Konzerte aus der Provinz

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Konzerte aus der Provinz

      Ich dachte mir, in diesem Thread werde ich von den ab und an von mir besuchten Konzert aus der vorpommerschen Provinz berichten (selten mal von Gastspielen meinerseits woanders).

      Do., 07.11.2013 Konzertkirche Neubrandenburg
      Neubrandenburger Philharmonie
      Dirigentin Romley Pfund
      3. Philharmonisches Konzert
      Gioacchino Rossini: Ouvertüre zur Oper "Die Italienerin in Algier",
      Johann Baptist Vanhal: Kontrabasskonzert D-Dur,
      Giovanni Bottessini: Variationen über die Arie "Nel cor piu non mi sento" aus Paisiellos Oper "La Molinara",
      Dmitri Schostakowitsch: 9. Sinfonie Es-Dur op. 70
      Solist: Michael Karg, Kontrabass


      Vanhals Kontrabasskonzert war für mich eine Premiere (und für meine Begleitung war es das erste Klassische Konzert überhaupt). Mal wieder haben wir den Altersdurchschnitt deutlich gesenkt. Wir saßen in der dritten Reihe vo vorn, aber da vor uns sonst niemand saß, war es quasi die erste Reihe. Das war eine interessante Perspektive, denn gerade beim Solistenkonzert und der Bottessini-Variation konnten wir wirklich jede einzelne Fingerbewegung des Solisten sehen, was mich wirklich fasziniert hat. Überhaupt war Michael Kargs Leistung sehr beeindruckend, er hat perfekt zwischen heftig und sanft variieren können.
      Die Rossini-Overtüre war zwar ungemein klar und sauber gespielt, mir fehlte dahinter aber ein bisschen der Pep, der Drive, alles ein bisschen zu zahm.
      Auf Schostakowitschs 9te hatte ich mich am meisten gefreut und wurde auch nicht enttäuscht, klasse ausbalanciert und emphatisch gespielt, es hat mich richtig weggetragen, so sehr, dass ich eine viertel Stunde vor Schluss in einen regelrechten "Hör-Flow" geraten, dass ich regelrecht aufgeschreckt bin als es plötztlich vorbei war.
      Auch meine begleitung bescheinigte, einen sehr schönen Abend gehabt zu haben und versicherte, gerne wieder einmal ein Klassisches Konzert zu besuchen.
      Was will man also mehr?

      Kleine außermusikalische Beobachtung : der etwas ältere Cellist, der einer der jüngeren Violinistinnen animierende Blicke in Richtung des Kontrabass-Solisten zuwarf, nach dem Motto : 'Na, wär der nicht was für dich?'
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Letzte Woche durfte ich ganz kurzfristig mal wieder ein Konzert besuchen :

      12.06.14, 19.30 Uhr, Konzertkirche Neubrandenburg

      Neubrandenburger Philharmonie

      Benjamin Britten: Simple Symphony
      Jean Sibelius: Violinkonzert d-Moll op. 47
      Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67

      Solistin:
      Azadeh Maghsoodi

      Dirigent:
      Stefan Malzew


      10 Minuten vor Beginn bekam ich die Nachricht, dass eine Karte für mich zurückgelegt worden sei, also habe ich mich flugs auf mein Fahrrad geschwungen und bin hingehetzt. Kam leider mitten in Brittens Simple Symphony an von der ich leider daswegen nur noch die letzten Takte mitbekam.
      Froh war ich aber vor allem, dass ich es rechtzeitig zum Violinkonzert ggeschafft hatte, weil es das Stück war, dass mich am meisten gereizt hat. Ich habe es noch nie live gehört. Es war denn auch ein großes Erlebnis für mich...wenn finnische Alkoholiker Musik schreiben, dann bebt die Seele. Die Solistin hatte zwar ein zwei Unsicherheiten drin, aber ansonsten hat sie mit sehr viel Herzblut gespielt. Das Timing war sehr gut und gerade im zweiten Satz fand ich sie wirklich ganz wunderbar.
      Nach dem Applaus hat sie dann noch eine kleine Weise aus ihrer iranischen Heimat gespielt, was mir auch gut gefallen hat.
      Nach der Pause dann beethoven...sehr kraftvoll, mit kernigem Tempo. Beim Hören wurde mir das erste Mal klar, wie diese Musik damals auf die Leute gewirkt haben muss, die derartiges nicht gewöhnt waren, das Revolutionäre an Beethoven eben.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Gestern mal kein Konzert, sondern Oper, genauer romantisch-komische Oper:

