Schostakowitsch: Violinkonzerte Nr.1 und 2

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    • Eine sehr empfehlenswerte Einspielung des 1. Violinkonzerts, und auch der 9. Sinfonie. Neulich nur per mp3 und Kopfhörer gehört. Jetzt die CD über Lautsprecher, und das ist nochmal eine drastische Verbesserung: die Klangqualität ist ausgezeichnet. Die Orchesterbegleitung ist sehr präsent, Bässe und Bläser kommen gut durch. Herrlich auch die Kadenz, mit extrem filigranen Flageoletttönen, im Forte satter, warmer Violinenklang. In der Coda im Finale zieht Kavakos nochmal richtig das Tempo an.

      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
      This is Bartolo, King of the King of Wines. --- Alan Tardi
    • maticus schrieb:

      Lieber Braccio,

      von Hilary Hahn kenne ich nur eine DVD (Berliner Phil., Mariss Jansons). Empfand ich auch als technisch perfekt, aber emotional kühl. Baiba Skride finde ich da besser. Ebenso Lisa Batiashvili.

      maticus

      Dieser Empfehlung folge ich hiermit (noch keine CD Aufnahme mit dem 1. Violinkonzert habend und zunächst mal schon allein das Orchester bei Schostakowitsch sehr, sehr schätzend dank der diversen Jansons Symphonieaufnahmen):



      Habe die DVD mit Hahn/Jansons und möchte morgen die Aufnahme mit Batiashvili/Salonen besorgen. Bin dann gespannt auf den Hörvergleich. Danke für den Impuls!
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Wow! Was hier Frank Peter Zimmermann beim Ersten hinlegt, ist sagenhaft:

      "https://www.youtube.com/watch?v=uBuhjIhe6WY

      Eine derart virtuose Cadenza habe ich noch nicht gehört. Bravo!

      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
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    • Oh! Ja!
      Über Frank Peter Zimmermann wurde hier schon sehr viel Gutes berichtet.
      Was ist das denn für ein Supergeiger?!!
      Das 2. Vk in der Digital Concert Hall mit Mariss Jansons ist schon super und diese youtube Aufnahme zeigt ihn auch von der besten Seite, Auch wenn die Begleitung.... Na, Ja.
      Dann schon eher Viktoria mit Orchester!
      Aber insgesamt wünsche ich mir Zimmermann mit adäquatem Orchester in heutiger Tontechnik und.... "Gut iss" für ein paar Jahre mit Sammeln!
      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Das 1. Violinkonzert ist wohl eines der Musikstücke, die ich am häufigsten höre. Unter den Solokonzerten sicherlich an erster Stelle.

      Ein wenig vergleichend habe ich mir die Aufnahmen der folgenden drei Damen angehört:




      Ich halte alle drei für sehr gute Aufnahmen. Jede hatte ihre kleinen Vor- und Nachteile. Sarah Chang (mit Rattle und den Berlinern, 2006 live) hat vielleicht den etwas (!) dünneren (aber keineswegs kraftlosen) Violinton. Aber dadurch bekommt das Konzert eine eigene Intimität, insbesondere in der Passacaglia und der Cadenza. Bei Baiba Skride (mit Mikko Franck und den Münchner Philharmonikern, 2005 live) finde ich das Scherzo sehr gelungen (insbesondere der Orchestereinsatz klingt stark und mit grotesk-anmutender Perkussion). Dafür finde ich, dass sie im Finale etwas (!) schwächelt. Insgesamt am "souveränsten" von den dreien ist wohl das Spiel von Lisa Batiashvili (mit Salonen und dem BR SO, 2011), wobei sie im Finale besonders stark ist. Auch ihre Cadenza gefällt mir sehr. Batiashvili hat hier m. E. auch den "schönsten" Ton, wobei das bei diesem Konzert allerdings nicht unbedingt ein Pluspunkt sein muss. (Und es mag auch der Aufnahmetechnik geschuldet sein.)



      Ich würde mich aus heutiger Sicht ungern für nur eine der drei entscheiden wollen.

