Biografien

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    • Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich lese ungemein gerne Biografien von mehr oder minder berühmten, berüchtigten, bekannten oder vergessenen Menschen (mittlerweile haben ja selbst Städte und Flüsse Biografien).
      Teilt jemand hier diese Vorliebe? Oder auch nicht, wenn ja warum?
      Was muss eine gute Biografie für euch beinhalten?
      Während es über bestimmte Gestalten mehr als eine Handvoll Biografien gibt, haben Andere gerade einmal einen (oder sogar gar keinen) Autor zu einer inspiriert oder animiert.
      Gibt es mittlerweile Biografien von Menschen, die allein langweilen, weil es schon so viele gibt? Wer hat eurer Meinung nach eine neue/bessere verdient? Wer überhaupt mal eine?
      Welche Biografien könnt ihr empfehlen?
      etc.

      Wir haben schon einen Thread für Musikerbiografien deshalb, Beispiele dafür dort, nicht hier, Und es geht mir auch ausdrücklich nicht um Autobiographien.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Ich teile deine Leidenschaft für Biograhien. Das muss etwas mit Voyerismus zu tun haben ;)

      Meine Lieblingsbiographie ist die über den Earl of Marlbourough von Winston Churchill. Churchill war ein Nachfahre des Earl und seine Biographie bietet nicht nur ein grandioses Sittenbild, sondern ist zugleich eine heftige Verteidigungsschrift. Es gab sie in einer wunderschönen zweibändigen Ausgabe aus dem Manesse Verlag, die jedoch leider wohl vergriffen ist.

      "Wallenstein" von Golo Mann ist natürlich ein Klassiker und unbedingt empfehlenswert. Zuletzt habe ich eine Biographie über den göttlichen Marquise, Marquise de Sade von Maurice Lever gelesen. Toll geschrieben.

      Ebenfalls sehr informativ und gut lesbar ist die Biographie über Vladimir Nabokov von Brian Boyd. Nabokov ist einer meiner Lieblingsautoren und hatte ein faszinierendes Leben.

      Nach meiner Erfahrung sind Biographien aus dem angelsächsichen Raum deutlich subjektiver, anteilnehmender und spannender geschrieben, als deutsche. Ein Besipiel wäre die Biographie über Alexander den Großen von Robin Lane Fox, die auch die Vorlage für einen Hollywood-Film bot. Sehr spannend geschrieben und vollkommen einseitig. Deutsche Biographien sind meines Erachtens oft in einem sehr professoralen Stil gehalten, verlieren sich nicht selten in zuvielen Details. Da bekommt der letzte Einkausfzettel noch eine existenzielle Bedeutung. Ausserdem geben sie häufig vor, ausgewogen zu sein, sind es aber bei nähreren Betrachtung nicht. Ich komme besser damit zurecht, wenn ein Biograph seine Sympathien und Antipathien deutlich zm Ausdruck bringt, als wenn er sie versteckt durch eine unterschwellige Auswahl des Materials einfließen läßt.

      Eine Ausnahme sind meines Erachtens die Biographien von Rüdiger Safranski, etwa die über Heidegger, Schopenhauer oder E.T.A. Hoffmann. Zuletzt habe ich von ihm die über Goethe gelesen. Sehr unterhaltsam geschrieben. Sie steht aber natürlich in scharfer Konkurrenz zu den großen Biographien etwa von Boyle; die kenne ich aber noch nicht. Sehr gut lesbar sind auch die Biographien von Manfred Kühn, etwa über Oswald von Wolkenstein oder die Merian.

      Eine der schönsten Biographien die ich zuletzt gelesen habe und ich unbedingt noch erwähnen muss, ist die über David Hume von Streminger. Er führt wunderbar in dessen Zeit und Lebensumstände ein und erläutert nachhaltig die anfänglich freundschaftlich, später eher gespannte Beziehung zu Rousseau. Da musste ich sofort nochmal die Werken von Hume herauskramen und lesen.

