Sagt uns die Operette heute noch etwas?

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    • Rideamus schrieb:



      da gibt es wohl weder eine einfache Auskunft noch einen kurzen Punkt, der alles erklärt, höchstens mein subjektives Gefühl: der Bruch mit der Operette war à la longue sicher ein schleichender Prozess, der allerdings einen gewaltigen Schub erhielt, als die Nazis die jüdischen Künstler vertrieben und auch vor den besten und beliebtesten kaum Halt machten. Wer blieb, war nicht unbedingt erste Sahne und hat sich zuweilen sogar an Melodien der Exilanten bereichert, jedoch ohne deren Können und Erfahrung in der Verarbeitung. Ähnlich ging es den ausführenden Kümstlern, die mangels internationaler Auftritts- und Vergleichsmöglichkeiten zunehmend im eigenen Milieu eindampften, weil auch das Publikum keinen Vergleich mehr und bald auch ganz andere Sorgen hatte.


      Seit längerer Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema, aber es köchelte so vor sich hin. Ein Ausgangspunkt war für mich der Aufsatz von Kevin Clarke, der in der Frankfurter Zeitschrift für Musikwissenschaft (Jg 12 (2009), S. 16-95) unter dem Titel "DerWalzer erwacht - die Neger entfliehen" Erich wolfgang Korngaolds Operetten(bearbeitungen) von Eine Nacht in Venedig 1923 bis zur Stummen Serenade 1954

      Ausgangspunkt sind die 20er Jahre. Die Operette orientierte sich am Broadway, die amerikanische Tanzmusik (im deutschsprachigen Raum "Jazz" genannt) nahm Einfluss auf das Geschehen. Kalmán machte den Anfang mit der Bajadere und dem Schlager Fräulein, bitte woll'n Sie Shimmy tanzen? (1921), es folgten Künnecke, Benatzky, Straus, Granichstaedten, Spoliansky, Weill und Abraham. Die Bajadere lief umgehend am Broadway (und an weiteren internationalen Spielstätten) wie weitere der erfolgreichen deutschen Operetten.

      Die Aneignung der amerikanischen Tanzmusik führte dazu, dass Operetten verjazzt wurden.Erik Charell produzierte u.a. Mikado und Die lustige Witwe verjazzt, Haller brachte eine verjazzte Csardasürstin auf die Bühne. Die Richtungen, die sich entwickelten, waren die Revueoperette als avantgardistische, antirealistische Kitschkunst (Clarke, 21), die Tonfilmoperette, die Kabarettoperette und es bereitete sich die Mischung vor, die als Musical Erfolg haben sollte.

      Die konservative Gegenbewegung, der auch Korngaold angehörte, suchte dagegen die Nähe zur Oper (etwa Lehar: Das Land des Lächelns). Lehar sah zwei große Gegner der Wiener Operette: die Revue und die "amerikanische Operette".

      In dieses Spannungsfeld geriet Korngold, der sich 1923 der Operette zuwandte, in Gegenstellung zu der Jazz-Operette. Seine erste Arbeit war "Eine Nacht in Venedig". Zu der Neubearbeitung konnte man in der Neuen Freien Presse von Josef Reitler Folgendes lesen:

      Es war höchste Zeit, dass man sich auch in der Operette auf sein besseres Ich besann. Längst war uns klar, dass der Tag wieder kommen müsse, daman wie im Zwange des Selbstverständlichen auf die leichte, geschmackvolle Heiterkeit früherer, besserer Zeiten zurückgreifen werde4, für die uns Johann Strauß ein zwingendes Symbol geworden ist. Wir meinen eine geistige Heiterkeit, die durch die Dekadenz, die beispiellose Geschmacksverirrung und Verwilderung der letzten Jahre immer mehr verschüttet wurde.
      (zit. nach Clarke)

      Die Kampfstellung gegen die "Negermusik" bedeutete eine Rückbesinnung auf den Walzer, die Strauß-Operette wurde einem krankhaften Internationalismus (wieder Reitler) gegenübergestellt. Der Simplizissimus titelte:

      Der Jazzmusik wird heimgegeigt. Der Walzer erwacht - Die Neger entfliehen.


      Als 1933 die Nazis eben diese Kulturpoltik allgemein umsetzen, bedeutet dies die Abkoppelung der deutschen Operettenszene von der internationalen Entwicklung ... und den Todesstoß für die damals noch lebendige Operette. In einem Folgebeitrag werde ich Korngolds Arbeit nach dem Aufsatz von Clarke zu skizzieren versuchen.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Ich habe mit Interesse den Eintrag von musica in den Operettenführer zu "Eine Nacht in Venedig" gelesen, auch weil er mir eine Distanz zu dem Text von Clarke verschafft, den ich im Moment rezipiere. Der nächste Beitrag wird sich mit der ersten Korngold-Bearbeitung von "Eine Nacht in Venedig" beschäftigen.

      Interessanterweise sehe ich da zwei Tendenzen im Konflikt, der sich dann (legt man musicas Beitrag zugrunde) auf Kosten der einen und zu Gunsten der anderen gelöst haben scheint, wenigstens für den Moment.

      Die eine Tendenz ist die, dass man die Operette als etwas versteht, das zwischen Sprechtheater und Musikdrama steht und zu beidem eine gewisse Distanz hat. Die Opernbühne wird eher parodiert, als dass man ihre Nähe suchte. Offenbachs "M. Choufleuri restera chez lui le... (Salon Pitzelberger)", das ich gerade hörte und sah, ist dafür ein schönes Beispiel. Mittelpunkt dieser opéra bouffe ist die Parodie eines Konzertes von drei italienischen Opernsängern anlässlich eines Empfanges bei M. Choufleuri (dt.: Pitzelberger). Dazu werden die Operetten immer wieder verändert, neu bearbeitet, der Gelegenheit angepasst. Musikstücke werden dazu geschrieben, andere wieder entfernt. Das ist lebendiges Theater, das so nur solange funktioniert, wie Operette als leichte Muse angesehen wird.

      Die andere Tendenz ist die, Operette als eine Form der Oper zu sehen, eine komische Oper sozusagen. Der Anspruch wächst, das Publikum wechselt. Vom Theater zieht man ins Opernhaus. Es singen nicht Schauspieler, es schauspielern Sänger. Damit werden aber auch die Seile festgezurrt, es gibt keine zusätzlichen Couplets mehr, keine improvierten Einfälle, kein aktuelles Beiseitesprechen. Das Werk gerinnt zum autonomen Kunstwerk, der Anspruch steigt.

      Korngold hat das eine genutzt (er hat erhebliche Eingriffe in die Substanz der Operette gemacht), um das zweite zu erreichen. musicas Auflistung der Nummern zeigt, dass man die Zusätze (soweit ich das verfolgen konnte) abgeworfen hat, es gibt nun eine (historisch auch korrekte) Abfolge von Nummern.

      Doch weiter mit Clarke ...

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Meine Lieben,

      In Ungarn hatte ich wieder einmal das Gefühl, daß die oft zitierte Krise der Operette in diesem Land nicht stattfindet. Bei uns in Szigliget gab eine Gruppe des Theaterunternehmens MEGAROX (mit Sitz in Kaposvár) ejnen Operettenabend vor der Parkfassade des einstigen Eszterházy-Schlößchens. Megarox ist ein privater Verein, der sich auf Operette, Musical und Rockoper spezialisiert hat und offenbar auch mit dem - übrigens, wie ich hörte, einen sehr guten Ruf genießenden - Theater von Kaposvár ein bisserl verbandelt ist. Das entsandte Ensemble bestand aus drei Vokalisten (2 Tenöre, einer davon war der künstlerische Chef Dr.Zoltán Berlik, 1 Sopran) und vier Tanzpaaren, das Programm konzentrierte sich auf Lehár und Kálmán. Bei einer Freilichtveranstaltung muß man wohl oder übel die üblich gewordene Verstärkeranlage in Kauf nehmen, wiewohl die meines Erachtens entbehrlich gewesen wäre. Die Musik kam von einem schon recht abgeleierten Band, aber das vergaß man schnell. Was da an Musikalität, Ausstrahlung, Temperament und Spielwitz geboten wurde, war großartig. Wenn sich die Truppe von einem Csárdás in den anderen stürzte, dann erlebte man eine Lehrstunde in Operettenkunst. Mein Lieblingslied aus der "Csárdáskirálynö (Csárdásfürstin)" habe ich nur in der Aufnahme mit Hanna Honthy je so gut gehört wie hier. Sowas von Rubato-Raffinesse! In Mörbisch müßte man schamrot werden...
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Musikkristin schrieb:


      Das schlimmste Erlebnis war meine, bis dahin, absolute Lieblingsoperette "Der Bettelstudent" von einer österreichischen Wander-Operettenbühne (unter Heinz Hellberg) im Großraum München dargeboten. Sowas von verkitscht, verstaubt und entsetzlich, ich war so enttäuscht, denn ich hatte mich sehr darauf gefreut.

      Liebe Grüße

      Kristin


      Liebe Kristin,

      auch wenn meine Reaktion auf Deinen Post schon Lichtjahre hinterher ist: Ich kann Dich da sehr gut verstehen und bin froh, dass ich nicht der einzige bin, dem es so mit besagter Operetten-Truppe erging. Ich hatte die Operette bis vor kurzem immer gemieden, konnte mich aber Ende letzten Jahres endlich mal dazu überwinden, eine Aufführung zu besuchen: Am Stadttheater Fürth stand ein Gastspiel der Operettenbühne Wien unter Heinz Hellberg an, gegeben wurde "Der Zigeunerbaron". Meine erste Begegnung mit der Gattung Operette hätte kaum verheerender ausfallen können! In peinlichen, pseudo-authentischen Pappkulissen stand ein lustlos agierendes und schlecht singendes Ensemble herum, die "Inszenierung" suhlte sich geradezu in abgeschmackten Zigeunerklischées. Die Musik? Na ja ... Zum ersten Mal verspürte ich das Verlangen, eine Musiktheatervorstellung zur Pause zu verlassen, so entsetzt war ich über die Darbietung. Ich bin dann doch geblieben, musste mich am Ende allerdings sehr beherrschen, nicht lauthals "Buh!" zu rufen. Ich dachte mir: Wenn DAS die Operette ist, dann ist sie tot und soll es bleiben!
      Kürzlich hab ich jedoch einen zweiten Versuch gestartet und mir aufgrund des sehr attraktiven Preises gleich diese Monsterbox zugelegt (ich dachte mir, da wird dann schon IRGENDWAS dabei sein, was mir gefällt ...), durch die ich mich nun langsam durcharbeite:



      Und tatsächlich habe ich nun eine Operette gefunden, die mir doch zumindest musikalisch ziemlich gut gefällt: Eduard Künnekes "Der Vetter aus Dingsda". Mal sehen, ob ich mich mit der Operette als solches noch anfreunden kann ... ;+)
      Nachdem ich zuletzt auch noch einige Inszenierungen (hauptsächlich über YT) gesehen habe, muss ich jedoch folgendes konstatieren: Um das Genre für die Bühne zu retten, bedarf es meiner Meinung nach unbedingt einiger zeitgemäßer, ja ich will fast sagen radikaler Lesarten, stilistisch wie auch inhaltlich. Denn da wo Regisseure in der Oper vielleicht öfter mal selbstverliebt und sinnfrei übers Ziel hinausschießen, da scheint die szenische Realisierung von Operette selbst heute noch in einer allzu miefigen Mottenkiste zu stecken - gerade so, als hätte es die letzten 30, 40 Jahre Inszenierungspraxis nie gegeben. Ich denke, da ist dringender Handlungsbedarf gegeben, sonst hört man sich die Sachen in 10, 20 Jahren nur noch auf Tonträger an!

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Lieber DiO,

      das ist ja wirklich schon Lichtjahre her, ich habe mittlerweile schon, was Operette angeht, eine gewisse Entwicklung durchgemacht, und zwar eigentlich im positiven Sinn.

      "Der Vetter aus Dingsda" z.B. ist wirklich bezaubernd, so viele schöne Melodien. Hab ich div. CD's.

      Kurios war, daß eigentlich eine englischsprachige Aufführung der "lustigen Witwe" in mir die Liebe zu dieser Operette geweckt hat, eine Aufführung der ROH von Anfang der 2000er-Jahre mit Felicity Lott, Thomas Allen und Claudio Desderi. Ich hab mir diese DVD aus USA besorgt und es hat sich für mich gezeigt, daß es, mir wenigstens, sehr viel bringt, wenn da zwei wirklich charismatische Hauptdarsteller auf der Bühne sind. Was die aus dieser Aufführung gemacht haben war grandios. Es war von Gefühlen, Charme und Romantik durchwebt, daß ich fast sprachlos war. Die Inszenierung richtig in die Zeit gesetzt.

      Ähnliches ist mir mit der Fledermaus passiert. Modernisiert hilft bei mir wirklich nicht, wenn ich nur an die entsetzliche Berliner Aufführung des "Weißen Rössls" denke.

      Offenbach-Operetten habe ich auch entdeckt und kann"Die schöne Helena" und "Orpheus in der Unterwelt" nur wärmstens empfehlen.

      Aufführungen der Heinz Hellberg-Bühne werde ich meiden wie der Teufel das Weihwasser.

      :wink: :wink: Kristin :wink:
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Musikkristin schrieb:


      "Der Vetter aus Dingsda" z.B. ist wirklich bezaubernd, so viele schöne Melodien.


      Das stimmt. Die Nummer, die mich dabei wirklich "rumgekriegt" hat, ist das Terzett "O werter Verehrter / Überleg dir's, wenn du freihst". :thumbup:

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Im Sommer wird diese Publikation von Volker Klotz erscheinen:

      [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/4114LnCaFaL._SL500_AA300_.jpg]

      Vielleicht ganz interessant ... werde ich mal im Auge behalten.

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Hallo, guten Morgen,

      es gibt ein Buch von Bernhard Grun "Kulturgeschichte der Operette", das mit sehr viel Liebe zum Genre Operette und auch Musical geschrieben worden ist. Leider ist das Ding, ich habe es schon Jahrzehnte im Regal, nur noch antiquarisch zu kriegen.

      Ist aber wirklich sehr zu empfehlen, sich auf die Suche zu machen.


      :wink: :wink: Kristin
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Liebe Kistin! Lieber DiO!

      Das Poblem de heutigen Operetteninszenierungen ist - enweder werden sie mt Gewalt "modern" gemacht - das geht schief oder es liegt von Anfang an so viel Staub schon auf der Bühne, dass man die Staubmilben husten hört.

      Kristin hat schon erwähnt, die Londoner "Witwe" mit Dame Felicity Lott und Sir Thomas Allen - hier ist nichts auf der Bühne, Sesseln ausgenommen und wenn Danilo erscheint, ein Griff bei der Tür rein und man weiß alles - und dann Walzerseligkeit pur, nicht mit Sirup versüßt, sondern eben "So ist es und nicht anders" wie Hannah sagt. Bei der Fledermaus aus Glyndebourne ähnlich.

      Die beiden "Belle Hélène" aus Zürich und Lyon leben vom Tageswitz und sind so, dass sie der heutigen Gesellschaft den Spiegel vorsetzen - und es gelingt. Das selbe gilt für die "Großherzogin" mit Dame Felicity Lott.

      Wenn die Operette überleben will, dann muss sich der Regisseur von Althergebrachten lösen - und vor allem Sänger einsetzen, aber nicht den Charme draußen lassen. Es geht sonst keiner in diese Aufführungen mehr rein. Die "Czardasfürstin" DVD aus Ungarn die ich bekam, damals noch in S/W, hat bewiesen, so gehört es gemacht - auch wenn ich kein Wort verstand, es wurde ja Ungarisch gesungen und gesprochen.

      Personen die mit ihrer Ausstrahlung schon so etwas bringen, dass man Bühnenbilder vergisst, die brauchen ja auch nur angedeutet sein - Bravourstückeln bitte draußen lassen, es schreibt ja zwar, bei der Komposition 1917, aber dann noch Leichenflederei, das nützt sich ab und interessiert schlussendlich keinen Menschen mehr.

      Bei der "Silbernen Operette" schauen, dass "Sieben Jahre in Batavia" sich nicht ziehen wie ein Strudelteig und auch noch das Publikum vertrotteln. So blöd ist das Publikum nicht. Fast alle Operetten von Rideamus [dem Namensgeber des unseren] haben Zeitbezogenheit die aber nicht stehen geblieben ist, die Zeit wandelt sich zwar - aber die Operette soll sich mitwandeln, ohne in Geschmacklosigkeit zu vergammeln.

      Liebe morgendliche Grüße von Eurem Peter aus Wien. :wink:
    • Lieber Peter,

      oper337 schrieb:

      Wenn die Operette überleben will,... - und vor allem Sänger einsetzen, aber nicht den Charme draußen lassen.

      treffender kann man es nicht sagen / schreiben. Ich denke, wenn mehr Regisseure und Sänger die Operette ernst nehmen würden und sich der Kunst des vermeintlich leichtem mit dem nötigen Respekt und Engagement widmeten, würde es auch in Zukunft sehr schöne Operettenerlebnisse für uns geben.

      Es reicht leider nicht, wenn sich kleine Bühnen mit viel Fleiß und Eifer bemühen die Operette am Leben zu halten. Natürlich ist das ein nicht zu unterschätzender Beitrag, für den ich wirklich dankbar bin.


      LG

      Maggie
      Wenn Einer kümmt un tau mi seggt, Ick mak dat allen Minschen recht, Dann segg ick: Leiwe Fründ, mit Gunst, O, liehr'n S' mi de swere Kunst. - Fritz Reuter
    • oper337 schrieb:

      Liebe Kistin! Lieber DiO!

      Das Poblem de heutigen Opertteninszenierungen ist - enweder werden sie mt Gewalt "modern" gemacht - das geht schief oder es liegt von Anfang an so viel Staub schon auf der Bühne, dass man die Staubmilben husten hört.

      Kristin hat schon erwähnt, die Londoner "Witwe" mit Dame Felicity Lott und Sir Thomas Allen - hier ist nichts auf der Bühne, Sesseln ausgenommen und wenn Danilo erscheint, ein Griff bei der Tür rein und man weiß alles - und dann Walzerseligkeit pur, nicht mit Sirup versüßt, sondern eben "So ist es und nicht anders" wie Hannah sagt. Bei der Fledermaus aus Glyndebourne ähnlich.

      Die beiden "Belle Hélène" aus Zürich und Lyon leben vom Tageswitz und sind so, dass sie der heutigen Gesellschaft den Spiegel vorsetzen - und es gelingt. Das selbe gilt für die "Großherzogin" mit Dame Felicity Lott.

      Wenn die Operette überleben will, dann muss sich der Regisseur von Althergebrachten lösen - und vor allem Sänger einsetzen, aber nicht den Charme draußen lassen. Es geht sonst keiner in diese Aufführungen mehr rein. Die "Czardasfürstin" DVD aus Ungarn die ich bekam, damals noch in S/W, hat bewiesen, so gehört es gemacht - auch wenn ich kein Wort verstand, es wurde ja Ungarisch gesungen und gesprochen.

      Personen die mit ihrer Ausstrahlung schon so etwas bringen, dass man Bühnenbilder vergisst, die brauchen ja auch nur angedeutet sein - Bravourstückeln bitte draußen lassen, es schreibt ja zwar, bei der Komposition 1917, aber dann noch Leichenflederei, das nützt sich ab und interessiert schlussendlich keinen Menschen mehr.

      Bei der "Silbernen Operette" schauen, dass "Sieben Jahre in Batavia" sich nicht ziehen wie ein Strudelteig und auch noch das Publikum vertrotteln. So blöd ist das Publikum nicht. Fast alle Operetten von Rideamus [dem Namensgeber des unseren] haben Zeitbezogenheit die aber nicht stehen geblieben ist, die Zeit wandelt sich zwar - aber die Operette soll sich mitwandeln, ohne in Geschmacklosigkeit zu vergammeln.

      Liebe morgendliche Grüße von Eurem Peter aus Wien. :wink:


      Lieber Peter,

      prinzipiell kann ich Dir in fast allem zustimmen, natürlich lebt gerade die Operette vom Singschauspieler. Etwas allergisch reagiere ich jedoch meistens auf Formulierungen wie "mit Gewalt modernisiert", denn nicht selten dient dies Leuten als Schutzbehauptung, die generell alles ablehnen, was nicht einer Libretto-getreuen Bebilderung entspricht und bei denen die Verwendung des Wortes "modernisiert" implizit immer mit "mit Gewalt" einhergeht, obwohl durch die Formulierung der Anschein erweckt wird, es wäre nicht so. Ich wäre jedenfalls froh über jede Operetten-Inszenierung, die darauf verzichtet, die Bühne als sinnfreie Kulisse zu missbrauchen, die im Namen der "Werktreue" mit allem möglichen Krimskrams vollgemüllt wird - wie Kirstin und ich feststellen mussten scheint sich aber z.B. gerade die Operettenbühne Wien in dieser Hinsicht unrühmlich hervorzutun. Mal sehen, was die Zukunft bringt ...

      Beste Grüße nach Wien,

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Lieber DiO!

      Da habe ich es etwas ungeschickt hervorgebracht, die Inszenierungen die ja jetzt, in Wien, nur mehr von der Volksoper gemacht werden sind teilweise recht gut gemacht - aber teilweise Musicalableger [nichts gegen das Musical], wenn aber ene "Diva" wie letzthin in "Kiss me Kate" aus Berlin so gar keine Ausstrahlung hat, singen konnte sie auch nicht und einen Petruccio zur Seite hat, der auch nichts konnte], dann ist die Operette auch nicht zu retten. Das "Weiße Rössl" sah ich nicht, kann mich also nicht dafü ud auch nicht daggeen äußern.

      Ich denke, dass die Operette, die in einer ganz anderen Zeit komponiert wurde, doch die große Chance hat auf heutige Verhältnisse gebracht werden kann, wie ich bei Offenbach bemerkte, aber auch "Die lustige Witwe" aus der WStO die nur 42 mal gespielt wurde, hat das in sich gehabt sie war modern und doch charmant. Auch die Volksopern "Herzogin von Chicago" war wirklich ganz ohne Operettenkitsch gebracht - nur sind die Wiener eine solche Aufführung nicht gewohnt und sie ist vom Spielplan weg,

      Mörbisch ist die Devise - und da hat man gleich das Schlechteste vor Augen. Vielleicht macht Dagmar Schellenberger beim "Bettelstudent" 2013 was Neues, gerade diese Operette hat eines der besten Textbücher und passt in jede Zeit. Harald Serafin, den ich seine Bemühungen um die Operette nicht aberkennen will, hat oft einen großen Schund gebracht, auf Kitsch und Unmöglichkeiten hat er aufgebaut und sich selbst zur "Schmiere" degradiert.

      Wenn die Operette ernst genommen werden soll, dann müssen nicht nur die besten Sänger sie singen, sondern auch die einfallreichsten Regiesseure sie bringen - Beispiele gibt es ja anderswo genug.

      Liebe Grüße sendet Dir Peter. :wink: :wink:
    • Diabolus in Opera schrieb:



      Kürzlich hab ich jedoch einen zweiten Versuch gestartet und mir aufgrund des sehr attraktiven Preises gleich diese Monsterbox zugelegt (ich dachte mir, da wird dann schon IRGENDWAS dabei sein, was mir gefällt ...), durch die ich mich nun langsam durcharbeite:



      Und tatsächlich habe ich nun eine Operette gefunden, die mir doch zumindest musikalisch ziemlich gut gefällt: Eduard Künnekes "Der Vetter aus Dingsda". Mal sehen, ob ich mich mit der Operette als solches noch anfreunden kann ... ;+)


      Lieber DIO,

      ich hoffe, Du hast inzwischen mehr gefunden :wink: Ich höre im Moment die Monsterbox durch und gönne mir pro Tag eine Operette. Es ist - wie ich es auch in "Eben gehört" schreibe - eine Erkundung, bei der ich jetzt schon das Gefühl habe, dass ich, wenn ich mal die Box zu Ende gehört habe, gleich wieder vorne anfangen muss, doch dann wohl chronologisch. Die Ordnung der Box ist eine alphabetische, was wieder den Vorteil hat, dass es recht konträre Nachbarn geben kann und gibt. Die Vielfältigkeit dessen, was Operette sein kann, wird so sinnfällig. Aber es gibt schon die ersten Markierungspunkte, die mir - so hoffe ich - bei einer späteren Orientierung helfen können. Die Bandbreite der musikalischen Qualität mag groß sein, größer ist aber mE die Bandbreite der literarischen Qualität. Da kann sich so manche biedere Komödie nicht mit einem Sujet messen, das von Scribe oder nach Scribe präsentiert wird.

      Zwiespältig ist es, dass die Box - soweit ich das bislang sagen kann - auf Aufnahmen aus den 50ern konzentriert. Mir macht da der Klang weniger aus, es ist durchweg gutes Mono, was man hört, aber das mag bei anderen Forianern nicht unerheblich bei der Akzeptanz sein. Die Stärke der Einspielungen ist die Qualität von Sängern und musikalischer Realisation, nicht zuletzt das Dirigat von Marszalek. Aber es ist bei aller Spritzigkeit doch auch eine altmodische Behäbigkeit da, vergleicht man es mit den (wenigen) großartigen Operettenaufführung unserer Gegenwart (ich denke da etwa an "Land des Lächelns" in der Konwitschny-Inszenierung, an das "Weiße Rössl" aus der "Bar jeder Vernunft"). Da mich weniger die Nostalgie vergangener Theatererlebnisse leitet, fehlt mir etwas das spontane Übereinstimmen mit der Lesart, etwa beim "Försterchristl". Gut, das spukt dann noch der Rabenalt bei mir herum, das hilft wieder. Aber die Box, das muss man festhalten, ist meilenweit entfernt von dem Kitsch der 60er, sprich: die Box gibt einem wirklich die Chance, Operetten kennen und lieben zu lernen.

      Mich interessieren Deine Erfahrungen (und selbstverständlich auch von allen anderen, die diese Box erworben haben)

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Habe zwar keine Operetten-Box, aber bin gestern zufällig bei 3Sat in den Spielfilm von 1958 der Gräfin Mariza geraten und sah ihn, wohl aus Nostalgie-Gründen und auch mit vielen traurigen Gedanken an Rideamus, bis zum Ende an. Weiß noch, dass ich Zeiten hatte, in der mir die Oper sehr fremd und sogar bedrohlich vorkam und ich solche Filme oder Operettenvorstellungen sehr liebte. Musikalisch fand ich es gestern ziemlich grauslig, aber das lag wohl an der schlechten Tonwiedergabe, hatte aber doch Spaß an den Schauspielern (vorallem Hans Moser) und Sängern (Rudolf Schock und Christine Görner).

      Jeden Tag eine Operette anzusehen, würde mir wahrscheinlich doch schwerfallen, aber vielleicht bekommt man ja tatsächlich Geschmack daran. Werde mich auch bemühen, alles zu lesen was zumindest in diesem Thread steht und sicher Freude dran haben ;+)

      Herzliche Grüße

      Ingrid

      PS. Habe Freunde, die jedes Jahr nach Mörbisch fahren und immer voller Begeisterung von der tollen Atmosphäre und dem wunderbaren Feuerwerk am Schluss erzählen. Wer gesungen und dirigiert hat haben sie meist vergessen. Mörbisch käme für mich höchstwahrscheinlich nicht einmal infrage, wenn Kaufmann dort wieder auftritt, obwohl man in diesem Jahr noch reichlich Karten hätte bekommen können und es wohl sehr gut war.
    • Diabolus in Opera schrieb:

      Im Sommer wird diese Publikation von Volker Klotz erscheinen:

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      Vielleicht ganz interessant ... werde ich mal im Auge behalten.

      DiO :beatnik:


      Ich denke, da ist das gleiche wie hier drin , nur das in dem großen Operetten Buch 106 Werke ausführlich vorgestellt werden . Der 1 Teil des Buches ca .240 Seiten, ist Überschrieben mit " Durchgängige Eigenschaften der Gattung " .

      Meine Ausgabe ist diese von 1991 !, Piper , sie kam nochmals zum Vorschein 2004 bei Bärenreiter !

      [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/71YTC2NXT0L._SY600_.gif] [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/41R6F7NDG2L._AC_SX110_SY165_.jpg]

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Der Beschreibung zufolge ist das neue Buch eher praktisch ausgerichtet und beinhaltet Texte von Klotz zu seinen Arbeiten an Operetteninszenierungen, also eine ERgänzung zu seinem Führer.
      Ein Mann, der kleine Kinder und Hunde haßt, kann kein so schlechter Mensch sein. (W. C. Fields)
    • 01.07. / 15.00uhr !!

      . . . u. für alle Mitglieder im hiesigen WM - Club 8) JA zu dieser Zeit findet ein AF - Spiel statt >vermutl. Russl. od. Uruguay vs. vermutl. Spanien od. Portaldo> <= <= you see . . . hier soll keiner betrogen werden ;)

      für den "Grafen v. Luxemburg" im Theater Duisburg am >S.o.< will ich meine Karte verhökern . . . 25 statt 32,50EUR (1.Rang, Seite) ((u. für alle Umweltbewussten . . . Karte gilt auch als Fahrausweis im gesamten VRR - Verbundraum !!!))

      :!: :!: <= <= u. a. Bo Skovhus als Rene, Juliane Banse als Angele, Noemi Nadelmann als Stasa (Dirigat Patrick F. Chestnut / Regie Jens - Daniel Herzog) :!: :!:

      <= und warum ich nicht einfach selber hingehe ?? . . . weil es für mich (sehr wahrscheinlich jedenfalls) keine geringe Anstrengung wäre, mich auf eine Wiener Operette einzulassen - und Temperaturen, wie sie für das übernä. WE angekündigt sind, für den Schattenanbeter wesW sowieso schon ein Problem sind... ZUDEM bin ich 2 Tage drauf im Konzerthaus DO bei Mahler.Acht - das reicht mir dann doch))

      :wink:
      Alexa: Was ist ein gerechter Lohn? - Das weiß ich leider nicht!
      Peter Kessen "Disruptor Amazon"

      Hollywood ist ein Witz - nicht hassenswert...
      Aki Kaurismäki