Heute in der Oper: "La traviata" live aus Mailand

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    • Heute in der Oper: "La traviata" live aus Mailand

      Im Fernsehen auf arte oder auch hinter "http://liveweb.arte.tv/de/video/La_Traviata_in_der_Mailander_Scala/" diesem Adventskalendertürchen - Diana Damrau als Violetta, Piotr Beczala als Alfredo und Zejlko Lucic Germont pére.

      Bisher nicht so der besondere Kracher (Damrau etwas säuerlich, Beczala kommt oft erst spät zum Ton), durchaus auffallend vor allem die für die Sänger arg ungünstige Positionierung der Mikrofone. Dagegen: Dieser Tcherniakov ist wirklich ein verdammt guter Regisseur, exzellente Personenführung.

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      »Neulich haben Sie mich gegrüßt und ich hab Sie leider nicht gleich erkannt. Das nächste Mal, wenn ich Sie wieder nicht erkenne, treten Sie mir in den Arsch. Großartiger Jochanaan übrigens, neulich.«
      Hans Knappertsbusch zu Hans Hotter
    • Beczala hat seine Szene gerade mal ganz nett in den Sand gesetzt, jetzt ist Lucic dran, für den ich eh eine Schwäche habe.

      [...]
      »Neulich haben Sie mich gegrüßt und ich hab Sie leider nicht gleich erkannt. Das nächste Mal, wenn ich Sie wieder nicht erkenne, treten Sie mir in den Arsch. Großartiger Jochanaan übrigens, neulich.«
      Hans Knappertsbusch zu Hans Hotter
    • Diana Damrau als Violetta singt zwar recht gut - aber Schwindsucht hat die nie, was man ihr persönlich auch nicht wünschen würde.

      Jedoch muss ich bemerken, dass wir in unseren Landen schon unmöglichere und schlechtere Traviatas gesehen und gehört haben.

      Piotr Beczala als Pizzabäcker ist recht gut und hat einen Tenor, auch schon was Rares heutzutage, und Zejlko Lucic ist zwar als Vater Germont etwas langweilig - aber hat einen Bariton und das ist schon etwas.

      Zum Glück hat sich die Scala nicht Placido in dieser Partie geholt. Mara Zampieri als Annina macht das was sie heute am besten kann, sie singt kaum.

      Berührend war der Dirigent Daniele Gatti, der an Nelson Mandela dachte und das hat ihm, bei mir, schon ein Plus gebracht.

      Den Rest schaue ich mir morgen an, auf DVD überspiele ich sie nicht.

      Euer Peter aus Wien. :wink:
    • Ich freu mich schon auf den Schlussapplaus. Bisher gemahnen die Beifallsbekundungen ja eher daran, dass sich sämtliche Zuschauer beide Handgelenke gebrochen zu haben scheinen (gut, das korrespondiert mit dem Niveau der Aufführung. Da hab ich vor ein paar Jahren in Osnabrück eine wesentlich bessere Traviata gehört, auch wenn mir Lucic nach wie vor super gefällt)...
      »Neulich haben Sie mich gegrüßt und ich hab Sie leider nicht gleich erkannt. Das nächste Mal, wenn ich Sie wieder nicht erkenne, treten Sie mir in den Arsch. Großartiger Jochanaan übrigens, neulich.«
      Hans Knappertsbusch zu Hans Hotter
    • Cantus firmus im 1. und 3. Akt scheint zu sein, dass es genau drei Arten von Requisiten gibt: Sitzgelegenheiten, Lampen und Flaschen mit bewusstseinserweiternden Substanzen (ok, und Tischchen, auf denen man diese griffbereit darbieten kann). Die Gesellschaft scheint lichtarm zu sein - und die Zustände nüchtern nicht zu ertragen.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Noch keine "Traviata" hat mich so kalt gelassen wie diese - und das will schon etwas heißen. Der Regisseur hat nicht verstanden, daß diese Oper auch ein optisches Kunstwerk sein sollte, und er hat meiner Meinung nach weder das Libretto noch die Musik wirklich begriffen. Die Übertragung in die Gegenwart stört mich gar nicht so prinzipiell, obwohl die so wesentlichen sozialen Konflikte dadurch sehr an Schärfe verlieren. Doch der platte Realismus, die vordergründige und oberflächliche Interpretation (wo ist etwa der im Textbuch angesprochene Luxus des Landlebens?) rauben der Aufführung die Glaubwürdigkeit.
      Diana Damrau ist eine eminente Künstlerin, aber weder vom Typ noch von der Stimme her ist sie eine ideale Violetta. Ihre Spielbegabung reicht hier nicht aus, um das vergessen zu machen. Dabei gebe ich die Schuld hauptsächlich nicht ihr, sondern dem Regisseur, der (nicht nur) sie zu allerhand unnötigem Gefuchtel anhält und Tiefgang offenbar nicht erlaubt. Das Verletzliche wird keinen Augenblick spürbar, obwohl sich die Damrau wirklich in steigendem Maß Mühe gibt. Im ersten Akt ist sie eine eher überreife, erfahrene Kokotte, der man das echte Gefühl nicht abnimmt - vermutlich ist das gewollt. Naja, in der Musik findet das für mich keine Deckung. Als simples, kleinbürgerliches Landei wirkt Damrau überzeugender, aber das ist für mich auch die falsche Tour.
      Lucic ist lediglich ein durchschnittlich guter Germont. Vielleicht bin ich ungerecht, aber andere Interpreten von Merrill bis Hampson oder selbst der stimmlich etwas verblassende Renato Bruson (den ich diese Woche in dieser Rolle und in der Busseto-Inszenierung Zeffirellis bewundere) schlagen ihn um Welten. Am ehesten spricht mich noch der Alfredo Beczalas an, obwohl mir der bei Puccini auch besser untergebracht scheint als bei Verdi. Doch er hat viel Erfahrung mit der Partie, und das spürt man.
      Daniele Gatti dirigiert routiniert, aber auch ziemlich oberflächlich und besonders anfangs wenig subtil. Er paßt sich halt an.