      Spielzeiten
      Chang: 12:03 - 6:38 - 8:46, 4:44 - 5:03
      Skride: 13:10 - 6:41 - 9:44, 5:06 - 4:49
      Batiashvili: 12:22 - 6:17 - 9:07, 5:03 - 4:50

      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
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    • Danke maticus wieder einmal für Deine Impulse, ich finde auch, dieses Werk geht (einmal mehr bei Schostakowitsch) total unter die Haut – eben durch die Psychologie hinter den Noten. Da ist (so empfinde ich es) nichts mehr vom äußerlichen Glanz eines reinen Virtuosenkonzerts, da wird bei entsprechender Interpretation das Solo zur Stimme des Einzelnen in ihn bedrückender Umgebung.

      Ich habe es auch in letzter Zeit intensiver und so gehört: Das eröffnende Nocturne (Moderato) lässt die Solistin oder den Solisten über düsteren Grundfarben monologisieren – der Mensch allein in der Diktatur, die ihn bedroht, er ist auf sich gestellt, aber er lebt, doch wie kann er sein Leben leben, ohne ständig in Angst verharren zu müssen? Mit der Harfe und anderen Klangfarben mischt der Komponist die Partitur die Intensität steigernd auf. Das Scherzo des 2. Satzes (Allegro) wirkt auf mich quirlig, unruhig, durchaus auch gehetzt, und hier findet sich auch wieder das Initialmotiv des Komponisten, D-Es-C-H, trotzig, womit der außermusikalische Bezug seinen eindeutigen Stempel erhält: „Ich selbst, Dmitri Schostakowitsch, bin der Bedrohte. Hört ihr meinen inneren Aufschrei?“ Die Passacaglia des 3.Satzes (Danke maticus für den Impuls mit dem „Invasionsthema“ aus der 7. Symphonie!) vermittelt archaische Größe,sie mündet in die Cadenza, die ruhig beginnt und sich zu einem erneuten Aufschrei mit dem Initialmotiv mittendrin steigert, bis sich das Geschehen in einem Volksfest, fast einem Derwischtanz der Final-Burlesque (Allegro con brio– Presto) entlädt. Ein atmosphärisch ganz starkes Werk, das einen ziemlich durchbeutelt.

      Kennengelernt habe ich es mit der Ö 1 Liveübertragung des 8. Abonnementkonzerts der Wiener Philharmoniker aus dem Großen Wiener Musikvereinssaal am 23.4.2006. Valery Gergiev hat damalsauch Schostakowitschs Symphonie Nr. 9 dirigiert – und Wolfgang Amadeus MozartsKlavierkonzert d-Moll KV, das Markus Schirmer gespielt hat.Solist in Schostakowitschs Violinkonzert Nr. 1 war Vadim Repin.

      Nach der nun hier auch von maticus positiv bewerteten CD Aufnahme (habe mich schon aufgrund eines vorhergehenden Postings für sie entschieden) mit der aus Georgien stammenden Lisa Batiashvili, die auch beim Oistrach-Schüler Mark Lubotsky in Hamburg studiert hat (laut Lubotsky sprach Oistrach was dieses Konzert betrifft von „Shakespeare-Rollen“), entstanden imMai 2010 im Herkulessaal der Münchner Residenz mit Esa-Pekka Salonen und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (CD DGG 477 9299, die Debüt CD der Künstlerin beim Gelbetikett), bin ich nun bei der Neubegegnung sofort für das Werk wie für die Aufnahme gewonnen. Lisa Batiashvili spielt innig, intensiv,ungemein berührend, und das Orchester, mit Chefdirigent Mariss Jansons durcheinige Schostakowitsch Symphonien „geimpft“, weiß die Klangfarben spannendauszuloten.



      Ich habe die Gelegenheit genutzt, nun gleich ein Konzertdokument von DVD mit diesem Werkkomplett anzusehen (erlaube mir, hier auch DVD Aufnahmen einzubringen, hoffe das stört nicht). Am 26.11.2000 spielte Hilary Hahn das Werk in der Suntory Hall in Tokyo live und vor Fernsehkameras, begleitet von Mariss Jansons und den Berliner Philharmonikern (DVD EuroArts 2050448). Jansons dirigiert ohne Taktstock, auch Schostakowitschs Konzert,das auf mich akustisch eine Spur kühler wirkt als in der Aufnahme aus München, wobei die Kühle dem Werk nicht schlecht steht. Hilary Hahn sieht aus wie ein unschuldiger Engel (was allemal vorteilhaft für ihre „Vermarktung“ ist), das verführt beim Hören auch optisch zur anzunehmenden Innigkeit wie bei Batiashvili, zumal inder virtuos sich aufschwingenden Kadenz, wo sich ja auch wieder das Initialmotiv D-Es-C-H mitten aus der erregendsten Steigerung heraus zu Wort meldet.



