Du mit Deiner Rückantwort perfekt geschafft - danke dafür l-l

      Da ich auch ein großer Kammermusikfan bin, höre ich gerade Arnolds Streichquartette, die ich auf Qobuz entdeckt habe - die finde ich schon mal irrsinnig spannend.

      Die von Dir empfohlene 5te und das Gitarrenkonzert folgen demnächst -ich werde wieder berichten

      Nochmals herzlichen Dank und

      viele Grüße

      Peter :wink:
    • Da ich auch ein großer Kammermusikfan bin, höre ich gerade Arnolds Streichquartette, die ich auf Qobuz entdeckt habe - die finde ich schon mal irrsinnig spannend.


      Und die kenne ich schon mal überhaupt nicht, was sich ändern wird! :thumbup:

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Hallo Peter,

      wenn Du diesen Thread durchschaust wirst Du das Klavierkonzert für 2Klaviere (zu 3Händen) des Öfteren erwähnt finden.
      Neben seinen Sinfonien ist das auch ein total spannendes und hörenswertes Stück, dass Du Dir auch nicht entgehen lassen solltest. ;+) Ich denke ganz einfach, wenn Du Dich intensiver mit Arnold beschäftigst, wird Dir das Wort "Langeweile" nie mehr in den Sinn kommen ! Arnold ist alles andere als das ...

      Auf der Naxos - CD ist auch eine der fetzigen Ouvertüren enthalten - Beckus and Dandiprat, die ebenfalls mega-hörenswert sind:


      NAXOS, 2007, DDD
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang


    • AUch DAS ist eine sehr schöne CD zum Spottpreis von EINEM Cent bei Amazon!!
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • Auch diese CD ist günstig zu erwerben und hörenswert. Man kann also noch viel entdecken bei Sir Malcolm.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Das Orgelkonzert ist nicht gar so spannend (1) - aber wer hätte gedacht, dass es auch ein solches gibt von Englands gar nicht so unkompliziertem Hochunterhalter:



      :wink: Wolfgang

      (1) Soeben findet ein Wiederhören statt. Der Tonfall der 1954 als Opus 47 veröffentlichten Gebrauchskomposition zeigt in der Instrumentierung, Motivik und Melodik den mittleren Arnold auf gefällige Weise. Der Solopart ist recht geschickt mit dem Orchester verwoben, nicht sonderlich virtuos, auch eher festlich denn humoristisch. Unverkennbar zeigen sich neobarocke Einflüsse; der Komponist betont selbst die Nähe zu Händels Orgelkonzerten, vor allem in der Behandlung der Trompeten.

      Es handelt sich um eine CD-Weltpremiere von 2001 zum achtzigsten Geburtstag des Komponisten.

      Fazit: Hübsch. Wenn ich allerdings eine neoklassizistische Orgel hören möchte, bieten mir die entsprechenden Konzerte von Poulenc, Casella oder Distler dann doch Interessanteres.

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Noch ein knapp gehaltenes Instrumentalkonzert, das in stärkerem Maße Witz und Ironie versprüht und ganz aus dem Geist des (bekanntlich aus verschiedenen Gründen nicht unproblematischen) Soloinstruments erfunden ist. Die Solistin zeigt sich in ihrer ganzen Souveränität:



      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Ich habe mal vor Jahren bei einem car boot sale ein Konvolut BBC Radio Classics erworden .Darunter auch ein Doppel CD Tribut zum 75 .Geburtstag von Malcolm Arnold, mit dem Konzert für 2 Violinen, dem Hornkonzert No.2 mit Alan Civil, sowie der Sinfonie no.1, 4 Cornish Dances und anderes mehr. Ist das keine gute Einführung in das Werk? Irgendwie hänge ich damit fest.

      [IMG:http://ecx.images-amazon.com/images/I/51aisKtiQKL._SL500_.jpg]
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "
    • Schwer zu sagen, werter Kollege in H-Dur! Das Doppelkonzert kenne ich nicht, das Hornkonzert müsste ich wieder mal auflegen. Die Tänze sind schon reizvoll zu hören, vermitteln aber wohl keinen bleibenden Eindruck.

