Film - Schwarz/Weiß oder in Farbe?

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    • Zu "Psycho":
      Glücklicherweise konnte sich Herrmann gegenüber Hitchcock in dem Punkt durchsetzen, dass die berühmte Duschszene mit Musik unterlegt werden soll, was Hitchcock ursprünglich gar nicht wollte. Das kommt übrigens auch in dem sehenswerten Spielfilm "Hitchcock" mit Anthony Hopkins und Helen Mirren vor, der gleichzeitig die Hintergründe der Entstehung von "Psycho" aufzeigt.

      Dann habe ich noch gelesen, dass "Psycho" u. a. auch deshalb in schwarz-weiss gedreht wurde, weil man glaubte, dass diese Duschszene in Farbe zu brutal erscheinen würde. Ob das jetzt der Wahrheit entspricht oder doch eher Legende ist, weiss ich nicht.

      Lionel
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • merkatz schrieb:

      Schade dass da offenbar was falsches geschrieben wird
      Es ist NICHT falsch, aber es ist die Legende.

      Im Nachhinein wurde alles mögliche in den Film hereininterpretiert.
      Das spricht für den Film, denn er ist großartig.
      Ich habe meine Abschlußarbeit in Musikgeschichte sowie Musikanalyse über diesen Film und seine Musik damals in den 80ern( als das eher unerwünscht war und belächelt wurde) in Köln gemacht.

      Die Legenden sind wunderbar, aber trotzdem muß man irgendwann die rosarote Brille abnehmen und die Dinge so sehen, wie sie wirklich waren.

      Das dies alles nachträglich mit einem Zuckerguß aus künstlerischer Genialität überzogen wurde, ist schon ok in diesem Falle.

      Wäre es nicht klasse, daß die s/w Version genau so gewollt wäre und Herrmann dann bewußt nur Streicher verwendete?
      Das paßt so gut, so ist es bekannt, und so soll es bleiben.
      Glücklicherweise konnte sich Herrmann gegenüber Hitchcock in dem Punkt
      durchsetzen, dass die berühmte Duschszene mit Musik unterlegt werden
      soll, was Hitchcock ursprünglich gar nicht wollte. Das kommt übrigens
      auch in dem sehenswerten Spielfilm "Hitchcock" mit Anthony Hopkins und
      Helen Mirren vor, der gleichzeitig die Hintergründe der Entstehung von
      "Psycho" aufzeigt.

      Ich finde den Film nicht sehenswert, aber der Fakt, das Herrmann sich über Hitch hinweggesetzt hat, was die Duschszene angeht, stimmt.

      Einge Jahre später hat Herrmann das wieder versucht bei "Torn Curtain".
      Möglicherweise hatte er da auch Recht, aber in diesem Falle wurde er leider vom Aufnahmeset weg entlassen von Hitch.
      John Addinson schrieb dann eine hübsche belanglose Musik zu diesem Flop.

      Und das war leider das Ende einer der besten Zusammenarbeiten im Bereich Film und Musik.
      Hitch und Benny, das war es dann. Sie haben sich niemals mehr vertragen oder überhaupt ausgesprochen.
      Dieses Thema ist derartig stark, also das Thema Hitchcock, Herrmann, es hätte einen eigenen thread verdient.
    • Lionel schrieb:

      Dann habe ich noch gelesen, dass "Psycho" u. a. auch deshalb in schwarz-weiss gedreht wurde, weil man glaubte, dass diese Duschszene in Farbe zu brutal erscheinen würde. Ob das jetzt der Wahrheit entspricht oder doch eher Legende ist, weiss ich nicht.
      Für diese Szene wurde Schokoladensauce verwendet, welche in s/w sehr gut nach Blut aussah.
      Viele haben sich sicher diese Szene DANACH in Farbe ausgemalt, aber sie war nie in Farbe gedacht.

      Das ist genau dasselbe wie die Tatsache, daß man keinen einzigen Einstich sieht sowie nicht den nackten Körper von Janet Leigh.

      Da gibt es NICHTS zu sehen, nur die Musik und die virtuose Schnitttechnik vermitteln die Illusion.
      Und das ist auch heute noch brutal genug für jemanden, der den Film nicht kennt. (Es soll noch ein paar wenige Menschen geben, welche Ihn nie gesehen haben)
      Und Anthony Perkins hat diese Szene niemals gespielt, da er an diesem Tag in New York zu tun hatte.