      Alle Schostakowitsch Symphonien und Konzerte mit Valery Gergiev und dem Orchester des Mariinsky Theaters, live im Pariser Salle Pleyel 2013/14 aufgenommen (DVDBox Arthaus 107551), brachten so wie ich es höre ein extrem hohes Tableau des Spielniveaus, mehr den perfekten Abruf präzisest vorbereiteter Einstudierung als ein Werden, als ein Durchleben der Musik, so auch beim Violinkonzert Nr.1, aufgenommen am 18.2.2014 wie schon in Wien 2006 mit dem Solisten Vadim Repin, der sich der Abgeklärtheit des Orchesterspiels kongenial anpasst. Da wird das Werk mehr Nachhall einer Krise, verklärte Erinnerung, in den Schärfen etwas eingeebnet zu statischer Klangherrlichkeit, als das Durchleben der Krise selbst neu fühlbar zu machen.



      Mit den von mir bekanntermaßen besonders geschätzten Wiener Philharmonikern liegt keine CD Aufnahme des Werks vor, dafür hat das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im neuen Jahrtausend mit Batishvili/Salonen die bereits zweite Aufnahme herausgebracht. Die erste entstand (zusammen mit Schostakowitschs Violinkonzert Nr. 2) von 3. bis6.5.2006 im Münchner Herkulessaal der Residenz mit der aus München stammenden Arabella Steinbacher und dem damals aufstrebenden Jungdirigenten Andris Nelsons(CD Orfeo C 687 061 A). Arabella Steinbacher hat dieses Konzert erstmals im November 2003 in Monte Carlo gespielt. Der Gesamteindruck bleibt stark,wenngleich die akustische Lösung etwas überrascht, die beherzt spielende Violine in die Klangmitte mehr einzubetten als sie hervorzuheben. Dadurch kommt Schostakowitschs farbiger Orchestersatz, von Nelsons glutvoll emotional aufbereitet, hier umso deutlicher zur Geltung und man achtet automatisch genauer auf Instrumentalsoli und Klangmischungen. Der 2. Satz wirkt in diesersehr farbigen, nicht ganz so „bedrohlichen“ Aufnahme auf mich mehr burlesk als unheimlich, auch das Initialmotiv „tanzt mit“.

      Und ausgerechnet in die Zeit meiner Beschäftigung mit Schostakowitschs Violinkonzert Nr. 1 (das ist auch ein "Tick" von mir, wenn ich Werke intensiver höre, nach aktuellen Radiosendungen mit ihnen zu suchen) fällt eine Radio-Konzertaufzeichnung, BR-Klassik am 23.12.2015: Die Bamberger Symphoniker, Leitung der Chefdirigent des Orchesters ab 2016 Jakub Hrůša, Solistin Karen Gomyo (Violine, Debüt bei diesem Orchester). BR-Klassik brachte dieAufzeichnung aus der Bamberger Konzerthalle (Joseph-Keilberth-Saal) vom 14.11.2015. In Dmitri Schostakowitschs Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 a-Moll op. 77 haben die BR Tontechniker die Violine diesmal wieder in den Vordergrund gerückt, wodurch die Innigkeit und verzweifelte Einsamkeit doch deutlicher mitfühlbar wird. Das Orchester bringt sich sehr präsent ein, dadurch ersteht erneut eine ganz intensive Interpretation. DieSolistin gestaltet den 1. Satz als echten inneren Aufschrei, sodass man noch einmal ganz unmittelbar mitleben und mitleiden kann. Im Scherzo springt dieVioline hier wieder gehetzt über Stock und Stein, das ist ähnlich der„Verfolgungsjagd“ im Scherzo der 8. Symphonie, ungleich verbissener unddramatischer als bei Steinbacher/Nelsons. Da spürt man geradezu, wie der Staat hinter Schostakowitsch her ist, wie er ihm im Nacken sitzt. Phantastisch aufgezogen das Orchester, um Leib und Leben, „verzweifelt dagegenhaltend“ die Solistin. Da kommen die Passacagliaschläge gewichtig wie eine schwere, den Betroffenen extrem erschütternde Anklage vor Gericht, und er (die Solistin)versucht, mit Herz und Seele erneut dagegenzuhalten. Ganz starke, intensiveMomente! Die Cadenza wird zum eindringlichen Plädoyer, im dem der Angeklagte das Innerste schonungslos nach außen kehrt. Das Tanzfest danach verstört eherin seiner plötzlichen bunten, unbeschwerten Ausgelassenheit. Eine grandiose Interpretation wie ich finde, eine tolle Aufnahme, schade, dass der BR im Vergleich zu anderen Radiosendern vielfach zurückhaltend ist mit den Nachhörmöglichkeiten.