      Martha von Friedrich von Flotow


      im Landestheater Neustrelitz

      Musikalische Leitung Markus Baisch
      Chorleitung Dr. Gotthard Franke
      Dramaturgie Lür Jaenike
      mit Ryszard Kalus| Lena Kutzner| Anna Maistriau| Sebastian Naglatzki| Angelo Raciti| Mario Thomann |
      Opernchor des Landestheaters Neustrelitz, davon solistisch: Lothar Dreyer, Grit Kolpatzik, Markus Kopp, Barbara Legiehn, Hyoung-Jun Lim, Bernd Richert, Verena Schuster | Extrachor des Landestheaters
      Neubrandenburger Philharmonie
      INSZENIERUNG: Thomas M. Meyer
      BÜHNENBILD: Bernd Franke
      KOSTÜME: Renée Günther


      Ganz ehrlich, das wäre jetzt keine Oper gewesen auf deren Besuch ich ausdrücklich bestanden, noch mir gewünscht hätte. Es war eher eine spontane Einladung, die ich dann aber doch nicht ausschlug. Und da saß ich also nun.
      Ob es nun daran lag, dass man die Texte im Großen und Ganzen verstand und deren leicht angestaubte Attitüde mir deswegen so ausgetoßen ist, wer weiß. Vielleicht gibt es ja ein emanzipatorisches Element in dem Stück, vielleicht auch was Revolutionäres für die damalige Zeit, was freilich hinter netter Romantik und Drolligkeit versteckt wird. Mich hat es trotzdem nicht vom Hocker gehauen. Die Inszenierung und Regie hat dann auch keine Experimente gemacht und alles auch genau in dem Muff belassen. Kann man drüber streiten.
      Das Orchester hat großartig gespielt, die Sänger waren toll, hier besonders die Mezzosopranistin Lena Kutzner, die sowohl sängerisch als auch schauspielerisch für mich die herausragenste Gestalt war.
      Letztlich war das auch keine schlechte Musik, aber auf dem Weg nach Hause hatte ich das meiste davon eigentlich schon wieder vergessen und das obwohl es ja doch eindeutig auf Ohrwurmqualitäten getrimmt war. Das ist alles an mir vorbei gegangen.
      Ganz nett.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Amarcord in der St. Georgenkirche zu Eisenach

      Aus dem Thread zu den Konzerten in München hierher verschoben.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK, Moderation