      Also, man sieht den Mörder nicht, man sieht nicht die Einstiche, man sieht keinen nackten Körper.

      Ich liebe das, denn es ist sehr groß und es ist auch Kunst, solch etwas auf diese Art und Weise darzustellen.

      Das eigentlich skandalöse damals aber war die Tatsache, daß dies der erste Film in den puritanischen USA war, der ein WC zeigte.

      NICHT der Mord, die Schokosauce im Abfluß, nein.......der(Sorry, bin Rheinländer) DAS KLO war es.
      Muß man sich mal vorstellen....eine Frau wird bestialisch abgestochen.

      Gut, sieht man nicht wirklich.
      Wobei alle dachten, sie hätten es gesehen.
      Fehler.

      Aber man sieht den(das) Klo, und der(dieser) wird auch noch abgespült.

      NEIN, also DAS geht gar nicht.

      In diesem Falle war Hitchcock extrem mutig, das war vielleicht seine beste Idee überhaupt.
      Ganz ernsthaft.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Das ist genau dasselbe wie die Tatsache, daß man keinen einzigen Einstich sieht sowie nicht den nackten Körper von Janet Leigh.
      War die nackte Frau in der Szene nicht ein Double?

      Michael Schlechtriem schrieb:

      Da gibt es NICHTS zu sehen, nur die Musik und die virtuose Schnitttechnik vermitteln die Illusion.
      Und das ist auch heute noch brutal genug für jemanden, der den Film nicht kennt. (Es soll noch ein paar wenige Menschen geben, welche Ihn nie gesehen haben)
      Hast du das Buch von Robert Bloch gelesen? Dort ist der Mord gerade mal in zwei Sätzen geschildert - und da steht nichts von Einstichen, stattdessen steht, dass Marion ihren Kopf verloren hat.

      Hitchcock hat schon recht, wenn er in dem Buch "Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?" von Francois Truffaut meint, dass Bloch in seinem Buch mit unfairen Mitteln arbeitet, weil es finden sich tatsächlich Stellen, wo z.B. steht, dass Mrs. Bates Norman zudeckt, oder im Raum herumgeht. Und Hitchcock wollte sowas nicht, und hat mit Hilfe von z.B. Ablenkungsmanövern versucht, den Zuschauern, ohne dass sie Verdacht schöpfen, zu verheimlichen, dass Mrs. Bates eine Leiche ist.

      Die Szene wo Norman mit seiner Mutter in ihrem Zimmer redet, da konzentriert sich der Zuschauer so auf den Dialog der "beiden", dass er gar nicht mitbekommt, dass Hitchcock die Stiegen hochfährt und sich an die Decke begibt, so dass man sich nicht fragt "He, wieso verdeckt er das Gesicht seiner Mutter?". Das hat er selbst so gesagt in dem Buch.

      Mir gefallen auch diese kleinen Details, wie z.B., dass der BH von Marion am Anfang unschuldig weiss ist, sobald sie das Geld gestohlen hat und kriminell ist, ist der BH schwarz.

      Ich finde das s/w in diesem Film überhaupt perfekt, weil besonders die Aufnahmen von Bates Haus dadurch viel düsterer wirken. In den Fortsetzungen sieht man es ja in Farbe, und das wirkt gleich völlig anders, als in diesen "kalten" Farben in s/w.

      (Nebenbei, leider ist der Film bei uns immer geschnitten, besonders merkt man das an der Szene, wo "Mutter" den Detektiven ermordet. Bei uns darf er nur eineinhalb Mal zustechen, im Original aber mindestens 3 mal)
    • merkatz schrieb:

      Hast du das Buch von Robert Bloch gelesen
      Nein, in diesem Falle ist der Film eine Klasse für sich, was selten ist.
      Hitchcock hat schon recht, wenn er in dem Buch "Mr. Hitchcock, wie haben
      Sie das gemacht?" von Francois Truffaut meint, dass Bloch in seinem
      Buch mit unfairen Mitteln arbeitet, weil es finden sich tatsächlich
      Stellen, wo z.B. steht, dass Mrs. Bates Norman zudeckt, oder im Raum
      herumgeht. Und Hitchcock wollte sowas nicht, und hat mit Hilfe von z.B.
      Ablenkungsmanövern versucht, den Zuschauern, ohne dass sie Verdacht
      schöpfen, zu verheimlichen, dass Mrs. Bates eine Leiche ist.