      Mir hat diese Konzertaufzeichnung im Radio eigentlich am besten gefallen, vor allem mit Batiashvili/Salonen bin ich aber auch sehr froh, vor allem diese CD werde ich was dieses Werk betrifft sicher immer wieder gerne anhören.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Doc Stänker schrieb:

      Aber insgesamt wünsche ich mir Zimmermann mit adäquatem Orchester in heutiger Tontechnik und.... "Gut iss" für ein paar Jahre mit Sammeln!
      Ich könnte schwören, dass ich irgendwo gelesen habe, Zimmermann würde die beiden Schostakowitsch-Konzerte einspielen, aber inzwischen finde ich nirgendwo mehr einen Hinweis darauf. Ich hoffe, dass das kein Wunschtraum war.

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Lieber Alexander,

      ich danke für Deine Besprechung der Aufnahme mit Arabella Steinbacher. Ich habe mich bisher nicht dazu durchgerungen, sie zu kaufen.

      Apropos Invasionsthema. Ich habe eben meinen eigenen Hinweis dazu nochmal nachgelesen. Ich hatte geschrieben, dass es zu Beginn der Passacaglia in den Hörnern auftaucht. Das ist falsch, es sind die tiefen Streicher. Hatte das wohl aus einer falschen Erinnerung heraus geschrieben.

      Der Hinweis auf Karen Gomyo ist sehr interessant. So wie Du es beschreibst, hätte ich das Konzert gerne gehört. Es gibt aber, wie ich soeben sehe, auf der Homepage von der jungen Dame das ganze Konzert (mit Kirill Karabits und dem Dänischen Rundfunksinfonieorchester) als HD-Video. Wie es sich mit dem von Dir gehörten Konzert in Bamberg vergleicht, kann ich natürlich nicht sagen.

      Lieber Christian,

      ich hoffe sehr, Du hast Dich nicht getäuscht. Nach dem Video mit Frank Peter Zimmermann, das ich gestern gesehen habe, bin ich, wie der Doc, an einer solchen Neuerscheinung natürlich auch sehr interessiert.

      maticus

      Nachtrag: Wow! Habe mir gerade das Video mit Karen Gomyok reingezogen. Ich bin sehr beeindruckt. Eine wirklich mitreißende Vorstellung, sehr intensiv. Also, um den Violinist(inn)en Nachwuchs auf diesem Planeten, müssen wir uns wohl keine Sorgen machen.
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
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    • Violinkonzert Nr.1 mit Victoria Mullova / Paavo Järvi (2013)

      Wenn ich mir diesen megainteressanten Thread heute ansehe, stelle ich fest, dass ich "vom grössten Violinkonzert aller Zeiten" trotz meiner zahlreichen favorisierten Aufnahmen noch weitere brauche, die hier im Laufe der Zeit hier zur Sprache kamen - dies sind in erster Linie: Kogan 62 - Mullova - Batiashvili.

      Doc Stänker erwähnte schon am Anfang dieses Threads die Aufnahme mit Victoria Mullova (Philips). Diese Aufnahme habe ich mir allerdings wegen dem Dirigenten Andre Previn verkniffen, dem ich einfach nicht die passende und glutvolle Orchesterbegleitung für dieses aufwühlende Werk des Aufschreis zutraue ! :?: Ein Fehler ???