      Im Regal stehen - als noch zu lesen - derzeit folgende Biographien:

      Schwarz "Adenauer"
      Kerstin Decker "Heinrich Heine"
      Stefan Müller-Doohm "Adorno"
      Hugh Barr Nisbett "Lessing"
      Johannes Fried "Karl der Große"
      Dietrich Hägermann "Karl der Große"
      Görich "Friedrich Barbarossa"
      Wolfgang Stürner "Friedrich II."
      Deidre Bair "C.G. Jung"
      Philip Mansel "Der Prinz Europas - Prince Charles-Joseph de Ligne"
      Wolfram Pyta "Hindenburg"
      Peter Williams "J.S. Bach"
      Oliver Hilmes "Chopin"
      Caeyers "Beethoven"
      Harvey Sachs "Arthur Rubinstein"
      Nicholas Boyle "Goethe"
      Manfred Kühn "Johann Gottlieb Fichte"
      Ulrich Bracher ""Antonio Janigro"
      Osborne "Herbert von Karajan"
      Jean Starobinski "Montaigne"
      Wilhelm Weigand "Michel de Montaigne"
      Jochen Bleicken "Augustus"

      Wenn ich die durch habe, melde ich mich nochmal ...

      Schönen Abend noch

      Bernd

      P.S:: Ich suche noch immer eine gute Biographie über Alkibiades und Prinz Eugen; wenn da jemand einen Vorschlag hätte ...
    • Eine der besten Biographien, die ich je gelesen habe (natürlich von einem Briten), ist diese:




      Aus der Produktbeschreibung von amazon:

      Wittgensteins Lebensgeschichte ist verflochten mit den
      Ereignissen und der intellektuellen Entwicklung einer Epoche und einer
      Umwelt, die ihn prägten, die er ablehnte und die er zugleich nicht
      missen mochte. Die Zeit: das Ende der Donaumonarchie, der Erste
      Weltkrieg. Die Stationen: das Elternhaus in Wien, das Ingenieurstudium
      in Berlin und Manchester, die logisch-philosophischen Studien in
      Cambridge, die schöpferische Einsamkeit in Norwegen, die verschiedenen
      Kriegsfronten im Osten und Süden, die Gefangenschaft in Italien, die
      Heimkehr nach Wien, der Beginn eines neuen Lebens und die
      Veröffentlichung des Tractatus.

      Diesen Satz von Bernd kann ich nur unterstreichen:
      Nach meiner Erfahrung sind Biographien aus dem angelsächsichen Raum
      deutlich subjektiver, anteilnehmender und spannender geschrieben, als
      deutsche.



      Ich habe mich beim Lesen oft gefragt, warum mir die meisten angelsächsischen HistorikerInnen so publikumsfreundlich schreiben, während das in deutschen Wissenschaftskreisen fast verpönt war. Diese Biografie eines Wittgenstein-Forschers führt die Fähigkeit und die Freude der britischen BiographInnen exemplarisch vor. Mich hat besonders die Darstellung der Geschichte der Familie Wittgensteins beeindruckt, die ich so anschaulich und ausführlich gar nicht erwartet hatte. Auch wenn man keinen Zugang zu Wittgensteins Philosophie hat, so ist doch die Darstellung der Zeit und Gesellschaft lesenswert und richtig spannend.


      lg vom eifelplatz, Chris.





      An die Mods: Leider kann ich das Zitatfeld nicht verkleinern; vielleicht hat jemand von Euch eine Idee dazu. Entfällt oder Löschtasten waren vergebens. [habe ich hiermit erledigt. Succubus]
    • Ich liebe Biografien.
      Die beste Klolektüre, die ich kenne, aber ich lese sowieso nur dort.

      Eben abgeschlossen habe ich die Lektüre der Biografie Martha Argerichs von Olivier Bellamy.


      Sehr interessant, überwiegend auf "Brigitte" - Niveau geschrieben, halt durchsetzt mit Tierkreiszeichen und anderem Blabla.
      Ich könnte jetzt behaupten, daß dies ein Buch geschrieben für eine weibliche Leserschaft ist.
      Oder für Leser, welche diesen Stil toll finden.
      Also warum Dirigent xy mit Sternzeichen Dingens besser zu Ihr paßte als .........Blablablub halt.
      Ehrlicherweise habe ich es mir auch nur gekauft, um eventuell herauszulesen, mit wem Sie nicht geschlafen hat.
      Da bin ich ganz billig und voll auf der Höhe des Niveaus dieses Buches mit dem Titel "Die Löwin am Klavier" .
      Wäre Sie ein Mann, dann hätte der Titel geheißen " Ein Pianist, der nicht erwachsen wurde. " :hide:
      Das wäre so für mich einer der Hauptunterschiede in der Sichtweise. :hide:

      Ich verstecke mich ja schon, also:

      Insgesamt ist es durchaus genderübergreifend lohnend, auch für jene, welche sich da nicht sicher sind.
      In diesem Sinne modern und Klolektüre par excellence.

