Klassik in der Filmmusik - negative Seiten?

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    • Diabolus in Opera schrieb:

      Aha. Könnte man genauso mit CDs und Musik machen. 1 bis 2x anhören, dann reicht's ...

      Absoluter Quark ! Kann man aus meiner Sicht gar nicht vergleichen ...

      Ich sehe zwar ganz gerne TV, bin aber absolut kein Film-Freak.
      Bei der Musik entdeckt man immer wieder neue Seiten --- gechätzte Werke nur 1-2 mal hören ... das wäre schlimm.

      Bei gesehenen Filmen kennt man die Handlung und es wird beim wiederholten Sehen einfach nur langweilig - hier könnte ich keine neuen Seiten entdecken ...

      :evil: Ich werde auch auf diesen Inhalt (gem Zitat) nicht weiter antworten !!!
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      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • teleton schrieb:

      Bei der Musik entdeckt man immer wieder neue Seiten [...]
      Das ist bei Filmen ebensogut möglich; insofern verstehe ich nicht, warum Du, lieber teleton, des Opernteufels Einwurf als "Quark" abtust. ?(

      Zum Thema: Nein, ich habe nicht die Erfahrung gemacht, daß sich Filmbilder immer wieder einstellen bei unterlegter klassischer Musik. Zumindest haben sich solche Verbindungen (etwa der Walkürenritt in Apocalypse Now) in meinem Gedächtnis schnell wieder aufgelöst.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Jürgen schrieb:



      Also ich muss bei "An der schönen blauen Donau" immer an ein sanft dahinschwebendes Raumschiff denken. Keine Ahnung warum.
      Meinst du so? ;+)

      "http://www.youtube.com/watch?v=UqOOZux5sPE"

      (wurde auch von den Simpsons parodiert)


      @teleton: ich finde es nicht schlimm, wenn klassische Musik in guten Filmen verwendet wird, bei "Love and Death" von Woody Allen trägt sie m.E. sehr viel zur Stimmung bei. Wenn Napoleon erscheint, hört man diese graziöse Melodie aus "Die Liebe zu den drei Orangen", und am Ende, wenn Woody mit dem Tod durch diese Baumallee ins Jenseits tanzt, hört man die schon erwähnte Troika.

      Man könnte ja auch einwenden, dass auch Regisseure von Opernaufführungen neue Bilder auf die Bühne setzen un diese von der klassischen Musik begleiten lassen, ein Filmregisseur tut ja eigentlich nichts anderes.
    • Gurnemanz schrieb:

      teleton schrieb:

      Bei der Musik entdeckt man immer wieder neue Seiten [...]
      Das ist bei Filmen ebensogut möglich; insofern verstehe ich nicht, warum Du, lieber teleton, des Opernteufels Einwurf als "Quark" abtust. ?(


      Versteh ich auch nicht, zumal in der Heftigkeit als "Quark". Ich finde schon, dass man das vergleichen kann. Nur weil Du einen anderen Bezug zur Musik als zum Film hast heißt das noch lange nicht, dass das bei allen so sein muss. Es gibt tolle Filme, die ich mir ein ums andere Mal ansehe und bei denen man immer wieder neue Details und Bedeutungsebenen entdecken kann. Bei der Musik könnte man genauso sagen: "Ich kenn dann doch schon alle Noten/Melodien/Rhythmen, wieso soll ich mir das öfter anhören?"
    • Leider hat mir einer der dämlichsten Science-Fiction-Filme für immer Beethovens 7. Symphonie versaut:

      "http://www.youtube.com/watch?v=fr4T_0X3efc" (ab 2.:27)

      Ich werde nie mehr den 2. Satz hören können ohne an diesen fliegenden Stein zu denken. Glücklicherweise ist das nur ein Ausnahmefall geblieben.

      Viele Grüße
      Frank
    • @Frank Pronath: ein kleines Tipp: wenn du das Video an der Stelle pausierst, wo du es möchtest, und dann darunter auf "Teilen" klickst, siehst du einen blau markierten Link. Daneben steht "Starten bei" und da setzt du ein Häkchen, dann wird der Link ergänzt. Wenn jemand draufklickt, dann startet das Video an der von dir bestimmten Stelle ;+)
    • Kann man bei YouTube-Video-Links seit jeher auch manuell machen und bei Bedarf flexibel anpassen, die Syntax ist äußerst simpel:

      "...#t=xmys" (x = min, y = sec)

      Die drei Punkte stehen für das Link zum Video.

      Beste Grüße,
      Ralph
      »Toren wir, auf Lind'rung da zu hoffen, wo einzig Heilung lindert!« (Gurnemanz)
    • Wie Beethoven bei Peter Stuyvesant klaute. :thumbup:
      Leider, leider steigt bei mir im letzten Satz der 7. Symphonie von Beethoven IMMER ein Hubschrauber auf, kerniger Pilot drinnen, löst irgendein Weltproblem und verspricht den Geschmack der großen weiten Welt.
      In den 70ern oder 80ern fand ich das fetzig, nicht ahnend, dass ich a) niemals mit dem Rauchen anfangen werde und b) mich das Bild bis zum Ende meines Lebens begleiten wird.
      Als ich dann im Konzert das erstemal die Symphonie hörte, dachte ich, boah, das ist doch aus der Werbung. :hide: Kennt die noch jemand?