      Ich möchte aber auf eine recht aktuelle Mullova-Aufnahme, die ich heute auf YT gefunden habe ( ;) auf Previn verzichtend) hinweisen:
      Mullova / Deutsche Kammerphilharmonie Bremen / Paavo Järvi vom Dezember 2013 (wurde auf ARTE ausgestrahlt)
      "https://www.youtube.com/watch?v=XrEhLKMLNH8"

      :!: Nicht nur die Interpretatation von Mullova / P.Järvi scheint mir sehr gelungen, sondern auch das vor dem Konzert hier aufgezeichnete Gespräch über das VC Nr.1 zwischen Mullova und Paavo ist mehr als interessant anzuhören (daher die Dateidauer von 40:39).
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Lieber Wolfgang,

      danke für den Hinweis auf das Mullowa/Järvi-Video. Ich habe das vor gut drei Monaten gesehen, aber versäumt, hier kundzutun. Habe es gerade noch einmal geschaut. Und es ist in der Tat eine sehr gute Aufführung. Auch die Orchesterbegleitung ist sehr gut. Interessant finde ich, dass sich Viktoria Mullowa wenig bewegt (man vergleiche das etwa mit den Videos mit Frank Peter Zimmermann bzw. Karen Gomyok), fast stoisch, und umso positiv überraschender ist es, wie virtous sie dennoch spielt. Als erfahrene Violinistin geht sie wohl sehr mit ihren Bewegungen sehr effizient um.

      Die CD mit Previn kenne ich nicht. Aber ich würde Previn nicht generell abwerten. Nur ist die Einspielung ja schon recht alt (1989). Daher kann man wohl schlecht vom Video auf die CD schließen.

      Das Gomyok-Video dürfte Dich bestimmt auch interessieren. Ich finde das Spiel von Karen Gomyok mitreißender als das von Viktoria Mullowa. Und die Orchesterbegleitung ist auch nicht schlecht.

      maticus
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    • "Interessant finde ich, dass sich Viktoria Mullowa wenig bewegt"

      Kein Wunder, sie hat bei Kogan gelernt. :D
      Genauer: In seinem (heute sagt man) "Team"
      In der russischen Schule alten Stils bewegt man sich nur wenig. Beste Beispiele sind Heifetz, der wie angewurzelt stand und eben Kogan.
      "Die Mullova" war wohl die Beste, die aus dieser Schule in den 80igern hervorkam.
      Sie wurde schnell berühmt, denn es kam dazu die Wahnsinnsgeschichte von der Flucht in die US Botschaft in Schweden, etc. etc. Der Stoff eben, aus dem Geschichten gemacht werden. Und es umgab sie die Aura der Unnahbaren, der Eiskönigin.
      Heute ist sie viel lockerer, man sieht es im Konzert, sie gönnt sich ein Lächeln. Musikalisch macht sie sogar Crossover mit Ihrem Partner Matthew Barley und ist inzwischen erstaunlich gut drauf, auch wenn Sie nicht mehr die Superklasse der 80iger und 90iger Jahre hat. Dafür ist sie viel entspannter und wie man mit Paavo Järvi sehen kann, wenn es drauf ankommt, immer noch Weltklasse.

      Ich habe sie 2-mal erlebt. In den Pausen parlierte sie locker im Foyer mit Besuchern und Bewunderern. Da sollte mal ne andere hinkriegen.
      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Der Secondhandladen M2 (München, Rosenheimer Straße) hat sein Klassikangebot nach einigen Jahren der Stagnation seit einiger Zeit wieder etwas aufgewertet, einen Extraraum dafür eingerichtet, sehr übersichtlich geordnet.

      Aus den aktuellsten Mitbringseln gestern erstmals gehört



      Midori, Claudio Abbado, Berliner Philharmoniker

      Mein Höreindruck: Midoris rein spielende Geige schwebt wie ein Engel über den "Problemen" der Musik, die vom klanglich exquisiten Orchester feinfühlig differenziert ausgebreitet werden. In der Kadenz muss selbst dieser Engel kämpfen, im Finale tanzt er. Das Werk kann man "schmutziger" im Ohr haben, ich konnte mich jedenfalls hier der Suggestion der Musik bei der Neubegegnung nach ca. einem Jahr durchgehend nicht entziehen. (Das ist schon differenzierter Klangluxus pur, was das Orchester bietet.) Abbado hat ja nur wenig Schostakowitsch auf Tonträgern veröffentlicht, ich glaube außer diesem Werk nur die Chowanschtschina live aus der Wiener Staatsoper. Mit großer Neugier hätte ich mir etwa die späten Symphonien (13 bis 15) unter Abbados Leitung angehört, wären sie je auf Tonträgern erschienen.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Kogan revisited