      Die vierte Sinfonie ist Anfang der Sechziger Jahre im Kontext der Londoner Rassenunruhen entstanden und zeigt bei aller Leichtigkeit einen gewissen kritischen Impetus. Ich finde das dritte der eröffnenden Motive und Themen im Kopfsatz dank seines rhythmischen Exotismus sehr pfiffig; das heißt auch, dass ich diesen Satz, dass ich die Sinfonie sehr mag. Die Folgesätze erscheinen mir ein wenig spröder und ernster - positiv betrachtet, darf man ihnen Formstrenge und -Originalität bescheinigen - meiner Erinnerung zufolge arbeitet der Komponist in der dritten und vierten Sinfonie auch mit dem Modell der Passacaglia. Die von Dir abgebildete Einspielung kenne ich nicht. Wie oben bereits diskutiert, sind die Aufnahmen möglicherweise zu schleppend.

      Leg Dir doch noch was zu - Anregungen gibt es mittlerweile zur Genüge in diesem Thread - und probier's aufs Neue! ^^

      :wink: Wolfgang

      EDIT: Sorry, Du hast nicht von der vierten, sondern von der ersten Sinfonie gesprochen! OK, sagen wir so: Das ist eine Auswahl früher und mittlerer Werke ohne ausgeprägt Bedeutendes von ihm.
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Hallo liebe Wolfgangs (andréjo & teleton), sowie die anderen hier!

      Herzlichen Dank für eure Anregungen. Gestern Abend habe ich mir einmal die empfohlene 5. Symphonie (inkl. Symph. 6) angehört und war sehr, sehr angetan davon. Wirklich schön!!!

      Dann das Klavierkonzert - hat mir beim ersten Hören ebenfalls gut gefallen. Fazit - ich werde mich mal mit den Symphonien 3 - 9 intensiv auseinandersetzen, dann noch das Gitarrenkonzert.

      Danke nochmals für die vielen Anregungen - ich werde euch meine weiteren Höreindrücke wieder mitteilen. Vielleicht kann ich mich ja eines Tages mit Symph. 1 & 2 anfreunden :D


      Herzliche Grüße

      Peter
    • Hickox und Gamba auf (Chandos)

      Die neue GA der Malcolm Arnold - Sinfonien mit Hickox und Gamba überzeugt auf ganzer Line. Die audiophiole Klangqualität mit allen orchestralen Details und damit einhergehender natürlicher Orchesterabbildung verursacht einfach :angel: Hörspass pur:


      Chandos, 1994 - 2001, DDD

      Wenn man den Vergleich mit der NAXOS-GA unter Penny nicht hätte, würde man gar nicht so krass wahrnehmen, was einem bisher entgangen ist. Nichts gegen diese GA mit Penny (Naxos, DDD), die auch gut ist ... aber eben nur gut. Erst der Vergleich zeigt, wie qualitativ unterschiedlich die 9 Sinfonien bei Naxos auch aufnahmetechnisch geraten sind. Die recht komplexen Sinfonien Nr.8 und 9 klingen bei NAXOS recht mulmig mit eingeschränktem Orchesterpanorama und in den Klang integrierten Pauken. Das "Paukenfest" ist bei den ersten 4 Sinfonien mit detailreichem Feuer viel angemessener (sogar sehr imposant) gelungen als bei den Letzten. Irgendwie kein Wunder, das auch bei Hintergrundwissen über die Neute der zündende Funke für diese gar nicht wirklich überspringen könnte !

      Man höre die eindeutig "schwierigeren" Sinfonien Nr. 7 - 9 in den kongenialen Einspielungen mit Rumon Gamba (gem.obiger Abb). Da wird kein Detail verschluckt oder verschleiert.
      Hickox ist bei den Sinfonien Nr.1 - 6 ebenfalls ein fabelhafter Sachwalter, der auch mit dem LSO den eindeutig besseren Orchesterapparat zur Verfügung hat, als Penny mit seinen Irändern. Unterstützt wird er von ebenso audiophiler Klagtechnik, wei Gamba mit dem BBC PO.
      :thumbup: : Das ist Hörspass pur !