      Wie schon gesagt habe ich das Buch nicht gelesen.
      Und ich denke, daß hier der Fall vorliegt, wo der Film besser als die Vorlage ist.
      Selten, sehr selten, aber Hitch hatte hier sicher Recht.
      War die nackte Frau in der Szene nicht ein Double?
      Nein, in der Preview war es Vera Miles, aber im Orginal wurde Perkins gedoublet, wie schon erwähnt.

      Und wenn schon:

      Welche Frau hast Du NACKT gesehen?
      Du siehst vielleicht ein paar nackte Füsse.

      OK, falls das...................."zensiert".

      Man sieht KEINE nackte Frau.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Und das war leider das Ende einer der besten Zusammenarbeiten im Bereich Film und Musik.
      Hitch und Benny, das war es dann. Sie haben sich niemals mehr vertragen oder überhaupt ausgesprochen.
      Dieses Thema ist derartig stark, also das Thema Hitchcock, Herrmann, es hätte einen eigenen thread verdient.

      Michael Schlechtriem schrieb:

      Und ich denke, daß hier der Fall vorliegt, wo der Film besser als die Vorlage ist.
      Absolut!

      Ich finde die Szene, wo Vera Miles die tote Mutter findet, im Film auch viel besser gemacht. Im Buch geht sie in den Keller, und da sitzt Mrs. Bates nur an der Wand und "schaut" sie an, und dann heißt es, dass ein Schrei zu hören war, "allerdings nicht aus diesem ledrigen, braunen Gesicht", sondern von Norman Bates hinter ihr.

      Übrigens, eine Sache hat mich immer gestört: wenn Miles die Mutter von weiter weg sieht, ist ihr Kopf nach rechts geneigt. Wenn sie sie aber an der Schulter berührt, ist der Kopf plötzlich aufgerichtet. Das ist mir beim ersten anschauen schon aufgefallen, da dachte ich nämlich tatsächlich, dass die Mutter noch lebt und vielleicht aufgewacht ist. Vielleicht ist das auch so ein Trick von Hitchcock.

      Michael Schlechtriem schrieb:

      Nein, in der Preview war es Vera Miles, aber im Orginal wurde Perkins gedoublet, wie schon erwähnt.
      Naja, sicher bin ich mir trotzdem nicht, ich beziehe mich auf die Info der IMdB:

      In the Collector's Edition DVD documentary, Janet Leigh says that a nude body double was used in portions of the shower scene. The DVD notes include a quote from Alfred Hitchcock, in an interview with Francois Truffaut, in which he says the same thing.

      Hitchcock meinte in dem Buch auch, dass er in der Nachbearbeitung die Szenen rausschneiden musste, wo man tatsächlich "zuviel" sah.
    • merkatz schrieb:

      Hitchcock meinte in dem Buch auch, dass er in der Nachbearbeitung die Szenen rausschneiden musste, wo man tatsächlich "zuviel" sah.

      Auch da sah man eigentlich nichts, aber die Zensoren waren damals derartig scharf und bieder, das Hitch kein Risiko einging.
      Man hat auch damals nicht zuviel gesehen.

      Fällt es Dir denn nicht selber auf, daß Du ständig von einer nackten Frau redest?
      Da IST keine nackte Frau, nur in Deiner Einbildung.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      merkatz schrieb:

      Hitchcock meinte in dem Buch auch, dass er in der Nachbearbeitung die Szenen rausschneiden musste, wo man tatsächlich "zuviel" sah.

      Auch da sah man eigentlich nichts, aber die Zensoren waren damals derartig scharf und bieder, das Hitch kein Risiko einging.
      Man hat auch damals nicht zuviel gesehen.

      Fällt es Dir denn nicht selber auf, daß Du ständig von einer nackten Frau redest?
      Da IST keine nackte Frau, nur in Deiner Einbildung.

      merkatz schrieb:

      Michael Schlechtriem schrieb:

      Da ist niemand nackt.
      Meinst du damit, dass das Double nicht nackt war beim Dreh, oder dass man nichts Nacktes sieht im fertigen Film? In letzterem Fall stimmt das natürlich.

      Mein Lieber:
      Wir schreiben das Jahr 2013, und mir ist es egal, ob die mittlerweile verstorbene Schauspielerin Janet Leigh( also, das Double war für Perkins, sie war schon selber anwesend) dort teilweise angezogen oder nackt war.

      Und es wäre mir auch egal, ob anschliessend noch eine zünftige Gangbang stattgefunden hätte.

      Hat es natürlich nicht und natürlich war die Dame leicht bekleidet.