      Liebe Capriccio-Freunde, vor wenigen Stunden habe ich in der Georgenkirche zu Eisenach, am Taufstein Johann Sebastian Bachs, ein wunderbares Konzert erlebt. Die Gruppe Amarcord, als Amarcord plus verstärkt durch die Sopranistinnen Angelika Lenter und Susanne Langner, hat Werke gesungen von Johann Sebastian Bach (die Motetten "Lobet den Herrn alle Heiden" und "Jesu, meine Freude") und anderen Komponisten, die allesamt schon vor Johann Sebastian gestorben sind (Johann Christoph Bach +1703, Johann Michael Bach +1694, Heinrich Schütz +1672, Philipp Heinrich Erlebach +1714, Liebholdt +1726 und Johann Hermann Schein +1630). Mit diesem Konzert wurde das Bachfest Eisenach 2018 eröffnet.
      Der Eintritt war frei, denn ein ungenannter Sponsor hatte das Konzert finanziert, verbunden mit der Erwartung, dass die Spenden am Ausgang zur Finanzierung des Bachfestes dienen. Eine vollbesetzte Kirche bis zur dritten Empore, ohne dass Eintritt verlangt wird, das hat man sonst nur am Heiligabend. Und diese Musik war ein Geschenk des Himmels!
      Zwei Werke waren für mich köstliche Neuentdeckungen:
      1. "Da Jakob vollendet hatte" von Johann Hermann Schein mit mystisch anmutenden Sexten, die im Halbton-Abstand hin- und herwogen. Wenn man diese Stichworte (Titel und Komponist) bei Youtube eingibt, werden verschiedene gute Aufnahmen angezeigt.
      2. "Unser Leben währet siebenzig Jahr". Wenn man das eingibt, werden verschiedene Komponisten mit Vertonungen auf diesen Text (Psalm 90) angegeben, man muss sich dann den Johann Michael Bach heraussuchen. Die Aufnahme (Vox luminis 2012) hat wahrscheinlich jemand mit seinem Smartphone hergestellt, man hört Atmen und Hüsteln, doch selbst wenn das wegdenkt, liegen Welten zwischen dieser Interpretation und der heute erlebten kristallklaren Durchsichtigkeit. Da hört man noch die alte, von vielen älteren Menschen geliebte Bibelübersetzung "und wenn's köstlich gewesen ist, so ist's Mühe und Arbeit gewesen". Die Worte "Müh und Arbeit" werden mehrfach eintönig wiederholt, wie eben Arbeit manchmal stumpfsinnig ablaufen kann. Bei dem "denn es fähret schnell dahin" hören wir schnell trippelnde Achtel und bei dem "als flögen wir davon" geht ein Melodiebogen in die Höhe - und aus ist das Werk! Solch einen Schluss habe ich in der Alten Musik noch nie gehört. Ein Vogel fliegt oben zum Fenster hinaus - wie die Seele eines verstorbenen Menschen: der Rest ist Schweigen... So illustratorisch hätte das Johann Sebastian bestimmt nicht gemacht, aber es muss ja nicht immer J.S.B. sein...
      Die heutige Interpretation seiner Motette "Jesu, meine Freude" könnte man als Referenzobjekt für die Ewigkeit nehmen!
      Was ich auch ganz toll fand: Als eine Zugabe gefordert wurde, kam noch eine Komposition aus der großen Bach-Sippe. Man hat sich also verkniffen, irgendeinen modernen erfolgreichen Ohrwurm zu bringen. Der hätte dann vermutlich alle anderen gehörten Werke etwas zurückgesetzt, gleichwohl das Publikum ein sehr qualifiziertes war.
      Unterhaltsam war auch folgende Ansage: KMD Christian Stötzner, Leiter des hiesigen Bachchores und Intendant des Bachfestes, der Amarcord plus bei "Lobet den Herrn alle Heiden" am Continuo begleitete, war selbst einst Thomaner, und drei der Amarcord-Sänger haben Christian Stötzner noch als 1. Präfekten erlebt!
      Wer also die Chance hat, dieses Konzert irgendwo zu hören, sollte unbedingt hingehen! Herzlichst Wolfgang
      Auf dem Wege durch die Welt wirst auch du stets angebellt. Hör nicht hin, geh ruhig weiter, nimm das Lästern still in Kauf; denn dann hören deine Neider schon von selbst zu Kläffen auf! (Krylow)
    • EINTAUCHEN IN RÜCKERT-KLAVIERLIEDWELTEN

      Ein Rückert – Liederabend mit Julian Prégardien (Tenor) und Rudi Spring (Klavier) im Stadttheater Lindau, 29.10.2018, persönliche Eindrücke

      Wen aller hat der in mehr als 40 Sprachen bewandert gewesene Dichter, Sprachgelehrte, Übersetzer und Orientalist Friedrich Rückert, geboren 1788 in Schweinfurt, gestorben 1866 in Neuses, dazu inspiriert, seine Texte zu vertonen?

      Sicher fällt dem Musikinteressierten da sofort der der Welt abhandengekommene Gustav Mahler ein, auch Robert Schumanns Widmung und Franz Schuberts Du bist die Ruh basieren ja auf Rückert-Gedichten.

      Julian Prégardien und Rudi Spring (das Programm wurde 2016 von einem Münchner Veranstalter zum 150. Todesjahr Rückerts initiiert) bieten aber viel mehr als nur diese selbstverständlich auch im Konzert enthaltenen „Hits“.