      Nachdem ich gestern zum Leidwesen meiner Frau zig-mal die Passacaglia abgehört habe,
      komme ich zum Ergebnis, dass mir Kogan in seiner Verlorenheit und zugleich Agressivität am Besten gefällt.
      Vor Mullova, Oistrach, der mir (siehe oben) einfach zu schön klingt und den anderen u.a. Batashvilli.

      Es gibt etliche Aufnahmen mit Kogan, bei Panovnik findet man welche.

      Diese hier ist momentan meine Favoritin:
      Moscow Philharmonic Orchestra, Kirill Kondrashin - conductor
      Great Hall of Moscow Philharmonic, 03.10.1960
      Der mittlere Link funktioniert noch (3.12.2016)
      "http://panovnik.blogspot.de/2014/11/leonid-kogan-1958-1963-1960-flac.html#comment-form"

      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Frank Peter Zimmermann

      Ich weiss nicht, ob die folgende neue CD hier irgendwo im Forum schon erwähnt wurde:



      Sie soll am 2.11.2016 erschienen sein. Ich habe sie vor einer Woche bei am* bestellt, sie ist aber "derzeit nicht auf Lager". Weiss jemand, ob sie überhaupt schon erschienen ist? Gerade heute habe ich zum ersten mal Zugriff auf die mp3s, die zuvor auch nicht verfügbar waren. (Die Aufnahme stammt übrigens aus der Musikhalle.)


      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
      This is Bartolo, King of the King of Wines. --- Alan Tardi
    • AlexanderK schrieb:

      Midori, Claudio Abbado, Berliner Philharmoniker

      Bei jpc gibt es sie gerade sogar billiger:



      Abbado hat ja nur wenig Schostakowitsch auf Tonträgern veröffentlicht, ich glaube außer diesem Werk nur die Chowanschtschina live aus der Wiener Staatsoper.

      Diese CD habe ich im Rahmen dieser Box:



      in der auf einer anderen CD (neben Tschaikowskys 5.) noch Schostakowitschs Orchestrierung von Mussorgskys Lied Zyklus Lieder & Tänze des Todes enthalten ist.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • maticus schrieb:

      Ich weiss nicht, ob die folgende neue CD hier irgendwo im Forum schon erwähnt wurde:



      Sie soll am 2.11.2016 erschienen sein. Ich habe sie vor einer Woche bei am* bestellt, sie ist aber "derzeit nicht auf Lager". Weiss jemand, ob sie überhaupt schon erschienen ist? Gerade heute habe ich zum ersten mal Zugriff auf die mp3s, die zuvor auch nicht verfügbar waren. (Die Aufnahme stammt übrigens aus der Musikhalle.)


      maticus

      Ja, hier:

      Lionel schrieb:

      Seit Anfang November 2016 erhältlich:


      (AD: 06. & 09. Dezember 2012 [VK 1] & 29./30. Oktober 2015 [VK 2], Laeiszhalle, Hamburg, live)

      Bei unseren Partnern erhältlich.
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Ausgehend von einem sensationellen Live-Erlebnis mit Leonidas Kavakos und dem NDR Elbphilharmonie Orchester unter der Leitung von Jukka-Pekka Saraste am 8. Juni 2018 in der Elbphilharmonie habe ich mir jetzt einen Monat lang die in meiner Sammlung vorhandenen Aufnahmen des Schostakowitsch-Violinkonzerts Nr. 1 op. 77 relativ intensiv angehört. Wer mich etwas näher kennt, weiß, dass ich eher zu der "Früher war alles besser"-Fraktion gehöre, sodass selbstredend die David Oistrach-Aufnahmen mit Mrawinsky (auf Orfeo) und mit Roshdestwenskij (auf BBC Legends) pflichtschuldigst meinen Hörschwerpunkt bei diesem Werk bildeten. Flankiert durch andere russische Aufnahmen wie z.B. mit Viktor Tretjakow und Vladimir Fedossejew. Ich mochte aber immer auch die (westliche) Aufnahme mit Leila Josefowicz und dem City of Birmingham Symphony Orchestra unter der Leitung von Sakari Oramo sehr gern.