      Davor las ich die Autobiographie von Earl Wild.

      Wild ist mein Lieblingspianist, und er hat seine Autobiographie über fast 40 Jahre zusammengetragen.
      Erschienen ist dieses Buch erst nach seinem Tode und herausgegeben wurde es von seinem Lebenspartner M.R. Davies, mit welchem ich einen regen Kontakt habe und über den ich auch dieses äußerst interessante Buch zu einem vernünftigen Preis ergattern konnte.

      Es ist ein dicker, ein sehr dicker Schinken und leider nur auf Englisch und sehr teuer zu erhalten.
      Wirklich teuer, ich denke, dies liegt an der Größe des Buches sowie an der eher in privaten Dimensionen gehaltenen Auflagenstärke.
      [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51DQNEiV2OL._SX258_PJlook-inside-v2,TopRight,1,0_SH20_BO1,204,203,200_.jpg]
      Dazu kommt leider, daß der Erzählstil sehr sprunghaft und auch ein wenig beliebig ist, dieses Buch ist leider nicht zu Ende redigiert worden.
      Das Material war wohl nach 40 Jahren derartig groß und unübersichtlich geworden, daß man froh sein kann, überhaupt diese vom Earl selber geschriebenen Seiten lesen zu können.
      Dazu kommt, daß dieses Buch unbedingt noch vor seinem Tode erscheinen sollte, was leider nicht geklappt hat.

      Trotzdem und gerade deshalb ist das Buch für mich ein Juwel!

      Earl Wild macht keine Gefangenen und spricht überaus direkt und auch provozierend alle möglichen Themen an.

      Man kann sich daran reiben, aber DAS ist alles zu 100% ehrlich und authentisch.
      Geradezu gnadenlos........dies wurde dieser Veröffentlichung auch überwiegend zum Vorwurf gemacht.

      Aber mir ist das egal, in diesem Buch spricht Earl Wild genau so zum Leser, wie er wirklich war, nicht weichgespült oder gar zensiert.
      Charmant, liebenswert, witzig, sehr warm (so war er) aber auch knallhart und aufklärend in seinen Äußerungen über andere Musiker, das Klavierspiel als solches- und wie man es machen sollte,das ist mit das wertvollste am Buch, ganz große Klasse! - und das ganze Business (so war er auch.... ) .

      Das ist für mich das wichtigste und diese Ehrlichkeit ist selten heute.
      Ich mußte an diesen sehr deutlichen und direkten Worten auch erst mal knacken, aber hier spricht kein Feld- Wald- und Wiesen Pianist.
      Hier spricht einer der größten Painisten überhaupt frank und frei über sein Leben.
      Und mit wem er geschlafen hat, das ist zum Glück gar kein Thema wie bei Argerich.

      Wobei Earl Wild da auch niemals etwas hat anbrennen lassen, zu Recht.
      Denn er war in einer äußerst schwierigen Zeit ein sehr mutiger Mann, und das ganz öffentlich.
      Alleine dafür gebürt Ihm der größtmögliche Respekt, er hat sein Leben so geführt, wie es Ihm von der Natur vorgegeben war und sich niemals verbogen.
      Und das bereits im puritanischem Amerika der 40er Jahre.
      Bis zum Ende.
      Kudos!





      Davor las ich die Biographie von George Szell, geschrieben von seinem einstigem Assistant Conductor Michael Charry.
      Auch nur in Englisch erhältlich.
      Und mittlerweile auch unverschämt teuer, fast 100,- ........ ich habe das Buch noch zu einem normalen Preis kaufen können.

      [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/41SgFV5guyL._SY344_PJlook-inside-v2,TopRight,1,0_SH20_BO1,204,203,200_.jpg]

      Seeehr lohnend!

      Eine objektive detailreiche Biographie dieses Orchestererziehers alter Prägung.
      Man erhält sehr viel Hintergrundwissen über die Orchesterlandschaft und die Situation in den20er bis 60er Jahren.

      Szell war eine harte Nuß, trotzdem gelingt es Charry, auch den Menschen Szell ziemlich gut darzustellen, also das, was noch irgendwie übrigblieb.

      So wie er war, mit all seinen Vorzügen und halt auch Nachteilen, welche nicht gering waren und zu einem Pultdiktator alter Schule auch irgendwie gehören.

      Große Empfehlung an alle, welche sich für George Szell und Pultdiktatoren interessieren!