      Oder Sie war für Sekunden (Moment, ich muß meine Errektion unter Kontrolle bringen) halt nicht bekleidet.

      Das ist alles.

      Warst Du schon mal in einer Sauna?
      Dringende Empfehlung!
    • merkatz schrieb:

      (Nebenbei, leider ist der Film bei uns immer geschnitten, besonders merkt man das an der Szene, wo "Mutter" den Detektiven ermordet. Bei uns darf er nur eineinhalb Mal zustechen, im Original aber mindestens 3 mal)

      Er ist überall geschnitten - auch in den USA: das betrifft weltweit sämtliche regulären VHS/DVD/BD-Veröffentlichungen von Universal.

      Aber:

      "http://www.ofdb.de/view.php?page=text&fid=2251&rid=37178"


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Noch ein paar Infos zu "Psycho":

      Hitchcock hatte bei "Psycho" mit der bis dahin ungeschriebenen Regel gebrochen, dass in diesem Fall die Hauptdarstellerin (Janet Leigh) in der Filmmitte ermordet wird. Bis dahin war es eher üblich, dass der Mord zu Beginn des Films passiert und es sich beim dem "Mordopfer" um eine kleine Nebenrolle handelt. Dadurch schockierte die brutale Mordszene unter der Dusche das damalige Kinopublikum noch mehr, weil es nicht damit rechnete, dass es die Hauptdarstellerin trifft, zumal Janet Leigh auch quasi der Star des Films war. Zwar hatte Marion Crane (Janet Leigh) zu Beginn des Films das Geld ihres Arbeitgebers unterschlagen und sich damit aus dem Staub gemacht aber kurz vor ihrer Ermordung hatte sie sich in dem Motelzimmer dazu entschlossen, am nächsten Tag nach Phoenix zurückzufahren, um sich zu stellen. Das Kinopublikum dachte damals vermutlich, dass es dann so weiter geht, wie sich die Hauptfigur jetzt weiter aus der Affäre zieht und was dann weiter im juristischen Sinne mit ihr passiert. Somit hatte ihre Ermordung den damaligen Kinozuschauer wirklich wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen.

      Während der Dreharbeiten behielt Hitchcock bis zum Schluss die letzte Szene geheim, d. h. weder Crew noch die Schauspieler wussten, was da eigentlich passiert. Hitchcock hatte sogar einen Stuhl mit der Aufschrift "Mrs. Bates" am Set aufstellen lassen, damit alle glauben, dass diese Rolle tatsächlich existiert.

      Bei der berühmten Duschszene sieht man natürlich keine nackte Frau, sondern lediglich nackte Haut. Durch die raffinierte Schnitttechnik meint man halt zu glauben, dass man eine nackte Frau sieht. Darauf ist dann vermutlich auch die Zensurbehörde damals hereingefallen und hatte immer wieder einzelne Takes aus der Duschszene beanstandet und meinte z. B. eine Brustwarze gesehen zu haben. Hitchcock hatte die gleiche Szene dann unverändert erneut der Zensurbehörde vorgelegt, die dann plötzlich nichts mehr zu meckern hatte.

      Bei dieser Duschszene kam das Bodydouble Marli Renfro (*1938) zum Einsatz. Renfro war ein Showgirl, Fotomodell und war im September 1960 im Playboy zu sehen und war auch Playboy-Bunny im ersten Playboy-Club. In den Einstellungen der Duschszene, in denen nicht Leighs Gesicht zu sehen ist, sieht man Renfros Körper. Lange Zeit hatten sowohl Hichtcock als auch Janet Leigh alle im Glauben lassen, dass ausschliesslich Janet Leigh allein die komplette Duschszene gedreht hat. Tatsächlich war Janet Leigh nicht bereit, so viel nackte Haut zu zeigen, wie es sich Hitchcock vorstellte. So engagierte Hitchcock die damals 21jährige Marli Renfro, die keinerlei Probleme damit hatte, ihren Körper unverhüllt zu zeigen. Sie soll sogar splitterfasernackt am Set herumgelaufen sein und hatte höchstens mal einen Bademantel an. Ihre Unbekümmertheit lag auch daran, dass sie der kalifornischen Nudisten-Bewegung angehörte. Für ihren Körpereinsatz bekam sie dann eine Gage von 500 $.