      Sie fächern ein Kaleidoskop an Rückert-Vertonungen von Zeitgenossen des Dichters bis ins 21. Jahrhundert auf. Wir hören in klug und stimmig zusammengestellten Blöcken Klavierlieder von Robert und Clara Schumann, Franz Schubert, Rudi Spring, Gustav Mahler, Franz Liszt, Josephine Lang, Robert Franz, Hans Pfitzner, Robert Kahn, Bernhard Sekles und Carl Loewe.

      Rudi Spring bietet dazu kurze Komponistenporträts und Werkeinführungen mit all den Aspekten, die den meisten im vollbesetzten, hochgespannt konzentrierten Theater wohl weniger geläufig sind.

      Jedes Lied hat ja seinen eigenen Charakter, seine eigene Atmosphäre, seine eigene Stimmung, ob filigran verhalten, ob kämpferisch deklamierend, ob humoristisch pointiert. Mit dem hellen, herzerwärmend sympathisch für sich einnehmenden Tenor Julian Prégardiens und Rudi Springs hochkonzentriert hochmusikalisch vollendet mit dem Sänger abgestimmter je nach Lied feingliedriger bis vollgriffiger Klaviergestaltung durchleben wir allerlei Liedwelten, die staunen machen, Lust machen sich mehr mit all dem zu befassen und vor allem und zu allererst ganz spontan eins nach dem anderen zu Herzen gehen.

      Gestartet wird mit einen Schumann-Block und da wiederum mit dem „Top Hit“, Robert Schumanns Widmung aus den „Myrthen" op. 25 Nr. 1. Rudi Spring verweist darauf, dass der Liedtitel von Robert Schumann stammt. Aber schon die Nr. 25 daraus Aus den Östlichen Rosen und auch die Nr. 8 Flügel! Flügel! aus „Liebesfrühling" op. 37 wecken einmal mehr die Neugier, sich noch viel öfter und intensiver mit der großen Klavierliedwelt zu befassen, allein schon mit der der Schumann-Familie, denn auch Clara hat ja Klavierlieder komponiert. Wir erfahren, dass damals nur drei ihrer Rückert-Vertonungen gedruckt wurden, das vierte, im Konzert zu hören, musste auf das Jahr 1992 (!) warten, wiederentdeckt zu werden - Die gute Nacht (zum 8. Juni 1841).

      Rückert war, so erklärt Rudi Spring, 1818/19 in Wien. Franz Schubert hat dessen Gedichte wohl aus dem Freundeskreis erhalten. Insgesamt hat Schubert sechs Rückert-Gedichte vertont. Eine musikalische Offenbarung wird der nun folgende zunächst vier Lieder daraus umfassende Franz Schubert Block des Konzerts, die zerbrechliche Intensität von Schuberts Liedkunst derart fesselnd einfangend, dass das ohnedies schon extrem still sich konzentrierende Publikum noch gebannter lauscht – Sei mir gegrüßt op. 20 Nr. 1, Dass sie hier gewesen op. 59 Nr. 2, Greisengesang op. 60 Nr. 1 und (wohl doch manchem im Theater schon bekannt, sei es aus eigenen Gesangsstunden oder vom Hören her) Lachen und Weinen op. 59 Nr. 4.

      Rudi Springs 2016 komponiertes Rückert-Liederbuch, sein wie es der Untertitel charmant charakterisiert Kleiner Tenorzyklus op. 94 D, bringt Ausdruckslieder, rezitativisch, Stimmungen verdeutlichend, kleine große Liedwelten, aber erst, nachdem der Komponist die Texte gelesen hat (Gedichte laut lesen, vortragen - ist das nicht auch schon Musik für sich?) - Was auch in meinem Garten, Wolkengestaltender Lufthauch komm!, Träufle die glühenden Tränen herab, Nicht den Ostwind sollst du fragen und Ein Schmetterling umtanzte meine Kerze wurden zur Vertonung ausgewählt. Schön, dass sich Julian Prégardien hier auch für den Komponisten Rudi Spring so eindringlich einsetzt!

