Lieder der Malocher

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Die Männer der Arbeit

      Eine Vorbemerkung: Ausnahmsweise ist im Booklet der Text nicht abgedruckt. Eine Recherche im Internet brachte mir zwar ein 60bändiges Werk (wobei es sich um Hefte, nicht um Bücher handelt, diese 60 Hefte auch nicht ein dickes Buch füllen) beim Antiquar in eher schlechtem Zustand anboten (wobei dabei noch nicht gesichert ist, dass dieser Liedtext enthalten ist), aber nicht den Text des Liedes, auch nicht die diversen Liederbücher, die ich in meinem Regal stehen habe. Der Versuch, das Gesungene zu transkribieren, erwies sich als schwierig, da brauche ich noch jemanden, der mithört. Ich werde den Text also nachliefern, mein gehörtes Fragment lasse ich mal so stehen. Ich habe so meine Vermutung, warum es auch den Editoren der verdienstvollen Ausgabe nicht gelang, den Text für den Leser/Hörer zu sichern.

      Der Booklet-Text beschäftigt sich mit der neuen Rolle des Arbeiterliedes nach dem Erfurter Parteitag. Die eindeutige Wendung zum Marxismus sollte auch ihren Platz in den Liedern finden, doch wie will man eine ökonomische Analyse in Liedtexten fassen? Wer je einmal an einer Kapital-Schulung teilgenommen hat, weiß, wie schwer es ist, das in eine Prosa zu gießen, die sich vom Orignal zu einem für den Normalbürger verständliches Deutsch bewegt. Also werden Kernaussagen auf die entscheidenden Mitspieler projiziert, die Arbeitsmännrer, die Männer in der Bluse oder wie hier die Männer der Arbeit. Sie werden als die Akteure beschrieben, aus denen sich die neue Klasse entwickelt - das Proletariat, das sich organisiert, das um seine Befreiung kämpft - und zwar weltweit. Die emanzipatorischen Ideen konnte man massenwirksam in Lieder fassen.

      Dass ich solche Schwierigkeiten mit dem Erkunden des Liedtextes hatte, zeigt allerdings auch, wie zeitbedingt die künstlerischen und politischen Lösungen waren, die diese Lieder widerspiegelten. Sie hatten ihre aktuelle Wirksamkeit - die Aufnahme auf der CD wird von dem Browier-Hamann-Quartett gesungen und stammt aus dem Jahr 1911 - aber der Fortgang der Geschichte sollte die aufgeworfenen Fragen verschärfen und aktuellere Antworten erfordern. International gesehen war die Sozialdemokratie ja noch ein bunter Haufen mit national sehr unterschiedlicher Ausprägung (wenn wir etwa an den anarchischen Syndikalismus denken, dem wir en passant in den USA begegnet sind). In Deutschland war sie nun formiert (was eine Reihe von Ansichten ausschloss). Wie sich der im Lied angesprochene weltweite Kampf formieren würde, das, was man die Internationale nennen wird, lag noch im gnädigen Nebel der Utopie.

      Und so erklären sich meine Probleme mit dem Text (und seiner hymnischen Vertonung) - vieles ist aus dem Ungewissen heraus formuliert, wo man anderenorts weiß, welche Wörter folgen müssen, ist es hier (und das macht das Lied auch wieder interessant) noch nicht vorgegeben.

      Der Textautor ist nicht bekannt, der Komponist Carl Gramm.



      Ertönet ihr Lieder im jubelndem Chor
      Die Herzen vom Wahne befreit.
      Wir steh'n jetzt gerüstet wie nie je zuvor
      Und bleiben die Sieger im Streit.
      ...



      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Völkerfrühlingslied

      Das Lied entstand 1894, der Autor ist unbekannt, die Vertonung ist von Theodor Thieme. Es singt das Browier-Hamann-Quartett mit Orchesterbegleitung (1912)

      Ein weiteres Lied, das kaum bekannt ist, erst durch die Veröffentlichung der Bear Family Records wieder ins Bewusstsein gerückt ist. Entsprechend wenig findet man über das Lied - auch im Booklet, das schnell zu einer allgemeinen Analyse übergeht. Damit gewinnt das Lied seine Geschichte nicht zurück, wird allenfalls ein Dokument einer vergangenen Zeit.

      Der ungelenke Text, bei dem allenfalls ein studentisches "Pereat!" (= Vergehe!) auffällig ist, bietet eine zum Teil unmotivierte Ansammlung von Stichwörtern, bei denen "treulich, rein und klar" doch schon seine dicke Staubschicht offenbart. "Urstand" und "Todesweihe" sind auch zwei unmotiviert auftauchende, uns heute fremd gewordene Wörter. Aber mit einer zündenden Melodie vermittelt sich weniger ein Zusammenhang (wieso Völkerfrühing - hier kommt nur ein Volk vor), aber doch die identitätsstiftenden Begriffe.

      Auch hier Alex Köhler

      Seit den1880er Jahren konzentrierten sich die SPD und ihre Reichstagfraktion immer stärker auf die parlamentarische Arbeit und den Kampf um konkrete Reformen, weshalb Revolution nicht Teil sozialdemokratischer Praxis wurde. Hinzu kam: Der Arbeiterdichter trug zwar den Ballast theoretischer Reflexionen von Seiten der Partei auf der Schulter, verfügte aber über keine eigenen Revolutionserfahrungen. So blieben denn Revolution und Zukunfterwartungen in den Liedern abstrakte Hoffnungsbilder.


      Doch, da ist das Völkerfrühlingslied ein gutes Beispiel. Eine Erfahrung von Revolution ist nicht mehr enthalten, wichtig ist die Präsenz - ich ergänze - die die parlamentarische Arbeit stützt, aber sie nicht gefährdet. Am Ende versammelt man sich um den Maibaum, zurück gelassenes Symbol der Französischen Revolution, inzwischen längst Folklore.

      Tritt empor die Morgenröte,
      Blicket reinlich, treu und klar,
      Grüßend einzig die erhöhte
      Volks- und Freiheitskämpfer-Schar.

      Sie soll auch den Urstand brechen,
      Todesweihe, tritt hervor!
      Sollst für freie Männer sprechen,
      Feurig zu des Volkes Chor.

      Vorwärts in geschloss'nen Zügen
      Durch des Frühlings Morgenrot.
      Pereat den frechen Lügen!
      Pereat der Kämpfer Not!

      Bahnt der Freiheit eine Gasse,
      Schafft dem Guten eignen Raum,
      Und von jedem Aderlasse
      Grünet man den Maienbaum!



      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Arbeiter-Sängergruß

      Text und Musik stammen von Martin Bombelke. Es singt das Browier-Hamann-Quartett mit Orchesterbegleitung (1911).