      Noch ein paar Details zur Duschszene:
      - Dauer: ca. 2 Minuten (der eigentliche Mord ca. 45 Sekunden)
      - Drehzeit: 1 Woche ab dem 17. Dezember 1959
      - Storyboard von Saul Bass
      - über 70 Kameraeinstellungen
      - der Duschkopf hatte einen Durchmesser von fast 2 Metern, damit in der Einstellung des Duschkopfs von unten keine Wassertropfen auf das Objektiv kommen
      - für die Geräusche der Messereinstiche diente eine türkische Wassermelone, in die mit dem Messer eingestochen wurde

      Noch was am Rande:
      Da Hitchcock berühmt-berüchtigt für seinen schwarzen Humor war, versteckte er während der Dreharbeiten in Janet Leighs Garderobe immer wieder mal verschiedene Ausführungen von Mrs. Bates Leiche und jedesmal erschrak sich Leigh dabei sehr und Hitchcock nahm dann die Leiche, bei der Leigh am lautesten schrie. Vielleicht eher eine Legende, aber wenn, dann eine schön-makabere Legende.

      Lionel

      Quellen:
      "http://de.wikipedia.org/wiki/Psycho_(1960)"
      "http://en.wikipedia.org/wiki/Marli_Renfro"
      "http://www.youtube.com/watch?v=gWkJaJBLnJk"
      "http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/hitchcocks-psycho-das-maedchen-in-der-dusche-12126254.html"
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Also ich habe auch ein Faible für s/w, insbesondere auch in der Fotografie. Ich will nicht sagen, dass ich s/w *immer* bevorzuge, aber manchmal kann es gewisse Stimmungen verstärken.

      Und so mag ich auch einige Filme in s/w, die ich keinesfalls (nachträglich) in Farbe haben möchte. Einige Beispiele:
      • Francios Truffaut: Auf Liebe und Tod (Vivement dimanche!) mit der zauberhaften Fanny Ardant (auch ein Kandidat für den Schauspieler-Faden). Natürlich wurde er 1983 mit Absicht in s/w gefilmt, weil es ja eine Hommage an den Film noir ist. Man kann sich ja den ganzen Film noir nicht in Farbe vorstellen, oder?
      • Casablanca.
      • Woody Allen: Manhattan. (1979). Ich mag den Film viel lieber als beispielsweise den "Stadtneurotiker", was sicherlich auch (nicht nur) mit s/w zu tun hat.
      • Einige Filme von Fellini, z. B. "La dolce vita" und "Otto e mezzo". Die sind zwar deutlich älter (Anfang der 1960er), aber zu der Zeit war Farbfilm ja sicherlich keine Seltenheit mehr. Ähnliches gilt für einige Filme von Billy Wilder wie z. B. "Some like it hot".
      • Dann gibt es ja Filme, die zwischen Farbe und s/w wechseln, wie Tarkowskis "Stalker" oder Wenders' "Himmel über Berlin"; ist das nicht auch bei "Die zweite Heimat" von Edgar Reitz der Fall?

      Das mag auch daran liegen, dass ich als Kind noch eine längere s/w TV-Phase mitbekommen habe. Sie scheint mir damals auch von mir als spannender / unheimlicher empfunden worden zu sein. Ich denke an die alten Edgar Wallace Filme (die man ja heute vielleicht eher als "trash" bezeichnen würde) oder die Miss Marple Filme mit Margaret Rutherford. Daher würde mich mal interessieren, wie es deutlich jüngere Personen erleben, wenn sie heute einen s/w Film sehen. Sehen sie dies als "Manko" an oder als "unnatürlich"? Es ist ja interessant, dass ein s/w Bild ja eigentlich etwas Unnatürliches oder Künstliches ist, aber vom Gehirn ja ohne weiteres als die reale Welt interpretiert wird. Wäre die Frage, ob das eher eine Frage der Gewöhnung ist.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • Lionel schrieb:

      Bei dieser Duschszene kam das Bodydouble Marli Renfro (*1938) zum Einsatz. Renfro war ein Showgirl, Fotomodell und war im September 1960 im Playboy zu sehen und war auch Playboy-Bunny im ersten Playboy-Club. In den Einstellungen der Duschszene, in denen nicht Leighs Gesicht zu sehen ist, sieht man Renfros Körper.
      Sorry, das habe ich übersehen oder einfach vegessen.
      Aber man sieht trotzdem absolut NICHTS:

      Hitch war schon ein Könner eigener Klasse, deswegen sind seine Filme ja auch Klassiker.
      Sebst seine schlechteren Filme sind Klassiker.