      P.S.
      Wie fast immer finktionieren die ASINS von Amazon nicht, deshalb habe ich bei den letzten zwei Büchern nur die Cover von Amazon eingestellen können.
      Davon abgesehen glaube ich auch kaum, daß sich ein Verrückter die letzten beiden Bücher für jeweils etwa 100,- kaufen wird.

      Ich bin sehr froh, diese Bücher noch zu einem normalem Preis habe kaufen können.
    • B.Albert schrieb:

      Johannes Fried "Karl der Große"

      B.Albert schrieb:

      Wolfgang Stürner "Friedrich II."

      B.Albert schrieb:

      Wolfram Pyta "Hindenburg"

      B.Albert schrieb:

      Jochen Bleicken "Augustus"


      Eine beeindruckende Auswahl, lieber Albert ;+)

      Die obigen vier habe ich in der letzten Zeit gelesen, empfehlen kann ich alle vier. Pyta ist insbesondere dann eine spannende Lektüre, wenn man das Bild eines senilen, alten Greises im Kopf hatte, der am Ende seines langen Lebens nur noch den Einflüsterungen seines Sohnes und anderer Lakaien folgte. Wie Pyta zeigt, ist das Gegenteil der Fall. Wenn Dich Prinz Eugen interessiert, dann könnte Dir ein anderer Klassiker auch gefallen: Wolfgang Schieders Biographie über Friedrich den Großen, der Untertitel lautet: ein Königtum der Widersprüche, was die Herrrschaft und das Leben dieses Preußenkönigs sehr gut charakterisiert. Zu Weihnachten bekommen habe ich von Bernd Rosen: Konstantion der Große. Wenn Du Bleicken auf der Liste hast, dann wäre das nur eine logische Folge. Stürner ist mit Blick auf Friedrich II. schon fast ein Klassiker, auch wenn es inzwischen neuere Biographien gibt.

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Hallo Christian,

      Schieders Bieographie über FRiedrich den Großen kenne ich schon. Die habe ich vor etlichen Jahren gelesen und habe sie noch in guter Erinnerung. Eine bemerkenswerte Ausnahme von der Regel, das professorale deutsche Biographien langweilig sein müssen.

      Danke für den Hinweis auf die Biographei von Rosen über Konstantin. Konstantin war eine hochinteressante Persönlichkeit. Leider kenne ich nur die Biographie von Hartwin Brandt, von der ich dann doch eher nicht so ganz begeistert war. Meines Erachtens war sie etwas dünn um nicht zu sagen oberflächlich.

      Viele Grüße

      Bernd
    • B.Albert schrieb:

      Schieders Bieographie über FRiedrich den Großen kenne ich schon. Die habe ich vor etlichen Jahren gelesen und habe sie noch in guter Erinnerung. Eine bemerkenswerte Ausnahme von der Regel, das professorale deutsche Biographien langweilig sein müssen.


      Fand ich auch, wenn Du einmal Zeit und Lust auf eine moderene Biographie Friedrichs haben solltest, dann würde ich Dir Kunisches Biographie empfehlen:



      Ist, was den Foschungsstand angeht, eher auf der Höhe der Zeit - und Kunisch schreibt ebenfalls sehr gut

      B.Albert schrieb:

      Danke für den Hinweis auf die Biographei von Rosen über Konstantin. Konstantin war eine hochinteressante Persönlichkeit. Leider kenne ich nur die Biographie von Hartwin Brandt, von der ich dann doch eher nicht so ganz begeistert war. Meines Erachtens war sie etwas dünn um nicht zu sagen oberflächlich.



      So, ich habe die Vornamen verwechselt, der Verfasser ist Klaus Rosen:



      Bisher habe ich nur die Einleitung in den Schluss gelesen, mach ich häufiger so, eine Gewohnheit aus Studientagen, die ich behalten habe ;+) Rosen gründet seine Arbeit vorwiegend auf die Auseinandersetzung mit den Quellen, auch wenn die Sekundärliteratur nicht zu kurz kommt. Es ist ja einiges an Literatur über Konstantin in den letzten zwei Jahren erschienen.

      Herzliche Grüße

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • B.Albert schrieb:

      Armin Diedrich schrieb:

      Prinz Eugen: wenn Du was Dickes nicht scheust, die fünfbändige von Max Braubach


      Vor dem Umfang habe ich keine Angst, je dicker desto besser ...

      Dann werde ich wohl mal antiquarisch suchen müssen.

      Danke für den Tipp !