      Die Scala war einmal ein führendes Operntheater. Jetzt hat sie für mich endgültig Provinzniveau erreicht (wobei ich wirklich nicht behaupte, daß Wien die Nase hoch tragen kann).
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Sagt mal, habt Ihr wirklich dieselbe Übertragung gesehen wie ich, auf arte ? Ich habe schon viele Traviatas erlebt. Doch keine bisher hat mich so tief berührt wie diese, was ich im Wesentlichen der überragend singenden und spielenden Diana Damrau, sowie dem so innovativen Regieteam verdanke. So, genau so, stelle ich mir intelligente Regie vor, die mir, germäßigt und geschickt aktualisiereund, ganz neue Einsichten beschert, z. B. das überaus prekäre Verhältnis Violetta / Alfredo ! Meine anfängliche Skepsis der Damrau gegenüber ist spätestens nach ihrer großen Szene im ersten Akt gewichen . Was sie an Piano- und Legatokultur, Messa di voce und kontrolliertem Forte zeigt, weist sie als singuläre Sängerin aus, die auch darstellerisch zutiefst überzeugt. Aus der umjubelten Zwitschermaschine des Karrierebeginns ist eine begnadete Tragödin geworden - brava ! Und ihre beiden männlichen Partner standen ihr kaum nach. Ich habe einen beglückenden Abend verlebt - arte sei Dank !

      Ciao. Gioachino :juhu:
      miniminiDIFIDI
    • Gesehen habe ich die Übertragung nur bis kurz nach dem Erscheinen Germonts im zweiten Akt. Der hat mir das unbedingte Weitersehenwollen und damit meinen Willen verhagelt, mich gegen den Wunsch der Restfamilie, etwas anderes sehen zu wollen, durchzusetzen.

      Aber: Frau Damraus Leistung bis dahin im ersten Akt habe ich als ganz vorzüglich gehört und gesehen. Richtig, das war schon im ersten Akte keine vor Lebenslust strotzende Dolce Vita-Anhängerin mehr, sondern eine gereifte, manches an ihrem Tun bereits hinterfragende selbstkritische Person, die sich nicht mehr treiben lässt, sondern sich bewusst entscheidet, weiterhin mitzumachen beim lustigen Karussellfahren der Lebegesellschaft. Diese sehr gezielt das "e strano" betonende Haltung, die sowohl im Spiel als auch im Gesang zum Ausdruck bewunderungswert zum Ausdruck kam, war für mich neu, hat mich interessiert und zunehmend begeistert. Sängerisch und gerade auch technisch fand ich Damrau, wie gesagt, sehr, sehr gut. Persönlich habe ich lange nicht mehr eine solch überzeugende, genuin sängerische Interpretation gehört. Gefragt habe ich mich aber bisweilen, du, Gioachino, hast das Pianosingen angesprochen, ob das vielleicht allzusehr eine Interpretation für das Fernsehen, für die Aufnahme ist, ob das im Theater ebenfalls wirkt. Denn Rampensau-, bühnentierartig ist Damrau so gar nicht aufgetreten. Umso gespannter war ich auf ihren Applaus nach der großen Szene im ersten Akt und umso enttäuschter, als hier geschnitten wurde.