      :wink: Talestri
      One word is sufficient. But if one cannot find it?
      Virginia Woolf, Jacob's Room
    • Talestri schrieb:

      Wie Beethoven bei Peter Stuyvesant klaute. :thumbup:
      Leider, leider steigt bei mir im letzten Satz der 7. Symphonie von Beethoven IMMER ein Hubschrauber auf, kerniger Pilot drinnen, löst irgendein Weltproblem und verspricht den Geschmack der großen weiten Welt.
      In den 70ern oder 80ern fand ich das fetzig, nicht ahnend, dass ich a) niemals mit dem Rauchen anfangen werde und b) mich das Bild bis zum Ende meines Lebens begleiten wird.
      Als ich dann im Konzert das erstemal die Symphonie hörte, dachte ich, boah, das ist doch aus der Werbung. :hide: Kennt die noch jemand?

      Nein, kenne ich nicht.

      Aber ich finde, um auch auf den Thread-Titel zurückzukommen, dass es zwischen der Werbung und Filmen durchaus noch einen qualitativen und inhaltlichen Unterschied gibt.
      Ja: manche Werbespots sind witzig (zumindest, wenn man sie einmal hört und sieht, leider greift sich bei mir jeder Humor ab, wenn man sie, ganz oder sogar nur verstümmelt, ein bis zweimal in jeder Werbepause reingewürgt bekommt), aber ein Werbespot dient doch in seiner Aussage naturgemäß nur einem Ziel: den Verkauf des Produkts zu steigern. Und gerade durch das Dauergenudel ist hier die Spoilergefahr besonders groß.

      In einem Film hat der gezielte Einsatz klassischer Musik auch eine dramaturgische und damit auch künstlerische Komponente. Ich denk auch an Mahler V, langsamer Satz, in Viscontis Tod in Venedig. Großes Kino mit großer Musik. Aber das die Symphonie deshalb für mich "spoiled" wäre - nein, das kann ich nicht sagen.

      Ich beobachte allenfalls, dass in Hollywood besonders Bösewichter, besonders die vom Typ "Mad Genius", eine Neigung zur Klassik zu haben scheinen. Das wiederum schickt für mich Klassik in eine gefährliche Ecke. Muss man in den USA ein Irres Genie sein, um Klassik zu lieben?
      In Deutschland sind die Charaktere eher schrullig (z.B: Professor Börne im Münsteraner Tatort mit seiner Liebe zu Mahler oder Wagner), was nicht viel besser ist...

      Eigentlich sieht man niemals "Normalbürger", die Klassik mögen. Das führt dann in Interview mit musizierenden Jugendlichen zu merkwürdigen Fragen wie: "Spielst Du nur Klassik oder auch so richtige Musik?" Ein Satz, bei dem ich den Sender damals sofort abgeschaltet habe.

      Oder, um den Bogen zum Threadtitel zu schlagen: ist die Verwendung klassischer Musik zur Charakterisierung von Filmfiguren ein Spiegel der Realität oder beeinflusst sie die Realität und wird damit selbsterfüllend?
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Eine sehr positive Erfahrung ist für mich die Verwendung des letzten Satzes aus der Haydn-Sinfonie No.45 sog. "Abschiedssinfonie" in Sergej Bondartschuks Meisterwerk "Krieg und Frieden" (1965-67).

      Das Schlußthema erklingt im Zusammenhang mit dem alten Fürsten Bolkonski, der auf seinem Landsitz ein strenges Regiment führt. In dieser Figur verkörpert sich ganz das Ancien Regime; der alte Herr trägt Perücke, und die gesamte Szenerie atmet die Atmosphäre einer längst und unwiederbringlich vergangenen Zeit.

      Ich finde die Auswahl der Musik daher einfach kongenial.


      (wie ich überhaupt dieses filmische Meisterwerk wärmstens empfehlen kann - allerdings erstreckt es sich in seiner Gesamtheit über ca. 8 Stunden....)