      VG Bernd


      Im Zweifel gibts auch Bibliotheken. Wen ich als Biograph sehr mag, ist für das französische Gebiet Jean Orieux, der überaus lohnende Bücher über Voltaire, Talleyrand und Katharina von Medici verfaßt hat. Empfehlen kann ich auch von Dirck van der Cruysse "Madame seyn ist ein ellendes Handwerck" über Liselotte von der Pfalz.
      Musikerbiographien: da ist ein Highlight sicher Peter Heyworths Arbeit über Otto Klemperer, zumal der erste Band (den zweiten brachte er nicht mehr zu Ende). Aus dem Rahmen dessen, was man so an Sängerbiographien kennt, ist das Buch Anja Siljas "Die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren"
      Ein Mann, der kleine Kinder und Hunde haßt, kann kein so schlechter Mensch sein. (W. C. Fields)
    • B.Albert schrieb:

      Ich teile deine Leidenschaft für Biograhien. Das muss etwas mit Voyerismus zu tun haben ;)

      Könnte durchaus sein. Ich finde einfach über Menschen bekommt man einen guten Einblick in das Denken ihrer Zeit.

      B.Albert schrieb:

      Nach meiner Erfahrung sind Biographien aus dem angelsächsichen Raum deutlich subjektiver, anteilnehmender und spannender geschrieben, als deutsche.

      Vielfach kann ich das bestätigen, aber wie immer gibt es natürlich auch Ausnahmen.
      Das mit der Subjektivität ist ja auch so eine Sache. Ich bin definitiv dafür, dass man nicht aus falsch verstandener Objektivität und Wissenschaftsferne krampfhaft unparteiisch sein muss, aber es gibt auch Autoren, die ich schon gelesen habe, die mir darin den Bogen überspannt haben, weil sie viel zu parteiisch, überemotional und übertrieben subjektiv waren, sodass man beim Lesen immer wieder negativ daran Anstoß findet, weil dadurch oft falsche Bilder von Personen entstehen, die meist viel zu einseitig sind und entweder neuer Legendenbildung Vorschub leisten oder alte einfach ungefragt anfüttern.

      B.Albert schrieb:

      Kerstin Decker "Heinrich Heine"

      Ihre Heine-Bio kenne ich zwar noch nicht, habe aber schon 3 ihrer anderen Werke mit Gewinn gelesen :



      Armin Diedrich schrieb:

      Jean Orieux, der überaus lohnende Bücher über Katharina von Medici verfaßt hat.

      Ich kenne bisher nur die Bio von Irene Mahoney, die zwar durchaus ausführlich, aber leider auch recht langweilig bis -atmig daherkommt.

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    • Vor einiger Zeit las ich diese Bio über den Staufer-Kaiser Friedrich II. von Olaf B. Rader :



      Eine Handvoll Bios zu ihm gibt es ja schon, diese war die dritte, die ich gelesen habe. Sie ist weniger stur chronologisch, sondern eher aufgeteilt in Schwerpunkte auf die verschiedenen Rollen, die der Kaiser in bestimmten Bereichen einnahm, aber entfaltet so ein schönes Persönlichkeitspanorama.

      Eine andere Gestalt des Mittlealters : Eleonore von Aquitanien.
      Zwei Bios habe ich bisher gelesen, von Ralph V. Turner und Regine Pernoud.



      Turner ist ausführlicher und bemüht sich um Objektivität und versucht gewissen Legenden entgegen zu wirken. Pernoud sieht Eleonore, wie der Titel des Buches besagt, als Troubadour-Muse, was zB Turner für fragwürdig hält. Ich fand beide Bücher lesenswert, auch wenn mir vom Stil her die Pernoud etwas besser gefiel, weil sie lebendiger schreibt.

      Da fällt mir noch eine Frage ein :
      Gibt es eigentlich Personen bei der euch pauschal erstmal jede bereits vorhandene oder neue Bio interessiert?
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    • Darf ich zum Gluckjahr die bis dato beste Biografie des Jubilars empfehlen?



      Gerhard Croll. Renate Croll: Gluck. Sein Leben. Seine Musik

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Succubus schrieb:

      Da fällt mir noch eine Frage ein :
      Gibt es eigentlich Personen bei der euch pauschal erstmal jede bereits vorhandene oder neue Bio interessiert?