      *** Heute habe ich die tolle Sinfonie Nr.5 (1961) mit Hickox und dessen TOP-Aufnahme genossen; sowie die Sinfonie Nr.7 (1973) und Nr. 8 (1979), die bei Gamba eindeutig durch ihre Details nicht so eindimensional wirken.
      Bei der Sinfonie Nr.7 (mit Penny auf Naxos) kommt der Anfang einem undurchsichtigen Orchestergewusel gleich; bei Gamba werden dem Hörer gleich die Strukuren deutlich gemacht, das Interesse für das Werk geschärft, die Spannung entsprechend gesteigert.
      Alle habe ich noch nicht durch, aber überall mal reingeschnuppert.

      Fazit:
      Die Chandos-GA ist der Naxos-GA in allen Punkten vorzuziehen. Der qualitative Unterschied der Int macht sich aber ganz besonders bei den Sinfonien Nr.7 - 9 bemerkbar.
      Der Klang ist bei Chandos als audiophil zu betrachten.
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Fazit:
      Die Chandos-GA ist der Naxos-GA in allen Punkten vorzuziehen. Der qualitative Unterschied der Int macht sich aber ganz besonders bei den Sinfonien Nr.7 - 9 bemerkbar.
      Der Klang ist bei Chandos als audiophil zu betrachten.
      Ich finde Dein Fazit etwas gewagt. Immerhin ist die Naxos-Einspielung durch Anwesenheit des Komponisten autorisiert. Penny hat sich seiner Aufgabe meiner Meinung nach durchaus hervorragend geschlagen, wobei ich hier nur mit Hickox' Sinfonien 1-6 vergleichen kann. Gambas Einspielungen kenne ich nicht, da kann ich nichts dazu sagen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Penny versus Hickox: Kurze Zusammenschau der Sinfonien Nr. 1 und Nr. 2

      Ich kann seit heute beide Integralen vergleichen und habe vorhin die erste und die zweite Sinfonie bei Chandos gehört.

      Teleton will ich im Prinzip nicht widersprechen, Maurice möchte ich zustimmen. Ich habe keineswegs das Bedürfnis, die Einspielungen bei Naxos jetzt ad acta zu legen. Klanglich finde ich die erste respektive zweite Sinfonie mit Hickox und mit Penny absolut gleichwertig. Mag sein, dass Hickox dynamisch etwas differenzierter, Penny eine Nuance transparenter erscheint; mir scheint dies zu vernachlässigen. Hickox und Penny musizieren die schnellen Sätze etwa in gleichem Tempo, Hickox kostet die langsameren hingegen deutlich stärker aus. Die Musik erscheint damit gewichtiger, durchaus problematischer. Es wird noch klarer als bei Penny (ist dort aber ebenso wenig von der Hand zu weisen), dass Arnold in seiner ersten vieles an harmonischen Schärfen, an ideologischen Abgründen, an Sibelius- und Mahler-Anklängen vorwegnimmt, was in den letzten Sinfonien sich wohl mit seiner eigenen problematischen Vita deckt - was aber der Dreißig- bis Vierzigjährige eben auch schon erfahren hat.

      Wenn ich ein Fazit ziehen soll, so betont Hickox die strukturellen Brüche, das Pathos und die Stimmungsumschwünge dieser beiden ersten Sinfonien, während Penny den Nationalcharakter und die spezifische Farbigkeit der Musik in den Mittelpunkt stellt. Das lässt sich im Detail bereits im ersten Satz der ersten Sinfonie recht gut erkennen: Hickox stellt das Schlagwerk stärker in den Vordergrund als Penny, welcher wiederum mehr Wert legt auf die eleganten harmonischen Rückungen. Im Finale wiederum erscheint der leicht vulgäre Marsch bei Penny als Fremdkörper, bei Hickox organischer kontextualisiert. Ich könnte nun aber nicht sagen, dass das eine Konzept weniger schlüssig wäre als das andere. Auch die späteren Sinfonien sind gleichermaßen genial strukturiert in ihrer Gesamtanlage, wie sie eben auch das Zitathafte und die Desillusionierung statt der Zuspitzung und Abrundung immer wieder zum zentralen Prinzip erklären.

      Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass das irische Orchester sich auch nur irgendwie schlechter schlägt als die Londoner.

      Vorerst - wie gesagt - bezieht sich meine Stellungnahme nur auf die ersten beiden Sinfonien. Auch von daher bin ich natürlich gespannt.

      Fortsetzung könnte folgen. :P

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.