      Also in diesem Falle Entschuldigung an merkatz, da es ein Body-Double für Leigh gab. :angel:

      Ich habe das nicht gewußt oder einfach augeblendet.

      Sorry, ich glaube, es eher ausgeblendet zu haben, denn das Besondere an dieser ganzen Szene ist, das man zwar ein Klosett sieht,aber keine nackte Frau.

      An das Klo kann sich nachher niemand erinnern, aber alle haben eine nackte Frau gesehen.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      An das Klo kann sich nachher niemand erinnern, aber alle haben eine nackte Frau gesehen.

      Hmm, ich frage mich jetzt wirklich, an welcher Stelle dieser zentralen Duschszene/Mordszene ein Klo zu sehen sehen ist. Ich gehe mal davon aus, dass diese Szene gemeint ist? Aber vielleicht war ich bei meiner letzten Besichtigung des Films auch zu sehr auf nackte Frauenhaut fixiert gewesen.
    • Mal ne dumme Frage: Was hat die Existenz von nackten oder nicht nackten oder nur vermutet nackten oder möglicherweise nicht ganz nackten Frauen im Film mit sw oder farbig zu tun? ?(

      SW oder farbig ist, wenn man einmal von der historischen Entwicklung absieht, daß zuerst SW da war und Farbe, als es sie dann gab, zumindest eine Weile lang noch ziemlich teuer in der Produktion war, durchaus AUCH eine künstlerische Erwägung - nicht nur beim Film, sondern auch beim Photo (Film ist ja nichts anderes als 24+ Einzelphotos/Sekunde). Dem SW-Bild fehlt nämlich ein (wenn man so will: natürliches) Gestaltungselement, das das Farbbild hat, nämlich die Farbe. Damit hat das SW-Bild per se einen höheren Abstraktionsgrad, denn unsere Umgebung ist nicht scharz-weiß, sondern bunt. Dies erzeugt beim Betrachter eine Distanz, die eine bessere Konzentration auf die wesentliche Aussage ermöglicht. Wenn keine da ist - es gibt ja auch zahllose flache und banale SW-Filme - dann erkennt man das vermutlich aus diesem Grund auch schneller als bei Farbe - wobei, das möchte ich eigentlich schon wieder einschränken: unter ansonsten gleichen Bedingungen. Alte Filme (die historisch in SW sind) haben im Vergleich zu neuen Produktionen z.T. ewig lange Einstellungen ohne Schnitt und oft auch ohne Kamerafahrt, -schwenk oder Zoom, während neue Filme (farbig) kaum einen Take von mehr als 4 Sekunden haben. Wegen dieser häufig wechselnden Bildern haben wir natürlich weniger Gelegenheit, das gerade Gesehene just in time zu analysieren, sie lassen uns nicht genug Zeit zum Nachdenken. M.a.W.: wir sind durch diese schnellen Bildewechsel eher manipulierbar und erkennen Schrott dadurch möglicherweise etwas weniger leicht als solchen - unabhängig von Farbe oder SW.
      Auf der anderen Seite bietet SW auch eine Reihe von Gestaltungsmöglichkeiten, die Farbe nicht oder nicht in dem Ausmaß oder mit den Konsequenzen wie bei SW hat, wie z.B. Farbfilterung oder unterschiedlichen Schwärzungskurven. Das selbe SW-Bild wirkt komplett anders, je nachdem es ungefiltert, mit Gelb-, Orange-, Grün- oder Rotfilter aufgenommen wurde oder ob es auf "hartes" oder "weiches" Material aufgenommen/kopiert wurde. Viele Filme des film noir wirken so, wie sie wirken, weil sie leicht unterbelichtet auf hartes material kopiert wurden. Die Farbe bietet andere Möglichkeiten. Sie monochrom zu filtern erzeugt allerdings eigentlich ein monochrom eingefärbtes SW-Bild, und an Farbkontrast oder Gamma zu drehen ist, wenn das Ergebnis nicht psychedelisch werden soll, auch nur zu einem begrenzten Ausmaß möglich.
      Wenn heute jemand in SW filmt oder photographiert, dann ist das eine bewußte künstlerische Entscheidung, bis nach dem 2. Weltkrieg war das AUCH eine Frage der Kosten und teilweise auch eine Frage der technischen Ausstattung der Kopieranstalten, das sollte man nicht vergessen.
      Ganz persönlich habe ich keine "Farbe"- oder "SW"-Präferenzen, für mich zählt das Ergebnis.
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)