      Ich habe mir nun - hauptsächlich wegen des Borgström-Violinkonzerts op. 25, nicht etwa wegen Schostakowitsch Nr. 1 - die Debüt-CD von Eldbjorg Hemsing mit den Wiener Symphonikern unter der Leitung von Olari Elts auf BIS Records (aufgenommen im September 2015 in Wien, erschienen 2018)

      zugelegt. Nach zahlreichen Hördurchgängen bin ich inzwischen zu der Meinung gelangt, dass dies die beste Aufnahme von Schostakowitsch Nr. 1 ist, die ich kenne. Diese junge norwegische Geigerin mit ihrer 1754er Guadagnini-Violine ist eine echte Entdeckung! Ihre Interpretation des Werks zieht mir die Schuhe aus. Oder besser gesagt: sie zieht mich in den Bann ab dem ersten Ton. Und auch die Orchesterbegleitung der Wiener Symphoniker ist so gut, wie ich es bisher noch nicht gehört habe. Die Spannung der Aufführung ist gänsehautverursachend, geht ins Mark. Hat man jemals die Passacaglia und die anschließende Kadenz so durchdringend gehört? Und das dann noch in einer konkurrenzlosen Tonqualität, die vermutlich sogar teleton zufrieden stellen wird.

      Nun ja - ich will nicht zu sehr schwärmen. Hört Euch diese Aufnahme selbst an. Für mich ist dies die Violin-Aufnahme des Jahrzehnts. Auch wegen des herrlichen Borgström-Violinkonzerts, das den Anfang der CD bildet. Ein Komponist, der bei mir bisher noch überhaupt nicht stattgefunden hat.
      Für Rapper ist das Wort "ficken" dasselbe wie für Schlümpfe das Wort "schlumpfen". Es ersetzt einfach alle anderen Tu-Wörter. "Alter, hab' ich voll gefickt, ey" kann auch heißen: "Die Überweisung ist gestern bei uns rausgegangen."
      (Dieter Nuhr)
    • Danke, lieber music lover, für diesen interessanten Hinweis. Bestellung ist schon rausgegangen, zumal ich ja inzwischen großer BIS Fan bin.

      Apropos BIS. Der Vollständigkeit halber möchte ich noch meine spontanen Einschätzungen der Einspielung beider Konzerte mit Frank Peter Zimmermann vom 3.12. und 13.12.2006 hier aus "Eben gehört" rezitieren (Cover siehe weiter oben):

      Frank Peter Zimmermann, Alan Gilbert, NDR Elbphilharmonie Orchester (rec. live, Musikhalle Hamburg)

      maticus schrieb:

      [3.12.2016] Sehr kraftvolle Aufnahmen beider Werke. Die Kadenz von FPZ im Ersten ist
      der Wahnsinn; das war mir schonmal in einem yt-Video aufgefallen. Das
      Zweite geht er gefühlt sehr zügig an. Ein Blick auf die Dauer des ersten
      Satzes im Vergleich zu Kremer oder Vengerov bestätigt das. Einzig die
      Tomtoms (Jazztrommeln) könnten etwas plastischer und dominanter
      auftreten. Dafür schöne Glissandi-Effekte im zweiten Satz.
      Live-Aufnahmen; mir sind keine Zuschauergeräusche aufgefallen, auch
      Applaus ist nicht dabei.

      maticus schrieb:

      [13.12.2016] Sehr gute Interpretationen von Zimmermann, weit ab von Konfektionsware.
      Das orchestrale Gesamtklangbild ist okay, aber auch nicht weltbewegend
      gut. Allerdings kann ich nichts zu der Super-Audio Spur sagen.

      Komisch, irgendwie habe ich bei mir im Kopf abgespeichert, dass ich mit der Aufnahme eher so mittelmäßig zufrieden war. Vermutlich lag das in erster Linie am Orchester.


      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
      This is Bartolo, King of the King of Wines. --- Alan Tardi