MOZART, Wolfgang Amadé: Symphonie Nr. 18 F-Dur KV 130

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    • MOZART, Wolfgang Amadé: Symphonie Nr. 18 F-Dur KV 130

      Ich erlaube mir, ganz begeistert und tief bewegt einen weiteren Thread zu einer nicht so bekannten Mozart Symphonie zu eröffnen, durchaus persönlich und subjektiv. (Für mich gibt es ohnedies keine Objektivität. ;+) )

      Was ist da im Mai 1772 passiert? Da hat der 16jährige Wolfgang Amadeus (er selbst schrieb sich Amadé) Mozart offenbar einen Sprung gemacht – einen kompositorischen Sprung sondergleichen. Ich höre gerade in lockerer Folge die Symphonien von KV 16 bis KV 441 durch und empfinde es eben so. Er hat mehrere Symphonien in diesem Monat komponiert, und schon alles was der Durchhörende bis dahin gehört hat ist ja erstaunlich genug, abwechslungsreich und genial inspiriert. Man mag es teilweise studienhaft oder noch nicht so ausgereift wie die späteren großen Werke nennen, vielleicht sogar vernachlässigenswert angesichts so viel anderer „wertvoller“ Musik, zu sehr von der steiferen Mannheimer Schule beeinflusst – für mich offenbart sich hier die eigentlich unbeschreibliche Entwicklung nur einmal des Symphonikers Mozart, der schon als Jugendlicher eine absolut einmalige Jahrtausendbegabung war. Davor also die jeweils dreisätzigen Symphonien KV 128 und KV 129 gehört, und nun diese – Symphonie Nr. 18 F-Dur KV 130, und mir ging eine Mozart Sonne sondergleichen auf. Dieses Werk hat jenen „Mozart Sternenstaub“, den es eben nur bei Mozart gibt.

      KV 130 hat wieder vier Sätze. Erstmals setzt Mozart hier Hörner in einer Symphonie ein, und auffallend ist auch die Proportionierung der Sätze, die „Aufwertung“ des Finalsatzes zu einem gewichtigen Sonatensatz. Das Werk dauert (zumindest in den mir vorliegenden Einspielungen) an die 23 Minuten.

      Das eröffnende Allegro, ein Sonatensatz mit Wiederholung der Exposition, besticht von Anfang an mit seinen spitzbübischen „Schlenkerern“ bei den Tonansätzen. Die Hörner eröffnen Möglichkeiten zu neuen Klangfarben. Staunenswert schöne, einfallsreiche Musik, ganz Mozart!

      Das anschließende Andantino grazioso assoziiere ich etwa mit Serenadenmusik, heimelig in sanften Farben.

      Beim Menuetto fällt die fließende Begleitung auf, beim Trio die kontrastiv eingesetzte Farbigkeit des Arrangements.

      Und der spritzige Molto allegro Finalsatz, erneut ein Sonatensatz, wirkt besonders pointiert, er steckt voller Überraschungen mit seinen „Charakterwechseln nach Schnitten“.

      Mein Fazit: Ein komplexes, großes Werk eines 16jährigen, und trotzdem so wunderbar leicht durchzuhören!

      Genaueres wie so oft bei wikipedia.
      "http://de.wikipedia.org/wiki/18._Sinfonie_%28Mozart%29"

      Die Zeitgenossen, die möglicherweise Mozarts Genialität bereits bewusst mitbekommen haben, mussten sich mit seltenen Aufführungen sofern sie diese überhaupt mitbekommen haben sowie allenfalls falls verfügbar mit Partiturstudien zufriedengeben. Heute gibt es mehrere Aufnahmen, in unterschiedlichsten Formaten abrufbar, jede und jeder kann so eine Symphonie jederzeit hören, etwa bei youtube. Nichts ist selbstverständlich, das wurde mir auch beim Kennenlernen dieses Werks zu einem von mir bestimmten Zeitpunkt in von mir bevorzugten Aufnahmen wieder einmal sehr bewusst. Vieles in der Zeit in der man lebt mag nicht stimmen, aber so etwas erleben zu dürfen ist ein Privileg.

      Bei mir sind es wie immer die Aufnahmen mit James Levine und den Wiener Philharmonikern (Wiener Philharmoniker Symphony Edition, DGG, Großer Musikvereinssaal Wien, Juni 1989) sowie mit Nikolaus Harnoncourt und dem Concentus Musicus Wien (Mozart Early Symphonies, Sony/Deutsche Harmonia Mundi, Kasino Zögernitz Wien, Oktober 1996). Levine mit der ausgleichenden, klangschönen Wiener Philharmonischen Mozart-Welt, weich geborgen, zum Sich-Fallenlassen in diese große Kunst, Harnoncourt erneut erdiger, bodenständiger, kontrastiver, und doch hier sowohl bei den Tempi als auch im Grundcharakter ähnlich freundlich und ungewohnt nicht-grimmig unterwegs. Mozarts Auslotung der Klangfarben kommt beim Concentus Musicus mit seinen Originalinstrumenten ganz eigen ausdrucksvoll zur Geltung. Covers siehe hier.

