Verdi: Die sizilianische Vesper - Opernhaus Frankfurt, 07.09.2013 (Premiere war am 15.06.2013)

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    • Verdi: Die sizilianische Vesper - Opernhaus Frankfurt, 07.09.2013 (Premiere war am 15.06.2013)

      Eigentlich hatte ich die neue Produktion der „sizilianischen Vesper“ in Frankfurt schon im letzten Juni in der Premierenserie sehen wollen, aber das
      musste dann auf September verschoben worden. Nun also die Wiederaufnahme in der neuen Spielzeit, zum Glück „nur“ in zwei der vier Hauptrollen umbesetzt.

      “Die sizilianische Vesper“, 1855 als Verdis Versuch auf dem Feld "Grande opera" geschrieben, gehört nicht zu den beliebtesten Verdiopern, und es
      ist prinzipiell begrüßenswert, das Stück zum Verdi-Jahr in einer ambitionierten Produktion herauszubringen. In Frankfurt ist die französische Originalversion
      zu hören. Allerdings wird in Frankfurt auch deutlich, warum das Werk bei Publikum und Kritik nicht so recht ankommt: Das Bemühen Verdis, sich den
      Gegebenheiten der großen Pariser Oper à la Meyerbeer anzupassen, bezahlt er mit einem deutlichen Manko an Stringenz und Innenspannung. Die großen Chortableaus
      und die dazwischen gestreuten Solo- und Ensembleszenen stehen ein bisschen unzusammenhanglos nebeneinander, nur im dritten und vierten Akt stellt sich so
      etwas wie ein kontinuierlicher Spannungsaufbau ein.



      Vielleicht wird dieser Eindruck aber auch durch die eher hemdsärmelige musikalische Leitung von Giuliano Carella (mir bis dahin unbekannt) verstärkt In den Massenszenen lässt ers ordentlich krachen, das Orchester ist im übrigen - offenbar nicht selten in Frankfurt - fast stets einen Tick zu laut. Für eine sensible Begleitung, ja Führung der Sänger fehlt
      ihm der Mut oder das Engagement, Zeichen zu setzen, Tempo und Rhythmik zu variieren oder musikalische Charaktere zu formen.



      Dabei hätte ein Sänger wie Kihwan Sim (Procida) solcher Führung dringend bedurft. Im Vorjahr noch im Studio des Hauses beschäftigt, liefert er seine Wunschkonzertnummer
      "O mon Palerme" stimmschön und solide ab und taucht fortan unter. Auch Burkhard Fritz (Henri) wirkt verunsichert; sichtlich und weitgehend erfolgreich bemüht, einen
      stilsicheren Verdi ohne heldentenorales Protzen zu gestalten, singt er wie mit gebremstem Schaum: Immer wieder verschwindet seine Stimme in den
      Orchesterwogen. Und Quinn Kelsey - ein Montfort mit beeindruckender stimmlicher Wucht und Kultur und ebenso imposanter Erscheinung - nimmt im großen Tenor-Bariton-Duett im 3. Akt (ein Highlight der Partitur) immer wieder Zuflucht zum Dauerforte und singt seinen Tenor-Partner schier an die Wand - nicht sehr kollegial und ein Zeichen für mangelndes Bemühen des Dirigenten um Balance.



      Bleibt im Ensemble Elza van den Heever auf der Habenseite. Frankfurts Primadonna, seit dieser Spielzeit nur noch als Gast, stürzt sich zunächst mit Verve und Eleganz in das aufrührerische Lied des ersten Aktes. Bis zur Pause bleibt sie rollenbedingt unauffälliger, bis sie dann im Duett mit Henri im vierten Akt (hier überzeugt auch Burkhard Fritz) ein paar Minuten echten, großen Verdi hören lässt. Ihre lange ariose Passage in diesem Duett ist Höhepunkt der Aufführung, und wie sie in der eigentlich fröhlichen Sicilienne
      im Schlussakt melancholische, resignative Momente einstreut (im Einklang mit der sehr düsteren Inszenierung), das ist abermals großer Verdi-Gesang.



      Die Inszenierung von Jens Daniel Herzog, vielbeschäftigt und nunmehr Intendant in Dortmund, wirkt solide im positiven Sinn. Die Verlegung der Handlung in ein mittel- oder westeuropäisches Land der 60er-Jahre ist geeignet, die Figuren dem Betrachter näherzurücken, wobei Herzog trotz eher schematischer Personenführung immer wieder
      anrührende und spannende Szenen gelingen, insbesondere in der Charakteristik der kleineren Rollen wie der Ninetta (Kammerzofe der Herogin Hélène – gesungen von
      Nina Tarandek)
      , die präzise und unauffällig ihre eigene, kleinere Geschichte erzählen.. Die Analogie zur Studentenbewegung oder der RAF geht nicht durchgängig auf und
      wirkt doch eher dekorativ.. Die Chor- und Ensembleszenen sind souverän choreographiert. Nur dass sich die Darsteller bisweilen in Momenten höchster
      Erregung in unbequeme Sessel quetschen müssen, wirkt wunderlich.



      Insgesamt ein Abend mit Stärken und Schwächen, analog zum Stück. Das Publikum (es war längst nicht ausverkauft, schien allerdings hochzufrieden und spendete lange und laut Applaus.
    • Hallo Pedrillo,

      ich kann zwar hier so gut wie nichts beisteuern, weil ich diese Inszenierung nicht gesehen habe, aber ich möchte dir wenigstens ein Dankeschön für deine sehr interessante Besprechung hier lassen. Die "sizilianische Vesper" ist eine Oper, die ich sehr mag, wenn sie spannend inszeniert ist.

      VG, stiffelio