      Also bei mir gibt es da schon einen Kandidaten, Philipp II. von Spanien, da interessiert mich ja potenziell alles. Da es nur wenige Bios von ihm gibt, ist das ein zweischneidiges Schwert, da man sich einerseits mehr wünscht, aber die dann ja auch alle noch lesen müsste.
      Auch ist hier oft der Fall, dass zu sehr der 'Schwarzen Legende' nachgeredet wird, vom Philipp als kaltem Despot und religösem Fanatiker, ein Bild, dass eigentlich nicht schwer zu widerlegen ist.
      Leider sind die meisten seiner Bios schon etwas älter und die beiden neueren leiden für mich entweder an zu großer Kürze oder fehlender Anschaulichkeit.



      DIE (sogar deutschsprachige) Bio dieses Herrschers ist für mich immer noch die vom Hispanist Ludwig Pfandl von 1938 (!)



      Sie ist sowohl neuwertig als auch antiquarisch noch zu haben, was meiner Meinung nach auch für das Buch spricht. Für mich eine der besten Bios, die ich je gelesen habe. Pfandl schreibt faktenreich, aber trotzdem unterhaltsam, auf gehobenem Niveau ohne zu langweilen. Vor allem versucht er Philipp als ambivalenten und gerade deshalb menschliche Person darzustellen, man merkt durchaus Sympathie, aber so wie nichts geschönt wird, wird auch keinesfalls die 'Schwarze Legende' wieder aufgewärmt.
      Ein durch und durch empfehlenswertes Buch, auch wenn ich hoffe, dass ich es noch erlebe, dass eine neue Bios ähnlichen Formats geben wird.

      Personen von denen ich gerne mal eine Bio hätte (in einem Fall wenigstens auf Deutsch), sind Kaiser Maximilian II. und König Heinrich II. von Frankreich.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Mal was anderes!

      Der Physiker in mir braucht natürlich diese Biografien:
      [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/41tXhNtwTjL._.jpg]
      Auch wenn ich die Bildbiografie von Peter Goodchild seinerzeit besser fand, beide sind aufschlussreich und gegen weit über das hinuas, was wir seinerzeit bei Heiner Kipphart lesen durften(mussten). Oppi war ein faszinierender und widersprüchlicher Mensch, der ganz hoch aufstieg und tief stürzte.

      Und wo wir gerade beim stürzen eines Genies sind:
      Eine bessere Biografie über Alan Turing kenne ich nicht.


      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Als Nichtphysiker kann man den Bird/Sherwin-Oppenheimerschmöker in der Tat mit Gewinn lesen. Mir hat's jedenfalls vor etwa einem Jahr gefallen etwas tiefer in das spannende Leben dieses kopfstarken Menschen einzusteigen. Hier geht es zwar nicht um Filmkunst, gleichwohl eine nachdrückliche Empfehlung zum Thema:

      "The Trials of J. Robert Oppenheimer" von David Grubin.



      Im Vordergrund steht hier ein gegen Oppenheimer während der McCarthie-Ära eingeleitetes Untersuchungsverfahren wegen "unamerikanischer Umtriebe".
    • Stegemann, Friedrich, Kazdin, Bazzana, Payzant sind ja allgemein bekannt, wenn es um die Darstellung des Lebens GHG's geht.

      Nicht bekannt, nein ich korrigiere, Mauerblümchen erwähnte den Namen vor etwa einem Jahr, ist Vera Matheis, die eine Biografie mit dem Titel, "Glenn Gould- der Unheilige am Klavier" im Jahr 1987 verfasst hat. Es handelt sich um einen schmalen Band mit umfangreichem Anmerkungsteil. Offenbar hat sich hier jemand Mühe gegeben, trotz einer augenscheinlichen Bewunderung für diesen Pianisten/Schriftsteller/Komponisten/Dirigenten/Film- und Hörspielmacher, ein weitestgehend authentisches aber auch differenziertes Bild abzuliefern - eben unheilig.

      Einen Link habe ich leider, weder bei amazon, noch bei jpc, gefunden.
    • Yukon schrieb:

      Einen Link habe ich leider, weder bei amazon, noch bei jpc, gefunden.
      http://rainer-kocherscheidt.antiquariatsportal.de/?q=Matheis%20Vera&term=autor

      Könnte es dieses Buch sein?


      Frau (Meyer-)Mattheis taucht bei Google oft als Produzentin für die ARD auf, irgendwo habe ich ihren Namen auch in Verbindung mit arte und Bruno Monsaugnon Film gesehen. Das Buch könnte also bei dieser Gelegenheit entstanden sein und kam vielleicht gar nicht in den Buchhandels-Vertrieb.


      lg vom eifelplatz, Chris.