      Interpretatorisch sehe ich die Aufführung ebenfalls sehr weit vorn. Diverse Details gab es zu sehen, die die Interpretation und insbesondere die Neubewertung der Beziehungslinien Violettas zu den verschiedenen anderen Personen und Personengruppen ausagieren. Als kleines Beispiel seien die Puppen im zweiten AKt genannt. Rechts lag ein kleines blaues Püppchen, gekleidet wie Violetta im ersten Akt: Ein klares, kluges Zeichen. Madame Valery hat das Püppchenhafte abgelegt, ist jetzt echt. Kontrastierend dazu hängen über dem Tisch, an dem Alfredo Teig ausrollt, mehrere Engel. Ob man diese nun als Zeichen für das Paradiesische des Zustands oder für die Unechtheit auf einer anderen Ebene deutet, so oder so weisen sie den Betrachter der Szene auf das baldige Ende der Situation hin.

      Will sagen, die Kritik an der Aufführung kann ich nur sehr eingeschränkt nachvollziehen. Es freut mich sehr, Gioachino, dass du dich hier positiv zu Wort gemeldet hast.
    • Ich habe heute moregn ein bisschen in die Aufzeichnung reingeschaut, die Inszenierung hat mich nicht besonders umgehauen, allerdings ist die Detailarbeit von Tcherniakov. seine Personenführung, nicht zu übersehen. Diana Damrau hat mir technisch sehr gut gefallen als Violetta, und besonders gut fand ich den Lucic mit großem Einfühlungsvermögen, der nicht nur den dreisten Kalkulator sondern auch den liebenden Vater stimmlich demonstrieren konnte.
      http://wotans-opernwelt.blogspot.com/
    • Diana Damrau fand ich toll, sie hat mit Hingabe und großem Können gesungen und hat mich sehr berührt. Auch wenn ich die Kostüme stellenweise furchtbar fand - da sah sie teilweise aus wie die Witwe Bolte. Auch gab es, trotz teilweise nicht uninteressanter Einfälle, viele Regie-Ideen, die ich hanebüchen fand. Alfredo als Pizza-Bäcker und Gemüse-Schnippler, um von seiner Trauer abzulenken, während sein Vater "Di provenza" singt - naja, das war für mich eher unfreiwillig komisch.
      Piotr Beczala wurde m. E. zu Unrecht ausgebuht, er hat achtbar gesungen, wenn auch aufgrund der Konzeption kaum der Funke überspringen konnte - es sollte ja wohl so sein, dass die beiden Protagonisten eher kalt und distanziert zueinander sind.
      Zeljko Lucic hat mir gut gefallen, er hat einen klangschönen Germont gegeben. Das Dirigat war ansprechend, wenn auch stellenweise merkwürdige Tempi gewählt worden sind.
      „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
      Herbert von Karajan


      „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
      Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.
    • Peter Michaelow schrieb:

      Ich habe heute moregn ein bisschen in die Aufzeichnung reingeschaut

      Ich auch, das Testabo bei SaveTV macht sich bezahlt, zumal es nix kostet.

      Bühne langweilig, mit Damraus Schneider sollte man mal reden.
      Die beiden Protagonisten finde ich ausgezeichnet, die Reaktionen auf Beczała, abgesehen von ein paar intonatorischen Unsicherheiten, sind mir nicht verständlich, und ihm wohl auch nicht (auf Facebook: "My last production in La Scala... I think They should engage only Italian singers ... Why I spend my time for this" schmarrn" ... Arrivederci ...").

      Da fällt der Papa (Željko Lučić) deutlich ab. Das kriegt die Zweitbesetzung in Cottbus besser hin. Keine Power, keine Strahlkraft, keine Präsenz. Dumpf und belegt die Stimme, der Auftritt die Autorität, Tragik und Würde eines Bademantels.

      Da zeigt Diana Damrau umso mehr Gestaltung, sowohl stimmlich, als auch schauspielerisch. Freunde des reinen Schönklangs sind womöglich etwas enttäuscht, dafür kommt man umso mehr auf seine Kosten, wenn man auf die Besonderheiten des Duchstylens einer Partie Wert legt. Langeweile kommt da nicht auf, sehr eigenwillig, mit vielen Überraschungen, aber nicht unschlüssig legt Damrau die Rolle aus, technisch zudem meist brillant.
      Dazu ist sie eine begnadete Schauspielerin, wenn sie auch gelegentlich etwas zum Hyperaktiven neigt. Ob das ihr oder dem Regisseur anzulasten ist, sei dahingestellt, ihre Armarbeit könnte jedenfalls mit Rücksicht auf Blutdruckleidende noch etwas sediert werden.
      Aber ihre Mimik ist ungeheuer spannend, und insgesamt bringt sie einen Charakter auf die Bretter. Ob der nun jedermanns Violetta ist, mag man bezweifeln, doch ihr Spiel lässt die dröge Umgebung vergessen und sogar ihre Garderobe.

      Das Orchester unter Gatti (der erstmal die gesamte Hautevolaute mit Gedenkminute und -marsch für Mandela zum Aufstehen bewegt) finde ich ok, manchmal fehlt etwas Zug und Pepp, auch manche Extreme zwischen Dick und Dünn muten unmotiviert an, aber für die Buhs am Schluss reicht es eigentlich nicht aus. Solide Leistung, keine Sternstunde.

      Die Regieidee, Alfredo aufm Lande Teig kneten zu lassen, wird sicher dem Regisseur Tcherniakov übel genommen werden, ich find's witzig und dem gewollten antiurbanen Idyll angemessen.
      Die Personenregie macht mir Spaß, es ist immer was los (bin halt mit Kupfer groß geworden :D ), und es fehlt nicht an einfallsreichen Details.
      Ein zündenderes Setting wäre, wie gesagt, wünschenswert gewesen, aber auch so ist eine unterhaltsame und wirklich gespielte Traviata draus geworden.

      Wenn die an der Scala auch noch ordentliche Sänger für die Nebenrollen finden würden, wär's natürlich ganz dufte.

      :audi:
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Ich habe mir wesentliche Ausschnitte der Aufführung angesehen (danke für den Tipp) und bin trotz Hochachtung vor der grossen sängerischen Leistung eher abgestossen. Diese Traviata will offenbar ein ordinäres und spiessiges (osteuropäisches?) Prostituiertenmilieu zeigen, das in eine ebenso spiessige Landidylle (mit Pizzabäcker ;+) ) mündet. Violetta als miserabel geschmacklos angezogene und absolut unverführerisch wirkende Matrone- das hat wirklich überhaupt nichts mehr mit Dumas oder Verdi zu tun. Von schwindsucht kann da auch nicht mal andeutungsweise die Rede sein. Was will der Regisseur (dessen "Dialogue de Carmelites" ich hervorragend fand) damit ausdrücken? Mir tut Diama Damrau eher leid. Sie singt so perfekt und engagiert (was lieber Waldi gefällt Dir da nicht? die Stimme an sich?) und wird derartig verunstaltet, dass jedwede Glaubwürdigkeit der Musik für mich flöten geht. Das sie jede ihrer Aussagen mit ausladenden Gesten unterstützen muss, ist für mich eher ein Zeichen für schlechtes Schauspiel, aber wahrscheinlich wurde das so von ihr verlangt. Der letzte Akt ist der Beste aber das reicht nicht aus, die Sache zu retten Die Kritik an Beczala kann ich nicht nachvollziehen, für mich ein sehr guter Tenor und leider ebenso verloren in dieser Inszenierung wie seine Partnerin. Mich hat noch keine Travaita so kalt gelassen, da geht es mir ganz wie Waldi. Aber ich schliesse nicht aus, dass das genau die Absicht des Regisseurs ist: diese Oper total zu entzaubern, vom Sockel herunter und ins Kleinbürgerliche zu holen. Das hat sicher bei einem Mythos wie die Traviata es nun mal ist, etwas für sich. Nur Pech für Verdi, dass seine Musik das nciht hergibt....... ;(
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Diana Damrau empfinde ich stimmlich für die Violetta zu sehr hochdramatisch. Trotz perfekter Pianissimi fehlt mir der lyrische Schmelz, das "Zerbrechliche", das ich an der Callas, der Cotrubas, der Stratas oder der Bonfadelli in dieser Rolle so schätze. Sie schaut nicht nur gesund aus, sie singt auch so. Es ist ja auch irgendwie bezeiohnend, daß sie im begleitenden Interview auf den Zeffirelli-Film hinweist. Mir kommt das als dezente Kritik an ihrem Regisseur vor, wie ja auch Beczala sich von der Inszenierung eindeutig distanziert. Zeffirelli ist ja auch der klare Gegenpol zu diesem Regiestil. Man muß Zeffirellis Art nicht mögen, aber er hat dieses Werk quasi-authentisch und doch unserer Zeit gemäß erfaßt. Deckers Salzburg-Inszenierung beeindruckt mich als in sich sehr homogenes Kammerschauspiel, nur finde ich dort nicht die echte Verbindung mit der Musik. Aber das ist wohl auch eine Geschmacksfrage, die Qualität erkenne ich an. Doch in der Scala finde ich kaum etwas Geglücktes, Herr T. packt die Sache von vornherein ziemlich falsch an. Wo bleibt Verdi, wo bleibt die Aussage des Librettos?