      Franz Schuberts Die Wallfahrt D 778 A, so Rudi Spring, wurde auch erst im 20. Jahrhundert entdeckt. Aus Gustav Mahlers „Kindertotenliedern" hören wir Oft denk ich, sie sind nur ausgegangen, und das letzte der sechs Schubert/Rückert Lieder die es gibt und hier noch gefehlt hat wird zu einem ganz besonderen Höhepunkt, scheinen die Strophen doch immer intensiver wie Sonnenstrahlen aufzuleuchten - Du bist die Ruh op. 59 Nr. 3.

      Weitere Liedentdeckungen erfreuen bis erschüttern nach der Pause – zunächst Robert Schumanns Jasminenstrauch op. 27 Nr. 4, Franz Liszts oftmals jeweils anders sich gebendes Ich liebe dich und Das Paradies op. 25 Nr. 6 von Josephine Lang (1815-1880), einer aus München stammenden unter anderem von Felix Mendelssohn Bartholdy und Clara Schumann geförderten Komponistin, deren Liedbeitrag einmal mehr unterstreicht, dass es auch jenseits der bekannten Namen noch so unglaublich viel am Kunstliedsektor gibt, was kennenlernenswert ist.

      Drei Rückert-Lieder Mahlers bilden den nächsten Block, Blicke mir nicht in die Lieder, Ich atmet' einen linden Duft und schließlich doch auch das große, ewige Ich bin der Welt abhanden gekommen, mit dem so wunderbar fast bis ins Nichts weiterspielenden Klavier.

      Zum akustischen Hineinschnuppern in die Klavierliedwelten der Generationen nach Rückert werden wir mit dem nun folgenden Block neugierig gemacht auf das Liedschaffen von Robert Franz (1815-1892) mit Wiedersehen op. 51 Nr. 8, Hans Pfitzner (1869-1949) mit Warum sind deine Augen denn so nass? op. 3 Nr. 1, Robert Kahn (1865-1951) mit Obdach der Liebe op. 6 Nr. 5 und Bernhard Sekles (1872-1934) mit der Nr. 11 Begegnung aus dem „Schi-King" op. 15.

      Der letzte Block bringt überraschend echtes Entertainment, und wer bis dahin Carl Loewe (1796-1869) als ernsten Balladenkomponisten abgestempelt hat, wird umso humoristisch-komödiantischer infiziert - aus den Liederkreisen op. 62 hören wir Kind und Mädchen (Heft II, Nr. 5), Hinkende Jamben (Heft I, Nr. 5) und Irrlichter (Heft I, Nr. 6) sowie danach als „Smash Hit“ des Konzerts, ein veritabler Abräumer, Der Papagei, Loewes Ballade op. 111.

      Die erste Zugabe dieses informativen wie umfassend bereichernden und inspirierenden Klavierliedabends ist auch etwas selten Gehörtes, die deutsche Fassung einer Rückert-Vertonung Modest Mussorgskys, Der Wanderer. Und mit der zweiten Zugabe wird der Kreis zum Konzertbeginn geschlossen, mit Robert Schumanns Mein schöner Stern, letzte innige Konzertminuten nach mehr als eineinhalb Stunden Rückert-Textvielfalt in Klavierliedgestaltung, vorgestellt und vorgetragen auf höchstem Niveau.
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Verdi 'Messa da Requiem' - Lüneburg, St. Michaelis

      Passend zum Totensonntag gab es in der St. Michaliskirche zu Lüneburg das Requiem von Verdi:

      Sabine Schneider, Sopran
      Julia Henning, Mezzosopran
      Martin Homrich, Tenor
      Daniel Grice, Bass

      Kantorei St. Michaelis
      Hamburger Camerata

      Henning Voss, Dirigent

      By the way - an der Partikularschule des St- Michaelisklosters lernte Johann Sebastian Bach von 1699-1702. Aber das nur nebenbei. ^^

