Biografien

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    • B.Albert schrieb:

      Ich teile die Kritik nicht, sondern fand die Details sehr spannend und informativ. Das Buch liest sich gut. Nun heisst es warten auf den dritten (oder auch dritten und vierten) Band. Der letzte ist von 1999
      Huuups, ist das schon so lange her? Bleibt zu hoffen, dass Bayle das Werk noch beenden kann. Hast Du mal recherchiert, ob der Band zwar existiert, aber schlicht bisher nicht übersetzt worden ist`?
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Caesar73 schrieb:

      Ich habe nachgesehen - Boyle hat in den letzten Jahren einiges publiziert, aber keinen Goethe :D
      Boyle hat bestimmt eine ganze Menge produziert, Bayle eher weniger ... (sorry, musste sein ...) :pfeif:

      Nun, wenn man die bisher erschienenen Bände liest, weiss man, wieviel Detailarbeit darin steckt. Ursprünglich sollte die Biographie ja auch nur zwei Bände umfassen, jetzt sind es schon mindestens drei.

      Ich habe Geduld. Selbst wenn er die Biographie nicht abschließen würde, sind die beiden Bände mit großem Gewinn zu lesen.

      VG Bernd
    • Kein Problem :) Ich war zu faul, den Schreibfehler zu korrigieren :D Was den dritten Band angeht: Wenn ich mir ansehe, was Boyle publiziert hat, dann sieht das für mich so aus, als hätte er andere Schwerpunkte gesetzt.
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Robin Lane Fox "Augustinus"

      Tach,

      neu entdeckt:



      Von dem Autor habe ich die Werke über Alexander dem Großen und die klassische Welt noch in guter Erinnerung. Flüssig geschrieben, detailrecih aber mit Überblick. Ich hoffe, die Biographie über den großen Kirchenlehrer ist ebenso gut. Als Atheist kann ich es mit einigem Abstand lesen.

      VG Bernd
    • Wer etwas Fundiertes über Rossini erfahren will, war bis vor kurzem auf Veröffentlichungen in italienischer (hervorragend: Giovanni Carli Ballola) oder englischer Sprache (Richard Osborne) hingewiesen.
      Das 2018 erschienene Buch von Joachim Campe konnte daran nichts ändern. Trefflicher als Bernd-Rüdiger Kern von der Deutschen Rossini Gesellschaft kann man es nicht bewerten: "Die Fehler sind so zahlreich, dass ein Buch von nahezu demselben Umfang geschrieben werden müsste, wollte sie man alle korrigieren. [...] Es ist unerklärlich, warum jemand ein Buch über einen Gegenstand schreibt, von dem er nicht wirklich etwas versteht".

      Nun, die Deutsche Rossini Gesellschaft hat den Stier bei den Hörnern gepackt und die ebenfalls 2018 erschienene Biographie von Paolo Fabbri übersetzen und verlegen lassen:


      Paolo Fabbri war selber Vize-Direktor der Fundazione Rossini in Pesaro und hat die kritische Ausgabe der Werke Rossinis bei Bärenreiter betreut. Vom Gegenstand versteht er schon einiges.
      Ähnlich wie Schubert ist Rossini fast zur Mythen-Figur geworden. Jeder hat Bilder im Kopf und ein paar gescheite Sätze parat, die man immer wieder findet und keiner richtig hinterfragt. Rossini war selber ein Meister der Selbstironie (er, ein hervorragender Pianist, bezeichnete sich als "Klavierspieler vierter Klasse"), nie um ein Bonmot verlegen und dazu ein extrem intelligenter Mensch, der über alles, sich selbst in vorderer Reihe, einen kritischen Blick warf. Auf den Gipfel seines gesellschaftlichen Ruhms angelangt, war er noch von Selbstzweifel geplagt, die er äußerst selten anderen mitteilte. In seinem letzten Lebensabschnitt in Paris war er sich als erster davon bewußt, daß seine Ästhetik der Vergangenheit gehörte und nahm mit viel Esprit Abstand von seinem früheren Selbst. Von jener Zeit stammen seine meisten Äußerungen, die immer cum grano salis zu nehmen sind.

      Fabbris Quellen sind hauptsächlich die Lettere e Documenti, die seit 1992 von der Fondazione Rossini in einer kritischen Ausgabe veröffentlicht werden (vorläufig letzte Veröffentlichung 2016). Dies beinhaltet Rossinis Briefe an seine Eltern, von denn viele erst kürzlich wieder aufgetaucht sind. In den Briefen an seine Mutter verstellt sich der Komponist am wenigsten. Die Quellen werden alle kenntlich gemacht (in Kammern im Text und nicht in Fußnoten, was mir allerdings besser gefallen hätte). Im Unterschied zu Campe gibt es hier weder Hörensagen noch eigene Vermutungen.

      Die Kürze des Buches (knapp 200 Seiten) ermöglicht keine Ausschweifungen. Die Biographie ist aufs wesentliche konzentriert. Erfreulicherweise gibt es aber viele Werkanalysen, und zwar nicht nur von den allgemein bekannten Barbiere und Konsorten, sondern auch von Opern, die als Meilensteine in Rossinis Karriere gelten und erst jetzt allmählich wieder aufgeführt werden. Diese Analysen sind aufschlußreich und präzis.

      Rossini der Künstler wird hervorragend vorgestellt. Abstriche sind bei Rossini, dem Menschen, zu machen. Klar kann so eine komplexe Persönlichkeit in so einem kurzen Werk nicht ausführlich dargestellt werden. Erfreulicherweise wird auf alle Clichés verzichtet, die aus unterhaltsamen aber auch unglaubwürdigen Anekdoten kommen, Das Bild, das entsteht, ist aber wohl etwas einseitig. Beispielsweise war Rossini in seinen reifen Jahren zweifelsfrei ein reicher Mann, der sein Geld geschickt verwaltete; er konnte aber auch großzügig sein und uneigennützig handeln, was hier nicht so klar durchkommt.
      Rossini, der Mythos, wird aber gut behandelt. Und zwar nicht, was die Mythen betrifft, die oft die Sicht auf die historische Wahrheit verhindern, sondern in bezug auf die Rossini-Rezeption von seinen späteren Jahren - wo er zum lebenden Mythos geworden war - bis zur heutigen Rossini-Renaissance.

      Ein Buch, das man uneingeschränkt empfehlen kann. Derjenige, der Rossini bereits kennt oder zu kennen glaubt, wird dort verläßliche Informationen finden und auch Einführungen zu Werken, die er wohl nicht im Fokus hatte; der neugierige Nicht-Bewanderte, der sich nicht auf Anhieb mit einer Enzyklopädie beschäftigen will, bekommt auf 200 Seiten alle nötigen Informationen, um Rossinis Stelle in der Musikgeschichte zu definieren und den Wunsch, seine Kenntnisse zu erweitern, indem er das eine oder andere Werk hört, das im Buch vorgestellt wird.
      Glücklicherweise sind alle Opern Rossinis, sowie das Stabat Mater, die Petite Messe Solennelle und die Péchés de vieillesse auf Tonträger bzw. DVD vorhanden.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Toller Tipp, vielen Dank! Ich werde sofort versuchen, das Buch zu erwerben.
      Osborne ist übrigens tatsächlich auf Deutsch im List-Verlag erschienen, ich glaube Anfang der 90er Jahre. Für mich bislang das beste Werk zum Thema Rossini.
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.