      Die Utopie einer freien Gesellschaft wird hier "Weltenmai" genannt. Die Menschheit, die Freiheit von der Knechtschaft, erhobene Herzen, das ist das Identifiaktionsrepertoire des Liedes. Als Symbol der Gemeinschaft gibt es das rote Banner. Auch hier: ein einfach gestricktes Lied, das sprachlich ein wenig holprig einher geht. Der "Lehrstoff" des Liedes, den es vermitteln will, ist auf jeden Fall gering: Not und Tod als Gegenwart, der Weltenmai als Zukunft.

      Der Beitrag im Booklet skizziert die Entwicklung der Arbeiterchöre, zu deren Repertoire eben auch so ein schlichtes Grußlied gehört. Vor der Illegalität hatten sich schon Arbeitergesangvereine herausgebildet, die sich zu regionalen Arbeiter Sängerbünden zusammenfanden. 1877 gab es einen Versuch, sie überregional zusammenzuschließen: Emil Sauerteig gründete 1877 den Allgemeinen Arbeitersängerbund. Die Repression des Sozialistengesetzes führte allerdings zur Auflösung. Die Arbeiterchöre blieben bestehen, ob mit neuem Namen oder als ein bürgerlicher Verein getarnt. 1892 gab es dann einen neuen Zusammenschluss: die Liedergemeinschaft der Arbeiter-Sängervereinigungen Deutschlands. Sie umfasste bei der Gründung 319 Gesangvereine mit 9150 Mitgliedern. Zwei Jahre später waren es schon 513 Männer, 27 gemischte Chöre mit insgesamt 19 320 Mitgliedern.

      Lasset laut im vollen Chor
      Unser'n Gruß erklingen,
      Der die Herzen hilft empor
      Sich zur Freiheit ringen!
      Frei in Wort und Tat zu sein,
      Soll das Lied uns lehren,
      Würdig uns der Menschheit weih'n
      Und der Knechtschaft wehren!

      Unsern Gruß vom Banner rot,
      Wahret ihn durch Not und Tod
      Bis zum Weltenmai!


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Arbeiter-Weihnachtslied

      Parodien populärer Lieder gehören zum festen Bestand der Volksmusik. Es ist kein Wunder, dass das im Bürgertum so beliebte sentimentale Weihnachtslied "Stille Nacht" seine Antwort im Repertoire der Arbeiterchöre fand. Boleslaw Strzelewicz textete 1895 das Lied um. Strzelewicz reiste als Vortragskünstler durch die Lande, seine Truppe "Gesellschaft Vorwärts" veranstaltete politisch-satirische Abende, die sehr beliebt waren. Dort wurde auch das Arbeiter-Weihnachtslied aus der Taufe gehoben. Es verbreitete sich schnell, die mündliche Tradierung brachte dann auch eine Vielzahl von textlichen Varianten hervor. So hatte Strzelewicz die Anfangszeile eigentlich in "Stille Nacht, traurige Nacht" umgeformt, auf der CD hört man die Original-Zeile des Ausgangsliedes. Dort singt Ernst Schröter, Berlin, von einem Orchester unter Leitung von Friedrich Kark begleitet. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1909.

      Man nähert sich hier an eine Grenze, die auch schon bei den letzten Liedern in Sicht kam: die bürgerliche Kultur wird rezipiert, entwickelt aber auch ihr Eigenleben, was den (gewünschten) Gehalt der Lieder konterkariert. Je schematischer Stichwörter des politischen Kampfes eingesetzt werden, umso mehr wird ein "Maiengrün" und eine "Weihnacht der Menschheit" aus einer Utopie zum bloßen Kitsch. Das Weihnachtsfest ist ein Fest des Friedens, ja, ein Fest der Liebe auch - aber kein Fest der Freiheit. Der glaubhafte Gehalt, das Lichterfest, bei dem die Arbeiter des Lichtes, das Fest der Leckereien, bei dem die Arbeiter des Brotes entbehren, diese starke, aus der unmittelbaren Erfahrung geborene Darstellung des Weihnachtsfestes, wird durch ein "Weihnachten der Menschheit" seiner Wirksamkeit beraubt. Aber noch etwas zieht m.E den Boden unter dem Lied weg, das ist die Melodie. Sie setzt ihre eigenen semantischen Akzente, da bedarf es schon ätzender Säure, um sich nicht von der Christkind-Stimmung einlullen zu lassen. Da mag das Arbeitsvolk auf Wacht sein, hier wird es eingeschläfert, hier entsteht statt Parodie sozialdemokratischer Kitsch.

      Stille Nacht, heilige Nacht,
      Ringsum Lichterpracht.
      In der Hütte nur Elend und Not,
      Kalt und öde, kein Licht und kein Brot,
      Schläft die Armut auf Stroh,
      Schläft die Armut auf Stroh.

      Stille Nacht, heilige Nacht,
      Drunten tief in dem Schacht
      Wetter blitzen, in drückender Fron
      Gräbt der Bergmann um seinen Lohn
      Für die Menschheit das Gold,
      Für die Menschheit das Gold.

      Stille Nacht, heilige Nacht,
      Arbeitsvolk, halte Wacht!
      Kämpfe mutig mit heiliger Pflicht,
      Bis die Weihnacht der Menschheit anbricht,
      Bis die Freiheit ist da,
      Bis die Freiheit ist da.


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Mailied (Im Osten glüht der neue Tag)

      Das Lied entstand um 1895, der Textautor ist Franz Hunold, der Komponist Carl Gramm. Auf der Cd wird es gesungen vom Browier-Hamann-Quartett. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1911.

      Bei dem doch dichterisch zweifelhaften Text, holt das Booklet erst einmal aus: Das Repertoire der Arbeitergesangsvereine gilt es genauer anzusehen. In der Sichtweise dieses Threads erfahren wir ja nur von den "sozialdemokratischen" Liedern. Diese sind aber nur ein Teil dessen, was damals gesungen wurde. Das Bildungsbestreben der Arbeiter zielte nicht auf eine eigene Kultur, es orientierte sich am Bürgertum. Und so entsprach das Repertoire weitgehend einer bürgerlichen Liedertafel, wobei wohl die opulenten Mahlzeiten fehlten, die Zelters Sangesgenossen und ihre Nachfahren einzunehmen pflegten - und was den Namen Liedertafel wohl erst rechtfertigte. Was also sang man: Volkslieder und klassische Chorsätze. Silcher u.a. beliebte Komponisten der Liedertafel durften da nicht fehlen. Das sozialdemokratische Repertoire war damit verglichen erst einmal schmal und setzte sich erst langsam durch. Es lehnte sich im Prozess der Anpassung an die bürgerlichen Chorsätze musikalisch und inhaltlich an. Damit gerieten die abgegriffenen Naturbilder und das falsche Pathos der allgemeinen Sangesliteratur auch in die genuin sozialdemokratische Liederliteratur hinein. Auch hier ist die Utopie blass, die Metaphorik ausgelatscht - und die Reime manchmal arg erzwungen. Auch die zunehmende Militarisierung der preußischen Gesellschaft speigelt sich wider.


      Im Osten glüht der neue Tag
      Und Morgenlüfte wehen,
      Von Lerchensang und Wachtelschlag
      Klingt's über Tal und Höhen.
      Da zieh'n wir aus, mit frohem Schall
      Das gold'ne Licht zu grüßen,
      Und fernhin schwingt der Widerhall
      Sich über Feld und Wiesen:

      Schlaft nur ihr Mächt'gen dieser Welt,
      Lasst uns der Zukunft sorgen.
      Wir Sozialisten zieh'n ins Feld
      Und unser ist der Morgen!

      Des jungen Tages frischer Schein
      Hat uns das Ziel gerichtet:
      Wir wollen freie Männer sein,
      Nicht länger feig vernichtet.
      Zerschellt des Marmors finst're Macht,
      Gesprengt die Sklavenketten,
      Dass wir uns aus des Elends Nacht
      Zum Licht empor erretten.

      Schlaft nur, ihr Mächt'gen dieser Welt,
      und lasst dem Volk die Sorgen.
      Als Sieger zieh'n wir einst vom Feld,
      Umringt vom Freiheitsmorgen!


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Frisch auf, mein Volk

      Aber es gab nicht nur Lieder wie das gestern zitierte "Mailied". Man entdeckte in den 90ern auch wieder das Werk Georg Herwegh und vertonte es, so auch ein Gedicht, das 1845 von Georg Herwegh geschrieben und unter dem Titel "O wag' es doch nur einen Tag!" veröffentlicht wurde. Der erste Vers nimmt einen Gedichteingang von Theodor Körner auf "Frisch auf, mein Volk, die Flammenzeichen rauchen" (1813). Auch hier ist es ein Aufruf an das Volk, das mit einem Zitat aus Schillers "Wilhelm Tell" verbunden ist "Versuch's mit uns nur einen Tag". Beide Textbezüge waren damals gut bekannt, das Körner-Gedicht fungierte als beliebtes vaterländisches Lied, Schillers "Wilhelm Tell" war bis in unsere illiteraten Tage eine wahre Fundgrube an gängigen Zitaten, die vielfach variiert und parodiert wurden. Der Aufruf Herwegh, einer revolutionären Gesinnung auch Taten folgen zu lassen, trifft in die Mitte sozialdemokratischer Befindlichkeit der 90er - aber auch für spätere Zieten. Das Lied wurde durchgehend rezipiert, die CD-Aufnahme ist von 1928, auch nach dem Zusmmenbruch des Faschismus stand das Lied in sozialistischen Liederbüchern.

      Der Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit macht die Fallhöhe des Gedichtes aus. Nur einen Tag - dafür mobilisiert der Dichter Pathos und Ehrbegriff. Für einen einzigen freien Atemzug soll das Leben eingesetzt werden, die Sklaverei verlassen werden. Hier greifen die Naturbilder, an die sich der Dichter nicht verliert, die wirksam seinen Appell flankieren, gleich der "Zorneswetterschein" lässt es aus den düstern Wolen der Gegenwart blitzen. Im Vormärz ist es der sich sammelnde Groll, der sich bald entladen will, entladen muss.

      Nach dem Scheitern der Revolution geriet das Gedicht in Vergessenheit, 1877 erschien eine posthum veröffentlichte Sammlung von Gedichten Herweghs, die "Neuen Gedichte". 1890 vertonte Clemens Zahn das Lied, mit dieser Vertonung begrüßte der Arbeitergesangverein Regensburg am 26. Juni 1892 die Delegierten des ersten Parteitags der bayerischen SPD. Eine Alternative war es, das Lied auf die bekannte Melodie "Zu Mantua in Banden" zu singen. Ab den zwanziger Jahre sind Herweghs Verse zunehmend mit weiteren Melodien kombiniert worden. Die bekannteste Weise davon ist vielfach einer "Clara Zahn" irrtümlich zugeschrieben worden – tatsächlich ist die Herkunft der Melodie jedoch nicht bekannt. Mit ihr wurde das Lied 1928 auch vom Arbeiter-Schalmeiorchester Berlin-Niederschöneweide und Louis van de Sande (Gesang) auf Schallplatte aufgenommen und fand in den Anfangsjahren des "Dritten Reiches" vereinzelt sogar Eingang in Schulliederbücher – bevor es nach 1935 aus dem NS-Herrschaftsbereich gänzlich verschwand. Andere Vertonungen des Liedes – von Wilhelm Decker (in: Kampflieder. Hrsg. Freie Sozialistische Jugend. Berlin 1919) oder Hans Wagner-Schönkirch (Ein freies Volk, op. 120, Leipzig: Eulenburg 1929) – blieben dagegen ohne erkennbare Resonanz. ("http://www.liederlexikon.de/lieder/frisch_auf_mein_volk_mit_trommelschlag")


      Frisch auf mein Volk mit Trommelschlag
      im Zorneswetterschein!
      O wag es doch nur einen Tag
      nur einen frei zu sein!
      Und ob der Sieg vor Sternenlicht
      dem Feinde noch gehört
      Nur einen Tag!
      Es rechnet nicht ein Herz, das sich empört

      O wart in deiner tiefen
      Auf keinen Ehebund
      Wer liebt, der gehet in den Tod
      Für eine Schäferstund
      Und wer die Ketten knirschend trug
      Dem ist das Sterben Lust
      Für einen freien Atemzug
      Aus unterdrückter Brust

      Laß deine Weisen fort und fort
      Nur Tod und Schrecken sehn,
      Dem Volk soll vor Prophetenwort
      Der Ruf der Ehre gehn.
      Horch auf, der letzte Würfel fällt,
      Dein Abend, er ist nah,
      Noch einmal stehe vor der Welt
      In deiner Größe da!

      O tilg nur einen Augenblick
      aus deiner Sklaverei
      Und zeig dem grollenden Geschick,
      daß es nicht ewig sei!
      Erwach aus deinem bösen Traum:
      reif ist, die du gesucht
      Und schüttle nicht zu spät vom Baum
      wenn sie gefault, die Frucht!

      Wach auf! Wach auf! Die Morgenluft
      Schlägt mahnend an dein Ohr:
      aus deiner tausenjährgen Gruft
      empor, mein Volk, empor!
      Laß kommen was da kommen mag
      blitz auf, ein Wetterschein
      Und wag´s, und wär´s nur einen Tag
      ein freies Volk zu sein!


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Radfahrer-Bundeslied

      Sportvereine waren eine weit verbreitete Form des Vereinslebens der Arbeiter. In den 1890er organisierten sich die Arbeitersportler, 1893 wurde der Arbeiter-Turnerbund gegründet. 1896 entstand der Arbeiter-Radfahrerbund "Solidarität" (daher das S in Vereinswappen oder -banner). Ihr Wahlruf war "Frisch auf!" Das Bundeslied wurde von L. Vogel geschrieben, von Gustav Adolf Uthmann 1896 komponiert. Es ist bis heute mit Arbeiter-Radfahrervereine verbunden, "Frisch auf" findet sich häufig im Vereinsnamen. Bei der Aufnahme aus dem Jahr 1910 singt Heinrich LKohalm, Berlin, begleitet von einem ungenannten Orchester unter Friedrich Kark.


      Wenn's Losungswort "Frisch auf!" erschallt,
      Frisch auf in aller Welt,
      Dann zeigen wir durch unser Werk,
      Was uns zusammenhält.
      Wir wollen frei und einig sein,
      Freiheit für Jedermann!
      Wo man für Recht und Wahrheit kämpft,
      Sind allzeit wir voran!

      Wir halten treu vereint zusammen,
      Frisch auf, voran! Frisch auf, voran!
      Ders Volkes Freiheit zu erlangen,
      Frisch auf, voran! Frisch auf, voran!

      Von Ort zu Ort, durch Wald und Feld,
      Wir ziehen froh dahin,
      Ein stetes Vorwärts drängt in uns,
      Nichts ändert unser'n Sinn.
      Ob Regen oder Sonnenschein,
      Ob drohende Gefahr,
      Für Volkes Freiheit kämpfet stets
      Die freie Radlerschar.

      Wir halten treu vereint zusammen ...

      In Nord und Süd, in Ost und West,
      Im weiten deutschen Land,
      Frisch auf, ihr freien Radler all,
      Reicht euch die Bruderhand.
      Und kämpfet mit vereinter Kraft
      Für Wissen und für Brot,
      Für Wahrheit und für gleiches Recht,
      Getreu bis in den Tod.

      Wir halten treu vereint zusammen ...


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Radfahrer-Marsch

      Wer den Film "Kuhle Wampe" kennt, weiß welche zentrale Rolle dort das Fortbewegungsmittel Fahrrad hat. In der Arbeiterbewegung hat sich die Sektion Radfahrer explosionsartig vergrößert. Waren es bei der Gründung des Arbeiter-Radfahrerbundes Solidarität noch 28 Bundesvereine mit 850 Mitgliedern, so waren es 1898 bereits 85 Vereine mit 2330 Mitgliedern. Seit 1896 erschien ein eigenes Organ "Der Arbeiter-Radfahrer". Geselligkeit und Radsport verbanden sich, abgelehnt wurde allerdings der Rennsport.

      Text und Musik des "Radfahrer-Marsches" schrieb Ludwig Neibig. Es gab ein eigenes "Liederbuch für Arbeiter-Radfahrer" (1910), dessen Titelblatt als Faksimile im Booklet erhalten ist - wie auch die anrührende Bildpostkarte mit einem Radfahrer-Pärchen, diese wurde von dem Arbeiter-Radbund vertrieben. Der Interpret auf der CD ist Heinrich Lohalm,Berlin, begleitet von einem ungenannten Orchester unter Friedrich Kark (1910).

      Die Naivität des Textes mag uns heute erheitern, doch macht sie deutlich: Auch bei einem Sportklub ging es nicht nur um körperliche Ertüchtigung und Geselligkeit. Die Weitergabe sozialdemokratischer Theoretiker wie Ferdinand Lasalle und seiner Lehre, Agitation und Propaganda sind Teil des Vereinsleben. Auf dem Rad mag man zusammenstoßen - so oder so - aber man kämpft dann doch mit den Mitteln des Geistes. Der Kampfplatz ist nun der der Reichstagswahlen, wo die Radler ausschwärmen, um Zögernde zu überezugen, um sozialdemokratische Wahlschriften zu verteilen - und am Ende das Ergebnis in die Gemeinden weiterzutragen. Die Sorge bei allem Optimismus ist weniger der Klassenfeind, die Utopie beschränkt sich auf ein abstraktes "Ziel", aber dass die Einigkeit gewahrt bleibt, liegt ihnen am Herzen. Die stiftet nun der große Ferdinand Lasalle.


      "Frisch auf, frisch auf!" ist die Parole
      Der freien Radler immerfort,
      Mit echtem Mut, mit wahrem Feuer
      Geht es dahin von Ort zu Ort.
      Und sie verkünden auf dem Fluge,
      Sei es durch Wort und Schrift und Tat:
      Was kannst du tun, was musst du lassen
      Als wahrer Sozialdemokrat.

      Begrüßet drum die freien Radler,
      Wo ihr "Frisch auf" auch nur erschall'.
      Ihr Wirken gilt allein der Lehre
      Des großen Ferdinand Lasalle.

      Ruft man zur Wahl die Arbeitsmänner,
      Zu losen um den rechten Mann,
      Stell'n in den Dienst die freien Radler
      Sich hier und dorten Mann für Mann.
      Die Zettel sind gar bald verteilet,
      Der Zögernde wird aufgeklärt,
      Das Resultat man aller Orten
      Durch sie mit Windeseil' erfährt.

      Begrüßet drum die freien Radler ...

      Gibt es auch mal Karambolage
      Auf diese oder jene Art,
      So hindert das die freien Radler
      Doch nicht an ihrer Weiterfahrt.
      "Frisch auf, frisch auf" hört man erschallen,
      Ihr Wahlruf sie elektrisiert,
      Wenn sie die Einigkeit sich wahren,
      Ihr Streben auch zum Ziele führt.

      Begrüßet drum die freien Radler ...


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Zum Völkerfrühling

      Gegenüber dem naiven Lied, das ich gestern vorgestellt habe, ist dieses scharf konturiert. Die Metapher "Völkerfrühling" stammt aus dem Vormärz, sie wurde von Börne geprägt (1818 taucht der Begriff zum ersten Mal in Börnes Zeitung "Die Wage"" auf). Die Metapher setzt den Frühling mit der Freiehit gleich. In der Natursymbolik liegt ein Anklang einer naturgesetzlichen Folgerichtigkeit. Nur wird der Völkerfrühling nicht geschenkt, man muss gegen die Kräfte des Winters, der Despotie, kämpfen, man muss sie vertreiben. Für den Vormärz verband sich im Begriff "Völkerfrühling" nationale Einheit, politische Freiheit und internationale Verbundenheit. Diese frühliberalistischen Ideen nahm die Arbeiterbewegung auf.

      Geschrieben hat den Text Emanuel Wurm 1896, gesungen wurde sie auf die Melodie der Marseillaise. Emanuel Wurm (1857-1920) war Journalist, Arbeiterdichter und SPD-Politiker (Reichstagsabgeordneter seit 1890). Er schrieb 1907 zu dem Thema Tendenzlieder (zitiert nach dem Booklet)

      Die Arbeiter aber dürfen sich nicht flüchten in das Nirgendwo einer kampflosen Welt. Ihre Lieder sollen und müssen singen und sagen von dem, was das Leben der Arbeiter beherrscht: der Kampf gegen eine niederdrückende, freudezerstörende Gegenwart, für eine menschheits- und schönheitsbefreiende Zukunft. Diese Tendenz muss heute das Lied des arbeitenden Volkes durchziehen, weil sie das Leben des arbeitenden Volkes erfüllt. Das Volkslied unserer Tage ist das Arbeiterlied.


      Dem ist nichts hinzuzufügen. Auf der CD singt das Männerquartett "Stettiner Sänger" mit Orchesterbegleitung (1911).



      Auf Freunde, lasst das Lied erklingen,
      Das Frühlingslied der neuen Zeit.
      Hört ihr die Stimme? Hört, sie bringen
      Uns Kunde, dass entbrannt der Streit.
      Doch all ihr Brausen, all ihr Wehen,
      Es festigt nicht des Winters Macht,
      Lasst toben sie, die Sonne lacht,
      Der Völkerfrühling muss entstehen.

      Hoch flattert das Panier,
      Die Freiheit bringen wir!
      Dem Völkerbund treu immerdar
      Ist Deutschlands Proletar.

      Und was uns heute hier vereinet,
      Um was wir ringen, heißt und schwer,
      Ist, dass der Freiheit Sonne scheinet
      Bald auch dem Proletarierheer,
      Zunächst muss erst die Kette fallen,
      In die das Kapital uns schlug.
      "Acht Stunden Arbeit sind genug",
      soll unser Mahnruf laut erschallen.

      Hoch flattert das Panier ...


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Wir wollen den Achtstundentag

      Eine der wichtigsten Forderung der Arbeiterbewegung war der Achtstundentag: acht Stunden Arbeit - acht Stunden Freizeit und Erholung - acht Stunden Schlaf. Karl Marx und Friedrich Engels hatten 1866 diese Forderung als erste aufgestellt und publikumswirksam an die Öffentlichkeit gebracht. Seit 1869 fand sich diese Forderung auch im Programm der SAP, später mit der Gründung der SPD. Sie wurde immer wieder propagiert und mit Aktionen untermauert, doch erst 1918 hat mit dem Ende der Monarchie der Rat der Volksbeauftragten eine Verordnung mit dem Ziel des Achtstundentags verabschiedet.

      Es gab zu dieser zentralen Forderung eine Reihe von Liedern. Dieses ist von 1897, der Text von Friedrich aus der Wiesche, der Komponist ist unbekannt. Hermann Wehling hat das Lied mit Orchesterbegleitung 1911 aufgenommen.


      Und schwangen auf die Kanzeln sich
      Allwärts die Priester und Pastoren,
      Verdammten laut und feierlich
      Das Ziel, das glühend wir erkoren.
      Und riefen Blitz und Donnerschlag
      Herab mit Beten und mit Singen -
      Es komme, was da kommen mag.
      Wir werden den Achtstundentag
      Dennoch erkämpfen und erringen!

      Vom Volk der Arbeit wird das Wort
      Von den acht Stundennie vergessen,
      Wie Feuer wird es fort und fort
      In allen Landen um sich fressen.
      Und mögt ihr euch zum Widerstand
      Mit hohen Schwüren auch verbinden -
      Das Volk, das diese Losung fand,
      Wir mit der harten, braunen Hand
      Euch den Achtstundentag entwinden!

      Was euch bei uns zu Kopfe stieg,
      Gewährt ihr murrend unsern Kindern;
      Verzögern könnt ihr uns'ren Sieg,
      Allein ihn nimmermehr verhindern.
      Mag da und dort der Ruf noch zag
      Und schüchtern an das Ohr euch klingen -
      Das Volk, das euch zu Füßen lag,
      Wird einstmals den Achtstundentag
      Von euch gebieterisch erzwingen.

      Wir jammern und wir bitten nicht,
      Bis euer Mitleid wir gefunden,
      wir sehen frei euch ins Gesicht
      Und fordern ruhig die acht Stunden.
      Und ob ihr zeternd widersprecht,
      Wir wollen lernen, wollen wissen!
      Das Wissen ist kein Herrenrecht;
      Drum wird in ehrlichem Gefecht
      Euch der Achtstundentag entrissen!


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Der Achtstundentag

      Hier stammen Text und Musik von L. Hylbert aus dem Jahr 1900. Auf der CD singt Hermann Wehling mit Orchesterbegleitung (1911).

      Die Botschaft des Liedes ist klar auf die Forderung des Achtstundentags konzentriert. Dabei impliziert die Erwähnung der Arbeitslosen, dass die Verkürzung der Arbeitszeit Arbeitsplätze schaffen kann. Ein erstaunlich deutlicher Aspekt des Liedes ist die Forderung nach Einheit als notwendige Voraussetzung des gemeinsamen Erfolgs. Gerade das starke Hervorstellen dieser Forderung verdeutlicht, dass die unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Arbeiterbewgung sich nicht verheimlichen lassen können. Ein Versuch, möglichst viele in den gemeinsamen Kampf einzubinden, ist der Verzicht auf eine theoretische Analyse, an deren Stelle tritt eine plakative Forderung als Minimalplattform - hier dier Achtstundentag. Doch die Risse, die sich inder Arbeiterbewegung gebildet haben, werden in den nächsten Jahren unso deutlicher werden: Internationale gegenüber dem grassierenden Nationalismus. Im letzten Lied wieder bewusst einbezogen, fehlt der Aspekt des gemeinsamen Kampf aller Völker in diesem Lied. Die Fahne der Partei symbolisiert, wem man sich zugehörig fühlt, hier wird die emotionale Einheit geschmiedet.


      Lasst Brüder uns entfalten
      Die Fahne der Partei.
      Treu woll'n wir zu hr halten,
      Nie soll Zwietracht uns spalten,
      Und die Parole sei:

      Acht Stunden Arbeit, um sodann
      Der Muße acht zu weih'n,
      Acht Stunden Schlaf für Jedermann
      Soll uns're Losung sein.

      Viel Tausend uns'rer Brüder
      Sind arbeitslos, in Not,
      Drum fordern wir stets wieder,
      Durch Wort, durch Schrift, durch Lieder:
      Gebt ihnen Arbeit, Brot!

      Acht Stunden Arbeit, um sodann ...

      Drum stehet fest zum Bunde,
      Genossen, fern und nah,
      Bald schlägt die Freiheitsstunde,
      Sie heilet manche Wunde,
      Die Freiheit hoch! Hurra!

      Acht Stunden Arbeit, um sodann ...


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Empor zum Licht

      Wenn man googelt und unter "Empor zum Licht" gleich mehrfach einen Kleingartenverein findet, so zeigt das, wo die machtvolle Metapher des 18. und 19. Jahrhunderts inzwischen gelandet ist. Das gilt für so manche Metapher, die uns bei den Arbeiterliedern begegnet. Um daran zu erinnern: Nur ein Teil der von den Arbeitersängerchören gesungene Lieder waren "Tendenzlieder", der größere Teil bestand aus der Pflege bürgerlichen Liedgutes. Der Begriff des Tendenzliedes geriet um 1900 in Gebrauch, er entspricht dem späteren Begriff der parteilichen Kunst. Dieser Liedertyp wurde vor allem durch den Wuppertaler Chordirigenten und Komponisten Gustav Adolf Uthmann repräsentiert. Das Booklet zitiert Hanns Eisler

      Die Lieder Uthmanns waren das, was der Sänger sangbar nennt, von einem Praktiker geschrieben, ihrer musikalischen Substanz nach aber eine schwächliche Nachahmung des damaligen bürgerlichen Musikstils. Die Texte waren im allgemeinen verschwommen, unklar, aber doch immer bemüht, etwas über das Denken und Fühlen des Arbeiters auszusagen. Uthmann also repräsentierte mit seinen Liedern den linken Teil der Arbeitersängerbewegung, der sich immerhin bemühte, eine Tendenzkunst zu schaffen.


      Hier fallen en passant einige wichtige Hinweise: Zum einen - noch profitiert die Arbeiterbewegung von dem Gelände, das das liberale Bürgertum ihm 1848 bereitet hat, politisch und ideologisch. Die Forderung nach dem Achtstundentag ist die erste spezifische, in der Arbeiterbewegung anzusiedelnde Forderung. Auch musikalisch wird der Raum dessen, was Vormärz und 1848 errungen hat, nicht überschritten - es gibt Nachholbedarf in Sachen Bildung, die Orientierung sind aber bürgerliche Bildungsziele und Teilhabe am bürgerlichen Kulturleben - und wenn nicht Teilhabe, dann doch (schwächliche) Nachahmung. Die Lichtmetapher ist die der bürgerlichen Aufklärung, wenn der Sonne Pracht beschworen wird, befinden wir uns im freimaurerischen Umraum der "Zauberflöte". Und wie in der "Zauberflöte" wird ein Bund geschmiedet, dem Männer und Frauen angehören.

      Der Text stammt von Emanuel Wurm, die Melodie von Gustav Adolf Uthmann. Entstanden ist das Lied 1901. Auf der CD singt das Browier-Hamann Quartett (1912).

      Empor zum Licht!
      Es geht die Nacht,
      Nur Wolken noch decken
      Der Sonne Pracht.

      Erwache Volk, erwache!

      Die neue Zeit, sie ist genaht,
      Männer und Frauen, nun auf zur Tat!
      Reicht euch die Hände zum Freiheitsbund,
      Bannet die Nöte vom Erdenrund.

      Erwache Volk, erwache!

      Zum lichten Bund schließt eure Reih'n,
      Dann kann die Sorge doch noch hinein.
      Stark wie ein Felsen im wilden Meer,
      Steht dann der Arbeit gewaltiges Heer.

      Erwache Volk, erwache!

      Herbei, herbei aus Stadt und Land,
      Nehmet den Hammer in eure Hand,
      Schmiedet und schmiedet, die Kette springt,
      Das neue Jahrhundert ihr euch erringt.

      Erwache, Volk erwache!
      Empor zum Licht!


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Dieser "Weckruf" ist nicht von Freiligrath, der Textautor ist unbekannt, die Komposition von R. Heinrich, das Lied entstand um 1902. Die Diktion des Liedes ist offensichtlich beeindruckt von dem "Kommunistischen Manifest", wobei ein deutlicher Akzent auf die Einigkeit gesetzt ist. Ausgehend von einer Naturmetapher, die aber auch die Assoziation des Gesetzmäßigen mit sich trägt, wird hier ein Brüderbund gefordert und zum Umsturz der Gesellschaft aufgerufen. Wie das Booklet bemerkt, sind solche Töne im sozialdemokratischen Liedgut selten zu hören.

      Die Aufnahme auf der CD stammt von dem Browier-Hamann-Quartett. Der "Weckruf" ist 1912 aufgenommen worden.


      Wenn, vom Frühlingsglanz umflossen,
      Rings erwacht der Blumenflor,
      Proletarier und Genossen,
      Hebt auch ihr das Haupt empor!

      Wählet eures Schicksals Bänder,
      Legt zum Zukunftsreich den Grund,
      Proletarier aller Länder,
      Einigt euch zum Brüderbund!

      Einig, einig müsst ihr werden,
      Eure Ketten fallen dann,
      Als die stärkste Macht auf Erden
      Brechet ihr des Elends Bann.

      Ihr, des Überflusses Spender,
      Nehmt doch am Genusse teil.
      Proletarier aller Länder,
      Eint euch zu der Menschheit Heil.


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Zum Fest der Arbeit

      (Die Darstellung der Geschichte des 1. Mais stützt sich auf den Lexikonartikel bei wikipedia)

      1889 wurde der 1. Mai zum "Tag der Arbeit" erklärt. Die Wahl des Tages wurzelte in den Haymarket Unruhen. Doch schon vorher war der erste Mai im angelsächsichen Bereich traditionell ein "moving day", also ein Tag, an dem Arbeitsplatz- oder Wohnplatzwechsel stattfanden. An diesen Tagen wurden Arbeiter zu Streiks und Demonstrationen aufgerufen, so am 1. Mai 1856 in Australien, wo die Arbeiter für den Achtstundentag streikten. Anfang 1886 rwurden die nordamerikanische Arbeiter zur Durchsetzung des Achtstundentags zum Generalstreik am 1. Mai aufgerufen.

      Die Geschehnisse kulminierten in Chicago. Dort hatten sich Arbeiter gegen den geltenden 12-Stundentag und einen Tagesverdienst von drei US-Dollar ausgesprochen. Die Geschäftsleitung reagierte mit Massenaussperrungen und versuchte, die nun 800 bis 1000 freien Stellen mit neuen Arbeitern zu besetzen. Dank einer Kampagne der Gewerkschaft konnten aber nur 300 Stellen besetzt werden. In dieser Situation fand am Abend des 1. Mais 1886 eine Arbeiterversammlung statt, die einen mehrtägigen Streik beschloss. Bei den Demonstrationen kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei, zwei Demonstranten wurden getötet. Das brachte die Lage zur Eskalation. Wieder wurde eine friedliche Versammlung der Demonstranten von der Polizei gesprengt. Da warf ein Unbekannter eine Bombe, die einen Polizisten tötete, weitere Polizisten und Demonstranten schwer verletzte. Die Polizei ging nun mit Waffengewalt auf die Demonstranten los, weitere sieben Polizisten, über zwanzig Demonstranten fielen dem Angriff zum Opfer.

      Acht Anarchisten, die die Kundgebung organisiert hatten, wurden festgenommen und der Verschwörung angeklagt. Vier von ihnen, darunter der Chefredakteur und Herausgeber der Arbeiter-Zeitung, Spies, wurden durch den Strang hingerichtet, einer beging in seiner Zelle Suizid. Die noch lebenden drei wurden sechs Jahre später begnadigt. Auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationalen 1889 wurde zum Gedenken an die Opfer des Haymarket Riot der 1. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ ausgerufen. Am 1. Mai 1890 wurde zum ersten Mal dieser „Protest- und Gedenktag“ mit Massenstreiks und Massendemonstrationen in der ganzen Welt begangen.


      1890 wurde in Deutschland zum ersten Mal der "Tag der Arbeit" gefeiert. Es fanden machtvolle Massendemonstrationen statt, um den Achtstundentag zu fordern. Das Lied "Zum Fest der Arbeit" entstand um 1905. Textautor ist Karl Frohme, der Komponist Moritz Friedrich. Auf der CD wird es vorgetragen vom Browier-Hamann-Quartett (1911).


      O Maientag, Fest sondergleichen,
      Das Millionen heut' begeh'n.
      Seht, wie der Arbeit heil'ge Zeichen
      In allen Ländern purpurn weh'n.

      Sie sollen rings die Völker mahnen:
      Die Arbeit will Gerechtigkeit.
      Ihr müsst den Weg zum Sieg euch bahnen
      Im Geiste einer neuen Zeit.

      Heil, heil, heil, Arbeit dir! Lass immer thronen
      Ob dir des wahren Menschtums Geist.
      Er wird's dir danken, er wird's dir lohnen,
      Wie er dir heut die Wege weist.


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Hoch das freie Wort

      Dass die sozialdemokratische Presse unter einem besonderen Verfolgungsdruck stand, zeigen nicht nur die mörderischen Konsequenzen der Haymarket-Vorkommnisse. Bei der Vielzahl von Urteilen im Laufe der Verfolgung von Sozialdemokraten ging es immer wieder um Pressearbeit - und ihre Ahndung durch die Gerichte. Die Schere, die da in journalistische Köpfe hineinoperiert werden sollte, bedrohte eines der Grundrechte. Bis heute findet der Kampf zwischen Aufklärung und Desinformation in den Medien, heute nicht zuletzt im Internet statt. "Das freie Wort" war eine Forderung, die Arbeiterschaft und bürgerliche Liberale verband. Das Lied entstand um 1907, der Text ist von L. Russack, die Melodie von V. Dillenberger. Gesungen wird es hier von dem Browier-Hamann-Quartett.

      Die Rolle der Arbeiter-Sängervereinigungen beschrieb Hermann Duncker (1874-1960) im Jahr 1905 (zitiert nach dem Booklet)

      Der Arbeitergesangverein ist keine Konzertvereinigung und auch keine Gesellschaft von 'reinen' Künstlern, die nur von musikalischen Interessen geleitet werden. Der Arbeitergesangverein ist ein Teil des klassenbewussten Proletariats, der auch als Sängerchor keinen Augenblick seine Zugehörigkeit zum großen Heere der Freiheitskämpfer verleugnet. In diesem Heer sollen unsere Gesangvereine die 'rote Feldmusik' bilden; ihnen obliegt die Pflege des Tendenzliedes und der künstlerische Ausschmuck unserer großen Arbeiterfeste.


      Duncker, später Mitgebründer des Spartakusbundes, vertritt hier die deutlich linke Position innerhalb der Sozialdemokratie. Eine zweischneidige Formulierung ist die des "Ausschmucks". Deutlicher kann man nicht gegen die zeitgenössische Musikästhetik votieren: Tendenz und Ausschmuck als Ziel künstlerischer Betätigung, am Ende gar kriegerische Feldmusik. Hier werden abwertende Begriffe der Musikästhetik ins Positive gewendet, als legitime Form künstlerischer Äußerung der Arbeiter in Besitz genommen.. Noch scheinen musikalische Praxis der Arbeiter und ästhetische Avantgarde weit voneinander entfernt, ja unvereinbar.

      Das folgende Lied in seiner biedermännischen Geselligkeit scheint mir das Gegenteil von dem zu verkörpern, was Duncker anstrebt. Wenn man den Begriff "des Arbeits Sohn" beiseite lässt, gibt es wenig Unterschied zu dem, was ich in einem anderen Thread von Pfeffel dokumentiere: Die verschworene Gemeinschaft von Aufgeklärten am Wirtshaustisch, die den Untergang von Ungerechtigkeit und Tyrannei fordert, auf die "alte Sitte" setzt, nicht auf den radikalen Umsturz der Verhältnisse. Egalité - Gleichheit vor dem Gesetz, ist eine der Parolen der bürgerlichen Revolution.


      Hier, wo laut die Gläser klingen,
      Lasst nach altbewährter Art,
      Brüder, uns ein Liedchen singen,
      Das dem Volke offenbart:
      Wie der Arbeit Sohn erkoren
      Sich das Recht als sich'ren Hort,
      Nur der Feige ist verloren:
      Hoch die Arbeit, das freie Wort!

      Nicht verleumden und verdammen
      Wollen wir, was hoch und reich,
      Doch das Recht hält uns zusammen,
      Dem Gesetz sei alles gleich.
      Lebe doch in des Volkes Mitte
      Auch der Geist der Treue fort,
      Darum ruft nach alter Sitte:
      Hoch die Arbeit, das freie Wort!

      Dafür, Brüder, lasst uns streiten,
      Dafür tretet mutig ein,
      Dann wird Sieg den Kampf begleiten,
      Denn das Recht muss unser sein.
      Hebt die Gläser, lasst erklingen,
      laut erschall es fort und fort:
      Für die Wahrheit lasst uns ringen,
      Hoch die Arbeit, das freie Wort!



      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Der Freiheit Morgenrot

      Âm Ende der 2. CD "Drum haltet fest zusammen - Lieder der Sozialdemokratie 1885-1910" steht eine Kuriosität, eine veritable Kantate, ein "Großes Arbeiterlieder-Tongemälde". Leider versorgt uns das Booklet mit wenig Informationen, weder werden Namen genannt, wer also diese Musikfolge zusammen gestellt hat, bleibt im Dunkle,. noch wird über Anlass und Umstände der Aufführung berichtet. Auf dem Medium zelebriert das Männerquartett "Stettiner Sänger" das Werk mit einem ungenannten Orchester. Sprecher ist Otto Schrader. Die Aufnahme stammt von 1911. Wie populär das Werk war, zeigt, dass es eine zweite Aufnahme durch das Browier-Hamann-Quartett gab, die gleich von drei Plattenverlagen vertrieben wurd.

      Der erste Teil wird eingeleitet von

      1. Marseillaise Rezitation

      Diese Rezitation ist unterlegt mit der Melodie der Marseilleise


      Das Volk steht auf, der Sturm bricht los!
      Und ist der Feind auch riesengroß,
      Zu sterben sind wir gern bereit,
      Für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.
      Und halten treu zusammen wir
      Im Leben wie im Tod,
      Bis strahlend bricht herein
      Der Freiheit Morgenrot!


      Die erste Zeile entstammt einem beliebten Lied der Befreiungskriege, geschrieben von Theodor Körner. Doch wo es im Original darum geht, wie schön es ist, für das Vaterland zu sterben, werden hier die Werte der Französischen Revolution beschworen.

      2. Ein Sohn des Volkes

      Und schließ ich die Augen zur ewigen Nacht,
      Und habt ihr zur Ruhe mich, zur letzten, gebracht,
      Dann schmücket die Stätte mit Grünkränzelein
      Und legt mir aufs Grab einen schmucklosen Stein.
      Auf diesen Stein lasst mir die Worte schreiben:
      Ein Sohn des Volkes
      Wollt' er sein und bleiben!


      Der zweite "Satz" ist nun das Arbeiterlied, das traditionellerweise zu Begräbnissen und Gedenkfeiern gesungen wurden. Der Aufforderung, sein Leben einzusetzen, folgt konsequenterweise das Totengedenken.

      3. Das Bergmannskind. Refrain

      Ach Mutter, wenn die Glocken läuten,
      Dann kommt der Vater nicht mehr heim.


      Tod beim Kampf um die Freiheit, Tod bei der (gefährlichen) Arbeit, auch hier wird der Toten gedacht.

      Teil II - 1. Sozialistenmarsch

      Auf Sozialisten, schließt die Reihen!
      Die Trommel ruft, die Banner weh'n.
      Es gilt die Arbeit zu befreien.
      Es gilt der Freiheit Aufersteh'n.
      Der Erde Glück, der Sonne Pracht,
      Des Geistes Licht, des Wissens Macht,
      Dem ganzen Volk sei's gegeben.
      Das ist das Ziel, das wir erstreben.
      Das ist der Arbeit heil'ger Krieg,
      Das ist der Arbeit heil'ger Krieg!
      Mit uns das Volk, mit uns der Sieg,
      Mit uns das Volk, mit uns der Sieg!


      Die Hymne der Sozialdemokratie eröffnet den zweiten Teil, Kampfbereitschaft und Geschlossenheit soll die großen Ziele erringen.

      2. Das Lied von der Blouse

      Den Frack trägt jeder Charlatan,
      Der Stutzer seinen Kittel,
      Den grünen Rock der Jägersmann,
      Des Staates Rock der Büttel,
      Schwarz, schwarz erscheinet die Geistlichkeit,
      Das stolzeste, das schönte Kleid,
      Das bleibt doch uns're Blouse.


      Soll man das nun als das Scherzo verstehen? Selbstbewusstsein und Abgrenzung gegen die anderen Klassen bzw. Berufsgruppen - der Stolz auf die Zugehörigkeit zur Arbeiterschar wird durch die Bluse ausgedrückt.

      3. Rezitation

      Drum auf Genossen, reicht euch die Hand!
      Und wenn dereint in uns'rem Land
      Die Freiheitsglock' von Turm zu Turme hallt,
      Stimmt an das Lied,
      Dass es wie Meeresbrausen schallt!


      Noch einmal wird Einigkeit und kampfbereitschat aufgerufen, bevor zum Ausklang die "Arbeiter-Marseilleise" ertönt

      4. Arbeiter-Marseilleise

      Wohlan, wer Recht und Wahrheit achtet,
      Zu unsrer Fahne steh zuhauf.
      Wenn auch die Lüg uns noch umnachtet,
      Bald steigt der Morgen hell herauf!
      Ein schwerer Kampf ist's, den wir wagen,
      Zahllos ist unsrer Feinde Schar.
      Doch ob wie Flammen die Gefahr
      Mög' über uns zusammenschlagen:

      Nicht zählen wir den Feind,
      Nicht die Gefahren all,
      Der Bahn, der kühnen, folgen wir,
      Die uns geführt Lasalle.



      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • SOLIDARITÄTSLIED


      Fassung 1947

      Vorwärts, und nie vergessen
      [...]

      Ursprünglich für den Film "Kuhle Wampe" gedichtet und von Eisler vertont, hat es Brecht 1947 in eine allgemeinere Form gebracht.
      Es gibt eine Reihe von Aufnahmen davon, wobei aber die von Ernst Busch als die klassischste angesehen werden kann.


      Spartacus

      [Text mußte leider fast komplett entfernt werden: Copyright! Fragen ggf. hier: Copyright - Fragen und Antworten :gurni: ]
      Für Monika
    • BRÜDER ZUR SONNE, ZUR FREIHEIT

      1917 lernte der spätere deutsche Dirigent Hermann Scherchen (genau der Scherchen!) dieses russische Arbeiterlied in seiner Kriegsgefangenschaft in Russland kennen und fertigte 1918 eine deutsche Fassung an, die 1920 zum erstenmal in Berlin gesungen wurde.
      Es gilt als das meistgesungene Lied der Arbeiterbewegung nach dem WK II sowohl im sozialdemokratischen als auch sozialistischem Lager.

      Um Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden gebe ich jetzt den Text nicht an, der geneigte Leser hat aber die Möglichkeit, selbigen mit Leichtigkeit im Netz zu finden, genauso wie er sich dort auch diverse Musikbeispiele davon anhören kann.

      Spartacus
      :wink:
      Für Monika
    • Spartacus schrieb:

      Um Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden gebe ich jetzt den Text nicht an [...]
      Bin mir gar nicht sicher, ob es hier Copyrightprobleme gäbe. Stammt der aktuelle bzw. der ballgemein bekannte Text von Hermann Scherchen (gest. 1966)?

      Bei Brecht dagegen muß man vorsichtig sein. Die Erben lassen meines Wissens nicht mit sich spaßen.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • THE PEOPLE'S FLAG IS DEEPEST RED

      Ein traditionelles englisches Arbeiterlied, dessen Melodie von einem bekannten deutschen Weihnachtslied stammt. Von welchem verrate ich nicht, das mag der interessierte Leser selbst herausfinden. Es hat auf jeden Fall das Zeug, so manche Weihnachtsfeier in einem anderen Lichte erstrahlen zu lassen.

      Als mustergültige Interpretationen empfehle ich die vom Socialist Victory Choir, der dieses Liedchen schon fast sakral angeht und die von Jim Connell, der es wesentlich bodenständiger rüber bringt, beide auf YT.

      Spartacus
      :D
      Für Monika