BEETHOVEN: Fidelio – Oper als Freiheitsapotheose

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    • Es gibt einen Brief Beethovens, in dem er einem Verleger oder so vorschlägt, man könnte zur Not bei der Hammerklaviersonate op.106 auch das Finale weglassen und dafür die Mittelsätze umstellen... Der Leitgedanke ist hier, besser irgendeine Aufführung, als gar keine, weil das Werk original zu schwierig ist,

      "Fidelio 1805" legt aber für den unbedarften Zuschauer ein unveränderten (oder jedenfalls höchstens leicht gekürzten, nicht modern neubearbeiteten) Text nahe, oder?
      Ich halte Libretti auch nicht für sakrosankt, aber die Kombination eines veränderten/neuen Textes mit einer unüblichen Gesamtfassung finde ich erstmal unglücklich.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      "Fidelio 1805" legt aber für den unbedarften Zuschauer ein unveränderten (oder jedenfalls höchstens leicht gekürzten, nicht modern neubearbeiteten) Text nahe, oder?
      Das würde dann aber gegen jedes Hinzufügen neubearbeiter Dialoge sprechen, oder? Also nicht konkret hinsichtlich Fidelio?

      Meiner Erinnerung nach (ich war vor ein paar Tagen in der Aufführung) wurde in den Dialogen nichts Wesentliches am Stück geändert. Jedenfalls waren die Änderungen meiner Meinung nach geringer als die - ebenfalls erlebte - Änderung in der Zauberflöte, dass Pamina die Tochter der Königin der Nacht UND Sarastros ist. Das ändert meiner Meinung nach etwas am Stück, im Gegensatz zu Dialogen, die die Handlung sozusagen aus der Perspektive der Hauptfigur erzählen.
    • Hä? Ich dachte, es wäre im wesentlichen ein komplett neuer Sprechtext hinzugefügt worden?

      Ich sehe das ganz pragmatisch. Den normalen Fidelio kennt man evtl. praktisch auswendig. Da sind solche Änderungen kein Problem. Bei einer fast nie gespielten Fassung überwiegt für mich das "philologische" Interesse gegenüber dieser Fassung, die ich dann im Rahmen des praktisch sinnvollen (was ggf. Kürzungen im Sprechtext einschließen könnte) unverändert sehen wollte. Sonst wirkte das auf mich so, wie wenn man Shakespeare im nachgebauten Globe Theatre mit Knaben in Frauenrollen, aber auf französisch, spielen würde...
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Naja, schon ein "neuer" Sprechtext, aber inhaltlich widerspricht er nicht der bekannten Version. Es war einfach die übliche Fidelio-Handlung erzählt aus der Perspektive von Leonore.

      Die "fast nie gespielte Fassung" ist ehrlich gesagt nicht soo anders im Vergleich zur üblichen: Andere Ouvertüre, ein zusätzliches Duett Leonore-Marzelline, eine musikalisch andere Florestan-Arie - im großen und ganzen waren das die wesentlichen Änderungen. Die Musik wurde ja ohnehin unverändert gegeben, nur die Dialoge durch innere Monologe ersetzt, die die Leonore-Sängerin mit einem alter ego führt.

      Also: Wer es wirklich wissen will oder auch nur kurz in die Produktion hineinschauen mag: Unter diesem Link ist ein Video-Mitschnitt bis 30. Juli 2020 verfügbar!