      Mir geht es jedenfalls so: Die Entwicklung des Symphonikers Mozart schon in dessen Jugendzeit "nachzuhören" bringt ganz erstaunliche, wunderbare Entdeckungen. Bin um jede froh. Wer zu Hause oder in einer nahen Bibliothek oder anderweitig Zugang zu Aufnahmen hat, ist herzlich eingeladen, dies "zu überprüfen" ;+) .
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Eben habe ich mal wieder die Nr. 18 (KV 130) angehört. So richtig warm werde ich nicht mit ihr. Jaja , die Fachleute sehen das anders, siehe auch der o.g. Wikipedia-Artikel. Hier meine subjektive Sicht:

      1. Satz:
      Ordentlich bis gut. So wurde damals eben komponiert, viel Tremolo, viele Anläufe, Crescendi, etc. Aber auch mit der einen oder anderen typisch mozartschen Wendung, was die Sache unverwechselbar macht. Die Durchführung ist recht spannend, wenn auch kurz. Reprise dann wie üblich. Insgesamt gut gemacht.

      2. Satz:
      Typischer Mozart-Charme. Könnte auch ein Zwischenspiel in einem Schäferinnen-Singspiel sein. Die Durchführung ist wieder sehr kurz. Die Reprise überrascht mit einem längeren Zwischengedanken. Guter Satz.

      3. Satz:
      Er gefällt mir am besten. "Höfisches" Menuett kombiniert mit "wiegendem" Trio. Recht apart.

      4. Satz:
      Damit habe ich die größten Probleme. Der Satz ist viel zu lang. Manchmal hat es auch Nachteile, wenn man so kreativ wie Mozart ist: Viele Ideen müssen untergebracht werden. Hier waren es zu viele. Selbst kurz vor Ende der Durchführung kommt noch mal eine Verzögerung. Mit Wiederholung dauert das 4 1/2 Minuten. Man ist auf die Durchführung gespannt. Und was kommt: Es wird nur dieses eine blöde Motiv aus der Exposition variiert. Dauer: 30 Sekunden. Die Reprise bringt dann auch keine neuen Erkenntnisse mehr.

      Mozart hätte diesen Satz einem weniger talentierten Kollegen als 1. Satz einer Sinfonie verkaufen sollen. Um dann etwas Knackigeres als letzten Satz seiner eigenen Sinfonie zu schreiben. Ist nur ein Tipp von mir. Aber auf mich hört ja keiner.


      Thomas
    • Nun habe ich mich einige Tage mit Sinfonien 16, 17 und 18 beschäftigt. Mit den ersten beiden bin ich nicht so warm geworden. Sie sind nett aber lassen mich ansonsten recht kalt. Bei der "18" ist dies wieder ganz anders.

      Gehört habe ich sie wie die anderen auch schon bei Jaap ter Linden



      und unter der Leitung von Günter Kehr mit dem Mainzer Kammerorchester (ohne Bild, aber eigentlich gerade hier nicht in der 2. Reihe!) - schade dass die älteren Coverbilder via ASIN nicht funktionieren.

      Der 1. Satz beginnt dann auch gleich richtig berauschend und energiegeladen. Es macht richtig Freude, bei Kehr mit mehr Elan und Herzblut gespielt. Überhaupt gefällt mir die 18. Sinfonie bei Günter Kehr besser als bei ter Linden. Man könnte denken, er hätte alle Energie auf diese Sinfonie verwendet :thumbup: . Was sonst noch an der Musik selbst auffällt ist die Dominanz der Hörner und die von ihnen lang gehaltenen Töne.

      Der zweite Satz und wunderschön, bei ter Linden eher entspannend, bei Kehr sehr spannend und ein wenig langsamer, aber auch "voller" im Ton.

      Vom Menuett ist ehrlich gesagt auch nach öfteren Hören nichts hängen geblieben. Und das Finale fand ich jedes Mal gut aber auch ohne nennenswerte Eigenheiten.

      Die Sinfonie wird allseits gelobt - ich kann es insbesondere beim ersten und zweiten Satz vollkommen verstehen - hier vor allem bei Günter Kehr: mittelmäßige Klangqualität (60er) aber tolle Interpretation :thumbsup: