Sagt uns die Operette heute noch etwas?

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    • Sagt uns die Operette heute noch etwas?

      Da die Operette nicht in Wien entstanden ist, sondern in Frankreich durch Jaques Offenbach zur Hochblüte kam und so populär wurde, dass sie in fast allen Städten Europas, nicht nur gespielt wurde, sondern jede Stadt eine andere Art der Operette herausbrachte.

      Die Wiener Operette, die heute etwas "verblüht", die Berliner Operette, die engl. Operette von Gilbert und Sullivan und Sidney Jones "Geisha", die ungarische Operette deren Meister Emmerich Kálmán, Franz Lehár, Paul Abraham..... war, eigentlich wird nicht mehr viel im Opernbetrieb gebracht. Operettenbühnen gibt es ja kaum mehr.

      Kristin hat mir gesagt man sollte einen "Schnipserl Operetten - Thread" machen, jedoch finde ich, dass man da dem Vergessen zwar Einhalt tut, jedoch die großen Meister vergisst.

      Das ist nur ein Anstoß und vielleicht wird mir selbst zu Operetten noch mehr einfallen, wo ich sie ja in Spitzenbesetzungen der Wiener Staatsoper, gehört und gesehen habe.

      Aber zwei Covers werde ich doch einstellen, vielleicht zur Anregung. :sparkle: :sparkle:



      Liebe Grüße sendet Euch Peter aus Wien. :wink: :wink: :wink:
    • Lieber Peter,

      bei mir ist es halt so, daß ich, im Gegensatz zu meiner Jugend, wenige ganze Operetten mir kaufe, weil ich etliche von der Handlung her schon sehr "angestaubt" und manche auch unerträglich kitschig finde. Glaube mir, ich kann wirklich schon etliches an Kitsch ertragen und mag das auch hin und wieder, da stehe ich dazu. So ein Fall ist für mich z.B. die Operette "Das Land des Lächelns", die finde ich wirklich unerträglich kitschig, aber, und nun kommt das große "Aber" - einzelne Lieder daraus mag ich sehr, die sind unvergänglich schön. Und so geht es mir mit vielen Operetten.

      Und wenn ich dann diese herrlichen Melodien von Sängern wie z.B. Elisabeth Schwarzkopf (ihre Operetten-Arien-CD ist für mich die Krönung) oder meine geliebte CD "Vienna" mit Jerry Hadley



      höre, dann denke ich immer, daß diese Melodien einfach nicht sterben dürfen, ich aber nicht immer die ganze Operette brauche.

      Liebe Grüße aus München

      Kristin
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Lieber Peter,

      Du sagst es überdeutlich, ich habe beide.

      Wirklich besonders gelungen ist die mit Keenlyside/Kirchschlager, es muß nicht immer Tenor/Sopran sein. Das war übrigens mein Einstieg zu Simon Keenlyside, so geht das bei mir immer, ich komme über die Sänger zu den Werken.

      LG

      Kristin
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Liebe Kristin, lieber Peter!

      Ich besitze auch beide Cds und finde sie sehr schön. Aber im allgemeinen bin ich nicht so ein Operettenfan mit Ausnahme derer aus der "Goldenen Ära". Spätere (Lehar, Kalman etc) sind nichts für meine Ohren.
      Von den französischen bin ich begeistert, seit ich Rideamus' interessante Beiträge verfolge. Und die englischen (Gilbert and Sullivan) kenne ich noch gar nicht.

      Aber Operette boomt doch - zumindestens im Sommer. Soweit ich das mitbekomme, ist Mörbisch doch ein enormer Erfolg und in Ischl gibt's auch im Sommer Operettenfestspiele.

      Ich halte mich lieber an die obengenannten Beispiele und da gibt es vor allem aus dem französischen Bereich ganz tolle, die weder verstaubt noch verkitscht aufgeführt werden!

      Liebe Grüße
      :wink:
      Renate
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • Sagt uns Operette heute noch etwas?

      Mir sagt Operette nach wie vor sehr viel.

      Meiner Meinung nach, werden wir der Operette aber nicht gerecht, wenn wir sie in einen "Schnipserl Operetten - Thread" zusammenwürfeln. Denn Operette ist nun einmal nicht gleich Operette.

      Es gibt Musikliebhaber, die nur mit der französischen Operette etwas anfangen können, da sie diese weniger kitschig und musikalisch anspruchsvoller empfinden.

      Die Operetten von Gilbert und Sullivan werden sicher auch von vielen Liebhabern verehrt. Da ich diese noch nicht gehört habe, kann ich mich dazu nicht äußern.

      Die Operetten der goldenen und silbernen Operettenära sind nach wie vor meine Favoriten. Den Vorwurf, das die Operetteninhalt häufig kitschig sind, nehme ich gern hin, denn er ist nicht wirklich widerlegbar. :D

      Kitsch hin oder her ich mag Operetten auch, aber nicht nur, wegen der wie Kristin so schön schrieb unvergänglichen schönen Lieder.

      Wenn es in diesem Thread darum gehen soll, CDs vorzustellen, die eine Mischung solcher Ohrwürmer enthält, finde ich es ok. Aber die gesamten Operetten zusammenzuferchen in einem Thread finde ich nicht gut.

      Diese CDs kann ich empfehlen.



      LG

      Maggie

      edit: Die CD mit Keenlyside und Kirchschlager ist ein hervorragender Tipp. An die habe ich eben gar nicht gedacht. (Und das als bekennender Kennlyside Fan. :hide: )
      Wenn Einer kümmt un tau mi seggt, Ick mak dat allen Minschen recht, Dann segg ick: Leiwe Fründ, mit Gunst, O, liehr'n S' mi de swere Kunst. - Fritz Reuter
    • Die Operette aus Paris, Wien, Berlin und London - aber nicht nur!

      Liebe Maggie! Danke!

      Recht hast Du - und so fange ich gleich mit drei Offenbach Operetten an. Wenn man die in Französisch hört, dann springt mich eine Elektrizität an, die uns heute noch, wie seit der Kaiserzeit Napoleons III. und seiner Gattin Eugenie, nicht mehr losslässt. :juhu: :juhu:

      Danke lieber Nestroy, du hast Offenbach nach Wien geholt, du warst sein erster Jupiter, Danke! - aber in Französisch gewinnen diese Werke mehr an Esprit und Charme und vor allem Rasanz. :klatsch: :klatsch: :klatsch:



      Jedoch gibt es noch diese "Belle Hélène":



      mit Jessie Norman als Hélène, rasant gespielt jedoch doch anders in der Auffassung, als die oben genannte.

      Liebe Grüße Euer Peter aus Wien. :wink: :wink: :wink:
    • RE: Sagt uns die Operette heute noch etwas?

      Mir sagt Operette bekanntlich noch sehr viel, wenn es die Richtigen sind, und da gibt es leider in Mörbisch & Co. die falschen, vor allem auf die falsche Art, denn da wird das Missverständnis der Gattung und damit die Wurzel ihres Untergangs gepflegt und konserviert.

      Leider habe ich im Augenblick etwas zu viele Themen in Arbeit um hier auch noch groß einsteigen zu können, aber einen Text zu einer bei uns ziemlich unbekannten, dennoch klassischen französischen Operette habe ich gerade gestern versprochen und werde ich in Kürze einstellen: LA FILLE DE MME. ANGOT von Charles Lecoq.

      Ansonsten ergänze ich zum Einstimmen erst einmal die verdienstvollen Hinweise auf sehr gute deutschsprachige und französische Operetteneinspielungen mit einer der besten Vertreterinnen der italienischen Operette, der "piccola lirica",



      mit dem Besten von Gilbert und Sullivan, hier vertreten durch einen der allerbesten Musikfilme überhaupt, nämlich Mike Lees Darstellung der Entstehung von THE MIKADO


      und mit einer superben Sammlung von Höhepunkten der spanischen Zarzuela, in die man durchaus mit so guten "Schnipseln" einsteigen darf, mit Teresa Berganza und José Carreras:



      Man sieht, die Operette umfasst ein weites Feld und enthält zahllose Juwelen auch jenseits von Lehar, Kalman & Co.

      Darunter auch diese deutschen mit Texten eines gewissen Rideamus:

      .....

      Da begeistern nicht nur die Melodien, sondern auch die Bücher und Texte.

      Das gilt übrigens auch für diese Operette, für mich ein absoluter Höhepunkt der Gattung überhaupt, und zwar textlich wie musikalisch:


      (Viel) Mehr davon später. Versprochen.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Meine Lieben,

      Lorbeer auf Peters Haupt, daß er die im Forum bisher ziemlich vernachlässigte Gattung der Operette ins Licht rückt! Ich hege wegen dieser Vernachlässigung schon von Beginn an Schuldgefühle, weil ich doch - dort drüben - gerade auf diesem Sektor immer wieder den Schnabel gewetzt habe, aber im Moment fehlt mir halt die Zeit. Übrigens wollte ich gerade dort drüben einen meiner betreffenden Beiträge nachlesen und mußte feststellen, daß der ganze Operettenbereich verschwunden, also offenbar in den internen Bezirk verschoben worden ist. ?( Oder bin ich morgenblind?

      Jedenfalls möchte ich versichern, daß ich die Operette nicht vergessen werde. Bitte mir diesen guten Vorsatz nötigenfalls durch feste Tritte in den bekannten Körperteil in Erinnerung zu rufen!

      LG

      Waldi
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Lieber Waldi,

      ich fasse es nicht: Du bist beileibe nicht morgenblind, sondern unser ehemaliger oberster Lehnsherr hat tatsächlich das Operettenforum in den internen Bereich verschoben, aber das Musical öffentlich gelassen (was jetzt wohl auch geändert werden dürfte). Man kann zwar noch die Operetten im TMOO nachschlagen, wenn man aber den Links zu einzelnen Threads folgen will, wird einem Gast der Zutritt verweigert.

      Die Gründe dafür entziehen sich meiner Fähigkeit zum Nachvollzug. Schämt er sich der Beiträge in diesem Forum, also auch seiner eigenen? Hält er die Operette für so attraktiv, dass er sich zusätzliche Beitritte erhofft, wenn er das Forum für die Öffentlichkeit sperrt? Nicht nur die Wege des Herrn sind unergründlich, sondern auch die dieses Herrn.

      Zum Glück wurden laut einem Eintrag in Papageno mindestens folgende Beiträge gesichert, die nach und nach hier auftauchen sollten:
      • Christines PHI-PHI,DEDE und etece
      • Paul Abraham
      • Millöcker: Der Bettelstudent
      • Die Csardasfürstin
      • Offenbach: Les Deux Aveugles
      • Lehár: Die lustige Witwe
      • Edmond Audran
      • Gräfin Mariza
      • Strauss: Die Fledermaus
      • Künnecke
      • Lehar: Friederike
      • Offenbach: Die burlesken Einakter
      • Nestroys Possen mit Gesang
      • Offenbach: Mesdames les Halles
      • Operette: Entwicklung und Anspruch
      • Operette und Musical
      • Strauß: Frühlingsstimmen
      • Suppés Operetten
      • Offenbachs Operetten auf CD und DVD
      Teilweise habe ich die auch noch selbst und werde sie bei Gelegenheit aktualisiert wieder aufleben lassen. Dasselbe sollten all diejenigen tun, die Beiträge zu diesem Forum geschrieben und gesichert haben. Ich denke zum Beispiel an Rosenkavaliers Beiträge zu Künnekes VETTER AUS DINGSDA in Wiesbaden und überhaupt.

      Es wäre aber unter diesen Umständen besonders dankenswert, wenn jmand, der noch in den internen Bereich des anderen Forums eindringen darf, Deine stets besonders instruktiven Beiträge, und natürlich auch die Anderer, die inzwischen zu uns gefunden haben, sichern könnte.

      Im übrigen ist das auch eine Warnung davor, dass die Früchte unserer früheren Mühen allgemein alles andere als gesichert sind und zugänglich bleiben. Womöglich bleiben sie verschwunden "bis über den Tod hinaus", den dem Forenbetreiber natürlich niemand wünscht. Leider auch deswegen.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • RE: Sagt uns die Operette heute noch etwas?

      Lieber Peter!

      Also früher habe ich die Operette generell ob ihrer "Kitschigkeit" abgelehnt - so war zumindest immer mein Empfinden. Wie gerade Du sicher auch weisst :) , kommt man in meiner Heimatstadt Ischl an der Operette aber eigentlich gar nicht vorbei.

      Ischl ist ja die Operettenstadt schlechthin, zumal hier Grössen wie Franz Lehár, Emerich Kálmán, Johann Strauss, Oscar Strauss und einige mehr, gewohnt, bzw. regelmässig auf Urlaub waren.

      Und da Franz Lehár selbst hier 24 Operetten komponiert hat (wahrscheinlich ob des vielen Regens ;) ) gibt es natürlich ein jährliches Lehár-Operetten-Festival.

      Aber gerade Lehár hat die Operette, zumindest vom Inhaltlichen her "entkitscht" zumal er seit Paganini auf die üblichen Happy Ends verzichtet hat und durchaus auch sozialkritische Themen wie bei Eva z.b. aufgegriffen. Mit seinen späteren Operetten rückte er dem Genre Oper immer näher. Giuditta wurde sogar an der Wr. Staatsoper aufgeführt.

      Trotzdem hat er das alles in unglaublichen Melodienreichtum verpackt - ich bin immer wieder erstaunt, was dem Mann alles eingefallen ist. Lehár war ja u.a. mit Puccini befreundet und ich denke, dass sich beide musikalisch gegenseitig "befruchtet" haben.

      Wer sich mal einhören will, dem sei diese Einspielung hier empfohlen:



      aber auch auf die "Lustige Witwe" sollte man nicht vergessen:



      Viele seiner Melodien sind mit dieser unbeschreiblichen "ungarischen Wehmut" gewürzt - wenn ich an einer dieser selten schönen Sommerabende durch Ischl spaziere - weht mir diese Wehmut meistens vom Kurpark oder Zauner her kommend entgegen (dort spielen meistens kleinere Ensembles oder das Kurchorchester). Eigentlich schon wieder schön kitschig :love: ;)

      Abgesehen davon, sollte man sich auch einmal seinen Walzer: "Gold und Silber" anhören :juhu:

      Also meines Erachtens gibt es da durchaus viel Entdeckens wertes...

      Liebe Grüße

      Peter :wink:
    • amelia grimaldi schrieb:

      Aber Operette boomt doch - zumindestens im Sommer. Soweit ich das mitbekomme, ist Mörbisch doch ein enormer Erfolg und in Ischl gibt's auch im Sommer Operettenfestspiele.


      Liebe Renate,

      gerade bei Übertragungen aus Mörbisch, ich war noch nie selber dort, habe aber auch DVD's, habe ich festgestellt, daß sich doch wahrscheinlich mein Geschmack im Gegensatz zu früher mit dem Älterwerden verändert hat.

      Da waren Operetten dabei, die ich von der Inszenierung und auch der Handlung her (nie die Musik) grauslig fand, wie z.B. Cszardasfürstin, Weißes Rößl usw. Wirklich gut gefallen hat mir die Vorstellung der "Gräfin Mariza" vor ein paar Jahren, mit so guten Sängern wie Nicolai Schukoff oder auch, vom vorletzten Jahr, "Wiener Blut" mit wunderbaren Künstlern (außer Harald Serafin, aber den mochte ich noch nie).

      Das schlimmste Erlebnis war meine, bis dahin, absolute Lieblingsoperette "Der Bettelstudent" von einer österreichischen Wander-Operettenbühne (unter Heinz Hellberg) im Großraum München dargeboten. Sowas von verkitscht, verstaubt und entsetzlich, ich war so enttäuscht, denn ich hatte mich sehr darauf gefreut. Da höre ich mir lieber immer noch meine alte Mini-LP aus den 50ern mit Peter Anders und Rita Streich und den schönsten Melodien daraus an, wirklich.

      Nach den Beiträgen, die ich jetzt noch gelesen habe, wurde meine Einstellung zum Thema "Operette" aber wieder etwas versöhnlicher, weil ich manche schönen Werke einfach vergessen habe und speziell Offenbach wieder auffrischen sollte. Nur das Enttäuschende bleibt bei mir leider mehr hängen und man vergisst allzuleicht das Schöne.

      Liebe Grüße

      Kristin
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Rideamus schrieb:


      Es wäre aber unter diesen Umständen besonders dankenswert, wenn jmand, der noch in den internen Bereich des anderen Forums eindringen darf, Deine stets besonders instruktiven Beiträge, und natürlich auch die Anderer, die inzwischen zu uns gefunden haben, sichern könnte.

      Im übrigen ist das auch eine Warnung davor, dass die Früchte unserer früheren Mühen allgemein alles andere als gesichert sind und zugänglich bleiben. Womöglich bleiben sie verschwunden "bis über den Tod hinaus", den dem Forenbetreiber natürlich niemand wünscht. Leider auch deswegen.

      :wink: Rideamus

      Lieber Rideamus,

      das ist ja zur Zeiten Papagenos auf Deinen ausdrücklichen Wunsch bereits geschehen (has Du etwas geahnt?).

      Wir hatten dort ja auch eine Liste erstellt, die die gesicherten Threads auflistet. Leider ist Papageno derzeit geschlossen. Gibt es Chancen da noch mal dranzukommen, das würde eine Neuerstellung ersparen.

      Ansonsten ist es mir auch rätselhaft, dachte ich doch immer, das die Operette gerade bei dem Betreiber von Tamino einen Anhänger hat.

      Lieber Waldi, wenn Du noch etwas suchst, einfach bei mir melden. Vielleicht kann ich es ja finden.

      Viele Grüße,

      Melanie
      With music I know happiness (Kurtág)
    • Liebe Melanie, lieber Rideamus,

      Man weiß nicht, soll man mit den Schultern oder gleich auszucken. Wahrlich unerforschlich sind die die Gedankengänge Sarastros.

      Vielen Dank für das wertvolle Angebot bezüglich der Suche im Entrückten. Meine Eröffnungsthreads im seinerzeitigen Operettensektor hätte ich schon gern wieder zur Verfügung. Aber bitte nicht hudeln. Es ist nicht eilig.

      Verschwunden ist auch so manches Andere, z.B. eine empfehlenswerte Schnipselbox, auf die ich im Jenseits einmal hingewiesen habe, die aber bei Amazon offenbar nicht mehr im Programm ist, sodaß ich kein Bild mehr finden konnte.

      LG
      Waldi
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Teilweise habe ich die auch noch selbst und werde sie bei Gelegenheit aktualisiert wieder aufleben lassen. Dasselbe sollten all diejenigen tun, die Beiträge zu diesem Forum geschrieben und gesichert haben. Ich denke zum Beispiel an Rosenkavaliers Beiträge zu Künnekes VETTER AUS DINGSDA in Wiesbaden und überhaupt.


      Na, dann mach ich das doch....Falls die Mod. meint, die Kritik (immerhin schon aus 2007) wäre einen eigenen Thread wert, dann mag sie den Beitrag gerne verschieben. Allerdings verweise ich auf meinen Schlusssatz, in dem nämlich meine Meinung zu "Sagt und die Operette heute noch etwas?" zu finden ist. Übrigens hat der Regisseur wohl kürzlich in Chemnitz eine hochgelobte Fledermaus auf die Bühne gebracht......

      Der Vetter aus Dingsda

      Premiere: Samstag, 06.10.2007, Staatstheater Wiesbaden

      Musikalische Leitung: Wolfgang Ott
      Inszenierung: Ansgar Weigner
      Choreografie: Thorsten Gaßner
      Bühnenbild: Mathias Müller
      Kostüme: Renate Schmitzer
      Licht: Klaus Krauspenhaar

      Julia de Weert: Annette Luig
      Hannchen: Simone Brähler
      Erster Fremder: Carsten Süß
      Zweiter Fremder: Jud Perry
      Onkel Josse: Wolfgang Vater
      Tante Wimpel: Angela Mehling
      Egon von Wildenhagen: Klaus Krückemeyer
      Hans: Jochen Elbert
      Karl: John Holyoke
      Opa: Thomas Braun
      Postbote: Volker Pospiech

      Nachdem ich mich im letzten Jahr bei Ansgar Weigners “Im Weißen Rössl” köstlich amüsiert habe, war ich auf seinen “Vetter aus Dingsda” sehr gespannt. Und ich wurde nicht enttäuscht.

      Als erste Überraschung konnte man im Eingangsbereich einen Stammbaum der Familien Kuhbrodt, de Weert und Pelzer erblicken wohl ein Hinweis auf die in der Operette immer mal wieder beschworenen „Verwandten, die man besser von hinten sieht“.

      Das Bühnenbild zeigt einen großen Saal mit Emporen im Jugendstildekor, mit vielen Türen, die Onkel Josse in schöner Regelmäßigkeit zuknallt. Lediglich in der „Batavia-Szene“ verwandelt sich die Bühne in einen angedeuteten Urwald. Dazu wird kurzerhand der kleine Zimmerbrunnen in einen Kannibalen-Kochtopf umgewandelt. Ansonsten zaubert die Lichtregie immer wieder sehr schöne Stimmungsbilder.

      Weigner nimmt die Operette ernst und gibt ihr Tiefgang (stark z.B.: „Ich bin nur ein armer Wandergesell“), vergisst aber nicht, die ironischen Elemente (z.B. die permanente Zurückweisung von Egon) auch entsprechend auszugestalten.
      Die Personen sind gut ausgearbeitet sei es der cholerische Onkel Josse, die immer etwas angeschickerte Tante Wimpel in großen Galaroben, die völlig in ihrer Erinnerung gefangene Julia oder auch der pedantische Kontrollfreak Egon, der sogar das Einwickelpapier der Blumen glatt streicht, um es wieder zu verwenden. Die von Künneke als Stilmittel (nicht nur als Füllmaterial!) eingebauten Tanzszenen wurden vom Choreografen Thorsten Gaßner gestaltet. Wie ich auch berufenem Munde hören konnte, haben diese den Beteiligten bei aller Schinderei viel Spaß gemacht und das war auch zu sehen.

      Für mich war die stärkste Szene des Abends der (unkonventionelle) Schluss. Roderich schlüpft in die Rolle von August und wendet sich Hannchen zu. August hofft ein letztes Mal, dass Julia sich zu ihm bekennt. Diese aber flüstert im Brautkleid und leichenblass lediglich den Namen „Roderich“. August entflieht mit gebrochenem Herzen. Ich hab fast geheult und man hätte im Theater eine Stecknadel fallen hören können. Danach tosender Applaus insbesondere für den Regisseur.

      Den stärksten musikalischen Eindruck hinterlässt Carsten Süß als erster Fremder (August Kuhbrodt). Er überzeugt mit hinreißendem Tenorschmelz und großer Textverständlichkeit. Seine Intention, als Person und nicht als Bild von Julia geliebt zu werden, nimmt man ihm in jeder Sekunde ab und damit wirkt der Schluss auch stimmig.
      Die Julia Annette Luigs war für meinen Geschmack zu dünnstimmig, zu wenig mädchenhaft. Da ist von der Zweitbesetzung Sharon Kempton sicher Besseres zu erwarten.
      Simone Brähler singt ein forsches Hannchen, Jud Perry ist ein angenehmer und überzeugender 2. Fremder (Roderich), der arrogante Schnösel steht ihm gut.
      Wolfgang Vater, Angela Mehling und Klaus Krückemeyer zeichnen ihre Figuren ebenfalls sehr schön nach, lediglich Wolfgang Vater überzieht das Poltern gelegentlich.
      Der musikalische Eindruck wird leider etwas durch die unausgewogene Tonregie getrübt. Hier wäre manchmal ein präziserer Einsatz der Microports wünschenswert gewesen, auch hinsichtlich der Textverständlichkeit. Aber das schleift sich in den weiteren Vorstellungen möglicherweise ab.
      Das Orchester unter der Leitung von Wolfgang Ott meistert seinen Part sehr gut.

      Insbesondere wegen der unkonventionellen Deutung dieser Operette kann ich den Besuch im Staatstheater Wiesbaden nur empfehlen. Es gibt bei ***** irgendwo einen Thread zum Thema „Ist die Operette tot?“. Meine Antwort: Nicht wenn sich junge innovative Regisseure an sie heran trauen, sie ernst nehmen und trotzdem mal was Neues wagen. Ähnliches wurde auch in der Premierenfeier angedeutet. Man sei in Wiesbaden stolz, die oft belächelte und auf Silvesterveranstaltungen reduzierte Operette aus ihrer Nische hervorgeholt zu haben und nun schon zum zweiten Mal einen solchen Erfolg vorweisen zu können.


      LG
      Rosenkavalier
      Ich glaube, dass es in jedem Sänger einen einzigen, reinen und kleinen Ton gibt, welcher der wahre Ton der Stimme ist, und was immer man tut und wie man auch seine Stimme auf diesen Ton aufbaut, man muss zu ihm zurückkehren können, sonst ist es aus. (Agnes Baltsa)
    • Meine Lieben!

      Um zwei englische Operetten zu erwähnen, die früher, bei uns im Wiener Raimundtheater, als es noch nicht Musical - Theater war, öfter gespielt wurden.

      Gilbert und Sullivan "Der Mikado".



      eine recht originelle Inszenierung aus dem Opernhaus in Sydney,

      und Sidney Jones "The Geisha"



      Liebe Grüße sendet Euch, Operettenfreunden, Euer Peter aus dem sommerlichen Wien. :wink: :wink: :wink:
    • Lieber Peter!

      oper337 schrieb:

      Meine Lieben!

      Um zwei englische Operetten zu erwähnen, die früher, bei uns im Wiener Raimundtheater, als es noch nicht Musical -Theater war, öfter gespielt wurden.

      Gilbert und Sullivan "Der Mikado".



      eine recht originelle Inszenierung aus dem Opernhaus in Sydney,

      und Sidney Jones "The Geisha"



      Liebe Grüße sendet Euch, Operettenfreunden, Euer Peter aus dem sommerlichen Wien. :wink: :wink: :wink:
      Gilbert & Sullivan haben überhaupt tolle Operetten geschrieben. Für viele ist die Operette "HMS Pinafore" der Höhepunkt von "G & S" Schaffen:



      Auch das Libretto ist stellenweise wirklich lustig.

      Liebe Grüße

      Peter :wink:
    • Lieber Peter aus Bad Ischl!

      Bitte schreib nicht so viel vom ZAUNER, habe mir einen Stollen bestellt, und er ist weg, dabei will ich abnehmen.

      Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien - aber Zauner und Operette gehören irgendwie zusammen. :wink: :wink:
    • ... tja, und wenn jetzt noch die allerlustigste dazu kommt, am besten in dieser DVD, bei der man die Texte mitlesen kann - natürlich nur preisgünstig über den Marktplatz,



      dann habt Ihr wirklich schon mal einen sehr guten ersten Überblick über wenigstens einige der besten Savoy Operas von Gilbert & Sullivan.

      Und eine Tonne voll Vergnügen und herrlichen Melodien sowieso.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Hmmmmm....

      ich habe mich beim Mitlesen auch schon gewundert, dass die Operettenfans nichts mehr schreiben :shake: . Soviel ich weiß, ist in diesem Thread damals weder jemand ausfällig geworden, noch wurde nennenswert gestritten. Das soll einer verstehen.....

      Nunja, hier ist ja die Frage gestellt, was uns das genre noch zu sagen hat.

      Ich habe das lange völlig für mich abgelehnt wegen der meist unglaublichen kitschigen Verzopftheit, wie Operette meistens inszeniert ist, speziell die deutsche/österreichische. Da bleibt es bei grausligen Ungarn- und Zigeunerklischees, Schmalz und Schmacht und "herrliche alte Zeiten"

      Dabei war aber zeitgenössisch viel Spott auf Gesellschaftsformen dahinter. Die feinen Herrschaften wurden kräftig durch den Kakao gezogen, gerade in meinem Favorites, dem "Bettelstudenten" und der "Fledermaus". Die Typen sind schon trefflich charakterisiert und karrikiert. freilich auf "populäre" Weise, mit eingängigen, "leichten" Melodien, die man auf der Straße pfeifen kann. Eigentlich eine tragfähige Mischung, um gehobene Unterhaltungskunst mit Fortentwicklungspotential unters Volk zu bringen, aber immer in Gefahr, nur verkürzt interpretiert zu werden und ins Seichte, Beliebige abzurutschen

      Letztes ist leider speziell im 20. Jhnt. gründlich "gelungen". Die schönen Melodien haben sich erhalten, aber nur in Form von Erinnerungsseligkeit einer Generation, der damit vor allem zu einer ganz gewissen Zeit der Blick für die Realität zugemüllt wurde.

      Bisher bleibt das so. Operettenaufführungen sind oft die bunte Begleiterscheinung für Silvesterabende etc. Nichts dagegen, aber als alleiniges Auffüllsel für solche gelegenheiten ging der eigentliche "Pfeffer" verloren. ich habe mir auch vor einiger Zeit mal so eine Möbisch - Inszenierung angesehen und festgestellt, dass, ohne nun die Leistung der OperettenkünstlerInnen, die enorm ist im Sinne des künstlerischen "Handwerks" zu schmälern, nicht viel mehr als Musikantenstadel - Attitüde herauskommt. mag sein, dass das vielleicht nicht immer so ist, aber in diesem Fall war es so.

      Es bleibt allerdings die Frage, ob es überhaupt noch möglich ist, die Hintergründe der zur Entstehungszeit burlesk - anarchischen Elemente heute noch verständlich zu machen.

      LG

      :wink:

      Ulrica
      Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren (Bert Brecht)