      Die Konzert war bis auf wenige Randplätze ausverkauft. Wir saßen auf diesen Plätzen, hatte aber erstaunlicherweise einen sehr guten Blick auf die Solisten, die nämlich nicht zwischen Chor und Orchester postiert waren, sondern an einem der Pfeiler relativ frei im Raum. Das hatte wohl Auswirkungen auf die Akustik. Fast alle kamen recht spröde rüber und hatten Schwierigkeiten, sich in den Orchester- und Chorwogen zu behaupten. Einzig die eingesprungene Julia Henning überzeugte mich dabei nicht nur vokal, sondern v.a. auch von der Intensität ihres Gesanges her. Aber letztlich kann und möchte ich die anderen aufgrund der problematischen Aufstellung nicht beurteilen. Es wird seinen Grund haben, warum sie da standen, wo sie standen. Inwieweit es noch Raum auf dem Podium gegeben hätte, konnten wir von unseren Plätzen aus nicht sehen.

      Überrascht war ich von Chor und Orchester, vom hohen Niveau beider. Es ist nicht gerecht und auch durchaus arrogant, aber ich habe eben das Verdi Requiem in tollen Aufführungen in Hamburg, Venedig und Berlin erlebt. Und natürlich habe ich das, ob ich will oder nicht, im Hinterkopf, wenn es denn heißt: nun in Lüneburg, nun in der Provinz. Das ist gemein, das ist nicht fair, aber es ist halt in mir drin.

      Dabei habe ich immer wieder tolle Konzerte und Aufführungen gerade dort, in der Provinz, erlebt. Und genau das passierte heute auch wieder. Natürlich war das Dirigat objektiv nicht messbar an den erlebten, die Hamburger Camerata ist keine Berliner Staatskapelle, der Chor nicht vergleichbar mit dem aus dem Hamburger 'Michel'. Aber eigentlich geht es darum ja auch überhaupt nicht, auch wenn ich meinen Kopf immer wieder zunächst von diesen Vergleichen freimachen muss. Diese Aufführung war toll, weil alle Beteiligten ihr Bestes gegeben haben, weil sie mit Herzblut dabei waren, weil für sie diese Aufführung etwas Besonderes darstellte, gerade, was den Chor und den Dirigenten anging. Natürlich habe ich, verdorben auch durch CD-Einspielungen, die und die Stelle intensiver gehört, ergreifender, dramatischer, besser ausgespielt usw. So what. Hier gelten, hier müssen andere Maßstäbe gelten (was ich hoffentlich endlich auch mal in meinem Hinterkopf kapiere ;) ). Hier geht es nicht um Referenzaufführungen, hier geht es um Leidenschaft und Liebe zur Sache. Und das war da, bei allen Beteiligten und es kam vor allem auch rüber. Mich hat das Konzert sehr getroffen, sehr berührt und darum geht es ja schließlich.

      Und so verließen wir die Kirche. Berührt, getroffen, begeistert, versetzt in eine andere Welt. Vielleicht auch deshalb, weil sich dort Menschen trafen, die anderen Menschen mit aller Hingabe, mit all ihrem Wollen und Können ehrlich etwas erzählt haben. Und dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

      :wink: Wolfram
    • So., 6. Oktober 2019: BRATISLAVA/PRESZBURG (Philharmonie): Antonín Dvořák, Stabat Mater

      Neu

      Normalerweise schreib ich hier nur über Opern, aber das muss jetzt sein: Dvořáks Stabat Mater find ich ganz toll und jedenfalls besser als Rusalka und VIEL besser als die meisten Opern überhaupt.

      Die Qualität hat mir auch super gefallen, bei zwei Sängern (Gerhild Romberger und Peter Mikuláš, der heute super in Form war) frag ich mich schon, wieso sie so selten in Wien zu hören sind. Vida Miknevičiūtė und Maximilian Schmitt haben mir auch gut gefallen, ebenso das Orchester unter Juraj Valčuha und der Chor, aber mehr kann ich nicht sagen, da ich das Stück zuvor überhaupt nicht kannte. Insgesamt eines meiner besten heurigen Musikerlebnisse (wie auch der Christian-Gerhaher-Liederabend im Wiener Konzerthaus am 2. Oktober).