Das Requiem - Welche sind Eure Favoriten?

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    • Das Requiem - Welche sind Eure Favoriten?

      Wenn der Herbst mal wieder so richtig schön grau und finster vor sich hin brütet, dann legt man sich für eitlen Sonnenschein im Gemüt doch gerne immer wieder mal ein Requiem auf - oder doch nicht? Ich kenne bislang nur wenig Werke aus dieser Gattung (Mozart, Verdi, Brahms) und wollte mal ein bisschen stöbern. Welches sind denn Eure Favoriten und warum? Gibt es auch Totenmessen, die sich nicht in niederschmetternder Trauer-Tragik suhlen? Gerne können natürlich auch besondere Aufnahmen genannt werden.
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Meine Favoriten liegen etwas früher (ach, was bin ich doch für ein Threadsprenger... :D !) - beginnend im 15. Jahrhundert:

      Die Missa pro defunctis von Johannes Ockeghem würde ich als erstes nennen. Ihre herbe Schönheit äußert sich in herrlichen Melodien und einer besonderen Innigkeit. Es ist die älteste erhaltene polyphone Vertonung einer Totenmesse. Man kann bis heute nicht eruieren, wann genau sie komponiert wurde; als früheste Datierung vermutet man das Begräbnis Karls VII. im Jahre 1461. Empfehlungen: Ensemble Organum und Cappella Pratensis.




      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Meine Favoriten liegen etwas früher (ach, was bin ich doch für ein Threadsprenger... :D !) - beginnend im 15. Jahrhundert:


      Das ist völlig ok! Ich stehe jedes Mal bei solchen allgemeinen Threads vor dem Problem, wo ich sie hinstecke ... Der Faden gilt natürlich auch für alles, was vor der Klassik kam. ;+)
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Noch ein Voting ... :D ... nur zu!

      - Mozart
      - Verdi
      - Brahms
      - Hindemith
      - Duruflé
      - Ligeti
      - Tüür

      Schnittke und B. A. Zimmermann kenne ich leider noch nicht, stehen aber auf der Liste ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Meine Favoriten sind ketzerischerweise :D eher alternative Trauermusiken (aber ich kenne von lateinischen Requien eigentlich auch nur Mozart und Verdi mehr als flüchtig):
      Brahms: Ein deutsches Requiem, Händel: The ways of Zion do mourn (Trauerode), Schütz: Musikalische Exequien, Purcell: Funeral music for Queen Mary + Funeral sentences.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Supi! :thumbsup:

      Dann möchte ich noch eine vorstellen:



      Lux Perpetua ist ein Requiem, welches in fünf Manuskripten überliefert ist. Je nach Quelle wird sie entweder Antoine de Févin (ca. 1470-1511/12) oder Antoine Divitis (ca. 1475-ca. 1526) zugeschrieben, in zweien sogar ohne Namensnennung - also anonym. Sie umfaßt alle Teile einer liturgischen Totenmesse [Introitus, Kyrie, Epistola, Graduale, Tractus, Evangelium, Offertorium, Prefacio, Sanctus, Agnus Dei, Communio] und erweist sich als konsequente Synthese aus Ein- und Mehrstimmigkeit (nur Epistola, Evangelium und Prefacio bleiben komplett einstimmig). Entstanden ist das Werk vermutlich im Zeitraum um 1505-1515 und könnte zu damaligen Totenfeiern aufgeführt worden sein (Philipp der Schöne 1506, de Févin 1511/12 oder Anne de Bretagne 1514).

      Dies ist die bisher einzige Einspielung davon, vom Ensemble Organum realisiert. Eine wunderbare, besondere Aufnahme.
      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Supi! :thumbsup:

      Dann möchte ich noch eine vorstellen:



      Lux Perpetua ist ein Requiem, welches in fünf Manuskripten überliefert ist. Je nach Quelle wird sie entweder Antoine de Févin (ca. 1470-1511/12) oder Antoine Divitis (ca. 1475-ca. 1526) zugeschrieben, in zweien sogar ohne Namensnennung - also anonym. Sie umfaßt alle Teile einer liturgischen Totenmesse [Introitus, Kyrie, Epistola, Graduale, Tractus, Evangelium, Offertorium, Prefacio, Sanctus, Agnus Dei, Communio] und erweist sich als konsequente Synthese aus Ein- und Mehrstimmigkeit (nur Epistola, Evangelium und Prefacio bleiben komplett einstimmig). Entstanden ist das Werk vermutlich im Zeitraum um 1505-1515 und könnte zu damaligen Totenfeiern aufgeführt worden sein (Philipp der Schöne 1506, de Févin 1511/12 oder Anne de Bretagne 1514).

      Dies ist die bisher einzige Einspielung davon, vom Ensemble Organum realisiert. Eine wunderbare, besondere Aufnahme.
      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:


      jd :wink:

      Außerdem gibt es noch diese Einspielung, in meinen Ohren ebensogut - aber anders:





      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Schumann und Fauré stellen beide eine Alternative zu der Berlioz-Verdischen Richtung dar.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • guck mal hier:

      http://www.capriccio-kulturforum.de/musik-erfahren/3150-eben-gehoert-2011-12/index76.html#post138277

      Eben gehört 2011/12 #3005


      Zu dem Reqiemvertonungen gibt es die Seite eines Sammlers, der bisher über 5000 verzeichnet hat, hier:

      http://www.requiemsurvey.org/requiems.php

      Man kann nach Zeitraum und Komponist suchen und auch, welche Aufnahmen der Sammler inzwischen hat.



      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Außer den von jd genannten Requiem-Vertonungen finde ich diese sehr schön:

      Johannes Prioris (ca.1460-ca.1512):





      wobei ich beide Aufnahmen empfehlen kann.


      Eustache du Caurroy (1540-1609):



      die Totenmesse der französischen Könige, ( Philbert hat es auch vor kurzem in einem anderen Faden erwähnt,) mit dem wunderbaren Ensemble Doulce Mémoire unter der Leitung von Denis Raisin Dadre.


      Jean Richafort (ca.1480-nach 1547)



      in einer großartigen Einspielung des Ensembles Cinquecento.



      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Berlioz.

      Döhl, Requiem 2000
      Gossec
      Eybler
      Penderecki, Polnisches Requiem
      Cherubini, c-moll
      Faure
      Biber, A-Dur
      Biber, f-moll
      Charpentier
      Wetz
      Brahms

      Ja, und das Mozart-Requiem ist auch sehr schön. Das Kraus-Requiem auch.

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Hallo zusammen,

      einigen von uns, mich eingeschlossen sind musikalische Andenken an geliebte Menschen gerade am heutigen Tag sehr wichtig.

      Das Verdi Requiem hat für mich etwas befreiendes. Es schreit allen Schmerz einfach heraus.
      Das Brahms Requiem liebe ich ohne zu wissen warum. Vielleicht nur, weil ich so gut wie alles das Brahms komponierte großartig finde.
      Das Mozart Requiem ist für mich Schmerz pur und genau aus diesem Grund finde ich es so großartig.

      Ich besitze diese Einspielungen.








      LG

      Maggie
      Wenn Einer kümmt un tau mi seggt, Ick mak dat allen Minschen recht, Dann segg ick: Leiwe Fründ, mit Gunst, O, liehr'n S' mi de swere Kunst. - Fritz Reuter
    • Brahms - Verdi - Fauré.

      Etwas links liegengelassen wird leider meist Dvořák.

      Wenn man mal nicht so heavy, sondern eher Rutter-mäßig drauf ist, das von ihm oder alternativ einen Knaller der Branche:



      Ich glaube,das Hosanna und das Pie Jesu waren sogar in den Charts. Nicht, dass das ein Qualitätssiegel wäre, aber trotzdem kuhl.
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Sehr schön finde ich auch das Requiem von Antoine Brumel (c.1460-c.1515), dass es in verschiedenen Aufnahmen gibt:

      mit dem Requiem von La Rue gekoppelt von The Clerks' Group, Wickham



      oder in einer Aufnahme des relativ neuen Ensembles New York Polyphonie, das mir außergewöhnlich gut gefällt:





      lg vom eifelplatz
    • Erstmal tendiere ich auch eher zur, na ja, französischen Richtung:

      Fauré
      Duruflé

      Brahms (mit Abstrichen, was die Länge mancher Teile angeht...):
      "ich habt nun Traurigkeit", die "lieblichen Wohnungen" und "Herr, lehre doch mich" ( bis zur Fuge) sind schon Favoriten, "Denn wir haben hier" auch, wenns nicht zu verschleppt ist..

      aber natürlich auch: Mozart
      Biber (A-Dur)

      Rutter (ich weiß, akuter Kitschverdacht, aber mich rührts an)

      (nicht direkt Requiem, aber sicher unter "verwandt" einzuordnen:
      Vaughan Milliams: Dona nobis Pacem

      Dvorak habe ich in guter, aber nicht allzu genauer Erinnerung - muß ich mir nochmal vornehmen, wobei eine Hürde die doch recht ansehnliche Länge ist :hide:

      Gruss
      Herr Maria

      PS völlig und ungewohnt unbescheidener Weise bin ich auch vom meinem eigenen, 2003 entstandenen Requiem für Soli, Chor, Sopransax, Pauken und Streicher ziemlich überzeugt und höre, wenn mir requiesk zumute ist, auch gern die entsprechenden MIDI-Aufnahmen - geht natürlich nur mit mitsingen...
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Algabal schrieb:

      Döhl, Requiem 2000

      Kater Murr schrieb:

      Schütz: Musikalische Exequien

      Da geh ich schon mal mit, gerade Döhl finde ich bei den "moderneren" sehr empfehlenswert.
      Ebenso anschließen kann ich mich bei Mozart und Verdi.
      Außerdem möchte ich noch nennen :

      B.A. Zimmermann und Aribert Reimann.

      Fauré und Dvorak zum Beispiel harren bei mir noch des Kennenlernens.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • 17 Beiträge und erst eine Nennung meines Avatars... :wut2:

      Leider mache ich bei Rankings usw. nicht mit, sonst würde ich das ändern. :D Als überzeugter Vertreter des Mainstreams könnte ich dann noch Mozart und Verdi nennen. :thumbup:


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Josquin Dufay schrieb:

      Die Missa pro defunctis von Johannes Ockeghem würde ich als erstes nennen. Ihre herbe Schönheit äußert sich in herrlichen Melodien und einer besonderen Innigkeit.

      Ja, da kann ich wirklich zustimmen.

      Trotzdem .... auch andere (neben Mozart, Berlioz) ...

      Einige wurden schon genannt, aber ich denke, wegen seiner Innigkeit und unspektakulären Geste auf jeden Fall:



      und wegen der heute etwas ungewohnten Besetzung (ich finde es schon klasse):



      (Requiem für Männerchor und Orchester d-moll)

      und wegen der außergewöhnlichen Düsterkeit:

      [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51xzqCUgNFL.jpg]

      LG

      tastenrabe