      :juhu: :juhu: :juhu:

      Magus
      "Whenever we hear sounds, we are changed, we are no longer the same..." Karlheinz Stockhausen 1972
    • Travinius schrieb:

      Ich beobachte allenfalls, dass in Hollywood besonders Bösewichter, besonders die vom Typ "Mad Genius", eine Neigung zur Klassik zu haben scheinen. Das wiederum schickt für mich Klassik in eine gefährliche Ecke. Muss man in den USA ein Irres Genie sein, um Klassik zu lieben?
      Da fiel mir jetzt sofort Hannibal Lecter (manche schreiben/sagen tatsächlich "Lector") ein.
    • Ich find's genau dann problematisch, wenn der Film bzw. die Dramaturgie desselben nicht stark genug ist für das gewählte klassische Stück. Das letztere kriegt dann ein Übergewicht und erzählt mehr als die Filmszene selber, das kann beide Seiten belasten (den Film garantiert; beim Stück gehts mir meistens so dass ich die Bilder dann recht schnell vergesse und die Musik ungetrübt hören kann). Bei sehr guten Verwendungen ist es im Moment der Filmszene für mich vollkommen stimmig bzw. verleiht der Szene noch einen "Meta-Text", einen transzendenten Überschuss. Und dann können sich eine Weile nach dem Filmgenuss auch bei der Musik ggf. noch die Bilder oder Assoziationen einstellen - MÜSSEN es aber nicht. Positivbeispiele in diesem Sinne sind für mich: Viscontis Tod in Venedig (obwohl ich hier ganz klar die V. mehr mag als den Film, aber die Musik hilft dem Film dabei sich von der literarischen Vorlage zu emanzipieren), von Triers Melancholia (sehr erstaunlich, weil die Musik nicht mal besonders feinnervig eingesetzt ist, d. h. zu viel; trotzdem sind die Bilder so stark dass sie den Tristan aushalten und von ihm profitieren), die Szene aus Birth von Jonathan Glazer wo das Paar zu spät in die Oper kommt und das Gewitter aus dem 1. Akt Walküre die Großaufnahme von Annas Gesicht begleitet. Wo ich diese Sachen aufzähle, wird mir das mit dem Meta-Text nochmal eindrücklich bestätigt: bei Visconti ist es mindestens die Assoziation zur Entstehungszeit und zur Künstler-Problematik überhaupt, bei von Trier die endgültige Identifizierung der Libido mit dem Todeswunsch (was im Tristan selbst ja nur allmählich geschieht; hier wird es als Topos zitiert und für etwas sehr Radikales 'benutzt') und bei Glazer die Assoziation der 'verbotenen', aber unentrinnbaren Liebe, die wie/durch eine Naturgewalt hereinbricht.
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      Musica est exercitium metaphysices occultum nescientis se philosophari animi
    • Ach so, und weil Kubrick genannt worden ist: den finde ich dbzgl. IMMER gut, sei's das erwähnte 2001, Clockwork Orange, oder Eyes Wide Shut... (das war doch gradezu eine Wiederentdeckung der Jazz-Suite von Schostakowitsch, oder?)
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      Musica est exercitium metaphysices occultum nescientis se philosophari animi
    • P. S. Wichtig ist beim Einsatz natürlich auch wie genau - dafür ist die Glazer-Stelle auch ein hervorragendes Beispiel. Das Attacca verbindet das 'Gewitter' (= das innere der Figur, die in diesem Moment anfängt zu 'glauben') mit dem Zusammenbruch des Kindes, der es auslöst.
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      Musica est exercitium metaphysices occultum nescientis se philosophari animi
    • Recordatorio schrieb:

      on Triers Melancholia (sehr erstaunlich, weil die Musik nicht mal besonders feinnervig eingesetzt ist, d. h. zu viel; trotzdem sind die Bilder so stark dass sie den Tristan aushalten und von ihm profitieren)


      Recordatorio schrieb:

      bei von Trier die endgültige Identifizierung der Libido mit dem Todeswunsch (was im Tristan selbst ja nur allmählich geschieht; hier wird es als Topos zitiert und für etwas sehr Radikales 'benutzt')


      Schrieb ich schon andernorts: Einerseits ist das Tristan-Vorspiel eher konventionell eingesetzt, aus dem Off, suggestiv und vor allem etwas zu häufig. Aber dann doch auch wieder bemerkenswert intelligent: das Vorspiel zur Oper als Musik zur filmischen Ouvertüre (komplementär: nur zum Abspann ertönt das Vorspiel zum dritten Akt), der Zusammenprall der beiden Themen auf dem dynamischen Höhepunkt zum Zusammenprall der Planeten, und vor allem - besonders unheimlich - die Basslinie des Endes zu der zweimaligen Szene mit dem scheuenden Pferd.

      Der Film setzt ja wie der Tristan auf die Konfrontation einer zunächst übermächtigen, sich dann aber als ohnmächtig erweisenden "Tagwelt" mit einer immer mehr dominierenden "Nachtwelt", verkörpert durch die beiden Schwestern (die Parallele zu Isolde und Brangäne drängt sich mir auf, ich bestehe aber nicht darauf).


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Händel-Antichrist. Ja.. das ist auch eine große Szene in meinen Augen!! Weil etwas Furchtbares (das Furchtbarste) extrem schön erzählt wird, und das ist, mutatis mutandis, auch die Verfahrensweise dieser Musik (Leider ist alles NACH diesem Prolog für mich eher Schmarr'n, aber das wäre hier OT.)
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      Musica est exercitium metaphysices occultum nescientis se philosophari animi