      Andere empfinden das nicht so wie ich, und das ist ihr gutes Recht. Immerhin sind die bisherigen Äußerungen, nicht nur in diesem Forum, mehrheitlich reserviert bis ablehnend, doch warten wir ab, wie sich die Diskussion weiter entwickelt.

      :wink: Waldi
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      Homo sum, ergo inscius.
    • audiamus schrieb:

      abgesehen von ein paar intonatorischen Unsicherheiten


      ...über die ich allerdings ganz schön gestolpert bin, speziell als das Orchester nach dem unbegleiteten Duett ziemlich am Anfang wieder eingesetzt hat. Auweia! Aber passiert halt, thats live. Ausserdem hat er sich gefangen. Das Ausbuhen war grob unfair, ich hasse das gegenüber den SängerInnen sowieso.

      Die Traviata ist nicht mein Verdi - Favorite, hat jedoch eine Geschichte, die irgendwie zeitlos ist. Diana Damrau finde ich stimmlich durchaus passend für diese Rolle, bemessen danach, dass der Klang der Callas hierfür wohl nicht so ohne Weiteres erreicht werden kann. Diesen herben Einschlag, der durchaus den schlechten Gesundheitszustand der Frau widerspiegeln konnte, kann man kaum technisch herstellen, den muss man haben. Schwindsucht und Singen passt einfach nicht zusammen und daher rühren die Schwierigkeiten einer realistischen Darstellung. Ich meine, dass es D. Damrau mit ihrer Darstellung hinbekommen hat, die kranke Frau, die ihren schlechten Zustand mit Willenkraft zu beherrschen sucht, wenn sie in Gesellschaft ist, glaubwürdig zu verkörpern (die Kleidung hat mich allerdings auch ziemlich gestört). Ich glaube nicht, dass man die Violetta mit kranker Stimme befriedigend singen kann.

      :wink: :wink: .
      Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren (Bert Brecht)
    • Liebe Ulrica, natürlich kann und soll niemand eine solche Mammutrolle mit kranker Stimme singen, das wollte Waldi mit Sicherheit nicht sagen. Es geht aber darum, bereits beim Casting dieser Rolle, eine Stimme und Sânger-Personlichkeit mit der Violetta zu betrauen, die das "Kranksein" glaubwürdig verkörpern UND singen kann. Ich kann Waldis Bedenken im Fall Damrau da sehr gut nachvollziehen. Anders als keineswegs "kleinere" und weniger dramatische Stimmen fehlt ihr das Zerbrechliche, Schwindsüchtige in der Palette, ihr Timbre ist sehr gesund und stark(wunderbar für ihre Karriere!) aber das passt nicht wirklich zu der Rolle. Mir hat sie im Land-Ei-Akt am besten gefallen, ich fand sie da am kongruentesten.
      Irgendwie erinnert mich das an Anna Netrebko als Antonia und Maria Agresta als Elvira. Einwandfrei gesungen und doch irgendwie daneben. Und dann noch in dieser Gewandung die genau das "daneben" voll unterstreciht. Wer kommt bloss auf solche Ideen?
      Aber das ändert gar nichts an ihrer tollen Leistung! :fee:
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    • FairyQueen schrieb:

      Mir hat sie im Land-Ei-Akt am besten gefallen, ich fand sie da am kongruentesten.


      Genau! Nur kommt in der "Traviata" von Verdi und Piave weder eine Babuschka noch eine Matrjoschka vor, auch keine italienische Mamma. Vielleicht hat der Regisseur, der angeblich kein Italienisch kann, einfach ein falsches Textbuch erwischt?

      Liebe Fairy, ich kann mich Dir nur anschließen, danke!

      :wink: Waldi
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Lieber Waldi!

      Siehst Du - das hat der Regisseur "wohlwollend" geändert und ich fand den 2. Akt mehr als komisch. Am Besten gefallen hat Piotr Beczala, wenn er auch in einer Kochshow besser aufgehoben gewesen wäre.

      Ihn auszubuhen war mehr als unfair. Diana Damrau die mir als Gretel gefiel, hat mit Mara Zampieri mehr als Seeräuer Jenny gepasst.

      Ich habe es noch, aufgenommen, bei mir liegen kann mich aber nicht überwinden es auf DVD zu überspielen.

      Liebe Grüße sendet Dir Peter. :wink: :wink: